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Vorlesung 4

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1. Deutschland auf der Welt
2. Das politische System
3. Politische Parteien
4. Massenorganisationen

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Die Bundesrepublik Deutschland ist seit ihrer Entstehung im Jahr 1949 ein demokratischer und sozialer
Bundesstaat. Der Staatsname Bundesrepublik Deutschland macht deutlich, dass Deutschland ein Staat
mit föderalistischer Struktur ist, in dem sich 16 Länder zu einem Bund zusammengeschlossen haben, was
man auch als Föderation bezeichnet.
Die Bundesrepublik Deutschland wurde seit ihrer Gründung zusammen mit Frankreich zu einem Motor
der europäischen Einigung. Der erste Schritt der Integration war die Gründung der Europäischen
Gemeinschaft für Kohle und Stahl (1951), deren vier weitere Gründungsmitglieder (außer der
Bundesrepublik und Frankreich) Italien, Belgien, die Niederlande und Luxemburg waren.
Dieser Prozess, zuerst auf dar wirtschaftlichen Ebene (die politische Integration sollte erst später
erfolgen), wurde durch die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) im Jahr 1957
fortgesetzt. Seit 1993 heißt die Gemeinschaft die Europäische Union (EU). Mit der Erweiterung der EU
auf 25 Staaten im Jahr 2014, für die sich Deutschland stark engagierte, sind die Folgen des Zweiten
Weltkrieges und die Zweiteilung Europas endgültig beseitigt.
Parallel zur wirtschaftlichen Integration verlief der Prozess der europäischen militärischen Integration.
1955 trat die Bundesrepublik dem Nordeuropäischen Bündnis (NATO) bei. Die neu gegründete
Bundeswehr wurde in die NATO-Strukturen integriert. Als die Bundesrepublik 1973 Vollmitglied der
Vereinten Nationen wurde, ist die Verantwortung für die Sicherung des Friedens und der Demokratie in
Europa und in der Welt größer geworden. Eine der wichtigsten Aufgaben der deutschen Außenpolitik
neben den Bemühungen um den Frieden und die Demokratie in der Welt ist der Umweltschutz.
Deutschland ist seit Jahren aktiv an der Verbreitung und Umsetzung internationaler Abkommen zum
Schutz der Umwelt beteiligt und exportiert moderne Umwelttechnologien, vor allem in die
Entwicklungsländer.
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Die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland ist das Grundgesetz, das am 24. Mai 1949 in
Kraft trat und als Provisorium geschaffen wurde. Doch es erwies sich als echte Verfassung und
als Grundelement politischer Stabilität. Seit dem Beitritt der DDR am 3. Oktober 1990 ist das
Grundgesetz die Verfassung des gesamten deutschen Volkes. Hier sind nicht nur die Bürgerrechte
festgelegt, sondern auch die Grundlagen der staatlichen Ordnung: Deutschland ist Republik und
Demokratie, Rechtsstaat, Sozialstaat und Bundesstaat, in dem sich die staatliche Gewalt zwischen
dem Bund und den 16 Ländern verteilt.
Der Bundestag ist das deutsche Parlament und das höchste gesetzgebende Organ, das auf 4 Jahre
gewählt wird. Seine Abgeordneten organisieren sich in Fraktionen und wählen aus ihrer Mitte
einen Präsidenten. Der Bundestag hat die Aufgabe, den Bundeskanzler zu wählen und ihn dann
durch Zustimmung zu seiner Politik im Amt zu halten.
Die zweite große Aufgabe der Abgeordneten im Bundestag ist die Gesetzgebung. Überwiegend
handelt es sich heutzutage um Gesetzesänderungen. Die meisten Entwürfe stammen von der
Bundesregierung. Ein kleinerer Teil wird aus dem Parlament oder vom Bundesrat eingebracht.
Der Bundesrat ist ein föderatives Organ des Bundes. Er setzt sich aus Mitgliedern der
Regierungen der Bundesländer zusammen, also aus Ministerpräsidenten und Ministern. Jedes
Land entsendet mindestens 3 Mitglieder (je nach seiner Einwohnerzahl). Der Bundesrat hat keine
festgesetzte Wahlperiode, seine Amtszeit hängt vom Ausgang der Wahlen zu den
Landesparlamenten (den Landtagen) ab.

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Der Bundespräsident ist Staatsoberhaupt der Bundesrepublik. Er wird von der
Bundesversammlung auf 5 Jahre gewählt. Die Bundesversammlung besteht aus den Mitgliedern
des Bundestages und einer gleichen Anzahl von Mitgliedern, die von den Landesparlamenten
gewählt werden. Der Bundespräsident schließt Verträge mit anderen Staaten, beglaubigt und
empfängt die Botschafter und die Gesandten. Zu seinen weiteren Funktionen gehört, dem
Bundestag einen Kandidaten für das Amt des Bundeskanzlers vorzuschlagen und den vom
Bundestag Gewählten zum Bundeskanzler zu ernennen. Er vertritt das Land nach außen und
ernennt die Regierungsmitglieder, die Richter und die hohen Beamten. Mit seiner Unterschrift setzt
er die Gesetze in Kraft. Er entlässt die Regierung und darf, wie im Sommer 2005 geschehen, das
Parlament in Ausnahmefällen vorzeitig auflösen. Ein Vetorecht gesteht das Grundgesetz dem
Bundespräsidenten nicht zu. Der Bundespräsident bestätigt zwar die parlamentarischen Beschlüsse
und die Personalvorschläge der Regierung. Aber er prüft nur ihr korrektes Zustandekommen nach
den Vorschriften des Grundgesetzes. Der Bundespräsident übt sein Amt über eine Periode von
fünf Jahren aus; er kann für eine weitere Periode wiedergewählt werden.
Einen aktiven Einfluss auf die politische Entscheidung hat der Bundespräsident jedoch nicht. Alle
seine Maßnahmen müssen vom Bundeskanzler oder von dem zuständigen Minister
gegengezeichnet werden.
Die Bundesregierung ist ein Vollzugsorgan. Sie besteht aus dem Bundeskanzler und den
Bundesministern und wird in der Regel von einer Partei gebildet, die absolute Mehrheit im
Bundestag hat. Wenn keine Partei die absolute Mehrheit besitzt, wird eine Koalitionsregierung aus
zwei oder mehr Parteien gebildet, die sich auf eine parlamentarische Mehrheit stützen kann. Der
Chef der Bundesregierung, der Bundeskanzler, wird von der stärksten Partei der Koalition gestellt.

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Der Bundeskanzler ist das einzige gewählte Mitglied der Bundesregierung. Die Verfassung räumt ihm
das Recht ein, selbst die Minister als die Leiter der wichtigsten politischen Behörden auszuwählen. Der
Kanzler bestimmt ferner die Anzahl der Ministerien und er legt deren Zuständigkeiten fest. Er besitzt die
Richtlinienkompetenz. Sie umschreibt das Recht des Kanzlers, verbindlich die Schwerpunkte der
Regierungstätigkeit vorzuschreiben. Mit diesen Befugnissen besitzt der Bundeskanzler ein Arsenal von
Führungsinstrumenten, das dem Vergleich mit der Regierungsmacht der Präsidenten in präsidialen
Demokratien standhält.
Bisherige Bundeskanzler waren:
Konrad Adenauer (CDU), 1949-1963
Ludwig Erhard (CDU), 1963-1966
Kurt Georg Kiesinger (CDU), 1966-1969
Willy Brandt (SPD), 1969-1974
Helmut Schmidt (SPD), 1974-1982
Helmut Kohl (CDU), 1982-1998
Gerhard Schröder (SPD), 1998-2005
Angela Merkel (CDU), 2005-2021
Auf den örtlichen Ebenen gibt es wie auf der Bundesebene beschließende und ausführende Organe.
Entsprechend der verwaltungsmäßigen Gliederung bestehen in der Bundesrepublik folgende örtliche
beschließende Organe (Parlamente):
im Bundesland - der Landtag (in den Städten Bremen und Hamburg - die Bürgerschaft), im Kreis - der
Kreistag, in der Gemeinde - die Gemeindevertretung.
Die entsprechenden ausführenden Organe auf diesen Ebenen heißen die Landesregierung (in Bremen,
Berlin und Hamburg - der Senat), der Kreisausschuß und der Gemeindevorstand. Die Leiter der
ausführenden Organe heißen meist Bürgermeister. In einigen Ländern jedoch Gemeindedirektor,
Stadtdirektor (in Städten).
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Die Christlich-Demokratische Union (CDU) - gegründet 1950 - ist eine konservative Partei. Sie
vertritt die Interessen des Monopolkapitals und des militärisch-industriellen Komplexes der BRD:
Sie wird durch die Kirche, vor allem die Katholische, unterstützt. Soziale Basis: Unternehmer,
Großbeamtenschaft, wohlhabende Bauern und Handwerker, ein Teil der religiös gestimmten
Arbeiter. Die CDU zählt 740 000 Mitglieder (1986).
Die Christlich-Soziale Union (CSU)-wurde 1945 gegründet. Die Union existiert nur im Bundesland
Bayern. Formell ist sie eine selbständige Partei, wirkt jedoch in enger Koalition mit der CDU und
bildet mit ihr eine gemeinsame Fraktion im Bundestag. Die CSU nimmt äußerst rechte,
nationalistische Haltung ein und vertritt extrem reaktionäre Monopolgruppen, insbesondere in der
Rüstungsindustrie, sowie den bayrischen Flügel des konservativen Klerus. Die CSU zählt über 183
000 Mitglieder (1986). Am 2. Dezember 1990 haben CDU/ CSU 43,8% Stimmen gewonnen.
Die Freie Demokratische Partei (FDP) - gegründet 1948 - ist eine liberale bürgerliche Partei. Ihre
Mitgliederzahl beträgt etwa 80 000 (1986). Sie vertritt die Interessen der mittleren und kleinen
Unternehmer, Angestellten, der wohlhabenden Schicht der Intelligenz, eines Teils der Bauernschaft
und Handwerker. Die FDP tritt für die Durchführung "gescheiter" Innenreformen und "bilanzieller"
Außenpolitik auf.
Im Herbst 1982 vollzog sich die Spaltung der Partei. Da die Leitung der FDP einen Kurs auf
Annäherung mit dem Block konservativer Parteien CDU/CSU nahm, traten die Vertreter des linken
Flügels aus der FDP aus und bildeten eine neue Partei "Liberale Demokraten". In den
gesamtdeutschen Wahlen hat die FDP 11% Stimmen bekommen.

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Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) - gegründet 1869 - ist eine der zahlreichsten
Parteien der BRD. Sie zählt etwa 1 Million Mitglieder (1986). Unter ihrem Einfluss ist ein
bedeutender Teil der Arbeiter sowie ein Teil der Intelligenz und Kleineigentümer. Entstanden als
revolutionäre Partei der Arbeiterklasse, verwandelte sich die SPD in eine "Volkspartei". Nach dem
Übergang der SPD zur Opposition gingen in der Politik der Partei gewisse Veränderungen vor.
Die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) - stand auf den Positionen des proletarischen
Internationalismus, der brüderlichen Freundschaft. Die DKP tritt für die Aktionseinheit der
Arbeiterklasse, für die Zusammenarbeit der Kommunisten, Sozialdemokraten und aller
demokratischen Kräfte des Landes ein. Als Zentralorgan der DKP erscheint die Zeitung "Unsere Zeit"
(UZ).
Die Partei der "Grünen" - wurde im März 1980 infolge der Vereinigung einer Reihe von für den
Umweltschutz auftretenden politischen Gruppierungen und Organisationen gegründet. Die Partei der
Grünen kämpft für das kern-, Chemie- und bakteriologiewaffenfreie Europa, für die Reduzierung der
Rüstungen, gegen die Stationierung der amerikanischen Kernraketen auf dem Territorium der BRD
sowie gegen Revanchismus und Neonazismus.
Durch die aktive Beteiligung an der Antikriegsbewegung genoss die Partei der Grünen Autorität unter
den breiten Schichten der Bevölkerung des Landes, insbesondere unter der Jugend.

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Der deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) ist die größte und einflussreichste Gewerkschaftsorganisation
in der BRD. Sie vereinigt 17 Industriegewerkschaften und zählt etwa 10 Millionen Mitglieder.
Die bedeutendsten demokratischen Organisationen in der BRD sind: die Deutsche
Friedensgesellschaft-Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFK-VK), die Vereinigung der Verfolgten des
Naziregimes und der Antifaschisten (VVA-DdA).
Jugend- und Kinderorganisationen. 1968 wurde in der BRD eine legale marxistische
Jugendorganisation Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) und 1971 Marxistischer
Studentenbund "Spartakus" (MSB Spartakus) gegründet. Sie sind eng mit der Deutschen
Kommunistischen Partei verbunden.
Die SDAJ vereinigt über 35 000 Jungen und Mädchen. Marxistischer Studentenbund "Spartakus" ist
eine Organisation von Studenten an Universitäten und Hochschulen der BRD. Sie kämpft an der Seite
der Arbeiterklasse und der DKP gegen die Monopole, für demokratische Umgestaltung der
Hochschulen. Sie nimmt aktiv an verschiedenen Kampfaktionen, Streiks, Protestmärschen teil, führt
aktive Antikriegspropaganda in der Bundeswehr durch. Ihre Losung ist: "Wer für die Zukunft der
Jugend kämpfen will, muss gegen Militarismus und Krieg kämpfen".
Unter dem direkten Einfluss der SPD wirken in der BRD mehrere Jugendorganisationen, darunter
Jungsozialisten (Jusos), deren Zahl über 220 000 beträgt. Die Jungsozialisten verurteilen die USA-
Hochrüstungspolitik, fordern den Stopp der Stationierung und den Abzug der amerikanischen
Erstschlagwaffen aus der BRD. Sie treten für die Erweiterung der Kontakte zwischen den
Jugendorganisationen der BRD und der Welt auf.

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