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Musikalische Akustik

Exkurs Psychoakustik
Robert Höldrich

Institut für Elektronische Musik und Akustik


Universität für Musik und darstellende Kunst Graz
Exkurs Psychoakustik

Psychoakustik als Teil der Psychophysik

Teilgebiet der experimentellen Psychologie, das Zusammenhänge zwischen


physikalischen Reizen und sensorischen Wahrnehmungen und Urteilen herstellt.

Sensorische Wahrnehmung nicht direkt messbar, daher Antworten von VP.

-> Design der experimentellen Situation besonders wichtig, um


gültige (valide) und wiederholbare Antworten zu erhalten.

Mess-Skalen

Nominalskala – nur Einteilung in verschiedene Gruppen, aber keine Ordnung


(zB Geschlecht, Farbe)

Ordinalskala – Rangreihe (zB ästhetische Präferenz)

Intervallskala – Rangreihe mit Abstandsdefinition zwischen den Kategorien


(zB Uhrzeit)

Verhältnisskala – Intervallskala mit absolutem Nullpunkt


(zB Dauer, Länge)
Exkurs Psychoakustik

Grundlegende Gesetze der Psychophysik

Weber´sches Gesetz:
• Relative Unterschiedsschwelle ist konstant (1864).
• JND proportional der Reizgröße.

Helligkeitsbeurteilung: K= 1/100
Geschmacksempfindung: K = 1/5
Lautstärkewahrnehmung: K = 1/28
Tonhöhe (S0 = 1000 Hz) K = 1/333-1/1000

S0, S1 zwei gerade noch unterscheidbare Reize


S = S1 – S0 der eben merkliche Unterschied (JND)

S S1  S 0
K (n)  
S0 S0
n gibt Abhängigkeit von der Wahrscheinlichkeit der Detektion an.
Exkurs Psychoakustik
Grundlegende Gesetze der Psychophysik

Fechner´sches Gesetz:
• Erweitert das Weber´sche Gesetz.
• Stellt Zusammenhang zwischen Reizgröße S (=stimulus) und Empfindungsgröße R
(=response) her mit: R = f (S)

S1 R1 = n
S2 = S1 (1 + k) = S1 (1 + k) R2 = n+1
S3 = S2 (1 + k) = S1 (1 + k)2 R3 = n+2
S4 = S3 (1 + k) = S1 (1 + k)3 R4 = n+3


SM = SM-1 (1 + k) = S1 (1 + k)M-1 RM = n+M-1

Weber-Fechner´sches Gesetz:
• Logarithmischer Zusammenhang zwischen Stimulus und Empfindungsgröße.

R = f (S) = c ln(S) + a
c beliebige Masstabskonstante
a Integrationskonstante
Exkurs Psychoakustik

Gesetz von Stevens:


• Empirie widerspricht Fechner´schem Gesetz.
• Bessere Beschreibung durch Potenzgesetz.

S Stimulus

R  c  (S  S 0 ) S0
c
Schwelle des Stimulus
Konstante
 Exponent

Manchmal auch:
Physikalische Größe Exponent Reiz
S 
R  c( ) Länge
Temperatur
1.0
1.0
Gerade projiziert
Kälte am Arm
S0 Lautheit 0.67 Sinus 3150 Hz
Unterschied ? Helligkeit 0.33
Salz 1.4
Zucker 1.3
Dauer 1.1
Fingerspanne 1.3
Gewicht 1.45
Elektroschock 3.5
Exkurs Psychoakustik

Fig1. Stevens law is in a good agreement with the measured values of the loudness (red dots), with the
exception of small sound intensities. Phon values of the Weber-Fechner law correspond noticeably only
to the intensity level values (at 1000 Hz). Red arrows show the 120 phon loudness level and the
corresponding 256 son loudness at 1 W/m² intensity.
Exkurs Psychoakustik
Exkurs Psychoakustik
Exkurs Psychoakustik
Verdeckung (Maskierung, Masking)

Verschiebung der Ruhehörschwelle -> Mithörschwelle


Frequency response of the ear

Spektrale Maskierung
Verdeckung durch weißes Rauschen
Exkurs Psychoakustik

Spektrale Maskierung

Verdeckung durch Schmalbandrauschen


Exkurs Psychoakustik

Spektrale Maskierung

Verdeckung durch Tief- und Hochpassrauschen

Verdeckung durch Sinustöne

BSP 1-28: Asymmetry of Masking


Exkurs Psychoakustik

Spektrale Maskierung

Verdeckung durch Klänge


Exkurs Psychoakustik

Spektrale Maskierung

Verdeckung durch einen tiefen bzw. hohen Violinton


Exkurs Psychoakustik

Spektrale Maskierung

Töne, deren Frequenzen eng nebeneinander liegen, verdecken eher als weit
auseinander liegende.

Ein Ton maskiert höhere Töne eher als tiefere Töne.

Je größer die Tonintensität, desto breiter der Maskierungsbereich.

Enges Bandrauschen maskiert etwa so wie ein Ton.

Ansteigen eines Breitbandrauschens um x dB hebt auch die Mithörschwelle um x dB.


Exkurs Psychoakustik

Spektrale Maskierung

Töne, deren Frequenzen eng nebeneinander liegen, verdecken eher als weit
auseinander liegende.

Ein Ton maskiert höhere Töne eher als tiefere Töne.

Je größer die Tonintensität, desto breiter der Maskierungsbereich.

Enges Bandrauschen maskiert etwa so wie ein Ton.

Ansteigen eines Breitbandrauschens um x dB hebt auch die Mithörschwelle um x dB.

Zeitliche Maskierung

 Nachverdeckung (engl.: Forward Masking, Maskierer endet 20 - 30 ms vor dem


maskierten Signal)
Auditory Demonstration 10: Forward Masking

 Vorverdeckung (engl.: Backward Masking, Maskierer beginnt bis zu 10 ms nach


dem maskierten Signal)
Auditory Demonstration 10: Backward Masking
Exkurs Psychoakustik

Tonheit, Barkskala, Frequenzgruppen

BSP 1-30: Octave Matching


Exkurs Psychoakustik

Tonheit, Barkskala, Frequenzgruppen


Exkurs Psychoakustik

Tonheit, Barkskala, Frequenzgruppen

Beispiele für Einfluss der Frequenzgruppenbreite

• Verdeckung einer Frequenzlücke


• Bandbreite des Maskierers BSP 1-29: Critical
bands by masking
• Lautheitssummation BSP 1-31: CB by Loudness Comparison

• Frequenzunterscheidungsgrenze
Exkurs Psychoakustik

Versuchsdesign
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Versuchsdesign