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Historische

Semantik
Historienbibel: Erschaffung der Welt; Hs. 1 (Darm-
stadt: Universitäts- und Landesbibliothek), f. 1v
Inhalt:

• Unterscheidung von Semantik und Semiotik


• Exkurs: Historische Semiotik
• Historische Semantik
Semantik vs. Semiotik

Auszüge aus: Thürnau, Donatus: Bedeutung. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Neubearbeitung des Reallexikons
der deutschen Literaturgeschichte. Hg. von Klaus Weimar (u.a.). Bd. I: A–G. Berlin / New York 2007, S. 204–207, hier S. 204.
Titzmann, Michael: Semiotik. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Neubearbeitung des Reallexikons der deutschen
Literaturgeschichte. Hg. von Jan-Dirk Müller (u.a.). Bd. III: P–Z. Berlin / New York 2007, S. 418–421, hier S. 418.
(Verweis auf Semantik ebd. S. 417)
Exkurs: Historische Semiotik
Die Frage nach dem Wie (und dem Warum)
Als Grundlage für einen historischen Vergleich:
Moderne Semiotik – das Zeichenmodell Ferdinand de Saussures

Bsp. Signifikant (hier: das Bsp. Referent: Ein Ferdinand de


Lautbild frz. ‚arbre‘ (‚Baum‘) tatsächlicher Baum Saussure (1857–1913)
Signifikat (Konzept)

Signifikant (hier: Lautbild, möglich Bsp: Signifikat (hier: die Bsp: Signifikat (hier: die
wäre aber auch Graphem) Vorstellung eines Baumes) Vorstellung eines Baumes)

Signifikant und Signifikat sind willkürlich (arbiträr) verbunden!

Graphiken aus: De Saussure, Ferdinand: Cours de linguistique générale. Herausgegeben von Charles Bally und Albert Sechehaye. Paris 1968, S. 99.
Historische Semiotik:

Wie ein Zeichen


nach hochmittel-
alterlicher
Vorstellung
(gemäß Hugo von
St. Victor*)
bezeichnete:

*Hugo von St. Victor (†1141): Verfasser einer


wichtigen lat. Systematik des Wissens
(Didascalicon de studio legendi; in modernen
Übersetzungen meist Studienbuch) Weddige, Hilkert: Einführung in die germanistische Mediävistik. 5. Aufl. München 2003, S. 68.
*Der Physiologus (übers. ‚Naturkundiger‘ / ‚Naturforscher‘) ist eine in verschiedenen Bearbeitungen weit verbreitete christliche Naturlehre.

Weddige, Hilkert: Einführung in die germanistische Mediävistik. 5. Aufl. München 2003, S. 69.
Historische Semantik
Die Frage nach dem Was
Bisher haben Sie die Geschichte einzelner Wörter vor allem in Hinsicht ihrer lautlichen bzw. morphologischen Entwicklung
betrachtet. Doch auch die Bedeutung eines Wortes kann sich im Laufe der Zeit verändern. In der Folge genügt es nicht
(immer), die lautliche Veränderung nachzuvollziehen, um einen mhd. Begriff zu übersetzen. Ein Beispiel:

Ez het der künec Artûs Es hatte König Artus


ze Karidôl in sîn hûs in seine(m/r) …? zu Karidôl
zeinen pfingesten geleit einmal zu Pfingsten
nâch rîcher gewonheit in gewohnter Pracht
eine alsô schœne hôchzît ein(e) so schön …? angesetzt,
daz er dâ vor noch sît daß er weder früher noch später
deheine schœner nie gewan. je ein glänzenderes gab.

Hartmann von Aue: Iwein. In: ders. Gregorius. Der arme Heinrich. Iwein. Herausgegeben und übersetzt von
Volker Mertens. Frankfurt am Main 2008, S. 317–767, V. 31–37.

Wie Sie gelernt haben (Sitzung 4: Vokalismus), wird das <û> in hûs beim Wechsel zum Neuhochdeutschen diphthongiert,
wodurch das vertraute nhd. Wort ‚Haus‘ entsteht. Neben der lautlichen Entwicklung verändert sich jedoch auch bei
vielen Wörtern die Bedeutung, wobei das Spektrum i.d.R. entweder enger oder weiter wird. Manchmal kann sich die
Bedeutung auch komplett verändern. Wäre ‚Haus‘ hier also die richtige Übersetzung? Residiert König Artus in einem
Haus? Eine ähnliche Frage ergibt sich bei hôchzît, woraus Sie rasch das nhd. Pendand ‚Hochzeit‘ ableiten können
(Diphthongierung des <î>), doch feiert Artus Hochzeit? Schauen wir dazu zunächst einmal das Lemma hûs im Online-
Lexer nach…
Während das nhd. Wort ‚Haus‘ eher ein normales Wohn-
haus meint (Mietshaus, Einfamilienhaus…), reicht das
semantische Spektrum von hûs deutlich weiter, d.h. der
Begriff ist viel allgemeiner. Einige Bedeutungen sind im Nhd.
noch vereinzelt erhalten (bspw. wird etwa bei Hotels gerne
von ‚unserem Hause‘ gesprochen, jemand kommt aus
‚gutem Hause‘ oder interessiert sich für ein ‚Königshaus‘),
jedoch begegnet der Begriff vor allem mit der o.g.
Bedeutung.

Man muss also beim Übersetzen gut aufpassen, dass man


die richtige Nuance wiedergibt. In unserem Beispiel ist
vermutlich ein Schloss gemeint, das man Nhd. eher nicht als
‚Haus‘ bezeichnen würde. Artus hat also zu Karidol sein
Schloss bzw. seine Burg, auf der er Hof hält.

Hinweis:
Link zum Eintrag
In der mhd. Artusepik regiert
Artus i.d.R. von Karidol aus,
Ez het der künec Artûs Es hatte König Artus
nicht von Camelot, wie man es
ze Karidôl in sîn hûs in seiner Burg (/in seinem Schloss) zu Karidôl
aus der englischen Tradition
zeinen pfingesten geleit einmal zu Pfingsten
kennt.
Ganz ähnlich lässt sich auch Problem Nr. 2 lösen:
hôchzît kann zwar durchaus eine nhd. ‚Hochzeit‘
meinen, jedoch ist das Bedeutungssprektrum größer,
denn der mhd. Begriff bezeichnet ebenfalls andere
hohe kirchliche und weltliche Feste wie beispiels-
weise das Pfingstfest, das hier gemeint ist. Man kann
sich also merken:

Jede ‚Hochzeit‘ ist eine hôchzît, aber nicht jede


hôchzît ist eine ‚Hochzeit‘!
Link zum Eintrag

Ez het der künec Artûs Es hatte König Artus Hinweis:


ze Karidôl in sîn hûs in seiner Burg zu Karidôl
zeinen pfingesten geleit einmal zu Pfingsten Auch der Begriff rîch (nâch rîcher gewonheit)
nâch rîcher gewonheit in gewohnter Pracht gehört zu jenen Begriffen, bei denen man
eine alsô schœne hôchzît ein so schönes Hoffest angesetzt, aufpassen muss, denn rîch bedeutet viel
daz er dâ vor noch sît daß er weder früher noch später mehr als sein nhd. Pendant ‚reich‘ (an
deheine schœner nie gewan. je ein glänzenderes gab. Gütern).
Weitere Beispiele:
Pfaffe, kneht, wîp: Wie man auf Mittelhochdeutsch nicht schimpft
Lesen Sie sich die Ausschnitte aus Hartmanns Iwein durch und achten Sie auf die fett/rot gedruckten Wörter. Wie werden sie in der Leseausgabe übersetzt?

Iwein heiratet Laudine: Laudine erlaubt Iwein nach der Hochzeit, auf Nach seiner Schande will Iwein im Boden versinken:
Turnierfahrt zu gehen:
dâ wâren pfaffen genuoge: nâch einem dinge jâmert in,
daz er wære etewâ
die tâten in die ê zehant Ir hât also gelebet unz her daz man noch wîp enweste wâ.
sî gâben im vrouwen unde lant. daz ichs an iu niht wandel ger, und niemer gehôrte mære
nâch êren als ein guot kneht. war er komen wære.
Wörtlich:
Wörtlich: Wörtlich:
Da gab es genügend Kleriker,
die erledigten die Eheschließung für sie Ihr habt bis jetzt so gelebt, Nach einer Sache verlangte es ihn schmerzlich:
dass er irgendwo wäre,
sofort, dass ich an euch keine Änderung wünsche, so dass weder Mann noch Frau (= niemand) wüsste wo
sie gaben ihm die Herrin und das Land. auf Ehre hin wie ein guter Geselle/Krieger: und niemals Nachricht hörte,
wohin er gekommen wäre.
Übersetzung der Leseausgabe: Übersetzung der Leseausgabe:
Übersetzung der Leseausgabe:
Es waren viele Priester da, Bis jetzt habt Ihr so gelebt
die trauten sie gleich. wie ich es nicht anders wünschen würde, Nur eines wünschte er sehnsüchtig:
daß er irgendwo wäre,
Sie gaben ihm die Herrin und das Land. auf Ehre bedacht als ein tüchtiger Ritter. daß kein Mensch wüßte, wo,
und auch niemals hörte,
Die Übers. von kneht mit ‚Ritter‘
(Iwein, V. 2418–2420) ist womöglich etwas zu frei.
(Iwein, V. 2902–2904) wohin er geraten sei.

(Iwein, V. 3216–3220)
Hartmann von Aue: Iwein. 4., überarbeitete Auflage. Text der siebenten Ausgabe von G. F. Benecke, K. Lachmann und L.
Wolff. Übersetzung und Nachwort von Thomas Cramer. Berlin / New York 2001.
… und wenn man doch mal gepflegt mhd. schimpfen will?

Aus: Ehrismann, Otfrid: Ehre und Mut, Âventiure und Minne. Höfische
Wortgeschichten aus dem Mittelalter. München 1995, S. 50f.
Übung: Gemischtes Doppel / Falsche Freunde

Welches nhd. Begriffsfeld verbindet sich mit den mhd. Lemmata? Raten Sie (oder noch besser: schlagen
Sie nach)! Start auf der nächsten Folie: Pro Folie wird danach je ein weiterer Begriff aufgedeckt, die
Übung startet oben links (juncvrouwe). Überlegen Sie am besten auch direkt, wie sich die Bedeutung
jeweils zum nhd. Pendant verändert bzw. was jeweils vorliegt: eine Bedeutungsverengung (der nhd.
Begriff bedeutet etwas Spezifischeres), eine Bedeutungserweiterung (das Spektrum des nhd. Begriffs ist
weiter) oder ein Bedeutungswandel (das nhd. Pendant bedeutet etwas ganz anderes)!

Achtung: Aus Platzgründen ist jeweils nur eine Auswahl an Übersetzungsmöglichkeiten angegeben!

juncvrouwe maget muote witz lîp rîch swach

kranc bœse ellende kleine vel miete urloup

hôchzît minne

Kraft des Denkens,


Empfindens, Wollens, Sinn, ‚Konzept der höf. Kultur‘:
Haut, Fell Lohn, Belohnung böse, schlecht, gering glänzend, hübsch, fein
Seele, Geist, Gemüt, Liebe im weitesten Sinne
Stimmung, Gesinnung

Erlaubnis zu gehen,
Fest, höchste Freude edel, mächtig, gewaltig Leben, Körper, Person Jungfrau, Mädchen schlecht, gering, unedel
Abschied

junge Herrin, unverh.


kraftlos, schwach, wertlos der/die in der Fremde ist Wissen, Verstand
Edelfrau
juncvrouwe maget muote witz lîp rîch

swach kranc bœse ellende kleine vel

miete urloup hôchzît minne

Kraft des Denkens,


Empfindens, Wollens, ‚Konzept der höf.
Haut, Fell Lohn, Belohnung böse, schlecht, gering glänzend, hübsch, fein Sinn, Seele, Geist, Kultur‘: Liebe im
Gemüt, Stimmung, weitesten Sinne
Gesinnung

Erlaubnis zu gehen,
Fest, höchste Freude edel, mächtig, gewaltig Leben, Körper, Person Jungfrau, Mädchen schlecht, gering, unedel
Abschied

kraftlos, schwach, der/die in der Fremde junge Herrin, unverh.


Wissen, Verstand
wertlos ist Edelfrau
juncvrouwe maget muote witz lîp rîch

swach kranc bœse ellende kleine vel

miete urloup hôchzît minne

Kraft des Denkens,


Empfindens, Wollens, ‚Konzept der höf.
Haut, Fell Lohn, Belohnung böse, schlecht, gering glänzend, hübsch, fein Sinn, Seele, Geist, Kultur‘: Liebe im
Gemüt, Stimmung, weitesten Sinne
Gesinnung

Erlaubnis zu gehen,
Fest, höchste Freude edel, mächtig, gewaltig Leben, Körper, Person Jungfrau, Mädchen schlecht, gering, unedel
Abschied

kraftlos, schwach, der/die in der Fremde junge Herrin, unverh.


Wissen, Verstand
wertlos ist Edelfrau
juncvrouwe maget muote witz lîp rîch

swach kranc bœse ellende kleine vel

miete urloup hôchzît minne

Kraft des Denkens,


Empfindens, Wollens, ‚Konzept der höf.
Haut, Fell Lohn, Belohnung böse, schlecht, gering glänzend, hübsch, fein Sinn, Seele, Geist, Kultur‘: Liebe im
Gemüt, Stimmung, weitesten Sinne
Gesinnung

Erlaubnis zu gehen,
Fest, höchste Freude edel, mächtig, gewaltig Leben, Körper, Person Jungfrau, Mädchen schlecht, gering, unedel
Abschied

kraftlos, schwach, der/die in der Fremde junge Herrin, unverh.


Wissen, Verstand
wertlos ist Edelfrau
juncvrouwe maget muote witz lîp rîch

swach kranc bœse ellende kleine vel

miete urloup hôchzît minne

Kraft des Denkens,


Empfindens, Wollens, ‚Konzept der höf.
Haut, Fell Lohn, Belohnung böse, schlecht, gering glänzend, hübsch, fein Sinn, Seele, Geist, Kultur‘: Liebe im
Gemüt, Stimmung, weitesten Sinne
Gesinnung

Erlaubnis zu gehen,
Fest, höchste Freude edel, mächtig, gewaltig Leben, Körper, Person Jungfrau, Mädchen schlecht, gering, unedel
Abschied

kraftlos, schwach, der/die in der Fremde junge Herrin, unverh.


Wissen, Verstand
wertlos ist Edelfrau
juncvrouwe maget muote witz lîp rîch

swach kranc bœse ellende kleine vel

miete urloup hôchzît minne

Kraft des Denkens,


Empfindens, Wollens, ‚Konzept der höf.
Haut, Fell Lohn, Belohnung böse, schlecht, gering glänzend, hübsch, fein Sinn, Seele, Geist, Kultur‘: Liebe im
Gemüt, Stimmung, weitesten Sinne
Gesinnung

Erlaubnis zu gehen,
Fest, höchste Freude edel, mächtig, gewaltig Leben, Körper, Person Jungfrau, Mädchen schlecht, gering, unedel
Abschied

kraftlos, schwach, der/die in der Fremde junge Herrin, unverh.


Wissen, Verstand
wertlos ist Edelfrau
juncvrouwe maget muote witz lîp rîch

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miete urloup hôchzît minne

Kraft des Denkens,


Empfindens, Wollens, ‚Konzept der höf.
Haut, Fell Lohn, Belohnung böse, schlecht, gering glänzend, hübsch, fein Sinn, Seele, Geist, Kultur‘: Liebe im
Gemüt, Stimmung, weitesten Sinne
Gesinnung

Erlaubnis zu gehen,
Fest, höchste Freude edel, mächtig, gewaltig Leben, Körper, Person Jungfrau, Mädchen schlecht, gering, unedel
Abschied

kraftlos, schwach, der/die in der Fremde junge Herrin, unverh.


Wissen, Verstand
wertlos ist Edelfrau
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Kraft des Denkens,


Empfindens, Wollens, ‚Konzept der höf.
Haut, Fell Lohn, Belohnung böse, schlecht, gering glänzend, hübsch, fein Sinn, Seele, Geist, Kultur‘: Liebe im
Gemüt, Stimmung, weitesten Sinne
Gesinnung

Erlaubnis zu gehen,
Fest, höchste Freude edel, mächtig, gewaltig Leben, Körper, Person Jungfrau, Mädchen schlecht, gering, unedel
Abschied

kraftlos, schwach, der/die in der Fremde junge Herrin, unverh.


Wissen, Verstand
wertlos ist Edelfrau
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Empfindens, Wollens, ‚Konzept der höf.
Haut, Fell Lohn, Belohnung böse, schlecht, gering glänzend, hübsch, fein Sinn, Seele, Geist, Kultur‘: Liebe im
Gemüt, Stimmung, weitesten Sinne
Gesinnung

Erlaubnis zu gehen,
Fest, höchste Freude edel, mächtig, gewaltig Leben, Körper, Person Jungfrau, Mädchen schlecht, gering, unedel
Abschied

kraftlos, schwach, der/die in der Fremde junge Herrin, unverh.


Wissen, Verstand
wertlos ist Edelfrau
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Empfindens, Wollens, ‚Konzept der höf.
Haut, Fell Lohn, Belohnung böse, schlecht, gering glänzend, hübsch, fein Sinn, Seele, Geist, Kultur‘: Liebe im
Gemüt, Stimmung, weitesten Sinne
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Fest, höchste Freude edel, mächtig, gewaltig Leben, Körper, Person Jungfrau, Mädchen schlecht, gering, unedel
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Wissen, Verstand
wertlos ist Edelfrau
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Haut, Fell Lohn, Belohnung böse, schlecht, gering glänzend, hübsch, fein Sinn, Seele, Geist, Kultur‘: Liebe im
Gemüt, Stimmung, weitesten Sinne
Gesinnung

Erlaubnis zu gehen,
Fest, höchste Freude edel, mächtig, gewaltig Leben, Körper, Person Jungfrau, Mädchen schlecht, gering, unedel
Abschied

kraftlos, schwach, der/die in der Fremde junge Herrin, unverh.


Wissen, Verstand
wertlos ist Edelfrau
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Kraft des Denkens,


Empfindens, Wollens, ‚Konzept der höf.
Haut, Fell Lohn, Belohnung böse, schlecht, gering glänzend, hübsch, fein Sinn, Seele, Geist, Kultur‘: Liebe im
Gemüt, Stimmung, weitesten Sinne
Gesinnung

Erlaubnis zu gehen,
Fest, höchste Freude edel, mächtig, gewaltig Leben, Körper, Person Jungfrau, Mädchen schlecht, gering, unedel
Abschied

kraftlos, schwach, der/die in der Fremde junge Herrin, unverh.


Wissen, Verstand
wertlos ist Edelfrau
juncvrouwe maget muote witz lîp rîch

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Kraft des Denkens,


Empfindens, Wollens, ‚Konzept der höf.
Haut, Fell Lohn, Belohnung böse, schlecht, gering glänzend, hübsch, fein Sinn, Seele, Geist, Kultur‘: Liebe im
Gemüt, Stimmung, weitesten Sinne
Gesinnung

Erlaubnis zu gehen,
Fest, höchste Freude edel, mächtig, gewaltig Leben, Körper, Person Jungfrau, Mädchen schlecht, gering, unedel
Abschied

kraftlos, schwach, der/die in der Fremde junge Herrin, unverh.


Wissen, Verstand
wertlos ist Edelfrau
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Kraft des Denkens,


Empfindens, Wollens, ‚Konzept der höf.
Haut, Fell Lohn, Belohnung böse, schlecht, gering glänzend, hübsch, fein Sinn, Seele, Geist, Kultur‘: Liebe im
Gemüt, Stimmung, weitesten Sinne
Gesinnung

Erlaubnis zu gehen,
Fest, höchste Freude edel, mächtig, gewaltig Leben, Körper, Person Jungfrau, Mädchen schlecht, gering, unedel
Abschied

kraftlos, schwach, der/die in der Fremde junge Herrin, unverh.


Wissen, Verstand
wertlos ist Edelfrau
juncvrouwe maget muote witz lîp rîch

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Kraft des Denkens,


Empfindens, Wollens, ‚Konzept der höf.
Haut, Fell Lohn, Belohnung böse, schlecht, gering glänzend, hübsch, fein Sinn, Seele, Geist, Kultur‘: Liebe im
Gemüt, Stimmung, weitesten Sinne
Gesinnung

Erlaubnis zu gehen,
Fest, höchste Freude edel, mächtig, gewaltig Leben, Körper, Person Jungfrau, Mädchen schlecht, gering, unedel
Abschied

kraftlos, schwach, der/die in der Fremde junge Herrin, unverh.


Wissen, Verstand
wertlos ist Edelfrau
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miete urloup hôchzît minne

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Empfindens, Wollens, ‚Konzept der höf.
Haut, Fell Lohn, Belohnung böse, schlecht, gering glänzend, hübsch, fein Sinn, Seele, Geist, Kultur‘: Liebe im
Gemüt, Stimmung, weitesten Sinne
Gesinnung

Erlaubnis zu gehen,
Fest, höchste Freude edel, mächtig, gewaltig Leben, Körper, Person Jungfrau, Mädchen schlecht, gering, unedel
Abschied

kraftlos, schwach, der/die in der Fremde junge Herrin, unverh.


Wissen, Verstand
wertlos ist Edelfrau
juncvrouwe maget muote witz lîp rîch

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miete urloup hôchzît minne

Kraft des Denkens,


Empfindens, Wollens, ‚Konzept der höf.
Haut, Fell Lohn, Belohnung böse, schlecht, gering glänzend, hübsch, fein Sinn, Seele, Geist, Kultur‘: Liebe im
Gemüt, Stimmung, weitesten Sinne
Gesinnung

Erlaubnis zu gehen,
Fest, höchste Freude edel, mächtig, gewaltig Leben, Körper, Person Jungfrau, Mädchen schlecht, gering, unedel
Abschied

kraftlos, schwach, der/die in der Fremde junge Herrin, unverh.


Wissen, Verstand
wertlos ist Edelfrau
juncvrouwe maget muote witz lîp rîch

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miete urloup hôchzît minne

Kraft des Denkens,


Empfindens, Wollens, ‚Konzept der höf.
Haut, Fell Lohn, Belohnung böse, schlecht, gering glänzend, hübsch, fein Sinn, Seele, Geist, Kultur‘: Liebe im
Gemüt, Stimmung, weitesten Sinne
Gesinnung

Erlaubnis zu gehen,
Fest, höchste Freude edel, mächtig, gewaltig Leben, Körper, Person Jungfrau, Mädchen schlecht, gering, unedel
Abschied

kraftlos, schwach, der/die in der Fremde junge Herrin, unverh.


Wissen, Verstand
wertlos ist Edelfrau
minne: ein Konzept der höfischen Kultur

Aus: Weddige, Hilkert: Mittelhochdeutsch. Eine Einführung. 5. Aufl.


München 2003, S. 120f.

Merke: Bestimmte Begriffe sind mit Konzepten


verbunden, für die wir im Nhd. keinen Ausdruck haben.
Beim Übersetzen muss man also sehr gut aufpassen, dass
man Begriffe wie minne und âventiure (was das ist,
schauen wir uns im Anschluss an) nicht leichtfertig mit
‚Liebe‘ bzw. ‚Abenteuer‘ gleichsetzt. Im Zweifel kann man
auch einfach den jeweiligen mhd. Begriff als terminus
technicus stehenlassen.
Eine zeitgenössische (literarische!) Stimme zur minne:

Die junge Prinzessin Lavinia ist zum ersten Mal von den Pfeilen der minne
getroffen und bittet ihre Mutter um Rat (sô saget mir denne waz minne is).
Die erklärt ihr:

so getân is diu minne, Die Minne ist so beschaffen,


daz es rehte nieman daß es niemand richtig
dem anderen gesagen kan, dem anderen sagen kann,
dem sîn herze sô stêt, dessen Herz sich so verhält,
daz si dar in niene gêt, daß sie niemals hineinkommt,
der sô steinlîchen lebet: (und) der so verhärtet (/wie ein Stein) lebt.
swer ir aber rehte entsebet Wer auch immer sie aber richtig wahrnimmt
unde zû ir kêret, und sich ihr zuwendet,
vile si in des lêret, den lehrt sie Vieles davon,
daz im ê was unkunt. was ihm vorher unbekannt war.
Heinrich von Veldeke: Eneasroman. Nach dem Text von Ludwig Ettmüller ins Neuhochdeutsche
übersetzt, mit einem Stellenkommentar und einem Nachwort von Dieter Kartschoke. Stuttgart
2010, V. 262.10–19 [Übersetzung leicht modifiziert].

Mgf 282 (Berlin: Staatsbibliothek), f. 69r.


Miniatur aus der Berliner Eneit-Handschrift (Eneasroman)
Oben: Lavine (Lavinia) fleht Frau Minne an; unten: Die Königin stellt Lavine (Lavinia) zur Rede
Und noch ein kaum bis gar nicht zu übersetzender Begriff: âventiure
Diesmal zuerst eine zeitgenössische (literarische!) Stimme, Artusritter
Kalogreant, der dem Waldmenschen im Iwein die âventiure erklärt:

dô sprach der ungehiure: Da sagte der Unhold:


˃âventiure? waz ist daz?˂ »Aventüre? Was ist das?«
˃daz wil ich dir bescheiden baz. »Das will ich Dir genau erklären.
Nû sich wie ich gewâfent bin: Sieh, wie ich ausgerüstet bin,
ich heize ein rîter unde hân den sin man nennt mich Ritter, und ich bin in der Absicht
daz ich suochende rîte ausgeritten, einen Mann
einen man der mit mir strîte, zu suchen, der mit mir kämpft
unde der gewâfent sî als ich. und so gerüstet ist wie ich.
daz prîset in unde sleht er mich. Erschlägt er mich, gewinnt er Ruhm.
gesige aber ich im an, Besiege aber ich ihn,
sô hât man mich vür einen man, hält man mich für besonders mannhaft,
unde wirde werder danne ich sî. und ich werde mehr geachtet als vorher.
Hintergrundgraphik: Iwein-Fresko (Detail) auf Schloss
sî dir nû verre ode bî Weißt Du nun, nahe oder fern, Rodenegg (Südtirol), oben rechts sieht man den
kunt umbe selhe wâge iht, so ein Wagnis, Waldmenschen
daz verswîc mich niht, verschweig mir das nicht
Text zitiert nach: Hartmann von Aue: Iwein. In: ders.
unde wîse mich dar, und zeige mir den Weg dorthin, Gregorius. Der arme Heinrich. Iwein. Herausgegeben
wand ich nâch anders niene var.˂ denn nur deshalb bin ich unterwegs.« und übersetzt von Volker Mertens. Frankfurt am Main
2008, S. 317–767, V. 526–542.
Moderne Definition des Konzepts der âventiure:

Aus: Weddige, Hilkert: Mittelhochdeutsch. Eine Einführung. 5. Aufl. München 2003, S. 95.
Auch ein paar wichtige Verben haben im Mhd. eine Warum gibt es im Mhd. so viele Wörter für
andere Bedeutung als ihre nhd. (etymologischen) ‚können‘ und ‚müssen‘?
Entsprechungen:
kunnen bezeichnet die subjektive Möglichkeit: ich
mhd. Wort Bedeutung kann etwas, weil ich dazu in der Lage bin (etwa
aufgrund meiner Fähigkeiten; vgl. frz. savoir),
kunnen können, wissen, verstehen
mugen die objektive Möglichkeit (Können auf-
mugen können, im Stande sein, vermögen grund äußerer Einflüsse; vgl. frz. pouvoir), müezen
müezen können, dürfen schicksalhaft-göttlich bestimmes Vermögen
durfen müssen, brauchen, bedürfen durfen bezieht sich auf einen Mangel bzw. eine
suln/soln schuldig sein, müssen Ursache als Bedingung der Handlung und ist oft
geniezen etwas (vor allem Nutzen, Vorteil) von mit neg. Sätzen verbunden: irn durfet niht mê
etwas haben sorgen (‚Ihr habt keinen Grund mehr euch zu
sorgen‘), suln hingegen bezieht sich auf ein
Maß/eine Norm, eine Verabredung oder eine
Absicht: nu sult ir slâfen (‚nun müsst / sollt ihr
Und dann wäre da noch die Präposition durch: schlafen‘)

So verlockend es scheint, mhd. durch mit nhd. ‚durch‘ gleichzusetzen, ist das doch in einer nicht unerheblichen Anzahl
der Fälle falsch! Mhd. durch kann zwar auch räumliche Bedeutung haben, bedeutet i.d.R. aber ‚wegen‘ bzw. ‚um … willen‘
und steht mit Genitiv: durch vorhte (‚aus Angst‘) oder durch got (‚um Gottes Willen‘) etc.
Zusammenfassung
Arten von Bedeutungsveränderungen (immer in diachroner Perspektive: Mhd. --> nhd.)

Bedeutungsverengung Bedeutungserweiterung: Bedeutungswandel:

mhd. vel > nhd. Fell mhd. ellend < nhd. elend mhd. juncvrouwe <> nhd. Jungfrau
mhd. hôchzît > nhd. Hochzeit mhd. urloup < nhd. Urlaub mhd. witz <> nhd. Witz

Daneben gibt es noch kaum bis gar nicht zu übersetzende Konzeptbegriffe wie minne und âventiure, die man am
besten als termini technici zunächst unübersetzt lässt, da es kein passendes nhd. Äquivalent gibt.

Am besten man schlägt also zunächst auch vertraut scheinende mhd. Wörter beim ersten Kontakt lieber erst
einmal nach, da es sonst leicht zu Missverständnissen kommen kann: So wird die Jungfrau Maria im Passional
(einer mhd. Legendensammlung) einmal wîse dirn genannt (dirn heißt mhd. zumeist etwa ‚Dienerin‘), die
Nibelungen leiden immer wieder an schrecklicher arbeit (‚Not‘) und der Ritter Erec in Hartmanns erstem
Artusroman (Erec) ist nicht nur guot, sondern auch bider(be) (‚rechtschaffen‘ / ‚tüchtig‘). Auch ist nicht jede
hôchzît, die Artus so gerne feiert, eine Hochzeit (meistens feiert er das Pfingstfest), dafür wäre aber wie gesagt
jede nhd. Hochzeit eine hôchzît.

Eine umfassende Liste gebräuchlicher Termini im höfischen Kontext findet sich im beigefügten Auszug aus dem
Weddige!
Aufgabe:

Überlegen Sie, welches nhd. Pendant zu dem jeweiligen mhd. Begriff passt und schlagen Sie das mhd. Wort dann im Lexer
oder im Weddige (siehe Material) nach. Wie hat sich die Bedeutung verändert? Die Auflösung finden Sie wieder schrittweise
auf den nächsten Folien, die erste Zeile dient als Beispiel.

mhd. Wort nhd. Pendant mhd. Bedeutung Änderung der Bedeutung


hôchzît Hochzeit(sfest) Fest (allg.), auch das Bedeutungsverengung: Das nhd. Wort meint nur ein
Hochzeitsfest bestimmtes Fest (Vermählung)
milte
triuwe
zuht
list

gast
Auflösung:

Angegeben ist jeweils das etymologisch verwandte nhd. Pendant sowie eine Auswahl aus dem Bedeutungsspektrum des
mhd. Begriffs. Die letzte Spalte bleibt letztlich Interpretationssache, denn gerade der Unterschied zum Bedeutungswandel ist
oft nur graduell zu bestimmen und nicht absolut. Wenn Sie hier mit guten Argumenten zu einem abweichenden Ergebnis
gekommen sind, ist dieses also nicht unbedingt falsch.
mhd. Wort nhd. Pendant mhd. Bedeutung Änderung der Bedeutung
hôchzît Hochzeit(sfest) Fest (allg.), auch das Bedeutungsverengung: Das nhd. Wort meint nur ein
Hochzeitsfest bestimmtes Fest (Vermählung)
milte Milde Freigiebigkeit (zumeist als Bedeutungswandel: Zumindest ist das Wort im Sinne einer ‚milden Gabe‘ und
Herrschertugend), Freundlichkeit
eines ‚Mildtäters‘ selten, wird eher als Gegenteil zu ‚stark‘ (etwa beim Kaffee) gebraucht

triuwe
zuht
list

gast
Auflösung:

Angegeben ist jeweils das etymologisch verwandte nhd. Pendant sowie eine Auswahl aus dem Bedeutungsspektrum des
mhd. Begriffs. Die letzte Spalte bleibt letztlich Interpretationssache, denn gerade der Unterschied zum Bedeutungswandel ist
oft nur graduell zu bestimmen und nicht absolut. Wenn Sie hier mit guten Argumenten zu einem abweichenden Ergebnis
gekommen sind, ist dieses also nicht unbedingt falsch.
mhd. Wort nhd. Pendant mhd. Bedeutung Änderung der Bedeutung
hôchzît Hochzeit(sfest) Fest (allg.), auch das Bedeutungsverengung: Das nhd. Wort meint nur ein
Hochzeitsfest bestimmtes Fest (Vermählung)
milte Milde Freigiebigkeit (zumeist als Bedeutungswandel: Zumindest ist das Wort im Sinne einer ‚milden Gabe‘ und
Herrschertugend), Freundlichkeit
eines ‚Mildtäters‘ selten, wird eher als Gegenteil zu ‚stark‘ (etwa beim Kaffee) gebraucht

triuwe Treue Vertragliches ggs. Bedeutungsverengung: der vertragliche Aspekt steht


Verhältnis, Versprechen; weniger im Vordergrund, ‚Feudalimplikationen‘ fehlen
impliziert u.a. Wahrheit, Aufrichtigkeit, Hilfe

zuht
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Angegeben ist jeweils das etymologisch verwandte nhd. Pendant sowie eine Auswahl aus dem Bedeutungsspektrum des
mhd. Begriffs. Die letzte Spalte bleibt letztlich Interpretationssache, denn gerade der Unterschied zum Bedeutungswandel ist
oft nur graduell zu bestimmen und nicht absolut. Wenn Sie hier mit guten Argumenten zu einem abweichenden Ergebnis
gekommen sind, ist dieses also nicht unbedingt falsch.
mhd. Wort nhd. Pendant mhd. Bedeutung Änderung der Bedeutung
hôchzît Hochzeit(sfest) Fest (allg.), auch das Bedeutungsverengung: Das nhd. Wort meint nur ein
Hochzeitsfest bestimmtes Fest (Vermählung)
milte Milde Freigiebigkeit (zumeist als Bedeutungswandel: Zumindest ist das Wort im Sinne einer ‚milden Gabe‘ und
Herrschertugend), Freundlichkeit
eines ‚Mildtäters‘ selten, wird eher als Gegenteil zu ‚stark‘ (etwa beim Kaffee) gebraucht

triuwe Treue Vertragliches ggs. Bedeutungsverengung: der vertragliche Aspekt steht


Verhältnis, Versprechen; weniger im Vordergrund, ‚Feudalimplikationen‘ fehlen
impliziert u.a. Wahrheit, Aufrichtigkeit, Hilfe

zuht Zucht Erziehung, Bildung, höf. Bedeutungswandel: Primär meint Zucht im Nhd. das
Manieren (Subst. zu Aufziehen von Tieren/Pflanzen, die alte Bedeutung lebt aber in
ziehen = ‚aufziehen‘) Phrasen wie ‚Zucht und Ordnung‘ fort

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Auflösung:

Angegeben ist jeweils das etymologisch verwandte nhd. Pendant sowie eine Auswahl aus dem Bedeutungsspektrum des
mhd. Begriffs. Die letzte Spalte bleibt letztlich Interpretationssache, denn gerade der Unterschied zum Bedeutungswandel ist
oft nur graduell zu bestimmen und nicht absolut. Wenn Sie hier mit guten Argumenten zu einem abweichenden Ergebnis
gekommen sind, ist dieses also nicht unbedingt falsch.
mhd. Wort nhd. Pendant mhd. Bedeutung Änderung der Bedeutung
hôchzît Hochzeit(sfest) Fest (allg.), auch das Bedeutungsverengung: Das nhd. Wort meint nur ein
Hochzeitsfest bestimmtes Fest (Vermählung)
milte Milde Freigiebigkeit (zumeist als Bedeutungswandel: Zumindest ist das Wort im Sinne einer ‚milden Gabe‘ und
Herrschertugend), Freundlichkeit
eines ‚Mildtäters‘ selten, wird eher als Gegenteil zu ‚stark‘ (etwa beim Kaffee) gebraucht

triuwe Treue Vertragliches ggs. Bedeutungsverengung: der vertragliche Aspekt steht


Verhältnis, Versprechen; weniger im Vordergrund, ‚Feudalimplikationen‘ fehlen
impliziert u.a. Wahrheit, Aufrichtigkeit, Hilfe

zuht Zucht Erziehung, Bildung, höf. Bedeutungswandel: Primär meint Zucht im Nhd. das
Manieren (Subst. zu Aufziehen von Tieren/Pflanzen, die alte Bedeutung lebt aber in
ziehen = ‚aufziehen‘) Phrasen wie ‚Zucht und Ordnung‘ fort

list List Klugheit, Kunst, Bedeutungsverengung: oftmals reduziert auf


Erfindung(sgabe) Täuschung, gelegentlich pejorativ (‚List und Tücke‘)
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Auflösung:

Angegeben ist jeweils das etymologisch verwandte nhd. Pendant sowie eine Auswahl aus dem Bedeutungsspektrum des
mhd. Begriffs. Die letzte Spalte bleibt letztlich Interpretationssache, denn gerade der Unterschied zum Bedeutungswandel ist
oft nur graduell zu bestimmen und nicht absolut. Wenn Sie hier mit guten Argumenten zu einem abweichenden Ergebnis
gekommen sind, ist dieses also nicht unbedingt falsch.
mhd. Wort nhd. Pendant mhd. Bedeutung Änderung der Bedeutung
hôchzît Hochzeit(sfest) Fest (allg.), auch das Bedeutungsverengung: Das nhd. Wort meint nur ein
Hochzeitsfest bestimmtes Fest (Vermählung)
milte Milde Freigiebigkeit (zumeist als Bedeutungswandel: Zumindest ist das Wort im Sinne einer ‚milden Gabe‘ und
Herrschertugend), Freundlichkeit
eines ‚Mildtäters‘ selten, wird eher als Gegenteil zu ‚stark‘ (etwa beim Kaffee) gebraucht

triuwe Treue Vertragliches ggs. Bedeutungsverengung: der vertragliche Aspekt steht


Verhältnis, Versprechen; weniger im Vordergrund, ‚Feudalimplikationen‘ fehlen
impliziert u.a. Wahrheit, Aufrichtigkeit, Hilfe

zuht Zucht Erziehung, Bildung, höf. Bedeutungswandel: Primär meint Zucht im Nhd. das
Manieren (Subst. zu Aufziehen von Tieren/Pflanzen, die alte Bedeutung lebt aber in
ziehen = ‚aufziehen‘) Phrasen wie ‚Zucht und Ordnung‘ fort

list List Klugheit, Kunst, Bedeutungsverengung: oftmals reduziert auf


Erfindung(sgabe) Täuschung, gelegentlich pejorativ (‚List und Tücke‘)
gast Gast Gast, Fremder, fremder Bedeutungsverengung: i.d.R. positiv(er) besetzt,
Krieger (willkommener) Besucher
Vielen Dank für’s Mitmachen!

Bei Fragen wenden Sie sich einfach an Ihre


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Wenn Sie noch etwas Muße haben (Lektionen aus dem Mainzer Onlinekurs Mittelhochdeutsch aktiv):

‚Rang und Stand‘ ‚Kampf und Turnier‘ ‚Die Dame‘

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