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Klima in Norddeutschland -

der Zeithorizont 1800-2100

Hans von Storch;


Institut für Küstenforschung, GKSS
Forschungszentrum, Geesthacht; und
KlimaCampus, Universität Hamburg

Klimawandel – globale Herausforderung des 21. Jahrhunderts


Osnabrück 30.Mai 2008
Küstenforschung
GKSS, Geesthacht
• Beschreibung und Bewertung von gegenwärtigem Klima
und Klimawandel im Küstenraum.
• Ableitung von Szenarien des möglichen zukünftigen
Klimawandels im Küstenraum.
• Besonderes Augenmerk: Windbezogene Aspekte, also
Windkraft, Sturmfluten und Seegang.
• Vor allem: Nord- und Ostsee.
• Klima ist die Statistik des Wetters, nicht
“durchschnittliches Wetter” (gibt’s nicht).
• Alle „Wetter“variablen - in Atmosphäre,
Ozean und anderen Klimakomponenten.
• Besonderes Interesse: Variablen und
Kennstatistiken mit Bedeutung für
Gesellschaft.
• Küsten: Wind, Seegang, Wasserstand, und
deren Extreme.
Naturwissenschaftliche Einschätzung des
menschgemachten Klimawandels – global

• Das Klima ist veränderlich; es wirken natürliche Faktoren


und menschgemachte Faktoren
• Der wichtigste menschgemachte Faktor ist die erhöhte
Gegenwart von strahlungsaktiven Gasen, den so genannten
Treibhausgasen, in der Atmosphäre. Diese Treibhausgase
werden durch vielfältige menschliche Aktivität freigesetzt
und nur langsam wieder aus der Atmosphäre entfernt.
• Erhöhte Konzentrationen von Treibhausgasen in der
Atmosphäre führen zu einer Erwärmung. Neben der
Wirkung auf die Temperatur und unmittelbar damit
zusammenhängenden Eigenschaften sind die
Veränderungen anderer Klimavariablen räumlich
uneinheitlich.
Einschätzung:
Globale Erwärmung real?

Die Klimaforschungs-
Gemeinschaft ist
sehr weitgehend
davon überzeugt,
dass die derzeitig
beobachteten
Veränderungen des
Klimas weitgehend
(ca. 2/3) auf den
menschlichen
Einfluss zurück geht.

Umfragen von dennis Bray, GKSS Report 2007


Naturwissenschaftliche Einschätzung des
menschgemachten Klimawandels – global

• Die Ansichten darüber, inwieweit wir derzeit


verstärkte oder vermehrte Extremereignisse (also
etwa Windstürme, Starkniederschläge) sehen, ist
gespalten.
• Beschreibungen der Zukunft sind keine
Vorhersagen, sondern alternative Szenarien, deren
Wahrscheinlichkeit nicht angegeben werden kann.
Sie sind keine Vorhersagen sondern hängen davon
ab, wie sich die Emissionen zukünftig entwickeln.
Sie stimmen jedoch alle darin überein, dass die
Temperaturen und die mittleren Wasserstände
steigen.
“SRES” Scenarios
SRES = IPCC Special Report on Emissions Scenarios
Naturwissenschaftliche Einschätzung des
menschgemachten Klimawandels – regional

• Das Wissen über regionale zukünftig mögliche Details


des Klimawandels ist noch nicht robust.
• Der Nachweis für menschliche Einflüsse auf die
Entwicklung bisheriger regionaler (und lokaler)
Klimazustände ist nicht erbracht, ist aber im Lichte
eines solchen Nachweises für globale/kontinentale
Temperaturen und Wasserstände plausibel.
Regionale Entwicklung der Temperatur und
Sturmtätigkeit

Temperaturen in
Norddeutschland sind in
den letzten Jahrzehnten
gestiegen.
Sturmtätigkeit hat von
Jahrzehnt zu Jahrzehnt
geschwankt, aber auf
längere Sicht fast
unverändert seit 1800.

Lund und Stockholm


Zeitreihe der Niederschlagshöhe im Jahresmittel
für das Gebietsmittel von Deutschland
http://www.dmi.dk/dmi/index/viden/klimaet_indtil_nu.htm
Wasserstand in der Nordsee

Derzeitige Wasserstandsschwankungen – Jahresmittel der


Veränderungen des Tidenhochwasser und jährliches 99%-til der
mittleren Tidenhochwässer relativ zum Jahresmittel
Wasserstands in der
Nordsee unklar, da
lokale
Wasserstandsreihen
von verschiedenen
nichtklimatischen
Faktoren abhängen
Case of German Bight

Fast alle Pegel längs der


Nord- und Ostseeküste
zeigen nicht-klimaitische
Veränderungen –
abgesehen von Norderny,
wo die Forschungsstelle
Küste “wacht”.
In Norderney steigen
THW und TNW monoton an Coastal gauges
Island gauges
um 0.26 mm/a bzw. 0.13
mm/a, so dass der mittlere
Meeresspiegel in der
südlichen Nordsee um ca.
2mm/a – unverändert seit
dem Ende des 19
jahrhunderts. H.-D. Niemeyer, Norderney, pers. Mitt.
Case of German Bight

1958-2002 Trends in 50%iles

meteorologisch bedingten
Wasserstandsperzentilen (50%
und 90%)
1958-2002
Modellabschätzung

Weisse & Plüß, 2005


90%iles
Sturmfluten in der Elbe
Vergangenheit

Differenz Scheitelhöhen
Hamburg - Cuxhaven

Sturmfluten in der Elbe


deutlich erhöht seit 1962 –
aufgrund wasserbaulicher
Maßnahmen, vor allem wegen
der Verkürzung der Deichlinie
Szenarien …
… sind plausible, in sich konsistente Beschreibungen von
möglichen, nicht notwendigerweise wahrscheinlichen
Zukünften.
… sind zwar keine Vorhersagen, aber ermöglichen,
Optionen für die Zukunft zu erforschen, sind also ein
wesentliches Planungsinstrument.
Szenarien für
die Veränder-
ungen der
regionalen
Temperatur in
2070-2100.
Sommer

(BACC Report, 2008)


Szenarein für
die Veränder-
ungen des
regionalen
Niederschlags
in 2070-2100.
Sommer

(BACC Report, 2008)


Szenarien für Norddeutschland

Szenarien für Norddeutschland (gerundet):


2030: Temperaturen +1 ±0.4 Grad; Starkwind +2%±1% (Winter);
Niederschlag –10% Sommer, +10% Winter (±5%);
2085: Temperaturen +3 ±1.2 Grad; Starkwind +8%±4%; (Winter)
Niederschlag –30% Sommer, +30% Winter (±10%);
Derzeitige und erwartete Trends:
Winterniederschlagssummen

Δ=0.05%
Derzeitige und erwartete Trends:
mittlere Sommertemperaturen
Naturwissenschaftliche Einschätzung des
menschgemachten Klimawandels – regional

Die Veränderungen des regionalen Klimas in den


letzten Jahrzehnten ist nur teilweise konsistent mit
der Erwartungen der Szenarienrechnungen.
So war die Änderung des winterlichen Niederschlages
im erweiterten Ostseeraum seit etwa 1975 ca. 2-3 mal
so groß wie von den Szenarienrechnungen für diesen
Zeitraum als plausibel angesehen.
Die eingetretenen und erwarteten
Temperaturänderungen sind jedoch konsistent.
A2 - CTL: changes in 99 % - iles of wind speed (6 hourly, DJF): west wind
sector selected (247.5 to 292.5 deg)
HIRHAM RCAO

Scenarios for 2085


Δ wind effect, 99.5%-ile [m],
”Lokalisierung” Ensemble
A2, B2 SRES

Veränderung der winterlichen 99.5%ile


der meteorologisch bedingten
Dagebüll
Wasserstandsschwankungen in 2085 Husum
(6 stündige Werte)
Δ wind effect, 99.5%-ile [cm] +increase MSL

low_res

high_res

max

high_res
mean
Abschätzung mit einem
0% min
Regressionsmodell, das an
low_res + ca. 1

Angenommer Anstieg mit einen Hindcast


mittleren meerespiegel in
2085: 30 cm
angepasst wurde.
Woth, pers. comm.
Klimawandel in Norddeutschland

Vergangenheit, Gegenwart:
- Erwärmung (ca. 1.5 Grad seit 1880)
- Vermutlich Erhöhung der Niederschläge
- Wasserstand steigt unbeschleunigt (ca. 2mm /a)

Zukunft/Szenarien
- Temperaturen werden weiter ansteigen. + 1 Grad bis 2030, + 3
Grad bis 2085 plausibel
- winterlicher Niederschlag ansteigend, sommerlicher sinkt
- Starkwinden steigen etwas an
- Wasserstand steigt weiter an; Sturmfluten ebenso. (in 2030 + 20
cm, in 2085 + 70 cm plausibel.)
Norddeutsches Klimabüro@GKSS/CLISAP

Das Norddeutsche Klimabüro ist eingerichtet worden, um eine


sachbezogene Kommunikation zwischen regionalen Entscheidern und
regionaler Öffentlichkeit sowie der Klimawissenschaft herzustellen,
d.h.
• der Wissenschaft ermöglichen zu verstehen, welche Fragen und
Sorgen Öffentlichkeit und Entscheider beschäftigen,
• Öffentlichkeit und Entscheidern zu helfen zu verstehen, welche
Aussagen die Wissenschaft tatsächlich machen kann und in welchen
Grenzen diese gelten.

Typische Kommunikationspartner: Küstenschutz, Landwirtschaft,


Off-Shore, Tourismus, Wasserwirtschaft, Fischerei, Stadtplanung.
Insa.Meinke@gkss.de
Weitere Klimabüros bei der HGF: Bremerhaven, Karlsruhe, Leipzig

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