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Textfunktion

Lekt. Dr. Evemarie Draganovici


Textlinguistik
Textfunktion

 bestimmt den „Kommunikationsmodus des Textes“


(BRINKER)

„Der Terminus Textfunktion bezeichnet die im Text mit


bestimmten, konventionell geltenden, d.h. in der
Kommunikationsgemeinschaft verbindlich festgelegten
Mitteln ausgedrückte Kommunikationsabsicht des
Emittenten. Es handelt sich also um die Absicht des
Emittenten, die der Rezipient erkennen soll,
sozusagen um die Anweisung (Instruktion) des
Emittenten an den Rezipienten, als was dieser den
Text insgesamt auffassen soll, z. B. als informativen
oder als appellativen Text.“ (BRINKER 2001 S. 95)
Textfunktion nach Brinker 1992
 Textfunktion wird durch bestimmte innertextliche
(sprachliche) und außertextliche (kontextuelle) Mittel
angezeigt  Indikatoren der Textfunktion

 für einen Text können mehrere Funktionen


charakteristisch sein

 die dominierende Kommunikationsfunktion =


Textfunktion.
Indikatoren der Textfunktion
1. Emittent bringt die Textfunktion explizit zum
Ausdruck: direkte Signalisierung (z. B.
durch explizit performative Formeln und
äquivalente Satzmuster).

2. Sprachliche Formen und Strukturen, mit


denen der Emittent seine Einstellung zum
Textinhalt ausdrückt.
Indikatoren der Textfunktion

3. Kontextuelle Indikatoren wie der


situative, insbesondere der institutionelle
Rahmen des Textes, das vorausgesetzte
Hintergrundwissen, außertextliche
Indikatoren.
Der Kontext= fundamentale Bedeutung
Beispiel

Sehr geehrter Herr B.,


Wir danken Ihnen (Kontaktfunktion) für den uns
erteilten Auftrag und sichern Ihnen die
Fertigstellung der Arbeiten zum 30. d.M.
verbindlich zu (Obligationsfunktion).
Mir freundlichen Grüßen
Fa.A
 weil Geschäftsverkehr: Handlungscharakter=
Auftragsbestätigung mit Termingarantie
Textuelle Grundfunktionen: unter dem kommunikativ-
funktionalen Aspekt der interpersonalen Beziehung

 Informationsfunktion
 Appellfunktion
 Obligationsfunktion
 Kontaktfunktion
 Deklarationsfunktion
 poetische/ästhetische Funktion
Textuelle Grundfunktionen: unter dem kommunikativ-
funktionalen Aspekt der interpersonalen Beziehung

Informationsfunktion: E gibt dem R. zu verstehen,


dass er ihm ein Wissen vermitteln will
Ich informiere dich über den Sachverhalt
X (sachbetont, meinungsbetont)
-Sicherheit des Wissens vielfältige Weise
einzuschränken: Quelle angeben, Modalverben,
Modalwörter (offenbar, vermutlich…)
Textsorten: Nachricht, Bericht, Beschreibung,/
Gutachten, Rezension, Leserbrief – evaluative
Einstellung
Textuelle Grundfunktionen: unter dem kommunikativ-
funktionalen Aspekt der interpersonalen Beziehung

Appellfunktion: E. gibt dem R. zu


verstehen, dass er ihn dazu bewegen will,
eine bestimmte Einstellung einer Sache
gegenüber einzunehmen oder eine
bestimmte Handlung auszuführen.
Ich fordere dich auf, die Einstellung X zu
übernehmen
Ich fordere dich auf, die Handlung X zu
vollziehen
Realisierung der Appellfunktion
 explizit performative Formeln mit den Verben:
auffordern, anordnen, befehlen, bitten, raten,
empfehlen, fragen, verlangen, beauftragen usw. - eher
selten
 grammatischen Indikatoren der Appellfunktion
a) der Imperativsatz: Entdecken Sie die frische freie Welt
der Reyno!
b) die Infinitivkonstruktion: Erst mal entspannen, erst mal
Picon.
c) der Interrogativsatz: Haben Sie schon eine
Rentenversicherung beantragt?
d) Satzmuster mit sollen oder müssen + Infinitiv, haben
zu + Infinitiv, sein zu + Infinitiv u. a.: Die Miete ist vor
dem 5. Mai zu bezahlen.
Appellfunktion: Textsorten
 Werbeanzeigen
 Propagandatexte
 Kommentare
 Arbeitsanleitung
 Gebrauchsanweisung
 Rezepte
 Gesetzestexte
 Gesuch
 Antrag
 Bittschrift
 Predigt
Textuelle Grundfunktionen
Obligationsfunktion: E. gibt dem R. zu verstehen,
dass er sich ihm gegenüber verpflichtet, eine
bestimmte Handlung zu vollziehen
Ich verpflichte mich, die Handlung X zu tun.

 explizit performative Formeln mit den Verben:


versprechen, sich verpflichten, schwören,
übernehmen, sich bereit erklären, garantieren,
sich verbürgen, wetten, anbieten usw.
Textsorten: stark institutionalisiert, meistens direkte
Signalisierung
 Vertrag, Vereinbarung, Garantieschein, Gelübde,
Gelöbnis, Angebot ....
Textuelle Grundfunktionen
Kontaktfunktion: E… R…, dass es ihm um die
personale Beziehung zum Rezipienten geht
Über die Glückwünsche zu ... haben uns sehr gefreut.
 explizit performative Formeln mit den Verben danken,
um Entschuldigung bitten, beglückwünschen,
gratulieren, sich beschweren, willkommen heißen,
Beileid aussprechen, verfluchen usw
 gesellschaftliche Anlässe, psychische Einstellung des
Emittenten wird verlangt.
 Gratulations- und Kondolenzbriefe, „Unterhaltung,
Plauderei, Small Talk“
Textuelle Grundfunktionen
Deklarationsfunktion: E…R…, dass der Text eine neue
Realität schafft, dass die (erfolgreiche) Äußerung des
Textes die Einführung eines bestimmten Faktums
bedeutet.
Ich bewirke hiermit, dass X als Y gilt.
 fast immer direkt (durch feste, ritualisierte und explizite
Formeln) ausgedrückt.
 Textüberschriften, die auf die Deklarationsfunktion
verweisen.
 Ernennungsurkunde, Testament, Schuldspruch,
Bevollmächtigung, Bescheinigung …
Textfunktion

 enger Zusammenhang zwischen


Textfunktion und Textstruktur
 gilt als Kriterium für die Unterscheidung
von Texttypen.
Beziehungen zwischen Struktur und Funktion

 Machen wir einen neuen Anfang! Von Dr. Erich


Hoepfner
I (1) Blauer Himmel, strahlender Sonnenschein,
und dann nichts wie raus — an die See oder ins
Grüne! (2) Das ist fast immer der erste
Gedanke, wenn das Gespräch auf Pfingsten
kommt. (3) Wer könnte uns das auch
übelnehmen, uns gestressten
Großstadtmenschen von heute?
Beziehungen zwischen Struktur und Funktion

 II (4) An das christliche Pfingstfest, den


„Geburtstag der Kirche", denken nur noch wenige.
(5) Oder erinnern wir uns noch, -was davon im
Neuen Testament erzählt wird? (6) Wie in
Jerusalem 50 Tage nach Ostern der Geist Gottes
über die zwölf Apostel kam, wie sie dann zu
Tausenden redeten, und wie ihre vielen Zuhörer,
die doch aus ganz verschiedenen Völkern,
Kulturen und Spiachkreisen kamen, auch spontan
begriffen, was sie sagten und wollten. (7) Ein
epochemachendes Beispiel geglückter
Massenkommunikation, könnte man sagen.
 III (8) Kommunikation ist ja heute ein
besonders beliebtes Schlagwort. (9) Aber je
mehr man davon redet, um so weniger klappt
es damit offenbar. (10) Ob im kleinen Kreis der
Familie oder zwischen alt und jung, ob
zwischen Hamburger Theaterleuten oder den
Mächtigen aus Ost und West — da wird
geredet und aneinander vorbeigeredet, wird
mißverstanden oder überhaupt nicht raehr
geredet, daß man an der menschlichen
Vernunft schier verzweifeln könnte.

 IV (Ц) Machen wir in diesen Tagen doch


wenigstens im kleinen einen neuen Anfang: (12)
Reden wir so miteinander, daß wir uns auch
verstehen. (13) Einfach, ehrlich und voll
Verständnis für den anderen, (14) Überall, wo
das geschieht, wird dann ein kleines Stückchen
unserer Welt ein kleines bißchen freundlicher
und schöner werden.
(aus: Hamburger Abendblatt v, Pfingsten 1980,
S. 2; unter der Rubrik „Kommentare")
Aufgabe
 Was heißt: Pfingsten, Sprachkreise,
Schlagwort ?
 Lesen Sie den Text, geben Sie den Inhalt
kurz wieder!
 Welche Textfunktion identifizieren Sie? (d.h.
aus kommunikativ-funktionaler Perspektive)
 Identifizieren Sie den/dieReferenzträger im
Text. (d.h. aus struktureller Perspektive)
 Welche(s) Thema(en) haben wir im Text ?
 Welche thematische Entfaltung verwendet
der Autor?