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Herausforderungen bei der

Schaffung adäquater Frames


beim Übersetzen des Kinderromans
„Hotel Zauberpfote“ von Feline Lang

Doz. Dr. Mihai Draganovici


Universität Bukarest
Studiengang für Übersetzer und Dolmetscher
Vorbemerkungen
• Übersetzer als Experte trägt durch sein Handeln zum
erreichen des intendierten Zieles
• Ziel vor den Augen haben
• ZT-Leser kennen und ihre Erwartungen
•  zieladäquate Entscheidungen um die erwünschten
Bildern bei ihnen aufzurufen
• wenn ZT-Leser Kinder sind  zusätzliche
Herausforderungen
Herausforderungen bei der
Übersetzung von Kinderliteratur
• das prototypische Weltwissen der Kinder
unterscheidet sich von dem der Erwachsenen
•  Entscheidungen schwerer zu treffen
•  Üb. muss mit einem höheren
Adaptationsgrad des AT rechnen
• Schwierigkeit beim Festlegen der Zielgruppe:
– wer wählt das Buch aus?
– normalerweise die Kinder
– bei kleineren Kindern sind es die Eltern 
Unterkategorie der Adressaten
Herausforderungen bei der
Übersetzung von Kinderliteratur

• wenn Eltern Unterkategorie  das Vorlesen


spielt eine wesentliche Rolle beim Übersetzen
•  der ZT muss praktisch aufgeführt werden
•  Aufführbarkeit od. Sprechbarkeit des ZT
(fast wie im Fall der Bühnenübersetzungen)
• Klingberg: readability des ZT (2008:14)
Herausforderungen bei der
Übersetzung von Kinderliteratur
• Erziehungsfunktion
• fehlt fast gänzlich in der Erwachsenenliteratur
• Erziehung ist für Starikov „Anpassung an kulturelle
und soziale Normen der jeweiligen
Kulturgemeinschaften und Gesellschaften” (2015)
• dazu: Spracherweiterungsfunktion
• Üb. entscheidet: Sprache an das ling. Niveau des
Alters anpassen, od. auch Begriffe benutzen, die die
ling. Kenntnisse und den Wissenshorizont erweitern?
Herausforderungen bei der
Übersetzung von Kinderliteratur

• kulturelle Unterschiede
• Göte Klingberg – kulturelle Adaptation bei Üb.
von Kinderbüchern
• Liste mit möglichen Kulturspezifika in KJB
(1986:17f)
Kulturspezifika in KJB nach Klingberg
1. Literarische Referenzen
2. Fremdsprachen im Ausgangstext
3. Referenzen in Bezug auf Mythologie und Volksglauben
4. Historische, religiöse und politische Hintergründe
5. Gebäude, Inneneinrichtungen, Essen
6. Bräuche und Sitten, Spiele
7. Flora und Fauna
8. Persönliche Namen, Titel, Namen von Haustieren, Namen
von Gegenständen
9. Geographische Namen
10. Gewichte und Maße
Mögliche Üb.verfahren der
Kulturrefernzen nach Klingberg

1. Zugefügte Erklärung: Der kulturelle Begriff im AT wir


beibehalten, aber es wird eine kurze Erklärung im Text
zugefügt.
2. Umformulierung: Es wird ausgedrückt, was im AT steht,
aber ohne das kulturbezogene Element
3. Erklärende Übersetzung: Es wird die Funktion oder der
Gebrauch des kulturellen Elements angegeben, statt
des fremden Namens
4. Erklärung außerhalb des Textes: Die Erklärung kann als
Fußnote, Vorwort oder Ähnliches angegeben werden.
Mögliche Üb.verfahren der
Kulturrefernzen nach Klingberg
5. Ersetzen mit einem Äquivalent in der Zielkultur
6. Ersetzen mit einem ungefähren Äquivalent der
Zielkultur
7. Vereinfachung: Es wird ein allgemeinerer Begriff statt
eines spezifischen verwendet, z.B. die Gattung statt
der Art
8. Auslassung: Wörter, Sätze, Abschnitte oder Kapitel
werden ausgelassen.
9. Lokalisierung: Sämtlicher kulturelle Hintergrund des
AT wird dem Leser des ZT näher gebracht.
Herausforderungen beim Übersetzen des AT
„Hotel Zauberpfote“ von Feline Lang
• Funktionskonstantes Üb. (KBKB, synchron)
• kein Altersunterschied, dasselbe
Kenntnissniveau
• nur kulturbez. Adaptation
• Üb.er weiß, in welchem Maß er adaptieren
muss, damit dieselben scenes beim ZT-Leser
entstehen
Herausforderungen beim Übersetzen des AT
„Hotel Zauberpfote“ von Feline Lang
1. Übersetzung von Namen, Titeln, Namen von Tieren

• Namen ohne Konnotationen wurden übernommen:


Mia, Lissy, Charlie (die Mädchen), Minou (die Katze),
Toby (der Mops)
• Namen mit Konnotationen wurden übersetzt: die
Häschen Flocke und Flauschi durch Fulgușor und
Pufoșilă
• Name + Titel mit Konnotationen wurden übersetzt
und adaptiert: Frau von Meisenklau durch dna
Ghearădepițigoi, die Meisenklau – madam GDP
2. Übersetzung der literarischen Referenzen

• die Stadtmusikanten wurden erklärend


übertragen durch Zufügung der
geographischen Referenz Bremer
• Wie gefällt’s dir bei den Stadtmusikanten -
Cum îți place în orașul muzicanților din
Bremen?
• deine Stadtmusikanten – muzicanții tăi din
Bremen
3. Übersetzung der geographischen Namen

• verschiedene Üb.verfahren, abhängig von den scenes,


die bei den ZT-Lesern entstehen sollten
• Plattdeutsch wurde als irrelevant für die Kinder in der ZK
betrachtet – dialectul locului erklärend übersetzt
• geographische Realia - entweder ausgelassen od. durch
den Oberbegriff übersetzt: Waddebüll – sat, localitate
• geographische Realia – als solche aus der ZS
übernommen Waddebüller Nachrichten um die scene
einer deutschen Lokalzeitung bei den ZT-Lesern
aufzurufen
4. Übersetzung des Dialekts
• Kolb, 1998:278ff: “Übertragung in einen Dialekt, in einen
Soziolekt, als gebrochene Sprache, durch Entwicklung einer
Kunstsprache oder Wiedergabe durch die Standardsprache“
• differenzierte Vorgehensweise:
• a. archaisierende Regionalismen od. volkstümliche Ausdrücke
Deern – fătucă; Meinzeit, man sinnig! - Măiculiță, mai
molcom!; Wat Neeis? – Niscaiva noutăți?
• b. Umgangssprache: Na denn man to! - Ei, atunci dă-i bătaie!
• c. Standarsprache: mien Söten – drăgălașa mea, tüdelig –
buimac, aerian, töffelig – neîndemânatic, nepriceput
5. Übersetzung der Jugendsprache

• Sprachregister einhalten, aber auch


altersgerechter ZS-Ausdruck (ab 7 Jahren)
• Superriesenmonstermist –
La supermeganaiba,
Mist, mist, mist – la naiba
Schlussbemerkungen
• Übertragung von KJL stellt den Übersetzer vor
zusätzlichen Herausforderungen
• Als Erwachsener muss er die adäquaten
frames auswählen, um bei den Kindern in der
ZK die intendierten scenes auszulösen
• Der Übersetzer muss auch die Tatsache
berücksichtigen, dass der Text nicht nur für
stille Lektüre funktionieren muss, sondern
auch zum Vorlesen
Danke für Ihre Aufmerksamkeit!