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Die Deutsche

Flugbereitschaft
Geschichte
Die Flugbereitschaft wurde am 1. April 1957 auf dem Fliegerhorst Nörvenich in Dienst gestellt und war
ursprünglich nur als kleine Lufttransportkomponente zur „Erledigung spezieller Aufträge“ im Bereich des
Verteidigungsministeriums bestimmt. Im Juli 1959 wurde sie an den Flughafen Köln/Bonn verlegt und zunächst
dem LTG 62 als 3. Staffel unterstellt. Seit April 1963 ist die Flugbereitschaft selbstständig, zunächst nur auf
Gruppenebene, letztendlich erhielt sie 1974 Geschwaderstatus.[1]
       
Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier nach der Ankunft mit einer Douglas DC-3 der Flugbereitschaft auf
dem Flugplatz Kiel-Holtenau
Mit Auflösung des Lufttransportkommandos (LTKdo) war die Flugbereitschaft seit dem 1. Juli 2010
truppendienstlich dem Kommando 1. Luftwaffendivision (Kdo 1. LwDiv) in Fürstenfeldbruck unterstellt; seit der
Auflösung der Division untersteht sie seit dem 1. Juli 2015 dem Luftwaffentruppenkommando, wobei die
Einsatzführung für militärische Lufttransporte und Luftbetankungen (graue Flotte) dem
European Air Transport Command (EATC) obliegt.[2]
Seit dem Umzug der Bundesregierung von Bonn nach Berlin 1998 werden die Flüge für den parlamentarischen
Bereich bereitgestellt, indem eine Maschine mit Besatzung von Köln/Bonn nach Berlin verlegt wird; mit
Fertigstellung des Flughafens Berlin Brandenburg (IATA-Code BER) und einem militärischen Terminal werden
diese Bereitstellungsflüge entfallen. Der Zeitpunkt für den Umzug ist dabei abhängig vom Betriebsbeginn am
Flughafen BER, da die Flächen für den geplanten militärischen Teil aktuell noch für den
Flughafen Berlin-Schönefeld genutzt werden.[3]
Im Jahr 2017 wurde durch einen Bericht der Funke Mediengruppe bekannt, dass Generäle der Bundeswehr die
Flugbereitschaft für ihre Dienstreisen genutzt haben und zu diesem Zweck Ausbildungs- und Trainingsflüge
arrangiert hätten. Die Bundeswehrangehörigen sind berechtigt, bei ohnehin stattfindenden Flügen mitzufliegen,
jedoch nicht selbst die Flugbereitschaft kostenlos zu nutzen.
Der Aufgabenbereich umfasst zum einen die Abwicklung des Staats-, Regierungs- und Parlamentsflugbetriebes (mit A340-300, Airbus A319CJ,
Airbus A321, Bombardier Global 5000/6000 und Cougar AS 532) und zum anderen Lufttransporteinsätze, Passagier- und Frachtabfertigung sowie
das Herstellen und Erhalten der Einsatzbereitschaft. Eine Besonderheit sind Kranken- und Verwundetentransporte und Unterstützung bei
humanitären Hilfsmaßnahmen (siehe MedEvac). Weiterhin wird ein Beobachtungsflugzeug im Rahmen des Vertrag über den Offenen Himmel in
Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Verifikationsaufgaben der Bundeswehr betrieben. Sie stellt mit den grauen
Langstreckentransportflugzeugen Airbus A310 einen wesentlichen Teil der strategischen Lufttransportkräfte der Luftwaffe. Vier der Maschinen
sind als Multi Role Transport Tanker vorbereitet und können neben der Aufgabe als Transportflugzeug auch zum Tanker umgerüstet werden.
Hiermit erlangt die Flugbereitschaft neben den Rollen Passagiertransport, Frachttransport und Verletztentransport mit der Möglichkeit,
Luftbetankung durchzuführen, eine weitere Fähigkeit.
Die Inanspruchnahme der Flugbereitschaft ist in den „Richtlinien für den Einsatz von Luftfahrzeugen der Flugbereitschaft BMVg
(Bundesverteidigungsministerium) zur Beförderung von Personen des politischen und parlamentarischen Bereichs“ geregelt. [5] Folgender
Personenkreis darf danach die Flugbereitschaft in Anspruch nehmen:
•Der Bundespräsident, der Bundestagspräsident, der Bundesratspräsident, der Bundeskanzler, der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, die
Bundesminister sowie die Fraktionsvorsitzenden im Bundestag
•Sonstige Mitglieder des Bundestages auf Anforderung des Bundestagspräsidenten
•Die Parteivorsitzenden der im Bundestag vertretenen Parteien
•Die Kanzlerkandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien für die Zeit von zehn Wochen vor einer Bundestagswahl
Im Zusammenhang mit der Nutzung der Flugbereitschaft werden durch Medien, konkurrierende Parteien oder den Bundesrechnungshof immer
wieder Vorwürfe der missbräuchlichen Nutzung erhoben. Selten lässt sich dies juristisch klar belegen. Oft führt aber bereits der Eindruck der
ungerechtfertigten Privilegiennutzung zur privaten Übernahme der Kosten durch die Betroffenen. [6]
Bei der Flugbereitschaft ist außerdem die sogenannte „Drehscheibe Wahn“ für den gesamten Lufttransport angesiedelt. Von hier aus wird der
Umschlag und Transport von sämtlichem Material und Personal ins Ausland koordiniert und zum Großteil abgefertigt.
Zu den Beschäftigten der Flugbereitschaft zählen auch die Lufttransportbegleiter, das militärische Gegenstück der Flugbegleiter
Kommandeure
Nr. Name von bis
1 Hauptmann Perth 1. April 1957 31. März 1963
Umgliederung/Vergrößerung auf Bataillonsebene zum 1. April 1963
2 Major Hans-Georg Mally 1. April 1963 31. März 1973
3 Oberst Werner Drechsel 1. April 1973 31. März 1982
Umgliederung/Vergrößerung auf Geschwaderebene zum 1. August 1974
Oberst Werner Drechsel 1. April 1973 31. März 1982
4 Oberst Fritz Ehmann 1. April 1982 31. März 1986
5 Oberst Peter Wulf 1. Oktober 1986 31. März 1991

6 Oberst Jürgen Reiss 1. April 1991 27. Juli 1994

7 Oberst Axel Tüttelmann 27. Juli 1994 16. Januar 1998

Oberst Joachim
8 16. Januar 1998 30. September 1999
Mörsdorf
9 Oberst Horst Abromeit 30. September 1999 1. April 2003
10 Oberst Norbert Daniel 1. April 2003 29. September 2011
Oberst Helmut
10 Frietzsche 30. September 2011 26. Mai 2014

11 Oberst Stefan Neumann 27. Mai 2014 4. September 2017


12 Oberst Guido Henrich 4. September 2017 24. September 2019
14 Oberst Daniel Draken 24. September 2019
Die Flugbereitschaft besteht aus zwei Komponenten: Der grauen A310-300-Flotte und der weißen Flotte bestehend aus A340-300, Airbus A319CJ, Airbus
A321, Bombardier Global 5000/6000, A350-900 und Cougar AS 532.
Die Regierungsmaschinen waren bis Juli 2003 weiß mit blauen Längsstreifen lackiert und trugen den Schriftzug „Luftwaffe“, danach wurden die blauen
Streifen durch schwarz-rot-goldene ersetzt. Außerdem wurde die Beschriftung in „Bundesrepublik Deutschland“ geändert. „Luftwaffe“ ist jetzt kleiner auf
dem Seitenleitwerk zu lesen. Die beiden A340 und die A310 10+23 sind nach Politikern aus der Gründungszeit der Bundesrepublik benannt; die vier
anderen A310 tragen die Namen deutscher Luftfahrtpioniere. Weder die Flugzeuge der A320-Familie noch diejenigen der Global-Familie tragen Taufnamen.
Die A340-Langstreckenjets bieten neben einer Kapazität von bis zu 143 Passagieren auch Schlaf- und Konferenzräume für Regierungsmitglieder. Die
Langstreckenmaschinen wurden nach zehn Jahren im regulären Liniendienst bei der Lufthansa durch Lufthansa Technik in Hamburg in 21 Monaten zum
Regierungsflieger umgebaut. Ihre Reichweite liegt bei bis zu 13.350 km und damit um mehr als 3.000 km über der des Vorgängermodells A310, was
Tankstopps auf Flügen z. B. nach Asien oder Südafrika überflüssig macht. Die Flugzeuge verfügen neben einem Bordhospital über diverse
Selbstschutzeinrichtungen. Mitte 2013 wurde in den Vereinigten Staaten ein laserbasiertes Abwehrsystem gegen infrarotgelenkte Raketen nachgerüstet. [11]
Während die Großraumjets des Typs A340-300 primär für die Langstrecke gedacht sind, sollen die Global 5000/6000, zwei A319CJ und A321 eher auf
kürzeren Strecken und für kleinere Delegationen zum Einsatz kommen. Diese Typen sind jedoch auch in der Lage, längere Strecken ohne Zwischenstopp zu
fliegen.] Der erste Einsatz einer Global 5000 (14+01) für den parlamentarischen Bereich fand am 10. Oktober 2011 statt, Außenminister Guido Westerwelle
wurde vom Flughafen Köln-Bonn nach Luxemburg geflogen. An Bord des Flugzeuges haben bis zu 13 Personen Platz. Ein dritter Airbus A319CJ wird zur
Durchführung von Flügen im Rahmen des Open-Skies-Vertrages betrieben und kommt nicht als Regierungsflugzeug zum Einsatz.
Die A310 10+23 „Kurt Schumacher“ (frühere Kennzeichen: DDR-ABC, später D-AOAC) ist mit einer reinen Economy-Bestuhlung (214 Personen) für den
Transport von Personen und Fracht ausgerüstet. Diese Maschine gehörte zu den drei von der Interflug im Zuge ihrer Liquidation an den damaligen
Leasinggeber zurückgegebenen und sodann von der Flugbereitschaft übernommenen A310. Der erste Airbus der Interflug mit dem Kennzeichen DDR-ABA,
später D-AOAA, sodann 10+21, war bis 2011 das offizielle Regierungsflugzeug „Konrad Adenauer“ der Bundesrepublik Deutschland. Hierfür wurde eine
umfangreiche satellitengestützte Kommunikationsanlage installiert und eine spezielle, an die neuen Bedürfnisse angepasste Inneneinrichtung mit u.  a.
Kabinen mit Schlafplätzen und Dusche eingebaut. Zusatztanks im Frachtraum ermöglichten weltweite Langstreckenflüge. Ersatzflugzeug war die „
Theodor Heuss“ (DDR-ABB, später D-AOAB, sodann 10+22).
Die vier A310 10+24 bis 10+27 sind umrüstbare Mehrzwecktransportflugzeuge. Neben der Verwendung als MedEvac-Flugzeuge können sie auch für den
Truppen- oder Frachttransport oder die Luftbetankung genutzt werden. Die Fähigkeit zur Luftbetankung auf der Langstrecke durch eigene Flugzeuge war ab
2009 neu für die Bundeswehr. Die A310 tragen als Zusatzbezeichnung das Kürzel „MRTT“ für Multi Role Transport Tanker. Die MRTT-Maschinen sowie die
10+23 tragen eine graue Bemalung der Luftwaffe. Am 10. September 2020 absolvierte eine A310 MRTT den letzten Flug in der Tankerrolle
Großraumflugzeuge
•10+03 Airbus A350-941 (S/N 416)
•10+23 Airbus A310-304 PAX (S/N 503, ex DDR-ABC → D-AOAC Interflug) „Kurt Schumacher“
•10+24 Airbus A310-304 MRTT (S/N 434, ex D-AIDA Lufthansa) „Otto Lilienthal“
•10+25 Airbus A310-304 MRTT (S/N 484, ex. D-AIDB Lufthansa) „Hermann Köhl“
•10+26 Airbus A310-304 MRTT (S/N 522, ex D-AIDE Lufthansa „Speyer“) „Hans Grade“
•10+27 Airbus A310-304 MRTT (S/N 523, ex D-AIDI Lufthansa „Fellbach“) „August Euler“
•16+01 Airbus A340-313 VIP (S/N 274, ex D-AIGR Lufthansa „Leipzig“) „Konrad Adenauer“
•16+02 Airbus A340-313 VIP (S/N 355, ex D-AIFB Lufthansa „Gummersbach“) „Theodor Heuss“

Standardrumpfflugzeuge
•15+01 Airbus A319-133X CJ (S/N 3897)
•15+02 Airbus A319-133X CJ (S/N 4060)[21]
•15+03 Airbus A319-133X CJ „Offener Himmel“ (S/N 1212, ex. VP-CVX Volkswagen Airservice)
•15+04 Airbus A321-231 (S/N 1214, ex. D-AISE Lufthansa „Neustadt an der Weinstraße“)
Geschäftsreiseflugzeuge
       
Bombardier Global 5000
•14+01 Bombardier Global 5000 (S/N 9395) (Nach Flugunfall Reparatur ungeklärt) [24]
•14+02 Bombardier Global 5000 (S/N 9404)
•14+03 Bombardier Global 5000 (S/N 9411)
•14+04 Bombardier Global 5000 (S/N 9417)
•14+05 Bombardier Global 6000 (S/N 9859)
•14+06 Bombardier Global 6000 (S/N 9863)
•14+07 Bombardier Global 6000 (S/N 9865)
Hubschrauber
       
Cougar AS 532
•82+01 Eurocopter AS532 Cougar (S/N 2449)
•82+02 Eurocopter AS532 Cougar (S/N 2452)
•82+03 Eurocopter AS532 Cougar (S/N 2460)
Ehemalige und aktuelle Luftfahrzeuge
Zwischenfälle

•Am 16. Januar 1968 kollidierte eine vom Flughafen Köln/Bonn kommende Lockheed JetStar der Flugbereitschaft (CA+102) mit
einer Piaggio P.149D der Lufthansa Verkehrsfliegerschule (D-EJCO). Die auf einem Ausbildungsflug in der Platzrunde des
Flughafens Bremen fliegende Piaggio stürzte 2 km nordnordwestlich der Landebahn ab, wobei Fluglehrer und Schüler umkamen.
Die JetStar wurde schwer beschädigt, konnte aber mit einer Bauchlandung auf dem Werksflughafen Lemwerder gelandet werden.
Sie wurde auf Grund der starken Beschädigungen später abgeschrieben.
•Am 5. Oktober 1972 stürzte bei Berzhahn/Westerwald eine Bell UH-1D (71+22) nach einer Kollision mit einer
Lockheed F-104 „Starfighter“ ab. Der Hubschrauber gehörte zum HTG 64 in Ahlhorn, die Besatzung aber war der Flugbereitschaft
zugehörig. Die drei Besatzungsmitglieder des Hubschraubers starben, der Kampfjet konnte beschädigt auf dem Fliegerhorst Büchel
landen. Der Unfall ereignete sich, als der Hubschrauber eine Nachttiefflugstrecke kreuzte.
•6. Juni 1996 – Beim Flugunfall bei der Jugendmesse YOU 1996 in Dortmund stürzte ein Hubschrauber des Typs Bell UH-1D
(71+00) während eines Rundflugs in Dortmund in ein Waldgebiet. 13 Menschen kamen ums Leben, 1 Person überlebte.
•Am 13. September 1997 kollidierte die Tu-154M (11+02) bei der Flugzeugkollision vor Namibia 1997 vor der Westküste Namibias
mit einer C-141B Starlifter der US Air Force (65-9405). 33 Menschen kamen ums Leben, davon 24 in der Tupolew und 9 im
Starlifter.
•Am 16. April 2019 wurde die Bombardier Global 5000 mit dem militärischen Kennzeichen 14+01 bei einer Notlandung auf dem
Flughafen Berlin-Schönefeld so schwer beschädigt, dass sie abgeschrieben werden musste. Nach einer mehrwöchigen Wartung in
Schönefeld stellte die Crew während des Rückfluges, der nach Köln führen sollte, Probleme mit der Flugsteuerung fest und
entschied sich, nach Schönefeld zurückzukehren. Beim Landemanöver kippte das Flugzeug in einer Höhe von etwa 300 Meter
ohne Steuereingaben extrem nach rechts und verfehlte die Landebahn. Den Piloten gelang es zwar, die Kontrolle
wiederzuerlangen, sie konnten den Jet aber nur noch auf dem Vorfeld zu Boden bringen. Nach der harten Landung schlitterte das
Flugzeug über Rasenflächen und Rollwege bis zur Landebahn 07L. Die dreiköpfige Besatzung wurde in einem
Bundeswehrkrankenhaus behandelt. Passagiere waren nicht an Bord. Der Flugverkehr musste teilweise nach Tegel, Leipzig und
Hamburg umgeleitet werden.[