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14. April 2009

E-COMMERCE

Internet World BUSINESS

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Betriebsblind für neue Geschäftsmodelle Jochen Krisch ist Director E-Commerce bei Optaros. Er bloggt unter ❚
Betriebsblind für neue
Geschäftsmodelle
Jochen Krisch
ist Director
E-Commerce
bei Optaros.
Er bloggt unter
❚ excitingcommerce.de
W ie offen sind eigentlich die Mana-
ger etablierter Unternehmen für
neue Geschäftsmodelle in ihren Kernge-
schäften? Diese Frage warf kürzlich Musik-
manager Tim Renner auf. Seine These: Der
Wechsel vom analogen zum digitalen
Medienträger bringe immer auch einen
Wechsel des Geschäftsmodells mit sich.
Darauf gelte es sich einzustellen.
Und doch mache jede Branche die glei-
chen Fehler wie die Musikindustrie.
Aktuell die Medienbranche: Statt online
auf neue, dem Onlinemedium adäquate
Modelle zu setzen, übertrage man ein-
fach nur die alten Geschäftsmodelle auf
das Internet und wundere sich dann über
„Lousy Pennies“.
Dies gilt auch für den E-Commerce.
Auch hier ist die Vorgehensweise der für
Online Zuständigen noch stark von ana-
logen Konzepten geprägt: Man nehme
seinen Shop oder Katalog und „stelle ihn
ins Internet“. Dabei sind Shops und
Kataloge online längst nicht mehr das
Maß aller Dinge, sondern nur eine von
vielen Alternativen. Ausgeblendet wer-
den oft die vielen möglichen Geschäfts-
modelle, die in den letzten Jahren ent-
standen sind und mit denen kleine wie
große Händler schon heute erfolgreich
E-Commerce betreiben.
Impulse kommen nur von außen
Unternehmer: Spreadshirt, Personal
Novel, My Müsli sind weitere Beispiele.
Eigentlich kein Wunder, dass auch die
Marktführer Amazon und eBay nicht aus
der Branche kommen.
Interessanterweise finden gefühlte 99
Prozent der neuen Geschäftsmodelle in
der öffentlichen Wahrnehmung keine
größere Beachtung, obwohl viele inzwi-
schen sehr erfolgreich und profitabel
A Better Tomorrow verkauft limitierte
T-Shirt-Editionen, die von den Nutzern
ausgewählt und gestaltet werden; Vente-
Privée hat mit seinen Abverkaufsaktio-
nen den ewigen Schlussverkauf populär
gemacht. Blacksocks vertreibt erfolgreich
Sockenabos – und Personello macht mit
personalisierten Produkten Umsätze von
2,5 Mio. Euro. Zumeist sind es auch nicht
die Etablierten, die online experimentie-
ren und dem Versandhandel mit neuen
Geschäftsmodellen neue Impulse geben,
sondern Start-ups und branchenfremde
arbeiten. Doch die Manager etablierter
Unternehmen denken anders und über-
legen immer zuerst, wie sie ihr bestehen-
des Geschäftsmodell in die digitale Zeit
retten können. Wenn also ein Media
Markt nun wieder mit dem Gedanken
spielt, E-Commerce zu treiben, dann ist
in den Ankündigungen sehr viel die Rede
von One-Stop-Shopping, von Synergie-
Effekten und Ähnlichem – und weniger
davon, wie denn das optimale Geschäfts-
modell für einen Elektronikversender
aussehen müsste.

Online ist doch geil

Media-Saturn liebäugelt wieder mit E-Commerce-Konzepten

E ineinhalb Jahre ist es erst her, dass die Media-Saturn-

Unternehmensgruppe ihren Onlineshop unter Mediaon- line.de abschaltete. Jetzt wagt sich der Handelsriese erneut

auf das E-Commerce-Parkett, wenn auch zunächst nicht in Deutschland. In Österreich und den Niederlanden sollen erste eigene Onlineshops entstehen. Im Erfolgsfall will Eckhard Cordes, Chef der Media-Saturn-Mutter Metro Group, „über die Einführung von Webshops in weiteren Media-Saturn-Ländern wie Deutschland“ entscheiden. „Die Erweiterung unseres Geschäftsmodells um E-Com-

merce-Aktivitäten bietet selbst für uns als dezentrales Unternehmen interessante Chancen, die wir nutzen wol- len“, begründet ein Unternehmensspre- cher den erneuten Multichannel-Vorstoß. „Unser Ansatz ist es, auf eine enge Vernet- zung zwischen Onlinehandel und statio- närem Handel zu setzen und sowohl für Media Markt als auch für Saturn jeweils eigene Onlineshops unter den jeweiligen Brands zu starten.“ Im Internet will Media-Saturn seinen Kunden ein größeres Sortiment anbieten als im stationären Handel, ergänzt um den Vertrieb von digi- talen Produkten. Dazu übernahm das Unternehmen den Musikdownload-Spe- zialisten 24-7 Entertainment. Die Preisge- staltung im Web soll zentral erfolgen, wäh- rend die stationären Preise dezentral von den einzelnen Märkten bestimmt werden. „Uns ist bewusst, dass wir dem Kunden

Foto; Media-Saturn Unternehmensgruppe
Foto; Media-Saturn Unternehmensgruppe

Multichannel: Media Markt und Saturn wollen künftig online und stationär Synergieeffekte nutzen

gegebenenfalls die Preisunterschiede zwi- schen Internet und stationärem Handel erklären müssen“, so der Sprecher. „Aller- dings sind wir davon überzeugt, dass er auch versteht, welchen Mehrwert wir ihm

im stationären Handel bieten.“

E-Commerce-Berater Jochen Krisch ist vom Konzept der Saturn- und Media- Markt-Shops dennoch nicht überzeugt (siehe Kolumne oben): „Media Markt ist ein perfektes Beispiel für ein Unterneh- men, das betriebsblind für neue Geschäfs- modelle ist, die auf Fünf- bis Zehnjahres- sicht die Marktführerschaft garantieren würden, ohne die Geschäftsführer der sta- tionären Märkte zu vergraulen“, kritisiert er. Um erfolgreich zu sein, müssten sie sich vom One-Stop-Shop-Konzept trennen. „Dies scheint allerdings auch weiterhin ein absolutes No-go“ zu sein, sagt er. dz

Tradoria nennt erste Zahlen

D ie Mietshop-Plattform Tradoria hat zwei Jahre nach dem Start drei wich-

tige Unternehmensziele erreicht: Anfang April wurden das millionste Produkt on- line gestellt und die Millionengrenze beim Monatsumsatz geknackt und der Server zählte erstmals monatlich mehr als eine Million Besuche von Käufern und Interes- senten. Insgesamt sind auf dem Portal Unternehmensangaben zufolge aktuell 1.800 Händler aktiv. Beate Rank und Tobias Kobier, die Ge- schäftsführer von Tradoria, wollen sich für den Geschäftserfolg bei ihren Kunden be- danken. In den kommenden Wochen wer- den daher die Tradoria-Händler 100.000 Gutscheine im Wert von jeweils 10 Euro mit den Warensendungen verschicken. Die E-Commerce-Komplettlösung bin- det die Produkte aller Tradoria-Händler zusätzlich zur Präsentation im eigenen Webshop auch in das Shopping-Portal Tradoria.de ein. Zum Service der E-Com- merce-Plattform zählt die komplette Zah- lungsabwicklung, die Kundenkommuni- kation während des Bestellprozesses und

die Haftung für Zahlungsausfälle. dz

und die Haftung für Zahlungsausfälle. dz ❚ Tradoria knackt drei Mal die Millionengrenze und bedankt

Tradoria knackt drei Mal die Millionengrenze und bedankt sich bei den Kunden

WELTBILD

Kein Interesse mehr an Bol

Die Verlagsgruppe Weltbild will sich von ihrer Beteiligung an dem niederländischen Buchshop Bol.com trennen. Das berichtet der Branchendienst „Kress“, Weltbild selbst lehnt jede Stellungnahme ab. Ak- tuell halten die Augsburger 50 Prozent an dem Shop, die restlichen 50 Prozent gehö- ren Holtzbrinck. Der verbleibende Gesell- schafter überlege nun seinerseits, aus dem Joint Venture auszusteigen oder Anteile aufzustocken, so „Kress“. In den Nieder- landen ist Bol.com Marktführer im Online- buchmarkt und erwirtschaftete 2007 einen Umsatz von 171 Millionen Euro – 60 Pro- zent mehr als im Jahr 2006. dz

MINDFACTORY

Neues Ostergewinnspiel

Mit produktbezogenen Gewinnspielen in ihrem Elektronik-Webshop machte die Wil- helmshavener Mindfactory bislang gute Erfahrungen. Jetzt wurde ein neues aufge- legt, das potenzielle Kunden zum Stöbern

ein neues aufge- legt, das potenzielle Kunden zum Stöbern Sortimentstournee: Mindfactory will mit einem Contest zum

Sortimentstournee: Mindfactory will mit einem Contest zum Kauf verführen

im Sortiment motivieren soll. Unter dem Motto „Alle anderen feiern Ostern, wir feiern Western“ müssen die Internetnutzer einem kleinen Cowboyhasen helfen, sich sein Equipment neu zu besorgen. Dazu müssen sie im Shop sieben Produkte fin- den, die mit einem Schild „Wanted“ hinterlegt sind. Als Preis winkt unter ande- rem ein Acer Notebook. dz

WENZ.DE

Emotionalerer Webshop

Das Pforzheimer Versandhaus Wenz hat seinen Webshop von den Stuttgarter E-Busi- ness-Spezialisten von DMC Digital Media Center überarbeiten lassen. „Hintergrund des Projekts war, dass wir die Emotionalität des Wenz-Onlineshops auf der einen Seite erhalten, jedoch zudem auch dem ver- trieblichen Fokus gerecht werden woll- ten“, erklärt E-Commerce-Projektleiterin Heike Winkler. Die Lösung von DMC: Zur Steigerung des Abverkaufs wurden ein wöchentliches Topangebot sowie saisonale Specials eingeführt. dz

EBAY

Trend zu Open Social

Das Online-Auktionshaus eBay hat mit „eBay Selling Manager Applications Beta“ eine neue Plattform gestartet, die es Fremdentwicklern erlaubt, eigene Applika- tionen in den „Selling Manager“ von eBay zu integrieren. Auf diese Weise können Onlinehändler das Monitoringtool über Umsatz-, Produkt- und Kundenentwick- lung nach ihren eigenen Vorstellungen er- weitern. Einer der ersten US-Partner, der eine Anwendung für den „Selling Mana- ger“ vorstellt, ist UPS. Die Lösung erlaubt es Kunden, UPS-Warensendungen zu orga- nisieren, ohne eBay zu verlassen. dz