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Befugnis zum verdeckten Eingriff

Bundesregierung hält Online-Durchsuchung für verfassungsgemäß. FDP: Autoritärer


Schutzstaat
Von Hans-Jürgen Leersch
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Der zwischen Koalition und Opposition heftig umstrittene BKA-Gesetzentwurf (16/10121)
mit der Möglichkeit der Online-Durchsuchung ist jetzt dem Bundestag zugeleitet worden. Das
Bundeskriminalamt (BKA) soll in Zukunft zur Abwehr der Gefahren durch den
internationalen Terrorismus zusätzliche Kompetenzen erhalten. Die Opposition überlegt schon
10jetzt eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht.

Das BKA erhält künftig neben der Befugnis zur Abwehr von Gefahren durch den
internationalen Terrorismus auch die Möglichkeit, die Aufgabe der Verhütung von bestimmten
terroristischen Straftaten wahrzunehmen. Neben polizeilichen Standardbefugnissen sollen
15dem BKA "besondere Mittel der Datenerhebung" zur Verfügung gestellt werden. Dazu erhalte
das Amt die "Befugnis zum verdeckten Eingriff in informationstechnische Systeme" (so
genannte Online-Durchsuchung). Die Online-Druchsuchung solle jedoch nur dann
erforderlich werden, wenn andere polizeiliche Maßnahmen gegen terroristische Zellen, die
über modernste Kommunikationsmittel und das Internet miteinander vernetzt sind, nicht mehr
20greifen würden, heißt es in dem Entwurf. Außerdem darf das BKA künftig Telefone
überwachen und Handys orten. Die Online-Durchsuchung und andere Maßnahmen würden
sich in erster Linie gegen islamistische Terroristen richten, so die Regierung.

Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) verteidigte den Entwurf. Der Entwurf halte sich
25selbstverständlich an das Grundgesetz und stimme mit der Rechtsprechung des
Bundesverfassungsgerichts überein. Nachdem das Bundesverfassungsgericht festgestellt habe,
dass eine Online-Durchsuchung mit den Vorgaben der Verfassung in Einklang stehe, sei
gewährleistet, dass das BKA mit der Nutzung modernster Informationstechnologien durch
Terroristen Schritt halten könne.
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Dagegen warnte die FDP-Rechtsexpertin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: "2008 ist die
Bundesrepublik Deutschland in der Gefahr, sich in einen autoritären Schutz- und
Überwachungsstaat zu verändern." In einer "ungeahnten Verbissenheit und Maßlosigkeit"
habe die Politik in den letzten zehn Jahren immer wieder versucht, sich über Freiheitsrechte
35der Bürger hinwegzusetzen. Der Grünen