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IMC-FH KREMS

Masterstudienlehrgang Umwelt-
und Nachhaltigkeitsmanagement
UNM

Modul Ökologische Grundlagen 1


ÖGL1 – Mag. Eva Winzely

Vorlesung Angewandte Ökologie


AÖK 1
Inhalt

• Vorstellung
• Eva Winzely
• Studierende  eintragen in Registerkarte „Vorkenntnisse –
bisheriges Studium.“

• Überblick über Modul bzw. VO-Inhalte


• Ausgangssituation
• Grober Fahrplan, Inhalte der Vorlesungen

• Vereinbarungen für die Zusammenarbeit


„teaching concept“: Vortrag (viele Grundlagen), Gruppenarbeiten mit kurzen Präsis, Diskussionen zu Texten und
Forschungsarbeiten (Filme) in Arbeitsgruppen und im Plenum, Lesen bzw Recherchieren von Texten zw. den
einzelnen Sessions. Erklären / Interpretieren von Grafiken, Tabellen– wir werden viele Diagramme sehen.
WS 2012/2013 Angewandte Ökologie 2
Zwecks Internationalität von Lehre und Forschung (IMC): viele Beispiele für ökolog Forschung auch aus USA
2
(nicht nur Europa)
Überblick über Modul bzw. VO-Inhalte

VO Angewandte Ökologie AÖK


Verständnis und Überblick über ökologische Grundlagen (!)
• ökologische Grundbegriffe (z.B. Ökologie, Biozönose, Biotop,
Ökosystem, Nische, Gilde, Biodiversität, etc.)
• Strukturierung/Gliederung der Ökologie
• Überblick über wesentliche abiotische Faktoren (physikal.
Faktoren, Mineral-/Nährstoffe, „Schad“stoffe, etc.) und deren
Bedeutung für die belebte Natur
• Kenntnis und Verständnis von Zusammenhängen zwischen
unbelebter und belebter Natur auf Ebene
• der Organismen (Autökologie), der Lebensgemeinschaften
(Populationsökologie) und der Ökosysteme (Synökologie)
• Überblick über die Lebensräume der Welt, deren abiot. und
biot. Charakteristika
Angewandte Ökologie 3
Überblick über Modul bzw. VO-Inhalte

VO Ökologische Kreisläufe ÖKR


Verständnis und Überblick über ökologisch relevante Kreisläufe
• Makroklima und regionale Besonderheiten
• weltweite Kreisläufe
Energie (Strahlung, Temperatur, etc.)
Wasser
Nährstoffe, Mineralstoffe (Kohlenstoff, Stickstoff, Phosphor, Schwefel)
„Schad“stoffe (in Wasser, Luft, Boden, etc.)
etc.
• Stoffkreisläufe innerhalb v. Ökosystemen und Energieflüsse
(Nahrungsketten, Nahrungsnetze)
• Einflüsse des Menschen auf die Natur UND Einflüsse der Natur auf
den Menschen
Bioressourcen (Land-, Forst-, Wasserwirtschaft, Fischerei, etc.);
Emissionen/Immissionen
WS 2012/2013 (Luft,
Angewandte Wasser, etc.)
Ökologie 4
4
Überblick über Modul bzw. VO-Inhalte

Ziele:
Verständnis für ökologische
Zusammenhänge und Auswirkungen von
unterschiedlichen Maßnahmen,
Handlungen, Entwicklungen
entwickeln/erreichen
Die Ökologie als Grundlage für politische
Entscheidungen, welche den Menschen in
seiner Umwelt betreffen, erkennen und
verstehen.
Die großen globalen Themen in die
Geschichte der Menschheit, der Erde und
 Systemisches Verständnis für ökologische
Angewandte Ökologie Prozesse und
des Universums einordnen können.
Zusammenhänge 5
Literatur
wenn mehr Interesse
Literatur vorhanden bzw. geweckt wird 
www, Bücher…
bewusst gering gehalten  nur 2
Bücher
für „Grundlagen der Ökologie“
ausreichend
leichteres Nacharbeiten der VO

WS 2012/2013 Angewandte Ökologie 6


6
Der Begriff Ökologie ist alt

Ernst Haeckel 1866


Oikos (griech.): Haus
• Beziehung der Organismen
- zur umgebenden Außenwelt
- teils organischer, teils anorganischer Natur
heute
• Interaktionen zwischen Organismen (Individuen,
Populationen, Lebensgemeinschaften)
• abiotische und biotische Umwelt
• Energie-, Stoff- und Informationsfluss
Naturwissenschaft
WS 2012/2013 primär nicht auf 7Mensch
Angewandte Ökologie
7
bezogen!
Was ist Ökologie?

• Townsend, Begon & Harper 2009


• „Wissenschaft von der Verbreitung
und der Häufigkeit (Abundanz) von
Organismen und den Interaktionen,
welche die Verbreitung und
Abundanz bestimmen“ (Townsend,
Begon & Harper 2009)

• Ökologie darf von sich behaupten,


die älteste Wissenschaft überhaupt
zu sein
WS 2012/2013 Angewandte Ökologie 8
8
Ökologie = Beziehungskiste

Definition von ÖKOLOGIE (ecology)

• aus Matthias Schäfer, „Wörterbuch der


Ökologie“ 2012: Wissenschaft von den
Beziehungen der Organismen
untereinander und mit ihrer Umwelt.
Der Begriff wurde 1866 als „Lehre von den
Bedingungen des Kampfes ums Dasein, vom
Haushalt der Natur“ geprägt. Je nach dem
Ausgangspunkt der Betrachtung
unterscheidet man …

9
Ökologie = Beziehungskiste

Definition von ÖKOLOGIE (ecology)

-Autökologie Quelle: http://neubecks.de/wp-content/uploads/2013/06/oekologie_bereiche.jpg

(Einzelorganismus/Individuum oder
Art als Grundeinheit)
-Populationsökologie (Pop als GE)
-Synökologie (Lebensgemeinschaft
als GE)

Die Synökologie führt letzten


Endes zur Lehre vom
„Gesamthaushalt“ der Natur
(Ökosystemforschung)
 älteste Wissenschaft  10
Ökologie = Beziehungskiste
Definition von ÖKOLOGIE (ecology)

Wegen ihrer Vielseitigkeit zerfällt die Ökologie in Teildisziplinen:

- nach den Großlebensräumen in terrestrische Ökologie,


Limnologie, Ozeanographie
oder
- nach Organismengruppen (z.B. Parasitologie, Pflanzensoziologie,
etc.)
oder
- nach der vorherrschenden Methodik in deskriptive Ö,
experimentelle Ö und molekulare Ökologie.
11
Gliederung/Ebenen der Ökologie

• Autökologie: Organismen, Arten  Umwelt


• Populationsökologie: Interaktionen v. Organismen in
(Meta-)Populationen
• Synökologie: Wechselwirkungen zwischen Arten, A
Lebensgemeinschaften innerhalb eines ÖS (community Ö
ecology, ecosystem ecology) K
• Landschaftsökologie (landscape ecology): &
Ö
Großlebensräume und Landschaften
K
• Makroökologie: überregionale Betrachtungen (Klima, R
etc.) keine Versuche möglich  statistische
Auswertungen von Langzeitmessungen, … (z.B. KW)
mit jeder höheren Ebene sind neue Eigenschaften
möglich → emergente Eigenschaften (vgl.: das Auge)

WS 2012/2013 Angewandte Ökologie 12


12
Bereiche/Disziplinen der Ökologie

Chemie Genetik
Waldökologie
Terrestrische
Ökologie
Physik Bodenökologie Hydrologie

Vegetationsökologie
Mikrobiologie

… Ethologie

Klimatologie
Aquatische Limnologie
Ökologie

Taxonomie Meeresökologie

WS 2012/2013 … 13
13
Ökologie?

• „Gute“ Fragen, die im


Laufe des Semesters Meine
eine Antwort finden gute
sollen! Frage
 10 Min.
 Schreiben Sie Ihre „gute
Frage“ bitte in das
gemeinsame Dokument in die
Registerkarte „Bearbeiten 14
Ein paar Grundbegriffe

• Biotop = Habitat: Lebensraum


Summe der unbelebten Umweltfaktoren (Wasser, Luft, Temperatur,
Salinität, …); ~ Lebensraum einer Biozönose

• Biozönose: Lebensgemeinschaft
Summer aller belebten Umweltfaktoren = alle Organismen, die in
einem abgegrenzten Gebiet (Biotop) gemeinsam vorkommen und
dort in Wechselwirkung treten können (Darmparasiten einer Maus  alle
Org. in mitteleuropäischen Buchenwäldern).
• Phytozönose: Pflanzengesellschaft
• Zoozönose: tierische Lebensgemeinschaft

• Ökosystem = Biotop + Biozönose

• Biosphäre (Ökosphäre) = Gesamtheit


WS 2012/2013 Angewandte Ökologie der Ökosysteme
15 der Erde = der
von Lebewesen bewohnte Teil der Erde 15
Ein paar Grundbegriffe
Grafik aus: www.foodwatch.org

Mehr als zwei Drittel der Erdoberfläche sind mit


Wasser bedeckt. In dieser Hydrosphäre liegt
der Ursprung des Lebens.
Zur Hydrosphäre: Mikroorganismen findet man in diesem
Erdmantel Lebensraum
und Erdkruste noch in
(Lithosphäre) 10 000 m
sind nur
tiefen Gräben der Tiefsee. in den oberen Verwitterungsschichten besiedelt.
Die belebte Bodenschicht (Pedosphäre) ist in
der Regel bis zu ca. 5 m tief. Die belebten
Räume im Boden und auf dem Land heißen
Geobiosphäre. Die Eismassen auf dem Festland
und den Meeren = die Kryosphäre.
Zur Pedosphäre: In 50 Meter Tiefe findet man in Madagaskar noch Termitengänge, in
Die Atmosphäre ist ein nur zeitweilig belebter
4 000 m tiefen Erdöllagern wurden Bakterien nachgewiesen.
Raum. Sie ist jedoch für alles Leben auf der
Vergleicht man die Erde mit ihrer Erde als Grenze und Filter zum Weltraum von
Lufthülle mit einem Apfel, so findet besonderer Bedeutung.
man Leben nur in der äußeren Anthroposphäre: Die frühen Menschen lebten
Schale. Innerhalb dieser eingebunden in die natürlichen Lebensräume.
„Apfelschale“, der lebendigen Die heutigen Menschen leben – von wenigen
Zur Kryosphäre: In einem LabyrinthHaut
feinster Kanäle
Naturvölkernim Eis der Polarmeere
abgesehen leben
– in einem selbst
der Erde,Organismen
hochspezialisierte genannt Biosphäre, spielt Fadenwürmer,
(Kieselalgen, Kleinkrebse),
geschaffenen Lebensraum, der eine
sich alles Leben
Lebensgemeinschaft, vonim
der Wasser, aufantarktische
sich der dem Krill im polaren
Anthropobiosphäre. DazuWinter
gehörenernährt.
die Kultur-,
Eis, an Land und in der Luft ab. Agrar- und Industrielandschaften in Städten und
Die Biosphäre umgibt wie eine Dörfern.
WS 2012/2013 Angewandte Ökologie 16
Kugelschale von etwa 20 km Dicke
16
die Erde.
Organismen = Individuen

= funktionelle Elemente ökologischer


Systeme
• Eigenschaften von Organismen:
• Struktur aus Zellen (Bakterien  Eukaryoten)
• Bewegung (zumindest in gewissen Stadien)
www.wissenschaft-aktuell.de
• Stoffwechsel (Metabolismus)
• Wachstum Ein 70 kg Mann hat
um die 3x1013
• Entwicklung Körperzellen
• Fortpflanzung (asexuell → sexuell; Vor- und Nachteile; sex. - also rund 30
Fortpflanzung  Rekombination der Gene Anpassung an Billionen
Umweltbedingungen  Motor der Evolution!) beziehungsweise
30.000.000.000.000.
• Tod
Organismen
WS 2012/2013
sind in Populationen
Angewandte Ökologie
organisiert;
17
Populationen bilden Arten 17
Individuen einer Art sind verschieden

• Genotyp (=
Erbgut)
Σ Phänotypen
• Phänotyp
= individuelles
Erscheinungsbild 
ergibt sich aus Erbgut,
individuelle Entw., und
Umweltfaktoren
• Ökotyp  local adaptation ~ Land- und Forstwirtschaft
lokale, genet. fixierte
Anpassungen an
WS 2012/2013
Standortbedingungen. Siehe auch: https://srelherp.uga.edu/snakes/elaobs.htm 18
Individuen einer Art sind verschieden

Nicht immer sind modifikatorische und genetische Varianten einfach zu unterscheiden!

Der Phänotyp unterscheidet sich hier


deutlich, obwohl die beiden Pflanzen
genetisch ident sind.

 Umweltfaktoren wie Temperatur oder


Licht sorgen dafür, dass bestimmte
Genen an- und abgeschaltet werden,
ohne dass ihre DNA (genet. Info)
verändert wurde.

Abb.: Wuchsformen des Löwenzahns

Quelle: Natura Ökologie, Klett Verlag 2012 Angewandte Ökologie 19


Taxonomie
Die Einteilung des Lebens

Taxa:
• Domäne - Eukaryota
• Reich - Metazoa
• Stamm - Arthropoda
• Klasse - Insecta
• Ordnung - Coleoptera
• Familie - Scarabaeidae
• Gattung - Cetonia  1 Mio. Arten

• Art – Cetonia aurata


→ einzige Kategorie, deren Grenzen
zumindest theoretisch
überprüfbar sind ~ 1,4 Mio
beschriebene Arten  10 Mio aus: Nentwig et al. (2011) S. 6-7
geschätzte Arten
Angewandte Ökologie 20
Taxonomie

• Taxonomie fasst Organismen in sog. „Taxa“


zusammen
• Taxon = Gruppe von Individuen, die sich
durch konstantes Auftreten spezifischer
Merkmale von anderen Individuen
unterscheiden ( Verwandtschaftsverhältnis)
• Zentrale Stelle nimmt die „Art“ (Spezies) ein

http://www.exkotours.de/Tiere/Cetonia.html
WS 2012/2013 21
Angewandte Ökologie 21
Taxonomie
Taxon
Eukaryota Eukaryota Domäne Eukaryota Eukaryota
Metazoa Metazoa Reich Metazoa Metazoa
Arthopoda = Arthopoda =
Bildquellen: Stamm Chordatiere Chordatiere
www.nabu.de
Gliederfüßer Gliederfüßer
und Unterstamm Wirbeltiere Wirbeltiere
www.lfvooe.at Insecta Insecta Klasse Säugetiere Knochenfische
Schmetterling = Käfer =
Ordnung Raubtiere Lachsartige
Lepidoptera Coloeptera
Edelfalter = Blatthornkäfer = Katzen = Lachsfische =
Familie
Nymphalidae Scarabaeidae Felidae Salmonidae
Altwelt-
Aglais Cetonia Gattung Wildkatzen = Salmo
Felis
Goldglänzender Wildkatze =
Tagpfauenauge Bachforelle =
Rosenkäfer = ART Felis
= Aglais io Salmo trutta
Cetonia aurata silvestris
Unterart Hauskatze

22
Art = Spezies
„Was sich paart und schart ist eine Art.“
„Art“ (Spezies):

o = eine Gruppe sich miteinander kreuzender natürlicher


Populationen
o = reproduktiv von anderen Gruppen isoliert ( Hybridisierung)
o Arten umfassen ein bestimmtes Areal (Verbreitungsgebiet)
o verändern sich durch Selektion und Anpassung (Evolution)
o Entwicklung neuer Arten (räumliche Trennung = allopatrisch, oder
sympatrisch = ökologische Artbildung)
o Artbildung auch durch Aufspaltung  adaptive Radiation (nä Folie)
o vikariierende Arten = nächst verwandte Arten, die räumlich oder
Zur Erdgeschichte siehe: „Plattentektonik im Zeitraffer“
ökologisch getrennt vorkommen. https://www.youtube.com/watch?v=_0tejKld8Yk

WS 2012/2013
Angewandte Ökologie
23
Adaptive Radiation
am Bsp der Kleidervögel

Als Anpassung an unterschiedliche


Umwelterfordernisse können sich
aus einer weniger spezialisierten Art
schließlich mehrere stärker
spezialisierte Arten entwickeln.

Durch unterschiedliche
verfügbare Ressourcen
kommt es zur
Spezialisierung
Es war einmal vor 5 Mio. Jahren…

 neue Arten (34, davon 13


ausgestorben)

 Einnischung ~
Konkurrenz-vermeidung
Kleidervögel haben sich in den letzten 5 Millionen Jahren auf den Inseln entwickelt,
denn erst seit dieser Zeit sind die vulkanischen Inseln bewaldet und bieten
geeignete Lebensräume.
24
Angewandte Ökologie aus: Nentwig et al. (2011) S. 4
Umwelt der Organismen

• Organismen sind offene Systeme


• Energie-, Stoff-, Informationsaustausch mit Umwelt (biot. + abiot.)
• Toleranzkurve: gilt für jeden Umweltfaktor (ökolog. Faktor,
abiot. Faktor)
• Abweichung vom Optimum → Stress

26
Toleranzkurve = Optimumkurve
Karpfen (Toleranz 5° – 37°C, Präferenz 13° – 27 °C, Optimum 20°C)
vs.
Bachforelle (Toleranz 0° - 27°C, Präferenz 5 – 13 °C, Optimum 10°C)

Quelle: Natura Ökologie, Klett Verlag 2009 27


Toleranzkurve = Optimumkurve

Schematische Toleranzkurven von Schneealge, Mais, Salmonellen und Cyanobakterien

Quelle: Natura Ökologie, Klett Verlag 2009 28


… ein paar Begriffe…

• stenök = stenopotent: enge Toleranz bezügl. des


Umweltfaktors
• euryök = eurypotent: weite Toleranz bezügl. des
Umweltfaktors

• eutroph, polytroph: hohe Versorgungsansprüche bzgl


Nährstoffen
• meso-: mittlere Versorgungsansprüche
• oligo-: geringe Versorgungsansprüche

• -phil: bestimmte Bedingung bevorzugend ( -phob:


meidend)
WS 2012/2013 Angewandte Ökologie 29
• homoio-: selbstregulierend (homoiotherm)  poikilo-: 29
Organismus = Spiegel der Umweltfaktoren

Organismen spiegeln die jeweiligen Umweltbedingungen


und deren Entwicklung wider, da sie sich an bestimmte
Verhältnisse angepasst haben.
Eine genaue Analyse ihrer Morphologie und Physiologie
verrät viel über ökologische Zusammenhänge!
(Organismen können sich nämlich nur dann dauerhaft etablieren, wenn die
Umwelt ihren ökophysiologischen Möglichkeiten entspricht)

Stichwort „Paläontologie“

30
Ökologisch wirkende Umweltfaktoren

1. Einstrahlung (Licht)
2. Temperatur
3. Feuer
4. Wasser
5. biogene Elemente
6. Boden
• etc
WS 2012/2013 Angewandte Ökologie 31
31
1.Umweltfaktor Licht

Sonneneinstrahlung = wichtigste Energiequelle des


Lebens auf der Erde
Wichtigster biologischer Prozess = Fotosynthese

Licht

12 H2O + 6 CO2  C6H12O6 + 6 O2 + 6


H2 O Chlorophyll

12 Moleküle Wasser plus 6 Moleküle Angewandte


WS 2012/2013 Kohlenstoffdioxid
Ökologie ergeben mit Licht und
Chlorophyll ein Molekül Glukose und 6 Moleküle Sauerstoff und 6 Moleküle Wasser
32
1.Umweltfaktor Licht

ökolog. relevanter Bereich = 290 -


4.000 nm
10% UV-Strahlung (290 - 380 nm)
45% sichtbares Licht (~ PhAR): 380 - 710 nm
45% IR-Strahlung (710 - ~ 4000 nm)
Andere Wellenlängen (Radiowellen, Röntgenstrahlung, ionisierende
Strahlung) sind ökologisch nicht relevant.

Strahlungshaushalt = Ein- +
Ausstrahlung
Bsp: Einfluss im Gewässer  euphotische, 33
1. Umweltfaktor Licht

• Albedo: diffuses Rückstrahlungsvermögen


einer Fläche (Schnee bis 0,95; Vegetation 0,05-0,25)
• Abstrahlung: Reflexion
• absorbierter Anteil  ökologisch wirksam!
(durch Farbstoffe: Chlorophyll, Carotin, Phycoerythrin, Phytochrome,
Xantophylle)

WS 2012/2013
Angewandte Ökologie 34
1. Umweltfaktor Licht
Transpiration =
Wasserdampfabgabe
über das Blatt
unterschiedliche Anpassungen:
• Rotalgen mit Farbstoff „Phycoerythrin“ → Nutzung von Licht in bestimmten
Gewässerschichten
• Tiere: Farbsehen (UV bei Bienen) oder IR-Rezeptoren (Prachtkäfer) → Orientierung,
Nahrungssuche, Partnerwahl, …
• UV-Anpassung einzelner Arten: UV nimmt mit der Höhe zu  Pfl haben weißfilzige Behaarung
und höhere Konzentration an Flavonoiden, Carotinoiden, Wachsen, Anthocyanen, die UV absorbieren.

• Orientierungs- (Mikroorganismen) und Zeitgeber (innere Uhr v. Vögeln, etc.)


• Pflanzen:
Licht-, Schattenblätter bzw. –pflanzen

Angewandte Ökologie 35
35
1. Umweltfaktor Licht

Transferaufgabe:

Fotosynthese bei Licht und Schatten

Zu finden in den Registerkarten unter Dateien „zu AÖK


VO1 – Fotosynthese bei Licht und Schatten“

Besprechung der Aufgabe in 18 Minuten 

36
1. Umweltfaktor Licht
Quelle:
https://www.sciencenews.org/wp-
content/uploads/2017/07/071417_M
T_tardigarde_main_free.jpg

Auch tierische Organismen schaffen bezüglich des Umweltfaktors


Licht Erstaunliches….

Here’s another tardigrade superpower: a


fluorescent shield protects them from deadly Bärtierchen, Tardigrada:

UV radiation wasserlebende, meist unter 1


mm große Tiergruppe von
walzen- bis tönnchenförmiger
Gestalt mit bauchseitig
abgeplattetem Körper, 4 Paar
These extreme survivors never cease to amaze us! krallenbesetzten, teleskopartig
einziehbaren, aber
ungegliederten
Stummelbeinen, einfachen
Pigmentbecheraugen und
Tastcirren am Vorderende.

Nachzulesen unter:
https://www.zmescience.com/ecology/animals-ecology/tardigrade-uv-shield-043242/
und https://royalsocietypublishing.org/doi/10.1098/rsbl.2020.0391
37
2. Umweltfaktor Temperatur
beeinflusst:
• Wachstum
• Regulation
• Mikroklima

Reaktionsgeschwindigkeits-
Temperatur-Regel (RGT-Regel von
Van‘t Hoff):
Q10 = 2-3
Q10 = 11d/4d = 2,75
Gilt für den Temperaturbereich zwischen ca. 274 K (rund 1 °C) und ca. 310 K (rund
37 °C), da darunter Wasser gefroren sein kann und darüber viele Enzyme denaturieren.

 Temperatursumme („Taggrade“)
= Zeit für die 38Entwicklung eines
aus: Nentwig et al. (2011) Organismus 38
Wärmesumme

Die Wärmesumme (= „Wachstumsgradtage“) = ist eine


rechnerische Größe, welche als Indikator für den Verlauf
der Vegetationsentwicklung genutzt werden kann.
Die Wärmesumme errechnet sich aus der Summe aller
Tagesmittelwerte der Temperatur, die über 5°C
liegen  Wenn ein Tag im Durchschnitt 7 Grad C
vorweist, erhöht sich die Wärmesumme des Frühlings um
2.

Ab einem Tagesmittel von rund 5 Grad Celsius beginnt sich die


Vegetation zu entwickeln.

39
Wärmesumme

Die Birke blüht ab einer


Wärmesumme von rund
80.

Die meisten
Obstbäume blühen ab
einer Wärmesumme von
110.

Quelle: http://www.hausruck-wetter.at 40
Phänologie – Beispiel Kirschblüte

Datum

9.4.

31.3.

20.3.

41
Quelle: http://www.dmg-ev.de/fachausschuesse/biometeorologie/phaenologie/
Phänologie = idealer Bio-Indikator für die
allmähliche Änderung des Klimas

Phänologie als Bio-Indikator


Der Eintritt von phänologischen Phasen ist wohl der geradlinigste
Prozess, um die Folgen der Klimaerwärmung aufzuspüren. Andere
Veränderungen, die die Artenareale, die Größe von Populationen und die
Zusammensetzung von Ökosystemen betreffen, werden viel schwerer zu
entdecken sein. So ist die Phänologie ein idealer Bio-Indikator für
allmähliche Änderungen des Klimas, da er leicht verständlich ist, auch
die Untersuchung von kleinräumigen Veränderungen erlaubt und positive
wie negative ökologische Auswirkungen des Klimawandels aufzeigt.

Quelle (Zugegriffen am 21.9.2016): http://www.hlnug.de/fileadmin/img_content/nachhaltigkeit/Klimafolgenindikatoren/


Erstanlegung_2016/26_Vegetationsperiode.png

42
2. Umweltfaktor Temperatur
Anpassungen der Lebewesen:
• Überdauerungsstadien
Winterschlaf, -ruhe, Sporen, Samen, „Anabiose“…
• morphologische Anpassungen
Polarfuchs - Wüstenfuchs → Allen´sche Regel; alpine Pflanzen → Behaarung, kleine Blätter
Kaiserpinguin - Galapagos Pinguin  Bergmann´sche Regel  V:M

• physiologische Anpassungen (Wüsten-ÖS)


Transpiration: Kühleffekt bis zu 10°C – enger Zusammenhang mit Wasserhaushalt
• Anpassungen durch Verhalten:
Mobilität (kühle Erdbauten), Nachtaktivität
• oder: (siehe auch: http://www.scinexx.de/dossier-detail-118-5.html)

• kurzes Supercooling, kontrollierte Gefriertoleranz


• Einlagerung v. Frostschutzsubstanzen
(nordamerikanischer Angewandte
WS 2012/2013 Waldfrosch Rana sylvatica schützt Ökologie
sich mit Traubenzucker vor dem Gefrieren. Schon im Spätherbst beginnt die Leber
des Frosches mit der Produktion des Zuckers, als Folge steigt der Blutzuckerspiegel bis zum Winter auf das bis zu 250fache des
43
natürlichen Wertes an. Der Gefrierpunkt des Blutes sinkt dadurch auf unter –4°C ab.
2. Umweltfaktor Temperatur

• stenotherm: in Lebensräumen mit konst. Temp. → Gebirgsbäche, Höhlen,


Tiefsee, etc.
• eurytherm: in Lebensräumen, die bzgl Temp schwanken (Karpfen)
• poikilotherm (Wirbellose, Fische, Reptilien, Amphibien)
• homoiotherm (Vögel, Säuger)…verschiedene Strategien

- Winterschlaf
- Winterruhe
- Torpor (Kälte-
lethargie) →
heterotherm

WS 2012/2013 Angewandte Ökologie


44
Schätzfrage

Wer frisst mehr und um wie viel?

Kröte Karla und Hamster Hannibal sind


gleich groß und gleich schwer.

Antwort:

Hannibal muss ungefähr 5 Mal soviel fressen um genügend


Energie für seine Körperheizung zu erhalten.
Dafür benötigt er an sehr kalten Tagen bis zu 90% seiner
Nahrungs-Energie!
Bildquellen: http://www.amphibien-reptilien.com/media/images/wechselkroete_bufo_viridis_5.jpg und https://kleinsaeuger.at/files/content/foto/hamster/feldhamster_cricetus-
cricetus_3.jpg
45
2. Umweltfaktor Temperatur

46
aus: NATURA Ökologie 2010, Klett Verlag
2. Umweltfaktor Temperatur
poikilotherme Arten:
• Umgebungstemperatur bestimmt Wachstum
• Drosophila im Labor (25°C): 15 d (eine Generation)
• Insekt Gebirgsbach (5°C): 1 Jahr
• Insekt Subantarktis (0°C): 2 – 4 Jahre

 aber wie können poikilotherme Arten trotzdem


ihre Körpertemperatur erhöhen (optimal 28-30°C)?
• warme Stellen aufsuchen (Mikroklima; Eidechsen)
• großflächig exponieren (Schmetterlingsflügel)
• endogenes Wärmezittern (Hummeln)
WS 2012/2013 Angewandte Ökologie 47
47
Verhaltensanpassung ans Mikroklima

Kleinräumige-, zeitliche
Variationen in oberen
Schichten

Stabile Verhältnisse in
tieferen Schichten

Anpassung der LG an LR
(dr. Mobilität)

WS 2012/2013 Angewandte Ökologie 48


48
Verhaltensanpassung ans Mikroklima

Abb 2.: Bartagame, eine Echsenart der Wüste Australiens, zeigt ausgeprägte thermoregulatorische Verhaltensweisen. Sie erreicht damit eine relative Unabhängigkeit von den
Die Bartagame, eine Echsenart der Wüste Australiens, zeigt ausgeprägte thermoregulatorische Verhaltensweisen.
Temperaturverhältnissen in ihrem Lebensraum.
 Sie erreicht damit eine relative Unabhängigkeit von den Temperaturverhältnissen in ihrem Lebensraum.

49
Wundernetze = Rete mirabile

… zur Temperaturerhöhung
• Gegenstromprinzip → Wärmetauscher
• bei Säugetieren (Wale, Delfine) und Vögel
• bei div. Haifischarten + Thunfischen
(poikilotherme Arten)
• Wassertemp.: 10°C
• Körpertemp.: 20°C
•  Q10 für Muskeln = 3 → 3x schneller als Beutefische
(RGT-Regel)
WS 2012/2013 Angewandte Ökologie 50
50
Wundernetze = Rete mirabile
http://www.grandesqualobianco.com/Materiali/Immagini/Il%20Grande%20Squalo%20Bianco/Rete_Mirabile_04.jpg

Haifisch
+ 13° - 14° C

+ 4° - 5° C

WS 2012/2013 Angewandte Ökologie 51


http://openlearn.open.ac.uk/mod/oucontent/view.php?id=398512&section=1.3.2 51
3.Umweltfaktor Feuer

natürliche Ursachen (Blitze, Vulkane, Vogelarten)


weltweit verbreitet / in vielen Lebensräumen
Gradient der Temperatur
300 – 700°C im Feuer
Streuauflage 100°C
5 – 10 cm im Boden: kaum Temp.erhöhung
 neben heißen immer auch kalte Bereiche
 Schutzmöglichkeit / Überleben
Remineralisation toter Biomasse
Das Feuer ersetzt / beschleunigt biotischen Abbau  Dies führt zu einer
Verjüngung der Vegetation, hindert einige Arten davor andere zu
verdrängen, und schafft fragmentierte Wälder mit Flächen von
verschiedenen Erholungsstadien, was eine Erhöhung oder Erhaltung der
WS 2012/2013 Angewandte Ökologie 52
Biodiversität nach sich zieht. 52
3. Umweltfaktor Feuer

Anpassungsstrategien der Pflanzen:

• Korkeiche Quercus suber: Kork


• Pinus banksiana: harzversiegelte Zapfen
(öffnen erst nach Feuereinwirkung & geben dann
Samen frei)
• Eucalyptus: abblätternde Rinde
• Erneuerungsknospen im Boden
(Geophyten - Zwiebel, Knolle, Rhizom)
• Samen im Boden (Therophyten)
• Regenerationsfähigkeit aus Wurzeln und
Stockausschlägen
WS 2012/2013 Angewandte Ökologie 53
53
3. Umweltfaktor Feuer
Anpassungsstrategien
bei Tieren:
• Vermeiden
• Flucht (Vögel, Säuger)
• Eingraben (Boden, Borke)

• Nutzung frisch gebrannter Flächen


z.B. Schwarzer Kiefernprachtkäfer
→ Infrarotsensoren, um verkohltes
Bis zu 80 km! Holz zu finden und dort die Eier in das
noch warme Holz abzulegen (Vorteil
Quelle:
http://www2.klett.de/sixcms/media.php/229/DO01150010_OL_3571.pdf
gegenüber anderen Konkurrenten)
z.B. „gebratene“ verendete Tiere
(Zugegriffen am 21.9.2016)

Siehe auch: „erfreuen“ Aasfresser. (Grillplatte)


http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-1276-2004-07-28.html
54
54
Angewandte Ökologie
3. Umweltfaktor Feuer

• Feuer = Sukzessionsbremse
• wenn Feuer verhindert wird:
 Anhäufung von Biomasse
 weniger, aber heftigere Feuer
 (Schutz-)Gebiete mit an Feuer angepasster
Lebensgemeinschaft verwalden
Konflikt mit Mensch:
 Waldnutzung
 Siedlungen

 kontrolliertes Brennen ist als


Pflegemaßnahme im Naturschutz wichtig
(fire WS
management,
2012/2013 fire ecology)Angewandte Ökologie 55
55
Zusatzinfos

Zusatzinformationen zu Feuerökologie

• „Außer dem Menschen haben die Riesenmammutbäume


(Sequoiadendron giganteum) keine natürlichen Feinde und
selbst Brände schaden den hölzernen Giganten nicht - Ganz im
Gegenteil, gibt die bis zu einem halben Meter dicke Rinde bei
hohen Temperaturen eine feuerlöschende Flüssigkeit ab.
Außerdem öffnen sich die kleinen Zapfen der Bäume nur bei
Hitze und so gelten Feuer als die Geburtsstunde einer neuen
Generation von Riesenmammutbäumen.“
Quelle: http://www.kalifornien.citysam.de/sequoia-kings-national-park.htm

WS 2012/2013 Angewandte Ökologie 56


• „Manche mögen´s heiß“: 56
4. Umweltfaktor Wasser
Für Land-Lebewesen auch Fotosynthese benötigt Wasser
erreichbar

Organismen bis zu 70 – 80 (98) % aus Wasser.


Neben C-Verbindungen das wichtigste
Angewandte Ökologie
Molekül für
57
Lebensabläufe.
57
4. Umweltfaktor Wasser

Der physikalische Vorgang der


OSMOSE bestimmt den
Wasserhaushalt der Tiere, Pflanzen und
Pilze.

Dieser Vorgang geschieht PASSIV,


er ist also sozusagen einfach vorhanden
(eben ein physikalisches Phänomen).

Die Lebewesen können der Osmose nur


AKTIV, also unter Energieverbrauch
entgegenwirken.

58
4. Umweltfaktor Wasser
wechselfeuchte (poikilohydre) Organismen
Bakterien, Algen, Pilze, Flechten, Moose
• Wassergehalt entspricht der Umgebung, keine Einrichtungen
zur Regulation der Wasseraufnahme bzw. –abgabe
• tw. völliges Austrocknen möglich  erneute H2O-Aufnahme
über Oberfläche
• in ariden Lebensräumen v. Vorteil → rasche Reaktion auf
günstige (feuchte) Umweltbedingungen

gleichfeuchte (homoiohydre) Organismen


Für eine neuerliche gute Erklärung siehe auch:
• Org., die Wasserhaushalt kontrollieren können
(Osmoregulation) z.B.
Wissensmix: Fische
Müssen Fische trinken? (3:05)

• Übergang Wasser → Land (Sprosspflanzen, meisten


https://www.youtube.com/watch?v=bz44VLMR5ho
Angewandte Ökologie
Landtiere)
WS 2012/2013 59
59
Poikilohydre Organismen

WS 2012/2013 Angewandte Ökologie 60


60
Homoiohydre Organismen

WS 2012/2013 Angewandte Ökologie 61


61
Geschwindigkeit des Transpirationsstroms

• Moose, Nadelbäumen und mediterr.


Hartlaubvegetation: 2 m/h

• Kräuter und Laubbäume: ~ 60 m/h

 bis 160 m/h

62
Dilemma der Pflanzen

Gasaustausch über Spaltöffnungen


(CO2, O2, H2O)

Bei Schließen der Spatlöffnungen (Stomata):

Vermeidung von Wasserverlust (verdursten)

und gleichzeitig

Verhinderung von CO2-Aufnahme  Fotosyntheserate


verringert (verhungern).
63
Strategien v. Pflanzen gegen „Verhungern &
Verdursten“
• C3-Pflanzen: mäßig verengten Spaltöffnungen (gelingt aber nicht
bei ausgeprägtem Wassermangel bzw. in ariden LR)  95% aller Pflanzen

• C4-Pflanzen: nehmen CO2 mit höherer Affinität auf, sodass


sie in kürzerer Zeit und bei geringeren Konzentrationen
effektiver Fotosynthese betreiben können.
• CAM-Pflanzen: zeitliche Entkopplung der CO2-Aufnahme
(Nacht, wenig Wasserverlust)  Fotosynthese (Tag, bei
geschlossenen
 Unterschiede bezüglich Stomata)
• Lebensraum: C3-Pflanzen (~95% aller Pflanzenarten!) dominieren in den Außertropen, kühl-
feuchten bzw. montanen Regionen, C4-Pflanzen (~2%, Mais, Hirse, Zuckerrohr) dominieren in
ariden oder tropischen Gebieten und CAM-Pflanzen (~3%, Kakteen, Orchideen) sind
Epiphyten feucht-tropischer Wälder (Orchideen), aber auch Arten,
Angewandte Ökologie 64 die in ariden LR mit großen
Temp.unterschieden vorkommen. 64
Ökologische Anpassungen bei Pflanzen
(Wasser)

• Epiphyten (Bromelien, Orchideen)


• Xerophyten = Trockenpflanzen (aride
Lebensräume)
- Sukkulenz (Blatt, Stamm, Wurzel) oder
hartblättrig.
• Hydrophyten = Wasserpflanzen: große
Interzellularen, SÖ an Oberseite oder fehlend
• Hygrophyten = Feuchtpflanzen: große
Interzellularen exponierte SÖ
• Halophyten: hohe Toleranz gegenüber Salzgehalt
des Bodens oder Salzaufnahme und exzessive
Wasseraufnahme oder spezielle Drüsen zur
Sekretion von Salz an der Blattfläche oder im
Salzwasser (Mangroven: Wurzelfiltration)

Angewandte Ökologie
Aerenchym 65
Ökologische Anpassungen an
Wassermangel bei Tieren
Integument (äußere „Haut“ = Cuticula, Schuppen, Haare,
Federn)
Atmung
• Insekten angepasstes Tracheensystem ( Verschließen der
Stigmen)
• Asseln: Kiemen in Körperhöhlen (feucht)
• „Sommerschlaf“ (Gehäuseschnecken),
• Nachtaktivität (oft bei Wüstentieren) und tiefe Erdbauten
• Wasserrückgewinnungsmechanismen (Kängururatte,
Kamele) Oxidationswasser aus Stoffwechsel Quelle:
(100g Fett = 107 g H2O; 100g KH = 55g H2O)  Fett(höcker) = http://cdn2.spiegel.de/im
ages/image-263921-

Wasserspeicher galleryV9-tuft.jpg

Exkretion (Aminosäureabbau!
WS 2012/2013 N-Entsorgung!)
Angewandte Ökologie
66
• Ammoniak (wasserlöslich, giftig!): Wassertiere
5. Biogene Elemente als Ressourcen

https://roempp.thieme.de/roempp4.0/do/data/RD-16-01050?startpage
(Zugegriffen am 30.9.2019)

• 89 bekannte stabile chemische Elemente → rd. 30 für Organismen


relevant (versch. Arten - untersch. Anteile)
• Grundbausteine des Lebens (Proteine/Aminosäuren, Kohlehydrate,
Lipide, DNA) bestehen aus:
• v.a. C, O, H
• Lebewesen bestehen zu 70-98% aus H2O
• 95% des Trockengewichts von Lebewesen aus C
• in geringeren Mengen: N
• Makronährstoffe
• Mg, Fe, Na, Ca, K, Cl
• nur 0,1% WS
der2012/2013
organischen Substanz, aber für zentrale Funktionen v. Organismen wesentlich
(Ionentransport, Osmoregulation, Nervensysteme, etc.) Angewandte Ökologie
67
Verteilung der Anzahl der Atome der
chemischen Elemente

Angewandte Ökologie
68
Kohlenstoff (C)
Quelle:
http://dbbm.fwu.de/fwu-db/presto-image/beihefte/55/
110/5511084.pdf
(Zugegriffen am 26.9.2016)

• wichtigstes Element für Lebewesen


• C+O+H: Bestandteil aller organ. Moleküle
• Fotosynthese
• CO2-Fixierung aus Luft → gasförmige C-Verbindung in
feste organische Verbindung (Biomasseproduktion
mit Solarenergie)
• gemeinsam mit (sonnengetriebenem) Wasserkreislauf
 Antriebskraft aller nachgeschalteten
ökosystemaren Prozesse auf anderen trophischen
Ebenen Angewandte Ökologie
69
Kohlenstoff (C)

• CO2 in Atmosphäre
• 280 ppm (vorindustriell)
• Erstmals CO2-Konzentration den ganzen Tag
über 400ppm am 9.5.2013 (Messstation
Mauna Loa auf Hawaii)
• 415 ppm (heute) ~ 0,04 Vol%
 Anstieg um 135ppm / fast 50%
• Keine globale Erhöhung der
Biomasseproduktion nachweisbar
• für Pflanzen pot. limitierend
(Gewächshaus  CO2-Düngung!)
• schwerer als Luft
• hohe Konzentrationen am Boden, in
Erdlöchern  Bodenarthropoden sind 70
oft CO2-tolerant 70
Sauerstoff (O)
Eintags-
fliegenlarve

• Atmosphäre Rattenschwanzlarve

• ~21 %, meist nicht limitierend → Atmung


• in großer Höhe O2-Partialdruck ↓
(40% in 5000 m.ü.A.) → erhöhte Erythrocytenanzahl
(Lamas, ...)
• Hydrosphäre
• O2 gelangt ins Wasser über Diffusion + Fotosynthese
• tlw. limitierender Faktor
• kl. Organismen nehmen O2 mit der ganzen
Köoberfläche auf;
• bei größeren Org. spezifische Atmungsorgane
(Kiemen, Atemrohr, Gespinstglocke, physikal. Kiemen,
Hämoglobin, etc.)
• staunasser Boden:
Angewandte Ökologie Aerenchym
Anpassungen (Aerenchym = Durchlüftungsgewebe in 71
Wurzeln; „Thermo-Osmose“ zw. Wurzeln und Blättern → Quelle: http://www.gd-kvech.at
Stickstoff (N)

• 78% der Atmosphäre (=N2-Hauptdepot)  dort praktisch


INERT!
• Mit P das wichtigste wachstumslimitierende Element für
Pflanzen
• Meist NO3 + NH4 (komplexe N-Kreisläufe → ÖKR)
• Mikroorganismen können atmosphärischen N2 binden →
Verfügbarkeit für höhere Org.
• in organ. Makromolekülen: Aminosäuren, Proteine,
Nucleinsäuren (DNA), …
• durchschnittlicher N-Gehalt der Phytomasse: ~2-4%;
Proteine
WS 2012/2013
enthalten ~15-19% N
Angewandte Ökologie 72
72
Phosphor (P)

• begrenzender Faktor für Pflanzenwachstum


(neben N)
liegt als PO4 (Phosphat) vor, d.h. wird in dieser Form nach
Remineralisation schnell wieder von den Organismen
aufgenommen  intensive Konkurrenz um P in
Planktongemeinschaften
 PO4-Molekül kann 10-40 x pro Jahr von
Organismen aufgenommen werden
(kurzgeschlossener P-Kreislauf ÖKR)

• zentrale Bedeutung für den Energiestoffwechsel


aller Organismen (AMP ADP ATP)
• strukturelle Bedeutung für DNA-Aufbau
Angewandte Ökologie
WS 2012/2013 73
• Phospholipide der Zellmembranen 73
Schwefel (S)
Organismen benötigen Schwefel:
• für Aminosäuren und Proteine (Tertiärstruktur und
reaktiver Bereich)
• und für alle Membranen
• Aufnahme durch Pflanzen vorwiegend als SO42-
(Sulfat) aus dem Boden → Speicherung als
organische S-Verbindung
• S:N-Verhältnis in Proteinen = 1:10; Bedarf an S
und N von Organismen hängt meist zusammen
• tw. erhöhter S-Bedarf durch Besonderheiten im
Sekundärstoffwechsel: Schutz vor Herbivorie
bei Brassicaceae (Kreuzblütler) und Fabaceae
(Schmetterlingsblütler)
WS 2012/2013 Angewandte Ökologie 74
74
Spurenelemente als Mikronährstoffe

• meist Metalle, die Zentralatom in Enzymen bilden


• Pflanzen benötigen für Fotosynthese Mg, Fe, Zn, V, Cu
• und für den N-Stoffwechsel Mo, B, Co, Fe, Mn, Cu
• O2-Transport im Blut vieler Tiere
Chlorophyll a
 Fe (Zentralatom des Hämoglobins der Wirbeltiere)
 Cu (Hämocyanin der Mollusken, Arachniden, Crustaceen)
• Wirbeltiere
• Iod: Schilddrüsenhormon Thyroxin Hämoglobin
• F: Knochen + Zähne
• Zentralatom in Vit. B12 ist Co Vit B12

75
Silicium (Si)

• 2. häufigstes Element der


Erdkruste, trotzdem von meisten
Org. nicht benötigt
• wichtig für Kieselalgen
(Diatomeen)  Exoskelett
• tw. wachstumslimitierend im Sommer
• wichtigste Mikrofossilien in der
Paläolimnologie
• Exoskelett f. Radiolarien (einzellige
tierische Meeres-LW)
• Süßgräser: Einlagerung von Si 
Fraßschutz gegen Herbivoren

WS 2012/2013 Angewandte Ökologie 76 www.radiolarien.de  reinschauen!


Quelle:
76
6. Umweltfaktor Boden

Siehe Bodenatlas:
https://www.global2000.at/sites/global/files/bodenatlas2015_oesterreich.pdf
siehe Seiten 23, 16/17 u.a.

Siehe: Die dünne Haut der Erde – Doku 26:41 (10.11.2012)

Siehe: Reise in den Untergrund 1- Die Haut der Erde - Arte Doku (42:59)
vom 06.07.2017
https://www.youtube.com/watch?v=8bpvErK1ozc
Angewandte Ökologie
77
6. Umweltfaktor Boden

• Boden ist die oberste, etwa 50 bis 200 cm dicke belebte


Verwitterungsschicht der Erdrinde.
• Boden besteht aus Mineralien, Luft, Wasser, Humus und Lebewesen.
• Diese zentralen Bodeneigenschaften prägen die Bodenfruchtbarkeit:
Humusgehalt, Korngröße und Bodenstruktur und Klima.
• Er entsteht durch (chemische, physikalische und biologische)
Verwitterung. Die Bodenbildung ist außerdem stark beeinflusst vom
Klima, Vegetation und den Bodenlebewesen!
• Die Zahl der Lebewesen in einer Handvoll Boden übertrifft die der
Weltbevölkerung.  (https://www.umweltbundesamt.de/print/themen/boden)

 Boden ist Lebensraum und Ökosystem


78
6. Umweltfaktor Boden

Entstehung von Boden:

Klima Klima

Gestein Bodentyp Vegetation


Verwitterung

Klima = Temperatur und Niederschlag


Gestein: z.B. Kalk (CaCO3), Gneis, Granit (Quarz SiO2, Feldspat, Glimmer),
Sandstein (v.a. Quarz) … unterschiedliche Mineralien im Boden.

K, Na, Ca, B, Rb, Cs, NH4, Li Mg, Fe, Mn, Zn, Al, Cr, V, Ti…..) Quelle: http://www.herman.stevenet.ch/Lowbudget
%20Glimmer.htm (Zugegriffen am 26.9.2016)

79
Humus

Was ist HUMUS?

Humus besteht aus abgestorbenem pflanzlichen und tierischen


Material sowie aus den hieraus gebildeten Stoffen. z.B. Laub, Kot,
Tierkadaver, organische Makromoleküle (Proteine, Stärke, Zucker,
Nitrat, z.B.) etc.

 Humus unterliegt vor allem der Aktivität der Bodenorganismen (


Edaphon), die durch ihre Stoffwechselaktivitäten laufend zum Auf-,
Um- oder Abbau des Humus beitragen.

80
Bodenorganismen (Edaphon)

Destruenten 81
Bodenorganismen (Edaphon)

Ausgewähltes
Nahrungsnetz
des Edaphons

Quelle: Ökologie. Grüne Reihe.


Schroedel Verlag. 2009

82
Bodenprofil besteht aus Horizonten

• Streu: unzersetztes organ. Ausgangsmaterial


• Humushorizont: stark zersetztes organisches
Material
• A-Horizont (Oberboden): braun bis schwarzer
oberster Mineralhorizont, mit organ. Material
vermischt
( Regenwürmer u.a. Bodentiere)
• B-Horizont (Unterboden): durch Gesteins-
verwitterung entstanden (v.a. Bildung
gesteinstypischer Tonminerale)
• C-Horizont: un- bis wenig-verwittertes
Ausgangsgestein
83
Bodenprofil besteht aus Horizonten

Quelle: http://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/368/bilder/bodenprofil_website_2013.jpg
84
6. Umweltfaktor Boden
Was macht der Boden (als abiotischer Faktor)?
• Er filtert ( Wasserreinigung), puffert und speichert das Wasser.

Quelle:www.umweltbundesamt.de
Bodenfunktionen S. Marahrens

• Er liefert Mineralstoffe für die Primärproduzenten (Pflanzen).


Die Mineralstoffe werden vom Muttergestein (z.B. Granit, Löss oder
Kalkgestein) bestimmt und entstehen durch dessen Verwitterung.
85
Böden Mitteleuropas und
der Tropen
Europa: großteils Waldböden, erst im Zuge der postglazialen
Vegetationsentwicklung entstanden → relativ jung (~ 10.000 Jahre)
Braunerdeböden: weit verbreitet und Podsole: v.a. unter Nadelwäldern und
Heiden

Tropenwälder: Böden seit Tertiär (vor 65 - 2,6 Mio. Jahren) → längere


Verwitterungszeit

86
Quelle: https://content.meteoblue.com/de/meteoscool/globale-klimazonen
Speichervermögen von Böden
Die Erdkruste besteht zu über 90 %,
der Erdmantel fast vollständig aus
Silikaten.

• Verwitterung von silikatischen


Tonmineralien besondere Bedeutung!
Verwitterung

 kl. Mineralkörper schichtartig


organisiert 
• Dreischichttonmineralien (negat.
Oberflächenladung)  Dipole (H2O) und

KAK gering – mittel - hoch


Kationen (Mineralstoffe, z.B. NH4+)
speicherbar
 Kationenaustausch-Kapazität
(KAK) ist ein Maß für die
Nährstoff-/Mineralstoff-
WS 2012/2013 Verfügbarkeit
Angewandte Ökologie 87
87
• zu Ende verwitterte tropische Böden
Verwitterungsintensität

Angewandte Ökologie 88
88
Bodenfruchtbarkeit
Was macht einen Boden fruchtbar?
• Streu: organische Auflage des Bodens
• C:N - Verhältnis in Streuauflage ist wichtig für Abbaubarkeit (je
höher N, desto schneller Zersetzung)
• Humus: tote organische Anteile des Bodens (Pflanzen- und Tierreste)
- kurzlebige Bestandteile: Lipide, Proteine, Polysachharide
- Huminstoffe: stabile und komplexe organische Moleküle, die Nährstoffe speichern
und wieder abgeben können → v.a. in Böden ohne Dreischichttomineralien
(Tropen) für Regulierung des Nährstoffhaushalts verantwortlich
• Nährstoff- (=Mineralstoff-) verfügbarkeit ist wesentlich (neben Wasser)
und wird gesteuert über
- Nährstoff- (Mineral-) gehalt: N, P, … entscheidend für Produktivität UND
- Bodenreaktion: pH: 3-9 normal; saure Böden → Nährstoffverfügbarkeit schlechter,
Wurzelschädigung, toxische Lösung v. Schwermetallen, etc.
- Mykorrhiza, bei > 80 % aller Pflanzen (→ später)
WS 2012/2013 Angewandte Ökologie
89
Ökologische Nische

sche Nische

90
Ökologische Nische

„Gesamtheit der Ansprüche einer Art an ihre biotische und


abiotische Umwelt.“ (aus: Natura Ökologie)

„Die funktionale Bedeutung, das Wirkungsfeld, die Stellung


einer Art im ÖS („Beruf“).“ (aus: Schäfer, Wörterbuch der Ökologie)

WS 2012/2013 Angewandte Ökologie 91


91
Definition „ökologische Nische“

Summe der
Ansprüche
einer Art an ihre
Umwelt und deren
Funktion in
Artengemeinschaft
en und
Ökosystemen 
„Beziehungskist
e“

Angewandte Ökologie 92
92
Quelle: https://www.flickr.com/people/43788330@N05
Quelle: UB 2002/275
Nischenaufteilung

• fundamentale Nische ≠ realisierte Nische


• Fundamentale Nische: Teilbereich eines
Nischenraums, der grundsätzlich von einer Art
eingenommen werden kann (= max. nutzbarer
Teilbereich des Nischenraums aufgrund der
abiotischen Faktoren)  (im Labor feststellbar)
• Realisierte Nische: fundamentale Nische, die
aufgrund interspezifischer Interaktionen
(biotische Faktoren) verändert wird (tatsächlich
besetzte Nische)
• Konkurrenz/Parasitismus: Beschränkung der fundamentalen
Nische
• Mutualismus/Symbiose: kann
Angewandte realisierte Nische erweitern
Ökologie 93
93
Fundamental- und Realnische

Kleines Öko-Rätsel:

Beschreiben Sie die physiologische


und die ökologische Potenz der
ausgewählten Baumarten.

Warum findet man die Waldkiefer


meist an trockenen oder sehr nassen
Standorten, obwohl sie bezüglich der
Bodenfeuchte eurypotent ist?

Abb.: Ökologische Potenz /


Toleranzkurven ausgewählter
Abb.: Ökogramm
Baumarten
ausgewählter Baumarten, die
in Mitteleuropa Wälder bilden
A physiologische Potenz =
Fundamentalnische
Quelle: Biosphäre Ökologie, Cornelsen Berlin Verlag 1. Auflage 2013
B ökologische Potenz = Realnische
94
Ökologische Nische

(1) multidimensionaler Raum (Achsen stellen (4) Nischenbreite


Umweltfaktoren und Ressourcen dar) • Generalist
(2) Planstelle = „Existenzmöglichkeit“ aufgrund (eurypotent)
naturräumlicher Gegebenheiten (kann • Spezialist
unbesetzt sein) (stenopotent)

(3) Nischenposition + Nischenbreite zur (5) Nischenüberlappung


Beschreibung nötig →
Konkurrenz(vermeidu
ng)
(6) Morphologie einer
Art  Hinweis auf
Nische (Bsp:
Kleidervögelarten
auf Hawaii)
WS 2012/2013 Angewandte Ökologie (7)95Stellenäquivalenz -
Konvergenz 95
Nischenaufteilung

96
Nischenaufteilung

Quelle: UB 2002/275

97
artenreiche  artenarme LGs

• Artenreichtum hängt primär ab von


 verfügbaren Planstellen und von
 Vorhandensein v. Arten, die diese Planstellen ausfüllen können
• ungesättigte Artengemeinschaft ( gesättigte AG)
 nicht alle vorhandenen Planstellen sind besetzt
 wenn viele Artengemeinschaften ungesättigt  Etablierung v. Neobiota (später)!
• Obergrenze für Artenreichtum?
 minimal mögliche Nischenbreite + max. mögliche Nischenüberlappung

 ABER: durch jede neu hinzukommende Art werden wieder


neue Planstellen geschaffen (z. B. als Wirt für Parasiten und
Parasitoide, neue Beute für Räuber, neues Substrat für
WS 2012/2013 LebensraumAngewandte
 Bromelie,
Ökologie …)!
98
98
Beispiel Ökosystem Fichte

Quelle: UB
99 2002/275
Bildquellen: www.biologie-seite.de, www.nabu.de, www.insektenbox.de 99
Praktische Anwendung der Nischentheorie

• Niche Modelling, Species Distribution Modelling =


Modell zur Verbreitung von Arten!
 Annahme: Ansprüche der Arten an Lebensraum (Umwelt) bekannt
 Ziel: Vorkommen + Verbreitung v. Arten auf Basis vorliegender
Umweltdaten vorherzusagen (z.B. Klimawandelauswirkungen) 
predictive distribution maps

 ABER: grobe Auflösung, viele Unsicherheiten


• viele Faktoren, die nicht erhoben wurden, spielen auch eine Rolle; verändert sich ein Faktor,
ändern sich auch die anderen (damit in Zusammenhang stehenden) Faktoren, jedoch meist
nicht vorhersagbar (Nahrung, Krankheiten z.B.)

 dennoch wichtige Grundlage u.a. zur Abschätzung der


100
Klimawandelauswirkungen auf Landwirtschaft, Medizin,100
etc.
Bsp für Species Distribution Modelling

Bsp einer montanen


Schneckenart bei
zunehmender
Klimaerwärmung
Meereshöhe

101
101
Nischenaufteilung

• Merkmals- Quelle: Nentwig et al. (2011)

verschiebung
(character
displacement)
• Morphologie als
Hinweis für
Ressourcennutz
ung

Bildquelle: www.biolib.cz und www.natur-in-nrw.de


102
1) Können die 3 Arten im
gleichen Ökosystem
koexistieren?

2) Warum (nicht)?

Quelle: UB 2002/275
Angewandte Ökologie
103
Adaptive Radiation

• verfügbare Ressourcen
Gelingt der Erwerb von Schlüsselmerkmalen
(Schnabelform), die eine Nutzung noch
unbesetzter Planstellen eröffnet, dann kann dies
zu einem Evolutionsschub mit Artbildung
führen
( adaptive Radiation)

Dieses Phänomen zeigt sich besonders nach


Massenaussterben während der Erdgeschichte:
Verschwinden der Saurier nach Kreide
ermöglichte Radiation der Säuger im Tertiär

Angewandte Ökologie 104


Quelle: Nentwig et al. (2011)
104
Stellenäquivalenz

…liegt vor, wenn zwei Organismenarten in verschiedenen –


geographisch getrennten – Ökosystemen die gleiche ökologische
Nische einnehmen, ohne miteinander verwandt zu sein.

Die betreffenden Organismenarten können dann Konvergenzen


( = analoge Organe) zeigen, d. h. sie besitzen eine mehr oder
weniger starke strukturelle, physiologische oder
verhaltensmäßige Ähnlichkeit, obwohl sie sich unabhängig
voneinander entwickelt haben.

Beispiele:
• springende Pflanzenfresser: Eselhase (Nordamerika),
Wüstenspringmaus (Asien), Springhase (Afrika), Känguru
(Australien)
• Raubtiere: Kojote (Nordamerika), Mähnenwolf (Südamerika), Löwe
und Gepard (Afrika), Beutelwolf (Australien)
• Nektar trinkende Vögel: Nektarvögel (Afrika), Honigfresser
(Australien), Kolibri (Amerika) 105
Beispiele für Stellenäquivalenz

SPRINGENDE PFLANZENFRESSER

Wüstenspringmaus
Känguru Afrika
Australien
Eselhase
Löwe
Nordamerika
Kojote

Gepard
Mähnenwolf
Südamerika

RAUBTIERE 106
Konvergenz
= Die Erscheinung, dass Organismen verschiedener Abstammung in
gleichartigem Milieu unabhängig voneinander als
„Parallelentwicklung“ ähnliche Formen und Organe aufweisen.
Definition aus: Schäfer, Wörterbuch der Ökologie

www.nabu.de/tiere-und-
pflanzen/aktionen-und-
projekte/vogel-des-
jahres/1997-buntspecht/
01990.html
www.nbcnews.com/news/all/aye-
aye-sequence-genomes-save-
species-flna1B9061769

Quelle: Biologie Oberstufe „Ökologie“ (1999), Cornelsen Verlag 107


Angewandte Ökologie
Konvergenz / Stellenäquivalenz/
ökologische Äquivalenz

• Gleiche ökologische Nische in unterschiedlichen


geografischen Regionen wird von unterschiedlichen
(nicht verwandten) Arten besetzt.
• Daraus ergibt sich eine „Ähnlichkeit“, die durch
Anpassung an eine Planstelle entsteht (Evolution).

Sukkulente :
Kakteen,
Wolfsmilch- Quelle: Nentwig et al. (2011)
gewächse, etc.
marine
Fischfresser

Ichthyosaurier,
Hai, Delphin,
Thunfisch
WS 2012/2013
Angewandte Ökologie 108
Nische – Gilde – Stellenäquivalenz

Gilde = Gruppe von


Arten, welche auf
ähnliche Weise
vergleichbare
Ressourcen nutzt,
ungeachtet ihres
Verwandtschaftsgrades.

Quelle: UB 2002/275
109
Einnischung und Artenzahl

 Je länger sich ein LR entwickeln kann, umso mehr Nischen


kann er auch ausbilden.
• Die Einnischung an Pflanzen potenziert Artenzahl
• Es gilt die Faustregel (in den gemäßigten Breiten):
“pro Pflanzenart 10 Tierarten”
110
Übung zur „ökologischen Nische“

5-6 Gruppen
Je 1 Ökosystem (Wald, Teich, Bach, Acker, Wiese,
…)
mind. 3 Arten je Ökosystem
zu jeder Art 3-5 Eigenschaften (Nischenachsen), die
die Arten unterscheiden
Wechselwirkungen zwischen den Arten?
1 Flipchart, Mindmap, etc. pro Gruppe
Anschl. Präsentation und Diskussion

Angewandte Ökologie 111


111

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