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Lexikologie

der deutschen Sprache


Thema № 3
Wortschatzerweiterung
durch semantische
Derivation bzw.
Bedeutungswandel
Thema № 3

Wortschatzerweiterung durch semantische


Derivation bzw. Bedeutungswandel

Plan:
1. Die Definition des Bedeutungswandels (der
semantischen Derivation)
2. Die Ursachen des Bedeutungswandels
3. Die Arten des Bedeutungswandels
3.1.Die Definition des Bedeutungswandels
(der semantischen Derivation)

Unter dem Bedeutungswandel


oder der semantischen Derivation
versteht man
die Bedeutungsveränderung der Wörter.
3.1.Die Definition des Bedeutungswandels
(der semantischen Derivation)

 Bleistift - zum Schreiben aus Holz


 Bleystefft - zum Schreiben aus einem
anderen Material
Das Formativ bleibt - der Gegenstand
verändert sich
3.1.Die Definition des Bedeutungswandels
(der semantischen Derivation)

Im 12. Jahrhundert bezog sich das Verb


fließen
auf die Fische,
heute - nur aufs Wasser.
3.1.Die Definition des Bedeutungswandels
(der semantischen Derivation)

Pate -
1. jemand, der bei der Taufe eines Kindes als Zeuge
anwesend ist und für die christliche Erziehung des
Kindes mitverantwortlich ist.
2.(DDR) jmd., der (außer den Eltern) bei der
sozialistischen Namengebung eines Kindes als
Zeuge anwesend ist und für die Erziehung des
Kindes im sozialistischen Sinne mitverantwortlich ist.
3. (Jargon) Oberhaupt einer mafiosen Organisation
3.1.Die Definition des Bedeutungswandels
(der semantischen Derivation)

Das Huhn -
1. Geflügelart
2. eine Person груб., фам.

Dieser Mensch ist ein dummes, verrücktes


Huhn.
3.1.Die Definition des Bedeutungswandels
(der semantischen Derivation)

Der Waschlappen -
1. ein Stück Stoff (zum Waschen, Wischen,
Polieren)
2. eine umgangssprachliche abwertende
Bezeichnung für einen feigen,
energielosen, charakterschwachen,
weichlichen Menschen.
3.2 Die Ursachen des Bedeutungswandels

Die Ursachen des Bedeutungswandels

 außersprachlich (extralinguistisch)
 sprachlich (intralinguistisch)
3.2 Die Ursachen des Bedeutungswandels

Die allerwichtigste Ursache


ist Divergenz (Widerspruch)
zwischen begrenzter Wortzahl und
Unendlichkeit der Erscheinungen.
3.2 Die Ursachen des Bedeutungswandels

Die wichtigsten
extra – und intralinguistischen Ursachen:

1) gesellschaftliche Entwicklung
2) Der Sachwandel
3.2 Die Ursachen des Bedeutungswandels

3) Das Ziel der sprachlichen Tätigkeit:


a) das Streben nach Ausdrucksverstärkung
(nach dem Affekt)
b) das Streben nach
Ausdrucksabschwächung
(Euphemismus)
3.2 Die Ursachen des Bedeutungswandels

4) Die Wechselbeziehungen zwischen dem


allgemeinen Wortschatz und dem Fach -
und Sonderwortschatz:
a) Spezialisierung
b) Generalisierung (Verallgemeinerung)
3.3 Die Arten des Bedeutungswandels

Die Untersuchung
der Arten des Bedeutungswandels
und ihre
Klassifikation ist die älteste Aufgabe der
Semasiologie.
3.3 Die Arten des Bedeutungswandels

Logische Klassifikation
unterscheidet
3 Arten des Bedeutungswandels:
1) Bedeutungserweiterung (die Generalisierung)
2) Bedeutungsverengung (die Spezialisierung)
3) Bedeutungsübertragung (die Metapher,
Metonymie)
3.3 Die Arten des Bedeutungswandels

die Bedeutungserweiterung
(die Generalisierung)
bedeutet
die Erweiterung des Bedeutungsumfanges
eines Wortes
3.3 Die Arten des Bedeutungswandels

machen -
„kneten, formen, zusammenfügen“

„zurechtmachen, in Ordnung bringen“

machen → Lexem mit erweiterter


semantischer Grundlage.
3.3 Die Arten des Bedeutungswandels

fertig ―
(ahd.,mhd.) „zur Fahrt bereit, reisefertig“

„bereit“( „zu Ende gebracht“)

die Bedeutungsentwicklung
vom Konkreten zum Abstrakten, vom Einzelnen
zum Allgemeinen.
3.3 Die Arten des Bedeutungswandels

Bedeutungsverengung
(die Spezialisierung)

ein Wort mit einem breiten
Bedeutungsumfang verliert einen Teil der
Bedeutung.
3.3 Die Arten des Bedeutungswandels

fahren

früher ― „jede Art der Fortbewegung“
(fahrendes Volk, der Fuchs fährt aus dem Bau,
mit der Hand über das Gesicht fahren).

heute ― „die Fortbewegung mit Hilfe von
Rädern“
3.3 Die Arten des Bedeutungswandels

reiten ―
(mhd.) „Schaukeln mit Fortbewegung“ (in
einem Wagen, Schiff usw.)

heute ― nur mit dem Pferd.
3.3 Die Arten des Bedeutungswandels

Bedeutungsübertragung

Bei der Bedeutungsübertragung


werden neue Sachverhalte auf Grund einer
Ähnlichkeit, einer Assoziation benannt.
3.3 Die Arten des Bedeutungswandels

die Metapher ―
die Ähnlichkeit zwischen 2 Begriffen
3.3 Die Arten des Bedeutungswandels

Metapher
(meta - „über", phero - „trage")
ist die Übertragung der Namensbezeichnung
auf Grund einer äußeren oder inneren
Ähnlichkeit.
3.3 Die Arten des Bedeutungswandels

Schlange
(Schuppenkriechtier)

Schlange
„eine lange Reihe von wartenden Menschen„
(metaphorische Übertragung der Bezeichnung
auf Grund äußerer Ähnlichkeit)
3.3 Die Arten des Bedeutungswandels

Die Metapher sind polyfunktional.


1) benennende Funktion
 Feldschlange, Heizschlange, Autoschlange
2) eine wertende, oft abwertende Funktion
 Du, falsche Schlange!
3.3 Die Arten des Bedeutungswandels

Bedeutungsübertragung
auf Grund einer Ähnlichkeit nach der Funktion
 Feder ―
„zum Schreiben zugeschnittene Feder eines
Vogels„

 Stahlfeder
(auf Grund derselben Funktion)
3.3 Die Arten des Bedeutungswandels

Synästhesie ―
die Übertragung von einem
Sinnesbereich auf einen anderen
 schreiende Farben (Akustik → Optik)
 eine helle Stimme (Optik → Akustik)
3.3 Die Arten des Bedeutungswandels

die Metonymie ―
eine unmittelbare Beziehung zwischen 2
Begriffen
3.3 Die Arten des Bedeutungswandels

die Metonymie ―
(griech. meta - „über", onoma - „Name")
ist eine Art von Bezeichnungsübertragung
auf Grund mannigfaltiger
Bedeutungsbeziehungen.
3.3 Die Arten des Bedeutungswandels

Bedeutungsbeziehungen:
 räumliche
 zeitliche
 ursächliche (kausale) Beziehungen
 Beziehung zwischen Handlung und Resultat.
3.3 Die Arten des Bedeutungswandels

räumliche Bedeutungsbeziehungen

Das Auditorium hört zu ― „die Menschen in


Auditorium“
Die letzte Bank passt nicht auf ― „die Schüler der
letzten Bank“
Das ganze Hotel wurde wach ― „Hotelgäste“
Die Schule macht einen Ausflug ― „Schüler der
Schule“
3.3 Die Arten des Bedeutungswandels

kausale Bedeutungsbeziehungen

 Röntgen (Physiker) → Röntgen (Strahlen)


 Champange (Provinz) → Champagner (Wein)
3.3 Die Arten des Bedeutungswandels

Bedeutungsbeziehungen „pars pro toto"


(ein Teil für das Ganze)
Synekdoche

 Maske - für maskierte Person


 ein heller Kopf - für einen klugen Menschen
 eine Glatze - für einen Menschen mit Glatze
 Blaustrumpf - scherzhaft für eine gelehrte Frau.
3.3 Die Arten des Bedeutungswandels

der Euphemismus ―
eine verhüllende, mildernde, beschönigende
Ausdrucksweise.
Die Bedeutungsverschlechterung wird Pejoration
genannt, die Bedeutungsverbesserung –
Melioration
3.3 Die Arten des Bedeutungswandels

Der Anlass für den Gebrauch von


Euphemismen
a) sog. Tabuwörter:
 der Allwissende statt „Gott“
 der Böse, der Schwarze statt „Teufel“
 der Braune statt „Bär“
3.3 Die Arten des Bedeutungswandels

b)Zartgefühl in unangenehmen Situationen:


 einschlafen, entschlafen, einschlummern für
„sterben“
 Unwohlsein statt „Krankheit“
3.3 Die Arten des Bedeutungswandels

c) Prüderie
 Freundin statt „Geliebte“
d) Höfflichkeit, Scherz, Ironie:
 eine starke Frau für „eine dicke Frau“
 Zweitfrisur für „Perücke“