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Klassifikation von Web-2.

0-Diensten
aus Schulperspektive

Oliver Ott

Eingereicht als Diplomarbeit bei Prof. Dr. Werner Hartmann, Diana Jurjević und Nando Stöcklin

Bern, Juni 2007


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 4
2. Was ist Web 2.0? 5
2.1. Die erste Web-2.0-Konferenz 5
2.2. Definitionen von Web 2.0 7
2.3. Eigenschaften von Web-2.0-Anwendungen 10
2.4. Social Software und Web 2.0 21
2.5. Web 2.0- Vorteile und Risiken 22
3. E-Learning 2.0 25
3.1. Web 2.0 im Unterricht 25
3.2. Ausblick 26
4. Klassifikation 27
4.1. Gründe für eine Klassifizierung 27
4.2. Klassifizierungs-Konzepte 27
4.3. Klassifizierung nach User-Aktivität 31
4.4. Beschreibung der Kategorien 33
5. Klassierung der Dienste 35
5.1. Herausforderungen 35
5.2. Fallbeispiel 36
6. Schlusswort 38
7. Literaturverzeichnis 40

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1. Einleitung
Der Name Web 2.0 steht für eine grundlegende Veränderung in der Nutzung des Webs und für
eine Form des Informationsaustausches, bei der die Partizipation der Benutzerinnen und Benut-
zer im Vordergrund steht. Kollaboratives Arbeiten wird gefördert, die kollektive Intelligenz ge-
winnt an Einfluss und Hierarchien werden umgekrempelt. Dass diese Entwicklung gesellschafts-
politisch von grosser Bedeutung sein kann, zeigen die ersten Verurteilungen von Bloggern in
Ägypten oder China sowie die Versuche, das demokratisierte Netz stärker zu zensurieren.
Ob Präsentationen erstellen, Journale kommentieren, Exkursionen organisieren, Fotos tauschen
oder Satellitenbilder erforschen: Fast alles kann heute im Internet gemacht werden. Das Herun-
terladen von teuren Programmen, die aufwändig auf den PCs installiert werden müssen, ist nicht
mehr notwendig. Bei Web 2.0 ist für alle etwas dabei. Die Web-2.0-Anwendungen sind nicht nur
für den persönlichen Gebrauch oder die Zusammenarbeit in Projekten interessant: Sie können
auch in der Ausbildung wertvoll eingesetzt werden.
Für welche Aufgaben lassen sich diese Dienste in der Schule sinnvoll einsetzen? Was gibt es
überhaupt für Tools und wie ist mit einem Blick ersichtlich, für welchen Zweck sie im Unterricht
gebraucht werden können? Eine Klassifikation der Dienste aus Schulperspektive soll helfen, ei-
nen Überblick über die Einsatzmöglichkeiten zu erhalten.
Das Schlagwort Web 2.0 wurde im Herbst 2004 eingeführt und hat in kurzer Zeit eine unvorher-
sehbare Popularität erlangt. Im Internet erscheinen fortdauernd neue Dienste, die mit Web 2.0
bezeichnet werden. Bis heute gab es nur wenige Versuche, diese Dienste zu klassifizieren, weil
sie durch ihre Vielfältigkeit schwer eingeordnet werden können. Aufgrund der raschen Entwick-
lung der Web-2.0-Branche ist eine verständliche Klassifizierung, die auf die Bedürfnisse der
Schule eingeht, jedoch längst überfällig.
Für die Erstellung einer Klassifikation der Dienste muss zuerst der Begriff Web 2.0 geklärt wer-
den. Und hier stehen wir bereits vor einer Herausforderung: Genauso wie sich die Dienste unter-
einander nur unscharf abgrenzen lassen, gibt es auch für den Begriff Web 2.0 keine exakte De-
finition. In ersten Teil der vorliegenden Arbeit werden deshalb nicht nur verschiedene Defini-
tionen analysiert, sondern auch die wichtigsten Eigenschaften der Web-2.0-Dienste beschrieben.
Im zweiten Teil wird eine Klassifikation vorgestellt, die spezifisch auf die Anwendung von Web-
2.0-Diensten in der Schule ausgerichtet ist. Mit der vorliegenden Klassifikation soll die effiziente
und didaktisch sinnvolle Nutzung dieser Online-Programme im Unterricht unterstützt werden.

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2. Was ist Web 2.0?

Der Begriff Web 2.0 ist umstritten und in den Schulen noch weitgehend unbekannt. Das Fehlen
einer eindeutigen und allgemein anerkannten Definition irritiert auch heute noch Fachleute und
Internetbenutzer. Der Begriff wurde von den Namensgebern mehrmals neu definiert und es gab
anfangs Kritiker, die ihn sogar überflüssig fanden. Um die Bedeutung des Begriffs besser zu
verstehen, ist es hilfreich, sich die Motive anzuschauen, weshalb der Name Web 2.0 überhaupt
kreiert worden ist. Die Hintergründe, die zur Entstehung des Begriffs geführt haben und die
Überlegungen der Begründer geben einen guten Einblick und wertvolle Hinweise in das Wesen
und die Dynamik der Bezeichnung Web 2.0.

2.1. Die erste Web-2.0-Konferenz

Der Begriff Web 2.0 wurde im Jahre 2004 von Dale Dougherty anlässlich eines Brainstormings
des O’Reilly-Media-Verlages und der Eventagentur Media Live International erfunden. Als
Dougherty, Vizepräsident und Mitgründer des international erfolgreichen O’Reilly-Media-
Verlages, über neue Konferenz-Ideen nachdachte, fiel ihm auf, dass es „eine Art Wiedergeburt
des Web“ [O’Reilly 2007] gab. Die Internet-Firmen, welche nach dem Zusammenbruch der
New Economy im Herbst 2001 überlebt hatten, schienen einige Dinge gemeinsam zu haben.
Sie richteten sich mehr nach den Bedürfnissen der Benutzerinnen und Benutzer aus und gaben
ihnen die Möglichkeit, die neuen Dienste mitzugestalten. Dale Dougherty und Tim O’Reilly,
Gründer und Chef des gleichnamigen Verlages, stellten sich die Frage, ob das Platzen der Dot-
com-Blase einen derartigen Wendepunkt eingeleitet hatte, dass man diese neuen, gemeinsamen
Dinge mit einem Schlagwort wie Web 2.0 bezeichnen könnte. Sie einigten sich darauf und
gründeten mit dem neuen Begriff die erste Web-2.0-Konferenz, welche im Herbst 2004 in San
Francisco durchgeführt wurde [vgl. O’Reilly 2005a].
Mit der bisher unbekannten Bezeichnung benannte O’Reilly in der Konferenz all das, was er in
den vergangenen Jahren an innovativen Ideen gesehen hatte und die Entwicklung des Internets
entscheidend beeinflusste. An der Konferenz nahmen Vertreter der Firmen Amazon, Netscape,
Yahoo sowie weitere Prominenz der Internetszene teil. Der Erfolg des O’Reilly-Media-
Verlages, welcher regelmässig Informationen zu zukunftsweisenden Technologien der IT-

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Branche in Form von Konferenzen und Publikationen von Fachbüchern vermittelt, war für die
Verbreitung des neuen Begriffes ausschlaggebend. Die prominenten Konferenz-Teilnehmer,
der Bekanntheitsgrad von Tim O’Reilly selbst sowie das gute Timing und die Prägnanz des
Begriffes verhalfen der Bezeichnung, sich in kurzer Zeit zu etablieren.
Der Name Web 2.0 wurde an der Konferenz eigentlich nur als Marketingbegriff eingeführt.
Gut ein Jahr später ist das Schlagwort mit Hilfe von O’Reillys Artikel „What is Web 2.0“
[O’Reilly 2005a] richtig populär geworden. Der Begriff hat sich schlagartig verbreitet und fand
in der Öffentlichkeit eine hohe Resonanz. Wird bei der Suchmaschine Google das Wort „Web
2.0“ eingegeben, werden mehr als 50 Millionen Webseiten aufgelistet (Juni 2007). Das Time
Magazin hat zur Person des Jahres 2006 „YOU“ gewählt (siehe Abbildung 1) und damit die
Web-2.0-Bewegung in den Vordergrund gerückt. Nicht zuletzt hat auch die rasche Zunahme
von Breitbandanschlüssen in Europa und den USA zur vermehrten Nutzung von multimedialen
Inhalten und Web-2.0-Anwendungen geführt.

Abbildung 1: Das Titelblatt vom Time Magazin im Dezember 2006.

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2.2. Definitionen von Web 2.0

O’Reillys Definitionsversuche

O’Reilly hat den Begriff Web 2.0 in seinem mehrseitigen Artikel „What is Web 2.0“ im Sep-
tember 2005 anhand von einigen Prinzipien einzugrenzen versucht. Er strebte bis vor kurzem
eine Optimierung seiner Web-2.0-Definitionen an und veröffentlichte sie jeweils in seinem
Blog. Kurz nachdem O’Reilly den Artikel „What is Web 2.0“ im Netz publizierte, verfasste er
in seinem Blog eine Kurzdefinition unter der Überschrift „Web 2.0: Compact Definition?“:

“Web 2.0 is the network as platform, spanning all connected devices; Web 2.0 applications are those
that make the most of the intrinsic advantages of that platform: delivering software as a continually-
updated service that gets better the more people use it, consuming and remixing data from multiple
sources, including individual users, while providing their own data and services in a form that allows
remixing by others, creating network effects through an "architecture of participation," and going be-
yond the page metaphor of Web 1.0 to deliver rich user experiences.” [O’Reilly 2005b]

Anhand dieser Definition ist Web 2.0 eine Netzwerk-Plattform. Als Web-2.0-Anwendungen
werden diejenigen Dienste bezeichnet, die einen möglichst grossen Vorteil aus dem Vorhan-
densein dieser Plattform ziehen. Der Vorteil beruht auf Netzwerkeffekten, die vor allem auf die
Teilnahme der Anwender zurückzuführen ist.
Im November 2006 definierte O’Reilly den Begriff noch kompakter unter der Überschrift
„Words as Pointers and the Meaning of Web 2.0“:

„Web 2.0 is the move to the internet as platform, and an understanding of the rules for success on that
new platform. First among those rules is building applications that harness network effects to get bet-
ter the more that people use them..” [O’Reilly 2006c]

Bei dieser Definition bezeichnet O’Reilly die Verlagerung der Anwendungen zur Internet-
Plattform als Web 2.0. Der Web-2.0-Begriff beschreibt hier einen Prozess. Bei den An-
wendungen wird die Nutzbarmachung von Netzwerkeffekten ins Zentrum gerückt, wobei sie
umso besser werden, je mehr Leute sie nutzen.

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Einen Monat später definierte O’Reilly den Begriff unter der Überschrift „Web 2.0 Compact
Definition: Trying Again“ in seinem Blog ein weiteres Mal:

“Web 2.0 is the business revolution in the computer industry caused by the move to the internet as
platform, and an attempt to understand the rules for success on that new platform. Chief among those
rules is this: Build applications that harness network effects to get better the more people use them.
(This is what I've elsewhere called ‘harnessing collective intelligence).” [O’Reilly 2006d]

Dieser Definitionsversuch verdeutlicht nochmals das Umfeld sowie die Motive und Hinter-
gründe der Begriffsbildung. Er diente an der ersten Web-2.0-Konferenz als Marketingstrategie
für eine neue Geschäftsidee. Der Begriff Web 2.0 beschreibt „die zweite Generation des Inter-
net-Geschäfts“ [Kleske 2006, S. 32].
In allen drei Definitionen wird die Bedeutung des Netzwerkes bzw. Internets als Plattform er-
wähnt und darauf hingewiesen, dass Web-2.0-Anwendungen umso besser werden, je mehr
Leute sie nutzen. Dabei werden das Nutzbarmachen von Netzwerkeffekten und die daraus re-
sultierende kollektive Intelligenz hervorgehoben. Im Herbst 2006 brachte O’Reilly die Haupt-
eigenschaft von Web 2.0 in seinem Blog auf den Punkt:

“Harnessing collective intelligence has been a key part of the definition from the beginning.”
[O’Reilly 2006b]

Beim Betrachten von O’Reillys Definitionen fällt auf, dass keine technologischen Aspekte an-
gesprochen werden. Der Name Web 2.0 steht für die vielfältigen Entwicklungen im und ums
Netz, seien es wirtschaftliche Aspekte oder soziale Phänomene wie Partizipation [vgl. Alby
2007, S. 18]. Bei Web 2.0 geht es in erster Linie um eine veränderte Nutzung und Wahrneh-
mung des Webs. Der Begriff bezeichnet ausserdem eher eine Denkweise als einen Gegenstand:
„Web 2.0 isn’t a thing… It’s a state of mind“ [Budd 2005].
Die neuen Web-Dienste konnten das Anwenderverhalten jedoch nur ändern, weil altbekannte
Technologien neu eingesetzt wurden und technologische Entwicklungen mithalfen, die kollek-
tive Intelligenz, welche durch die grosse Anzahl der Benutzerinnen und Benutzer erzeugt wird,
im Web einfacher zu nutzen. Das Schlagwort Web 2.0 ist ein Sammelbegriff für viele Trends,
die mit dem Ziel der Nutzbarmachung der kollektiven Intelligenz verbunden sind. Die Dyna-
mik dieser neuen Entwicklungen wurde vom prominenten US-amerikanischen Journalisten
James Fallows mit dem Satz „The new Web is analog, not digital“ zusammengefasst. Die Idee,
welche hinter dem Zitat steckt, erklärt er folgendermassen: „By which I mean it is not the result
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of a single, big, discrete innovation. Rather, it represents a continuum of new ideas, from the
slightly evolutionary to the dramatically different” [Fallows 2006].
Das starke Interesse der Öffentlichkeit am Begriff weist darauf hin, dass die Bezeichnung Web
2.0 tatsächlich auf eine Veränderung hinweist, welche die Internetnutzer wahrnehmen. Auch
wenn der Begriff nicht eindeutig definiert werden kann, ist der Name Web 2.0 sehr nützlich,
weil er hilft, mit einem Wort eine Vielzahl von Neuerungen zu beschreiben. Der Begriff ist
auch für nicht technisch orientierte Leute verständlich und wird eingesetzt, um für eine Reihe
von Technologien und Dienste zu werben [vgl. Budd 2005].

Wiedergeburt des Webs

In der Informatik werden Programme mit Versionsnummern bezeichnet. Die Zahl im Namen
Web 2.0, welche wie eine neue Software-Versionsnummer aussieht, weist auf Doughertys Idee
der „Wiedergeburt des Webs“ hin. Der Erfinder des World Wide Webs, Tim Berners-Lee, hatte
das Medium eigentlich mit der Philosophie erschaffen, dass alle Nutzerinnen und Nutzer
gleichzeitig Produzenten und Konsumenten sein sollten. Im WWW stand nach der Einführung
jedoch lange die Publikation von Inhalten mit Hilfe von Webseiten im Mittelpunkt und nicht
die Interaktion oder Partizipation zwischen den Benutzerinnen und Benutzern. Das Web wurde
von vielen nur als Abruf-Medium wahrgenommen. Berners-Lee eröffnete im Dezember 2005
ein eigenes Weblog unter der Überschrift “So I have a blog“, welches er mit folgenden Gedan-
ken einleitete:

“In 1989 one of the main objectives of the WWW was to be a space for sharing information. It
seemed evident that it should be a space in which anyone could be creative, to which anyone could
contribute. The first browser was actually a browser/editor, which allowed one to edit any page, and
save it back to the web if one had access rights. Strangely enough, the web took off very much as a
publishing medium, in which people edited offline.” [Berners-Lee 2005]

Nach dem Zusammenbruch der New Economy und dem sprichwörtlichen „Dotcom-Sterben“
besannen sich die Internet-Firmen wieder auf die ursprüngliche Idee des Webs zurück. Bern-
ers-Lee vermerkte in seinem Blog: „Now in 2005, we have blogs and wikis, and the fact that
they are so popular makes me feel I wasn't crazy to think people needed a creative space”
[Berners-Lee 2005]. Das Web hat sich von einem Dokumenten-Belieferungssystem zu einer

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kreativen Anwendungs-Plattform gewandelt [vgl. Budd 2005]. Die Benutzerinnen und Benut-
zer können jetzt die Inhalte selber kontrollieren und mitgestalten.
Web 2.0 kann als ein Konzept betrachtet werden, welches mit bestimmten Prinzipien in Ver-
bindung gebracht werden kann, aber keine genauen Begrenzungen aufweist. Auch wenn sich
der Begriff nicht exakt definieren lässt, gibt es doch einige Eigenschaften oder Praktiken, mit
denen sich Web-2.0-Anwendungen beschreiben lassen.

2.3. Eigenschaften von Web-2.0-Anwendungen

Als Grundlage für die Klassifikation der Web-2.0-Dienste aus Schulperspektive dienen die
Definitionen von O’Reilly. Eine Gemeinsamkeit der Dienste ist, dass sie auf die Nutzbarma-
chung der kollektiven Intelligenz ausgerichtet sind. Es gibt aber noch weitere typische Merk-
male, mit denen sich diese Dienste beschreiben lassen. Das Verständnis in die Philosophie von
Web 2.0 kann mit einer Beschreibung der konkreten, gemeinsamen Eigenschaften der Web-
2.0-Dienste einfacher gefördert werden als durch abstrakte Definitionen. Um den didaktischen
Wert der Web-2.0-Anwendungen im Unterricht besser einschätzen zu können, wird in diesem
Kapitel auf ein paar wichtige Eigenschaften der Dienste eingegangen (siehe Abbildung 2).

Web als Plattform Einfache


Bedienbarkeit

Software über
Partizipation Grenzen einzelner
und Geräte hinaus
Austausch

Web 2.0
Benutzererzeugte
Dienste anstatt
Daten
Paketsoftware

Folksonomy Mashups

Abbildung 2: Eigenschaften der Web-2.0-Dienste in einer Übersicht.

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Web als Plattform

In der ersten Web-2.0-Konferenz nannte O’Reilly eine Liste von Prinzipien im Rahmen seiner
Eröffnungsrede. Als erstes Prinzip nannte er „Das Web als Plattform“. In O’Reillys Web-2.0-
Definitionen wird das World Wide Web hingegen nicht explizit erwähnt. Vielmehr wird dort
vom Netzwerk oder Internet als Plattform gesprochen. Der Begriff Web 2.0 weist mit seinem
Namen aber eindeutig auf das Web als Plattform hin.
In der Praxis besteht oftmals Unklarheit darüber, inwieweit ein Web-2.0-Tool eine Web-
Anwendung sein muss. So führt O’Reilly beispielsweise BitTorrent (eine P2P-Applikation die
zwar auf dem Internet, aber nicht auf dem WWW läuft) unter den Web-2.0-Tools auf, obschon
diese Applikation eigentlich gar keine Web-Anwendung ist. BitTorrent wird mit dem Schlag-
wort Web 2.0 versehen, weil der Dienst das Web-2.0-Schlüsselprinzip erfüllt, dass er umso
besser wird, je mehr Leute ihn nutzen [vgl. O’Reilly 2005a].
Auch wenn das „Web als Plattform“ unter O’Reillys Web-2.0-Prinzipien zu finden ist, scheint
es also eine gewisse Elastizität zu haben. Anhand der Definitionen ist ersichtlich, dass das
Hauptargument des Web-2.0-Begriffs auf die Nutzbarmachung der kollektiven Intelligenz ge-
legt wird. Hiermit wird auch deutlich, dass Web 2.0 als ein Konzept verstanden werden muss,
welches eine gewisse Flexibilität aufweist.

Software über Grenzen einzelner Geräte hinaus

Web-2.0-Applikationen sind browserbasierte Anwendungen. Sie nutzen das Web als Plattform
und sind nicht auf die PC-Plattform beschränkt. Viele bisher nur lokal auf PCs laufende An-
wendungen werden auf Webserver verlagert, wobei die Potenziale des Internets genutzt werden
können. Web-2.0-Dienste sind deshalb geräteunabhängig und auf jedem Rechner verfügbar,
der über einen Internetzugang und einen Browser verfügt. Es findet eine Verlagerung der An-
wendungen „vom Desktop zum Webtop“ [Lange 2006, S. 5] statt.
Die Auslagerung von Desktop-Anwendungen vom Rechner des Benutzers auf einen Webserver
ist für mobiles Arbeiten interessant und führt zu mehr Mobilität. Auf Web-Inhalte kann ausser-
dem vermehrt von mobilen Endgeräten wie Mobile-Phones, Pocket-PCs oder MP3-Player zu-
gegriffen werden (siehe Abbildung 3). Es ist anzunehmen, dass künftig immer mehr neue Gerä-
tetypen an die Web-Plattform angebunden werden können. In diesem Zusammenhang werden

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wahrscheinlich viele Innovationen zu erwarten sein, besonders wenn Geräte wie Telefone oder
Autos nicht nur Daten empfangen, sondern auch bereitstellen können [vgl. O’Reilly 2005a].

Web 2.0

Abbildung 3: Endgeräte, mit denen auf Web-2.0-Dienste zugegriffen werden kann.

Dienste anstatt Paketsoftware

Softwarepakete werden in der IT-Branche immer mehr durch Dienste ersetzt. Zur Lösung einer
Aufgabe können die Benutzerinnen und Benutzer vermehrt Programme im Web nutzen und
müssen keine Softwarepakete mehr kaufen, die sie auf ihren Rechnern installieren. Web-2.0-
Firmen haben die charakteristische Eigenschaft, dass sie ihre Software nicht als Produkt auslie-
fern, sondern als Service anbieten. Die Unternehmen sind Dienstleistungsbetriebe, die ihre
Dienstleistungen täglich betreuen und weiterentwickeln. Viele Web-2.0-Anwendungen sind
deshalb mit einem Beta-Logo gekennzeichnet, welches auf die ständigen Updates hinweist
[vgl. O’Reilly 2005a].
Die Updates werden auf den Servern der Dienstanbieter ausgeführt. Dies hat den Vorteil, dass
die Anwendungen immer umgehend für alle Anwender in der aktuellsten Version verfügbar
sind und die Benutzerinnen und Benutzer nichts mehr auf ihre lokalen Computer downloaden
müssen (siehe Abbildung 4 und 5). Die kostenpflichtigen Dienste müssen ausserdem nur für
den Zeitraum bezahlt werden, in dem sie gebraucht werden. Anstatt die hohen Anschaffungs-

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kosten einer Paketsoftware zahlen zu müssen, können bei einigen Diensten zeitlich begrenzte
Abonnemente gelöst werden.

Web 1.0

Download von Software Webserver


PC
übers Internet

Software wird auf dem PC


installiert
Server stellt Software
zum Download bereit

Abbildung 4: Software-Nutzung im Web 1.0.

Web 2.0

Webserver
PC
Online-Aktivität

Im Browser wird auf den Web-2.0-Dienst


zugegriffen
Web-2.0-Software läuft im
Server

Abbildung 5: Software-Nutzung im Web 2.0.

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Benutzererzeugte Daten

Im Zentrum der Web-2.0-Anwendungen stehen die Daten der Benutzerinnen und Benutzer,
welche in einer Datenbank der Web-2.0-Anbieter gespeichert werden. Die selbst erzeugten
Daten können dort wieder abgerufen werden (siehe Abbildung 6). Bei den Daten kann es sich
um Videos, Bilder, Texte, Audioaufnahmen, Karten, Lesezeichen, Suchindexe und andere In-
formationen handeln. So werden beispielsweise beim Web-2.0-Dienst YouTube Videos, bei
Del.icio.us hingegen Links gesammelt. Das Datenbankmanagement ist für Web-2.0-Firmen
eine Kernkompetenz. Für O’Reilly ist diese Kompetenz so sehr von Bedeutung, dass er die
Web-2.0-Anwendungen manchmal als „Infoware“ anstatt Software bezeichnet. Den hohen
Stellenwert der Daten vermerkt O’Reilly mit dem Ausspruch „Data as the Intel Inside“ [vgl.
O’Reilly 2005a].
Die Web-2.0-Dienste stellen für die Daten der Benutzerinnen und Benutzer den Rahmen bzw.
die erforderliche Infrastruktur bereit. Die User gestalten mit ihren Daten die Web-2.0-Dienste
erheblich mit. Die von den Usern erzeugten Daten sind sozusagen das Futter dieser Dienste. Sie
werden in den Diensten gesammelt und gebündelt. Je mehr usergenerierte Daten ein Web-2.0-
Dienst zur Verfügung hat, desto mehr Informationen lassen sich dort finden und umso attrakti-
ver wird der Dienst. Für neue Dienste ist es deshalb schwierig, in einem Bereich Fuss zu fas-
sen, wo ein anderer Dienst bereits viele usergenerierte Daten zur Verfügung stellt.
Die grosse Verbreitung des Internets erlaubt aber auch die Erschliessung von Nischenmärkten.
Im Zusammenhang mit Web-2.0-Applikationen wird deshalb oft der Begriff „The Long Tail“
erwähnt, der durch einen Artikel von Chris Anderson [2004] populär wurde und für ein Ge-
schäftsmodell steht. Die Idee hinter diesem Geschäftsmodell ist, dass es bei einem grossen
Markt auch eine grosse Zahl von kleinen Nischenmärkten mit wenig nachgefragten Produkten
geben muss, die zusammengenommen den grossen Märkten mindestens ebenbürtig sind.

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Web 1.0 Web 2.0

Gegenseitiger
Download von Daten
Datenaustausch

Daten Daten

User Webserver User Webserver

Abbildung 6: Nutzung von Daten im Web.

Partizipation und Austausch

Im Web-2.0-Modell stehen nicht nur die Inhalte, sondern auch die Handlungen der Benutzerin-
nen und Benutzer im Vordergrund, die mit ihrem Verhalten die Weiterentwicklung der Dienste
und deren Angebote beeinflussen. Über viele Jahre hatte eine Software vor allem die Konzepte
der Entwickler abgebildet; mit Web 2.0 stehen nun vielmehr die Handlungen der Anwender im
Zentrum [vgl. Dresden Future Forum 2006a]. Die Software ist nicht mehr ein Produkt, sondern
wird als ein Prozess angesehen. Wird beispielsweise eine Funktion in einem Web-2.0-Dienst
häufig genutzt, so wird diese Funktion ausgebaut; wird aber eine angebotene Funktion nur sel-
ten gebraucht, kann sie im nächsten Update wieder gelöscht werden.
Das Web richtet sich vermehrt an den Bedürfnissen der User aus. Die grosse Masse der Nutze-
rinnen und Nutzer, also das Publikum, steht im Mittelpunkt. Sie entscheidet, was wichtig ist,
und nicht ein paar wenige Leute im Hintergrund, die den Dienst entwickeln. Web-2.0-
Anwendungen machen den User zum aktiven und strukturellen Bestandteil eines sich ständig
entwickelnden Dienstes. Diese Eigenschaft führt auch zu einer Demokratisierung der Daten. Im
Web können nun alle publizieren und es gibt keine Redaktionen, welche die Daten auswählen.
Die User werden zu Autoren und Privates wird zunehmend öffentlich. Die Benutzerinnen und
Benutzer holen sich in der Web-2.0-Ära das Web sozusagen wieder zurück: „The Web is the
medium but it’s powered by people” [Hinchcliffe 2006].
Die Stärke von Web 2.0 ist die Nutzung der kollektiven Intelligenz. Die Dienste sind auf die
Partizipation der Benutzerinnen und Benutzer ausgerichtet, die ihre Informationen gegenseitig
austauschen (siehe Abbildung 7 und 8). Jeder Anwender kann seine Daten und Ideen auf dieser

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Plattform bereitstellen und veröffentlichen. Durch die Vernetzung und Verlinkung der einzel-
nen User und Daten ergibt sich dadurch ein Kollektiv, das eine eigene Intelligenz besitzt. Die
Prinzipien von Web 2.0 sind auf diese kollektive Intelligenz ausgerichtet.

Web 1.0

Inform
atio nen

Informationen

en
ation
Inform

User Webserver

Abbildung 7: Informationsfluss im Web 1.0.

Web 2.0

Informationsaustausch

User Webserver

Abbildung 8: Informationsfluss im Web 2.0.

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Einfache Bedienbarkeit

Web-2.0-Dienste zeichnen sich durch eine einfache und benutzerfreundliche Bedienbarkeit aus.
Die Bedienbarkeit wurde einerseits durch die hohe Reaktionsgeschwindigkeit der Anwendun-
gen und andererseits durch eine Standardisierung erleichtert.
Das Konzept Web 2.0 knüpft an Berners-Lees ursprünglicher Nutzungsidee der Interaktivität
und Partizipation im World Wide Web an. Technologien und Programmiertechniken wie Ajax
oder RSS waren mitentscheidend an der „Revolution im Netz“, da sie diese Ziele erleichterten.
Bei der Sammelbezeichnung Ajax handelt es sich nicht um eine einzelne Technologie, sondern
um mehrere Technologien, die auf eine neue und wirksame Weise miteinander verbunden wer-
den. Die Kombination von XHTML, CSS, XML, dem asynchronen Austausch über
XMLHttpRequest und JavaScript, ermöglicht, dass Web-Anwendungen fast so schnell wie
Desktop-Anwendungen reagieren. Mit Ajax wird der Datenaustausch zwischen Web-Client
und Webserver beschleunigt, weil bei Benutzeraktionen, wie das Klicken auf eine Schaltfläche,
die Bildschirmdarstellung nicht jedes Mal komplett neu aufgebaut werden muss. Die User blei-
ben die ganze Zeit auf der gleichen Webseite, nur einzelne Teile der Seite werden neu geladen.
Mit Ajax können Applikationen im Browser unabhängig von der Hardware-Plattform und des
Betriebssystems der Computer verfügbar gemacht werden. Ein Browser mit aktivem Java-
Script ist ausreichend. Die Programme werden nicht mehr lokal auf den Rechnern installiert,
sondern sind plattformunabhängig im Browser verfügbar und können somit als „virtuelle Soft-
ware“ [Rüddigkeit 2006, S. 36] gebraucht werden. Dank Ajax wurden Desktop-Anwendungen
zunehmend ins Web verlagert. Viele bekannte Web-2.0-Dienste, wie beispielsweise Flickr oder
Del.ico.us, setzen Ajax ein. Allerdings genügt das Verwenden von Ajax alleine nicht, um eine
Applikation mit dem Schlagwort Web 2.0 versehen zu können: „Just because something uses
Ajax and is presented on the web doesn't make it a Web 2.0 application“ [vgl. O’Reilly 2006a].
Neben der mit Ajax ermöglichten Schnelligkeit von Web-Anwendungen haben sich bei Web-
2.0-Applikationen das Einhalten von Webstandards und ein reduziertes und übersichtliches
Design durchgesetzt, was die Bedienbarkeit der Anwendungen beträchtlich erhöht. Dank der
reduzierten Gestaltung können sich die Benutzerinnen und Benutzer rasch auf den Webseiten
zurechtfinden und orientieren. Das Design ist bestmöglich auf die Anwender ausgerichtet, da-
für ist die Funktionsvielfalt der Dienste teilweise eher bescheiden. Durch Webstandards wie
XHTML und CSS werden die Webseiten in unterschiedlichen Endgeräten immer bestmöglich
angezeigt.

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Die Web-2.0-Dienste erlauben den Anwendern ohne Programmierkenntnisse Daten ins Web zu
stellen. Anstatt sich mit technischen Dingen auseinandersetzen zu müssen, können sich die
User auf die Inhalte konzentrieren und innert kurzer Zeit viele Daten im Web bereitstellen. Ein
Blog kann beispielsweise in wenigen Minuten eingerichtet und genutzt werden (siehe Abbil-
dung 9). Die einfache Bedienbarkeit hat zur raschen Verbreitung und Popularität des Bloggens
beigetragen.

Abbildung 9: Startseite von Blogger.com.

Mashups

Web-2.0-Dienste stellen in der Regel Programmierschnittstellen bereit, die es anderen Anwen-


dungen ermöglichen, auf die Daten oder Funktionen des Dienstes zugreifen zu können. Diese
Schnittstellen werden APIs (Application Programming Interface) genannt. Durch Schnittstellen
werden der Austausch von Daten und die Interaktion zwischen unterschiedlichen Systemen
erleichtert. Dank den offenen APIs vieler Dienste können die früheren Internetaktivitäten aus
ihrer Isoliertheit gelöst und Dienste beliebig kombiniert werden. So können Inhalte aus ver-
schiedenen Diensten verknüpft und zu einem neuen Angebot zusammengefügt werden. Daraus
entstehen die Mashups.

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Der zurzeit am häufigsten benutzte Service, der zum Remixen verwendet wird, ist Google
Maps. Über die offenen APIs lassen sich auf jeder Webseite lizenzierte Landkarten und Satelli-
tenfotos von Google Maps einbinden und mit speziellen Markierungen ausstatten. Jeder Dienst,
für den Standorte wichtig sind, kann über die APIs das Karten- und Satellitenmaterial in den
eigenen Dienst integrieren. So lassen sich beim Web-2.0-Dienst Plazes mit Google Maps die
Standorte der registrierten Benutzer anzeigen (siehe Abbildung 10). Die jeweiligen Standorte
können von den Usern auch per Mobile Phone an Plazes gesendet werden.

Abbildung 10: Plazes hat Google Maps in seinen Dienst integriert.

Folksonomy

Eine Kernkompetenz von Web-2.0-Anwendungen ist die Datensammlung. Die Herausforde-


rung der Dienste besteht darin, den Anwendern einen geordneten Zugang zu diesen Daten zu
ermöglichen. Je mehr Kunden und Daten ein Dienst ansammelt, desto schwieriger wird es, die-
se Daten strukturiert abzulegen und wieder auffindbar zu machen.
Die Web-2.0-Dienste lassen die Daten in der Regel von den Benutzerinnen und Benutzern sel-
ber organisieren. Es wird häufig die Methode der Verschlagwortung bzw. des Taggings ange-
wandt, d. h. die Daten werden von den Usern mit Schlagwörtern, den Tags verknüpft. Die ver-
schlagworteten Daten können anschliessend in individuell erstellte und wiederum mit Tags
bezeichnete Kategorien abgelegt werden.

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Wenn mehrere Leute an einer solchen Klassifizierung teilnehmen, wird dieses Prinzip Folk-
sonomy (gemeinschaftliches Indexieren) genannt. Das Wort Folksonomy ist eine Zusammen-
setzung aus „Folks“ (Leute) und Taxonomie. Die Folksonomy ist, im Gegensatz zur her-
kömmlichen Taxonomie, eine Art kollaborative Klassifizierung mit frei wählbaren Schlag-
wörtern (siehe Illustration auf dem Titelblatt).
In der Abbildung 11 sind die am häufigsten verwendeten Schlagwörter zu sehen, unter denen
die Bookmarks von Del.icio.us-Usern abgespeichert wurden. Je öfter ein Tag verwendet
wird, desto grösser erscheint er in der Tag cloud (Wortwolke).

Abbildung 11: Tag cloud.

Das Folksonomy-Modell passt ins benutzerfreundliche Konzept von Web 2.0, da die Klassifi-
kationsstrukturen von den Benutzerinnen und Benutzern selber gewählt werden. Die Anwender
und deren Bedürfnisse stehen bei dieser Klassifikationsmethode im Vordergrund. Die Katego-
rien werden anhand der kollektiven Intelligenz erstellt und nicht von wenigen Fachpersonen
entwickelt. Die Benutzerdynamik regelt die Klassifizierung der Daten selber. Sie wird alleine
durch die User „von unten“ festgelegt und entspricht der momentanen Sicht des Benutzer-
stammes des jeweiligen Dienstes. Für die Betreiber und Entwickler der Web-2.0-Dienste ist
dieses Vorgehen ein Vorteil, weil sie sich nicht um eine zielgruppen-orientierte Klassifizierung
sorgen müssen. Die Anwender nehmen den Dienstanbietern somit eine grosse Arbeit ab [vgl.
Kleske 2006, S. 45].
Für viele Web-2.0-Dienste ist das durch die User organisierte Tagging ein grosser Vorteil und
fast nicht mehr wegzudenken. Das Taggen ermöglicht eine vielseitige, überlappende Assoziie-
rung, die der Arbeitsweise des Gehirns näher kommt als eine starre Klassifizierung [vgl.
O’Reilly 2005a]. Die von den Anwendern gemeinsam erstellten Schlagwortkataloge haben

20
gegenüber herkömmlichen Katalogen ausserdem den Vorteil, dass sie durch ihre Anpassungs-
fähigkeit immer aktuell bleiben und sich durch einen grossen alltagssprachlichen Bezug aus-
zeichnen [vgl. Brückmann 2007].
Das Taggen kann aber auch Nachteile haben. Die Verschlagwortung ist sehr subjektiv und un-
einheitlich, eine Recherche und Informationssuche wird damit erschwert. Die zu benennenden
Dateien werden nach individuellen Gesichtspunkten getaggt, die anderen Usern verborgen
bleiben und deshalb nicht gefunden werden können. So kann ein Ferienfoto bei Flickr bei-
spielsweise nach dem Aufnahmeort, dem abgebildeten Gegenstand, dem Namen der fotogra-
fierten Person, oder der Jahreszeit usw. benannt und eingeordnet werden. Andererseits können
die Inhalte oftmals mit mehreren Tags markiert werden, was die Suche wiederum erleichtern
kann.
Die Kategorisierung ist bei einer Folksonomy häufig unübersichtlich, da sie mehr einem per-
sönlichen, intuitiven Denken und weniger einer logischen und strukturierten Auseinanderset-
zung mit dem Ganzen erfolgt. Eine Folksonomy weist ausserdem oft eine grosse Anzahl an
Kategorien aus, die ihrerseits wieder unüberschaubar sein können. Bei der in der vorliegenden
Arbeit vorgeschlagenen Klassifizierung der Web-2.0-Dienste werden die Kategorien deshalb
„von oben“ erstellt, um damit die Unschärfen möglichst gering zu halten und die Kategorien
auf wenige, übersichtliche Dimensionen zu begrenzen. Interessant hingegen wäre es, den Be-
nutzerinnen und Benutzern die Dienste unter den jeweiligen Kategorien selber einteilen zu las-
sen, um zu sehen, wie die „kollektive Intelligenz“ die Anwendungen am meisten nutzt. Mit
diesen Informationen könnte untersucht werden, für welchen Zweck und mit welcher Zielset-
zung die jeweiligen Dienste am meisten genutzt werden und welche Hauptaktivität die User in
den Anwendungen ausüben.

2.4. Social Software und Web 2.0

Das Konzept Web 2.0 bietet für die Entwickler und Anwender von Social Software interessante
Möglichkeiten. Die Eigenschaften und die damit verbundenen Vorteile von Web 2.0 helfen der
Social Software, sich webbasiert rasch auszubreiten. Der Begriff Social Software wird oft auf
den US-amerikanischen Internetexperten Clay Shirky zurückgeführt, der Social Software als
„software that supports group interaction“ [Shirky 2003] definierte. Mit Social Software sind
Applikationen gemeint, welche den Anwendern „durch computervermittelte Interaktion ermög-

21
licht zu kommunizieren, soziale Verbindungen aufzubauen und zusammenzuarbeiten“ [Brück-
mann 2007].
Die Bezeichnungen Web 2.0 und Social Software werden oft für Synonyme gehalten, auch
wenn sie es nicht sind. Die Abgrenzung ist nicht leicht, weil weder der Begriff Web 2.0, noch
der Begriff Social Software eine eindeutige und allgemein anerkannte Definition verfügt. Je
nach Sichtweise kann die Bezeichnung Social Software breiter oder enger gefasst werden. Be-
zieht man sich auf die populäre und offene Definition von Shirky, welche Social Software nicht
aufs World Wide Web begrenzt, dann können zu Social Software auch Dienste gezählt werden
wie E-Mail, Instant Messaging oder Foren, die traditionellerweise dem Internet, aber nicht dem
WWW zugeordnet werden.
Social Software stellt die Benutzerinnen und Benutzer und den gegenseitigen Informationsaus-
tausch in den Mittelpunkt. Bei Web-2.0-Diensten ist zudem die Nutzung der kollektiven Intel-
ligenz eine Voraussetzung: Sie brauchen deshalb möglichst viele User. Für Web-2.0-Dienste
gelten also Prinzipien, die für Social Software keine Rolle spielen müssen. Social Software
kann beispielsweise auch als Paketsoftware ausgeliefert werden, die lokal auf den PCs instal-
liert und anschliessend übers Internet vernetzt wird. Web 2.0 ist hingegen typisch browserba-
siert und wird nicht als lokal im PC zu installierende Paketsoftware ausgeliefert. Auch wenn
der Begriff Social Software nicht mit Web 2.0 verwechselt werden sollte, so ist er sicherlich
eine hilfreiche Bezeichnung für Web-2.0-Dienste, bei welchen die soziale Interaktion im Zent-
rum steht.

2.5. Web 2.0 – Vorteile und Risiken

Vorteile und Mehrwert

Web-2.0-Dienste bieten den Anwendern viele Vorteile. Die Benutzerinnen und Benutzer kön-
nen geografisch unabhängig auf die eigenen Daten zugreifen, weil die Dienste das Web als
Plattform benutzen. Wenn ich beispielsweise meine Lesezeichen in einem Web-2.0-Dienst ab-
speichere, kann ich sie nicht nur auf meinem eigenen Rechner zu Hause oder am Arbeitsplatz,
sondern auch in einem Internetkaffee in der Mongolei ansehen. Die Dienste sind überall ver-
fügbar, wo das Internet zugänglich ist und wir online sind.

22
Die Ausbreitung des Internets und die Möglichkeit, nicht nur über WLAN, sondern auch über
Mobilfunk-Netze aufs Internet zugreifen zu können, werden in Zukunft den Einfluss von On-
line-Diensten verstärken. So haben auch Leute in Regionen, wo nur wenige Telefonleitungen
verfügbar sind, aber die Mobilfunktechnologie sich aufgrund der geringeren Kosten rasch aus-
breitet (wie z. B. in vielen Ländern Afrikas), die Gelegenheit, diese meist kostenlosen Dienste
zu brauchen.
Für Entwicklungsländer können Web-2.0-Dienste eine Chance sein, da sie Software übers In-
ternet nutzen können, ohne einen Rechner mit teurer Grundausstattung kaufen zu müssen. Da
die Dienste in einem Browser laufen, sind sie geräteunabhängig und es besteht ausserdem keine
Gefahr von Komplikationen mit anderer Software auf den Rechnern. Einfache Web-PCs rei-
chen aus, um das ganze Angebot der Web-2.0-Anwendungen nutzen zu können. Die notwendi-
gen Breitbandverbindungen brauchen nicht übers Telefonnetz, sondern können auch über Ra-
diowellen und Satellitenübertragung an die abgelegensten Orte der Welt gebracht werden.
Da Web-2.0-Applikationen nur mit Hilfe von einer grossen Menge an Benutzerdaten (Data as
the Intel inside) überleben können, sind die Basisfunktionen der Dienste meistens gratis. So
können alle diese Dienste nutzen, für den privaten Gebrauch, aber auch Unternehmen oder
Ausbildungsstätten, die sich die hohen Anschaffungskosten vergleichbarer Paketsoftware nicht
leisten können.
Der Einsatz von Web-2.0-Diensten ist besonders attraktiv, wenn es um kollaboratives Arbeiten
oder um die Nutzung der kollektiven Intelligenz geht. Aber auch Funktionen, die ohnehin eine
Internetverbindung verlangen, wie beispielsweise die Lesezeichenverwaltung von Webseiten,
machen oftmals mehr Sinn, wenn sie nicht lokal gespeichert werden, sondern mit einem Web-
2.0-Tool wie z. B. Del.icio.us verwaltet werden.
Die Web-2.0-Dienste erleichtern den Austausch unter den Benutzerinnen und Benutzern und
helfen, sich geografisch unabhängig zu bewegen, aber trotzdem in Kontakt zu bleiben. Sie för-
dern den Wissensaustausch weltweit. Auch für das E-Learning, die Aus- und Weiterbildung,
bieten viele Web-2.0-Dienste mit ihrer einfachen Bedienbarkeit und vielfältigen Funktionen
einen Mehrwert.

Risiken

Für die Nutzung der Web-2.0-Dienste ist eine rasche Internetverbindung notwendig. Die Funk-
tionen und Daten der Dienste sind nur online verfügbar. Kann keine stabile Verbindung mit

23
dem Internet hergestellt werden, gibt es keine Möglichkeit, auf die eigenen Daten zugreifen zu
können.
Die persönlichen Daten werden auf Servern gespeichert, die unter der Kontrolle der Web-2.0-
Anbieter sind. Die Datenverfügbarkeit ist deshalb nicht unbedingt gewährleistet. Ein Serverab-
sturz oder das Einspielen von Updates kann den Zugang zu den eigenen Daten zeitweise ver-
hindern. Ob die Dienstanbieter die Daten auf den Servern mit Backups sichern, ist nicht immer
garantiert. Ausserdem gibt es in der Web-2.0-Branche einige Firmen, die langfristig dem Kon-
kurrenzdruck anderer Web-2.0-Dienstanbieter nicht standhalten können und ihre Dienste ein-
stellen werden. Um einen möglichen Datenverlust zu vermeiden, sollten deshalb die eigenen
Dateien von den Usern selbst nicht nur beim jeweiligen Web-2.0-Dienstanbieter, sondern zu-
sätzlich auch auf einem anderen Datenträger gespeichert werden.
Da Web-2.0-Dienste benutzererzeugte Daten sammeln und viele dieser Daten publiziert wer-
den, besteht die Gefahr, dass der „gläserne Nutzer“ entsteht. Die Transparenz kann neben posi-
tiven Effekten auch Gefahren mit sich bringen. Es gibt ein paar Regeln die beachtet werden
sollten, um die eigene Identität und die der anderen im Internet zu schützen. Die User sollten
sich ausserdem der Urheberrechte bewusst sein und sich überlegen, welche Daten und Inhalte
sie der Öffentlichkeit zugänglich machen wollen und welche nicht.
Nicht alle Applikationen müssen aufs Web verlagert werden. Der Vorteil einer lokal installier-
ten Software ist, dass sie auch offline genutzt werden kann. Ideal ist eine Mischung von lokaler
und webbasierter Software. So muss ein Bericht nicht unbedingt mit einem Web-2.0-
Textverarbeitungsdienst geschrieben werden, wenn nicht kollaboratives Arbeiten angestrebt
wird. Einige lokal auf dem Rechner zu installierende Textverarbeitungsprogramme, wie Open
Office Writer, können auch gratis vom Internet heruntergeladen werden. Die erstellten Texte
können anschliessend per E-Mail weitergeleitet oder mit diversen Web-2.0-Diensten weiterbe-
arbeitet und ausgetauscht werden.

24
3. E-Learning 2.0

Aus dem computer-basierten Training – dem CBT hat sich dank des Internets das web-basierte
Training – das WBT entwickelt, welches die Lerninhalte mit den Kommunikationsmöglichkei-
ten des Internets verbindet. Die Lerneinheiten befinden sich nicht mehr lokal auf den PCs, son-
dern auf einem Webserver und werden online abgerufen. Mit dem WBT entstand auch der
Oberbegriff E-Learning (electronic learning), welcher sich international durchsetzen konnte.
Web 2.0 bietet für das E-Learning neue Möglichkeiten. Analog zum Begriff Web 2.0 ist der
Begriff E-Learning 2.0 aufgetaucht. Das 2.0 steht für das Überdenken des Verhältnisses zwi-
schen Lernen und der Technologie, für die Entwicklung von neuen Lernpraktiken anhand der
vielseitigen Möglichkeiten der Web-2.0-Dienste [vgl. z. B. Facer 2006]. Im Zentrum von E-
Learning 2.0 stehen die Partizipation, das kollaborative Lernen und der soziale Prozess.

3.1. Web 2.0 im Unterricht

Der überlegte Einsatz von Web-2.0-Diensten kann im Unterricht einen grossen Mehrwert brin-
gen. Je nach Dienst und Zielsetzung der Unterrichtseinheit gibt es unterschiedliche Einsatz-
möglichkeiten. Besonders Dienste, bei denen die Partizipation und das kollaborative Arbeiten
aktiv gefördert werden, sind für Lehrpersonen und Auszubildende interessant. Viele Web-2.0-
Dienste haben sich auf Teamwork oder Gruppenarbeit spezialisiert. Sie eignen sich für das Be-
arbeiten und Organisieren von gemeinsamen Aufgaben. Aber auch Web-2.0-Tools, die vor
allem auf das Recherchieren ausgerichtet sind, können sinnvoll eingesetzt werden (siehe Ab-
bildung 12).

25
Dienst Aktivität Fach Einsatzbeispiel

Google Maps Recherchieren Geografie Schüler und Schülerinnen suchen nach typischen
Landschaftsmerkmalen

Zoho Show Erstellen Religion Schüler und Schülerinnen erstellen eine Präsen-
tation zum Thema Islam

Del.icio.us Organisieren Geschichte Schüler und Schülerinnen organisieren ihre


Bookmarks zur Projektarbeit Kolonialismus

Flickr Austauschen Bildnerisches Schüler und Schülerinnen tauschen Gebäude-


Gestalten Fotos zum Thema Perspektiven aus

Abbildung 12: Einsatzbeispiele von Web-2.0-Diensten im Unterricht. In der zweiten Spalte ist die Aktivität
aufgeführt, die im jeweiligen Dienst ausgeübt wird.

3.2. Ausblick

Obschon mit vielen Web-2.0-Diensten das kollaborative Lernen unterstützt werden kann, sind
sie in den Schulen noch wenig verbreitet, weil Erfahrungsberichte und Anleitungen schwer zu
finden sind. Web-2.0-Dienste haben in den Schulen jedoch ein grosses Potential, da die An-
wendungen nicht auf teuren Rechnern installiert und gewartet werden müssen.
Die vorliegende Arbeit ist Bestandteil der Idee, für die Lehrpersonen und Auszubildenden eine
Austausch-Plattform zu erstellen, wo sie sich über den Einsatz von Web-2.0-Diensten im Un-
terricht informieren können. Die Plattform würde eine Möglichkeit bieten, Ideen zu sammeln,
aber auch eigene Erfahrungen weiterzugeben und andere Beiträge zu kommentieren. Eine sol-
che Austausch-Plattform kann ein Wiki mit einer Tabelle enthalten, wo sich die Einsatzbeispie-
le neben den jeweiligen Web-2.0-Tools eintragen lassen (siehe Abbildung 12) und weitere In-
formationen oder Dokumente hinzugefügt werden können.

26
4. Klassifikation

4.1. Gründe für eine Klassifizierung

Das Angebot an Web-2.0-Diensten ist reichhaltig und verändert sich ständig. Nur schwer lässt
sich in wenigen Sätzen umfassend beschreiben, was für Dienste es gibt. Fallbeispiele lassen
sich leicht finden, umso schwieriger ist allerdings, sich einen Überblick über die verschiedenen
Anwendungen zu verschaffen. Wenn die Frage „Was ist Web 2.0“ geklärt ist, kommt oftmals
der Wunsch, einen groben Überblick über die Gesamtheit der Web-2.0-Dienste zu erhalten und
sie einzuordnen. Eine Klassifikation mit wenigen, aber deutlich unterscheidbaren und logischen
Kategorien ist für eine Einführung in die Web-2.0-Welt deshalb sehr hilfreich. Die Hoffnung,
anhand einer Klassifikation den didaktischen Nutzen der Web-2.0-Dienste deutlicher erkennbar
zu machen, hat dazu geführt, verschiedene Klassifizierungen zu überdenken und auszuprobie-
ren.

4.2. Klassifizierungs-Konzepte

Grundsätzlich gibt es verschiedene Möglichkeiten, Web-2.0-Anwendungen zu klassifizieren.


Bei einer Klassifikation stellt sich immer die Frage, nach welchem Ansatz klassifiziert werden
soll. Anschliessend werden deshalb ein paar Klassifizierungsmöglichkeiten vorgestellt und in
einer Tabelle zusammengetragen (siehe Abbildung 14).

Technologische Klassifizierung

Ein Ansatzpunkt für eine Klassifizierung könnten technologische Aspekte sein. Bei den Defini-
tionen von Web 2.0 stehen in erster Linie jedoch nicht die eingesetzten Technologien im Vor-
dergrund, sondern die Nutzung des Webs. Die meisten Benutzerinnen und Benutzer können mit
den technischen Hintergründen von Web 2.0 in der Regel nichts anfangen. Für sie ist viel wich-
tiger, dass die Tools funktionieren, zuverlässig und einfach zu bedienen sind, als dass sie sich
mit technischen Aspekten auseinandersetzen möchten. Eine Klassifizierung, die sich an den

27
technischen Begebenheiten von Web 2.0 orientiert, wäre für die meisten Anwender deshalb nur
schwer nachvollziehbar.

Klassifizierung nach Interaktionsgrad

Eine weitere Möglichkeit ist, die Dienste nach dem Interaktions- oder Partizipationsgrad der
User einzuordnen. Alle Web-2.0-Tools sind zwar auf Benutzerinteraktion angewiesen, diese
Gemeinsamkeit ist aber unterschiedlich stark ausgeprägt. Ein Blog hat beispielsweise eine an-
dere Partizipationsstruktur als Wikipedia. In einem Blog können die Texte der Autorinnen und
Autoren kommentiert, aber nicht verändert werden; bei Wikipedia hingegen sind auch die
Quelltexte von anderen Usern editierbar.
Da Web-2.0-Dienste sich ständig weiterentwickeln und sich in einem kontinuierlichen Beta-
Status befinden, wird von den Entwicklern oftmals auch die Partizipationsstruktur verändert. Je
nach Tool kann der Partizipationsgrad ausserdem mit kostenpflichtigen Zusatzfunktionen ver-
grössert werden. So war beispielsweise der Web-2.0-Dienst Box.net für die persönliche Ablage
der Dateien gratis, für den Dateiaustausch mit anderen Benutzerinnen und Benutzern anfangs
jedoch zahlungspflichtig. Diese Funktion wurde später in den Gratisdienst integriert: Andere
Zusätze, wie das Vergrössern der Speicherkapazität, sind weiterhin kostenpflichtig.
Die Klassifizierung der Anwendungen nach dem Grad der Benutzerinteraktion ist nicht nur
aufgrund der raschen Entwicklung der Dienste schwierig, sondern auch, weil ein Interaktions-
grad abstrakt und kaum zu unterteilen ist. Eine Klassifizierung wäre instabil und sehr unscharf.

Klassifizierung nach Thema oder Inhalt

Viele Web-2.0-Listen, die man im Internet findet, unterteilen die Dienste thematisch nach den
Inhaltsschwerpunkten. Die einzelnen Web-2.0-Dienste bieten oft eine grosse Fülle von Inhalten
und Funktionen an. Eine Unterscheidung nach dem Informationsangebot der Dienste ist durch
die Vielfalt der Themen deshalb fast nicht durchführbar. Diese im Web publizierten Klassifi-
zierungen haben eine so grosse Anzahl an Kategorien, dass sie ihrerseits nicht überschaubar
sind. Manchmal wird noch die Kategorie „Diverses“ angefügt, weil es immer neue Inhalte und
Themen gibt, die sich schwer einordnen lassen.

28
Klassifizierung nach Medien

Die Dienste können auch nach den von ihnen gesammelten Medien wie Bild, Text, Audio, Vi-
deo usw. klassifiziert werden. Der Dienst YouTube wäre dann unter der Videokategorie, die
Blogs in der Kategorie Text zu finden. Andererseits sind die Blogs nicht auf Texte beschränkt.
Es gibt auch Bloggerinnen und Blogger, die in ihren Weblogs vor allem Bilder oder Videos
veröffentlichen, auch wenn dafür andere Dienste eine bessere Plattform anbieten. Eine Klassi-
fikation nach Medien sagt ausserdem nur wenig über den Zweck der Dienste aus. Im Netz sind
deshalb nicht viele Klassifizierungen dieser Art zu finden.

Klassifizierung in Online-Nutzungsebenen

O’Reilly hat im Juli 2006 in seinem Blog unter der Überschrift „Levels of the Game: The Hie-
rarchy of Web 2.0 Applications“ [O’Reilly 2006a] die Dienste in vier Ebenen eingeordnet,
welche eine Online-Nutzenhierarchie darstellen (siehe Abbildung 13).
In der obersten Ebene 3 befinden sich Web-2.0-Dienste, die nur im Netz existieren können und
ihre Kraft vom Netzwerk und den Verbindungen zwischen den Usern und Anwendungen be-
ziehen. Es handelt sich um Dienste, welche die Netzwerkeffekte optimal nutzen und besser
werden, je mehr Leute sie nutzen. Diese Dienste sind fundamental auf den gemeinsamen Aus-
tausch und Online-Aktivitäten (shared online activity) aufgebaut und könnten offline nicht
existieren. Als Beispiel werden Dienste wie eBay, Wikipedia und Del.icio.us genannt.
In der zweiten Ebene sind Applikationen, die offline zwar existieren könnten, aber nur online
einen Vorteil haben. Als Beispiel wird der Fotodienst Flickr erwähnt. Die Anwendung kann
genutzt werden, um Fotodateien zu verwalten und organisieren. Der grosse Vorteil von Flickr
besteht aber in der Möglichkeit, die Fotos zu veröffentlichen, kommentieren zu lassen und aus-
zutauschen.
Auf der ersten Ebene sind Anwendungen, die offline erfolgreich existieren können, aber online
durch zusätzliche Funktionen gewinnbringend sind. Der Web-2.0-Textverarbeitungsdienst Wri-
tely beispielsweise lässt sich gut offline alleine nutzen, aber richtig interessant wird das Tool
vor allem durch Online-Funktionen, die das kollaborative Schreiben ermöglichen.
Die unterste Ebene 0 steht für Applikationen, die vor allem online genutzt werden, aber gerade
so gut mit Daten im lokalen Cache laufen würden, wie beispielsweise Google Maps. Mashups

29
wie Housingmaps.com, welche Google Maps in ihren Dienst einbauen, können allerdings auf
einer höheren Online-Nutzungsebene sein.
Das von O’Reilly vorgestellte Klassifizierungskonzept lässt sich nicht einfach beschreiben. Es
teilt die Dienste nach ihrem Onlinenutzen ein und ist damit nahe an der Web-2.0-Philosophie.
Die Nutzung der Netzwerkeffekte zu bestimmen bedingt allerdings eine sehr gute Kenntnis
über die jeweiligen Tools und ist schwer zu beurteilen. Sie ist eher für Fachkräfte und Web-
2.0-Spezialisten interessant als für den allgemeinen User.

Web 2.0

Ebene 3

Ebene 2
Online-Nutzen

Ebene 1

Ebene 0

Web 1.0

Abbildung 13: Online-Nutzenhierarchie der Dienste.

Klassifizierung nach Aktivität und Zielsetzung

Die Web-2.0-Tools lassen sich auch nach Aktivität oder Zielsetzung der Benutzerinnen und
Benutzer einteilen. Wenn die User eine Web-2.0-Anwendung brauchen, verfolgen sie damit
eine bestimmte Absicht. Im Flickr-Dienst möchten sie beispielsweise ihre Fotos veröffentli-
chen und austauschen. Rufen die User hingegen das Projektmanagement-Tool Basecamp auf,
machen sie dies wahrscheinlich aus dem Grund, sich über den Stand der Dinge eines Projektes
zu informieren und anschliessend den weiteren Ablauf zu organisieren. Die Benutzerinnen und
Benutzer verwenden die Dienste immer mit einer bewussten oder unbewussten Absicht.

30
Übersicht der genannten Klassifizierungs-Konzepte

Klassifizierungs-Konzept Orientierung und Bewertung

Technologisch Orientierung nach technischen Begebenheiten von Web 2.0.


Bewertung: Undurchschaubar für die Anwender.

Interaktionsgrad Orientierung nach Interaktionsgrad der User.


Bewertung: Sehr unscharf und instabil.

Thema oder Inhalt Orientierung nach Informationsangebot.


Bewertung: Unüberschaubar wegen immenser Vielfalt von Inhalten.

Medien Orientierung nach Text, Bild, Audio, Video.


Bewertung: Zuwenig aussagekräftig.

Online-Nutzungsebenen Orientierung nach Onlinenutzen.


Bewertung: Zu komplex für die Anwender.

Aktivität und Zielsetzung Orientierung nach Aktivität und Absicht der Anwender.
Bewertung: Etwas unscharf, aber einfach nachvollziehbar.

Abbildung 14: Mögliche Klassifizierungs-Konzepte und deren Bewertung.

4.3. Klassifizierung nach User-Aktivität

Entscheidungsgrundlagen

Bei Web 2.0 stehen die Benutzerinnen und Benutzer im Zentrum, die mit ihren Handlungen die
Dienste attraktiver machen. Für die Klassifizierung der Web-2.0-Dienste wurde deshalb ein
Konzept gewählt, bei dem die Kategorien nach den Aktivitäten und Zielsetzungen der User
erstellt werden. Bei der Entscheidung eines Klassifizierungs-Konzeptes spielte die Zielgruppe
eine grosse Rolle. Die vorliegende Klassifizierung wurde für alle Personen erstellt, die sich in
der Ausbildung befinden oder tätig sind.
Weil das „Web als Plattform“ bei Web-2.0-Diensten zwar als ein Prinzip gilt, aber eine gewisse
Elastizität zu haben scheint (siehe Kapitel 2.3), wurde bei der Erstellung der Klassifizierung
darauf geachtet, dass die User vor dem Klassieren zuerst nicht noch technisch abklären müssen,
ob ein Tool nun wirklich eine Web-Applikation ist oder nicht. Auch ein Dienst, der vielleicht
unter einigen Web-2.0-Profis nicht als Web-2.0-Applikation betrachtet wird, kann in der Regel
klassiert werden, ohne dass dies die weitere Klassierung beeinträchtigt. Bei der Klassifikation
nach User-Aktivitäten ist es also nicht zwingend, ob eine Applikation nun webbasiert ist oder

31
auf einer anderen Technologie beruht. Die Klassifikation kann somit auch generell für Social
Software angewandt werden. Das entscheidende Prinzip bleiben die Aktivitäten der User.
In Zukunft werden die Dienste vermehrt nicht nur auf PCs, sondern auch auf anderen Endgerä-
ten verfügbar sein. Zumindest kann heute schon mit Handys auf Web-2.0-Dienste wie Pla-
za.com zugegriffen werden. Diese Neuerungen im Sinne vom Prinzip „Software über Grenzen
einzelner Geräte hinaus“, beeinflusst die vorgeschlagene Klassifizierung nur wenig, da die ge-
wählten Kategorien solche Entwicklungen mit einbeziehen.

Vorgehen bei der Klassifizierung

Für die Erstellung einer Klassifikation nach User-Aktivitäten müssen zuerst alle Tätigkeiten
ergründet werden, die im Internet mit den Web-2.0-Diensten möglich sind. Daraus ergibt sich
eine Liste mit Verben, die wiederum in Tätigkeits-Kategorien zusammengefasst werden kön-
nen. Die Schwierigkeit beim Entwerfen einer solchen Kategorisierung ist das Erkennen aller
möglichen Tätigkeiten und die Entscheidung, welche der in den Tools ausgeübten Aktivitäten
einen besonders hohen Stellenwert haben.
Damit die Klassifizierung übersichtlich bleibt, mussten die Hauptaktivitäten auf wenige Kate-
gorien beschränkt werden. Angestrebt wurde eine Klassifizierung der Dienste in fünf bis sieben
Dimensionen bzw. Hauptaktivitäten. Die Schwierigkeit einer Web-2.0-Klassifizierung besteht
darin, sie so zu gestalten, dass alle Web-2.0-Tools möglichst rasch klassiert werden können.
Die Tätigkeits-Kategorien sollten die Verschiedenheit aller Web-2.0-Tools auffangen, damit
keine Rubrik „Diverses“ hinzugefügt werden muss.
Bei der Wahl der Kategorien wurde darauf geachtet, dass die Begriffe möglichst präzise sind
und sich voneinander möglichst klar unterscheiden. Die Klassifizierung von Web-2.0-
Anwendungen untersteht allerdings immer einer gewissen Unschärfe. Da der Name Web 2.0
für ein Konzept steht, welches nicht eindeutig definiert werden kann, sollte die Klassifikation
diese Unschärfe aufnehmen können. Auch Tools, die eine grosse Vielfalt an diversen Funktio-
nen aufweisen und in denen die Benutzerinnen und Benutzer ganz verschiedene Tätigkeiten
ausüben können, sollten klassierbar sein. Die Kategorien müssen also in einem gewissen Sinne
flexibel sein. Theoretisch könnten die vorgeschlagenen Kategorien auch umbenannt oder zu-
sammengeführt werden; es könnten auch bestimmte Kategorien abgespalten oder hinzugefügt
werden. Das Ziel bei der Auswahl der Kategorien war, die Klassifizierung möglichst zu objek-
tivieren und die Kategorien zu optimieren.

32
4.4. Beschreibung der Kategorien

Als Benutzer-Hauptaktivitäten wurden folgende Handlungen bestimmt: Recherchieren, Erstel-


len, Austauschen, Organisieren und Vernetzen (siehe Abbildung 15). Die Hauptaktivitäten stel-
len ein paar grundsätzliche Nutzungsarten von Web-2.0-Diensten dar (siehe Abbildung 16).
Welche weiteren Aktivitäten diesen Hauptaktivitäten zugeordnet wurden, kann in der Abbil-
dung 17 nachgelesen werden. Anhand der Haupttätigkeiten sind die Kategorien erstellt worden,
in welche die Dienste eingeordnet werden können (siehe Abbildung 18).

Abbildung 15: User-Hauptaktivitäten mit fünf Dimensionen.

33
Für welchen Haup tzw eck verwende ic h den Die nst?

Recherchieren Ers tellen Aus taus chen Organis ieren Vernetzen

Abbildung 16: Hauptaktivitäten der Benutzerinnen und Benutzer in Web-2.0-Diensten.

Hauptaktivität Dazugehörende Aktivitäten

Recherchieren erforschen, nachforschen, ermitteln, nachprüfen, erkunden, sammeln


resarch

Erstellen entwickeln, entwerfen, ausdenken, darlegen, konstruieren, konzipieren, skizzieren, verfas-


create, develop sen, ausarbeiten, erarbeiten, kreieren

Austauschen veröffentlichen, informieren, bekanntgeben, herausbringen, herausgeben, offenlegen, in-


share, publish formieren, belehren, berichten, erzählen, unterhalten, kaufen, beschäftigen, debattieren,
amüsieren, zerstreuen, kommentieren, bewerten

Organisieren verwalten, ordnen, herbeiholen, beschaffen, bearbeiten, planen, projektieren, managen,


organise, administ- veranstalten, regeln, rationalisieren, veranstalten, leiten, führen, wirtschaften, unternehmen
rate

Vernetzen zusammenbringen, verbinden, benachrichtigen, vermitteln, verständigen, übermitteln, mel-


link, net, connect den, ausrichten, vereinigen, zusammenscharen, unterhalten, zusammenschliessen

Abbildung 17: User-Hauptaktivitäten und dazugehörende Tätigkeiten.

Recherchieren Recherchier-Dienste

Erstellen Erstellungs-Dienste

Austauschen Austausch-Dienste

Organisieren Organisations-Dienste

Vernetzen Soziale Netzwerk-Dienste

Abbildung 18: Klassifikation der Web-2.0-Dienste nach User-Aktivitäten und Zielsetzungen.

34
5. Klassierung der Dienste

5.1. Herausforderungen

Die Dienste bieten oft eine Vielzahl von Funktionen an, welche die Anwender je nach Zielset-
zung in unterschiedlichem Masse nutzen. Es ist den Usern überlassen, welche Funktion beim
genutzten Web-2.0-Tool für sie im Mittelpunkt steht und welchen Zweck sie damit verfolgen.
Die User-Aktivitäten unterscheiden sich individuell.
Die Herausforderung bei der Klassierung nach User-Aktivität ist die Bestimmung der Hauptak-
tivität der Anwender. Der Web-2.0-Dienst Del.icio.us z. B. wird von vielen Usern hauptsäch-
lich für das Verwalten und Organisieren der eigenen Lesezeichen genutzt. Die Bookmarks
können aber auch veröffentlicht und von anderen Anwendern angesehen werden, womit ein
„passiver“ Austausch der Lesezeichen unter den Usern stattfindet. Das Tool bietet auch eine
Funktion an, die es ermöglicht, die Links anderen Anwendern zu senden und somit „aktiv“
auszutauschen. Einige User benutzen den Dienst auch für die Recherche von Webseiten zu
bestimmten Schlagwörtern, da im Tool unter anderem angezeigt wird, wie viele User die Links
als Lesezeichen abgespeichert haben und wie populär demnach die Webseite ist. Del.icio.us
kann also zum Organisieren, Austauschen und Recherchieren verwendet werden. Trotz den
vielen Möglichkeiten fällt das Schwergewicht in der Regel auf das Verwalten und Organisieren
der eigenen Bookmarks, mit dem grossen Vorteil, auf jedem Computer auf die eigenen Lese-
zeichen zugreifen zu können, weil sie nicht lokal auf dem Rechner gespeichert sind. Der Web-
2.0-Dienst Del.icio.us wurde deshalb der Kategorie „Organisations-Dienste“ zugeordnet.
Da Web-2.0-Dienste ständig weiterentwickelt werden, können sich auch die Hauptaktivitäten
der Benutzerinnen und Benutzer ändern. Somit kann ein Dienst, der z. B. in der Kategorie „Or-
ganisations-Dienste“ eingeteilt wurde, zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht in die Kategorie
„Austausch-Dienste“ eingeordnet werden. In diesem Zusammenhang spielt auch eine Rolle,
inwieweit sämtliche Funktionen der Dienste berücksichtigt werden. Das Web-2.0-Tool Box.net
hatte beispielsweise anfangs nur die Online-Dateiverwaltung gratis zur Verfügung gestellt. So
konnten die User ihre Daten online speichern und sie an einem anderen PC wieder abrufen.
Seitdem auch weitere Funktionen wie das Austauschen von Dateien kostenlos wurden, ist an-
zunehmen, dass bei Box.net der gemeinsame Dateiaustausch vermehrt gebraucht wird und in
Zukunft vielleicht der meistgenutzte Hauptzweck dieses Tools sein könnte. Auch wenn es ein

35
Ziel sein sollte, die Tools möglichst objektiv zu klassieren, bleibt die Umsetzung subjektiv,
solange keine umfassenden statistischen Daten verfügbar sind.

5.2. Fallbeispiel

Um ein Web-2.0-Dienst im vorliegenden Klassifizierungs-Modell klassieren zu können, sollten


die Funktionen und Möglichkeiten der Dienste sowie der Hauptzweck ermittelt werden. An-
schliessend kann ein Schwerpunkt bzw. eine Haupttätigkeit gewählt werden. Die Hauptaktivität
kann anhand der Grundideen der Dienstanbieter und den mutmasslich häufigsten oder wich-
tigsten Tätigkeiten der Anwender festgelegt werden
Nehmen wir zum Beispiel die Web-2.0-Anwendung YouTube: Dieser Dienst hat sich auf das
Medium Video spezialisiert. Mit YouTube können die Internetbenutzerinnen und -benutzer
Videos im Web veröffentlichen und ansehen. In Zeitungen und Zeitschriften, aber auch im
Fernsehen und Radio wird immer mehr auf Videos verwiesen, die sich auf YouTube befinden.
Bei YouTube ist die Veröffentlichung eigener Videos sehr einfach. Es werden deshalb ständig
neue Videos publiziert, die unter den Usern ausgetauscht werden. Die einfache Bedienbarkeit
von YouTube hat dazu geführt, dass sie heute die meistbesuchte Video-Austausch-Plattform
ist. Das Tool ist allerdings nicht besonders attraktiv, nur um die eigenen Videos zu verwalten
oder organisieren, ohne sie zu veröffentlichen und auszutauschen. Die Philosophie und der
Hauptzweck des Dienstes ist der Austausch der von den Usern erstellten Videos. YouTube
kann deshalb unter den Austausch-Diensten eingeteilt werden. Die Klassierung von YouTube
und einigen anderen bekannten Web-2.0-Diensten sind in der Abbildung 19 ersichtlich.

36
Hauptaktivität Kategorie Tools (Beispiele)

Recherchieren Recherchier- Dienste Feedreader, Pipes (RSS-Aggregator), Eventful (Event


Search), Google Maps (Mapping)

Erstellen Erstellungs- Dienste Google Docs & Spreadsheets, Writeboard.com, Num-


bler.com, Zoho Show (Office 2.0), BrainReactions.net
(Brainstorming), Wikipedia (Encyclopedia)

Austauschen Austausch- Dienste Flickr (Photo Sharing), YouTube (Video Sharing), Pod-
ster (Podcast), Ebay, Amazon (Shopping), Blogger.com
(Blog), TravelPost (Hotel Review), Digg (News)

Organisieren Organisations- Dienste Voo2do.com, Remember The Milk (To Do List), Base-
camp (Project Management) CalendarHub (Calendar),
Del.icio.us (Social Bookmarking), Pageflakes, Netvibes,
Desktoptwo.com (Start Pages), Box.net (File Storage)

Vernetzen Soziale Nezwerk- Dienste My Space (Social Community), Xing (Contact Manage-
ment), Orkut, Places.com (Dating)

Abbildung 19: Web-2.0-Dienste eingeordnet nach User-Hauptaktivität und Zielsetzung.

37
6. Schlusswort

Web 2.0 wurde ursprünglich als Marketingbegriff eingeführt und steht für ein Konzept. Das
Konzept lässt sich nicht genau definieren, aber anhand von Eigenschaften und Praktiken be-
schreiben. Das Schlagwort Web 2.0 steht für eine neue Wahrnehmung und Haltung gegenüber
dem Web. Im Zentrum ist die Partizipation der Benutzerinnen und Benutzer. Die Dienste nut-
zen Netzwerkeffekte und die kollektive Intelligenz. Sie erleichtern das kollaborative Arbeiten
und sind geografisch unabhängig verfügbar. Web 2.0 ermöglicht eine neue Art der Kommuni-
kation und Mobilität, die sich auf unsere Gesellschaft auswirkt.
Eine einfache und anschauliche Klassifikation der Web-2.0-Dienste hilft, die Vielfalt und
Einsatzmöglichkeiten der Anwendungen aufzuzeigen, ohne dabei den Überblick zu verlieren.
Um möglichst nahe an den Bedürfnissen der Anwender anknüpfen zu können, wurde das Klas-
sifikationskonzept der User-Aktivität erstellt. Die Begrenzung auf fünf konkrete Kategorien
von Benutzer-Tätigkeiten lässt die Klassifikation auch pädagogisch einfach vermitteln und das
Klassieren kann von den Benutzerinnen und Benutzern selbst durchgeführt werden. Die Ein-
ordnung der Tools ist jedoch nicht immer eindeutig und kann zu konstruktiven Diskussionen
führen, die das Verständnis in das Web-2.0-Konzept verstärken. Die Ergebnisse der Klassie-
rung ändern sich nicht nur mit den individuellen Zielsetzungen der Anwender der jeweiligen
Dienste, sondern auch mit der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Applikationen. Durch
die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit des Klassifikationskonzeptes können auch neu erstell-
te Dienste eingeordnet werden.
Das Ziel dieser Arbeit war, eine möglichst umfassende, aber dennoch verständliche Klassifika-
tion der Web-2.0-Dienste aus Schulperspektive zu erstellen. Die vorliegende Arbeit sollte aus-
serdem einen Einblick in das Wesen der Web-2.0-Applikationen bringen und die Neugier für
diese vielfältigen Anwendungen wecken.
Web-2.0-Dienste wurden bisher vor allem für Privatpersonen oder Unternehmen entwickelt. Da
die Anwendungen aber auch für die Ausbildung und das E-Learning viele Vorteile bieten, wird
die Schule zunehmend als neue Zielgruppe wahrgenommen. Dienste, die konkret auf die Be-
dürfnisse der Lehrpersonen und Schülerinnen und Schüler ausgerichtet sind, haben ein grosses
Potential. Nicht nur im Unterricht können Web-2.0-Dienste sinnvoll eingesetzt werden: Auch
für die interne Organisation in Schulen oder zur Vorbereitung von Lektionen sind sie nützlich.

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Die Schulen und Ausbildungszentren können vielleicht bald mit kostengünstigen Web-Laptops
ausgestattet werden. Mit ihnen können online zur Verfügung gestellte Aufgaben oder Doku-
mente mit Web-2.0-Diensten bearbeitet und von den Lehrpersonen online korrigiert werden.
Auch Projektarbeiten und andere Aufgaben können mit Web-Laptops gemeinsam erstellt, aus-
getauscht und kommentiert werden. In den Schulen wird das Papier zwar nie ganz verschwin-
den, aber Web-2.0-Dienste können dazu beitragen, Druck- und Kopieraufträge zu reduzieren.
Viele Web-2.0-Dienste fördern die effiziente Zusammenarbeit und die rasche Bearbeitung einer
Aufgabe. Dennoch ist nicht immer sofort ersichtlich, ob und für welchen Zweck sich die ver-
schiedenen Dienste in der Schule eignen. Die Klassifikation nach User-Aktivität kann helfen,
die Applikationen einzuordnen und somit die Wahl eines geeigneten Dienstes zu erleichtern.

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