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DERIVATION/ABLEITUNG

DER SUBSTANTIVA
Die Derivation

 zu lat. derivare 'leiten, ableiten,wegleiten'

 Ableitung
 Bei der Derivation wird ein Wort als Wortform
 z.B. Gold, schön, schöner, flieg-, fliegen oder
 ein Konfix (z.B. polit-, ident-) zu einem Derivat
abgeleitet
 z.B. goldig, schönen, das Fliegen.

 Das Wort oder Konfix, das abgeleitet wird, wird als


Basis bezeichnet.
Basen sind vor allem
 Wörter/Lexeme

 Schönheit
 Konfixe
 identisch,
 mitunter auch Sätze und Phrasen
 blauäugig
Konfixe (Kombineme)
 sind nur in Verbindung mit anderen Morphemen vorzufinden,
 fremdsprachige, seltener heimische Elemente
 Biomasse, Stiefsohn,

 Fotograf, Psychopath

 Aquanaut, polyglott

 Konfixe können auch als Basen für Ableitungen fungieren, z.B.


 elektr: elektrisch, Elektrizität; zyn: zynisch, Zynismus, Zyniker,
Unter dem Begriff Derivation werden zwei bzw. drei
Wortbildungsarten zusammengefasst:

 die explizite Derivation


◦ d.h. die Ableitung mit Wortbildungsaffixen wie
◦ heit, -ig, be- usw.
◦ z.B. schön -> Schönheit, Gold -> goldig, polit- -> politisch, laden ->
beladen, ident- -> identifizier(en)
 die implizite Derivation
◦ d.h. die Ableitung mit/ohne Stammveränderung
◦ z.B. trinken -> tränken,stehen -> Stand, Stuhl, laufen -> Lauf
 die Konversion
◦ d.h. die Ableitung allein durch Wortartwechsel
◦ z.B. angst -> Angst, fliegen -> das Fliegen, Ernst -> ernst, Fisch ->
fisch(en)
Die explizite Derivation

 neben der Determinativkomposition die häufigste


Wortbildungsart
 Derivate werden explizit gebildet, indem
Wortbildungsaffixe (z.B. -heit, -lich, be-) vor allem an
Wörter oder Konfixe angehängt werden:
 z.B. Schönheit, männlich, kryptisch, beschreib(en)
Arten von expliziten Derivationen/
explizite Ableitungen

 Suffigierung/Suffixbildung
 Leser, traumhaft
 Präfigierung/Präfixbildung
 Unsinn, verkaufen
 Zirkumfigierung/ Präfix- und Suffixbildung
 Gepfeife, beherzt
Suffigierung

 das Anhängen von Suffixen an Wortstämme,


 viele Suffixe legen die Wortart fest, bei Substantiven
auch das Genus
 Nominalsuffixe: -heit, -keit, -tät, -ung
 Adjektivsuffixe: -bar, -lich, -sam
Das explizite Nomenderivat

 Mit expliziter Nomenderivation werden


 eher Präfixnomina
 z.B. Untat und
 Suffixnomina
 z.B. Schönheit als
 Zirkumfixnomina erzeugt.
 Gepfeife
 Im Gegensatz zu Präfixen können Suffixe nicht zur Bildung von
Wörtern verschiedener Wortarten herangezogen werden;
 sie bestimmen
 die grammatischen Merkmale, u.a.

 die Wortart,

sind also wortartspezifisch.


Das explizite Nomenderivat

 Zirkumfigierung (kombinatorische Derivation) ist auch


bei der Nomenbildung selten;
 sie ist dort auf das Zirkumfix ge-...-e beschränkt (z.B.
Gerede).
o Durch Zirkumfigierung leiten Sprecherschreiber vor allem
nomina actionis ab, also Nomina, die eine Tätigkeit
ausdrücken,
o z.B. Gedränge, Gegackere, Gelache, Gemeckere, Gerede,
Gerufe, Geschaue, Geschnarche, Gezanke,
o vgl. ge-...-e.
Substantivbildung
 Suffix –e  Suffix –sal/sel
 Suffix –ei  Suffix –schaft
 Suffix –el  Suffix –tum
 Suffix –er  Suffix –ung
 Suffix –heit (-keit,-
igkeit)
 Suffix –ling
 Suffix –nis
-e (ahd.i)

 begrenzte Produktivität
 wird benutzt zur Bildung femininer Substantiva
 aus Verben oder
 Adjektiven;
Derivationsbasis Verb:

 Tätigkeiten (Nomina actionis)


 Bitte, Sorge, Pflege...
 Gegenstände,Geräte(Nomina instrumenti)
 Schneide, Leuchte, Reibe, Bremse
 Orte und Räume ( Nomina locativa)
 Ausleihe
In der Jugend- und Umgangssprache

 Funke (TV), Tanke (Tankstelle), Putze (Putzfrau),


 pejorativ:
 Anmache
 Abzocke
 (unehrliches Verdienen von Geld)
Derivationsbasis Adjektiv
 Eigenschaften ( Nomina qualitatis)
 Gegenstände bzw. Dinge, die diese Eigenschaft

aufweisen,
 oft mit dem Umlaut

z.B. Frische, Schwärze, Säure, Höhle, Weite, Ebene,


Derivationsbasis Substantiv
 Personenbezeichnungen aus Substantiven auf -
ologie:
 Psychologe, Zoologe
 Bewohnernamen (toponimische Suffixe auf –ei, -en,
-ien, -stan, -land)
 Mongole, Sachse, Kroate, Kasache, Finne
Derivationsbasis Adverb
 wenige Beispiele, gehoben und in festen
Worverbindungen, meist mit der Präposition:
 z.B.in Bälde, in Kürze
 in der Kürze liegt die Würze
-ei
 eine Entlehnung aus dem Altfr.
 alle Bildungen sind feminina
 Derivationsbasis Verb
 Derivationsbasis Substantiv
Derivationsbasis Verb

 Verbstamm
 Nomina actionis mit pejor. Konnotation
Heuchelei, Rennerei, Klingelei...
 Resultative Sachbezeichnungen
Stickerei, Schnitzerei
 Nomina lokativa
Druckerei, Rösterei
Derivationsbasis Verb
 Verbalewortgruppe
 häufig negative Wertung einer Handlung/
eines Sachverhalts
 Typisch der Gebrauch von PHWG
 Rechthaberei, Augenauswischerei
Derivationsbasis Substantiv

 Orte und Räume, wo etwas produziert wird:


 Brauerei, Weberei, Gärtnerei
 Kollektiva
 Kartei, Länderei (große Grundstücke)
 negative Verhaltensweise
 Eselei,
Teufelei, Flegelei (unhöfliches Benehmen),
Schweinerei
-el
 ahd. –il(a)
 relativ hohe Gebräuchlichkeit
 in den Neubildungen in der deutschen
Gegenwartssprache kaum noch zu finden
 heute nur als Diminutivsuffix produktiv (Bündel zu
Bund)
 Deverbationsbasis Verb
 Deverbationsbasis Substantiv
Deverbationsbasis Verb

 Nomina instrumenti ( Werkzeuge und Geräte):


 Hebel, Pickel, Zügel
 Nomina agentis:
 Büttel (bieten)= Polizist
*Ableitungen auf- el wurden durch Suffix –er
verdrängt.
Deverbationsbasis Substantiv

 Gänzlich unproduktiv
 Ärmel ( Arm)
-er
 Ursprung im lat. –arius
 hohe Produktivität im heutigen Deutsch
 Polyfunktionalität
 Derivationsbasis Verb
 Derivationsbasis verbale Gruppe
 Derivationsbasis Substantiv
 Derivationsbasis Numerale
Deverbationsbasis Verb

 Nomina agentis
 beruflich: Drucker, Verkäufer
 gewohnheitsmäßig: Raucher, Denker

 gelegentlich: Besucher, Leser

 Nomina instrumenti:
 Schalter,Wecker, Aufkleber, Entsafter, Leuchter, Mixer,
Plattenspieler
 Markierung von Prozessen
 Seufzer, Ächzer
Derivationsbasis verbale Gruppe

 meist handwerkliche Berufe:


 Dachdecker, Fliesenleger, Schiffsbauer,
 -macher:
 Schuhmacher, Hutmacher, Panikmacher, Meinungsmacher...
 -tun+er:
 Nichtstuer, Heimlichtuer,
 -geber, -nehmer:
 Arbeitgeber, Ratgeber, Arbeitnehmer..
Deverbationsbasis Substantiv
 Geografische und staatliche Zugehörigkeit von
Personen:
 Berliner, Römer, Spanier, Engländer...
 Berufsbennenungen:
 Schlosser, Förster, Optiker,
 Zugehörigkeit zu einer Institution, Organisation...:
 Schüler, Gewerkschafter...
Deverbationsbasis Substantiv
 Substantivische Wortgruppe:
 Benennungen von Tieren, Fahrzeugen, weniger von
Personen:
 Zwölfender (Hirsch),
 Dickhäuter (Elefant),
 Viertürer ( Auto),
 Linkshändler
Derivationsbasis Numerale

 Basis nur Grundzahlen:


 Zehner, Hunderter,
 Achter (Boot)
 Endfünfziger
-heit, (-keit, -igkeit)
 im Ahd. war es ein freies Morphem mit der Bedeutung
Stand, Charakter
 ahd. heid/heit,
 germ. *haidu- Art und Weise, Erscheinung

 immer feminina,
 zentrale Rolle in der Substantivbildung
 Eigenschaftsbezeichnungen
Derivationsbasis Adjektiv

 Adjektiven
Blindheit, Klugheit, Schönheit,
 Partizipien

Anwesenheit, Verworrenheit,
 -lich, -sam, -bar, -ig + -keit:
Derivationsbasis Substantiv

 Nur Ausnahmen, wenige Beispiele:


Kindheit, Torheit,
Derivationsbasis Numerale

 wenige Beispiele
 Einheit, Dreiheit, Vielheit
-ling

 vorwiegend Lebewesen nach einer


bestimmter Eigenschaft:
Fremdling, Neuling, Zwilling
 manchmal pejorative Bedeutung

Dichterling, Schreibling, Höfling


-nis

 wenig produktiv,
 Abstrakta (feminin)

Erkenntnis, Finsternis
 Abstrakta (neutrum)

Ereignis, Erlebnis, Zeugnis


-sal/sel
 Wenig produktiv,
 Bildung von Feminina
 Drangsal, Mühsal, Trübsal
 Bildung von Neutra
 Schicksal, Scheusal
 -sel Neutra und wenige Maskulina
s Rätsel, r Stöpsel
-schaft
 ursprünglich ein Grundmorphem
 Vorwiegend Ableitungen aus
Personenbezeichnungen:
 Arbeiterschaft, Freundschaft, ...
 Ableitungen aus Adjektiven und Partizipien:
 Eigenschaft,Gemeinschaft
 Errungenschaft, Gefangenschaft
-tum
 Vorwiegend aus Substantiven:
 Bürgertum, Christentum, Rittertum
 Aus Adjektiven:
 Eigentum, Heiligtum, Reichtum
 Deverbativ:
 Irrtum, Wachstum,
-ung
 gehört zu den produktivsten Suffixen
 ursprünglich Bildungen von Substantiven:
 Zeitung, Waldung, Stallung
 oder Adjektiven: Teuerung
 heute vor allem bei Verben:
 Nomina actiones
 Personenbezeichnungen als Kollektivum