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Terminología y Documentación – Natalia Lobo 17.09.

2010
Gundelemente der Terminologielehre: Begriffssystem

Begriffsfelder und Begriffssystem

1. Begriffssystem

Begriffe existieren nicht isoliert, sondern stehen jeweils in Beziehung(en) zu anderen Begriffen. Begriffe eines
Begriffsfeldes, die in definierter und geordneter Weise zueinander in Beziehung stehen bzw. gesetzt sind, bilden
ein "Begriffssystem". Nur dadurch können die Begriffe gegen benachbarte Begriffe in überprüfbarer Weise
abgegrenzt werden. Durch Begriffssysteme kann z.B. beurteilt werden, ob ein Fall von Synonymie vorliegt.

1.1 Definition

“Ein Begriffssystem ist eine Menge von Begriffen, zwischen denen Beziehungen bestehen oder hergestellt worden
sind und die derart ein zusammenhängendes Ganzes darstellen.” (DIN 2331, 1980:2)

“System of concepts: structured set of concepts established according to the relations between them,
each concept being determined by its position in the system of concepts.”(ISO/DIS 1087, 1988)

1.2 Funktion von Begriffssystemen

Die Feststellung der systematischen Beziehungen von Begriffen dient


(a) der Bestimmung der einzelnen Gegenstände eines Faches bzw. Fachgebiets und der Gegenstandsbeziehungen
sowie der Gliederung des Gegenstandsbereichs sowie
(b) der Entwicklung von Benennungen und Benennungssystemen.

System ⇔ System ⇔ System


der Gegenstände der Begriffe der Benennungen

1.3. Graphische Darstellung von Begrifssystemen

Begriffssysteme können auf verschiedene Weise dargestellt werden. Die Gestaltung der graphischen Darstellung ist
von den folgenden Faktoren abhängig:
- der Zweck des Systems bzw. die Zielgruppe,
- das Fach bzw. der Gegenstand, der zu systematisieren ist,
- die Gesichtspunkte, nach denen das System unterteilt werden soll.

Die verschiedenen Darstellungsweisen von Begriffssystemen sind, u.a. die Listenform mit Notationen, das
Linien- bzw. Winkeldiagramm, das Felderdiagramm

1.4. Grundsätze für die Erstellung von Begriffssystemen

Unabhängig von der gewähten Darstellungsform sollten bei der Erstellung von Begriffssystemen die folgende
Gründsätze beachtet werden:

1.4.1 Eindeutigkeit: Die Beziehungen, die jeweilige Art der Beziehung und die Unterteilungskriterien müssen
eindeutig sein.

1.4.2 Verständlichkeit und Übersichtlichkeit: Die Anforderungen an das Fachverständnis sind der jeweiligen
Zielgruppe anzupassen. Es empfiehlt sich, keine allzu hohen Anforderungen an die Sachkenntnis der Benutzer zu
stellen. In Bezug auf die Übersichtlichkeit soll die Darstellung von Begriffssysteme so übersichtlich gestaltet
werden, dass sie benutzerfreundlich bleibt. In diesem Sinne sollten komplexe Begriffssysteme bei der
graphischen Darstellung in über- und untergeordnete Teilsysteme zerlegt werden.

1.4.3 Ergänzbarkeit: Ein Begriffssystem soll so aufgebaut sein, dass es Ergänzungen zulässt, ohne dass das
gesamte System im Falle von (stets notwendigen) Ergänzungen jeweils neu aufgebaut werden muss.

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1.5 Beziehungsarten

Der Etablierung von Begriffssystemen geht die Feststellung von Begriffsbeziehungen notwendig voraus, diese
Beziehungen können unterschiedlicher Art sein:

0. Begriffsbeziehungen

1. hierarchische 2. nicht-hierarchische
Beziehungen Beziehungen

1.1 Abstraktions- 1.2 Bestands- 2.1 sequentielle 2.2 pragmatische


beziehungen beziehungen Beziehungen Beziehungen

1.5.1 Hierarchische Begriffsbeziehungen

Eine hierarchische Begriffsbeziehung ist durch schrittweise Unterteilung eines Begriffs in untergeordnete
(engere) Begriffe und umgekehrt durch schrittweise Zusammenfassung von Begriffen
zu übergeordneten (weiteren) Begriffen gekennzeichnet.

1.5.1.1 Abstraktionsbeziehung:

Abstraktionsbeziehungen werden auch als “logische” oder “generische” Beziehung bezeichnet. Diese
Beziehungsart besteht aus einem Oberbegriff und seinem Unterbegriff bzw. seinen Unterbegriffen auf der gleichen
Stufe. Zwischen Oberbegriff und Unterbegriff besteht eine vertikale Beziehung (Abstraktionsleiter, die "hinauf-"
oder “hinabgestiegen” werden können). Zwischen den jeweils auf der gleichen Abstraktionsstufe nebengeordneten
Begriffen besteht eine horizontale Beziehung (Abstraktionsreihe).

Beziehungen dieser Art sind:


- die Determination
- die Konjunktion
- die Disjunktion

1.5.1.1.1 Monohierarchisches System: System, in dem ein Oberbegriff nur nach einem Beziehungskriterium
bzw. Gesichtspunkt in Unterbegriffe unterteilt wird.

Motor

Verbrennungsmotor Elektromotor Windmotor

Benzinmotor Dieselmotor

Unterteilungsgesichtspunkte hierbei sind: auf der ersten Stufe "Antriebsmedium allgemein", auf der zweiten Stufe
“Kraftstoff”. Die Unterteilungsgesichtspunkte auf den verschiedenen Ebenen brauchen nicht identisch zu sein.

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1.5.1.1.2 Polyhierarchisches System: System, in dem ein Oberbegriff nach mehr als einem
Unterteilungsgesichtspunkt in Unterbegriffe unterteilt wird (Anwendung, Material, Funktion).

Beispiel:
Rohr

Gasrohr Stahlrohr Überlaufrohr Wasserohr Glasrohr Abflussrohr

Hier erfolgt die Unterteilung nach drei unterschiedlichen Kriterien oder Gesichtspunkten: Anwendung, Material
und Funktion.
Wenn diese Gesichtspunkten im System explizit ausgewiesen werden, dann hat man “Scheinklassen” oder
“Pseudoklassen”, weil es sich nicht um “echte” Oberbegriffe handelt:

Rohr

[Anwendung] [Material] [Funktion]

Gasrohr Wasserrohr Stahlrohr Glasrohr Überlaufrohr Abflussrohr


usw.

In diesem Beispiel ergeben sich drei monodimensionale Reihen (Anwendung, Materila und Funktion).

Durch die Kombination von zwei Ordnungskriterien kann auch eine polydimensionale Reihe entstehen, z.B.
Gasrohr aus Stahl, Wasserrohr aus Stahl usw.
In einem polyhierarchischen System ist es möglich, jedes Merkmal aus einer Merkmalart mit dem einer anderen zu
kombinieren; es werden mehrere Merkmalarten verwendet.
Ein weiterer Ausbau ist möglich, wenn eine Merkmalart monohierarchisch weiter unterteilt wird. So führt die
Unterteilung des Merkmals “Gas” zu: Erdgasrohr aus Stahl
Stadtgasrohr aus Stahl

Es handelt sich um ein kombinatorisch-hierarchisches System.

Mögliche graphische Darstellungen von Abstraktionssystemen sind:


- Ausgliederung von Teilsystemen
-Winkelkette: hier entspricht jedem Unterteilungsgesichtspunkt ein Winkel oder Bündel von zwei oder mehr
Zweigen.
-Liniendiagramm
-Felderdiagramm
-Notationen: aufeinanderfolgende Zahlen und/oder Buchstaben, die den Zusammenhang zwischen den Begriffen
angeben. Im einfachsten Falle werden die Ordnungszahlen als Notationen verwendet.
-Liste: wird erforderlich, wenn in einem Begriffssystem nur die Notationen in Erscheinung tretten. Die liste hat
normalerweise eine ergänzende Funktion, kann aber auch selbständig (ohne graphische Darstellung) auftreten.
(Siehe Beispiele im Anhang)

Anwendbarkeit von Abstraktionssystemen


In einem Abstraktionssystem können nur solche Begriffe aufgenommen werden, die einander ähnlich sind und über
diese Ähnlichkeit in Beziehung zueinander tretten können. Damit eignet sich dieses System vorzüglich für die
Darstellung untereinander ähnlicher Arten von Methoden, Hestrellungsverfahren, Gegenständen, usw.

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1.5.1.2 Bestandsbeziehungen

Die Bestandsbeziehungen beruhen auf der Beziehung des Ganzen zu seinen Teilen; deshalb werden sie auch als
partitive Beziehung oder Ganzes-Teil-Beziehungen oder partitive Beziehungen bezeichnet.

Das Ganze, also de übergeordnete Begriff, wird Verbandsbegriff genannt, de untergeordnete heißt Teilbegriff.
Wie bei den logischen Beziehungen entstehen partitive Leitern (Bestandsleitern) und partitive Reihen
(Bestandsreihen).

Beispiel:

Fahrrad

Rad Rahmen Sattel Lenker etc.

Nabe Speiche Felbe

Im Unterschied zu den Abstraktionssystemen, verwendet man für die graphische Darstellung von
Bestandssystemen keine Winkeldiagramme, sondern Klammerdiagramme. Die Gestaltung der Listenform ist auch
anders: die Bestandsbeziehung in der Liste wird ducht einen Strich zwischen Ganzem und Teil verdeutlicht,
wärend bei der logischen Beziehung zwischen den einzelnen Dezimalen jeweils ein Punkt steht.

Besipiel:
Zum Vergleich:
1 Fahrrad Listenform einer Abstraktionsbeziehung
1-1 Rad
1. Kraftfahrzeug
1-1-1 Nabe
1.1 Kraftwagen
1-1-2 Speiche
1.1.1 Personenkraftwagen
1-1-3 Felbe
1.1.2 Lastkraftwagen
1-2 Rahmen
1-3 Sattel 1.2 Kraftrad
1-4 Lenker

1.5.2 Nichthierarchische (assoziative) Begriffsbeziehungen

1.5.2.1 Sequentielle Beziehung

Eine sequentielle Beziehung ist durch direkte Abhängigkeit zwischen Begriffen im Sinne einer Vor- und
Nachordnung gekennzeichnet:

a) Chronologische Beziehung: zeitliche Abfolge (z.B. Sommer - Herbst). Die chronologische Beziehung kann
konsekutiv oder simultan sein.
b) Kausalbeziehung: Ursache – Wirkung (z.B. Feuchtigkeit - Rost)
c) Genetische Beziehung: Produzent – Produkt (z.B. Autoindustrie - Auto)
d) Herstellungsbeziehung: Material – Produkt (z.B. Glas - Flasche)
e) Transmissionsbeziehung: Sender – Empfänger (z.B. Autor - Leser)
f) Instrumentelle Beziehung: Mittel – Ziel / Werkzeug – Anwendung von Werkzeug (z.B. Bohrer – bohren)
g) Funktionelle Beziehung: Argument – Funktion (z.B. Inserat – Verkauf)

1.5.2.2 Pragmatische Beziehungen


“Begriffsbeziehung, die auf thematischen Zusammenhängen zwischen Begriffen beruht, jedoch weder der
hierarchischen noch der sequentiellen Begriffsbeziehung zugeordnet werden kann” (DIN 2342)
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Eine pragmatische Beziehung besteht, z.B. im Zusammenhang mit dem Begriff “Auflösung der Ehe” zwischen den
Begriffen “Urteil”, “Scheidung” und “Untreue”.
Diese Begriffsbeziehung tritt besonders häufig in Begriffsfeldern auf.

1.6 Gemischte Systeme

Man kann auch verschiedene Beziehungsarten in einem System kombinieren, indem man Begriffe in
Zusammenhang darstellt, die dem gleichen Sachgebiet angehören, sich aber aufgrund der unterschiedlichen
Beziehungsart sonst nicht darstellen lassen (und das Sachgebiet würde so unvollständig dargestellt).

Die Kombination von Beziehungsarten in einem System erhöht die Ausdrucksfähigkeit und damit den ordenden
Wert des Systems.

Man kann zwei oder mehr Beziehungsarten kombinieren.

2. Begriffsfelder

Oft sind die begrifflichen Strukturen eines Gebietes so kompliziert und vielgestaltig, dass sie sich auch in
der Form eines gemischten Begriffssystems nicht darstellen lassen; in diesem Fall sollte man vielmehr an
die Erstellung eines Begriffsfeldes denken.

DIN 2342 (1986:3) definiert Begriffsfeld als "eine Menge von Begriffen, die zueinander in Beziehung
stehen”.

Nicht selten wird das Begriffsfeld in erster Linie als Mittel zur Grobstrukturierung gesehen, auf deren
Grundlage im weiterem Arbeitsverlauf das eigentliche Begriffssystem erstellt werden soll. Das bedeutet
aber nicht, dass das Begriffsfeld auch die endgültige Form der Systematisierung sein kann.

Bibliographie:
Einführung in die Terminologiearbeit: Arntz R. und Picht R., Georg Olms Verlag, Hildesheim,1989. Pp.
75-113.

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Anhang
Beispiele von graphischen Darstellungen von komplexen Abstraktionssyestemen

1.Ausgliederung von Teilsystemen:

Quelle: Gisbert Rinschede, Geographiedidaktik,


3. Auflage, Verlag Ferdinand Schöningh,
Paderborn, 2007.

2. Winkelkette

Winkelkette mit Begriffszeichen Divisorische Winkelkette (DIN 1971 b:9)


(Wüster 1979, Bildteil: 3; DIN 19971 b:6)

3. Liniendiagramm

Graphische Darstellung mobiler PCs in einem logischen


polyhierarchischen Begriffssystem
Quelle: http://www.annegretgross.de/diplom/15sprach.htm

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4. Felderdiagramm

5. Liste mit Notationen:

0. Handsäge für Holz


1. Handsäge ohne Vorspannung
1.1 Heftsäge (Handsteifsäge,
Einmannblattsäge)
1.1.1 Heftsäge für Rundholz
1.1.2 Heftsäge für Schnittholz
1.2 Freispannsäge
1.2.1 Zweimannblattsäge
1.2.2 Zugkettensäge
2. Handvorspannsäge
2.1 Bogensäge (kleine Handvorspannsäge)
2.1.1 Baumsäge
2.1.2 Bogensäge für Schnittholz
2.2 Strecksäge (große Handvorspannsäge)