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Temporalsatz

Inhaltsverzeichnis
1. Begriff des Temporalsatzes.
2. Relative Zeitverhältnisse. Konjunktionen.
3. Gleichzeitigkeit.
4. Vorzeitigkeit.
5. Nachzeitigkeit.
6. Konkurrenzformen der Temporalsätze
Temporalsätze sind:
Nebensätze, die die Aussage des Hauptsatzes
zeitlich situieren. (nach der Dudens Grammatik der
deutschen Gegenwartssprache)
Nebensätze, die angeben, wann sich das Geschehen
des Hauptsatzes vollzieht. (nach Helbig/Buscha)
Nebensätze, die ebenso wie Adverbien der Zeit
temporale Beziehungen bezeichnen. (nach
Schendels)
Sie antworten auf die Fragen:
wann?
seit wann?
bis wann?
wie lange?
wie oft?

z. B. Während ich zu Fuß gehe, fährt mein


Sohn mit dem Auto.
Relative Zeitverhältnisse
Für die Beschreibung der temporalen Satzgefüge
unterscheidet man drei zeitliche Verhältnisse, die
zwischen Hauptsatz und Nebensatz bestehen:
Gleichzeitigkeit - das Geschehen läuft im
Nebensatz gleichzeitig mit dem des Hauptsatzes ab.
Vorzeitigkeit - das Geschehen läuft im Nebensatz
vor dem des Hauptsatzes ab.
Nachzeitigkeit - das Geschehen läuft im Nebensatz
nach dem des Hauptsatzes ab.
Über die Angabe solcher relativer Zeitverhältnisse
hinaus werden mit den Temporalsätzen noch weitere
spezielle Zeitangaben gemacht. Dazu gehören die
Unterscheidungen nach Dauer und Zeitpunkt, nach
Einmaligkeit und Wiederholung, nach Anfang und
Ende u. a.
Diesen verschiedenen Zeitverhältnissen
entsprechen verschiedene Konjunktionen, mit denen
die Temporalsätze eingeleitet werden, zum Teil auch
verschiedene Korrelate im Hauptsatz und bei der
Vorzeitigkeit auch bestimmte Zeitformen.
Konjunktionen
• Gleichzeitigkeit bezeichnende Konjunktionen:
während, indem, indes, indessen, solange,
sobald, sowie, sooft, als, wie, wenn
• Vorzeitigkeit bezeichnende Konjunktionen:
nachdem, als, seit, seitdem, sobald, sowie, wenn
• Nachzeitigkeit bezeichnende Konjunktionen:
bis, bevor, ehe
Gleichzeitigkeit
Dauer eines Geschehens

 gleiche Dauer
Konjunktion: während Korrelat unüblich
Während ich in Berlin studierte, ging ich oft ins Theater.

Während verleiht der Aussage die Nebenbedeutung der


Gegenüberstellung:
Während bei uns das Schuljahr am 1. September beginnt,
beginnt es in Japan im April und in Indien im Juli.
gleicher Anfangs- und Endpunkt
Konjunktion: solange fak. Korrelat: solange
Solange ich ihn kenne, (solange) arbeitet er in diesem Betrieb.

Solange zeigt an, dass der im Nebensatz angegebene Vorgang


dieselbe zeitliche Dauer hat, wie der Vorgang im Hauptsatz:
Solange er neben mir ging, war gleichsam die ganze Natur
entzaubert.
Der Konjunktion solange bei durativen Verben entspricht bei
perfektiven Verben die Konjunktion bis. Vgl.:
Wir schauten aus dem Fenster, solange der Zug hielt.
Wir schauten aus dem Fenster, bis der Zug abfuhr.
gleiche Dauer bis Sprechergegenwart mit
Anfangspunkt in der Vergangenheit
Konjunktion: seit(dem) fak. Korrelat: seitdem
Die Konjunktionen seit und seitdem sind Synonyme. Beide
geben den Beginn des Vorgangs im Hauptsatz an und sind
Antonyme zu der Konjunktion bis.
Seit er sie liebt, ist er glücklich.
seit(dem) zum Ausdruck der Gleichzeitigkeit steht nur bei
durativen Verben im Prät. und Präs.; bei perfektiven Verben
(im Perf. Oder Plusq.) handelt es sich um Vorzeitigkeit.
Ich kenne ihn erst, seitdem er neben mir wohnt.
Seitdem sie auf dem Lande wohnte, ging es ihr besser.
Zeitpunkt eines Geschehens
einmaliges Geschehen in Gegenwart und Zukunft
Konjunktion: wenn fak. Korrelat: dann
Die Unterrichtsstunde ist (dann) zu Ende, wenn das Klingelzeichen
ertönt.
Wenn morgen die ausländischen Gäste ankommen, (dann) werden sie vom
Oberbürgermeister begrüßt.

einmaliges Geschehen in der Vergangenheit


Konjunktion: als fak. Korrelat: da
Als wir spazieren gingen, (da) trafen wir einige Bekannte.
Ich habe ihn besucht, als ich neulich in Dresden war.

Als weist auf eine einmalige Handlung in der Vergangenheit, wenn


verwendet man bei der Angabe einer einmaligen Handlung in der Zukunft
und in der Gegenwart.
wiederholtes Geschehen
Konjunktionen: sooft, wenn
fak. Korrelate: immer (... dann), jedesmal (... dann)
Sooft ich ihn traf, (jedesmal) erzählte er mir die gleiche
Geschichte.
Wenn verwendet man bei der Angabe einer einmaligen
Handlung in der Zukunft und einer mehrmaligen Handlung in
allen Zeitbereichen. Also, in der Gegenwart und Zukunft kann
wenn einmaliges oder wiederholtes Geschehen bezeichnen.
Eindeutig ist die Aussage nur, wenn im Hauptsatz die
Korrelate immer oder jedesmal vorkommen.
Er klingelt (immer dann) bei mir, wenn er zur Arbeit geht.
Vorzeitigkeit
einmaliges Geschehen in Gegenwart und Zukunft
Konjunktionen: wenn (mit fak. Korrelat dann), nachdem
(Korrelat unüblich)
Zeitformengebrauch: Perfekt im Nebensatz, Präsens im
Hauptsatz
Wenn wir den Gipfel erreicht haben, (dann) machen wir Rast.
Nachdem sie ihre Prüfung abgelegt hat, geht sie ins Ausland.
einmaliges Geschehen in der Vergangenheit
Konjunktionen: als (mit fak. Korrelat dann), nachdem (Korrelat
unüblich)
Zeitformengebrauch: Plusquamperfekt im Nebensatz, Präteritum im
Hauptsatz
Der Anruf kam (dann), als sie das Haus verlassen hatte.
Nachdem die Arbeit beendet (worden) war, fuhr er auf Urlaub.
Die Konjunktionen nachdem und als sind Synonyme: nachdem
weist unzweideutig darauf hin, dass der Vorgang im Gliedsatz früher
stattgefunden hat, als der im Hauptsatz, als dagegen kann
zweideutig sein und sowohl Gleichzeitigkeit als auch Vorzeitigkeit
bezeichnen, um die Bedeutung der Vorzeitigkeit zu erhalten, bedarf
es der Kontextstütze und des besonderen Zeitformengebrauchs:
Als ich in die Stadt gekommen war, suche ich meine alte
Schulfreundin auf.
wiederholtes Geschehen
Konjunktion: wenn
fak. Korrelate: immer (... dann), jedesmal (... dann)
Zeitformen gebrauch: in Gegenwart und Zukunft - Perfekt im Nebensatz,
Präsens im Hauptsatz, in der Vergangenheit - Plusquamperfekt im
Nebensatz, Präteritum im Hauptsatz.
Wenn ich aufgestanden bin, (dann) mache ich (immer) erst zehn Minuten
Gymnastik.
Wenn er seine Arbeit beendet hatte, ging er (jedesmal) ins Cafe.
 unmittelbare Aufeinanderfolge
Konjunktionen: sobald, sowie, kaum dass fak. Korrelate: dann, da
Zeitformengebrauch: entweder Perf./Plusq. im Nebensatz, Präs./Prät. im
Hauptsatz oder gleiche Tempora
Sowie ich in Prag angekommen bin (ankomme), (da) rufe ich dich an.
Kaum dass wieder die Sonne schien, war es unerträglich heiß.
genauer Anfangspunkt in der Vergangenheit, Dauer
bis Sprechergegenwart im Hauptsatz
Konjunktion: seit(dem) fak. Korrelat: seitdem
Zeitformengebrauch: in Gegenwart und Zukunft - - Perfekt im
Nebensatz, Präsens im Hauptsatz, in der Vergangenheit -
Plusquamperfekt im Nebensatz, Präteritum im Hauptsatz.
Ich fahre, seit das Semester begonnen hat, nur einmal im
Monat nach Hause.
Seit(dem) er die Arbeit beendet hatte, (seitdem) war er
zufriedener.
seit(dem) zum Ausdruck der Vorzeitigkeit steht nur bei
perfektiven Verben.
Nachzeitigkeit
Endpunkt eines Geschehens
Konjunktion: bis fak. Korrelat: solange
Er blieb (so lange) in Heidelberg, bis er mit dem Studium
fertig war.
Bis er abreiste, haben wir uns täglich getroffen.
Bis bezeichnet die zeitliche Grenze für den Verlauf des
Vorgangs im Hauptsatz:
Bleiben Sie hier, bis ich komme!
Ich werde arbeiten, bis es dunkel geworden ist.
Aufeinanderfolge
Konjunktionen: bevor, ehe Korrelat unüblich
Bevor er abreiste, besuchte er noch seinen Professor.
Sie bringt das Kind in den Kindergarten, ehe sie zur Arbeit geht.
Bei verneinter Aussage ist zu unterscheiden zwischen Nebensatz als
Vorder- und Zwischensatz (1) und als Nachsatz (2). Im ersten Falle ist
das Negationselement in Hauptsatz und Nebensatz obligatorisch, im
zweiten Falle nur im Hauptsatz.
1) Bevor / Ehe ich nicht den Sachverhalt kenne, treffe ich keine
Entscheidung.
2) Ich treffe keine Entscheidung, bevor / ehe ich (nicht) den
Sachverhalt kenne.
Die verneinten Nebensätze mit bevor / ehe haben eine konditionale
Nebenbedeutung.
In einem Satzgefüge mit den Konjunktionen ehe, bevor, bis
haben die Zeitformen relative zeitliche Bedeutung. Man
gebraucht die Zeitformenpaare: Perfekt — Präsens (oder
Futur); Plusquamperfekt — Präteritum (oder Perfekt), falls die
Vorgänge in beiden Teilsätzen durch eine größere Zeitspanne
voneinander getrennt sind. Folgen sie einander unmittelbar, so
können in beiden Teilsätzen gleiche Zeitformen stehen. Vgl.:
Ich werde nicht eher ruhen, bis ich meine Arbeit zu Ende
geschrieben habe. — ein größerer Zeitabstand.
Ich winkte ihm noch einmal zu, ehe seine kleine gebückte
Gestalt im Treppenschacht verschwand. — unmittelbare
Folge
Ich blieb also sitzen, bis sie wieder in der Tür erschien und auf
mich zukam... — unmittelbare Folge.
Als Konkurrenzformen der
Temporalsätze erscheinen:
Präpositionalgruppen:
Während er arbeitet, will er nicht gestört werden. — Während seiner Arbeit
will er nicht gestört werden.
Partizipialgruppen.
Als (nachdem) er auf der Straße angelangt war, blieb er stehen, um Alem zu
schöpfen. — Auf der Straße angelangt, blieb er stehen, , um Alem zu schöpfen.
Satzreihen:
Ehe du alle Umstände kennst, wage kein Urteil — Zuerst sollst du alle
Umstände kennen, dann darfst du dein Urteil sagen.
Sätze mit gleichartigen Prädikaten, die das Nacheinander der Vorgänge
wiedergeben:
Ich krempelte die Hosenbeine hoch, zog mir Schuh und Strümpfe aus und
watete ins Meer.
Quellen:
1. DUDEN : Grammatik der deutschen Gegenwartssprache. 6., neu
bearbeitete Aufl. Mannheim: Dudenverlag, 1998.
2. HELBIG G., BUSCHA J.. Deutsche Grammatik. Ein Handbuch für
den Ausländerunterricht. Langenscheidt. 2001.
3. HENTSCHEL E., WEYDT H.. Handbuch der deutschen Grammatik.
2., durchgesehene Aufl. Berlin: Walter de Gruyter, 1994.
4. SCHENDELS E. Deutsche Grammatik. Morphologie. Syntax. Text.
1988.
5. WEINRICH H.. Textgrammatik der deutschen Sprache. Mannheim:
Dudenverlag, 1993.