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Vorlesung 5

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1. Schulsystem und Schulpflicht
2. Bildungsbereiche im Bildungssystem
3. Duale Berufsausbildung
4. Das Hochschulwesen

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In Deutschland gilt die Schulpflicht. Die große Mehrheit der Schulen in Deutschland wird vom Staat
betrieben. Die Kinder können diese Schulen daher kostenlos besuchen. Daneben stehen ihnen natürlich
private und internationale Schulen offen. Für die fallen allerdings Gebühren an.
Verantwortlich für die Schulpolitik sind die einzelnen Bundesländer. Je nach Region, in die die Familie
zieht, wird sie daher etwas unterschiedliche Schulsysteme vorfinden. Zum Beispiel lernen Kinder in den
einzelnen Bundesländern nicht immer das gleiche und benutzen zum Teil auch andere Schulbücher.
Zudem gibt es in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche Schultypen. Eine grobe Einteilung der
Schulen gilt jedoch in ganz Deutschland.
Es gibt aber alternative Schulformen, die meistens privat sind. Es können Demokratische Schule,
Waldorfschule, Montessori-Schule, Konfessionelle Schule, Internate usw. sein.
In einem Internat findet Lernen und Leben am selben Ort statt. Es gibt verschiedene Formen dieser
Schulen in Deutschland, am häufigsten sind dabei konfessionelle, sportliche und musikalische
Schwerpunkte. Das Leistungsangebot geht weit über den hinaus und umfasst eine breit gefächerte
Freizeitgestaltung. Die Bandbreite an Angeboten hat ihren Preis: Zwischen 1.000 und 3.000 Euro im
Monat kostet die Unterbringung in einem privaten Internat. Staatliche und konfessionelle Internate sind
etwas preiswerter.
Konfessionelle Schulen sind an eine Glaubensrichtung gebunden. In Deutschland sind das vor allem die
katholische und die evangelische Kirche. Das monatliche Schulgeld schwankt zwischen 30 und 140 Euro
je nach Schule.

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Das Bildungssystem in Deutschland kann in fünf Bildungsbereiche aufgegliedert werden
- Elementarbereich
Der Elementarbereich beschäftigt sich mit Kindern bis zum sechsten Lebensjahr. Dieser erste Bereich
des Bildungssystems enthält Betreuungs- und Bildungsangebote in Form von Kinderkrippen,
Kindergarten, Kindertagespflege sowie die Vorklassen an Grundschulen. Hierbei handelt es sich um
kein verpflichtendes Angebot. Dennoch zeigen die Zahlen, dass inzwischen über 90% der 3- bis 6-
Jährigen eine Kindertageseinrichtung besuchen.
- Primarbereich
Mit dem Inkrafttreten der Schulpflicht, treten auch die Kinder in den Primarbereich ein. In der Regel
ist dies der Bereich, in dem alle Kinder gemeinsam zur Schule gehen. Die Grundschule umfasst in den
meisten Bundesländern die Klassenstufen 1-4 (in einigen Bundesländern die Stufen 1 bis 6). Das Ende
dieses Abschnitts enthält die Schullaufbahnempfehlung. Hierbei werden Noten, Arbeits- und
Lernverhalten bewertet und eine Empfehlung für die weiterführende Schulform getroffen. Abhängig
vom Bundesland ist diese umstrittene Form der Bewertung verbindlich. Bei nicht Einhalten der
Schullaufbahnempfehlung werden in der weiterführenden Schule oft Aufnahmeprüfungen und
Probezeiten durchgeführt.
Sekundarbereich I
Der Sekundarbereich I enthält folgenden Schulformen
Hauptschule (Klasse 5-9/10)
Realschule (Klasse 5-10)
Gymnasium (Klasse 5-12/13)
Gesamtschulen (Klasse 5-12/13)
Während die ersten drei Schulformen jeweils nur eine bestimmte Art eines Schulabschlusses ermöglichen,
bieten Gesamtschulen die Möglichkeit, unter mehreren Abschlüssen zu wählen. Dabei gibt es zwei Arten von
Gesamtschulen; mit und ohne Gymnasialbildungsgang.
Das Ende des Sekundarbereichs I bildet ein allgemeinbildender Schulabschluss. Ein Zertifikat bescheinigt
erworbene Kenntnisse und Noten. Je nach Form des Abschlusses (Art der besuchten Schule) erhält der
Schüler die Berechtigung für bestimmte weitere Schulformen im Rahmen des Sekundarbereichs II.
Sekundarbereich II
Der Sekundarbereich II enthält die folgenden Schulformen
allgemeinbildende Vollzeitschulen
berufliche Vollzeitschulen
Berufsausbildung im dualen System
Die Möglichkeiten der Wahl zwischen diesen Schulformen ist abhängig vom erworbenen Schulabschluss im
Sekundarbereich I.
Für Absolventen der Hauptschule ist zumeist eine duale Berufsausbildung vorgesehen. Hierfür müssen sie
eine Lehrstelle in einem Betrieb finden. Gelingt ihnen dies nicht, sind sie, aufgrund der weiterhin
bestehenden Schulpflicht, verpflichtet eine berufsvorbereitende Maßnahme im Übergangssystem zu
absolvieren.

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Absolventen mit einem mittleren Schulabschluss stehen weit mehr Möglichkeiten offen. Je nach
Notenstand stehen ihnen alle drei Optionen zur Verfügung. Unter allgemeinbildenden
Vollzeitschulen versteht man auch die gymnasiale Oberstufe.
Im Sekundarbereich II können ebenso, abhängig vom im Sekundarbereich I erzielten Abschluss,
die allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife erworben werden. Die allgemeine
Hochschulreife wird auch Abitur genannt.
- Tertiärbereich
Der Tertiärbereich umfasst alle Universitäten und Hochschulen, die zu einem akademischen
Abschluss führen. Weiterhin sind dem tertiären Bereich auch alle Einrichtungen zuzurechnen, die
berufsqualifizierende Studiengänge anbieten. Darüber hinaus werden in diesem Bereich auch
Schulformen eingeordnet die zu einer beruflichen Weiterentwicklung verhelfen, wie zum Beispiel
Schulen des Gesundheitswesens. Hierfür ist eine entsprechende vorausgegangene Berufsausbildung
die Voraussetzung. Ebenfalls zum Tertiärbereich gezählt werden Kammern die zum Techniker oder
Meister weiterbilden. Durch einen Techniker- oder Meister-Abschluss wird zudem die
Hochschulreife erworben.

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In Deutschland gibt es eine besondere Art, einen Beruf zu lernen: die duale Berufsausbildung. Die
duale Ausbildung besteht aus viel praktischer Arbeit. Sie dauert meistens zwischen zwei und
dreieinhalb Jahre und hat zwei Phasen: Jede Woche sind Auszubildende einen oder zwei Tage oder in
längeren zusammenhängenden Blöcken in einer Berufsschule. Dort vermitteln ihnen Lehrerinnen und
Lehrer theoretisches Wissen. An den anderen Tagen sind sie dann in einem Unternehmen und wenden
dieses Wissen an, indem sie zum Beispiel an einer Maschine mitarbeiten. Außerdem sehen sie, wie das
Unternehmen funktioniert, was es macht und ob sie sich vorstellen können, dort später
weiterzuarbeiten.
Die Kombination aus Theorie und Praxis bereitet Auszubildende besonders gut auf das vor, was
Firmen von ihnen erwarten: nicht nur Fachwissen, sondern auch praktische Erfahrung darin, dieses
Wissen anzuwenden. Und bei den rund 325 anerkannten Ausbildungsgängen in Deutschland finden
auch sie sicher einen, der ihnen Spaß macht und ihren Talenten entspricht. Welcher genau das sein
könnte, können sie zum Beispiel auf einer der zahlreichen Ausbildungsmessen herausfinden, die
regelmäßig in verschiedenen deutschen Städten veranstaltet werden. Die duale Ausbildung bietet ihnen
sehr gute Chancen auf eine Stelle und ist deshalb besonders populär bei deutschen Schülerinnen und
Schülern: Rund zwei Drittel aller Jugendlichen, die die Schule verlassen, machen anschließend eine
Ausbildung. In Deutschland bekommen Auszubildende während der dualen Ausbildung jeden Monat
ein Gehalt von dem Unternehmen, bei dem sie arbeiten. Im Durchschnitt verdienen Auszubildende
aktuell 963 Euro brutto. Je nach Beruf und der Region, in der sie arbeiten, können sie mehr oder auch
weniger erhalten. Bei einer Ausbildung zur Mechatronikerin oder zum Mechatroniker beispielsweise
sind es durchschnittlich etwa 1.152 Euro brutto monatlich. Das Gehalt der Auszubildenden steigt
außerdem mit jedem Lehrjahr. Von diesem Geld wird ein Teil für Sozialversicherungen abgezogen.
Wenn sie mehr als 9.744 Euro im Jahr verdienen, müssen sie auch Steuern zahlen.
Das Hochschulwesen in Deutschland hat eine sehr alte Geschichte. Schon 1386 wurde auf dem deutschen
Boden die erste Universität (in Heidelberg) gegründet.
Alle Hochschulen der BRD sind – mit wenigen Ausnahmen – staatliche Einrichtungen der Länder. Der
Staat beteiligt sich an der Finanzierung des Hochschulbaus und der Hochschulforschung. Die
Hochschulen haben das Recht der Selbstverwaltung.
Das Studium an einer wissenschaftlichen Hochschule wird mit der Diplom-, Magister - oder
Staatsprüfung abgeschlossen. In den meisten Ländern der BRD verwalten die Studenten selbst ihre
Angelegenheiten. Dazu werden Studentenparlamente und Studentenausschüsse gewählt.
Die Hochschulausbildung wird in Deutschland von drei Arten von Hochschulen angeboten: Universitäten
(bieten das gesamte Spektrum akademischer Disziplinen an), Fachhochschulen (konzentrieren ihre
Studienangebote auf ingenieurwissenschaftliche und technische Fächer, wirtschaftswissenschaftliche
Fächer, Sozialarbeit und Design), Kunst- und Musikhochschulen (bieten
Studiengänge für künstlerische Tätigkeiten an).
Studium an deutschen Universitäten ist in Semester gegliedert. Das Wintersemester beginnt im
Allgemeinen im Oktober, das Sommersemester im April. Ein Semester dauert ein halbes Jahr,
Lehrveranstaltungen finden aber in der Regel nur während drei bis vier Monaten statt. Für jedes Semester
wird ein Vorlesungsverzeichnis publiziert. Sie können Ihren persönlichen Studienplan für ein Semester
zusammenstellen. Die deutschen Universitäten kennen kein Kurssystem.
Das Studium mit Diplomabschluss dauert in der Regel zehn bis elf Semester. Ein Studiengang ist in das
Grundstudium (mindestens 4 Semester) und das Hauptstudium eingeteilt. Die Studenten in Deutschland
bleiben aber im Durchschnitt dreizehn Semester an der Uni. Die Formen der Lehrveranstaltungen sind an
allen Universitäten die gleichen: Vorlesung, Übung, Seminar, Praktikum, Exkursion, Tutorium.
Die meisten Hochschultypen gehören zu den wissenschaftlichen Hochschulen. Solche Hochschulen legen
mehr Wert auf die Forschung. Sie umfassen Universitäten, Technische Universitäten, Technische
Hochschulen und Pädagogische Hochschulen. Das Studium an einer wissenschaftlichen Hochschule endet
mit dem Magisterdiplom und der Staatsprüfung. Ein weiterer Hochschultyp ist Fachschule. Die
Ausbildung orientiert sich hier stärker auf die spätere berufliche Tätigkeit der Studenten. In Deutschland
gibt es zudem rund 30 Fachhochschulen für die öffentliche Verwaltung des Bundes und der Länder, die für
die Laufbahn des gehobenen Dienstes ausbilden und nur von Beamten des Öffentlichen Dienstes besucht
werden können.
Künstlerische Hochschulen sind den Universitäten gleichgestellte Hochschulen, die eine Ausbildung in den
bildenden, gestalterischen und darstellenden Künsten sowie in musikalischen Fächern anbieten. Teilweise
gibt es dieses Angebot auch an den entsprechenden Fachbereichen bzw. Fakultäten von Universitäten.
Anzahl der Hochschulen in Deutschland in den Wintersemestern 2020/2021 nach Hochschulart
Fachhochschulen¹ 210
Universitäten 108
Kunsthochschulen 52
Verwaltungsfachhochschulen 30
Theologische Hochschulen 16
Pädagogische Hochschulen 6
Der Student kann sein Studium unterbrechen. Die Unterbrechung darf bis 5 Jahre dauern. Die Studenten
haben in Deutschland viele Probleme, z.B.: Geldmangel, Wohnungsprobleme u.a. Mehr als die Hälfte der
Studenten in den alten Bundesländern wohnt in einer Wohnung oder Wohngemeinschaft, 23% bei Eltern
oder Verwandten und nur 12% in Wohnheimen.
Die Hochschulabsolventen können ihre Weiterbildung im Laufe von zwei Jahren fortsetzen. Die begabten
Absolventen führen die wissenschaftliche Arbeit durch. Sie haben die Möglichkeit der Promotion zum
Doktor. Nach der Promotion erhalten sie den zweiten akademischen Grad.
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