Sie sind auf Seite 1von 75

Morphologie der

deutschen Sprache
Sommersemester 2018/2019
Prof. Dr. Emilija Bojkovska
Abteilung für deutsche Sprache und Literatur
Philologische Fakultät „Blaze Koneski” Skopje

1
1
Präposition
Präpositionen sind unflektierbare Wörter, die ein
Substantiv/eine Substantivphrase oder ein
Pronomen/eine Proniminalphrase in einem
bestimmten Kasus bei sich fordern.
Sie wohnt bei ihren Eltern. (bei+Dat.)
Sie stammt aus einem kleinen Dorf. (aus+Dat.)
Wir verschieben die Reise wegen des schlechten
Wetters. (wegen+Gen.)
Die Blumen habe ich für dich gekauft. (für+Akk).

2
Präposition
Die Substantiv- und die Proniminalphrase hängen von der
Präpositon ab. Sie sind ihre Begleitelemente.
Neben Substantiv- und Pronominalphrasen kommen auch
Adjektive/Adjektivalphrasen und Adverbien/
Adverbialphrasen als Begleitelemente der Präposition
vor:
Wir halten sie für sehr intelligent.
Sie kommen von dort. Gehen Sie bitte nach rechts.
Mit Adverbien können ab, bis, nach, seit, von vor stehen.

3
Präposition
Mit Adjektivadverbien im Superlativ kommen an und
auf vor. Die Adjektivadverbien beziehen sich auf das
Verb:
Sie sprichst Deutsch am besten.
Sie grüßt ihn aufs Herzlichste/herzlichste.
Die Präposition kommt nicht allein vor. Sie bildet
zusammen mit ihren Begleitlementen die
Präpositionalphrase.

4
Struktur der Präpositionalphrase
Präposition
für

Subst.-Phrase im Akk.
_____________ihren Freund___________________
Präposition
für

Pron.-Phrase im Akk.
__________________ihn______________________
5
Struktur der Präpositionalphrase
Präposition
von

. Adverbialphrase
_________________dort___________________
Präposition
auf

Artikel
(da)s

Adjektivadverb
herzlichste

6
Präposition
Die dargestellten Präpositionalphrasen lauten: für ihren
Freund, für ihn, von dort, aufs herzlichste.
Auch die Präpositionalphrase kommt nicht allein vor. Sie
hängt von ihrem über-geordneten Element (Wort) ab.
Das der Präposition übergeordnete Element (Wort)
kann a) ein Verb, b) ein Substantiv, c) ein Adjektiv oder
c) ein Adjektivadverb sein (s. u.):

7
Präposition
a) Verb
Wir rechnen mit ihrer Unterstützung.
b) Substantiv
Er hat große Ähnlichkeit mit seinem Bruder.
c) Adjektiv
Sie ist eifersüchtig auf seinen Bruder.
Sie ist um drei Jahre älter.
d) Adjektivadverb
Er lernt neue Wörter am schnellsten von allen.

8
Präposition
Verb
verlassen...uns

Pronomen Präp.
wir auf

Subst.-Phrase im Akk.
ihre Unterstützung

9
Präposition
Die Präpositon begründet ein adverbiales Verhältnis
oder ein Objektsverhältnis zum übergeordneten
Wort. Im ersten Fall hat die Präposition eine
beschreibbare Bedeutung, im zweiten Fall lässt sich
ihre Bedeutung oft nicht beschreiben.

10
Präposition
1. Verb als übergeordnetes Wort: adverbiales Verhältnis. Die
Präposition hat eine beschreibbare Bedeutung z. B. in:
- der Richtungsbestimmung (wohin, woher):
Die Präp. hat eine räumliche Bed. und ist austauschbar.
Sie gehen auf den Markt. (Ziel der Beweg.)
Sie fahren ans (=an das) Meer. (Ziel der Beweg.)
Sie fahren durch die Stadt. (Richtung der Beweg.)
Sie kommen aus Berlin. (Ausgangspunkt der Beweg. oder
Herkunft)
Er trat vor/hinter/neben mich.

11
Präposition
- der Lokalbestimmung (wo), die den Ort bezechnet,
an dem sich etwas abspielt:
Die Präp. hat eine räumliche Bed. und ist
austauschbar.
Sie verkaufen Obst auf dem Markt.
Sie verbringen ihren Urlaub am (an+dem) Meer.
Sie sind in Berlin.
Die Lampen hängen über/neben dem Tisch.

12
Präposition
- der Temporalbestimmung (wann/wie oft/seit wann/...):
Sie wird vor/nach drei Uhr wieder anrufen.
- der Kausalbestimmung (aus welchem Grund/warum):
Die Sitzung findet wegen seiner Absage nicht statt.
- der Konzessivbestimmung (sie bezeichnet ein Hindernis,
dass die Handlung nicht verhindern konnte/kann)
Die Sitzung findet trotz seiner Absage statt.
- und in anderen Adverbialbestimmungen.

13
Präposition
2. Verb als übergeordnetes Wort: Objektverhältnis. Die Präposition
hat meistens keine beschreibbare Bedeutung und ist nicht/begrenzt
austauschbar bei ihrer Verwendung im Präpositionalobjekt:
Sie kann sich auf ihn/seine Leistungen verlassen (auf wen/worauf).
Der Mann wartet auf sie. (auf+Akk.)
Der Käufer besteht auf seinem Recht. (auf+Dat.)
Die Lehrerin spricht mit den Schülern über die geplante Reise. (mit;
über+Akk.)

14
Präposition
3. Substantiv als übergeordnetes Wort: adverbiales Verhältnis.
Die Präposition hat eine beschreibbare Bedeutung bei ihrer
Verwendung z. B. in:
- einer Richtungsbestimmung (wohin, woher):
Die Präp. hat eine räumliche Bed. und ist austauschbar.
Ihre Reise ans Meer wurde verschoben. (Ziel der Beweg.).
Ihre Fahrt durch die Stadt/nach Detschland war schön.
(Richtung der Beweg.)
Der Zug von/nach Berlin fährt gerade ein. (Ausgangspunkt/Ziel
der Beweg.)

15
Präposition
- einer Lokalbestimmung (wo), die den Ort
bezechnet, an dem sich etwas abspielt:
Die Präp. hat eine räumliche Bed. und ist
austauschbar.
Das Haus auf dem Berg wird verkauft.
Das Obst auf dem Markt ist immer frisch.
Das Bild an der Wand/über der Kommode ist mir
unbekannt.

16
Präposition
- einer Temporalbestimmung (wann/wie oft/seit
wann/...):
Auf der Sitzung am Montag wird über seinen Antrag
abgestimmt.
- Qualitätive Bestimmung (was für ein...)
Sie kaufte eine Vase aus Porzellan.
- und in anderen Adverbialbestimmungen.

17
Präposition
4. Substantiv als übergeordnetes Wort: Objektverhältnis. Die
Präposition hat meistens keine beschreibbare Bedeutung und
ist nicht/begrenzt austauschbar bei ihrer Verwendung im
präpositiven Attribut:
Sie hat Angst vor dem Mann/der Dunkelheit. (vor
wem/wovor)
Sie stellte eine Frage an die Anwesenden.
(Funktionsverbgefüge; an wen)
Sie äußerte Zweifel an seiner Aufrichtigkeit.
(Funktionsverbgeföge; woran.)

18
Präposition
5. Adjektiv (inkl. Partizipien) als übergeordnetes Wort:
adverbiales Verhältnis. Die Präposition hat eine
beschreibbare Bedeutung bei ihrer Verwendung z. B. in:
- einer Richtungsbestimmung (wohin, woher):
Die Präp. hat eine räumliche Bed. und ist austauschbar.
Mein aus Wien stammender Freund lebt in Salzburg.
(Herkunft)

19
Präposition
- einer Lokalbestimmung (wo), die den Ort
bezechnet, an dem sich etwas abspielt:
Die Präp. hat eine räumliche Bed. und ist
austauschbar.
Mein in Salzburg/außerhalb der Stadt wohnhafter
Freund stammt aus Wien.
Herr Schulz ist ein in München unbekannter Arzt.

20
Präposition
5. Adjektiv (inkl. Partizipien) als übergeordnetes
Wort: Objektverhältnis. Die Präposition hat meistens
keine beschreibbare Bedeutung und ist
nicht/begrenzt austauschbar bei ihrer Verwendung
im präpositiven Attribut:
Sie ist ehrlich zu ihren Eltern.
Diese Information ist aus dem Brief ersichtlich.
Kinder sind gegen Kälte empfindlich.

21
Präposition
Die Präpositionen kann man einteilen nach:
I. der Wortstruktur
II. der Valenz (der spezifischen Umgebung, nämlich
nach der Kasusforderung)
III. der Position
IV. der Bedeutung.

22
Präposition
I. Nach der Wortstruktur unterscheidet man zwischen primären und
sekundären Präpositionen:
Die primären Präpositionen sind keine Ableitungen und keine
Zusammensetzungen.
Sie fordern folgende Kasus:
- Dat. und Akk.: (Wechselpräpositionen):
an, auf, hinter, in, neben, über, unter, vor, zwischen
- Dat.: aus, bei, mit, nach, von, zu
- Akk.: bis, durch, für, gegen, ohne, um

23
Präposition
Die sekundären Präpositionen bestehen aus:
- unveränderlichen Wörtern anderer Wortklassen
(Helbig/Buscha 2001: 354):
ausgenommen (Akk.); dank (Dat./Akk.); gemäß
(Dat.); kraft (Gen.); lang (Akk.); laut (Dat.); nahe
(Dat.); unweit (Gen.); entsprechend (Dat.);
ungeachtet (Gen.);

24
Präposition
- Ableitungen von Wörtern anderer Wortklassen (Gen.):
angesichts, betreff, längs, mangels, mittels, namens, seitens,
zwecks, abseits, diesseits, jenseits, abzüglich, anlässlich,
einschließlich, hinsichtlich, vorbehaltlich
- Zusammensetzungen aus Präposition und Substantiv (mit
Nullartikel; zumeist mit Gen.): anhand, anstatt/anstelle,
aufgrund, infolge, inmitten, mithilfe, vonseiten, zufolge,
zugunsten. Auch als Wortgruppen erscheinen: an Stelle, auf
Grund, mit Hilfe, von Seiten, zu Gunsten.

25
Präposition
- Wortgruppen aus Präposition und Substantiv (mit
bestimmtem oder Nullartikel; zumeist mit Gen.): auf
der Basis, auf Kosten, auf dem Wege, aus Anlass, aus
Richtung, aus der Sicht, in Anbetracht, im Ergebnis,
im Falle, im Interesse, im Rahmen, im Züge, mit
Ausnahme, mit dem Ziel, unter Anwendung, unter
Beachtung, unter Einfluss, unter dem Gesichtspunkt,
zum Nachteil, zum Preis, zum Zeitpunkt

26
Präposition
II. Die Valenz (spezifiche Umgebung) der Präpositionen ist
die Kasusforderung an das Substantiv- oder das
Pronomen. Die Präpositionen fordern a) den Akk., b) den
Dat., c) den Genitiv oder d) mehr als einen Kasus. Die
Präpositionen der letzten Subklasse fordern meistens den
Dat. und den Akk.
Beispiele: die Präp. für hat die Valenz Akk.:
für dich, für das Kind
Die Präposition in hat die Valenzen Dat. und Akk.:
Sie gehen in den Park. Sie gehen im Park spazieren.

27
Präposition
Die Valenz des Substantivs ist im vorangehenden Punkt
angegeben.
Hier sei nur die Valenz der primären Präpositionen
wiederholt.
- Dat. und Akk.: (Wechselpräpositionen):
an, auf, hinter, in, neben, überm unter, vor, zwischen
- Dat.: aus, bei, mit, nach, von, zu
- Akk.: bis, durch, für, gegen, ohne, um
Zur Valenz des sekundären Präp. s. Pkt.1: Einteilung der
Präp. nach der Wortstruktur.
28
Präposition
Bei den Wechselpräpositionen entscheidet das Wort, das der
Präposition übergeordnet ist, über den Kasus der Substantiv-/
Pronominalphrase, die von der Präposition abhängt:
Wir verlassen uns auf dich (auf+Akk.: Objekt; sonst auch mit
dem Dat.; das Verb warten wählt den Akk. aus)
In seltenen Fällen sind beide Kasus ohne Bedeutungsunterschied
anwendbar.
Dem Fluss/Den Fluss entlang stehen schöne Häuser.

29
Präposition
III. Die Präpositionen können vor oder hinter dem
Begleitelement stehen oder sie können es umschließen.
1. Präpositionen in Prästellung (sie stehen vor dem
Begleitelement):
- das Begleitelement ist eine Substantivphrase oder eine
Pronominalphrase:
Wir verlassen uns auf den Kollegen/ihn.
Die meisten Präpositionen stehen in dieser Positionen
außer den Präpositionen der Untergruppen 2.-4.

30
Präposition
- das Begleitelement ist ein temporales oder ein lokales Adverb:
Wie haben bis vorhin gearbeitet.
Die Tische werden nach draußen gestellt.
Hierhin gehören: ab, bis, nach, seit, von, vor sowie an und
auf+Superlativ (am besten/aufs beste).
- das Begleitelement ist eine Adjektivalphrase/ Partizipialphrase:
Wir halten diese Richtlinie für ungeeignet.

31
Präposition
2. Präpositionen in Prä- und Poststellung
- das Begleitelement ist eine Substantivphrase
Dem Fluss entlang/Entlang dem Fluss stehen schöne Häuser.
Gegenüber der Post/Der Post gegenüber befindet sich der Bahnhof.
Hierher gehören: entgegen, entlang, gegenüber, gemäß, nach,
ungeachtet, wegen, zufolge
Wenn das Begleitelement eine Pronominalphrase (Personalpronomen)
ist, stehen die meisten Präpositionen dieser Subklasse in Poststellung;
nach steht nur in Prästellung:
Mir gegenüber saß mein Kollege.
Nach ihm ist die Aufgabe anders zu lösen.

32
Präposition
Bei Averbien können nur die Präpositionen entlang
(in Poststellung) und gegenüber (in Prä- und
Poststellung) stehen. Adjektive kommen nicht als
Begleitlemente bei dieser Subklasse von
Präpositionen vor:
Gehen Sie bitte hier entlang.
Gegenüber früher/Früher gegenüber arbeitet sie viel
besser. (Helbig/Buscha 2001: 356)

33
Präposition
3. Präpositionen in Circumstellung
Sie hat es um ihres Mannes willen getan.
Sie hat ihn vom (=von dem) ersten Moment an geliebt.
Hierher gehören: um...willen, von...an.
Bei um...willen sind nur Personalpronomina: um
seinetwillen, um ihretwillen..., jedoch keine Adverbien
möglich.
Adverbien, jedoch keine Pronomina, kommen bei von ... an
vor:
Von heute an muss er fleißig arbeiten.
34
Präposition
IV. Die semantische Einteilung der Präpositionen ist
der Übersicht bei Helbig/Buscha (2001: 361 f.) zu
entnehmen.
Damit die Präp. semantisch eingeteilt werden
können, muss ihre Bedeutung beschrieben werden.
Sie ist bei Helbig/Buscha (2001: 361-390) zu finden.
Im Folgenden seien ab, an, anstatt und auf
beispielhaft angeführt.

35
Präposition
Semantische Beschreibung der Präpositionen:
I. ab+Dat.: 1) räumlich, Ausgangspunkt (in der
Richtungsbestimmung)
Der Bus fährt ab Skopje/dieser Stadt.
2) temporal, Anfangspunkt (in der Temporalbestimmung):
Ab morgen stehen wir Ihnen zur Verfügung.

36
Präposition
II. an: 1.+Dat.: räumlich, lokal (nicht zielgerichtet in
der Lokalbestimmung):
Das Bild hängt an der Wand.
Die Schüler sitzen am Tisch in der Kantine.
2. +Akk.: räumlich, zielgerichtet (in der
Richtungsbestimmung):
Sie hängt das Bild an die Wand.
Die Schüler setzen sich an den Tisch in der Kantine.

37
Präposition
3. geografisch: +Dat.(vor Bezeichnungen von Gewässern und
Gebirgen; in der Lokalbestimmung):
Frankfurt am Main; Frankfurt an der Oder; Köln am Rhein;
4. temporal: +Dat.: (vor dem Subst. Tag , Komposita mit –tag und
Tageszeitangabe, außer: in der Nacht: in der Temporalbestimmung):
Am letzten Sonntag hatten wir Besuch.
Am Vormittag fällt der Unterricht aus.
5. temporal und lokal: +Dat.vor den Subst.: Anfang, Ende, Schluss:
am Ende/Anfang/Schluss des Jahres/des Zuges

38
Präposition
6. temporal: +Dat.: vor Datumsangaben (in der
Temporalbestimmung:
Sie wurde am 25. Januar geboren.
(Aber: Sie wurde im Januar geboren.)
III. anstatt s. statt
IV. auf 1.+Dat.: lokal (nicht zielgerichtet in der Lokalbestimmung):
Die Zeitung liegt auf der Kommode.
Das Glas steht auf dem Tisch.
2. +Akk.: zielgerichtet (in der Richtungsbestimmung):
Sie legt die Zeitung auf die Kommode.
Er stellt das Glas auf den Tisch.

39
Präposition
3. lokal: +Dat.(vor Bezeichnungen von Institutionen: Bahnhof,
Polizei, Postamt, Gericht, in der Lokalbestimmung):
Sie warten auf den Freund auf dem Bahnhof.
4. direktiv: +Akk.(vor Bezeichnungen von Institutionen: Bahnhof,
Polizei, Postamt, Gericht):
Sie gehen auf den Bahnhof.
5. temporal, Gleichzeitigkeit: +Dat. (in der
Temporalbestimmung/situativen Bestimmung):
Auf der Sitzung wurde Folgendes beschlossen.
Auf der Probe hatte er keinen Erfolg.

40
Präposition
6. temporal: +Akk. (bevostehende festgelegte Dauer, in der Temporalbestimmung):
Der Vertrag ist auf drei Monate befristet.
7. modifizierend (in der modifikativen Bestimmung):
a) Maßangabe: +Akk.+genau
Die Uhr geht auf die Minute genau.
b) aboluter Superlativ (Ellativ)+Akk.:
Man muss die Sonnenstrahlen aufs Beste nutzen.
c) Vor Sprachbezeichnungen: +Akk.(ohne Kasusflexem)
Sie musste die Frage auf/in Deutsch stellen.
Aber: mit Attribut wird in verwendet:
Sie stellte die Frage in gutem Deutsch.

41
Präposition
8. kausal+Akk.bei Nullartikel(+hin); bei anderen
Artikeln+hin (in der Kausalbestimmung)
Sie analysierte den Plan auf Forderung des Leiters
(hin).
Auf ihren Wunsch hin wurde der Text überarbeitet.

42
Adverb
Adverbien sind nicht flektirbare Wörter, welche die erste
Stelle im Aussagesatz einnehmen und als Antworten auf
Ergänzungsfragen dienen können (Engel 1996).
Ergänzungsfragen sind Fragen, auf die man nicht mit Ja
oder Nein antworten kann.
Morgen fliege ich nach Wien.
Wann fliegen Sie nach Wien?
Morgen.

43
Adverb
Nach Helbig/Buscha (2006: 306 f.) ist das Adverb ein nicht
deklinierbares Wort, das in folgende Subtitutionsrahmen eingesetzt
werden kann:
1. Der Mann arbeitet ... .
Der Mann arbeitet dort. (adverbiale Verw.)
2. Der Mann ist ... .
Der Mann ist dort. (prädikative Verw.)
3. Der Mann ... arbeitet den ganzen Tag.
Der Mann dort arbeitet den ganzen Tag. (attrib. Verw.)
Variante zum Rahmen 1.: Der Student arbeitet fleißig.
→ der fleißig arbeitende Student (Helbig/Buscha 2001: 306 f.)

44
Adverb
Vgl. das Adverb mit dem unflektierten (aber meistens flektierbaren) Adjektiv im
attributiven Gebrauch:
- Ausnahmen von der Flexion des attr. Adj.: unflektierte Adj. vor dem Subst.
groß A, Kölnisch Wasser, halb München, jung Siegfried; klein Berlin
- Apposition (immer nachgestellt):
viele Häuser, neu(e) und alt(e), ...
diese Frau, selbstbewusst und intelligent, ...

45
Adverb
- unflektierte Adj. nach dem Subst. im attributiven Gebrauch:
Aral Super, Benzin bleifrei
Der Unterscheid zwischen den beiden Wortklassen besteht darin, dass die
flektierbaren Adjektive immer vor das Substantiv in deklinierter Form
gestellt werden können:
ein großes A, das halbe München, der junge Siegfried
viele neue und alte Häuser
diese selbstbewusste und intelligente Frau
bleifreies Benzin

46
Adverb
Das Adverb ist hingegen nicht deklinierbar und es
kann in der Regel nicht vor dem Substantiv stehen.
Nach Engel (1996: 609) können einige Adverbien nur
in poetischer Sprache, gelegentlich auch in der
Alltagssprache vor der Substantivphrase stehen:
Hier der Feldmarschal weiß von meinem Willen.
(Schiller)
Dort der Hund!

47
Adverb
Die Adverbien sind beschränkt komparierbar.
1. Adverbien, die formal mit den Adjektiven übereinstimmen heißen
Adjektivadverbien. Der Komparativ wird mit dem Flexem –er und der Superlativ
in der Regel mit am + -sten gebildet.
Der Arbeiter arbeitet am fleißigsten.
2. Einige Adverbien werden suppletiv kompariert:
bald, eher, am ehesten; gern, lieber, am liebsten; oft/häufig, öfter/häufiger, am
häufigten; viel, mehr, am meisten; wenig, minder/weniger, am mindesten/am
wenigsten; gut/wohl, besser/wohler, am besten/am wohlsten.

48
Adverb
3. Einige Adjektivadverbien bilden neben der Form
mit am + -ste auch eine Superlativform auf aufs + ste:
aufs Schönste/schönste; aufs Beste/beste
4. Einige Adjektivadverbien bilden eine
Superlativform mit dem Flexem –st:
baldigst, möglichst, freundlichst

49
Adverb
Semantische Subklassen der Adverbien:
1. Lokaladverbien, die den Ort bezeichnen, an dem
sich etwas abspielt: hier, da, dort, draßen, drinnen,
drüben, innen, außen, rechts, links, oben, unten,
überall, irgendwo, anderswo, niergendwo, niergends,
wo, vorn, hinten, obenan, obenauf, nebenan,
auswärts.

50
Adverb
2. Richtungsadverbien
- zur Bezeichnung des Ausgangspunktes einer
Fortbewegung
hierher, daher, dorther, überallher, irgendwoher,
anderswoher, hiergendwoher, woher
- zur Bezeichnung der Richtung odes des Zieles einer
Fortbewegung
hierhin, dahin, dorthin, aufwärts, abwärts, eitwärts,
rückwärts, fort, weg, heim, bergauf, bergab, überallhin,
irgendwohin, anderswohin, nirgendwohin, wohin

51
Adverb
Mit den Präp. von und nach können aus Lokaladverbien
Richtungsadverbien gebildet werden:
Er sitzt draußen. (Ort)
Er kommt von draußen. (Ausgangspunkt)
Er geht nach draußen. (Ziel)
(Helbig/Buscha 2001: 311)
Im ersten Beispiel steht eine Lokalbestimmung (draußen,
erfragbar durch wo), im zweiten und im dritten Beispiel
kommt jeweils eine Richtungsbestimmung (von draußen,
nach draußen, erfragbar durch woher und wohin) vor.
52
Adverb
3. Temporaladverbien
- zur Bezechung eines Zeitpunktes: anfangs, bald,
damals, dann, eben, endlich, gerade, jetzt, neulich,
nun, schließlich, seinerzeits, vorhin, zuletzt, zunächst,
gestern, heute, morgen, vorgestern, übermorgen,
heutzutage, früh, wann
- zur Bezeichnung einer Zeitdauer: bislang, bisher,
immer, lange, längst, nie, niemals, noch, seither, stets

53
Adverb
- zur Bezeichnung der Wiederholung: häufig,
jederzeit, manchmal, oft, selten, zeitweise, täglich,
wöchentlich, jährlich, montags, dienstags, ..., einmal,
zweimal, ...,
- zur Bezeichnung einer relativen Zeit (die sich auf
einen anderen Zeitpunkt bezieht)
indessen, inzwischen, nachher, seitdem, seither,
unterdessen, vorher

54
Adverb
3. Modifizerende Adverbien zur Bezeichnung der Art
und Weise:
anders, gern, so, wie, ...
Adjektivadverbien: fleißig, gut, schnell, langsam, ...
4. Kausaldverbien
daher, darum, deshalb, deswegen, warum, weshalb,
weswegen

55
Adverb
Eine Subklasse der Adverbien bilden
Präpositionaladverbien/Pronominaladverbien. Sie
bestehen aus dem Adverb da(r) / hier / wo(r) + Präp.:
daran, darauf, daraus, dabei, dafür usw.
Die Präp.-Adv. kommutieren mit Präp.-Phrasen:
In diesem Text / In ihm / Darin sind viele neue
Vokabeln enthalten.

56
Adverb
Kommutation zwischen Präp.+Pron. und Präp.-Adv.:
Das Präp.-Adv. ersetzt Präp.-Phrasen, die sich vor allem
auf Nichtmenschliches beziehen:
Sie hat viele Geschenke bekommen. Darüber (=über die
Geschenke) freut sie sich sehr.
Wenn die Präp.-Phrase sich auf Personen bezieht, wird die
Konstruktion aus Präp.+Pers.-Pron. verwendet.
Sie spricht über ihren Freund.
Sie spricht über ihn. (nicht: darüber)

57
Adverb
Das Präp.-Adv. ersetzt immer Präp.+ es/das, wenn
Nichtmenschliches gemeint ist:
Das war ein erfolgreiches Projekt. Ich erinnere mich gut daran.
(nicht: auf das/es).
Wenn Personen, die mit Neutra benannt werden, gemeint
sind, muss das Subst. wiederholt oder durch ein anderes
ersetzt werden:
Das ist ihr Kind. Ich erinnere mich gut an ihren Sohn/ihr Kind.
(nicht: auf das/es und nicht: daran)

58
Adverb
Wenn Nichtmenschliches gegen andere Gegenstände
abgegrenzt wird, wird das Präp.-Adv. verwendet:
(... der Tisch...) Sie wollte sich auf ihn setzen.
(Engel 1996: 760)

59
Konjunktion
Konjunktionen (traditionell: koordinierende Konjunktionen) verbinden gleichartige
Elemente:
Sie haben ein Haus und einen Wagen gekauft.
Die Konjunktionen verbinden:
- Hauptsätze:
Wir bleiben hier und ihr könnt einen Spaziergang machen.
- Satzglieder:
Er wird einen Opel oder einen VW kaufen.
- Nebensätze:
Sie sagt, dass sie die Aufgabe erledigt (habe) und (dass) der Vorstand sie gelobt
habe.

60
Konjunktion
Identische Satzglieder werden nicht wiederholt:
Sie trat in den Raum. Sie setzte sich auf diesen Stuhl.
Sie trat in den Raum und setzte sich auf diesen Stuhl.
Die Konjunktionen haben eine eigene Bedeutung. Z.B.:
Das Wetter ist schön und wir gehen spazieren.
(kopulativ)
Wir gehen spazieren, denn das Wetter ist schön. (kausal)

61
Konjunktion
Semantische Einteilung der Konjunktionen:
Adversativ: aber, allein, doch, jedoch, sondern
Alternativ: oder, entweder ...oder, beziehungsweise, denn
Kopulativ: und, sowie, nicht nur ... sondern auch, sowohl
...als/wie auch, weder ... noch
Modifikativ: Restriktiv: aber; Spezifizierung: nämlich, das
heißt; steigernde Wiederholung: und; Substitutiv: (an)statt
(Helbig/Buscha 2001: 393)

62
Konjunktion
Die semantische Beschreibung und die
Beispiele sind der Übersicht bei Helbig/Buscha
(2001: 393 ff.) zu entnehmen.

63
Subjunktion
Subjunktionen (traditionell: subordinierende Konjunktionen)
stehen am Anfang von Nebensätzen und verweisen das finite
Verb ans Satzende:
Sie hat die Prüfung nicht bestanden, weil sie sich nicht gut
vorbereitet hatte.
Subjunktionen ordnen einem Wort einen Nebensatz unter, z.B.:
- einem Verb: (s.o.: der Nebensatz hängt vom Verb bestehen ab)
- einem Substantiv: Mich beschäftigt die Frage, ob er die Prüfung
bestehen wird. (der Nebensatz hängt von Substantiv Frage ab)

64
Subjunktion
Die Subjunktionen haben eine eigene Bedeutung: z.B.:
- temporal: als, seit(dem), sobald, solange, während, wenn
usw.
Als sie am Telefon verlangt wurde, ließ sie sich
verleugnen.
Die semantische Beschreibung und die Beispiele sind der
Übersicht bei Helbig/Buscha (2001: 400 ff.) zu entnehmen.

65
Modalwort
Modalwörter sind nicht flektierbare Wörter, die als
Antworten auf Entschiedungsfragen dienen können. Das
sind Fragen, auf die Man mit Ja oder Nein antoporten
kann:
Wird er sich für die Verspätung entschuldigen?
Vielleicht /Vermutlich.
Sie können die erste Stelle im Aussagesatz einnehmen.
Vielleicht /Vermutlich wird er sich für die Verspätung
entschuldigen.

66
Modalwort
Sie drücken die Einstellung des Sprechers zum Sachverhalt
aus, und zwar:
Gewissheit: fraglos, zweifellos, tatsächlich
Hypothese: sicher, bestimmt, gewiss; vermutlich,
wahrscheinlich; vielleicht, möglicherweise
Distanzierung: angeblich, vorgeblich
Emotion: leider, erfreulicherweise
Bewertung: merkwürdigerweise, vorsichtigerweise,
unsinnigerweise

67
Modalwort
Er hat leichtisinnigerweise sein ganzes Geld an einem
Tag ausgegeben.
Er ist leider nicht daran interessiert.
Sie hat angeblich ein großes Vermögen geerbt.
(s. Helbig/Buscha 2001: 430 ff.)

68
Partikel
Die Partikeln sind nicht flektierbare Wörter, die keine
eigenen Satzglieder sind. Sie sind Teile von
Satzgliedern. Viele haben Homonyme aus anderen
Wortklassen. Hier seien nur die Abtönungspartikeln
erwähnt. Sie drücken die Stellung des Sprechers zum
Sachverhalt aus: aber, auch, bloß, denn, doch, eben,
einfach, etwa, halt, ja, mal, nur, schon, vielleicht. Sie
können sie nicht die erste Stelle in Aussagesatz
einnehmen.

69
Partikel
aber: Überraschung: Sie ist aber dick.
(Vgl. aber als Konjunktion: Er ist dünn, aber sie ist
dick.)
ja: Aufforderung, Drohung:
Erzähle das ja nicht weiter! (Duden)
(Vgl. ja als positive Antwort: Hast du morgen Zeit? –
Ja.)
S. Helbig/Buscha 2001: 420 ff.

70
Satzäquivalent
Satzäquivalente ersetzen Sätze.
Dazu gehören:
1. Interjektionen: hurra, pfui, hoho, nanu, ach, ah, o,
pst, ...
2. Antwortpartikeln: ja, nein, doch
3. Reaktive Partikeln: bitte, danke

71
Satzäquivalent
1. Mir den Interjektionen werden körperliche und
seelische Empfindungen ausgedrückt.
Enttäuschung: Ach, die Armen!
Bitte um Ruhe: Pst, die Kinder schlafen schon!

72
Satzäquivalent
2. Antwortpartikeln:
Hast du Lust, einen Spaziergang zu machen?
Bestätigung: Ja. (=Ich habe Lust, …)
Negation: Nein. (=Ich habe keine Lust, …)
Hast du keine Lust, einen Spaziergang zu
machen?
Bestätigung: Nein. (=Ich habe keine Lust, … )
Negation: Doch. (=Ich habe Lust, …)

73
Satzäquivalent
3. Reaktive Partikeln:
bitte wird a) in Ausgleichsakten aa) nach Dank oder ab)
Entschuldigung, b) in Aufforderungen und c) als
Zustimmungen zu positiv formulierten Fragen verwendet:
aa) Ich danke Ihnen für Ihre Hilfe. – Bitte!
ab) Verzeihen Sie die Störung! – Bitte!
c) Steigen Sie bitte ein! Verzeihen Sie bitte die Störung!
d) Darf ich Ihnen dieses Bild zeigen? – Bitte! / Ja, bitte.

74
Satzäquivalent
danke wir als Reaktion auf a) Hilfeleistung, b)
Gratulation, c) Kondolation, d) Angebot, e)
Ergehensfrage usw. verwendet:
a) (Jemandem wurde die Tür geöffnet) – Danke.
b) Alles Gute zum Geburtstag! – Danke!
c) Mein Beileid. – Danke.
d) Möchten Sie noch Wein? – Ja, danke.
e) Wie geht es Ihnen? – Danke, gut.

75