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Interkulturelle Kompetenzen

Wissen und
Erkennen

Reflektieren Handeln und


und Bewerten Gestalten

Vgl. KMK, 2013


KLP Musik SII, NRW
Fach Musik trägt „ im Rahmen der Entwicklung von Gestaltungskompetenz
zur kritischen Reflexion geschlechter- und kulturstereotyper Zuordnungen,
[…]und zur kulturellen Mitgestaltung bei. Darüber hinaus leistet [es] einen
Beitrag zur interkulturellen Verständigung […].“
„Vor dem Hintergrund des europäisch-abendländischen Kunstverständnisses
und im Hinblick auf interkulturelle Entwicklungen dient Musik […] auch der
Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit. Dazu steht jede Art von Musik
unterschiedlicher Zeiten und Kulturen zur Verfügung“
Fach Musik trägt dazu bei „den heranwachsenden Menschen zu befähigen,
[…] seine kulturelle Orientierung auszubauen.“
(KLP Musik SII, NRW, S.11)
Cultural Studies/ Tracks ‚n‘
Treks
Cultural Studies/ Politischer Kulturbegriff
• Erzeugung und Zirkulation von Bedeutungen in Gesellschaften
• Annahme, dass „Bedeutungen wie auch deren Erzeugung [...]
untrennbar mit der sozialen Struktur verbunden sind und sich nur
über diese Struktur und ihre Geschichte erklären lassen.
Entsprechend dazu wird die soziale Struktur von den Bedeutungen
aufrechterhalten, die die Kultur produziert [...]“ (Fiske, 2001, S.18).

Vgl. Geuen, Rappe 2015, S.292 f.


Zirkulation von Bedeutung

weist Bedeutung zu via

Kultur
Soziale
Kultur
Struktur
Kulturimmanente
Bedeutungszuweisungen festigen
Cultural Studies/ Politischer Kulturbegriff
• Erzeugung und Zirkulation von Bedeutungen in Gesellschaften
• Annahme, dass „Bedeutungen wie auch deren Erzeugung [...]
untrennbar mit der sozialen Struktur verbunden sind und sich nur über
diese Struktur und ihre Geschichte erklären lassen. Entsprechend dazu
wird die soziale Struktur von den Bedeutungen aufrechterhalten, die
die Kultur produziert [...]“ (Fiske, 2001, S.18)
• Diskursivität zwischen Forschendem und Inhalt
• Dekonstruktion dieser Zusammenhänge (Entschlüsselung von
„Lesarten“)
• Kritische Re-Konstruktion („Re-Writing“)
Cultural Studies/ Zirkulation von Bedeutung

weist Bedeutung zu via

Kultur
Soziale Kritik & Re-
Kultur
Struktur Writing

Kulturimmanente
Bedeutungszuweisungen festigen
Cultural Studies/ postcolonial turn
• Fokussierung auf die Auswirkungen des Kolonialismus
• Bei kapitalistischen Gesellschaften handelt es sich um geteilte
Gesellschaften (Unterteilungen wie Klasse, Ethnie, Geschlecht, Nation
mit unterschiedlichen Beziehungen/Interessen)
• Verstärkte Beschäftigung mit popkulturellen Phänomen wie
Popmusik als einem globalen Phänomen
Tracks ‚n‘ Treks (Johannes Ismaiel-Wendt)
Mit Popmusik postkoloniale Analyse betreiben:
• Artikulation glokaler Interessens- und Verständigungsgemeinschaften
mit und durch popmusikalische/kulturelle Praxen
• Dekonstruktion „vorgestellter Verortungen“
• Wahrnehmung der Aushandlungsprozesse zwischen
machtherhaltenden Repräsentationsformen und (möglichen)
widerständigen Strategien der (Zer-)Störung
• Eröffnung eines kritischen (Bildungs-)Potenzials in Bezug auf die
Kritik bestimmter Repräsentationslogiken (wie z.B. race, class, gender)
KLP Musik SII, NRW
Das Fach Musik trägt „ im Rahmen der Entwicklung von
Gestaltungskompetenz zur kritischen Reflexion geschlechter- und
kulturstereotyper Zuordnungen, […]und zur kulturellen Mitgestaltung
bei. Darüber hinaus leisten [es] einen Beitrag zur interkulturellen
Verständigung […].“

(KLP Musik SII, NRW, S.11)


TRX/ 4 Levels

1. audiotreks/audioscapes (subjektive Konstruktionen)

2. Spurensicherung (Erschließen des musikalischen Materials)

3. Performativen Räume („imaginierte Geografie(n)“)

4. Weltauslegungen/Weltaneignungen: mögliche „Lesarten“, Frage nach der Re-/De-


Konstruktion von (postkolonialen) Wirklichkeiten; Suche nach neuen Artikulationen
TRX/ Level 1 „audiotreks/audioscapes“
Erste subjektive, wahrnehmungsbezogene Annäherung an
die Musik

Mögliche Methoden:
1) unmittelbarer Zugang: die AwaduK-Methode
Beispiel: Assoziationen nach AwaduK zu „die
Forelle“ von Schubert/Schubart
TRX/ Level 1 „audiotreks/audioscapes“
Erste subjektive, wahrnehmungsbezogene Annäherung an
die Musik

Mögliche Methoden:
1) unmittelbarer Zugang: die AwaduK-Methode
2) Zugänge über Transformation: a) Hörwesen, b) Audioscapes, c)
Szenisches Spiel d) Bewegungsimprovisation, e) Bebilderung
3) Musikalisch-subjektives Erkunden des ‚Materials‘
Beispiel: Audioscape zu “die Forelle“ auf
Basis von AwaduK
TRX/ Level 1 „audiotreks/audioscapes“
Erste subjektive, wahrnehmungsbezogene Annäherung an
die Musik

Mögliche Methoden:
1) unmittelbarer Zugang: die AwaduK-Methode
2) Zugänge über Transformation: a) Hörwesen, b) Audioscapes, c)
Szenisches Spiel d) Bewegungsimprovisation, e) Bebilderung
3) Musikalisch-subjektives Erkunden des ‚Materials‘
TRX/ Level 2 „Spurensicherung“
Analyse der konkreten Gestaltung der Musik (+Text)
hinsichtlich möglicher Ursprünge für die subjektiven
Konstruktionen (Level 1)

• Analyse von: Parametern, SoundDesign, Studiotechnik,


Spielweisen, musikalischen Zeichen,…
• Enthaltene musikalische Modelle ‚erspielen‘
Bsp.: Level 2 ‚Elektroswing‘
Bsp.: Aufgabenstellung Level 2
Wo erkennt ihr Merkmale des (Elektro‐)Swing wieder, die ihr heute
kennengelernt habt?
An welchen Stellen ist der Originalsong zu hören? Wie wird er dort
verwendet?
Wie werden die Wechsel zwischen den einzelnen Parts musikalisch
gestaltet?
In welchem Verhältnis stehen die elektronischen und traditionellen
Klänge zueinander?
Welche rhythmischen Ebenen könnt ihr insgesamt in dem Stück
erkennen?
Bsp.: Ergebnis Level 2
TRX/ Level 3 „Performative Räume“
Untersuchung des Kontextes nach “Imaginierten Geographien“

• Namen & ‚Lyrics‘ der Stücke, musikalische Inszenierung, assoziierte


Texte, audiotreks/audioscapes, etc.
• Welche Materialien wurden rezipiert? Wie wird das ‚Fremde‘ und das
‚Eigene‘ vertont? Welche Art des transkulturellen Verstehens
offenbart sich im Rezeptions-/Kompositions-prozess? Gibt es
Verweise auf (Musik)Traditionen? Wie wird mit wessen
Hörgewohnheiten gespielt? …
Bsp.: Level 3 „Elektroswing“
Sozio-kulturelle
Kontexte
Interpret

Bezüge zum
Original und zu
dessen Kontext
“imaginierte
Geographien“
TRX/ Level 4 „Weltauslegung,
Weltaneignung und Wirklichkeiten“
Synchronisierte Analyse der Ergebnisse von Level 1-3 und Verarbeitung in einem
„kreativen Raum“

• Subjektive „Lesart(en)“
• kultureller Repräsentationen (race, gender, class,…)
=> Deckungsgleichheiten und Widersprüche?

Politische Dimension:
• kritisches Hinterfragen der konstruierten Wirklichkeit und
• alternative Vorgehens- bzw. Gestaltungsweisen finden
Bsp.: Level 4 „Elektroswing“
Bsp.: Level 4 „Lesarten formulieren“
TRX/ Level 4 „Weltauslegung,
Weltaneignung und Wirklichkeiten“
Transformation des Ausgangsmaterials entsprechend der subjektiven
‚Lesart‘, z.B.:
• Produktion einer Komposition oder Bearbeitung des Originals
• Szenische Interpretation (bspw. in Form einer Tanzperformance, Bsp.),
• Verfilmung (Gestaltung eines die Musik deutenden Films)
• Mediale Bricolage
• Gestaltung einer Radiosendung
• Kritisches Youtube-Erklärvideo
•…
Bsp.: Level 4 „mediale Bricolage“
Bsp.: Level 4 „Spielarten“
TRX/ Möglichkeiten für die Interkulturelle
Musikpädagogik

Irritation und Differenzierung


Interkulturelle Kulturstereotyper Zuordnungen
Beziehungen erkennen
(„Lesarten“)

Kulturelle Mitgestaltung
TRX-Studies Kompetenzbereiche

1. audiotreks/audioscapes

2. Spurensicherung
Rezeption

3. Performative Räume

4. Weltauslegungen/Weltaneignungen
Reflektion/
Produktion
Ideenpool Interkultureller Musikunterricht
Entwickelt nun 1-2 Unterrichtsideen zur eigenen Umsetzung von Interkultureller
Musikpädagogik. 
• Benennt Inhalt, Interkulturelles Ziel & Methodik
• Diese kann/können für euren in SU/AU oder aber auch für einen hypothetischem Kontext
adressiert sein
• Es kann sich sowohl um Entwürfe zu Einzelstunden, Arbeitsaufträgen, entsprechenden
Materialien aber auch um grobe Reihenentwürfe und konzeptionelle Überlegungen handeln.
• Hierbei könnt ihr euch gerne an den vorgestellten Pädagogischen Konzepten orientieren.
Materialien hierzu findet ihr auf Teams.
• Unabhängig von euren eigenen Ideen könnt/ dürft ihr auch die Materialien in Teams
(Lateinamerika) als Arbeitsgrundlage hierfür verwenden
Fragen, die euch hierbei unterstützen
können:
• Wie ist die (Inter- oder trans-)kulturelle Beschaffenheit meines Inhalts? Welche
Gruppierungen weisen ihm Bedeutsamkeit zu? Wie wird er verwendet? Wo gibt es
Klischees, kulturelle Verweise, etc.?
• Falls „fremder“ Inhalt: Wie schaffe ich eine Verbindung zu den S*S?
• Wie können komplexe kulturelle Inhalte (trotz didaktischen Reduzierung) vielfältig bzw.
authentisch dargestellt werden?
• Welche Stereotypen stehen dem ggf. im Weg und wie könnten diese irritiert werden?
• Wie kann ein Sprechen über die Inhalte bzw. den kulturellen Kontext sensibel und frei
von Rassismus gelingen? Wo liegen ggf. sensible Punkte?
• Bieten sich ggf. auch Meta-Aspekte (Umgang mit Kulturen, Kolonialismus, Rassismus,
etc.) zur Thematisierung an?
Diskussion
Impuls
Für die „Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit […] steht jede Art von
Musik unterschiedlicher Zeiten und Kulturen zur Verfügung”

KLP SII Musik, NRW


Musix 1
Migrationsbezüge
Kinder und
Jugendliche
Diskussionsimpuls
„Kann, darf oder sollte man Instrumentarium, Klang, Ablauf,
Funktionalität und Bedeutungszuweisung, kurz: alles, was die
musikalische Praxis einer Kultur ausmacht, auf die Verhältnisse im
Musikunterricht der allgemeinbildenden Schule zuschneiden und
verkürzen – oft bis zur Unkenntlichkeit? Ist dies ein Zeichen von
Respektlosigkeit der anderen Kultur gegenüber oder ein legitimes
Vorgehen in einer globalisierten Welt mit ohnehin transkulturell
verfassten Musikkulturen?“

(Barth, 2012, S. 83)


Abschlussreflexion
Nimm Dir kurz Zeit folgende Fragen schriftlich zu beantworten:
• Was habe ich heute (für meine Unterrichtspraxis) mitgenommen?
• Opt.: Was ist für mich der nächste Schritt im Hinblick auf
interkulturelle Themen in meinem Musikunterricht?
Vielen Dank! 
Quellen
Barth, Dorothee (2012): Was verbirgt sich im Trojanischen Pferd? Eine
Analyse von Unterrichtsmaterialien zur interkulturellen
Musikpädagogik. In: Anne Niessen und Andreas Lehmann-Wermser
(Hg.): Aspekte interkultureller Musikpädagogik. Ein Studienbuch.
Augsburg: Wißner (Musikpädagogik im Fokus, 2), S. 73–92.