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Tests und Assessments in der

Geriatrie
Lernziel

- Wissen warum die Anwendung von Tests und Assessments in der


Geriatrie notwendig ist
- Bewusstsein über mögliche Einflussfaktoren auf Testergebnisse
- Fachübergreifend Überblick über die wesentlichen Tests und
Assessments in der Geriatrie erhalten
- In der Lage sein Testergebnisse unter Berücksichtigung der
Einflussfaktoren interpretieren zu können
Assessments – wozu ?
Assessments dienen der Betrachtung des funktionellen Status in
bestimmten Bereichen (Mobilität, Kognition, Emotion,
Selbstständigkeit, etc.) mit dem Ziel der
• Feststellung des Behandlungsbedarfs
• Grundlage zur Zielfestlegung, Verlaufsdokumentation und
Zielüberprüfung
• Transparenz
• Rechtfertigung gegenüber Kostenträgern
Einflussfaktoren auf Testergebnisse

• Wahl des Assessments – Misst das Assessment das was es messen soll und ist es
für das Patientenklientel geeignet?
• Umfeldfaktoren – Stimmt das Erhebungssetting?
• Persönliche Faktoren des Patienten – Gibt es Nebenerkrankungen die das
Testergebnis beeinflussen könnten?
• Erhebungszeitraum/-punkt – Welchen Einfluss hat der Erhebungszeitraum/-
punkt auf das Testergebnis?
• Krankheitsstatus – Handelt es sich um eine akute, chronische oder progrediente
Erkrankung?
• Erfahrung des Therapeuten – Wie sicher ist der Therapeut in der Testauswahl
und der -erhebung und der Interpretation der Testergebnisse?
Tests und Assessments in der Geriatrie
Mini-Mental State Examination (MMSE), Folstein

- keine altersbezogene Normierung


- abhängig vom Alter und Bildungsstand
- geringe Sensitivität für leichte kognitive Beeinträchtigungen
- Limitierung durch körperliche Beeinträchtigung, wie gemindertes
Hör-/Sehvermögen, Arthrose oder andere Bewegungseinschränkungen der
Hände/Finger

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DemTect, Kessler

- Sensitivität für leichte kognitive Beeinträchtigungen höher als beim MMSE


- nicht empfohlen für Patienten <40 Jahre
- Testergebnis kann durch gemindertes Hörvermögen beeinträchtigt werden
- erfasst keine räumlich-konstruktiven Störungen

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Uhrentest, Watson/Shulmann

- Unterschiedliche Durchführungsvarianten mit unterschiedlicher Anforderung


- Unterschiedliche Auswertungsschemata und somit
unterschiedliche Ergebnisinterpretation!
- Ergebnisinterpretation nach reinem Punktwert wenig
Aussagekraft
- testet nur einen Teilbereich kognitiver Störungen
-> Empfehlung: Ergänzung zum MMSE oder
DemTect

Quelle Bild: www.neuro24.de

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Geriatrische Depressionsskala (GDS), Yesavage

- Bei Demenz nicht empfohlen!


- Ergebnisbeeinflussung durch Setting (Anwesenheit von Mitpatienten,
Angehörigen, etc.)
- Gefahr der Überinterpretation durch Missachtung des akuten Zustandes des
Patienten (Delir, veränderte Lebensumstände, starke Schmerzen, etc.)

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Mobilitätstests (Chair Rising, TUG, Tinetti)

- Ergebnisverzerrung durch fehlerhafte Durchführung


- Boden-/Deckeneffekte bei Missachtung des Leistungsniveaus des
Patienten
- Tinetti abhängig von der subjektiven Einschätzung/Erfahrung des
Therapeuten
20 Cents - Test
„Timed up and go“ für die Finger in Form des 20-Cents-
Tests. Psychometrische Gütekriterien eines einfachen
Feinmotorik-Performance-Tests.

Krupp, S. et al. (2015). Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, 48, 121-127.
20-C-Test
Testvorbereitung
-20 Ein-Cent-Münzen auf einer Arbeitsfläche mit Zeichenblockpapier
verteilen (Abstand der Münzen entspricht ca. ihrem Durchmesser)
-Verteilungsfläche und Arbeitshöhe darf individuell den Bedürfnissen des
Patienten angepasst werden
-Auffanggefäß (mindestens 8cm Durchmesser und höchstens 4cm
Randhöhe) wird hinter der Fläche mit den Münzen platziert
20-C-Test
Testdurchführung
-Auftrag: „Nehmen Sie bitte mit Ihrer rechten (bzw. linken) Hand jeweils nur
eine Münze mit den Fingerspitzen und legen sie in die Schale (nicht an den
Tischrand ziehen und dort abgreifen).“
-Demonstration durch Untersucher, kurzer Vortest durch Patient
-Erhebung beginnt mit der geschickteren Hand
-Untersucher darf die Münzen laut mitzählen
-Zeit wird in Sekunden erfasst und dokumentiert. Abbruch bei 60s
(dokumentiert wird die bis dahin erbrachte Anzahl an transportierten
Münzen)
-Einmalige Testwiederholung ggf. erlaubt. Gewertet wird der bessere Wert.
Kritik

- Gefahr der Ergebnisverzerrung durch fehlende Standardisierung bei


der Testdurchführung
-Händigkeit, Alter und Geschlecht zeigen keinen signifikanten Einfluss
auf das Testergebnis
-Einfluss des Ergebnis des Mini-Mental State Examination (MMSE)
signifikant nachgewiesen (p=0,004) -> Eignung für Patienten mit
leichter bis mäßig kognitiver Störung (MMSE 30-17 Punkte)
Quellen
Krupp, S. et al. (2015). „Timed up and go“ für die Finger in Form des 20-
Cents-Tests. Psychometrische Gütekriterien eines einfachen
Feinmotorik-Performance-Tests. Zeitschrift für Gerontologie und
Geriatrie, 48, 121-127.

http://www.kcgeriatrie.de/assessment_2.htm
https://www.testzentrale.de