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IPHIGENIE AUF TAURIS

JOHANN WOLFGANG VON GOETHE

SEELENDRAMA
Iphigenie auf Tauris ist in der endgültigen Form ein Drama in fünffüßigen Jamben, das einen
der künstlerischen Höhepunkte der Weltliteratur darstellt. Den Plan hatte Goethe schon 1776
skizierrt, 1779 beendete er das Drama in Prosa. Es folgten drei andere Varianten, aber erst
die italienische Fassung, die die Prosa in reimlose Jamben verwandelte, befriedigte Goethe.
Die Grundlage bildet die alte griechische Sage von Orest, der den Vatermord an der eigenen
Mutter rächen muss und, von den Rachegöttinnen verfolgt, ohne Ruhe von Ort zu Ort zieht.

Iphigenie auf Tauris ist in jeder Hinsicht ein klassisches aristotelisches (geschlossenes)
Drama. Wenige Figuren und eine in sich geschlossene Gesamthandlung machen dies aus.
Das Stück folgt den aristotelischen Regeln und bedient die drei Einheiten ( Zeit, Ort,
Handlung). Innerhalb des Stückes gibt es jedoch eine analytisch angelegte Handlung, die
sich um das Geheimnis der Tantaliden und die Lösung des Fluchs bewegt; dieser
Handlungsstrang bewegt sich, isoliert, auf ein Stationendrama zu. Beide Strukturen treffen
sich in der „Achse des Stückes“. Das Stück vereinigt eine traditionelle Dramenstruktur mit
modernem Veränderungen.
Zusammenfassung
Das Werk Goethes ist aufgeteilt in insgesamt 5 Aufzüge und 19 Auftritte. Der Schauplatz ist
der Hain vor Dianens Tempel, der in allen fünf Aufzügen gleichbleibt.

Der 1. Aufzug und zugleich der 1. Auftritt spiegelt einen Monolog wider, in welchem sich
Iphigenie über ihre, für sie hoffnungslose Lage als Priesterin beklagt: sie lebt als Gefangene
unter den Tauriern und dem König Thoas; als Priesterin im Tempel der Diane.
Heimatlosigkeit, Sehnsucht, Furcht und Ergebung unter den Willen der Göttin und der
fremden Herrscher kennzeichnen diesen Monolog.

Im 2. Auftritt entsteht aus dem Monolog ein Dialog , da Arkas, der Bote und Freund des
Königs, zu Iphigenie tritt. Der Dialog verdeutlicht, dass Thoas sie seit langer Zeit verehrt und
zur Frau begehrt. Iphigenie hingegen empfindet ihr Leben bei den Tauriern als Qual. Arkas
hält ihr ihre Undankbarkeit vor, da der König ihr mit Ehrfurcht und Respekt begegnet.
Iphigenie weist die Werbung des Thoas durch Arkas zurück.
Im 3. Auftritt erscheint Thoas vor dem Tempel. Diese Szene kündigt den Konflikt zwischen
einer rechtlosen Frau und dem König an, der auf sein Recht als Einheimischer und
Herrscher pocht. Hier wird die Herkunft Iphigeniens aufgedeckt, und Thoas fordert erneut
ein Blutopfer, von dem gleich zwei Einwanderer betroffen sind.
Im 4. Auftritt ist Iphigenie wieder allein. Sie betet zur Göttin und findet so die innere
Sicherheit und das Vertrauen in die Göttin wieder. Dieser Auftritt verdeutlicht das
Verhältnis der Menschen zu den Göttern.

Der 2. Aufzug , 1. Auftritt stellt das Schicksal Orests und Pylades dar, welche vom Gott
Apollo nach Taurien gesandt wurden, um das Bild der Schwester von Taurien nach
Griechenland heimzubringen. Nun sind sie beide gefangen und sollen als Blutopfer
dargebracht werden. Hier wird klar, warum Orest verflucht wurde: er hat auf Geheiss der
Götter seine Mutter Klytaimnestra umgebracht. Er ist gekommen, seinen Sühnetod zu
sterben und will so diese Tat wiedergutmachen.
Im 2. Auftritt berichtet Pylades vom Schicksal Troyas. Er verschweigt jedoch Iphigenie
immer die gemeinsame Herkunft mit Orest

Der 3. Aufzug , 1.Auftritt schildert das Glücksgefühl Iphigeniens, als sie von der
gemeinsamen Herkunft mit Orest dennoch erfährt. Orest jedoch vertieft sich immer mehr
im Wahnsinn.
Der 2. Auftritt stellt einen Monolog dar. Orest wird nun klar, dass auch in ihm wieder
Hoffnung ist, dass der Fluch und die Schuld, die auf ihm lastet, geheilt werden kann.
4. Aufzug,1. Auftritt : Pylades schildert hier seinen mit List und Lüge durchsetzten
Befreiungsplan. Er zeigt dabei keine Skrupel und schreckt auch vor Mord nicht
zurück.
Im 2. Auftritt kommt wieder Arkas hinzu und drängt auf die baldige Durchführung der
Opferhandlung. Iphigenie versucht, gemäss dem Plan, diese zu verzögern, damit Orest
und Pylades einen Vorsprung gewinnen. Arkas erinnert die Priesterin noch an ihre
Pflichten und kehrt unverrichteter Dinge zu seinem König zurück.
Der 3. Auftritt ist erneut ein Monolog. Iphigenie denkt an die Rettung ihres Bruders,
Pylades und ihrer selbst, doch in ihr tauchen Zweifel auf: Treue zu sich selbst und zu
den Göttern. Es ist eine Mahnung des Gewissens, dem treu zu bleiben, was sie als
Gesetz und Aufgabe ihrer Existenz empfindet.
Im 4. Auftritt erscheint noch einmal Pylades. Er beeinflusst sie zur Einhaltung und Fortführung des Planes. Er
berichtet ebenfalls vom Bruder, der von seinen Depressionen geheilt zu sein scheint. Iphigenie tut deutlich ihre
Zweifel an der Durchführung kund, doch Pylades vermag sie mit seinem Geschick zu überreden. Er nimmt jedoch
nur das auf, was ihm günstig scheint.
Im 5. Auftritt ist Iphigenie auf sich alleine gestellt. Sie muss zwischen den Göttern und der eigenen Rettung und
der des Bruders mit seinem Freund entscheiden. Sie verspürt nun aber auch Verehrung und Dankbarkeit dem
König gegenüber.

Zu Iphigeniens inneren Wiederständen kommt in 1. Auftritt des 5. Aufzuges noch hinzu, dass Thoas vom
Fluchtplan unterrichtet ist. Erneut zeigt sich die Zerstörung des Glaubens an die Güte des Menschen, 2. Auftritt.
Im 3. Auftritt begegnen sich König Thoas und Iphigenie. Thoas will wissen, warum sie die Opferhandlung
aufschiebe, doch sie weicht dieser Frage geschickt aus. Plötzlich gewinnt das, was sie als reine Seele bezeichnet
Oberhand über sie, und sie legt ihr Schicksal, das ihres Bruders und dessen Freundes in die Hand Thoas.
Im 4. und 5. Auftritt begegnen sich fast alle Beteiligten Thoas, Iphigenie, Orest und Pylades. Es droht eine Fehde,
welcher Iphigenie im 6. Auftrittdurch bewegende Worte zuvorzukommen vermag. Doch es steht noch ein anderes
Hindernis im Weg: Thoas kann nicht zulassen, dass sie das Götterbild rauben, wofür sie eigentlich gekommen
waren. Da sagt Orest, dass hier ein Irrtum vorliege, da nicht die Schwester des Apollo gemeint sei, sondern die des
Orest. Nun kann Thoas alle drei, Iphigenie, Orest und Pylades, ohne Sorge um sein Götterbild ziehen lassen.
Merkmale der Klassik in den Hauptkonflikten
des Dramas
In diesem typischen Werk der Klassik sind natürlich auch verschiedene Merkmale des
damaligen Schreibstils und der Auffassung der Menschen zu finden.
Die Hauptkonflikte in Goethes „Iphigenie auf Tauris“ liegen jeweils in den Beziehungen,
die Iphigenie zu ihrem Bruder hat und zu König Thoas. Aber auch der Konflikt, den
Iphigenie mit sich selbst hat, ist von Merkmalen der Klassik geprägt. Die Beziehung zu
Pylades ist ebenfalls ein Konflikt mit klassischen Merkmalen. Da die Klassik die Antike
als Vorbild nutzte, ist natürlich das gesamte Werk voll mit Merkmalen, wie zum Beispiel
der gehobenen Sprache und dem besonderen Versmaß, den Jamben.
In Iphigenies innerem Konflikt kommt vor allem zum Ausdruck, dass sie sehr darum bemüht
ist, dass zwischen den Menschen, der Natur und der Gesellschaft Harmonie herrscht. Sie
möchte, damit sie flüchten kann, niemanden belügen und somit den Zorn der Menschen auf
Tauris auf sich ziehen. Sie könnte durch diese Lüge die Harmonie zwischen sich und den
Taurern zerstören. Denn sie verkörpert das für die Klassik ideale Menschenbild, das Reine,
Schöne, Gute und Wahre. Sie handelt stark nach ihren Gefühlen, wie zum Beispiel in der
dritten Szene des fünften Aktes, wo sie Thoas die Wahrheit über die Verzögerung des Opfers
und somit auch über den Plan von Pylades erzählt. Ein weiterer Aspekt ihres inneren Konflikts
ist Emanzipation. Iphigenie möchte eigenständig handeln, ein eigenes Leben führen und nicht
immer nur Befehle von Männern entgegennehmen. Diese Emanzipation kommt gleich im
Anfangsmonolog zum Ausdruck. Aber auch die Widersetzung gegen Thoas Befehl, die Griechen
zu opfern, ist Ausdruck der aufkommenden Emanzipation.
Ihre Konflikte zu Orest und Thoas bestehen darin, dass sie zwischen ihnen steht und beide gern
hat, Orest als ihren Bruder, den sie seit vielen Jahren nicht gesehen hat und Thoas als ihren
zweiten Vater, der sich um sie kümmerte, nachdem sie nach Tauris entsandt wurde. Sie möchte
durch ihr Handeln keinem der Beiden wehtun, doch egal was sie tut, einen würde sie immer
verletzen. Orest ist seiner Schwester in der Handlungsweise sehr ähnlich, denn auch er ist sehr
von seinen Gefühlen geleitet. Thoas hingegen handelt immer, wie es von einem König erwartet
wird. Jeder muss das tun, was er befiehlt und setzt Befehle auch mit Gewalt durch. Dadurch
wirkt er fast barbarisch. In diesem Konflikt zwischen den Dreien wird vor allem der
Humanitäts- und Toleranzgedanke der Klassik deutlich. Iphigenie verlangt von beiden
Männern die Herkunft des anderen zu tolerieren. Beide haben vom jeweils anderen Volk die
gleiche Auffassung, nämlich dass sie ein „wilder Stamm“ seien und ihre jeweilige Vergangenheit
von Opferungen und schrecklichen Tragödien heimgesucht wurde. Von König Thoas verlangt
Iphigenie die Opferung nicht durchführen zu müssen und sie zusammen mit ihren Verwandten
gehen zu lassen, also steht hier der Humanitätsgedanke im Vordergrund.
Motive: Leben in der Fremde und Heimatverlust, Rolle der Frau (des Weiblichen)
gegenüber dem Manne, Mensch und Götter, Wille und Schicksal Barbarentum und
Humanität, Vernunft, Gewaltverzicht, Menschlichkeit,Liebe, weibliches
Autonomiestreben, Humanitätsgedanke, Iphigenie als idealisierte Figur der
Humanität

Stil und Sprache: durchgängig hochsprachlich, ohne Stilbrüche, komplizierte


Satzkonstruktionen, frühere Fassungen zwischen Prosa und Vers, Umarbeitung in
Jamben
MERKMALE DES KLASSISCHEN DRAMAS IN IPHIGENIE AUF TAURIS

Iphigenie auf Tauris ist insofern ein klassisches Drama, weil es sowohl ein antikes Thema behandelt
als auch das Menschenideal der Klassik widerspiegelt. So zeigt das Handeln der Protagonistin
Iphigenie eine Harmonie zwischen Pflicht und Neigung, was in der Weimarer Klassik die
Idealisierung eines Menschen bedeutet.
Das Drama thematisiert zudem den inneren Kampf Iphigenies, bei dem zuletzt eben diese Harmonie
zu einer Humanisierung der Menschheit führt. Auch weist die Form des Dramas eindeutig klassische
Elemente auf, wie zum Beispiel Einheit in Ort und Zeit oder eine einsträngige, klar nachvollziehbare
Handlung.
Iphigenie auf Tauris ist ein typisches Beispiel für ein klassisches Drama, weil es das Humanitätsideal
mehr als alle anderen Werke hervorhebt. Goethe sagt selbst, dass Iphigenie auf Tauris „teuflisch
human“ und für ein Publikum wenig ansprechend sei.
SPRACHLICHE GESTALTUNG UND FORM
Versmaß
Formal entscheidet sich Goethe hier gegen Dialogprosa und für den Vers, fünfhebige Jamben mit
wechselnden weiblichen und männlichen Kadenzen. Der Blankvers, den vor allem Gotthold Ephraim
Lessing im deutschen Drama etablierte, galt zu damaliger Zeit als besonders rein, natürlich,
ästhetisch und vorbildhaft.

Wortschatz
Über Goethes Wortschatz und prägekraft muss hier nicht gesprochen werden. Doch fallen die
verallgemeinernden Begriffe, sentenzenhaften Prägungen und Oxymora auf.

Syntax
Überwiegend findet sich ein heute eher als sehr komplex erscheinender hypotaktischer Satzbau, den
Goethe seinem Theaterpublikum entschlossen zumutet, weil er es ermöglicht, die inneren Vorgänge
der Personen darzustellen.
CHARAKTERISIERUNG
IPHIGENIE
Iphigenie ist die Protagonistin in dem Drama von Goethe. Sie ist die Tochter von Agamemnon und
Klytämnestra und hat zwei Geschwister: Orest und Elektra.
Agamemnon ist in der griechischen Mythologie der Oberbefehlshaber der Griechen. Als um die Stadt
Troja gekämpft wurde, wollte auch Agamemnon die Stadt für sich einnehmen. Um diese zu erreichen, musste
er mit seiner Flotte das Meer überqueren. Die Göttin Artemis (Diane) bestrafte ihn jedoch mit Windstille, da
er zuvor einen Hirsch in ihrem Hain erlegt haben soll und sich selbst als einen hervorragenden Jäger betitelt
hatte, der sich an den Fähigkeiten der Artemis messen könne. Um die Bestrafung aufzuheben, musste
Agamemnon ein Opfer bringen. So opferte Agamemnon sowohl eine Hirschkuh als auch seine Tochter
Iphigenie, die von Artemis nach Tauris befohlen wurde, um dort als Priesterin zu dienen. Obwohl Thoas, der
Herrscher der Tauren, sie stets gut behandelt, sehnt sich sich danach, zu ihrer Familie nach Griechenland
zurückzukehren.
Iphigenie ist seit sie auf der Insel als Priesterin lebt, zwischen zwei Fronten. Einerseits hat sie die
Sehnsucht nach ihrer Heimat, andererseits fühlt sie in gewisser Weise dem König Thoas und den Taurern
verbunden. Durch Heimweh nach Mykene geplagt, findet sie sich so gut es geht mit ihrem Schicksal ab, da
sie ja der Göttin Diana verpflichtet ist.
Sie ist sich im Klaren darüber, dass sie mit einem Fluch belastet ist, und nützt diese Tatsache zum Teil
aus (Absage von Thoas' Heiratsantrag).
Nachdem Pylades und Orest auf der Insel gestrandet, wird Iphigenie durch Pylades in Versuchung
gebracht, Thoas anzulügen. Sie jedoch sieht ein, dass dieser Weg zur Flucht keine Lösung ist.
Iphigenies Ehrlichkeit macht es ihr unmöglich, dem König nicht die Wahrheit zu sagen. Im Gespräch
mit Thoas, gesteht sie alles, den Fluchtplan, dass die Ankömmlinge ihr Bruder und sein Freund sind und
diese die Statue der Diana mitnehmen wollen. Sie weiß ganz genau, dass ihr Geständnis über Leben und
Tod entscheidet, sowohl ihr Leben als auch das der Gestrandeten. Sie setzt die „reine Menschlichkeit“
durch und versöhnt beide Seiten. Die Priesterin ist sich bewusst, dass ihre Waffen - die Ehrlichkeit und
Aufrichtigkeit - mehr bewirken können, als die „Schwerter der Männer“ und ihr nicht zur Flucht, aber
zur Abreise verhelfen werden. Das zeigt schon gewisse Emanzipation in ihr.
Iphigenie verkörpert ein Ideal, aber – und das ist das Besondere bei Goethe – Iphigenie lebt, sie ist nicht
nur eine schattenhafte Idee.
Iphigenie hat eine klassische Wahl zwischen Pflicht und Neigung zu treffen: Viele und wichtige göttliche
und menschliche Pflichten binden sie an ihre taurischen Aufgaben, aber ihr ganzes Herz will fort. In
diesem Konflikt muss sie sich bewähren.
Die Dilemmata zwischen den Pflichten gegenüber anderen und sich selbst spiegeln sich vor allem in
der Titelheldin: das Abwägen zwischen ihrer Menschenfreundlichkeit und der Pflichterfüllung als
Priesterin, zudem ein Konflikt zwischen der Liebe zu ihrem Bruder und dem Auftrag, ihn zu töten,
und der Antagonismus ihrer Gefühle zwischen ihrer Sehnsucht nach der Heimat und ihrer
unbedingten Wahrheitsliebe.
Sie ist somit eine typische Heldin und Vertreterin des klassischen Humanitätsideals. Am Anfang
erscheint ihr Schicksal als Determination. Dass sie selbst und nicht ein „deus ex machina“ den
Konflikt löst, spricht für die geistige Stärke des Menschen, aber auch für die Forderung nach
Emanzipation der Geschlechter.
Letztlich verkörpert sie das Ideal der Klassik: Das richtige Verhalten erfordere kein besonderes
Räsonieren. Allein die innere Verpflichtung zu Menschlichkeit und Wahrheit weisen in diesem
Seelendrama den Weg.
OREST
Orest ist Iphigeniens Bruder und ist sehr verzweifelt über sein Schicksal, mit dem Fluch leben zu
müssen. Durch den Orakelspruch gewinnt er neue Hoffnung auf eine Erlösung und macht sich auf die
Reise um das Abbild der Göttin Diana auf der Insel Tauris zu rauben. Er fürchtet den Tod nicht, da
der Fluch und der Muttermord auf ihm lasten, und sein Leben dadurch nicht mehr lebenswert ist.
Im Gegenteil, er wäre froh über seinen Tod, weil es so keine Nachkömmlinge gäbe, die mit dem Fluch
beladen wären. Sein Freund Pylades bringt ihn dazu, dass er seine generelle Ehrlichkeit
vernachlässigt und sogar zum Betrug bereit ist.
Obwohl er pessimistisch und um sein Leben frustriert ist, bemüht sich Orest um seine Rettung und
um seinen Auftrag.
THOAS
Thoas ist ein Barbarenkönig, der eigentlich für seinen Stand sehr verständnisvoll und
einsichtig ist. Er ist als König seinem Volk verpflichtet und ihm ist - genau wie Iphigenie -
Schreckliches in der Familie widerfahren. Durch den Tod seines Sohnes ist er in großer Not, da
er unbedingt einen Nachfolger braucht.
Aufgrund des Respekts vor Iphigenie hebt er den uralten Brauch der Fremdenopferung auf.
Mit der Zeit fühlt er sich immer mehr zu der Priesterin hingezogen und überwindet sich dazu
sie um ihre Hand zu bitten. Obwohl ihm Iphigenie erklärt warum sie ihn nicht heiraten kann
ist er sehr verletzt und aus seinem Frust heraus stellt er sich gegen Iphigenie und will wieder
zu seinen alten barbarischen Bräuchen zurückkehren.
Dadurch, dass er Arkas den Auftrag gibt sie "auszuspionieren" macht er klar, dass er ihr noch
nicht hundertprozentig vertraut und noch ein wenig Misstrauen in ihm steckt. Als ihm am
Schluss Iphigenie die ganze Wahrheit gesteht ist er wieder von ihrer Ehrlichkeit überzeugt und
beweißt in seinem Handeln Güte, Barmherzigkeit und vor allem Größe. Durch seine liebevolle
und herzliche Art stellt er eine typische Vaterfigur dar.
PYLADES

Pylades ist sein bester Freund. Er bringt Iphigenie in eine unangenehme Lage, weil er
sie als Werkzeug für die Flucht benützen will. Er ist im Gegensatz zu Orest voll Tatendrang
und versucht seine Pläne zum Wohle seiner Freunde umzusetzen. Er gibt nicht auf und
greift sogar zu Waffen. Pylades lügt nicht wirklich, er ist nur listig (wie Odysseus).