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Universität zu Köln

Institut für Geschichte und Ethik der Medizin


PD Dr. Ralf Forsbach

Vorlesung „Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin“, 11. Oktober 2019

Medizin in der NS-Diktatur


1. Ärzte und NS
2. Wurzeln des NS-Medizin, der „Euthanasie“ und
der Zwangssterilisation
3. Zwangssterilisation
4. „Euthanasie“
5. Humanexperimente
6. Folgen
Vorlesungsplan WS 2019/2020

1. 11.10. PD Dr. Forsbach: Medizin im „Dritten Reich“


2. 18.10. Prof. Schäfer: Medizin im Mittelalter und in
der Frühen Neuzeit
3. 25.10. Prof. Karenberg: Hippokratische Medizin
4. 01.11 *Allerheiligen*
5. 08.11. Prof. Schäfer: Medizin im 19. Jahrhundert
6. 15.11. Prof. Bruchhausen: Einführung in die
Medizinethik
19.11. KLAUSUR (17:00 – 19:00 Uhr, Anatomie)
Universität zu Köln
Institut für Geschichte und Ethik der Medizin
PD Dr. Ralf Forsbach

Vorlesung „Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin“, 11. Oktober 2019

Medizin in der NS-Diktatur


1. Ärzte und NS
2. Wurzeln des NS-Medizin, der „Euthanasie“ und
der Zwangssterilisation
3. Zwangssterilisation
4. „Euthanasie“
5. Humanexperimente
6. Folgen
NS-Medizin:
„Volkskörper“ wichtiger als individuelle Gesundheit

Gerhard Wagner übersetzte die


vulgäre NS-Parole „Du bist nichts, dein
Volk ist alles“ für die Medizin: Bei der
Krankenbehandlung soll nicht die
individuelle Gesundheit, sondern
sollen „das Recht und die
Notwendigkeiten des gesamten
Volkes“ im Vordergrund stehen.

Kennzeichen der NS-Medizin:


- Entindividualisierung
- Entemotionalisierung „Reichsärzteführer“ Gerhard
- Entrechtlichung Wagner (1888–1939) trieb die
Gleichschaltung der Ärzteverbände
zum NSD-Ärztebund voran
NS-Medizin:
„Volkskörper“ wichtiger als individuelle Gesundheit

- NS-Ideologie lenkt Blick vom Patienten als Individuum ab und


lässt Unrechtsbewusstsein schwinden.
- Sie propagiert, für das vermeintlich hehre Ziel des Volkswohls
Menschen zu sterilisieren, auf andere Weise zu quälen oder zu
töten.
- Wesentliches Kriterium ist die Arbeitsfähigkeit.
Anweisung des Städtischen Wohlfahrtsamts Bonn 1933
„Auf Grund der Richtlinien der N.S. Gesundheitspflege ist es nicht
erwünscht, daß Kranke, die nicht mehr voll arbeitsfähig sind und auch
nicht werden, also dem Staate und der Volksgemeinschaft nichts mehr
leisten und auch keine Werte schaffen, eine stationäre Behandlung
erfahren und dadurch der Allgemeinheit außerordentliche hohe Kosten
verursachen. Da der Haushaltsplan der Stadt Bonn für die geschlossene
Fürsorge für diese Art Kranke einen Betrag von 280 000 Rm. aufweist, die
Gemeindeverwaltungen aber gehalten sind, äußerste Sparsamkeit zu
üben, um ihren Haushalt ins Gleichgewicht zu bringen, bitte ich, nur in
den allerdringendsten Fällen eine stationäre Behandlung eintreten zu
lassen. Bei Anwendung dieses Grundsatzes dienen wir der Allgemeinheit
und verringern die ungeheuren Kosten für Menschen, die dem Staate
nichts mehr leisten.“n.“

Kommentar von Paul Martini (1889–1964),


Direktor der Medizinischen Klinik Bonn:
„Beginn der allgemeinen Inhumanität“
Mitgliedschaften von Ärzten 1944
nach Michael Kater/Uwe Zimmermann

NSDAP 44,8 % / 56,0 %


NSD-Ärztebund 31,0 % / -
SA 26,0 % / 23,1 %
SS 7,2 % / 3,6 %

(Michael H. Kater: Professoren und Studenten im Dritten Reich,


in: Archiv für Kulturgeschichte, 67/1985, S. 468; Martin Rüther, Ärzte im
Nationalsozialismus, in: Deutsches Ärzteblatt 98/2001, S. C2561)
Mitgliedschaften von Ärzten 1944

- Weit überdurchschnittlich im Vergleich zu


anderen Berufsgruppen
- Anteil der NSDAP-Mitglieder unter den Lehrern
um etwa die Hälfte niedriger
- Erhebliche lokale Unterschiede
Ärzte mit formeller NS-Bindung (Januar 1944)
nach Uwe Zimmermann, Martin Rüther
Region Ärzte NSDAP m. w. rk ev. SA SS HJ NS-Bindung
abs. abs. in in in in in in in in %
(in %) (in %) % % % % % % %

Bonn 540 244 50,9 11,8 44,9 47,9 23,2 3,0 7,0 63,2
(100) (45,2)

Siegburg 246 174 75,9 33,3 72,9 65,1 25,2 3,3 11,8 83,7
(100) (70,7)

Köln 1325 744 62,6 24,0 57,5 58,7 18,0 3,9 10,0 71,1
(100) (58,1)

Aachen 565 351 65,0 37,2 61,5 60,9 27,8 3,0 9,2 76,3
(100) (62,1)

(Lesebeispiel: 57,5 % der katholischen Ärztinnen und Ärzte in Köln waren Mitglieder der
NSDAP)
Gründe für die überproportional
hohe NS-Mitgliedschaft von Ärzten
- Keine gesicherten sozialhistorischen
Kenntnisse
- Schlechte ökonomische Situation von
Jungärzten in der Weimarer Republik
- Hoher Anteil von Juden unter der Ärzteschaft 
NS-Programm gegen Juden attraktiv
- Große lokale Unterschiede lassen auf stärkeren
politischen Druck auf dem Lande und großen
Einfluss lokaler Autoritäten schließen
Reichsmedizinalkalender 1937

Deutschland 2014: 41,3


Reichsmedizinalkalender 1937, Beispiel Siegburg
Reichsmedizinalkalender 1937, Beispiel Solingen
Dr. Erna Rüppel geb. Marcus (1895–1970)
1927 Kinderärztin in Solingen
1933 Entzug der kassenärztlichen
Zulassung, auch für den nicht-
jüdischen Ehemann wg.
„Mischehe“  Scheinscheidung
von nichtjüdischem Ehemann
9.11.1938 Verwüstung der Wohnung
1942 Krankenbehandlerin im
Israelitischen Asyl für Kranke
und Altersschwache Köln
31.5.1942 Flucht nach Räumung des
Asyls  Unterschlupf u.a. bei
Johannes Lutze, Pfarrer der
Bekennenden Kirche in
Solingen-Dorp und in München
1945 Rückkehr nach Solingen; erneut
praktizierende Kinderärztin
2018 Stolperstein
Lit.: Horst Sassin, Überleben im Untergrund. Die Kinderärztin Dr. Erna Rüppel
(1895–1970) in: Die Heimat, Nr. 26 (2010), S. 4-37.
Reichsmedizinalkalender 1937
Diskriminierung jüdischer Ärztinnen und Ärzte
- Von 1933 bis 1938 wurden mehr als 90 % der jüdischen
Ärzt/inn/e/n aus dem Beruf gedrängt (etwa 700 von etwa 8500
jüdischen Ärzt/inn/e/n waren 1938 noch tätig)
- 30.9.1938 Erlöschen der Approbation  Berufsverbot
- Mit Sondergenehmigung war einigen jüdischen Ärzt/inn/e/n die
Behandlung von Jüdinnen und Juden weiter erlaubt („Kranken-/
Judenbehandler“)
- Viele jüdischen Ärzt/inn/e/n
flohen/emigrierten ins Ausland,
allein über 200 Internist/inn/en u.a. in
(USA, Türkei, Südamerika,
Neuseeland, Australien u.a.)
Diskriminierung jüdischer Ärztinnen und Ärzte

Krankenbehandler-
Stempel von Dr.
Arthur Samuel/
Berlin (Rebecca
Schwoch, Jüdische
Ärzte als Kranken-
behandler in Berlin
zwischen 1938 und
1945, Frankfurt am
Main 2018, Titel)
Jüdische Ärztinnen und Ärzte als von der
allgemeinen Judenverfolgung Betroffene
Siegfried Adler
* 17.06.1889 (Bad) Königshofen im Grabfeld/Unterfranken
1919 Dr. med. nach Studium vorwiegend in München
1922 Kurarzt in Bad Reichenhall
1938 Kennzeichnung als „jüdischer Arzt“  Umzug nach Krefeld
1942 Deportation, Tod im Ghetto Izbica nahe Lublin auf dem Weg ins KZ
„Euthanasie“
Begriff des fünften vorchristlichen Jahrhunderts
(erstmals belegt bei Kratinos)

εὐϑανασία ~ schöner, guter Tod


εὖ ~ schön, gut
ϑάνατος ~ Tod
Asklepios zugeschriebene
Modellvorstellung bei Platon

„Wenn einer nicht fähig sei, die


ihm gesetzte Lebensbahn zu
durchlaufen, dann solle man
ihn nicht pflegen, weil das
weder für ihn noch für die Stadt
von Vorteil ist.“

(Platon, Der Staat, 407)

Heilgott Asklepios
Modellvorstellung bei Platon

„Wer einen übel geratenen


Körper hat, den werden sie
sterben lassen, wer aber eine
mißratene und heillose Seele
hat, den werden sie sogar
selbst umbringen.“

(Platon, Der Staat, 410)


Platon (427–347 v. Chr.)
Modellvorstellung
bei Thomas Morus
„Ist indessen die Krankheit nicht nur
unheilbar, sondern dazu noch dauernd
qualvoll und schmerzhaft, dann reden
Priester und Behörden dem Kranken zu, da
er doch allen Anforderungen des Lebens
nicht mehr gewachsen, den Mitmenschen
zur Last […] solle er nicht darauf bestehen,
die unheilvolle Seuche noch länger zu
nähren, und nicht zögern zu sterben, zumal
das Leben, doch nur eine Qual für ihn sei; er
solle sich also getrost und hoffnungsvoll aus Thomas Morus (1478–1535)
diesem bitteren Leben wie aus einem Kerker
oder aus der Folterkammer befreien oder
sich willig von anderen herausreißen lassen“

(Thomas Morus, Utopia)


Wurzeln der NS-Medizin

- Diplomat Arthur de Gobineau (1816–1882) sah „Arier“ zur


Herrschaft berufen
- Arzt Alfred Ploetz (1860–1940) prägte 1895 den Begriff
„Rassenhygiene“ und forderte die „scharfe Ausjätung des
schlechteren Theiles“ der Menschen
- Arzt Wilhelm Schallmayer (1857–1919) sah die moderne
Medizin kritisch, da sie Schwache am Leben erhalte und
natürliche Auslese verhindere
- Pfarrer Walter Haecker (1866–1928) verlangte, „daß die
moralisch Minderwertigen an der Zeugung gehindert werden
sollen“
Alfred Hoche (1865–1943)
- Freiburger Psychiater
- 1920 mit Karl Binding
Verfasser von „Die Freigabe
der Vernichtung
lebensunwerten Lebens“
Hoches Tötungsforderung
aus vorwiegend ökonomischen Gründen
„Die Anstalten, die der Idiotenpflege dienen, werden anderen Zwecken entzogen; soweit
es sich um Privatanstalten handelt, muß die Verzinsung berechnet werden; ein
Pflegepersonal von vielen tausend Köpfen wird für diese gänzlich unfruchtbare Aufgabe
festgelegt und fördernder Arbeit entzogen; es ist eine peinliche Vorstellung, daß ganze
Generationen von Pflegern neben diesen leeren Menschenhülsen dahinaltern, von
denen nicht wenige 70 Jahre und älter werden.
Die Frage, ob der für diese Kategorien von Ballastexistenzen notwendige Aufwand nach
allen Richtungen hin gerechtfertigt sei, war in den verflossenen Zeiten des Wohlstandes
nicht dringend; jetzt ist es anders geworden, und wir müssen uns ernstlich mit ihr
beschäftigen. […]
Die ungeheure Schwierigkeit jedes Versuches, diesen Dingen irgendwie auf
gesetzgeberischem Wege beizukommen, wird noch lange bestehen, und auch der
Gedanke, durch Freigabe der Vernichtung völlig wertloser, geistig Toter eine Entlastung
für unsere nationale Überbürdung herbeizuführen, wird zunächst und vielleicht noch für
weite Zeitstrecken lebhaftem, vorwiegend gefühlsmäßig vermitteltem Widerspruch
begegnen, der seine Stärke aus sehr verschiedenen Quellen beziehen wird (Abneigung
gegen das Neue, religiöse Bedenken, sentimentale Empfindungen usw.).“

(Alfred Hoche in: Karl Binding/Alfred Hoche (Hg.), Die Freigabe der Vernichtung
lebensunwerten Lebens. Ihr Maß und ihre Form, 2. Aufl. Leipzig 1922 [Erstausg. 1920],
S. 54 f.)
1927 Gründung des Kaiser-Wilhelm-Instituts für menschliche
Erblehre, Anthropologie und Eugenik in Berlin
Direktor: Eugen Fischer

1927
Zwangssterilisation

- 1920 in 25 Staaten der USA


Zwangssterilisationen möglich
- 1929 im Kanton Waadt/Schweiz
Zwangssterilisationen erlaubt, aber nicht
durchgeführt
- Gesetze zur Zwangssterilisation auch in
Skandinavien, Island und im Baltikum
- in der Weimarer Republik Gesetzentwurf
-- kein Zwang
-- keine politische Mehrheit
Papst Pius XI. (1857–1939) gegen Zwangssterilisation

Einzige nennenswerte negative


Kritik an Zwangssterilisationen von
internationaler Bedeutung durch
Pius XI. in der Enzyklika
„Casti conubii“ / „Über die
christliche Ehe“
(31. Dezember 1930)
Papst Pius XI. (1857–1939) gegen Zwangssterilisation
„Zu verwerfen sind […] jene bedenklichen Bestrebungen, die zwar zunächst
das natürliche Recht des Menschen auf die Ehe, tatsächlich aber unter
gewisser Rücksicht auch das Gut der Nachkommenschaft angehen. Es
finden sich nämlich solche, die in übertriebener Sorge um die „eugenischen“
Zwecke nicht nur heilsame Ratschläge zur Erzielung einer starken und
gesunden Nachkommenschaft geben – was der gesunden Vernunft
durchaus nicht zuwider ist –, sondern dem ‚eugenischen‘ Zweck den Vorzug
vor allen andern, selbst denen einer höheren Ordnung geben. Sie möchten
daher von Staats wegen alle von der Ehe ausschließen, von denen nach den
Gesetzen und Mutmaßungen ihrer Wissenschaft infolge von Vererbungen
nur eine minderwertige Nachkommenschaft zu erwarten ist, auch wenn sie
zur Eingehung einer Ehe an sich tauglich sind. Ja sie gehen so weit, solche
von Gesetzes wegen, auch gegen ihren Willen, durch ärztlichen Eingriff jener
natürlichen Fähigkeit berauben zu lassen, und zwar nicht als Körperstrafe für
begangene Verbrechen, noch auch um künftigen Vergehen solcher
Schuldiger vorzubeugen, sondern indem sie gegen alles Recht und alle
Gerechtigkeit für die weltliche Obrigkeit eine Gewalt in Anspruch nehmen,
die sie nie gehabt hat und rechtmäßigerweise überhaupt nicht haben kann.
Sie vergessen zu Unrecht, daß die Familie höher steht als der Staat und daß
die Menschen nicht an erster Stelle für die Zeit und die Erde, sondern für den
Himmel und die Ewigkeit geboren werden.“
Zwangssterilisationen
- „Gesetz zur Verhütung
erbkranken
Nachwuchses“
(14.7.1933/1.1.1934)
- Erbkrankheitsdefinition in
§ 1 (2)
- 1936 um schweren
Alkoholismus ergänzt
- „Erbgesundheitsgerichte“
entscheiden
- Etwa 400 000
Zwangssterilisierte
- Mortalität zwischen 1 und
5 %: 3 500 bis 20 000
Todesopfer
- Operationen oft in
Universitätskliniken
(Frauenklinik, Chirurgie)
- Propaganda zeigt
Sterilisation als
moralische Pflicht
Propaganda für die Sterilisation (1936)
Zwangssterilisierung an
jugendlichen Kindern
schwarzer Besatzungssoldaten

Harald Siebke (1899–1964),


Direktor der
Universitätsfrauenklinik Bonn
Zwangssterilisationen in Köln
- 6094 Anträge auf
Unfruchtbarmachung
- 4070 Zwangssterilisationen
- Orte:
-- Frauenklinik (mind. 1200 Fälle)
Hans C. Naujoks (1892–1959), NSDAP,
SA, Direktor der Universitätsfrauenklinik
-- Chirurgische Klinik
Köln (1934–1945) -- Evangelisches Krankenhaus
Weyertal
- Berechtigung für vier Ärzte der
Frauenklinik, durch
„Strahlenbehandlung“ zu sterilisieren
(Direktor Naujoks, Oberärzte Georg
Kaboth, Carl Holtermann, Privatdozent
Friedrich August Wahl)
Hans von Haberer (1875–1958), - 60 Zwangsabtreibungen mit
NSDAP, Direktor der Chirurgischen
Universitätsklinik Köln (1930–1948), eugenischer Begründung an
Rektor (1935–1938) Frauenklinik
Zwangssterilisationen in Köln
- Stadtarzt Franz Vonessen weigerte
sich, Anträge auf
Unfruchtbarmachung zu stellen
 Aufforderung des zuständigen
Beigeordneten Carl Coerper zur
Franz Vonessen (1892–1970), Stadtarzt, Antragsstellung kommt Vonessen
katholisch, sechs Kinder
(Porträt mit Familie, um 1942)
nicht nach
 Entlassung
Sonja Endres, Zwangssterilisationen in Köln 1934–1945, Köln 2009, 181

 Ärztekammer drohte, Zulassung


für Privatpraxis zu verwehren
- Mai 1945: USA betrauen Vossen
mit Leitung des Gesundheitsamts

Carl Coerper (1886–1960), NSDAP,


Beigeordneter für das Kölner
Gesundheitswesen (1926–1945), st. 1937 Vgl. Klaus Schmidt, Franz Vonessen. NS-kritischer Arzt (1892-1970), in: Portal
Lehre als Professor für Sozialhygiene, Rheinische Geschichte (https://www.rheinische-
geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/franz-vonessen/DE-
Rassenhygiene und Volksgesundheit 2086/lido/57c9389eda8a84.52218603)
Sonja Endres, Zwangssterilisationen in Köln 1934–1945, Köln 2009, 83
Propaganda für die „Euthanasie“
- Medizinische Terminologie wird
gegen Kranke und Behinderte wie
auch gegen Juden und Slawen
sowie metaphorisch gegen
Demokratie angewandt:
„Rassentuberkulose“, „Bazillus“,
„Parasit“, „Durchseuchung“,
Weimarer Zeit „krank und faul“
- „Ich klage an“ – Spielfilm (1941),
der freiwillige „Euthanasie“
propagiert (Multiple Sklerose)
- Offene Propaganda für
„Euthanasie“ unpopulär, so dass
sie während der Tötungsaktionen
ausbleibt
Propaganda für die „Euthanasie“

Um 1938. (Bild: DHM Berlin). Um 1935. (Bild: DHM Berlin).


Propaganda für die „Euthanasie“
Propaganda für die „Euthanasie“ (1936)
„Kindereuthanasie“
- Tötung von etwa 5000 Kindern
- Anlass war Brief des Vaters einen behinderten Kindes aus Sachsen,
der Hitler um „Gnadentod“ für sein Kind bat
- Hitler beauftragte Werner Catel, Leiter der Leipziger
Universitätskinderklinik, mit Prüfung
- 1938/39 Tötung des Kindes durch Catel
- 18.8.1939 Geheimerlass des Innenministeriums, nach dem Kinder
mit „schweren angeborenen Leiden“ wie „Idiotie“, Missbildungen,
Lähmungen von Ärzten und Hebammen des Gesundheitsämtern zu
melden seien
- Etwa 100 000 Meldungen > „Reichsausschuss zur
wissenschaftlichen Erfassung von erb- und anlagebedingten
schweren Leiden“ > über etwa 20 000 Fälle entschieden Gutachter
des „Reichsausschusses“ (Catel, Hans Heinze, Ernst Wentzler)
nach Aktenlage:
a) Verschonung
b) „Beobachtung“ in einer der 30 „Fachabteilungen“ psychiatrischer
Anstalten
c) sofortige Tötung in „Fachabteilung“ (i. d. R. mit Barbiturat Luminal)
„Kindereuthanasie“ in Kinderfachabteilungen

Wohl 31, im Westen u.a.:

- (Schwalmtal-) Waldniel
- (Idstein-) Kalmenhof
- (Eltville-) Eichberg
- (Dortmund-) Aplerbeck
- Marsberg

„Schutzengelhaus“ des früheren Franziskaner-


heims Waldniel, in dem 97 Kinder und
Jugendliche getötet wurden (Zustand 2006)
„Euthanasie“-Aktion T 4
- Ende 1939 bis 24.8.1941 mehr als 70000 Todesopfer
- Darunter ebenfalls Kinder und Jugendliche (mehr als 4 000
Opfer im Alter unter 21 Jahren)
- Nicht der Anfang der „Euthanasie“
-- Sterbeziffern in Anstalten stiegen bereits früher (gezielte
Tötungen sind 1936 für Marsberg nachgewiesen)
-- etwa 10 000 Tötungen zu Kriegsbeginn in Anstalten der
besetzten Gebiete (Erschießungen der SS, stationäre und
mobile Gaswagen)
- Wohl Ende Oktober 1939 auf den Kriegsbeginn rückdatierter
Geheimerlass Hitlers zur „Euthanasie“
„Euthanasie“-Aktion T 4

Philipp Bouhler (1899–


1945), Chef der „Kanzlei
des Führers“

Karl Brandt (1904–1948),


chirurgischer Begleitarzt
Hitlers
Organisation der
„Euthanasie“-Aktion T 4
- Planungsstätte in der Berliner
Tiergartenstraße 4 ab April 1940
- Etwa 40 Ärzte beurteilen
Meldebögen aus den Heil- und
Pflegeanstalten (pro Meldebogen 3
Gutachter):
„Plus“ = Tötung; „Minus“ =
Verschonung; „Fragezeichen“ =
offen
- Letzte Entscheidung bei
Obergutachter
- In der Praxis ausschlaggebend ist
die Arbeitsfähigkeit
T 4-Gutachter

Ausriss aus
zeitgenössischer
Gutachterliste

Friedrich Panse
Kurt Pohlisch (1899–1973)
(1893–1955) Bonner T 4-Gutachter
(im Karneval 1938 in
Direktor der der Verkleidung eines
Nervenklinik Bonn, Eisenbahnzugführers)
T 4-Gutachter © Linda Orth, Bonn
Organisation der „Euthanasie“-Aktion T 4
- Busse der Tarnorganisation „Gemeinnützige Kranken-Transport-GmbH
(Gekrat)“ brachten Opfer, oft über Zwischenanstalt, in Vernichtungszentren
-- Grafeneck (bei Reutlingen)
-- Brandenburg
-- Hartheim (bei Linz/Oberösterreich)
-- Sonnenstein (bei Pirna/Sachsen)
-- Hadamar/Lahn
-- Bernburg/Saale
- In der Regel baldige Vergasung durch Kohlenmonoxyd in Duschräumen
- „Trostbrief“ mit falscher Todesursache an Angehörige
Rauch über dem Krematorium des T4-
Vernichtungszentrums Hadamar/Lahn (1941),
Raum der Gaskammer (2013)
Rauch über dem Krematorium des T4-
Vernichtungszentrums Hartheim/Oberösterreich
„Trostbrief“ zum Tod
von Hilde Hahne
(6.12.1894 Radvormwald-Bergerhof –
24.6.1941 Hadamar)

- 6.5.1941 Verlegung aus


Anstalt Düsseldorf-
Grafenberg in die
Zwischenanstalt
(Langenfeld-) Galkhausen
- 24.6.1941 Verlegung nach
Hadamar
- Offizielle Todesursache in
„Trostbrief“: Lungentuber-
kulose mit Miliartuberkulose
Dokument zur Verfügung gestellt von
Hans Golombek (Bergischer Geschichtsverein,
Abt. Radevormwald)
Widerstand gegen die Aktion T 4 durch Clemens August Graf
von Galen (1878–1946), Bischof von Münster
Bischof Clemens August Graf von Galen in seiner Predigt
vom 3. August 1941
„Seit einigen Monaten hören wir Berichte, daß aus Heil- und Pflegeanstalten für
Geisteskranke auf Anordnung von Berlin Pfleglinge, die schon länger krank sind
und vielleicht unheilbar erscheinen, zwangsweise abgeführt werden. Regelmäßig
erhalten dann die Angehörigen nach kurzer Zeit die Mitteilung, der Kranke sei
verstorben, die Leiche sei verbrannt, die Asche könne abgeliefert werden.
Allgemein herrscht der an Sicherheit grenzende Verdacht, daß diese zahlreichen
unerwarteten Todesfälle von Geisteskranken nicht von selbst eintreten, sondern
absichtlich herbeigeführt werden, daß man dabei jener Lehre folgt, die behauptet,
man dürfe sogenanntes lebensunwertes Leben vernichte, also unschuldige
Menschen töten, wenn man meint, ihr Leben sei für Volk und Staat nicht mehr wert.
Eine furchtbare Lehre, die die Ermordung Unschuldiger rechtfertigen will, die die
gewaltsame Tötung der nicht mehr arbeitsfähigen Invaliden, Krüppel, unheilbar
Kranken, Altersschwachen grundsätzlich freigibt!“
„Wenn man den Grundsatz aufstellt und anwendet, daß man den ‚unproduktiven’
Mitmenschen töten darf, dann wehe uns allen, wenn wir alt und altersschwach
werden! […] Wenn man die unproduktiven Mitmenschen gewaltsam beseitigen darf
dann wehe unseren braven Soldaten, die als schwer Kriegsverletzte, als Krüppel,
als Invaliden in die Heimat zurückkehren!“

(Zit. n. Ludger Grevelhörster, Kardinal Clemens August Graf von Galen in seiner Zeit, Münster 2005, S. 179 u. S. 182)
„Euthanasie“ nach der Aktion T 4
- „Sonderbehandlung 14f13“: SS-Ärzte sonderten
20000 arbeitsunfähige KZ-Insassen aus, die in
Bernburg, Sonnenstein oder Hartheim ermordet
wurden
- Ab Oktober 1942 gezielte Besuche von
„Euthanasie“-Ärzten in Anstalten, um „kriminelle
Geisteskranke“ aufzuspüren und in KZ
verbringen zu lassen
- Mindestens 90000 Tote durch Unterversorgung
oder Überdosierung von Medikamenten in Heil-
und Pflegeanstalten
Todesfälle in der
Rheinischen Provinzial-Heil-und Pflegeanstalt Bonn

Jahr Todesfälle
1939 204
1940 243 Die allgemeine Sterblichkeitsentwicklung hätte
allenfalls eine Erhöhung der Todeszahlen um etwa
1941 317 50 % erklären können.
Es starben von 1940 bis 1945 1000 Patienten
1942 387 mehr, als man nach der allgemeinen
Sterblichkeitsentwicklung hätte erwarten können.
1943 327
1944 443
1945 648
(Raimund Antonius Klaus Hillebrand, Untersuchungen zu den Todesfällen in der
Rheinischen Provinzial-Heil-und Pflegeanstalt Bonn in den Jahren 1933–1945,
Diss. med. Bonn 2002, S. 56)
Opferzahl „Euthanasie“-Verbrechen

216 400, davon


- 70 273 T4-Aktion
- Mind. 5 000 „Kindereuthanasie“
- Mind. 20 000 „Sonderbehandlung 14f13“
- Mind. 90 000 Unterversorgung
Verbrecherische
Humanexperimente
- Genetik
- Militärchirurgie
- Seuchenprävention und -therapie
- Biologische oder chemische Kampfstoffe
- Luftfahrtmedizin
- In KZ etwa 70 Versuchsreihen
- Zahl außerhalb der KZ noch unklar
NS-Humanexperimente: Beispiel Genetik
- Zwillingsforschung zur Bestätigung der
Rassetheorien und erbbiologischen
Vorstellungen im KZ Auschwitz
- Mitfinanzierung durch DFG, Präparate wurden
an KWI (spätere MPI) verschickt

Josef Mengele (1911–1979),


Arzt im KZ Auschwitz
1943–1945
NS-Humanexperimente: Beispiel Militärchirurgie
- 74 polnischen
Widerstandskämpferinnen
wurden im Frauen-KZ
Ravensbrück Fleischwunden
zugefügt; diese wurden mit
„Erdkeimen“ verunreinigt
- Erprobung von Sulfonamiden
- Sechs Tote durch Versuch
- Weitere fünf Frauen wurden
erschossen
Vernarbte Wunden einer
- Leitung: Sauerbruch-Schüler polnischen Zeugin während
Karl Gebhardt des Nürnberger
Ärzteprozesses 1946/47
NS-Humanexperimente:
Beispiel Seuchentherapie

- 450 im KZ Buchenwald Inhaftierte wurden mit


Fleckfieber infiziert
- Teilimpfung, nicht geimpfte Kontrollgruppe
- 158 Tote
- Weitere 100 Menschen wurden infiziert, damit
die Bakterienstämme am Leben erhalten
werden konnte (fast alle daran gestorben)
- Verantwortlicher Arzt: Gerhard Rose
NS-Humanexperimente: Beispiel Kampfstoffe
- 5 sowjetische Häftlinge werden im KZ
Sachsenhausen mit vergifteter Munition
beschossen (Eisenhutgift)
- 2 Opfer werden durch Genickschuss getötet,
weil Geschosse Beine durchschlagen und
Giftwirkung nicht geprüft werden kann
- Die anderen 3 Opfer sterben laut Protokoll
„121, 123 und 129 Minuten nach Erhalt des
Schusses“
NS-Humanexperimente:
Beispiel Luftfahrtmedizin
- Damalige Flugzeuge
ohne Druckausgleich
- Test der mensch-
lichen Belastbarkeit
- Vor den Augen des
Arztes Sigmund
Rascher sterben in
der Unterdruck-
kammer des KZ
Dachau mindestens
70 Menschen
NS-Humanexperimente:
Beispiel Meerwassertrankversuche
- Trinkbarmachung von Salzwasser Zielsetzung u.a. zum
Nutzen notgewasserter Kampfflieger
- Test der menschlichen Belastbarkeit und des Nutzens von
Entsalzungsmethoden
- In der Verantwortung des 1933 von Köln nach Wien
gewechselten Klinikdirektors Hans Eppinger und seines
Assistenten Wilhelm Beiglböck Versuche an ca. 40 Roma und
Sinti im KZ Dachau
- Fotos entkräfteter Versuchsteilnehmer erhalten
- Keine unmittelbaren Todesfolgen
Menschenversuche: Beispiel Psychiatrische
Klinik der Universität Heidelberg
- Der psychiatrische Genetiker Ernst Rüdin wollte
klären, welche Kinder „klinisch und erbbiologisch so
einwandfrei als eliminationswürdig charakterisiert
werden können, dass sie mit voller Überzeugung und
Beweiskraft […] sowohl im eigenen Interesse als auch
in demjenigen des deutschen Volkes zur Euthanasie
empfohlen werden können“
- 52 Kinder und Jugendliche wurden extrem
schmerzhaften Untersuchungen unterzogen (bspw.
Luftinjektionen in den Rückenmarkkanal)
- 22 dieser Opfer wurden anschließend durch
Giftspritzen in der Anstalt Eichberg getötet
Anatomische Institute als
Profiteure von Hinrichtungen

- Häufig Streitigkeiten um die Zuteilung


von Leichen Hingerichteter, bspw.
zwischen Köln (Otto Veit) und Bonn
(Johannes Sobotta) sowie Gießen
und Frankfurt
- Mitarbeiter der Anatomischen Institute
Köln und Bonn kamen in die
Hinrichtungsstätte im Kölner Klingel-
pütz (mind. 1000 Tote in der NS-Zeit;
rechts Plan und Gedenkstein) und
transportierten die Leichen ab
- Anfängliche Freude über die Leichen
junger gesunder Menschen schwindet
ab 1942 aufgrund der Vielzahl der
Toten
Anatomische Institute als Profiteure
von Hinrichtungen
Beispiel: Mitteilung der Gestapo Aachen für das Anatomische
Institut der Universität Bonn, 6.6.1942
„Die Exekution des poln. Zivilarbeiters Josef Turski, geb. am 19.3.14 in
Wygnanka, ledig, r. kath., findet am Mittwoch, dem 10.6.42, um 7,30
Uhr, in dem Tannenwäldchen nordwestlich der Ortschaft Schleibach
(O.P.B. Broichweiden) in unmittelbarer Nähe des Gutes Schleibacher
Hof – etwa 500 m östlich der Hauptverkehrsstraße Würselen – Alsdorf
statt. Anfahrt: Von der Hauptverkehrsstraße Haaren – Aldenhoven über
Neusen in westlicher Richtung nach Broich – Euchen, hinter der
Wirtschaft Mommertz (Shell-Pumpe vor dem Hause) Feldweg vor dem
Bahnhof Euchen in nördlicher Richtung nach Schleibach. An den
Abzweigungen stehen Polizei-Posten.“
(Anatomisches Institut Bonn, Nr. 117, Geheime Staatspolizei, Staatspolizeistelle Aachen
an Harting/Anatomisches Institut, 6.6.1942)
Willi Graf und der
Widerstand der
Weißen Rose

* 1918 in (Euskirchen-)Kuchenheim
Mitglied des ND und des „Grauen Ordens“
1937-39 Medizinstudium,in Bonn
1942 Nach Wehrmacht Wiederaufnahme des Studiums
in München; Kontakt zunächst zu Hans Scholl und
Alexander Schmorell
Januar 1943 letzter Bonnaufenthalt
18. Februar 1943 Verhaftung in München
12. Oktober 1943 Hinrichtung in München-Stadelheim
Willi Graf (1918–1943)
mit anderen Angehörigen des Grauen Ordens

© Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Berlin


Walter Seitz im Widerstand der
„Gruppe Emil“
* 1905 München

„Gruppe Onkel Emil“: Zusammenschluss


junger Berlinerinnen und Berliner mit
meist akademisch-bürgerlichen
Hintergrund

- Verbreitung von Flugblättern der


„Weißen Rose“

- Retterwiderstand:
-- Zwangsarbeiter wider besseres Wissen
krank geschrieben
-- Besorgen eines niederländischen Pass
für einen geflohenen Juden

† 1997 München
Problematik nach 1945
- Hohe Sterblichkeit in den Anstalten bis etwa 1950
- Betroffene wurden nicht als NS-Opfer angesehen
- Personal (Täter, Zeugen) blieb in den Anstalten
- T 4-Gutachter kamen zurück in ihre Ämter, gutachteten sogar
wieder
- „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ wurde nur
in Bayern und der SBZ aufgehoben, in Württemberg-Baden
und Hessen ausgesetzt
- 2007 ächtete der Bundestag das GesVeN als Unrecht
- An Zwangssterilisation Beteiligte wurden nie rechtlich belangt
- Seit den achtziger Jahren organisierten sich Betroffene,
erreichten (kleine) Entschädigungen
- Initiativen gaben den Anstoß zu Gedenkstätten in den
früheren Tötungsanstalten und Mahnmale an Anstalten
- Seit den fünfziger Jahren schon Gedenktafeln u.ä.
Nürnberger Ärzteprozess (1946/47)
- Bekanntwerden der meisten Medizinverbrechen
- Von den 23 Angeklagten (20 Militärärzte, 3 Beamte) werden 7
zum Tode verurteilt und hingerichtet, darunter Karl Brandt
Folgen der NS-Medizinverbrechen
- Die Dokumentation des Nürnberger
Ärzteprozesses von Alexander Mitscherlich
und Fred Mielke berührt die Ärzteschaft
unangenehm, obwohl die dort genannte Zahl
von 350 Ärzten als Haupttätern als entlastend
hätte betrachtet werden können
- Bis in die 80er Jahre große Vorbehalte der
Standesorganisationen gegen
Geschichtswissenschaft
- Nürnberger Codex (1947) und Deklaration
von Helsinki (1964) bestimmen Grenzen und
Bedingungen von Humanexperimenten
(Aufklärung, Einverständnis der Beteiligten)
- Einstiges Bekenntnis zum Nationalsozialis-
mus hinderte spätere Karriere nicht (T 4-
Gutachter gelangten – teilweise erneut und zu
Lasten von Verfolgten – auf Lehrstühle)
Hans J. Sewering
- Geb. 30.1.1916 in Bochum
- 1933 SS
- 1934 NSDAP
- 1942 Als Assistenzarzt der Tuber-
kuloseheilanstalt Schönbrunn bei
Dachau überwies er in die „Kinder-
fachabteilung“ Egelfing-Haar
- 1973–1978 Präsident der
Bundesärztekammer
- 1966–1992 Vorstandsmitglied im
Weltärztebund
- 1992 Paracelsus-Medaille
- 2008 Günther-Budelmann-Medaille
des BDI  Distanzierung der DGIM
- Gest. 18.6.2010 in Dachau
- Debatte um Nachruf im Ärzteblatt
Kontroverse zwischen DGIM und BDI:
Die Ehrung von Hans-Joachim Sewering

Gerhard Wagner übersetzte


- Entemotionalisierung
- Entrechtlichung
Kontroverse zwischen DGIM und BDI:
Die Ehrung von Hans-Joachim Sewering
Gedenk- und Informationsort für die Opfer der
nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde
- seit 2014
- in Berlin an der früheren Tiergartenstraße 4 (nahe Potsdamer Platz,
neben der Philharmonie)
Universität zu Köln
Institut für Geschichte und Ethik der Medizin
PD Dr. Ralf Forsbach

Vorlesung „Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin“, 11. Oktober 2019

Medizin in der NS-Diktatur


1. Ärzte und NS
2. Wurzeln des NS-Medizin, der „Euthanasie“ und
der Zwangssterilisation
3. Zwangssterilisation
4. „Euthanasie“
5. Humanexperimente
6. Folgen