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ENSO; globale Auswirkungen und

Fernwirkungen
Inhalt der Veranstaltung

 Transport des ENSO signals in beide Hemisphären


 Typische Temperatur- und Niederschlagsmuster in
verschiedenen Regionen der Welt bei El Nino und La Nina
 Regionale und globale Auswirkungen von ENSO;
Beispiele von starken El Ninos (1918/1919 // 1939-1941//
1982/1983 // 1997/1998) und La Nina 2010/2011 (Osten USA;
Afrika, Australien)
 ENSO und tropische Wirbelstürme
 weltweite Auswirkungen von El Ninos (schematische
Zusammenfassung)

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El Nino

> Erhöhung des Luftdrucks über dem westlichen Pazifik, während er im östlichen Pazifik
sinkt -> Veränderung der Southern Oscillation (SOI, negativ)
> Die Südostpassate erschlaffen durch das schwächer werdende Hoch vor Südamerika.
Der Äquatorialstrom wird nicht wie gewöhnlich von den Passatwinden von Osten nach
Westen getrieben, sondern ist rückläufig
> Schwächere Walkerzirkulation
> Höhere Meeresoberflächentemperaturen über dem tropischen Pazifik

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Transport des El Nino Signals vom tropischen
Pazifiks in beide Hemisphären

> Erhöhte SSTs im zentralen und östlichen Pazifik erhöhen Verdunstung &
Konvektion, sowie die meridionale Hadley-Zirkulation
> Die beim Aufsteigen der Luftmassen erfolgende Kondensation setzt in der
mittleren & oberen Troposphäre sowie untere Stratosphäre Wärme frei.
 Energie wird mit Hadley-Zirkulation in beide Hemisphären transportiert
> Wärme, die als Folge hochreichender tropischer Konvektion in der
Troposphäre und Stratosphäre (sudden stratospheric warming)
freigesetzt wird, ist eine der wichtigsten Antriebskräfte für die
planetarische Zirkulationsänderungen
> Lageveränderungen dieser tropischen Wärmequellen während El
Niños/La Ninas führen zu weitreichenden Änderungen der Wind- und
Witterungsmuster ausserhalb des tropischen Pazifiks
 die aussertropischen Windströmungsmuster werden beeinflusst

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Nordamerika, El Nino/La Nina

H T
T

T
H
H
H

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Winter Niederschlagsanomalien Nordamerikas
und Auftretenswahrscheinlichkeit bei
El Ninos (n=18, NOAA)

Lesebeispiel: Sehr feucht in Kalifornien, trat bei


60-70% der letzten 18 El Ninos auf
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Winter Temperaturanomalien Nordamerikas und
Auftretenswahrscheinlichkeit bei
El Ninos (n=18, NOAA)

Deutlich kühler im Süden (in 3 von 4 Fällen vergangener El Ninos)


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Idealisierte Darstellung der ENSO
Fernkopplung

El Nino verändert und verstärkt Hadley Zirkulation


 Aussertropische Reaktion (response) nach
einigen Wochen
 starkes Aleutentief, Ausdehnung Richtung N-
Amerika
 Häufige ‚sudden stratospheric warmings‘ durch
Verstärkung der Hadleyzirkulation
 Abschwächung der ‚Westerlies‘ in der
Stratosphäre
 Stratosphärisches Signal propagiert von oberer
in
untere Stratosphäre
 Signal wird durch verschiedene Prozesse über
Wochen in die Troposphäre weitergegeben
 Höherer Druck über Arktis, tieferer Druck in
mittleren Breiten
 abgeschwächte Westwinde über dem
Nordatlantik-Europa (NAO negativ) im
Spätwinter/Frühling
 Einfluss der eher positiven tropischen Atlantik
SSTs (via veränderte Walker- und Hadley
Zirkulation über dem Atlantik) begünstigen eher
NAO negativ (Abschwächung der Westwinddrift)
Mathieux 2004; Ineson und Scaife 2009
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Winter und Sommer Temperatur- und
Niederschlagsmuster bei El Ninos

Winter

Sommer

Quelle: MPI, Hamburg


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Globale Temperaturen und El Nino

1982-1983
1939-1941

1918-1919

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Regionale und globale Auswirkungen von
ENSO;

 Beispiele von starken El Ninos


(1918/1919 // 1939-1941 // 1982/1983 //
1997/1998) und La Nina 2010/2011 (Osten
USA; Afrika, Australien)

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SOI und Nino 3.4 SST Anomalien;
stärkste El Ninos im 20. Jahrhundert

1918/1919 1939/1941 1997/1998


1982/1983

1997/1998
1918/1919 1982/1983
1939/1941

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1918/1919 El Nino, einer der stärksten im
20. Jahrhundert

Anzahl SST Beobachtungen 1918-1919

Giese et al. 2010


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1918/1919 El Nino, einer der stärksten im
20. Jahrhundert

April 1918-Mai 1919 SST Anomalien

Giese et al. 2010 SST Anomalien 1917-1919


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1918/1919 El Nino, einer der stärksten im
20. Jahrhundert

> Ende des 1. Weltkrieges


> Tumulte und Revolutionen in verschiedenen Ländern
> Winter sehr kalt in den USA, Sommer und Herbst sehr mild
> wenig aktive atlantische Hurrikansaison
> Trockenheit im west- und ostaustralischen Raum
> sehr schwach ausgeprägeter indischer Monsoon  aussergewöhnliche
Dürre in Indien
> Grippe Pandemie (ab Sommer 1918) die mehr als 50 Millionen Tote
weltweit forderte (in Indien allein 18 Mio)
> In den USA starben mehr Leute an der Pandemie als im 1. WK

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Der starke El Nino (1939-1941);
Auswirkung auf die Geschichte
im 2. Weltkrieg

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Der starke El Nino (1939-1941);
Temperaturabweichung 1940-1942

Brönnimann, Luterbacher et al. 2004


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SOI und Nino 3.4 SST Anomalien;
stärkste El Ninos im 20. Jahrhundert

1997/1998
1982/1983

1997/1998
1982/1983

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Niederschlag in Peru während 1982/1983 &
1997/1998 El Ninos im Vergleich mit
‘neutralen’ Perioden

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Häufigkeitsverteilung der Niederschläge
im indonesischen Raum Winter 1998 (El
Nino Bedingungen)

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La Nina 2010/2011

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La Nina 2010/2011 (neg. SST Nino3.4
region; neg. MEI; pos. SOI)

El Nino

La Nin

La Nina

El Nino

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Facts zu La Nina (2010 bis 2011)

> Stärkste La Nina seit mindestens 60 Jahren


> Aussergewöhnliche Ueberschwemmungen in Pakistan Juli 2010
> Sehr feucht im nördlichen Südamerika
> Aussergewöhnliche Trockenheit in Argentinien, Brasilien und Uruguay
> Jahrhunderttrockenheit in Texas, Oklahoma, Arkansas und SW USA
2010
> Aussergewöhnliche Tornadosaison in US Midwest und NW USA im
Frühling 2011
> Aussergewöhnliche Schneestürme in Nord Amerika im Dezember 2010
> Aussergewöhnliche Überschwemmungen im Osten Australiens
(Queensland) Dezember 2010 und Januar 2011
> Aussergewöhnliche Trockenheit in Ostafrika (Somalia, Aethiopien und
Kenia) 2011
> Globale Lebensmittelpreise waren im Dezember 2010 auf Höchststand

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Winter und Sommer Temperatur- und
Niederschlagsmuster bei La Ninas

Winter

Sommer

Quelle: MPI, Hamburg


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Typische Temperatur- und
Niederschlagsverteilung bei La Nina im Winter

Kühler und feuchter im Norden, wärmer und trockener im Süden


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Schneestürme Ostküste USA Ende Dezember
2010 (einige Impressionen aus New York nach
Weihnachten)

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Schneestürme Ostküste USA Ende Dezember
2010 (einige Impressionen aus New York nach
Weihnachten)

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Schneestürme Ostküste USA Ende Dezember 2010
 La Nina nicht verantwortlich für Einzelereignisse
sondern erhöhte Wahrscheinlichkeit für mehr
Kaltluftausbrüche im Osten

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Die Dürre am Horn von Afrika

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Wenn der Niederschlag ausbleibt
„Klimamigration“

Dadaab: Flüchtlingslager
in Kenia

Quelle: Reuters
30
30
Somalia- Äthiopien- Kenia- Dschibuti

 schlimmste Dürre seit


mehr als 60 Jahre
 Seit Jahren keine oder sehr
spärliche Niederschläge
 13 Mio. Menschen
betroffen 750.000 vom
Hungertod bedroht
 mehrere 10.000 Opfer
 Verlust der
Lebensgrundlage
 Ausfall der Ernte Quelle: http://www.unric.org/de
Verenden der Tiere

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31
ENSO und tropische
Wirbelstürme

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ENSO und tropische Wirbelstürme:
Hurrikane, Taifune, Zyklonen

• Kreisförmige Wolkenmasse (500 – 600 km)


• Zentrum - wolkenlos + fast windstill
- Druck bis 100 hPa tiefer als außerhalb
• Spitzenwindstärken von über 300 km/h
• Lebensdauer: Tage bis über 1 Woche

[HÄCKEL (2005): Meteorologie]

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Voraussetzungen und Entstehung

• Über tropischen Ozeanen (5° - 20°) Meerestemperatur > 26°

• Vor allem (Spät-)Sommer

• Kondensation von Wasser liefert Energie


• Entstehen aus Luftdruckstörungen (‚Easterly Waves‘)
 tropische Tiefs, ab 119 km/h = Zyklon
[HÄCKEL (2005): Meteorologie]

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Schematischer Aufbau

Quelle: http://dbbm.fwu.de
35 35
Tropische Wirbelstürme,
Zugbahnen 1985 - 2005

Hurrikan
Taifun
Zyklon

Zyklon

Quelle: http://de.wikipedia.org

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El Nino und atlantische Hurrikanes

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Weniger atlantische Hurrikane während
El Ninos

>El Nino
Warme Atmosphäre über Ostpazifik löst in
oberen Troposphäre starke Westwinde
(Verstärkung des Subtropenjets) und
Windscherungen aus
Diese tragen die im Atlantik und
verdunstete und aufgestiegene Feuchtigkeit
weg nach Osten und entziehen den
Hurrikanen die Energie

> 2008 und 2010, waren aktive


Hurrikanseasons (La Nina Bedingungen)
2009 war eine wenig aktive Hurrikansaison

Rechts: 3 Stürme in verschiedenen Stadien


(Fay, Gustav und Hannah) (Credit: National
Oceanic and Atmospheric Administration)
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Australien, während La Nina 2010/2011

Erst Hochwasser – dann Wirbelsturm

(Quelle: www.max-wissen.de)
(Quelle: www.wetterinfos.blogspot.com)

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Klima - Queensland

• Größtenteils humid
• Sommerregen + v.a. orographischer
Niederschläge im Winter
• Häufig von Zyklonen betroffen

Quelle: http://climatediagrams.com Quelle: www.ifs.rwth-aachen.de 40


Überschwemmungen

41 41
• Schwerste Überschwemmungen seit 50 Jahren

• 850,000 km2 überschwemmt, entspricht einer Fläche


von Frankreich und Deutschland zusammen

• 30 Todesopfer
Quelle: www.welt.de)
• Schäden an Wohnhäusern, Infrastruktur… aber auch in (

der Kohleindustrie (größter Kohleexporteur der Welt)

• Tausende Menschen evakuiert und in Notunterkünften


untergebracht

„Wir haben ganzschön Glück gehabt. Wir haben den Fernseher in Sicherheit
gebracht, den Kühlschrank, die Matratzen und andere wertvolle Dinge. Der Fluss ist
ja langsam aber stetig angestiegen und so hatten wir genug Zeit um alles
wegzufahren. Die Betten, Kleidung und vieles andere.“ (Augenzeugenbericht)

(
42)
Quelle: www.zeit.de
Nach Hochwasser kam schwerer
Wirbelsturm auf Australien zu

„Yasi“

(Quelle: www.wetter.com)

43 43
Zyklon Yasi

44
Quelle: www.welt.de)
(
(Quelle: www.nachrichten.at)
> Betroffen: Region Queensland
> „Monstersturm“ Durchmesser rd. 400 km und Windgeschwindigkeiten von mehr
also 300 km/h (Sturmstärke 5)
> Zerstörungskraft wie Hurrikan „Katrina“ (New Orleans 2005)
> Behörden rechneten mit einer Katastrophe (Sturmflut, Überschwemmungen,
lebensbedrohliche Folgen…)
> Sicherheitsmaßnahmen getroffen (Warnungen, Notunterkünfte, Hilfsaktionen)
> Weniger grosse Schäden als befürchtet, da Flutwellen ausblieben
> Stadt Cairnes blieb weitgehend verschont (aber 2/3 ohne Strom)
> Schäden: abgedeckte Häuser, entwurzelte Bäume, abgerissene Stromleitungen
> Wirtschaftliche Schäden aber immens (bsp. zerstörte Bananen und Rohrzucker
Plantagen südlich von Cairnes)
> Viele Obdachlose, allerdings keine Toten

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Weltweite Auswirkungen von El Nino,
schematische Zusammenfassung

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