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Das Unbekannte in der

Zielkultur.

Zum Transfer kultureller Einheiten in der


Translation

Lekt.dr. Evemarie Draganovici


Interkulturelle Kompetenz
 „Man lernt nie eine Sprache allein, man
lernt eine ganze Welt mit ihr und um sie,
und ohne diese Welt, lernt man eine
Sprache nicht – nicht einmal die
Semantik und die Struktur und erst
recht nicht ihren Gebrauch“ Hans J.
Vermeer(1996:164)
 Zweisprachige Kompetenz ist nicht
immer bi-kulturelle Kompetenz
Interkulturelle Kommunikation
 Kulturelle Unterschiede: Probleme, Misserfolg oder
Erfolg
 Hofstede (1993) Dimensionen der Kultur (http://geert-
hofstede.com/romania.html )

  translatorische Kompetenz=
Sprach- und Textbildungskompetenz, para- und
extralinguistisches Wissen für die situativ-
kommunikativ angemessene Sprachverwendung,
prognostische Annahmen ZT-Lesererwartungen +
Verstehensvoraussetzungen der TZ-Empfänger
grundlegende Voraussetzung eines Translators
 Kulturelle Kompetenz
Translator als Kulturmittler
 die Ermöglichung einer reibungslosen
Kommunikation
 die Beseitigung der
Verständigungshindernisse
 funktionsentsprechender Transfer
Translationswissenschaft
Translation= Sondersorte kulturellen Transfers,
interkulturelle Handlung (Reiß/Vermeer 1991)
Translator= Experte für transkulturelle
Botschaften (Holz-Mänttäri 1994)
Kulturelle Einheiten
Realia
„Element des Alltags, der Geschichte, der
Kultur, der Politik u. drgl. eines bestimmten
Volkes, Landes, Ortes, die keine
Entsprechung bei anderen Völkern, in
anderen Ländern, an anderen Orten hat“
Snell-Hornby / Hönig / Kußmaul / Schmitt,
2005:288
Kulturelle Einheiten
Kulturem
„Wir wollen dann von einem 'Kulturem' sprechen, wenn
sich feststellen lässt, dass ein gesellschaftliches
Phänomen im Vergleich zu 'demselben' oder einem
unter angebbaren Bedingungen ähnlichen einer
anderen Kultur (!) ein Kulturspezifikum ist (also nur in
einer der beiden miteinander verglichenen Kulturen
vorkommt) und dort gleichzeitig für jemanden (!)
relevant ist. Ein Kulturem ist nach unserer Definition
also ein Phänomen aus einer Gesellschaft, das von
jemandem als relevantes Kulturspezifikum
angesehen wird“ (Vermeer/Witte)
Behaviorem: Realisierung des Kulturems
Kulturelle Einheit Lakune
Ethnopsycholinguistik: Markovina,Sorokin
Interkulturelle Kommunikation Ertelt-Vieth
Translationswissenschaft: Igor Panasiuk:
„eine kulturelle Invariante, die die Differenz zwischen
Kulturen angibt “
„Die Äquivalenz in der Differenz ist somit nichts Anderes
als die Äquivalenz in der Lakune bzw. trotz der
Lakune. Lakune und Äquivalenz sind daher zwei
Seiten einer Medaille, sie befinden sich in einem
umgekehrt proportionalen Verhältnis zueinander: je
größer der semantische Grad der Äquivalenz ist,
desto geringer ist die semantische Intensität der
Lakune und umgekehrt.“(Panasiuk- 2000)
Transfermöglichkeiten/Strategien zur
Schließung lexikalischer Lücken
 Übersetzung
 Lehnübersetzung
 Analogiebildung (Generalisierung: Ersatz eines
Artbegriffs mit einem Gattungsbegriff)
 kommentierende Übersetzung oder Umschreibung
 Auslassung
 definitorische Beschreibung
Katan (1999:147ff.):
a) Chunking up: Analyse des kulturspezifischen
Terminus und Transfer in einen allgemeinen Kontext
b) Chunking down: Spezifizierung des allgemeinen
Begriffs
c) Chunking sideways: Beibehaltung der Ebenen, mit
Suche nach bekannteren Begriffen in der ZK
Beispiele – Zitatwort (Namen,
Toponyme)
 Poveşti despre Păcală  Geschichten von
şi Tîndală (Al. Mitru) Păcală und Tîndală
Übersetzerin Hedi
Hauser, 1975)
 suflet acru  Saure Seele
 „Unser Mosch Albu  C-apoi ştia moş Albu o
kannte viele kluge seamă de vorbe
Redensarten und înţelepte şi de glume.
Sprichwörter“ (S.6)
(S.6)
 Oropsiţi Sărăcani
/“sărac“ (rum. = arm)  Fußnote: von „oropsit“
Armendorf (rum) ausgebeutet,
verfolgt)
Beispiele – relative Redelakune

 Mintă- Creaţă 

 Busuioc

 Sucnă- Murgă 

 (Ion Pop Reteganul)


Beispiele
Gâsca de aur
 A fost odată un om şi omul ăsta avea trei feciori.
Pe cel mai mic dintre ei îl porecliseră Prostilă şi-l
luau în râs şi-l umpleau de ocări ori de câte ori
aveau prilejul. Într-o bună zi, cel mai mare dintre
fraţi vru să se ducă în pădure să taie lemne şi,
mai înainte de a pleca, maică-sa îi puse-n traistă
un cozonac bine rumenit şi tare gustos şi-o sticlă
cu vin, ca să aibă cu ce-şi potoli foamea şi
setea. Şi de cum ajunse în pădure, flăcăul
nostru se şi întâlni cu un omuleţ bătrân şi tare
cărunt. După ce-i dădu bineţe, omuleţul prinse a
se ruga de el:- Măi, băiete, dă-mi şi mie o bucată
din cozonacul tău şi lasă-mă să sorb o
înghiţitură de vin, că nu mai pot de foame şi sete
şi mă simt sleit!
Die goldene Gans
Grimm
 Es war ein Mann, der hatte drei Söhne, davon hieß der
jüngste der Dummling und wurde verachtet und
verspottet und bei jeder Gelegenheit zurückgesetzt. Es
geschah, dass der älteste in den Wald gehen wollte,
Holz hauen, und eh' er ging, gab ihm noch seine
Mutter einen schönen feinen Eierkuchen und eine
Flasche Wein mit, damit er nicht Hunger und Durst
litte. Als er in den Wald kam, begegnete ihm ein altes,
graues Männlein, das bot ihm einen guten Tag und
sprach: "Gib mir doch ein Stück Kuchen aus deiner
Tasche und …!
Beispiel - Chunking sideways
 Faul sein ist wunderschön... das wissen wir
spätestens seit Pippi Langstrumpf. Aber
doch nur, wenn damit das Faulenzen gemeint
ist und nicht etwa der faule Kompromiss oder
gar der faule Apfel. http://www.dw.de/dw/article/0,,276008,00.html
 Lösung
Analogiebildung/Chunking up –
ethnografische Lakune
 Gestärkt durch
“ After taking sustenance
Osterpinze oder and sampling traditional
Osterlamm setzt man Easter specialities, you
die Sightseeing-Tour can continue your
am besten am nahe
gelegenen Ring fort, wo sightseeing tour on the
man prachtvolle Bauten Ring boulevard with its
wie Universität, monumental buildings
Rathaus oder including the university,
Burgtheater besichtigen City Hall and
kann.” Burgtheater.
http://www.wieninternational.at/d
e/content/der-osterhase-ist-los- http://www.wieninternational.at/en/conte
de nt/easter-bunny-here-en
Rumänische Übersetzung Vorschläge
Schlussbemerkungen
 analytisches Vorgehen zum Aufdecken von
Lücken
 nötiges Instrumentarium zum Identifizieren
der kulturellen Elemente
 Strategien zur Schließung von lexikalischen
Lücken oder Adaptation:
Übersetzungsverfahren z.B. Schreiber