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Judith Hermann

 Judith Hermann wurde 1970 in Berlin-


Tempelhof geboren. Sie begann ein
Germanistik- und Philosophie-Studium
mit der Absicht, als Journalistin zu
arbeiten. Sie brach dieses ab und
entschied sich für ein Praktikum in New
York. Zuvor besuchte sie die Berliner
Journalistenschule. 1997 nahm sie an
der Autorenwerkstatt Prosa im
Literarischen Colloquium Berlin teil; im
selben Jahr erhielt sie das Alfred-Döblin-
Stipendium der Akademie der Künste in
Berlin. In Amerika schrieb sie ihre ersten
literarischen Texte und entdeckte bald
die Kurzgeschichte als ihr liebstes
Genre. 1998 veröffentlichte sie
schließlich ihren ersten Prosaband
Sommerhaus, später.

Nach ihrem ersten Erfolg verstrichen mehrere Jahre, in denen sie – nach eigener
Aussage – lernen musste, mit dem Druck umzugehen, der durch Verlage, Medien
und Öffentlichkeit auf sie ausgeübt wurde. 2003 folgte der zweite
Erzählungsband Nichts als Gespenster. 2014 wurde mit Aller Liebe Anfang
Hermanns erster Roman publiziert.

Judith Hermanns Werke wurden unter anderem ins Chinesische, Dänische,


Englische, Französische, Griechische, Isländische, Italienische, Japanische,


Lettische, Niederländische, Norwegische, Persische, Polnische, Russische,
Schwedische, Serbokroatische, Slowenische, Spanische, Tschechische, Türkische
und Ukrainische übersetzt.
Sie ist Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland.
„Sommerhaus, später“
Hermann gelang der literarische Durchbruch
mit ihrem ersten Buch, dem Erzählungsband
Sommerhaus, später. Gelobt wurden von der
Kritik ihre in kurzen Sätzen gehaltenen,
trotzdem unschlüssig bleibenden Schilderungen
alltäglicher und scheinbar alltäglicher
Begebenheiten. Hermann skizziert in ihren
melancholisch gefärbten kurzen Erzählungen
die Stimmungen der Personen und die feinen
Nuancen in wenigen Worten. Beeinflusst ist
Hermann dabei von Raymond Carver, auf den
sie sich in Interviews und Preisreden auch
immer wieder bezogen hat.
 Sommerhaus, später wurde von der Kritik
meist positiv aufgenommen. Vor allem zeigte
sie sich davon begeistert, dass es Hermann
gelang, in ihren Erzählungen das Lebensgefühl
ihrer Generation, der Ende der 1990er in Berlin
lebenden Künstler-Studenten-Arbeitslosen-
Bohème, darzustellen. Für Hellmuth Karasek
verkörpern Hermanns Erzählungen den „Sound
einer neuen Generation“. Neben diesem
Generationen-Effekt wurde ebenfalls
konstatiert, dass Hermann eine Schriftstellerin
sei, die Frauen aus ihrer Welt heraus erzählen
lasse, ohne dass dies als emanzipatorische
oder gender-kämpferische Literatur verstanden
werde. Hermann wurde zur Galionsfigur einer
„Fräuleinwunder“-Literatur gemacht, zu der
auch Erzählerinnen wie Jenny Erpenbeck,
Felicitas Hoppe, Zoë Jenny, Juli Zeh oder Julia
Franck gezählt wurden.
“ Mit über 250.000 verkauften Exemplaren und Übersetzungen in 17
Sprachen ist Sommerhaus, später einer der größten deutschen
Bucherfolge der letzten Jahre. Die Erzählung Hunter Tompson Musik aus
Sommerhaus, später wurde von dem Regiestudenten Jakob Ziemnicki
2003 als Diplomarbeit verfilmt. Hurrikan aus dem Erzählband wurde in
dem 2007 erschienenen Episodenfilm Nichts als Gespenster unter der
Regie von Martin Gypkens verarbeitet, ebenso vier der Erzählungen aus


Nichts als Gespenster (die Titelgeschichte Nichts als Gespenster und
Freundinnen, Kaltblau und Acqua Alta)
 „Nichts als Gespenster“
Judith Hermanns zweiter Erzählband, Nichts als
Gespenster von 2003, entstand auch unter dem
Druck, den Erwartungen des Feuilletons und
der Leser nachzukommen und zugleich nicht
selbst zur Epigonin ihres Erstlings zu werden.
Sie schrieb für diesen Band deutlich längere
Erzählungen, die in aller Welt spielen – dies
unter anderem, um sich dem Klischee, eine
„Berlin-Literatin“ zu sein, zu entziehen. Dabei
ließ Judith Hermann sich von Reisen inspirieren,
die sie für das Goethe-Institut nach Tromsø,
Venedig und Island unternommen hatte. Von
der Kritik und vom Publikum wurde Nichts als
Gespenster nicht so begeistert wie der Erstling
aufgenommen. Von der Literaturwissenschaft
wird der Band der Popliteratur zugeordnet.
Danke für Ihre
Aufmerksamkeit