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Der/ Das Barock

(1600 - 1700)
Etymologie
• Stilepoche: Die Literatur, die Architektur, die
Malerei, die Musik

• Das Wort Barock (m oder n) leitet sich aus


dem portugiesischen Wort barocco ab.

• Barocco bedeutet eine “unregelmäßige Perle.”


• Negativer, abwertender Begriff

• Überladenheit, Schwulst

• Barockdichtung: überladen, übertrieben,


schwülstig
Architektur der Renaissance
Architektur der Barockzeit
Hintergrund – Der Dreißigjährige
Krieg (1618 – 1648)
• Die Literatur des Barock widerspiegelt die politisch-gesellschaftliche und
ökonomische Situation des 17. Jahrhunderts, bestimmt durch den
Dreißigjährigen Krieg und die Entstehung des Territorialabsolutismus.

• Der Dreißigjährige Krieg (1618 – 1648) resultierte aus der


Auseinandersetzung zwischen Protestantismus (Reformation) und
Katholizismus (Gegenreformation).

• Das Heilige Römische Reich war in fast 300 Kleinstaaten, religiös


gespalten in drei Konfessionen (Katholiken, Protestanten, Calvinisten).
Hintergrund – Der Dreißigjährige
Krieg (1618 – 1648)
• Sie interessierten sich nur dafür, noch mehr Gebiete einzunehmen.

• Viele Städte waren zerstört und weite Landstriche (Regieonen) verwüstet.

• Die Bevölkerung (Population) wurde ärmer. In Gebieten, die am


schwersten betroffen wurden, starb fast die Hälfte der Population durch
Hungersnot und Seuchen.

• Bauern verloren Hab und Gut durch Plünderungen und litten am


schwersten.

• Das Bürgertum, das im 15. und 16. Jahrhundert eine relative


Selbständigkeit gegenüber den Territorialfürsten hatte, wurde unterdrückt.
Entwicklung des Absolutismus

• Die Territorialfürsten haben von diesem Krieg profitiert.

• Anfang des Absolutismus.

• Nach dem Vorbild Frankreichs (Ludwig XIV) wurden die


Fürstenhöfe zu Mittelpunkt des politischen und
kulturellen Lebens.

• Die Territorialfürsten hatten alle politischen und


ökonomischen Machtmittel in der Hand, und konnten die
Bauern und Bürger durch Steuern ausbeuten.

• Die Fürsten hatten einen prunkvollen Lebensstil.


Die Gelehrten gewannen an Ansehen

• In Europa beschäftigte sich die Menschheit mit den Erfahrungswissenschaften


neben Metaphysik und Theologie.

• Mathematische, astronomische und physikalische Entdeckungen führten zu


expermenteller, analytischer Naturforschung.

• Galelei, Kepler, Newton waren die Hauptvertreter.

• Die meisten Dichter des Barock kamen aus diesem gebildeten Gelehrtenstand der
Gesellschaft.
Die Spannungen
• Der Mensch gewann neue Erfahrungen wegen der Einsicht in die kausale
Verknüpfungen von Ursache und Wirkung vermittelte neue Erfahrungen.

• Aber ihn quälte und störte andererseits Zweifel an seiner Selbstherrlichkeit,


die durch Leid und Tod in Frage gestellt wurde.

• Seuchen, Kriege und Katastrophen zeigten ihm die Vergänglichkeit des


irdischen Lebens.
Die Spannungen
die Lebensfreude
↔ der Weltschmerz

der Lebenshunger
↔ die Todesangst

die Vergänglichkeit
↔ die Ewigkeit

Mensch
↔ Gott

die Welt
↔ Gott

(das) Diesseits
↔ (das) Jenseits
Memento mori und Carpe diem – das
antithetische Lebensgefühl

• vanitas = die Leere, die Eitelkeit

• memento mori = Bedenke, dass du sterben


musst!

• carpe diem = Nutze den Tag!


Die Lage der deutschen Sprache und der
deutschen Literatur
• Die literarische Produktion des 17. Jahrhunderts wurde zum
großen Teil von den Fürstenhöfen und ihrer aristokratischen
Umgebung bestimmt.

• Träger dieser Literatur waren neben einigen Adligen und


Fürsten gebildete und gelehrte Bürger.

• So gab es in den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts in


überwiegendem Maße eine rein konventionlle
Gesellschaftsdichtung.

• Ihre Vertreter (Repräsentanten) griffen nicht auf


volksgebundene Literatur zurück.

• Nur die gelehrte deutsche Dichtung in lateinischer Sprache, die


durch Humanismus wichtig wurde, lebte als Kunstpoesie.
Das Bedürfnis für eine einheitliche,
nationale deutsche Sprache
• Die deutsche Sprache hatte in den vergangenen
Jahrhunderten schwer gelitten.

• Die Gelehrten bevorzugten neben Latein, Frazösisch


oder Italienisch.

• Man schämte sich der deutschen Muttersprache, sie


galt als derb und unfein.

• Im Laufe der Zeit, vor allem durch den


Dreißigjährigen Krieg wurde die Sprache mehr und
mehr verwildert.
• Die Dichter, die sich um neue literarische Inhalte und
Ausdrucksformen bemühten, bekamen viele Anregungen
(Impulse) von ausländischen Vorbildern und zwar aus
Ländern, die aufgrund (wegen) ihrer ökonomischen
Entwicklungen wesentlich früher eine nationale Sprache und
Literatur hatten; z.B. Frankreich, Italien und vor allem
Holland.

• Der Kontakt mit fortschrittlichen Literaturen des Auslandes


spornte die deutschen Schriftsteller an, ihre nationale Aufgabe
darin zu sehen, eine ebenbürtige (genau so gute) deutsche
Literatur zu schaffen.

• Dafür brauchte man erstmal die Schaffung einer


einheitlichen (uniformen) nationalen Sprache.
Das Bedürfnis für eine einheitliche,
nationale deutsche Literatur
• Eng verbunden mit diesen sprachlichen
Bestrebungen (Versuchen) war das Streben um neue
dichterische (literarische) Formen.

• Die Berherrschung der Technik der Dichtung war


das höchste Ideal.

• Man arbeitete nach poetischen Regelbüchern, die


in dieser Zeit in großer Zahl auftauchten.
Martin Opitz
• Viele Impulse kamen aus den katholischen
Ländern Europas wie Italien, Spanien und
Frankreich.

• Deswegen gab es ein Durcheinander von


deutschen und fremden literarischen Formen.

• In dieser Situation erschien 1624 Martin Opitz’


Buch von der Deutschen Poeterey.
Martin Opitz
• Martin Opitz
Martin Opitz’ Buch von der Deutschen Poeterey
• Martin Opitz hatte die Renaissance-Poetiken, die Dichtungen des
Holländers Heinsius sowie die Werke von antiken Autoren Aristoteles und
Horaz studiert.

• Diese Theorien für die deutsche Dichtung nützlich zu machen war seine
größte Leistung.

• In dem Buch von der Deutschen Poeterey entwickelte Optiz seine


ästhetischen Ansichten (Meinungen) über die Sprache und die Versform der
Dichtung.

• In den resten Kapiteln behandelt Opitz allgemeine Fragen der Dichtung,


ihre Herkunft, ihre didaktische (erzieherische) Aufgaben und Funktionen,
die Stellung des Dichters und seine Verantwortung.

• Im Hauptteil beschreibt er die Normen, an die sich die Dichter im die


Zukunft halten sollten.
• Nach Opitz sollte die Sprache der Dichtung
rein und elegantes Hochdeutsch sein und nicht
mehr Lateinisch oder mundartlich.

• Man solle Fremdwörter vermeiden.

• Anhand von selbstgeschriebenen Beispielen


zeigte er, dass die deutsche Sprache durchaus
als Literatursprache geeignet ist.
• Das Buch von der Deutschen Poeterey wurde
zum wichtigen Lehrbuch für das Zeitalter des
Barock.

• Es erlebte viele Auflagen und löste die


Abfassung zahlreicher ähnlicher Poetiken aus.
Die Sprachgesellschaften
• Viele Sprachgesellschaften entstanden in der ersten
Hälfte des 17. Jahrhunderts. Neben Opitz dienten sie
der deutschen Sprache.

• Gelehrte, Adlige, Dichter und Fürsten schlossen sich


zusammen (kamen zusammen).

• Die Sprachgesellsachften strebten danach, die deutsche


Sprache zu pflegen und ihre Reinheit
wiederherzustellen.

• Das Vorbild dafür war Holland.


• Die Sprachgesellschaften beschäftigten sich nicht nur mit der
deutschen Sprache ihrer Zeit, sie forschten nach ihrem Ursprung
(Anfang).

• Sie strebten nach einer Grundrlegung der Grammatik.

• Später kümmerten sie sich um eine größere Einheitlichkeit


(Uniformität) der Orthografie.

• Daneben beschäftigte man sich, mit grundlegenden Fragen, der


deutschen Literatur, mit dem Wesen der Dichtung überhaupt.

• Man schulte (lehrte) sich durch Übersetzungen und bemühte sich,


unabhängig von Opitz, um eine neue deutsche Versform.

• Die puristischen Bestrebungen (Versuche) hatten großen Einfluss


auf die Sprache und Literatur der Zeit.
Es ist alles eitel.
Originaltext Modernisierte Version des Originaltextes
Du sihst / wohin du sihst nur Eitelkeit auff Erden.
Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden.
Was dieser heute baut / reist jener morgen ein:
Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein:
Wo itzund Städte stehn / wird eine Wiesen seyn /
Auff der ein Schäfers-Kind wird spielen mit den Herden. Wo jetzt noch Städte stehn, wird eine Wiese sein,
Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden.
Was itzund prächtig blüht / sol bald zutretten werden.
Was itzt so pocht vnd trotzt ist morgen Asch vnd Bein / Was jetzt noch prächtig blüht, soll bald zertreten werden.
Nichts ist / das ewig sey / kein Ertz / kein Marmorstein.
Was jetzt so pocht und trotzt, ist morgen Asch’ und Bein,
Itzt lacht das Glück vns an / bald donnern die
Beschwerden. Nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein.
Jetzt lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden.
Der hohen Thaten Ruhm muß wie ein Traum vergehn.
Soll denn das Spiel der Zeit / der leichte Mensch bestehn? Der hohen Taten Ruhm muss wie ein Traum vergehn.
Ach! was ist alles diß / was wir vor köstlich achten /
Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch, bestehn?
Ach! Was ist alles dies, was wir für köstlich achten,
Als schlechte Nichtigkeit / als Schatten / Staub vnd Wind;
Als eine Wiesen-Blum / die man nicht wider find’t.
Noch wil was ewig ist kein einig Mensch betrachten! Als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind;
Als eine Wiesenblum’, die man nicht wieder find’t.
Noch will, was ewig ist, kein einzig Mensch betrachten!
Die Literatur des Barock

Die Epik
Die Lyrik
Das Drama
Die Epik
Die Epik des Barock
• Der Roman wurde zum bevorzugten epischen Gattung im
Zeitalter des Barock.

• Die höfische Gesellschaft forderte vom Roman, dass er


durch abenteuerliche Ereignisse und erhabene Liebesaffären
unterhalte, dass er vielseitiges Wissen vermittle und dass er
Vorbilder für ihren aristokratischen Lebensstil gebe.

• Es kamen aus England und Frankreich viele Romane, die


entweder in der Originalsprache gelesen wurden oder durch
Übersetzungen in Deutschland gelesen wurden.
Die Epik des Barock – der Roman
• Von Spanien war schon in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts
auf dem Weg über Frankreich der „Amadis“ nach Deutschland
gekommen, jener abenteuerliche , romantisch-verklärende Roman
vergangener Ritterherrlichkeit, dessen 24 Bände in den Jahren 1569 bis
1594 in deutscher Sprache erschienen waren.

• Während in Spanien diese Mode bald vorbei war, genieß der


„Amadis“-Roman mit seinen märchenhaften Abenteuern und
ritterlichen Tugendidealen in den deutschen Gesellschaftskreisen bis
zur Mitte des 17. Jahrhunderts große Popularität.

• Von da ab setzten, in Anlehnung an ausländische Vorbilder,


allmählich die deutschen höfischen Gesellschaftsromane ein, die
entweder selbst Adlige waren oder von den Fürsten Unterstützung
brauchten.
Die Epik des Barock

• Die Formen des Romans, die während des Barock bevorzugt


wurden, sind

1. Der Staatsroman/ der höfische oder der heroische Roman


2. Der Schäferroman
3. Der antihöfische Roman
4. Der Schelmenroman/ der Abenteuerroman
1. Der Staatsroman
• Die Staatsromane widerspiegeln das
Wunschbild der Hofgesellschaft am
deutlichsten.

• Opitz übersetzte 1626 - 1631 den Staatsroman


Argenis des schottischen Autors Barclay in die
deutsche Sprache.
1. Der Staatsroman - Merkmale
• Der Staatsroman wurde erst um 1640 bekannt.

• Dieser Roman hat meistens über tausend Seiten.

• Es gibt ein Massenangebot von Personen

• Die Staatsromane schildern ein Bild vom


Idealstaat und Idealmenschen.
1. Der Staatsroman - Merkmale
• Die Handlung findet in einem fernen Land oder in vergangenen Zeiten
statt.

• Die Drastellung ist nicht historisch treu. Der Autor setzt seine Phantasie
ein, und schildert die Geschehenisse relativ frei.

• Die Helden/ Protagonisten sind Idealtypen und, egal wo und wann sie
lebten, repräsentieren die staatlichen und moralischen Grundsätze des
Feudalabsolutismus.

• Im Mittelpunkt stand oft ein Liebespaar, das viele Abenteure bestehen


muss, bevor es zusammenkommt.

• Fast immer setzte man die politische Handlung mit einer fürstlichen
Liebesgeschichte.
1. Der Staatsroman

• In der dargestellten Zeit gibt es viele parallel


geschehende Ereignisse.

• Der Staatsroman hat eine erzieherische


Funktion.
1. Der Staatsroman
Beispiele

Herzog Anton Ulrich von Braunschweig – Die


Durchleuchtige Syrerinn Aramena (1669 - 1673)
2. Der Schäferroman
• Wichtig für die deutsche Schäferdichtung war
wiederum Martin Opitz, der den Schäferroman
„Arcadia“ des Engländers Sidney und die
Hirtenoper „Daphne“ des Italieners Rinuccini
übersetzte.
2. Der Schäferroman - Merkmale
• Der Schäferroman hat seinen Anfang in der antiken Hirtendichtung. (der Hirt = der

Schäfer)

• In einem Schäferroman gibt es meistens eine Liebesgeschichte, die im Kontrast

zum gleichzeitig ablaufenden politischen Geschehen steht.

• Die Handlung spielt sich zwischen “locus amoenus” (die Idylle) und “locus

terribilis” (der Schrecken) ab.

• Viele Schäferromane hatten oft einen autobiografischen Charakter.


2. Der Schäferroman
Beispiele:

• Martin Opitz – Schäferei von der Nymphen


Hercinie. (1630)

• Philipp von Zesen – Ritterholds von Blauen


Adriatische Rosemund. Last hägt Lust (1645)
3. Antihöfische Romane – Christian
Weise
• Christian Weises Romane sind eine bewusste
Absage an die idealisierenden „Staats- und
Heldengeschichten.“

• Er behandelt die Stoffe aus dem täglichen


Leben und schildert die Welt, wie sie wirklich
ist.
3. Antihöfische Romane – Christian
Weise
• Weises Romane haben dieselbe Tendenzen wie seine Dramen, nämlich die
Erziehung des bürgerlichen Menschen zu einer erfahreren Person.

• Er entwicklt hier keine neue Ideologie, sondern passt nur die höfische
Weltanschauung bürgerlichen Bedingungen an.

• Grundsätzlich neu ist seine Vorstellung (Idee), dass man durch vernünftiges und
moralisch Verhalten den Ablauf des irdischen Lebens vorausbestimmen
(prädeterminieren) kann.

• Weises Weltanschauung ist nur auf das Diesseits orientiert, steht im Gegensatz zur
Lehre der katholischen Kirche.
3. Antihöfische Romane – Johann Beer
• Wie Weise schreibt Beer ebenfalls wirklichkeitsnahe,
antihöfische Romane.

• Beide Dichter unterscheiden sich jedoch wesentlich von


einander.

• Der Schulmeister Weise will belehren, der Musiker Beer


will nur die Mitmenschen mit seinen bunten Geschichten
unterhalten.

• Er schreibt mit reicher Phantasie, lebhaft-frischem Humor


und unendlichen Ideen.
4. Der Schelmenroman
• Der spanische Picaro-Roman und die deutsche
Schwankliteratur des 15./16. Jahrhunderts als
Inspiration.

• In diesem Roman geht es um die unteren


besitzlosen Schichten, meistens um die
Soldaten des Dreißigjährigen Krieges, die
wenig ausgebildet waren und wenig
moralisches Empfinden hatten.
4. Der Schelmenroman
• Der Held ist ein negativer Held.

• Er ist im Elend aufgewachsen.

• Er muss mit allen rechten und unrechten


Mitteln durch sein Leben kommen.
4. Der Schelmenroman
Stil des Schelmenromans

• Geschrieben meistens in Ich-Form.

• Der Humor dieser Romane hat einen


tragischen und pessimistischen Charakter.
4. Der Schelmenroman
Beispiele des Schelmenromans

• Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen:


Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch.
Die Lyrik
Lyrik des Barock
• Martin Opitz hat die Regeln der Lyrik festgelegt.

• Die neue Kunstlyrik des Barock zaigt besonders deutlich, dass die Litetratur dieser
Zeit zum großen Teil Dichtung für die gesellschaftliche Obersicht war.

• Fast alle Dichter waren von der (Unterstützung) Gunst der Fürsten abhängig.

• Gelegenheitsdichtung, d.h. Gedichte bestimmt für bestimmte anlässe wie Gebur,


Hochzeit, Tod sind entstanden.

• Diese Tradition wurde von Autoren wie Opitz kritisiert, obwohl sie selbst dasselbe
getan haben.

• Daneben gab es Kirchenhymnen, Gesellschaftslieder, Natur- und Liebesgedichte.


• Trotz diesen Umständen konnten Dichter wie
Weckherlin, Dach, Fleming, Gryphius, Spee und Gerhardt
sich von diesen Klischees durch ausgeprägte Gefühle
freimachen und in ihren Versen persönliche Aussagen
äußern.

• Sie bemühten sich zudem ernsthaft um eine


Verfeinerung der deutschen Dichtersprache, führten neue
Motive und Formelemente ein und bereiteten den Weg für
die moderne Lyrik.
Beitrag von Rudolf Weckherlin

• In den Jahren 1618/19, schon vor dem Buch von der Deutschen Poeterey
erschienen Weckherlins Oden und Gesänge, in denen die neuen Kunstregeln
schon weitgehend beschrieben waren.

• Er hatte unabhängig von Opitz das Wesen der deutschen Sprache und ihren
inneren Rhythmus erkannt (identifiziert) und sich um eine neue deutsche
Kunstdichtung bemüht.

• Weckherlin schrieb für ein gebildetes Publikunm im Bereich der höfischen


Gesellschaft und suchte nach neuen dichterischen Ausdrucksmitteln und
Formen.

• So führte er die Ode ein, eine streng strophische Gedichtsform für meist
erhabene Alässe, die Später ihren Höhepunkt erreichte.
Themen der Lyrik

Die folgenden sind die Themen der barocken Lyrik


• Krieg, Friedenssehensucht
• Mystik, Gott
• Vergänglichkeit, vanitas – Motivik
• Sinnlichkeit und Liebe
• Galante Literatur – Über die Normen und
Lebensformen des höfischen Adels
Die Lyrik des Barock

• Die populärsten Formen waren


1. Das Sonett
2. Kirchenlieder
3. Das Epigramm
4. Das Figurengedicht
5. Die Ode
1. Das Sonett
• Das Sonett ist eine Gedichtform, die aus Italien stammt.

• Das Sonett ist streng geregelt; es hat strenge Regeln.

• 14 Verse, die in 2 Quartette und 2 Terzette gegliedert sind.

• Die einzel Strophen drücken oft variierte oder antithetische


Gedanken aus.

• Man muss aber die Einzelstrophen im Zusammenhang


sehen.
1. Das Sonett
• Die Quartette haben meistens eine Exposition, die
Terzette geben die Schlußbetrachtung (conclusio).

• der Versmaß/ das Metrum = der Alexandriner mit


regelmäßigem Wechsel von Hebung und
Senkung.

• Mit dem Ich der Barocklyrik wird meistens die


ganze Menschheit angesprochen.
1. Das Sonett – Andreas Gryphius
• Andreas Gryphius
1. Das Sonett – Andreas Gryphius
• Andreas Gryphius (1616 - 1664) erlitt den
Dreißigjährigen Krieg.

• Seine Gedichte thematisieren die leidvollen


Erfahrungen des Krieges mit einer bewussten
Darstellung der Vergänglichkeit und Eitelkeit (vanitas
- Motivik)

• ausdrucksvolle Bilder und pathetische Wörter für die


Darstellung der Vergänglichkeit und Unsicherheit.

• Gryphius’ Dichtung ist von echtem Humanismus und


einer tiefen Sehnsucht nach Frieden geprägt
• Er sagte “Die Herrlichkeit der Erden muß Staub und Asche
werden.”

• Gryphius’ Sammlung Sonn- und Feyertags-Sonette erschien


1639.
1. Das Sonett – Die Liebeslyrik von
Paul Fleming
• Paul Fleming (1609 - 1631) litt auch unter dem Dreißigjährigen
Krieg.

• Später reiste er nach Persien und Russland.

• Flemings Dichtung ist von einem optimistischen Lebensgefühl


gekennzeichnet.

• In seinen Gedichten fordert er seine Mitmenschen auf, den Mut


nicht zu verlieren.

• Die Liebe bleibt Flemmings beliebtes Thema.

• Seine Gedichte sind oft persönlicher als die meisten barocken


Sonette.
1. Das Sonett – Die Liebeslyrik von Paul
Flemming

• Paul Flemming veröffentlichte 1631 eine


Sammlung lateinischer Liebesgedichte.

• Seine gesammelten Gedichte Teutsche


Poemata erschienen 1641/42.
2. Die Kirchendichtung – Paul
Flemming, Paul Gerhardt und Angelus
Silesius
• Paul Flemming war auch für seine Kirchenlieder bekannt.

• Noch bekannter als Flemmings Lieder wurden Paul


Gerhardts (1607-1676) protestantische Kirchenlieder.

• Durch seine Kirchenlieder versucht Paul Gerhardt trotz der


Bedrohung durch den Krieg, durch seine Kirchenlieder den
Menschen Hoffnung zu geben.

• Geh’ aus mein Herz und suche Freud und Nun ruhen alle
Wälder gehören zu seinen bekannten Kirchenlieder.
2. Die Kirchendichtung – Paul Flemming,
Paul Gerhardt und Angelus Silesius

• Auf der katholischer Seite hat Angelus Silesius


(eigentlich Johannes Scheffler 1624-1677) die Dichtung
theologisch und philosophisch beeinflußt.

• Zu seinem Stil gehören kurze Sprüche und Epigramme.


„Du mußt, was Gott ist sein
Soll ich mein letztes End und ersten Anfang finden,
So muß ich mich in Gott und Gott in mir ergründen
Und werden das, was er: Ich muß ein Schein im Schein,
Ich muss ein Wort im Wort, ein Gott im Gotte sein.“
3. Das Epigramm
• Ein Epigramm ist ein Sinnspruch, der in
prägnanter Weise einen Gedanken zu einer
Situation formulieren.

• Die Sprüche von Angelus Silesius stehen in der


Tradition der Mystik.

• 1675 erschien der Cherubinische Wandersmann,


eine Sammlung von kurzen Sprüchen und
Epigrammen
3. Das Epigramm
• Friedrich von Logau schrieb die bekanntesten
Epigramme der Barockzeit.

• Seine Verse sind geistreich und witzig.

„Wie willst du weiße Lilien zu roten Rosen machen?


Küß eine weiße Galethee: Sie wird errötend lachen.“
4. Das • Der Druckspiegel des Bildes
zeigt den Gegenstand/ das
Figurengedicht Objekt, das im Gedicht
besprochen wird. z.B. ein
Kreuz, ein Herz etc.

• Beipiel: „Das Horn der


Glückseligkeit“ von Johann
Steinmann

• Anfang der modernen


konkreten Poesie
Andere Klassifizierungen
• Geistliche Dichtung – Die Perikopenliteratur
(Die Literatur, in der man einzelne Textstellen der Bibel
in Ordnung des Kirchenjahres kommnentiert )

• Gelegenheitsdichtung –Trostgedichte,
Geburtstagsgedichte, Hochzeitsgedichte
Die Liebeslyrik
• Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau war
für seine Liebeslyrik und seine galante Literatur
bekannt.

• Er schliderte die ausschweifende, sinnliche,


erotische Liebe.

• Seine Gedichte waren freizügig und manchmal


zweideutig. Er hatte eine affektierte Sprache und
prunkvollen Stil.
Das Drama
Das Drama des Barock - Aufführungen
der Wandertruppen
• Deutsche Wandertruppen traten als Berufsschauspieler
das Erbe der englischen Komödianten an und führten
besonders zugkräftige Stücke einheimischer und
fremder Herkunft zur Unterhaltunf der breiten Massen
auf.

• Da sie aus dem Stegreif spielten, bevorzugten sie die


Prosa.

• Ihr Ziel war eine möglichst drastische Wirkung, die sie


durch komische Zwischenszenen (Gestalt des
Hanswust), derbe Prügeleien und dergleichen zu
erreichen suchten.
Das Drama des Barock
• Das Drama war auch eine wichtige Gattung
des Barock.

1. Das Jesuitendrama
2. Das protestantische Schuldrama
3. Das Lustspiel
4. Die Tragödie
5. Satire und nationale Zeitkritik
1. Das Jesuitendrama
• Anfang des barocken Schauspiels.

• Prunkvoll ausgestattet.

• mehr als hundert Darsteller (Schauspieler)

• Es wurde meistens auf Latein aufgeführt; das


Publikum bekam Programmhefte mit
Zusammenfassungen auf Deutsch.
1. Das Jesuitendrama
• Die politisch-religiöse Propaganda und Bekehrung der Andersgläubiger war das
Ziel.

• Mittels der Oper, mit Ballett- und Massenszenen ; Musik, Wort, Tanz führten zu
einer mächtigen Gesamtwirkung.

• Dieses Drama thematisierte die Gegensätze (Herrlichkeit des Himmels und


Vergänglichkeit des irdischen Lebens; Märtyrer und Tyrannen).

• Die alltägliche Welt im Kampf zwischen Himmel (das Gute) und Hölle (das Böse)
war der Schauplatz.

• Die Protagonisten waren exemplarische Figuren. Der Zuschauer sollte sich mit
ihren Tugenden (die Tugend = die gute Qualität) und Lastern (das Laster = die
schlechte Qualität) identifizieren.

• Die Handlung war der Gegenwart näher.


1. Das Jesuitendrama
Beispiele
• Jakob Biedermann (1578-1639): Cenodoxus.
(1602 uraufgeführt)

Dieses Stück demonstriert die Fragwürdigkeit der


humanistischen Ideale am Beispiel eines Arztes, um
dessen Seele die Mächte des Guten un des Bösen
kämpfen. Schließlich siegt Cenodoxus’ Eigensucht,
er kann nicht gerettet werden.
2. Das protestantische Schuldrama
• Ähnlich wie das Jesuitendrama hat auch das protestantische
Schuldrama didaktische/ erziehrische Zwecke.

• Lehrer und Pastoren verfassten (schrieben) biblische oder


weltliche Versdramen, mit denen sie die mitwirkenden und
zuschauenden Schüler zu glaubensfesten, moralisch
fehlerlosen und gebildeten Menschen erziehen wollten.

• Deklamation und nicht das Schauspiel war der Fokus.

• Dieses Drama wurde in der deutschen Sprache verfasst/


geschrieben.
2. Das protestantische Schuldrama
Beispiele

• Christian Weise (1642-1708): Trauerspiel von


dem Neapolitiansichen Haupt-Rebellen
Mesaniello (1682 uraufgeführt)

Dieses Spiel schildert eine Revolution des Volkes


von Neapel. Weise will nicht die Revolution
hervorheben, sondern Mitleid mit dem Volk
erkennen lassen.
3. Die Tragödie
• 1625 hatte Martin Opitz das Trauerspiel Die Troerinnen übersetzt.

• Georg Philipp Harsdörffer schrieb von 1607 - 1658 eine dichtungstheoretische


Schrift Poetischer Trichter/ Die Teutsche Dicht- und Reimkunst/ ohne Behuf
der lateinischen Sprache/ in VI Stunden einzugießen.

• In diesem Text beschreibt er detailliert den Aufbau, die Personenauswahl und


die Sprache der Tragödie.

• Nach ihm sind die Lehr- und Denksprüche die wichtigsten Teile des
Trauerspiels.

• Die Helden der Tagödie gehören zu den oberen Schichten


3. Die Tragödie – Andreas Gryphius
• Gryphius‘ Dramen beschränken sich (limitieren sich) nur auf die
Probleme der höfischen Gesellschaft.

• Alle Hauptcharaktere in meisten Tragödie von Gryphius (mit


Ausnahme von „Cardenio und Celinde“) gehören zu der Hocharistokratie.

• Gryphius’s Tragödien haben eine gemeinsame Grundidee: Die Helden


sind passiv, sie sind Märtyrer einer ethischen Tugend oder eines
christlichen Glaubensideals, für das sie grausame Tortur und schließlich
den Tod erleiden.

• Sie müssen untergehen, da sich Gryphius‘ Meinung nach in der


schlechten und „eiteln“ Welt das gute Prinzip nicht durchsetzen kan, aber
sie benehmen sich in heroischem Stoizmus.
Andreas Gryphius: Sprache und Stil
• Gryphius’s Sprache ist feierlich und vom echtem Pathos erfüllt.

• Als Vermaß/ Metrum wählt er meist den Alexandriner, aber benutzt


oftmals schon andere Rhytmen.

• Er beachtet die drei aristotelischen Einheiten der Zeit, der Handlung


und weitgehend auch des Ortes und führt den antiken Chor in das deutsche
Drama ein.

• Obwohl man in den Verhalten einzelner Personen oftmals Gryphius‘


innere Auflehnung (Rebellion) gegen die brutale Gewalt der
Fürstenherrschaft spürt, will die gesellschaftliche Problematik der Zeit, die
soziale Spannungsverhätnis zwischen Herrschern und Untertanen nicht
diskutiert.
3. Die Tragödie - Daniel Casper von Lohnstein

• Im Gegensatz zu Gryphius, der die Probleme


der Zeit erkannte, war Lohnstein ein galanter
Hofmann, für den es keine Probleme gab.

• Seine Dramen standen ganz im Dienst der


höfisch-absolutischen Gesellschaft und ihres
dekandenten Geschmacks.
Daniel Casper von Lohnstein : Sprache
und Stil
• Alle positiven Züge in Gryphius‘ Tragödien – das Pathos seiner Helden, die
dramatische Spannung der Handlung und die feierliche Sprache werden bei
Lohnstein übersteigert und übertrieben.

• Seine Helden sind nicht Märtyrer einer besitmmten Idee, sie sind
hemmungslose Machtmenschen, die ihre eigenen Leidenschaften nicht
kontrollieren konnten und jedoch am Schluss dem Staat gehorchen mussten.

• Es gibt sehr viel Stoff aber keine dramatischen Konflikte. Sie führen
Intrigen gegen einender, die zum Tod führen.

• Lohnsteins Dramen schildern eine Gesellschaft, die keine inneren Werte


mehr kennt.
3. Die Tragödie
Beispiele
• Andreas Gryphius: Leo Armenius, oder
Fürsten-Mord (1660.)
4. Das Lustspiel
• Einige Laienspielgruppen aus England dienten als
Inspiration.

• Sie kamen Ende des 16. Jahrhunderts und zeigten


während der Messen und Jahrmärkte Singspiele,
Komödien und Tragödien von Shakespeare etc.

• In Deutschland begann die Entwicklung der


Schauspiele erst in der zweiten Hälfte des 17.
Jahrhunderts.
4. Das Lustspiel
Merkmale des Lustspiels

• eine absurde Komödie

• Anwendung/ Benutzung der derben Sprache

• Unregelmäßige Struktur. Die Akten waren verschieden


Lang.

• Im Gegensatz zu der Tragödie gehören die


Protagonisten zu den niedrigeren Schichten
4. Das Lustspiel
Beispiele
• Andreas Gryphius: Horribilicribrifax. Teutsch
(1650 entstanden, 1663 erschienen)
Absurda Comica oder Herr
Peter Squentz. Schimpff-Spiel (1647-1650)
5. Satire und nationale Kritik
• Die unerträglichen politischen und sozialen Verhältnisse der
Zeit und vor allem die durch den langen Krieg eingerissene
sittliche Verkommenheit und nationale Würdelosigkeit der
herrschenden Schichten in Deutschland veranlassten
verantwortungsbewusste und nationalgesinnte Schriftsteller,
eine kritische Stellung einzunehmen.

• Ihre teilweise sehr scharfen satirischen Angriffe richteten


sich in in erster Linie gegen das Alamodewesen, also gegen die
Übernahme welscher Mode und Sitten, gegen übertriebenen
Luxus, gegen Fremdwörtersucht und Sprachverderbnis,
darüber hinaus auch gegen die neuen Lebensideale und
Ehrbegriffe der höfischen Gesellschaft, in denen sie die
eigentliche Ursache für Deutschlands nationalen Niedergang
sahen.
Das Emblem
• Die Dichtung des Barock war sehr oft mit Bildern z.B.
mit Holzschnitten verbunden.

• Da spielte das Emblem eine wichtige Rolle in der


Barockdichtung.

• Das Emblem ist ein Holzschnitt (pictura) und es stellt


ein bestimmtes Ereignis, z.B aus der Mythologie dar.

• Dazu gibt es eine Überschrift (inscriptio) und eine


Unterschrift (subscriptio).
Das Emblem