Sie sind auf Seite 1von 45

Römische Architektur

Adaption und Veränderung

Griechische und römische Architektur


Großer Hera-Tempel
Paestum, ca.460 – 440 v.
Chr.

Maison Carrée,
Nimes
15 – 12 v. Chr. unter
Augustus
Adaption und Änderung

Im Gegensatz zum griechischen Tempel – einer der Sonne


dargebotenen Skulptur, die fast keinen Innenraum und nur eine kleine
Cella aufwies – gelangen im typischen römischen Bauwerk echte Bögen
(mit Keilsteinen), Gewölbe, gemauerte Kuppeln oder Grußmörteldecken
zum Einsatz, um weite Hallen zu überspannen.

• Modiifikation der Säulenordnung


• Baugesinnung zielt auf das Praktische:
Repräsentation und historische Dokumentation
• Mauer gewinnt als Raumschale Vorrang
• auf den Innenraum bezogen
• Trennung von Funktion und Dekor
Säule wird zum dekorativen Mittel
als vorgeblendete Halbsäule teilt sie sich mit
derMauer die Stützfunktion
schmuckvolle Säulenordnungen werden bevorzugt
überreich angebrachtes Ornament
unedles Guss-Mauerwerk für Mauern, Gewölbe,
Kuppeln wird mit Quadern oder Marmor verblendet
oder mit Stuck überzogen
•In Griechenland variierte man das statische Motiv des
Trilithen: Zwei Pfeiler oder Säulen tragen einen
Architrav, das heiß ein Pfostenpaar leitet den Druck ab,
der auf dem horzontalen, den Kräften der
Durchbiegung ausgesetzen Sturz lastet. In Rom
dagegen bevorzugt man eine dynamische Konstruktion,
die auf kreisförmig angeordneten Elementen beruht; sie
hat Kräfte zu bewältigen, die kontinuierlich Spannung
erzeugen und ganze Bauwerke durchziehen.
•Säule und Architrav stammen aus dem Holzbau.Der
Bogen dient der stützenlosen Überspannung von
Öffnungen im Mauerwerk.
Der griechische Tempel: Bsp. Parthenon (Athen)

Der architektonische Gestus verzichtet auf Richtungszuweisung:


Demokratische Freiheit
Podesttempel

Treppe nur an einer Stelle;


von Wangen flankiert
(Wangentempel)

Fassadentempel

Podest
Wange

Der Typus des römischen Tempels

Imperialer Gestus: Dem Betrachter einen Zugang zuweisend


Der römische Tempel
Maison Carrée, Mimes
15 – 12 v. Chr. unter Augustus

Podium Portikus Sechssäulige Fassade


Frontale
Freitreppe Vorhalle
Pseudoperipteros Hexasstylos
Wangen
Cella mit zwanzig
Wandsäulen

Vorhalle als
Hexasstylos
(zehn Säulen)

Freitreppe mit
Wangen

Verhältnis Breite zu
Länge – 1 : 2
Maison Carrée, Mimes
15 – 12 v. Chr. unter Augustus
Portikus
(lat.: Säulengang, - halle)
Der Portikus ist als
selbständiges Bauwerk,
häufiger noch als Teil eines
größeren Baukomplexes
wichtiges Element der
römischen Architektur. Er diente
dem öffentliche Verkehr, als
Gewerberaum oder als bloße
architektonische
Fassadengliederung, war
Einfassung, Vorbau, Durchgang
oder verband Baukomplexe.
Die Bogenkonstruktion
Aquädukt von Nimes, Pont du Gard, 19 v. Chr. durch Agrippa, dreigeschossig, 300m
Der Pont du Gard -
ein dreistöckiges römisches
Bogentragwerk
In schwindelnder Höhe-fast 50 m über
dem Wasserspiegel - überbrückt der
Kanal des Aquädukts (273 m lang)
das tief eingeschnittene Tal des
Gardon. Einst floss in der überdeckten
Rinne Wasser für die römi-sche Stadt
Nemausus (heute Nimes). Im
Gegensatz zu einer benachbarten
Brücke jüngeren Datums hat das
Bauwerk den reißenden Fluten seit
fast 2000 Jahren standgehalten. Die
in drei Stockwerken übereinander-
gestaffelten Bögen sind ohne
Bindemittel aus schweren
Kalksteinblöcken aufgemauert. Sie
lassen erkennen, welche Sorgfalt die
römischen Baumeister auf Nutzbauten
verwandten und welche Bedeutung
sie ihnen zumaßen.
Der Bogen als Tragwerk
Ähnlich wie Stützentragwerke (vgl. l, 2.1) führen auch Bogenkonstruktionen zur Durchbrechung der ge-
schlossenen Mauerfläche und erlauben ihre Aufglie-derung in lastabtragende Einzelelemente.
Der gemauerte Bogen besitzt meist Halbkreisform und wird über einem Lehrgerüst (Abb. 20, 2b) aus
keilförmig behauenen Steinen errichtet. Die Fugen müssen dabei zum Mittelpunktweisen (Abb. 11, 2/d). In
seinem Tragverhalten unterscheidet sich der Bogen in mehrfacher Hinsicht vom waagerechten Balken:
So ist er belastbarer als ein Träger gleicher Stärke und wird bei gleichverteilter Auflast oder Eigenlast vor-
wiegend auf Druck beansprucht. Die Lastabtragung vollzieht sich ähnlich wie bei einem gewinkelten Bau-
element in schräger Richtung (Abb. 11,2/a-c). Am Auflager lassen sich die auftretenden Kräfte in senk-
rechte und waagerechte Druckanteile aufgliedern. Die waagerechten Druckanteile werden meist als Schub
bezeichnet und müssen durch aufwendige Vorrichtungen aufgefangen werden (vgl. 4,2).
Besonders tragfähig sind Bogen, die der sogenann-ten Stützlinie folgen (Abb. 11, 2/b). Diese Linie kenn-
zeichnet den inneren Verlauf der in einem Bogen auf-tretenden Kräfte und zeigt eine parabelähnliche
Form. Waagerechte und senkrechte Druckanteile halten sich im Verlauf dieser Linie das Gleichgewicht. Sie
läßt sich am einfachsten ermitteln, wenn eine an 2 Punkten aufgehängte Kette um 180° gedreht wird
(Abb. 11,2/b). (Diese Ketten- oder Hängelinie ent-spricht ebenfalls dem Gleichgewicht zwischen
waagerecht und senkrecht gerichteten Zuganteilen!) Diese Erkenntnis setzte sich jedoch erst im 18. Jahr-
hundert durch.
So betrachtet birgt der halbkreisförmige Bogen stati-sche Risiken: An den Stellen, an denen sich die Stütz-
linie den Bogenrändern nähert, treten häufig Risse. sog. Bruchfugen (Abb. 11, 2/c), auf. Die
Bogenschen-kel knicken bei etwa 30° nach außen, der Scheitel sinkt nach innen. Trotz seiner
Bruchanfälligkeit spricht der halbkreisförmige Bogen den menschli-chen Schönheitssinn besonders an und
war jahrhun-dertelang die vorherrschende Bogenform. Die Römer verwandten ihn in großem Umfang, so
Das Problem des Bogenschubs
Die an den Bogen- bzw. Gewölbeauflagern auftretenden Gewölbeschübe (Druckkräfte) haben meist eine
bedeutende horizontale Komponente. Horizontalkräfte sind bei Massivbauten unerwünscht, da sie Schub-
und Zugspannungen erzeugen. Die Bogen- und Gewölbeauflage rmüssen außerdem unverschieblich sein, da
sonst die Stabilität der Wölbkonstruktion gefährdet ist. Folgende konstruktive Maßnahmen zur Vermeidung
von Horizontalkomponenten aus Gewölbeschüben bzw. zur Ableitung der Gewölbeschübe in Kraftrichtung
sind denkbar (Abb. 12.1-5):

4. Besondere Ausbildung der Widerlager. Dies ist eine insbesondere bei weitgespannten Brücken- und
Hallenbauten gewählte Maßnahme, bei der die Gewölbe-schübe direkt in den Baugrund geleitet werden
(Abb.
12.1).

8. Verbindung der Widerlager durch Zuganker (Abb.12.2).

10. Überlagerung des schräg nach unten gerichteten Gewölbeschubs durch eine sehr große Vertikallast, die die
Resultierende (vgl. S. 55) so weit in die Vertikale zwingt, daß Kippen des als Auflager dienenden Mauer-
werkskörpers nicht zu befürchten ist (Abb. 12,3).

12. Strebepfeiler. Sie wurden im Mittelalter verwendet und prägten insbesondere das äußere
Erscheinungsbildgotischer Dome. Der Gewölbeschub wird in Kraftrichtung abgeführt (Abb. 12,4).

14. Reihung mehrerer Bögen oder Gewölbe, so dass die Horizontalkomponenten der schrägen Gewölbeschübe
Konstruktion
Die Basilika
Grundriss Pompeji: Forum nach der
1824 angefertigten Planaufnahme von Felix-
Emmanuel Callet

Forumsplatz

Kapitol /Jupitertempel

Markplatz

Zentralpavillon

Apollotempel

Gerichtsbasilika
Aula Palatina in Trier
Ca. 310 n. Chr., 70m lang / 27m breit, Ziegelbau, Backstein, kaiserlicher Thronsaal

Fassade wird von großen, den beiden Fensterreihen vorgelagerten Blendarkaden


gegliedert. Formensprache gibt Wandschmuck aus Säulen und Pilastern zugunsten
eines schlichten architektonischen Systems auf, das äußerst geschlossen wirkt
Raumrichtung
Räume haben Richtungsausdruck.
Richtungsbetont, Wegraum
Die röm. Basilika ist ein kommunaler Mehrzweckbau mit
repräsentativem Cha-rakter. Sie dient als Markthalle, Bankge-
bäude und Börse, als Gerichtssaal und all-gemeiner Treffpunkt.
Bevorzugte Standorte sind die Ränder der Marktplätze, auf
denen sich das öffentl. Leben mittelmeerischer Städte
vorwiegend abspielt. Im Städtebau des Imperiums gehört eine
Basilika zum Standardprogramm für jedes Forum.
Die Anfänge der Typenbildung sind bisher ungeklärt. Trotz des
griech. Namens gibt es kein eindeutiges griech. Vorbild. Die
Verwandlung hellenist. Gebäudeformen zu einem vom
Innenraum bestimmten Hallentyp scheint Anfang des 2.Jh. v.
Chr. weit fortgeschritten. Als erste Baudaten sind überliefert: für
Rom die Basilica Porcia 189, B.Aemilia 179, B. Sempronia 170 v.
Chr. Etwa gleichzeitig folgen bescheidene Hallenbauten in den
ital. Kolonien, z. B. ardea, cosa, alba fücens.
Vor allem scheint Campamen als Nachbar der griech. Städte
aktiver Träger der Entwicklung zu sein.
An der Schmalseite schließt eine Vorhalle unmittelbar
an die Kolonnaden des Forums an. Ungeklärt ist, ob
es sich bei dem Hauptraum um ein langgestrecktes Tribunal
offenes Peristyl oder eine gedeckte Halle mit allseitig
umlaufender zweigeschossiger Säulenordnung vor
Umgang und Galerie handelt. Die Längsachse zielt Mittelschiff
auf das zweigeschossige Tribunal, das aber hinter der
Säulenstellung isoliert ist. - Der formale Aufbau folgt
heilenist. Traditionen, der axial gerichtete,
gleichmäßige, geschlos-sene Raum dagegen,
ähnlich wie beim Forum, ital. Vorstellungen.
Im Gegensatz zu diesem Längsbau steht als Seitenschiff
Breitbau die Mitte des 2.Jhs. erbaute Basilika von
Cosa. Der an drei Seiten geschlossene Baukörper,
mehr breit als lang, öffnet sich mit der innen
umlaufenden Säulen-halle in voller Breite zum Platz.
Gegenüber nimmt eine Nische in der Rückwand das
Tribunal auf. Diesem Typ entspricht eine kleine
Forumsbasilika, die vitruv ca. 27 v. Chr. in Fano Vorhalle
erbaut.
Eine Rekonstruktion nach seiner Beschrei-bung zeigt Pronaos
den für solche Hallen typischen Querschnitt: der
Mittelraum, von freitragenden Dachbindern mit einem
Satteldach überdeckt, ragt laternenartig über die
zweigeschossigen Seitenräume hinaus. Die
Fensterzoneüber ihren Pultdächern sorgt für
Oberlicht.
Das Wohnhaus
Das römische Atriumhaus
Das italische und pompejanische Haus

Das private Wohnhaus erlangte in der römischen Architektur


eine zentrale Bedeutung. Der bestimmende Bautyp war das
sogenannte Atriumhaus. Als „Atrium" wird der zentrale
Innenhof des römischen Hauses mit einem Wasserbecken,
umgeben von verschiedenen Räumen, bezeichnet.
Das Atriumhaus entstand aus dem altitalischen Haus, das
einen Haupt-raum mit einem Rauchabzug (lat. ater,
rauchgeschwärzt) hatte. Wesentliche Merkmale dieses
Haustyps waren die axialsymmetrische Anlage sowie die
fast fensterlosen Hausfronten. Das Atriumhaus verbreitete
sich seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. Als im 2. Jahrhundert v.
Chr. die Einwohnerzahlen der römischen Städte stark
wuchsen, führte dies zur Wohnungsnot. Die Folge war die
Entwicklung städtischer Mietshäuser, die durch die
Aufstockung der Atriumhäuser entstanden und als
„Insulae" bezeichnet wurden. Im Erdge-schoß der Insulae
waren Läden und Werkstätten angesiedelt, in den oberen
der fünf und mehr Stockwerke lagen die Wohnräume. Das
Atriumhaus blieb mit der Herausbildung des Römischen
Reiches einer wohlhabenden Oberschicht vorbehalten.
Peter Connolly beschreibt zwei unterschiedliche Formen
von Atriumhäusern.

Römisches Wohnhaus
DAS WOHNHAUS
Das römische Herrenhaus zeigte während der Kaiserzeit eine deutliche
Verwandtschaft mit dem hellenistischen Wohnhaus. Durch die Verbindung
des altitalischen Atriumhauses mit dem griechischen Peristylhaus entstand
eine weitläufige Wohnanlage mit einer klaren An-ordnung der Räume um
eine Symmetrieachse. Durch den Hausflur betrat man den offiziellen
Empfangsraum mit einer rechteckigen Öffnung in dem schräg nach innen
abfallenden Dach. Das einströmende Regenwasser wurde in einem Becken
aufgefangen. Zu beiden Seiten des Atriums reihten sich kleinere Räume
(Schlafkammern), deren letzte offene Flügel waren. Vom Atrium gelangte
man in den Hauptraum, an den sich das Peristyl anschloß. Der strenge
Säulenhof des griechischen Hauses ist hier in einen Ziergarten verwandelt.
Am Ende der ganzen Anloge befand sich ein prächtiger Gartensaal und
daneben der Speiseraum. Die Wände waren mit Fresken in leuchtenden
Farben bemalt, die Fußböden mit kunstvollen Mosaiken geschmückt. Von
außen zeigte das Haus nur kahle Wände ohne Fenster oder nur mit
wenigen kleinen Öffnungen. In Pompeji, das im Jahre 79 n. Chr. beim
Ausbruch des Vesuvs verschüttet wurde, konnten viele solcher Villen, die
fast vollständig erhalten blieben, ausgegraben werden.
Neben dem Herrenhaus, das meist Patrizier bewohnten, entstanden in den
großen Städten für die Volksmassen die Mietskasernen (insulae). Diese
mitunter bis zu sechs Stockwerk ho-hen Ziegelhäuser mit Innentreppen
wurden nach einem Standardgrundriß gebaut, den man nach Bedarf
abwandelte. Wegen der Einsturzgefahr begrenzte Augustus die Höhe der
Bau-ten auf 21 Meter, und Trajan setzte sie auf 18 Meter fest. Im
Erdgeschoß befanden sich häu-fig Geschäftsräume und Läden. Eine
Wohnung bestand gewöhnlich aus vier oder fünf Räu-men und war mit den
Fenstern und dem Balkon nach der Straße ausgerichtet. Einer Statistik aus
dem 4.Jahrh. zufolge gab es damals in Rom 1800 Villen und etwa 46000
Miethäuser.
Rekonstruktion des Hauses des Lucius Celius Secundus. Man betritt das Haus durch einen
abschüssigen Toreingang. Links davon befindet sich die Küche. Darüber sind die
Bedienstetenunterkünfte. Vier Säulen tragen das Dach des „atrium". Das „tablinum"
(Empfangsraum und Arbeitszimmer) schließt auf der Rückseite des „atrium" an. Im rück­
wärtigen Teil des Hauses befindet sich ein kleiner Garten. Weitere Räume sind: C
Schlafzimmer, D Speisezimmer.
Das römische Atriumhaus
Das italische und pompejanische Haus
Das private Wohnhaus erlangte in derömischen Architektur
eine zentrale Bedeutung. Der bestimmende Bautyp war das
sogenannte Atrium-haus. Als „Atrium" wird der zentrale
Innenhof des römischen Hauses mit einem Wasserbecken,
umgeben von verschiedenen Räumen, bezeich-net.
Das Atriumhaus entstand aus dem altitalischen Haus, das
einen Haupt-raum mit einem Rauchabzug (lat. ater,
rauchgeschwärzt) hatte. Wesentliche Merkmale dieses
Haustyps waren die axialsymmetrische Anlage sowie die
fast fensterlosen Hausfron-ten. Das Atriumhaus verbreitete
sich seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. Als im 2. Jahrhundert v.
Chr. die Einwohnerzahlen der römischen Städte stark
wuchsen, führte dies zur Woh-nungsnot. Die Folge war die
Ent-wicklung städtischer Mietshäuser, die durch die
Aufstockung der Atriumhäuser entstanden und als „Insu-
lae" bezeichnet wurden. Im Erdgeschoss der Insulae waren
Läden und Werkstätten angesiedelt, in den oberen der
fünf und mehr Stockwerke lagen die Wohnräume. Das Atri-
umhaus blieb mit der Herausbildung des Römischen
Reiches einer wohl-habenden Oberschicht vorbehalten.
Peter Connolly beschreibt zwei unterschiedliche Formen
von Atriumhäusern.
A Innenhof - Atrium
C Schlafzimmer - cubiculum
X Flügelanbau - ala
T Geschäftszimmer - tablinum
H Garten - hortus
Der strenge Säulenhof des griechischen Hauses ist hier in
einen Ziergarten verwandelt. Am Ende der ganzen Anloge
befand sich ein prächtiger Gartensaal und daneben der
Speiseraum. Die Wände waren mit Fresken in leuchtenden
Farben bemalt, die Fußböden mit kunstvollen Mosaiken
geschmückt. Von außen zeigte das Haus nur kahle Wände
ohne Fenster oder nur mit wenigen kleinen Öffnungen. In
Pompeji, das im Jahre 79 n. Chr. beim Ausbruch des
Vesuvs verschüttet wurde, konnten viele solcher Villen, die
fast vollständig erhalten blieben, ausgegraben werden.
Das italische Haus bestand im allgemeinen aus einem
Innenhof, der von Zimmern umgeben war und nach hinten
einen kleinen Garten hatte. Man betrat es durch einen Flur
Das römische Herrenhaus zeigte während der (/auces), mit einem Schlaf-zimmer zu jeder Seite. Häufig
Kaiserzeit eine deutliche Verwandtschaft mit dem hatte man aus diesen beiden Schlafzim-mern Geschäfte
hellenistischen Wohnhaus. Durch die Verbindung gemacht, die zur Straße hinausgingen. Die fauces führten
des altitalischen Atriumhauses mit dem direkt in den Innenhof (atrium ). Er war überdacht, mit
griechischen Peristylhaus entstand eine Ausnahme einer Öffnung in der Mitte, durch die der Regen
weitläufige Wohnanlage mit einer klaren An- in ein Becken im Boden des atrium fiel. Das Regenwasser
ordnung der Räume um eine Symmetrieachse. wurde in einem darunterliegenden Becken gesammelt.
Durch den Hausflur betrat man den offiziellen Zu beiden Seiten des atrium lagen Schlafzimmer. Hinten
Empfangsraum mit einer rechteckigen Öffnung in erweiterte sich das atrium beidseitig zu Flügelanbauten
dem schräg nach innen abfallenden Dach. Das (a/ae). In der Mitte hinter dem atrium lag ein großer Raum
einströmende Regenwasser wurde in einem (tablinum), der ursprünglich ein sehr großes Schlafzimmer
Becken aufgefangen. Zu beiden Seiten des gewesen war, später aber zum Hauptempfangsraum und
Atriums reihten sich kleinere Räume Arbeitszimmer umgewandelt wurde. Dieser Haustyp wurde
(Schlafkammern), deren letzte offene Flügel später um einen Garten mit Säulengang (Peristyl)
waren. Vom Atrium gelangte man in den erweitert, welcher oft mit Brun-nen und offenem Eßplatz
ausgestattet war.
Hauptraum, an den sich das Peristyl anschloß..
Seit dem 2.Jh. v. Chr. steigt die Einwohnerzahl Roms
immer schneller an. Bildung eines städt. Proletariats,
Bodenspekulation, Entstehen von Slums und eine
ständige Wohnungsnot sind die Folgen. Die
Bevölkerungsdichte Roms wird für die Kaiserzeit auf ca.
80000 Einwohner/qkm, für den Stadtkern noch wesentlich
höher geschätzt. Das Atriumhaus bleibt als
Wohnungsform nur noch der wohlhabenden Oberschicht
vorbehalten.
Für die Masse der Bevölkerung bilden sich neue Typen:
Die städt. Miethäuser. Die ersten dieser »Insulae«
entstehen durch Umbau, Aufstockung und Vereinigung von
Atriumhäusern. Die niedrigen Raumgruppen um das hohe
Atrium erhalten ein Stockwerk, das mit separaten Treppen
er-schlossen und in Mietwohnungen (Cenacula) aufgeteilt
wird. Ein Teil des Erdge-schosses nimmt Läden und
Werkstätten auf. Die auf möglichst hohe Bodennutzung
bedachte Gewinnspekulation treibt die Stockwerkszahlen
in die Höhe. Das Atrium wandelt sich zum Lichthof. Zu
leichte Kon-struktionen führen häufig zu Einstürzen,
ungenügend gesicherte Feuerstellen zu Bränden mit
katastrophalen Folgen. Wohnungsstan-dard und sanitäre
Einrichtungen sind dürf-tig. Soziale Aspekte spielen keine
Rolle. Allmählich differenziert sich das Woh-
nungsangebot für die verschiedenen Mietergruppen.
Kaiserliche Baugesetze suchen die Entwicklung in
geregelte Bahnen zu lenken, u. a. wird die Maximalhöhe für
Miethäuser verschiedene Male neu festgesetzt, zuletzt
unter trajan auf 60 röm. Fuß = 17,60 m. Dennoch bleiben in
Rom die Verhältnisse chaotisch, da es nie zu einer
geregelten Stadtplanung kommt.
Computer: Insulae in
Rom

Modell: Insulae in
Ostia
Das pompejanische Haus
Man findet in Pompeji nur wenige Häuser,
auf die das oben genannte Grundschema
zutrifft. Die Schwierigkeiten beim Bauen
innerhalb einer insula zwangen die
Architekten zu Änderungen dieses Plans.
Das Haus des Lucius Ceius Secundus [...] ist
ein gutes Beispiel für ein abgeändertes
italisches Haus [Abb. S.66]. Es gab z.B.
keinen Platz für Schlafzimmer auf beiden
Seiten des atrium. So mußten diese um den
rückwärtigen Garten herum angelegt
werden. Auch war kein Platz für ein tablinum
in der Mitte vorhanden, es mußte nach links
verlegt werden. Zu beiden Seiten des
Eingangs wurden Schlafzimmer eingerichtet,
das auf der lin-ken Seite wurde jedoch in eine
Küche umgewandelt. Die Decke war tiefer
gezogen worden, und man hatte darüber die
Unterkünfte für die Dienerschaft gebaut.
Kurz vor dem Ausbruch des Vesuv kam man
zu der Überzeugung, daß das Haus immer
noch zu klein war. So baute man an der
rückwärtigen Mauer des atrium einen Balkon
an, der über eine Treppe zu erreichen war.
Von hier aus führte ein Gang, den man über
dem Durchgang zum Garten eingebaut hatte,
zu Schlafzimmern im ersten Stock des
hinteren Gebäudekomplexes. [,,.]
Fresko: Casa del Citaredo
Dort schweigen alle Winde, außer denen die
Gewölk bringen. An diesem Winkel
angeschlossen ist ein halbkreisförmiges
Zimmer, das dem Lauf der Sonne mit all
seinen Fenstern folgt.Daneben, durch einen
Gang verbunden, der über einem
Röhrensystem liegt, das die Wärme
auffängt und sie in angenehmer Mischung
nach beiden Seiten leitet und verteilt,
befindet sich der Schlafraum. Der restliche
Teil dieses Flügels enthält Räume für
Sklaven und Freigelassene, die meisten so
hübsch, dass sie Gäste afnehmen könnten.

»Das Haus ist für seine Zwecke geräumig, der Unterhalt nicht kostspielig. Anschließend folgt das geräumige und
Zuerst das Atrium, anspruchslos und doch nicht ärmlich, dann eine weite Badezimmer für das Kaltbad
halbrunde Säulenhalle in Form eines D, die einen kleinen, aber gefälligen (frigidarium), an dessen einander
Hof umschließt. Sie bie-tet eine ausgezeichnete Zuflucht bei schlechtem gegenüberliegenden Wänden sich zwei
Wetter, denn sie ist durch Scheiben und vor allem durch vorspringende Wannen sozusagen kräftig herauswölben,
Dächer geschützt. Ihr gegenüber in der Mitte liegt ein heiterer Emp- beide reichlich groß, wenn man das Meer in
fangsraum, dann ein ganz nettes Eßzimmer [tridinium], das bis zum Strand nächster Nähe denkt. Daneben liegt das
vorspringt und, wenn einmal das Meer vom Südwind aufgewühlt ist, von den Salbzimmer, die Zentralheizung , daneben
bereits gebrochenen, letzten Aus-läufern der Wellen bespült wird. Auf allen der Heizraum (hypocaustum) für das Bad.
Seiten hat es Flügeltüren oder Fenster, die nicht kleiner sind als diese Dann schließt sich ein herrliches Bassin mit
Flügeltüren, und so schaut man von den Seiten und von vorn gleichsam auf warmem Wasser an, von wo man beim
drei Meere; hinten erblickt man den Empfangsraum, die Säulenhalle, den Schwimmen aufs Meer hinausblickt.
Hof, nochmals die Säulen-halle, zuletzt das Atrium, die Wälder und fernen
Berge. Links von diesem Eßzimmer, etwas zurück-tretend, ist ein
geräumiges Zimmer, anschlie-ßend ein anderes, kleineres, das durch seine Plinius der Jüngere (62 – 114),
Fenster die aufgehende Sonne einläßt, die untergehende durchs andere bis Briefe, Buch II, Nr. 17
zuletzt auffängt. Auch von ihm aus sieht man zu Füßen das Meer, zwar
weiter entfernt, dafür aber mit einem Gefühl größerer Sicherheit. Dieses
Zimmer und das vorliegende Esszimmer bilden einen Winkel, der die
direkten Sonnenstrahlen sammelt und verstärkt. Das ist der
Der »Traum vom Lande«, die Flucht des stadtmüden Menschen aus dem
vermeintlichen Gefängnis von Palast, Rathaus, Kirche und Marktplatz in die
vermeintliche Freiheit des Lan-des ist als Begleiterscheinung und Kehrseite urbaner
Existenz seit der Antike eine Konstante der abendländischen Kultur-und
Sozialgeschichte. An der Vermittlung dieses Traumes in die gesellschaftliche Praxis
waren seit der Antike Architekten und Maler, Dichter und Philosophen,
Staatsmänner und Öko-nomen in gleicher Weise beteiligt. Zuerst und am
nachhältig-sten hat der »Traum vom Lande« in Italien Gestalt angenommen: in der
Antike in der künstlerischen Form der Villa rustica und im gesellschaftlichen Ideal
der Vita rustica, in der Renais-sance in der ländlichen »Habitazione del Padrone«
oder »Casa di Villa« und in der »Villeggiatura«. Rudolf Borchardt hat in seinem
bedeutenden Versuch Villa (1910) am Beispiel der Toskana den Gegensatz von
Stadt und Land dargestellt, der sich in der »lateinischen« Existenzform der Villa
gesellschaftlich verwirklicht, und er hat kulturhistorisch aufgezeigt, -wie sich die
italienische Vita rustica von der Antike bis zur Neuzeit als kulturelles und
gesellschaftliches »Leitmotiv« tradierte. Schon Borchardt erkannte hinter der
glänzenden, hellen Fassade der Villa den „signorilen« Charakter, den
Herrschaftsanspruch, das handfeste Wirtschaftsinteresse: »(Die Villa) ist als alt-
lateinische Lebensform durch und durch real und praktisch, etwas mit Geld und
Macht Zusammenhängendes, aus Geld und Macht Entstandenes, zäh
festzuhalten, um Macht und Geld zu steigern, zu bezeugen, zu verzinsen, zu
vererben.«
Bentmann, Reinhard / Müller, Michael: Die Villa als Herrschaftsarchitektur, Frankfurt am Main 1970, S. 9
Der Naturgenuss und die ästhetishe
Zuwendung zur Natur setzen [...] die Freiheit
und die gesellschaftliche Herrschaft über die
Natur voraus. R. Ritter
Landschaft wird Natur erst für den, der in
sie „hinausgeht“ (transcensus), um
„draußen“ an der Natur selbst als an dem
„Ganzen“, das in ihr und als sie
gegenwärtig ist, in freier genießender
Betrachtung teilzuhaben. R. Ritter

Wer in der Natur steht, malt keine


Landschaften. H. Lützeler