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Sturm und Drang

Was du hier lernst

In diesem Baustein begegnest du einer literarischen Epoche des 18. Jahrhunderts. Also eigentlich
weit weg von heute. Und doch wirst du sehen, dass manche Ideen und Einstellungen die Zeiten
überdauert haben und heute genauso aktuell sind wie damals. Ein Kennzeichen dieser Epoche war
nämlich die Rebellion der Jugend.

Du wirst in den nächsten Wochen verschiedene Persönlichkeiten kennen lernen, du wirst dich mit
Texten auseinandersetzen und selbst kreativ werden. Vielleicht erfährst du dabei mehr über dich
selbst. Für diesen ersten Block stehen dir 6 Unterrichtsstunden zur Verfügung.
Legende
👉 Arbeitsauftrag (Pflichtaufgabe)

😊😊 Du kannst mit jemand anderem zusammenarbeiten. Wenn du kein Smiley siehst, arbeitest
du alleine

💪 Wahlaufgabe
Station 1: Historischer und gesellschaftlicher Hintergrund

Du hast im vergangenen Jahr einiges über die Epoche der Aufklärung erfahren. Es geht jetzt darum,
deine Erinnerungen wieder aufzufrischen.

👉 Wähle einen der beiden Impulse aus (Zitat oder Bild) und notiere all das, was dir zu dieser Epoche
noch einfällt.

😊😊
Station 1: Historischer und gesellschaftlicher Hintergrund

“Aufklärung ist der Weg des


Menschen aus seiner
selbstverschuldeten Unmündigkeit.”
Station 1: Historischer und gesellschaftlicher Hintergrund

Ein “Planetarium”

Ölgemälde von Joseph Wright of


Derby, 1765
Station 1: Historischer und gesellschaftlicher Hintergrund

Zeitgeschichtliche Hintergründe

● Vielzahl deutscher Kleinstaaten


● Absolutismus als Staatsform
● wirtschaftlicher Aufstieg des Bürgertums
● naturwissenschaftlicher und technischer Fortschritt (beginnende Industrielle
Revolution)
● Französische Revolution
Station 1: Historischer und gesellschaftlicher Hintergrund
Sturm und Drang als Gegenbewegung zur Aufklärung

Der historische Hintergrund des Sturm und Drang ist identisch mit demjenigen der Aufklärung, da sich
diese beiden Epochen zeitlich überschnitten. Anders als in der Aufklärung versuchten die Stürmer und
Dränger jedoch nicht, alles zu erforschen und zu erklären, sondern versuchten, das genaue Gegenteil zu
erreichen, nämlich die rationale Durchdringung der Welt zu stoppen. Aus der damaligen Sicht war der
Optimismus, der in der Aufklärung durch all die neuen Erkenntnisse aufkam, eine Verharmlosung der
noch immer ernsten Situation und behinderte dadurch die freie Entfaltung der Menschen. Darin sahen die
Anhänger des Sturm und Drangs dann auch den Sinn des Lebens: in der freien Entfaltung des
Individuums. Um dieses Ziel zu erreichen, mussten sie sich gegen die damaligen Herrschaftsformen und
die Ständegesellschaft zur Wehr setzen. [Quelle:https://literaturhandbuch.de/epochen-sturm-und-drang-1765-1785/]

👉 Erstelle eine Tabelle, in der du die wesentlichen Kennzeichen der Aufklärung denen der Stürmer und
Dränger gegenüber stellst.
😊😊
Station 2: Protest und Rebellion

Die Epoche des Sturm und Drang war eine Protestbewegung. Dabei gab es drei Ziele, gegen die sich
dieser Protest richtete. Zum einen gerieten der Adel und dessen höfische Welt sowie andere
absolutistische Obrigkeiten ins Visier der Stürmer und Dränger. Zum anderen richtete sich der Protest
auch gegen das Bürgertum, dessen Lebensweise als eng und freudlos galt und dessen
Moralvorstellungen veraltet waren. Als Letztes richtete sich der Protest der Epoche des Sturm und Drang
gegen Traditionen in der Literatur.
https://www.frustfrei-lernen.de/deutsch/sturm-drang-epoche.html Tradition
Moral

👉Lies die verschiedenen Folien durch und erstelle ein Mindmap dazu.
Station 2: Protest und Rebellion
Protest gegen den Adel

Die junge Generation kritisierte das


ausschweifende Leben der Fürsten und ihre
verantwortungslose Form des Regierens. Die
Schranken der Ständeordnung wurden
zunehmend als ungerecht und belastend
wahrgenommen. Sie protestierten gegen die
drückende Last der Bauern und forderten, dass
der starke Einzelne sich selbst verwirklichen kann
- auch gegen die bestehende gesellschaftliche
Ordnung.

Den adeligen Stand an sich haben die Stürmer


und Dränger jedoch nie in Frage gestellt.
Station 2: Protest und Rebellion
Protest gegen literarische Traditionen

In der Epoche des Sturm und Drang ging es darum, sich gegen etwas zu wenden, neue Formen der
Literatur zu entdecken und diese zu revolutionieren. Dabei stand das Persönlichkeitsideal im Vordergrund,
die junge Generation wendet sich gegen die alten Traditionen. Es geht darum, die Regeln zu verwerfen
und den Geniebegriff zu leben, der individuelle Charaktere und Persönlichkeiten erschuf. Die Rationalität
ging verloren, die Emotion wurde in den Mittelpunkt gerückt.

Die Sprache der Literatur des Sturm und Drang ist geprägt von Ausrufen, halben Sätzen und
Kraftausdrücken. Es wurde die Jugendsprache auf die Literatur übertragen, man schuf eine sogenannte
"Jugendkultur" der Sprache.

[Quelle:https://www.frustfrei-lernen.de/deutsch/sturm-drang-epoche.html]
Station 2: Protest und Rebellion

Protest gegen das Bürgertum

Die jungen Stürmer und Dränger protestierten gegen


das aus ihrer Sicht freudlose Leben des Bürgertums
und ihre überkommenen Moralvorstellungen.
Station 2: Protest und Rebellion
Formen des Protests

Die Stürmer und Dränger rebellierten auf ihre Art gegen die
vorherrschenden Zwänge. Sie legten die gelockte, gepuderte Perücke mit
Zopf ab und trugen das Haar offen und lang. Sie entwickelten einen
eigenen Modestil: Ein offenes Hemd, ein Halstuch, eine Weste mit
lederner Hose und hohen Stiefeln und darüber ein einfarbiger Frack
waren der letzte Schrei. Sie schockierten die höfische Gesellschaft durch
öffentliches Baden in Seen und Flüssen und begeisterten sich allgemein
für die Natur. Ihre Gefühle zeigten sie durch heftige und tränenreiche
Gefühlsausbrüche. Umarmungen und Küsse bestimmten ihren Umgang
miteinander.

👉 Überlege dir, wie Jugendliche heute ihrem Protest Ausdruck


verleihen, und gestalte eine Bildcollage.
Station 3: Sturm und Drang als Entwicklungsphase
“Sturm und Drang” ist nicht nur die Bezeichnung einer literarischen Epoche,
sondern wird auch in der Entwicklungspsychologie verwendet. Damit umschreiben
Psychologen die Phase der Adoleszenz.

👉Lies dir zunächst den Text der Folie durch, um dir einen ersten Überblick zu
verschaffen.

👉Hol dir im Anschluss daran die Fotokopie des Zeit-online Artikels “Als Rebellion
noch möglich war” (https://www.zeit.de/2008/36/Jugend-Beist-ck). Lies den Text
durch und ergänze ihn durch Kommentare. Diese können auch sehr spontan
formuliert sein (z.B. “Stimmt genau!”, “Blödsinn!”, “Geht mir auch so!”...) Schreibe
eine Inhaltsangabe.
Station 3: Sturm und Drang als Entwicklungsphase
Auf dem Weg zur eigenen Persönlichkeit

Die "Sturm-und-Drang-Zeit" von Jugendlichen (Altersbereich: 12-17


Jahre) und Heranwachsenden (18-21 Jahre) ist besonders durch
die Suche nach der eigenen Identität gekennzeichnet. Angetrieben
wird diese Suche durch kognitive Veränderungen der Fähigkeit zur
Perspektivenübernahme. Im Gegensatz zu Kindern sind die
Jugendlichen mehr und mehr in der Lage, die Perspektive einer
dritten, außenstehenden Person einzunehmen. Darüber hinaus
können sie nun auch die Perspektiven mehrerer Personen
koordinieren und ihr eigenes Urteilen und Handeln darauf
aufbauen. Hinzu kommt noch die Fähigkeit zur kritischen
Selbstreflexion. Alles zusammen bildet eine "brodelnde Ursuppe",
aus der sich eine individuelle neue Persönlichkeit entwickelt.
[Quelle:https://www.br.de/telekolleg/faecher/psychologie/entwicklungspsychologie104.html]
Station 4: Schlüsselbegriffe des “Sturm und Drang”
Station 4: Schlüsselbegriffe des “Sturm und Drang”

👉Überlege, für welche Begriffe die grafischen Darstellungen stehen. Ein kleiner
Tipp: Es handelt sich um Schlüsselbegriffe des “Sturm und Drang”. Ziehe die Info-
Texte der anderen Stationen zurate. Verfasse zu den einzelnen Begriffen kurze
Lexikonartikel und gestalte sie so, dass sie für dich eine geeignete Lerngrundlage
bilden!
Station 5: “Du nicht … ICH!”

Du beschäftigst dich bei dieser Station mit zwei Gedichten, die all das beinhalten,
was den “Sturm und Drang” ausmacht.

Du erledigst die Arbeitsaufträge zu beiden Gedichten und kannst am Ende


entscheiden, welche schriftliche Aufgabe (💪: entweder kreatives Schreiben zu
“Prometheus” oder Gedichtinterpretation zu “Der Bauer”) du erledigen willst!
Station 5: “Du nicht … ICH!”
👉Hör dir das Gedicht “Prometheus” von Johann Wolfgang von Goethe an!
Station 5: “Du nicht … ICH!”
👉Du findest das Gedicht “Prometheus” im P.A.U.L. D auf der S. 166. Schreibe auf der
Grundlage des Textes eine kurze Biographie des lyrischen Ichs, in der du seine innere
Entwicklung nachzeichnest. Auf der S. 165 (PAULD Oberstufe) findest du Informationen
über Prometheus.

👉Untersuche Prometheus´ Verhältnis zu den Göttern, insbesondere zu Zeus, indem du


seine wichtigsten Kritikpunkte zusammenfasst.

👉Untersuche, wie Prometheus seine Empörung Zeus gegenüber äußert.

a) Was fällt dir auf, wenn du die formalen Merkmale des Gedichtes untersuchst (Strophen,
Versmaß, Reim)?
b) Sammle die markantesten Stilmittel und deute ihre Funktion.
c) Schau dir den Anfang und das Ende des Gedichtes noch genau an. Was fällt dir auf?
Station 5: “Du nicht … ICH!”

💪Stell dir vor, du leidest unter einer Übermacht …Wer oder was könnte das sein? Gestalte einen Text!
● Du rufst dieser Übermacht etwas zu!.
● Du nennst etwas, das dir gehört und das sie nicht hat.
● Du sagst deine Meinung.
● Du erinnerst dich, dass du als Kind Hilfe erwartet hast.
● Dir wird klar, dass du dir selber geholfen hast.
● Du fragst dich, wofür du sie ehren sollst (hast du je…).
● Du erinnerst diese Übermacht an zwei Mächte, die über euch stehen.
● Was tust du Einzigartiges?
Station 5: “Du nicht … ICH!”

Gottfried August Bürger kehrte in seinem 1775


entstandenen Gedicht “Der Bauer. An seinen
durchlauchtigen Tyrannen” die traditionelle
Fürstenhuldigung in eine Anklage um.

Link zum Gedicht, auch Kopien liegen bereit:

https://gutenberg.spiegel.de/buch/gedichte-9554/9
Station 5: “Du nicht … ICH!”
👉 Bereite eine Gedichtinterpretation vor!

● Lies dir zunächst das Gedicht durch und notiere das, was dir beim ersten Lesen auffällt.
● Wer spricht in dem Gedicht zu wem?
● Was fällt an dem Untertitel auf?
● Was mögen Bürgers Beweggründe gewesen sein, dieses Gedicht zu schreiben?
● In welcher Stimmung befindet sich das lyrische Ich?
● Wie baut Bürger das Gedicht inhaltlich auf?
● Was kritisiert Bürger in dem Gedicht. Vergleiche dazu den Sachtext auf der nächsten Folie!
● Was fällt dir in der Gestaltung der ersten drei Strophen auf?
● Besonders auffallend gestaltet ist die letzte Strophe. Warum? Welche Stilfiguren kannst du
erkennen und welche Wirkung haben diese?
● Was ist die Botschaft des Gedichtes?

💪 Schreibe eine Gedichtinterpretation!


Station 5: “Du nicht … ICH!”
Zu einer immer größeren Plage für die Bauern gestalteten sich vor allem die
Jagddienste. Veranstalteten die Herren doch zu ihrem Vergnügen immer
ausgedehntere Jagden, wozu sie sich ausgiebig der “Hilfe” ihrer Bauern
bedienten. Eine andere Seite des herrschaftlichen Jagdvergnügens war den
Bauern noch verhasster und für sie schädlicher als die Jagddienste: das Verbot,
sich des Wildes, darunter auch der Wildschweine, selbst zu erwehren. Die
schweren Verwüstungen, die das Wild den Feldern und Rebengärten ständig
zufügte, kümmerten die herrschaftlichen Jäger nicht.

Bemerkenswert ist, dass bis zur Beseitigung der feudalen Lasten im 19.
Jahrhundert die Frondienste die Dienstgelder noch bei weitem überwogen. Auch
die anderen privaten Leistungen der Bauern hatten zumeist noch Naturalform.
Dabei spielten Getreideabgaben die Hauptrolle. Daneben wurden aber auch
Geflügel, Eier sowie Gartenerzeugnisse abgeführt.

Quelle: Hans Mottek: Wirtschaftsgeschichte Deutschlands. Bd.1, Berlin 1968