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Multimodalität in

der Übersetzung

Lekt.Dr. Evemarie Draganovici


2016

1
Multimodale Texte

Lokalisierung

2
Was wird übersetzt?
„Linguistisch kann die Übersetzug als
Umkodierung oder Substitution
beschrieben werden: Elemente a1, a2, a3,
des Sprachinventars L1 werden durch
Elemente b1, b2, b3 des Sprachinventars
L2 ersetzt.“ (Koller 1972:69)

3
Seit Tagen
ist der Himmel blau, …

am Samstag
wirst du‘s auch.

Alles Gute zum Geburtstag!

4
Funktionale Translationstheorien
 „Es ist nicht möglich, Translation als
Transkodierung toute simple der/einer
Bedeutung eines Textes zu verstehen.
Translation setzt Verstehen eines Textes, damit
Interpretation des Gegenstandes „Text“ in einer
Situation voraus. Damit ist Translation nicht nur
an Bedeutung, sondern an Sinn/Gemeintes, also
an Textsinn-in-Situation, gebunden.“
(Reiß/Vermeer 1991: 58).

5
Funktionale Translationstheorien
„Der Übersetzer ist also gleichzeitig Empfänger
und Überträger, er empfängt und dekodiert
Zeichen und baut die von ihnen bestimmte
Szene auf. Dazu muß er zunächst seinen
eigenen Erfahrungshintergrund zu rate ziehen,
um entscheiden zu können, welcher neue frame
am geeignetsten ist, die Gesamtszene und die
große Vielfalt an Teilszenen hinter dem Text für
den speziellen Empfänger, an den die
Übersetzung gerichtet ist, auszudrücken.“
(Vannerem/Snell-Hornby 1986:192)

6
Übersetzte Textsorten
 Zeitungsartikel
 Fragmente aus literarischen Werken
 Fachtexte
 Reden

7
Textsorten und
Kommunikationskanäle
 Comics  akustisch-verbal
 Filme und  akustisch nonverbal
Dokumentarfilme (Musik, Geräusche)
 visuell-verbal (auch
 Webauftritte Typographie)
 Werbeanzeigen  visuell nonverbal
 TV-Spots (graphisch realisierte
Formen: Tabellen,
 Computerspiele Graphiken, Bilder)
 Hypertexte

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Multimodalität
 „all texts are multimodal“ (Kress/van Leeuwen 1998:
denn 86)
 Schrift - auf Typografie angewiesen
 gesprochene Sprache - auf Prosodie, Gestik, Mimik
 Filme: bewegte Bilder, gesprochene und
geschriebene Sprache, Geräusche, Musik, Farben,
und Einstellungsgrößen, Kameraführung und Schnitt
 bezeichnet Texte und kommunikative
Handlungen, die mehrere, verschiedene
Zeichensysteme (Sprache, Bild, Ton) beinhalten
(Stöckl 2008:45)

9
Multimodalität und die
Translationswissenschaft
 Reiß, K. audio-medialer Texttyp (1971),
später multimedial
 Nord, Ch.: Text = „eine kommunikative
Handlung, die durch eine Kombination aus
verbalen und nonverbalen Mitteln realisiert
werden kann“ (1988:16)
 Holz-Mänttäri, J.: Text= „Botschaftsträger
im Medienmix“ (1993:303)

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Funktionen nonverbaler Elemente
Ch.Nord
 textbegleitende (z.B. Layout, Gestik)

 textergänzende (z.B. Tabellen)

 textteilkonstituierende bzw.
textteilersetzende (Bild in Comics…)

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Orientierungshilfe für Analyse
(Nord)
 Welche nonverbalen Elemente gehören zum
Text?
 Welche Funktion haben sie in Bezug auf die
verbalen Textteile?
 Gehören sie konventionell zu der betreffenden
Textsorte?
 Sind sie durch das gewählte Medium bedingt?
 Sind die nonverbalen Textelemente
ausgangskulturspezifisch?

12
Multidimensionalen Translation
„eine Translation, bei der das in einem Medium
1 verfasste Original (des geäußerten Anliegens
des Sprechers/Hörers) über ein Medium 2 oder
mehrere andere Medien in ein anderes
Zeichensystem 2 oder mehrere Zeichensysteme
übertragen wird. Wesentlich ist dabei, dass ein
Anliegen oder Interesse in geäußerter Form
vorliegt, dass der Transfer zweckgebunden
erfolgt und einen Medien- und
Zeichensystemwechsel implizieren kann.“
(Gerzymisch-Arbogast 2005:25)

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Multidimensionalen Translation
Translator
= homo transferens digitalis faber (Peter Sandrini)
sapiens: Kenntnis der Möglichkeiten
faber: Einsatz der Translationstechnologie
oeconomicus: Kenntnis über die
Einsatzoptimierung
ludens: Ausschöpfen der Kreativität, der Funktionalität,
Kritik und Weiterentwicklung
digitalis: technologische EDV-Kompetenz

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Beispiele
Headline zu einer Werbekampagne für
Selbstdreh-Zigaretten der Marke „West“

DIE FAST
VÖLLIG FERTIGE
ZIGARETTE

15
Negative Konnotationen

DIE FAST
VÖLLIG FERTIGE =
ZIGARETTE =

16
Was stimmt nicht?
Swarowsky Webauftritt in China 2007

17
Lokalisierung
„Localization is the process of modifying a
product for a specific locale. This includes
making technical, visual and textual
modification to the product“ (Yunker
2003:17)
„We don’t translate. We create. Rather than
a straight translation, we always strive for
the perfect adaptation.”

18
Lokalisieren - Übersetzen
 „Translation is the process of converting
written or displayed text or spoken words
to another language“ (Esselink 1998:3).
 „In addition to translation, a localization
project includes many other tasks such as
project management, software
engineering, testing.” (Esselink 1998:4)

19
Ist Kaffee nicht gleich Kaffee?
„Ordinai un caffé, lo buttai giù in un
secondo ed uscii dal bar“ (Ich bestellte
einen Kaffee, stürzte ihn hinunter und
verließ die Bar)
„He spent half an hour with the cup in his
hands, sipping his coffee and thinking of
Mary”. (Umberto Eco 2006)

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Nescafé - internationale Homepage

21
Nescafé - Bulgarische Homepage

 brauner
Hintergrund

 rot:

22
Nescafé - Schweiz

23
Nescafé - Großbritannien

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Erscheinungsformen der neuen Textsorten =
eine Herausforderung für die
Translationswissenschaft

Gegenstand der Translationswissenschaft:

- Auseinandersetzungen mit
übersetzungsrelevanten Aspekten
gewisser Textsorten

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Zukunft?
 Lokalisierung als ein besonderer Bereich
der Übersetzung
oder
 Übersetzung als eine auf Transfer der
verbalen Botschaft reduzierte Tätigkeit

26
Bibliographie
 Eco, Umberto (2006): "Quasi dasselbe mit anderen Worten. Über das
Übersetzen", Hanser Verlag, München
 Esselink, Bert (o.J.): The Evolution of Lokalization
(http://de.scribd.com/doc/12596514/The-Evolution-of-Localization)
 Esselink, Bert (2000): A Practical Guide to Localization. Amsterdam: John
Benjamins.
 Gerzymisch-Arbogast, Heidrun/Mudersbach, Klaus (1998): Methoden des
wissenschaftlichen Übersetzens. Tübingen: Francke. UTB
 Gerzymisch-Arbogast, Heidrun (2007b): ‘Introducing Multidimensional
Translation’. Proceedings of the Marie Curie Euroconferences MuTra
’Challenges of Multidimensional Translation’ – Saarbrücken 2-6 May 2005.
 Nauert, Sandra (2004): Lokalisierung von Websites als Prozess. Im Fokus:
Alfa Romeo. University of Heidelberg: Published Master Thesis.
 Snell-Hornby, Mary / Hans G. Hönig / Paul Kußmaul / Peter A. Schmitt
(Hrsg.) (1999): Handbuch Translation. Zweite, verbesserte Auflage 2003.
Tübingen: Stauffenburg.
 Stöckl, Hartmut: (2008): Sprache-Bild-Texte lesen. Bausteine zur Methodik
einer Grundkompetenz. in: Hajo Diekmannshenke & Michael Klemm &
Hartmut Stöckl (Hg.), Bildlinguistik. Berlin: Erich-Schmidt.
 Yunker, John (2002): Beyond Borders. Web Globalization Strategies.
Indiananpolis: New Riders Publishing
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