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Thema 9

Das Adjektiv,
das Adverb,
das Numerale
• Das Adjektiv ist die drittgrößte WA im Deutschen (16%
- nach Erben)
• Die kategorielle Bedeutung – die Bedeutung der
Eigenschaft im weitesten Sinne des Wortes: äußere
Merkmale und innere Eogenschaften von Menschen,
Tieren, Pflanzen; Bäumen, Gegenständen.
• Das Adjektiv verfügt über 4 gr. Kategorien:
1. Kategorie der Steigerung
2. Kategorie des Geschlechts
3. Kategorie des Numerus
4. Kategorie des Kasus
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• Die erste Kategorie (der Steigerung) hat einen
absoluten Charakter, alle anderen –sind
relativer Natur und gehören zu den strukturell-
grammatischen Kategorien.
• Man unterscheidet schwache, starke und
gemischte Deklination der Adjektive.
Z.B. Das neue Kleid (schwach)
roter Wein (stark)
ein interessantes Buch (gemischt)

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• Die Grundfunktion – die des Attributs.
• Andere FU:
Die FU des Prädikativs (Die Rose ist schön)
Die FU des Prädikats (Ich alt? Sie und naiv?)
Die FU des prädikativen Attributs (Das Mädchen
stand klein unter dem Baum; der Junge trägt
das Haar kurz).
Die FU des Subjekts (Rot ist meine Lieblingsfarbe)

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• WA «das Adjektiv» vereinigt einige Subklassen
von Wörtern, die sich von einander semantisch
und grammatisch unterscheiden.
• Man teilt Adjektive in steigerungsfähige und
steigerungsunfähige, deklinierbare und nicht
deklinierbare, attributiv oder prädikativ
verwendbare Adjektive.

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• TRADITIONELL:
1. Qualitative Adj.: gut, schnell.
Sie bezeichnen die Eigenschaft eines
Substantivs unmittelbar, sie sind meistens
Stammwörter, haben Kategorie der Steigerung,
erfüllen im Satz verschiedene FU: Attribut, das
Prädikativ, das prädikative Attribut.
AUSNAHMEN: blind, taub, krank

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• 2. Relative beziehungsverweisende Adj.
Sie bezeichnen die Eigenschaft mittelbar – als
Beziehung zwischen zwei Begriffen:
Hier + Zeitung: eine hiesige Zeitung
Holz + Bank: eine hölzerne Bank.
Diese Adj. unterscheiden sich von den qualitativen
Adj. dadurch, dass sie von anderen Wörtern
abgeleitet sind, haben keine Kategorie der
Steigerung, werden vorwiegend als Attribute
gebraucht.

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• Manche deutsche Linguisten (Schmidt,
telweise Erben, Jung) machen keinen
Unterschied zwischen den Adjektiven und
Adverbien vor allem, wenn das Adj. in der
Kurzform gebraucht wird.
• Aber es gibt Linguisten, die Adjektiv und Adverb
unterscheiden. Grund: die Adj. beziehen sich
auf Substantive, Adv. – charakterisieren das
Verb.

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• Viele Sprachforscher (Sommerfeldt, Admoni,
Eisenberg, Zifonun u.a.) betrachten die Merkmale
der Adj. vom Gesichtspunkt der Valenz (Wertigkeit)
aus.

• Alle Adj. müssen wenigstens eine Leerstelle


besetzen. Sie bezeichnen Eigenschaften und die von
ihnen bezeichneten Begriffe sind logische Prädikate
zu den entsprechenden Eigenschaftsträgern. Neben
der großen Masse der einwertigen Adj. gibt es auch
mehrwertige Adj., die bestimmte Relationen
zwischen Bezugswörtern bezeichnen (Bondzio)
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• Die Adj. mit nur einer Leerstelle (einwertige
Adjektive) bezeichnen die Linguisten als
«absolute Adjektive», die Angaben über die
Form, die Größe, die Farbe, den Geschmack und
seelische Eigenschaften machen. Sie benötigen
einen begrifflich angelegten Partner, der im Satz
als Subjekt beim prädikativen, als
übergeordnetes Kernwort beim attributiven, als
Verb beim adverbial gebrauchten Adj. aufftritt:
• Die Farbe ist rot. Das rote Auto. Er sieht rot aus.

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• Mehrwertige Adj. werden als «relative»
bezeichnet. Die Relativität bezieht sich nicht auf
die Semantik. Nach Admoni – syntaktisch-
relativ. Sie haben mindestens zwei
obligatorische Leerstellen, sie fordern den
syntaktischen Zusammenschluß von zwei
Größen: er ist dem Vater ähnlich.

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• Klassifikation der Adjektive (nach der Valenz):

(einwertig) absolute (mehrwertig) relative


Adj. Adj.
Klassifikation der Adjektive (traditionell):

qualitative Adj. relative Adj.


Die genannten Klassifikationen sind zu trennen.

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• Zu den einwertigen (absoluten) Adj. gehören
sowohl qualitative (das blaue Kleid), als auch
relative (die philosophische Frage) Adj. an.
• Das Adj. eröffnet wie das Verb Leerstellen um
sich, die durch obligatorische und fakultative
Aktanten ausgefüllt werden.
• Der Sohn ist seinem Vater ähnlich –
obligatorisch
• Er ist (des Diebstahls) schuldig - fakultativ

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• Versteht man die Adjektivvalenz als eine vom
Adj. ausstrahlende unterordnende Kraft, so
wechselt die Anzahl der Aktanten von 0 bis 3:
• Krank0: der Mann ist krank
• Ähnlich1: er ist seinem Vater ähnlich
• schuldig(1):Er ist des Diebstahls schuldig
• Dankbar (1) + (1):Er ist ihm für das Geschenk
dankbar
• Obligatorisch zweiwertige Adj. sind selten
bewusst: Ich bin mir keiner Schuld bewusst.

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• Dreiwertige Adj. Sind noch seltener:
(sich) mit … über… einig
Das Adjektiv kann Objekte bei sich haben:
Dativob.: Ich bin ihm fremd
Genitivob.: er ist des Diebstahls schuldig
Akkusativob.: Ich bin alle Sorgen los
Präpositionalob.: er ist am Besuch interessiert
Infinitivob.: Er ist fähig, sich gut zu verhalten

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• Das Adj. kann zwei Objekte verlangen:
Ich bin dem Freund(1) für die Hilfe(2) dankbar

Freie Angaben bei dem Adjektiv sind Adjektive


und Adverbien ohne Deklinationsendungen:
Ich bin sehr müde. Ein eisig kalter Wind.
Freier Dativ:
Er ist vor Zorn blaß. Ein vor Zorn blasses Gesicht.

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Das Adverb
• Das Adverb verfügt über bestimmte semantische,
morphologische und syntaktische Eigenschaften,
aber diese Eigenschaften sind nicht spezifisch
genug, um die Adverbien als eine geschlossene
Wortklasse eindeutig zu charakterisieren.
• Der verallgemeinerte Bedeutungsgehalt der
Adverbien ist die Bedeutung eines
charakterisierenden Merkmals eines Vorganges,
seltener – eines Gegenstandes oder einer
Eigenschaft.

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• Denselben Gehalt haben auch Adjektive, die zum Ausdruck der
charakteresierenden Eigenschaft eines Gegenstandes dienen.
• Schwer sind Adverbien und Adjektive in der Kurzform
abzugrenzen.
• Einige Linguisten gliedern im Rahmen der Adverbien eine
besondere Subklasse – adjektivische Adverbien (Admoni), die
anderen halten für Adverbien nur die sogenannten echten
Adverbien (da, dort, hier, links, gern…), die völlig
unveränderlich sind (Moskalskaja), die dritten verzichten auf
die Unterscheidung der Adverbien als selbständige WA und
betrachten sie als Komponente anderer WAn: des
charakterisierenden Beiwortes (Adj. +Adv.) (Erben), des
Kennzeichnungswortes (Umstandswort+ Partikeln) (Schmidt).

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• In der russischen Germanistik betrachtet man
die Adverbien als eine selbständige WA. Man
geht davon aus; dass sie vorwiegend zur
näheren Charakteristik eines Geschehens
dienen, während die Adjektive die
Eigenschaften der Gegenstände bezeichnen.
• Echte Adverbien sind Inflexibilia. Sie
bezeichnen lokale, temporale, modale, kausale
und andere Beziehungen, ihre FU im Satz -
Umstandsergänzungen.

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• Sie sind Autosemantika und haben benennende
(nominative) oder verweisende (pronominale)
Bedeutung. Das ist eine funktional-semantische
Klassifikation.
• Nach der Bedeutung (rein semantisch):
• Lokaladverbien (da, dort, hier…)
• Temporaladverbien (jetzt, bald, gestern…)
• Modaladverbien (gern, anders, eilends…)
• Kausaladverbien (daher, deswegen, darum…)
• Finaladverbien (wozu, dafür, hierfür…)
• Adverbien der Intensität/Qualität (so, gar, sehr, allzu…)

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• Adverbien der Art und Weise (gern, umsonst,
schnell…)
• Semantisch-grammatische Klassifikation nach
Admoni:
• 1. adjektivische Adverbien
Sie haben ein gemeinsames GRUNDMORPHEM mit
den Adjektiven. Sie können gesteigert werden
(schön, leicht…)
2. Denominale Adverbien.
Adverbien, die von Substantiven und Adjektiven
gebildet sind (rechts, abends, morgens, paarweise..)

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• 3. alte Lokaladverbien und Pronominaladverbien
(oben, unten, hinten, draußen, wobei, hinaus…)

Das Numerale
Das ist eine nominale WA. Sie vereint die Wörter,
deren Aufdabe ist, die Substantive zahlmäßig zu
bestimmen oder sie zu ersetzen.
Alle Numeralien gehören zu der Sachgruppe
«Zahlwörter», die nicht nur Numeralien,
sondern auch die Wörter aus anderen WA in
sich vereinigt.
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• Numeralien als WA werden bestritten, weil sie
ähnliche Semantik, syntaktische FU und
morphologische Gestaltung mit Wörtern aus
anderen WA haben.
• Z.B. Schmidt: Die gemeinsame kategorielle
Bedeutung der Zahl genügt allein noch nicht,
die Numeralien für eine selbständige WA zu
halten. Diese Meinung teilen viele deutsche
Linguisten.

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• In der russischen Germanistik werden
Numeralien traditionell als eine WA anerkannt.
• Admoni motiviert:
Es gibt zwei Merkmale für diese WA
1. Den spezifischen Bedeutungsgehalt
(Zahlbedeutung)
2. Systematische Beziehungen zwischen
einzelnen Subklassen von Numeralien
Zwei – der Zweite – zweimal – zweifach - zweierlei

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• Die Gesamtheit dieser Subklassen bildet ein
bestimmtes System. Als Ausgangspunkt für
dieses System dienen die reinen Zahlwörter
(eins, zwei…). Man nennt sie Grundzahlwörter
(Kardinalia). Dem syntaktischen Gebrauch anch
sind sie substantivischer Natur.
• Die zweite Komponente des Systems sind die
Ordnungszahlwörter (der erste,…)
• Weitere Subgruppen sind

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(nach Schendels)
• Vervielfältigungszahlen (einfach, zweifach…)
• Wiederholungszahlen (Interativa) (einmal,
zweimal…)
• Gattungszahlen (einerlei, zweierlei….)
• Bruchzahlen (halb, viertel, drittel…)
Da die Numeralien (alle Subklassen)
Berührungspunkte mit anderen WA haben, ist es
schwer, sie von diesen WA abzugrenzen. Das ist
eine heterogene Wortklasse.

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Testfragen

• Nennen Sie die kategorielle Bedeutung des


Adjektivs, des Adverbs und des Numeraliens.
• Nennen sie die Subklassen des Adjektivs; des
Adverbs; des Numeraliens.
• Warum ist es schwer, sie voneinander
abzugrenzen?

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