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PROF. DR. FRITZ BEHRENS

ZUR METHODE

DER POLITISCHEN ÖKONOMIE

EIN BEITRAG ZUR GESCHICHTE DER POLITISCHEN ÖKONOMIE

AKADEMIE-VERLAG

·

BERLIN

Erschienen im Akademie-Verlag GmbH, Berlin NW 7, Schiffbauerdamm 19 Lizenz 202 · 100/21/52 Satz und

Erschienen im Akademie-Verlag GmbH,

Berlin NW 7, Schiffbauerdamm 19

Lizenz 202 ·

100/21/52

Satz

und

Druck:

Werkdruckerei

„Vorwärts"

Burg

(Sachs.-Anh.) ,

Zentrag,

 

IV/3/10

Bestell- und Verlagsnummer 5084

Printed in Germany

INHALTSÜBERSICHT

Seite

L

Die wissenschaftliche

Methode

und die

Wissenschaft

im Kampf

um den

Frieden

.

.

2.

Die kritische Überwindung der klassischen bürgerlichen Ökonomie durch Marx ,und die Methode der politischen Ökonomie .

17

3. Der Aufbauplan des

Marxschen „Kapital" .

 

JI

4. Die Auflösung der bürgerlichen Ökonomie .

.+9

5.

Die

Wissenschaft

in

der

Deutschen

Demokratischen

Republik

69

·,

•.

i.

DIE

WISSENSCHAFTLICHE

METHODE

UND

DIE

WISSENSCHAFT IM KAMPF UM DEN FRIEDEN

In der Entschließung des III. Parteitages über „Die gegenwärtige Lage und die

Aufgaben der SED" heißt es unter Abschnitt VI: „Die demokratische Erneuerung

der deutschen Kultur" über „Das Zuriickbleiben auf kulturellem Gebiet", daß bei

vielen Intellektuellen „noch nicht die Einsicht gereift" sei, „daß der Aufbau einer fort­

schrittlichen deutschen Kultur nur im unablässigen Kampf gegen alle reaktionären

Tendenzen auf kulturellem Gebiet. gegen die volksfeindlichen Theorien des Kosmo­

politismus, gegen den bürgerlichen Objektivismus und gegen die amerikanische Kul­

turbarbarei erfolgen kann"1) . Dieses Zu rückbleiben der ideologischen Entwicklung,

das Zurückbleiben des gesellschaftlichen Bewußtseins hinter der gesellschaftlichen

Entwicklung bei uns, hemmt un�ere ökonomische und politische Entwicklung und muß

daher beschleunigt beseitigt werden.

Dabei handelt es sich keineswegs um ein Problem, das nur die I nteqigenz hetrifft;

sondern um ein Problem des

Während im Kapitalismus die Entwicklung des Bewußtseins der ausgebeuteten und

unterdrückten Klassen sich gegen die Festigung der Basis richtet und die herrschen­

den Klassen daher die Bildung und Erziehung der Werktätigen zu mehr als Aus­

beutungsobjekten mit allen Mitteln zu hemmen versuchen, spielt die Entwicklung des

Bewußtseins der Massen für die Entwicklung und Festigung unserer antifaschistisch-

Rolle. Diese Rolle. ergibt sich „aus der

Ablösung der spontanen Entwicklung durch die bewußte Gestaltung der B asis, daß

die Bedeutung des ideologischen Überbaues, der Ideen, Theorien, de.;; Bewußtseins, der

Kultur viel größer ist als früher" 2) .

Gen. Stalin wies im Jahre 1932 in seinem Bericht üher die „Ergebnisse des

ersten Fünfj ahrplanes" 3) auf die bedeutsame Tatsache hin, daß das Bewußtsein

der Massen hinter der gesellschaftlichen Entwicklung zurückbleibt. „Ihr als

Marxisten müßt wissen, daß das Bewußtsein der Menschen in seiner Entwicklung

hinter ihrer tatsächlichen Lebenslage zurückbleibt", sagte Gen. Stalin, und Gen. Stalin

wies weiter darauf hin, daß alle sogen. „objektiven" Ursachen von Fehlern und

Mängeln in der Entwicklung der Partei sich zuletzt auf subjektive Ursachen zurück-

Massenbewußtseins.

. demokratischen Ordnung eine hervorragende

1)

Prot okoll ·der Verhandlungen des III. Part eitages der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Berlin r95I, Bd. II; S. 264.

2)

Fred Oelßner,

Die

Bedeutung

der Arbeiten des Gen.

Stalin

,;über den

Marxismus

und die Frage der Sprachwissenschaft" für die Entwicklung der Wissenschaft, Ein­

heit, Jg. 6,

i951,

Heft

r2, S.

777.

3)

Fragen

des Leninismus, S.

475.

2

L Die

wissenschaftl.

Methode

und

die

W'issenschaft

im Kampf um

den

Frieden

führen lassen.

halten

spruch zwischen

Entwicklung

um die

bei

Hinweise

Die

Entschließung

des III.

Parteitages der

ergriffen

kulturellem

uns

sind

Es geht

Deshalb

werden

Gebiet

alle

SED

ent­

und die

Wider­

der gesellschaftlichen

Voraussetzungen

Zurückbleiben

Möglich­

der Entschließung

Referate

den

für

die

Maßnahmen, die

dem Zurückbleiben

uns

zu

ideologische

beseitigen.

auf

Bei

Entwicklung

zu überwinden.

und sie

zu

müssen, um

und

objektiven

gegeben,

auf kulturellem Gebiet

keiten

zu beschleunigen und

nur darum,

die

heißt

es auch

das

gegebenen

in

auszunutzen

realisieren.

des

III.

Parteitages,

daß

alle

aufgezeigten

„Mängel

und

Schwächen

ein

Ausdruck

der

Tatsache"

sind,

„daß

große

Teile

der

Kulturschaffenden

noch

nicht

genügend

Verständnis

kein

Fürsorge, die

läßt, legt

teilzunehmen" 1).

dafür

aufbringen, daß

keine neutrale

der

es in

Position geben

großen Auseinandersetzung

kann.

Gerade

Republik den

Existenzkampf

Zeit

die außerordentliche

Intellektuellen angedeihen

unseres Volkes

unserer

Niemandsland,

unsere

ihnen

die

Deutsche Demokratische

Verpflichtung auf,

aktiv

am großen

Die

Förderungsmaßnahmen

unserer

Regierung

für

die

Intelligenz

seit

dem

III.

Parteitag,

aber

auch

die

öffentlichen Diskussionen

über

Fragen

der Kunst

und

Diskussionen über Fragen der Kunst und Literatur und die Entwicklung die theoretischen Konferenzen

Literatur und

die Entwicklung

die theoretischen Konferenzen der

des Bewußtseins

zu fördern.

unserer

Auseinandersetzung

SED sind

es

Ausdruck

um die

des

Bemühens,

Krieg

In der

großen

Zeit geht

Grundfrage:

oder

Frieden!

Diese Frage

ist nicht zu

trennen

von der

Frage,

welche

Kräfte

in der

Welt

den Krieg und

welche Kräfte

den Frieden

wollen.

Die Entscheidung für

Krieg

oder Frieden ist

wollen.

Wissenschaft

andersetzung

daher

eine Entscheidung

es für

gesellschaftliche

eine Tatsache,

für oder

gegen

die Kräfte,

der

den Krieg

die

Ausein­

jeder wissenschaftlichen

großen

nicht geben, weil

die

Eine

neutrale Position kann

selbst

als

ist.

Das ist

den Wissenschaftler

Erscheinwig

ein

die

die

Grundlage

Teil

Arbeit

bildet.

Aber

sie ist

noch

längst

nicht

allen

wissenschaftlich

Arbeitenden

be­

wußt.

Denn wäre

sie dies,

wie könnte

es sein,

daß sich

wissenschaftliche

Arbeiter in

den

gehenden,

Dienst

des

Krieges,

in

den

Dienst der

sterbenden

Kapitalismus stellen?

Imperialisten,

in

den

Dienst

DER

KLASSENCHARAKTER

DER WISSENSCHAFT

des

unter­

Die

Entwicklung

der

Wissenschaft kann

nicht

von

der

Entwicklung

der mensch­

lichen

Gesellschaft

getrennt

werden.

Ihre

Entwicklung

spiegelt

die

Entwicklung

der

menschlichen

Gesellschaft wider.

Solange

die

menschliche

Gesellschaft

eine Klassen­

gesellschaft ist,

wird

auch

die Wissenschaft

vom

Kampf

der

Klassen

beeinflußt und

in den

Dienst

dieses

Kampfes

gestellt.

Sie

ist

eine

aktive Macht und

kann

fortschritt­

lichen

oder reaktionären

Charakter

in

ihrer

Wirkung

auf

die

Gesellschaft

und

auf

ihre

Entwicklung

haben.

So wie

die Geschichte der

menschlichen

Gesellschaft

eine

Geschichte

diese Klassenkämpfo

von Klassenkämpfen ist,

wider.

so

spiegelt

auch

die Geschichte

der Wissenschaft

 

Die

Wissenschaft

der

kapitalistischen

Länder

ist

eine

Schöpfung

der

Bourgeoisie

1)

a. a.

0. S.

265.

Der Klassencharakter der

Wissenschaft

3

und

spielt.

hat

eine

Jetzt

aktive

spielt

Rolle bei der

ebenso

sie eine

Befreiung

aktive Rolle in

der Bourgeoisie

der

vom Feudalismus

ge­

der Bourgeoisie

Verteidigung

gegen

den Sozialismus.

Die „Neutralität"

der Wissenschaft in

der bürgerlichen

Ge­

sellschaft

ist

eine

Erfindung der Ideologen

des Imperialismus,

des sterbenden

Kapita­

lismus.

heute

in

Sie

soll

die erbärmliche

Rolle verschleiern, die der

bürgerlichen

Wissenschaft

den kapitalistischen Ländern

im

Dienste

der Imperialisten zukommt.

Eine Geschichte der

nicht isoliert

von

geschrieben

"Wissenschaft oder

der Entwicklung

werden.

Aber

eine Geschichte einzelner

Produktionsweise

der

auch

noch

nicht zu

\Vissenschaften

menschlichen Ge­

die

kann

sellschaft

der

es genügt

zeigen, daß

Wissenschaft in

Wechselwirkung

mit

der materiellen

Produktion

der menschlichen

Gesellschaft oder

in Wechselwirkung mit

ihrer realen Basis

sich

entwickelt.

„Eine

Wissenschaftsgeschichte,

die

die

technologische

Grundlage

des

wissenschaftlichen

Fortschritts nachweist,

schichte"

Wissenschaften

kämpfenden

ist noch

keine marxistisch-materialistische Wissenschaftsge­

oder einzelner

be­

wie solche

1).

Eine solche -

muß

in

den

Theorien den

wirkliche

-

Geschichte

und

der \Vissenschaft

ablösenden

verschiedenen

einander

und

sich

Klasseninhalt nachweisen.

Sie muß

nachweisen,

Theorien,

je

nach

dem

Stand der

gesellschaftlichen

Entwicklung und

des

Klassen­

kampfes,

fördernd

oder

hemmend

au;f

die gesellschaftliche Entwicklung

selbst

ein­

wirken.

Eine dialektisch-materialistische Geschichte der bürgerlichen Wissenschaft -

und nur

eine solche

 

ist eine

wirkliche

Geschichte -

muß zeigen,

wie

der Wahrheit5-

gehalt

lismus und

der Theorien der

den

sich

bürgerlichen Wissenschaft mit

Widersprüchen

der

Entwicklung des

wird und

Kapita­

-

zuspitzenden

immer geringer

zuletzt

zu

verschiedenen

Zeiten zwar für die

einzelnen Wissenschaften

in ihr

Gegenteil

umschlägt.

 
 

„Die

wissenschaftliche Wissenschaftsgeschichte darf

nicht

nur

die

Errungen­

schaften

der bürgerlichen Wissenschaft aufzeigen -

schreibt Cornforth

-, sondern

muß auch

Verfall darstellen,

fortschrittliche

die

Mängel dieser

bürgerlichen Wissenschaft,

ihre Entartung

und ihren

um eine

zusammen mit dem heute

im Mittelpunkt stehenden Kampf

im Dienste

des

Volkes"2).

sozialistische Wissenschaft

Damit

spricht Cornforth einen .sehr wesentlichen

die

Tatsache, daß die

Geschichte

der \Vissenschaften

Gesichtspunkt

aus, nämlich die

Geschichte

von der

Entstehung

der sozialistischen

Wissenschaft ist.

Jede

bürgerliche Wissenschaft

ist notwendig be­

.:;chränkt und

hat

Mängel,

die mit

dem

klassenmäßigen Standpunkt

des bürgerlichen

Wissenschaftlers

untrennbar

verbunden

sind.

Erst

die

sozialistische,

auf

der

be­

wußten, durchgängigen

und

konsequenten

Anwendung

der

materialistischen

Dialektik

beruhende

sagte in seinen

Geschichte der Philosophie

Wissenschaft

kann

daher

wahrhafte Wissenschaft sein.

die

A. A. Shdanow

„wissenschaftliche

der Entstehung und

hervorragenden „Kritischen Bemerkungen", daß

die

Geschichte des Aufkeimens,

Entwicklung

der

wissenschaftlichen,

materialistischen

Weltanschauung

und

ihrer

Gesetze"

sei 5).

So

ist

die

wissenschaftliche

Geschichte

der

Wissenschaft

die

Ge-

1)

Maurice

Cornforth,

Der Kampf

der Ideen

in

der

Wissenschaft,

Berlin

1950,

S. 96.

:)

ebd.

3)

Shdanow, Kritische

Bemerkungen

zu

dem Buch

F.

G.

Alexandrow:

Geschichte der

westeuropäischen

Philosophie,

Berlin

1950,

S.

6.

4 1.

4 1. Die wissenschaftl. Methode und die 'Wissenschaft im Kampf um den Frieden schichte der Entstehung

Die wissenschaftl. Methode und die 'Wissenschaft im Kampf um den Frieden

Methode und die 'Wissenschaft im Kampf um den Frieden schichte der Entstehung und der Entwicklung der

schichte der Entstehung und der Entwicklung der sozialistischen Wissenschaft

überhaupt.

Die ganze Wissenschaft zerfällt ihrem Gegenstand entsprechend in die Natur­

wissenschaften und in die Wissenschaften von der menschlichen Gesellschaft 1).

Während die Naturwissenschaften durch ihren Gegenstand sich indifferent gegeniib�r

den Klassen verhalten und nicht das Produkt einer bestimmten Epoche der mensch­

lichen Gesellschaft sind, sondern sich im Verlaufe der ganzen Geschichte der Mensch­

heit als das Produkt der Tätigkeit vieler Generationen entwickeln, also auch nicht

zusammen mit einer bestimmten ökonomischen Basis liquidiert werden, stehen die

Gesellschaftswissenschaften in unmittelbarem Zusammenhang mit der jeweiligen Basis

und mit ihrem Überbau und spiegeln den Klassenkampf direkt wider, da sie das Werk­

einer bestimmten, in der Regel der herrschenden Klasse sind 2) . Aber wenn

auch die Naturwissenschaften sich indifferent gegenüber den Klassen verhalten, so

bedeutet dies umgekehrt nicht auch, daß die Klassen sich indifferent zu den Natur­

wissenschaften verhalten. In der Klassengesellschaft befinden sich vielmehr die Natur­

wissenschaften in den Händen der herrschenden Klasse, die mit Hilfe ihrer Philo­

sophie einen wesentlichen - hemmenden oder fördernden - Einfluß auf sie ausüben

und sich ihrer für ihre eigenen Zwecke bedienen, ebenso wie sie sich der Produktions­

mittel bedienen 3). „Bei dem Wechsel der ökonomischen Basen und der herrschenden

Klasse verwirft die neue, revolutionäre Klasse die subjektiven Entstellungen, die die

alten herrschenden Klassen in die \Vissenschaft hineingetragen hatten, während sie

jene Resultate der Wissenschaft, die der objektiven \Vahrheit entsprechen, bewahrt

und weiterentwickelt. Die reaktionären, verfaulenden Klassen dagegen halten um so

fester an den offenkundig falschen, aber für sie vorteilhaften Vorstellungen, je weiter

die Zersetzung der für sie typischen Produktionsweise geht" 4). Die Gesellschafts­

wissenschaften dagegen beeinflussen unmittelbar die gesellschaftlichen Beziehungen

der Menschen. Sie sind unlöslich mit den Interessen jener Klassen verbunden, die

ihre Richtung und ihren Inhalt bestimmen. „Die Gesellschaftswissenschaften üben

in verschiedenen Formationen die Funktion des Überbaus aus, indem sie aktiv die

Festigung und Entwicklung der betreffenden Basis fördern, diese oder jene Recht­

fertigung für die bestehenden Verhältnisse geben und der herrschenden Klasse die

gesellschaftlichen Ideen liefern, die sie braucht" 5) . Aus diesem Grunde führt auch

eine Veränderung in der Basis der Gesellschaft nicht nur zu einer Befreiung der

Gesellschaftswissenschaften von reaktionären, fortschrittsfeindlichen Entstellungen

und Verfälschungen, sondern zieht' unausbleiblich tiefgreifende Veränderungen in

ihrem Inhalt nach sich 6). Eine solche tiefgreifende Veränderung im Inhalt der Ge­

sellschaftswissenschaften war die Entstehung des Marxismus. Erst vom Marxismus

wurde eine wirkliche, eine nicht nur die Erscheinungen des gesellschaftlichen Lebens

zeug

1)

2) Vgl. J. S. Kon, Die Wissenschaft als Form des gesellschaftlichen Bewußtseins, Neue

Vgl. auch Fred Oelßner, a. a. 0.,

S.

785.

Welt, Jg. 6, 1951, Heft 15,

S.

40 und S. 47.

3)

Kon,

a. a.

0., S.

41 ff., auch Fred Oelßner, a. a. 0., S.

786.

1)

Kon,

a. a. 0.,

S.

4I.

Der Klassencharakter der Wissenschaft 5 konstatierende, sondern ihr ·w esen erforschende _Gesellschaftswissenschaft

Der Klassencharakter der Wissenschaft

5

konstatierende, sondern ihr ·wesen erforschende _Gesellschaftswissenschaft geschaffen.

„Darum bedeutet das Entstehen des Marxismus eine durchgreifende Umwälzung in

den Gesellschaftswissenschaften, denn erst die von Marx begründete materialistische

Geschichtsauffassung schuf die Grundlage für eine wirkliche Gesellschaftswissen­

schaft" 1).

Die Entstehung des Marxismus, das bedeutet für die politische Ökonomie, daß sie

aus einer bürgerlichen Wissenschaft, aus einer vom bürgerlichen Klassenstandpunkt

aus betriebenen Wissenschaft zur politischen Ökonomie der Arbeiterklasse, zu einer vom proletarischen Klassenstandpunkt betriebenen \Vissenschaft wurde.

Diese Verwandlung der bürgerlichen Ökonomie in die politische Ökonomie der

Arbeiterklasse bedeutete nicht nur, daß Marx' Schlußfolgerungen bis zu Ende kon­

sequent und wissem:chaftlich waren, daß er alle offengebliebenen und den bürger­

lichen Ökonomen unlösbar scheinende Probleme löste.

Dieses konsequente Zuendedenken und Lösen der vom bürgerlichen Standpunkt aus

unlösbaren Probleme ist nur eine Seite. Die andere hiermit selbstverständlich un­

lösbar verbundene - Seite ist, daß die marxistische politische Ökonomie eine Wissen­

schaft von neuem Typus, eine neue und höhere Qualität darstellt.

Die Situation der kapitalistischen Welt ist heute gekennzeichnet durch die all­

gemeine Krise des Kapitafümus, deren wichtigstes Merkmal die Existenz und :lie

Entwicklung der sozialistischen Sowjetunion ist. Die Oktoberrevolution war, wie

Stalin zum IO. Jahrestag des Oktobers sagte, „eine grundlegende Wendung in der

Geschichte der Menschheit, eine grundlegende Wendung im historischen Schicksals­

ablauf des Weltkapitalismus -"2) . Der Klassenkampf zwischen Bourgeoisie 11n:l

Proletariat hat jetzt solchen Charakter angenommen, daß in keiner \Vissenschaft

mehr, auch nicht in den von der materiellen Produktion „entferntesten", den sogen.

„Geisteswissenschaften", den Grundfragen unserer Zeit ausgewichen werden kann.

Wie im ersten Drit tel des vorigen Jahrh underts die Julirevolution die Grenzscheide

für die bürgerliche und sozialistische politische Ökonomie war, so ist .die Oktober­

revolution die Grenzscheide für jede Wissenschaft geworden. Parteinahme für die

Bourgeoisie bedeutet heute für den einzelnen Wissenschaftler: Parteinahme gegen die

Wissenschaft selbst, gegen ihre Entwicklung, ihren Fortschritt, ja sogar gegen ihren

Bestand.

\Vie also steht es mit der „reinen", vom Klassenkampf „unabhängigen" Wissen­

schaft?

Die Verfechter der sogen. „Freiheit" der Wissenschaft verfechten in Wahrheit

ihre Knechtung unter dem Monopolkapitalismus. Während sie nichts dagegen einzu­

wenden haben, ihre „reine" Wissen3chaft in den Dienst der Monopole und ihrer

Kriegspolitik zu stellen, wenden sie sich erbittert dagegen, die \!Vissen:;chaft in den

Dienst des Friedens zu stellen. Es ist klar, daß sich aus dieser E instellung ergibt, daß

die „reine" Wissenschaft ein reines ivcrkzeug des JmjJerialismus, ein Werkzeug d.;s

Kampfes gegen den Fortschritt der Menschheit und damit ·des Kampfes gegen die

Sowjetunion ist.

1) ebd. S. 49, hierzu auch Fred Oelßner, a. a. 0„ S. 785/87.

6

1.

Die wissenschaftl.

Methode und die Wissenschaft

im Kampf um den Frieden

ZWEI LAGER

DER WISSENSCHAFT

Der Ausgang des zweiten Weltkrieges hat die mit der Periode des ersten im­ perialistischen Krieges einsetzende allgemeine Krise des Kapitalismus weiter ver­ schärft. Diese Verschärfung beruht vor allem auf dem Anwachsen der Widersprüche zwischen den imperialistischen Staaten und auf der Stärkung der Sowjetunion. In

der Resolution der ersten Beratung des Informationsbüros der Kommunistischen und Arbeiterparteien im November 1949 über die „Verteidigung des Friedens und den Kampf gegen die Kriegstreiber" hieß es:

„In dieser Zeit traten die zwei Linien in der Weltpolitik noch klarer und schärfer

hervor: die Linie des demokratischen, antiimperialistischen Lagers, das von der UdSSR geleitet wird, des Lagers, das einen beharrlichen und konsequenten Kampf für den Völkerfrieden und für die Demokratie führt, und die Linie des imperialisti­

schen, antidemokratischen Lagers, das von den regierenden Kreisen der USA geleitet

wird, des Lagers,, dessen Hauptziel die gewaltsame Errichtung der anglo-amerikani­ schen Weltherrschaft, die Knechtung fremder Länder und Völker, die Zertrümmerung der Demokratie und die Entfesselung eines neuen Kriege:; ist" 1). Seither trat, wie die Entschließung des III. Parteitages der SED hervorhebt, „die Scheidung der Welt in das Lager der friedliebenden demokratischen Kräfte einerseits und das Lager der imperialistischen, kriegslüsternen Kräfte andererseits - noch schärfer hervor" 2).

Das Lager des Friedens festigte sich weiter, während im Kriegslager die Zer­

setzung und Schwächung weiter fortschritt. „Daraus folgt jedoch nicht, daß die Kriegsgefahr schwächer geworden ist. Es besteht heute aber eine grundlegende andere Situation als vor dem zweiten Weltkrieg.

Zum erstenmal in der Geschichte der Menschheit ist unter der Führung der Sowjet­

union, des Bollwerks und Bannerträgers des Weltfriedens, eine organisierte Friedens­ front entstanden. Damit ist die Rettung der Welt vor dem neuen Krieg in der gegen­ wärtigen konkreten historischen Situation keine Utopie, sondern eine reale Mög­ lichkeit" 3).

Diese Teilung der Welt in zwei gegensätzliche Lager, deren Wirtschaftsordnungen

auf zwei völlig verschiedenen Prinzipien beruhen, zerreißt auch die Wissenschaft in diese zwei Lager: in das Lager der bürgerlichen Wissenschaft, die faktisch im Dienste

des \Veltimperialismus .steht, und in das Lager der sozialistischen Wissenschaft. Kein

Wissenschaftler kann außerhalb dieser Lager stehen, und Neutralität heißt: dem Lager des Imperialismus dienen. Es ist klar, daß diese beiden Lager der Wissenschaft nicht geographisch reinlich voneinander abgegrenzt sind und daß viele Wissenschaftler in

den kapitalistischen Ländern aktive Friedenskämpfer sind und daher den Imperialis­ mus bekämpfen. Den Imperialismus bekämpfen, das bedeutet aber die Demokratie und den Sozialismus unterstützen. Heute gibt es nicht nur einzehe Wissenschaftler

1)

Resolutionen des

November 1949, Sonderbeilage zur „Einheit", Jg. 5, Heft 1, 1950, S. 5. a. a. 0. S. 225.

Informationsbüros der Kommunistischen

und Arbeiterparteien vom

2)

3) ebd.

Die bürgerliche Wissenschaft und ihre Merkmale

7

und vereinzelte Wissenschaften, die sozialistischen Charakter haben, die im Lager der

Arbeiterklasse und der fortschrittlichen Menschen kämpfen. Heute existiert neben

der im Dienste des Imperialismus stehenden bürgerlichen Wissenschaft

listische \Vissenschaft, die im Dienste des Volkes steht.

Wissenchaft, die marxistisch-leninistische Wissenschaft der Sowjetunion, existiert

sozialistische

e ine sozia­

.

Und

diese

nicht nur, sondern sie entwickelt sich und überflügelt die bürgerliche Wissenchaft

immer mehr.

Einfluß der

amerikanischen Wissenschaft .

I. D. Bemal weist auf die Hegemonie der amerikanischen Wissenschaft in den

bürgerlich-kapitalistischen Ländern und auf die außerordentlich bedeutsame Tatsache

hin, daß in der kapitalistischen Welt' „die amerikanische Wissenschaft durch ihren

Reichtum absolut überlegen" sei, „was sich bereits auf die Wissehschaft in der ganzen

kapitalistischen Welt sehr hemmend ausgewirkt hat"1).

Worin kommt diese absolute Überlegenheit der amerikanischen Vvissenschaft über

die Wissenschaft der anderen kapitalistischen Länder zum Ausdruck?

Diese Überlegenheit kommt vor allem in der Abwanderung der hervorragendsten

europäischen Wissenschaftler nach den USA zum Ausdruck. Diese Wissenschaftler

lassen sich von den besseren Arbeitsbedingungen in den USA und der höheren Be­

zahlung dazu verlocken, ihre Arbeit direkt in den Dienst der Kriegspolitik der USA

:rn stellen. Bemal spricht davon, daß „wahrscheinlich mehr als die Hälfte der hervor­

ragendsten europäischen Wissenschaftler" bereits nach den USA abgewandert sind"2).

Das bedeutet, daß der amerikanische Imperialismus die bürgerlichen Wissen­

schaftler steril macht und daß er sich mit den Profiten, die er aus den Werktätigen

Amerikas herauspreßt, neue ;,Kräfte" kauft. Das bedeutet, daß der USA-Imperialis­

mus nicht mehr selbst in der Lage ist, den - längst hoffnungslos gewordenen -

Wettkampf mit dem Sozialismus zu bestehen, sondern daß er alle Kräfte der bürger­

lichen Welt zu „konzentrieren" versucht, um sie in den Dienst der Vorbereitung eines

neuen Krieges zu stellen.

die ideologischen .\Vaffen

des amerikanischen Imperialismus, Waffen im Kampf gegen die Kräfte des Friedens

und des Fortschritts, aber auch im Kampf um die bürgerlichen Wissenschaftler.

zwei Lager in der Wissenschaft: das ist das

Bild der Weltsituation!

Denn die bürgerliche Wissenschaft steht unter dem - hemmenden

Kosmopolitismus und

Zwei

Lager in der

bürgerlicher

Weltpolitik

Objektivismus

sind

DIE BURGERLICHE WISSENSCHAFT UND IHRE MERKMALE

„Die Bourgeoisie hat alle bisher ehrwürdigen und mit frommer Scheu betrachteten

Tätigkeiten ihres Heiligenscheines entkleidet", heißt es im Kommunistischen Manifest.

1)

I.

D. Bemal, Die Wissenschaft

s. 38.

im Kampf um

Frieden und Sozialismus, Juli 1950,

8

I. Die wissenschaftl. Methode und die Wissenschaft im Kampf um den Frieden

„Sie hat den Arzt, den Juristen, den Pfaffen, den Poeten, den Mann der Wissenschaft in ihre bezahlten Lohnarbeiter verwandelt" 1).

Aber

das

ist nicht

alles

und

nicht einmal

das Entscheidende für

die Situation der

bürgerlichen Wissenschaft

in der

Gegenwart:

die

Verwandlung

des

„Mannes

der

Wissenschaft"

in einen bezahlten

Lohnarbeiter. Viel wichtiger noch ist die

Tatsache,

daß

die Wandlung

des Kapitalismus aus

einer wachsenden in

eine absterbende

Pro­

duktionsweise

die

Funktion der

bürgerlichen

Wissenschaft

insgesamt entscheidend

beeinl1ußt

und die

ihr

als

bürgerliche Wissenschaft anhaftenden negativen Züge

immer stärker hervorhebt.

ab­

sterbenden Kapitalismus zunächst zum Ausdruck? Der Kapitalismus ist seinem Wesen nach eirie anarchische Produktionsweise. Sein Grundwiderspruch, die immer höher vergesellschaftete Produktion und Arbeit und die Aneignung des gesellschaftlichen Arbeitspro\iuktes durch immer weniger Kapi­ talisten, macht ihn zu einer planmaßigen Regelung der gesellschaftlichen Produktion unfähig. Er macht ihn damit aber auch unfähig für eine planmäßige Entwicklung und Anwendung der \Vissenschaft. Im Kapitalismus ist die Wissenschaft zwar eine

grundlegende und lebenswichtige gesellschaftliche Einrichtung geworden, denn mit der Entwicklung der Technik entwickelte der Kapitalismus auch die wissenschaftliche Forschung und Lehre. Doch ebensowenig wie der Kapitalismus die Produktion plan­ mäßig regeln kann, ebensowenig kann er die Wissenschaft planmäßig entwickeln und

anwenden.

Im Monopolkapitalismus

wird die \i\Tissenschaft vollends den kapitalistischen Monopolen, ihrer Profitgier und ihrer Kriegspolitik unterworfen. Wie der Monopolkapitalismus die Wirtschaft und Gesellschaft desorganisiert und in Katastrophen filhrt, so desorganisiert er auch die Wissenschaft und stellt sie in den Dienst seiner Katastrophenpolitik. Welches sind die negativen Züge der bürgerlichen Wisssenschaft, die immer stärker in Erscheinung treten? Jede bürgerliche Wissenschaft ist notwendig von idealistischen Vorstellungen durchsetzt und metaphysisch. Das ergibt sich aus ihrer Klassenbasis. „Die Wissen­ schaft, die auf einer Experimentaltechnik beruht, entdeckt und enthüllt die Be­ wegungsgesetze der objektiven Realität -", schreibt Cornforth, „aber sie interpretiert ihre Entdeckungen vom Standpunkt einer Klasse her, da die Wissenschaft, die ein gesellschaftliches Produkt ist, in einer Klassengesellschaft unmöglich unabhängig von den Klassen existieren kann"2). Somit muß jede bürgerliche Wissenschaft unver­ meidlich die wissenschaftliche Wahrheit verfälschen und entstellen. Wenn das aber schon für die bürgerliche Wissenschaft im allgemeinen gilt, so muß die gegenwärtige Lage der kapitalistischen Gesellschaft diese idealistische Verfälschung und metaphy­ sische Entstellung der wiss�nschaftlichen '\tVahr'heit verstärken. Dies macht die Schaf­ fung eines einheitlichen, den gesellschaftliohen Fortschritt befruchtenden wissenschaft-

Die Anarchie auf dem Gebiet der materiellen Produktion spiegelt sich

wider in der Anarchie der wissenschaftlichen Produktion.

Worin kommt

die

Beeinflussung der bürgerlichen Wissenschaft durch den

1) Marx und Engels, Ausgewählte Schriften in zwei Bänden, Bd. I, Moskau r950, S. 26.

Die bürgerliche Wissenschaft und ihre Merkmale

9

liehen Weltbildes in der bürgerlichen Wissenschaft unmöglich und erleichtert gleich­

zeitig die Verwendung der bürgerlichen

menschenfeindlichen Zwecke der Imperialisten.

Die Unterwerfung der bürgerlichen Wissenschaft unter die Interessen des Monopol­

für die verbrecherischen und

Wissenschaft

kapitals führt notwendig dazu, daß die „Ungleichmäßigkeit und das fehlende Gleich­

gewicht in der Entwicklung der Wissenschaft, die für die bürgerliche Wissenschaft

immer charakteristisch gewesen sind, stärker in den Vordergrund treten --" 1) . Die

einzelnen Zweige der Wissenschaft werden nur insoweit entwickelt, wie sie für das

monopolisti sche Kapital „interessant" sind, d. h. zu monopolistischen Extraprofiten

führen. Dazu kommt, daß der Nachdruck in immer stärkerem Maße auf die der

Kriegsvorbereitung dienenden· Arbeiten gelegt wird. Die Politik der Monopole ver­

langt weiter, daß ein immer größerer Stab von Menschen sich mit der Erfindung

von „Theorien" zur Rechtfertigung des sterbenden Kapitalismus und mit dem Kampf

gegen den Sozialismus beschäftigt, d. h. das Gebiet der von der bürgerlichen Wissen­

schaft längst aufgegebenen Gesellschaftswissenschaft systematisch einnebelt und ver­

fälscht. Das alles zusammen führt dazu, daß die bürgeriichen Wissenschaftler zwar

auf einem engen Fachgebiet viele Einzelkenntnisse besitzen können, daß sie aber

weder in der Lage sind, die Zusammenhänge zu begreifen noch ihr Gebiet im Ra!hmen

der Gesamtentwicklung zu sehen. Dadurch werden sie - auch wenn sie es nicht

wollen zu einem leichten Opfer imperialistischer Politik. Ihre Wissenschaft stellt

sich obj ektiv und zum Teil auch immer stärker subjektiv in den Dienst der imperia­

listischen Interessen, sie dient der kapitalistischen Ausbeutung und der imperialisti­ schen Unterdrückung.

Der Monopolkapitalismus vernichtet also notwendig und zwangsläufig die bürger­

Wollen die bürgerlichen Wissenschaftler weiter Wissen­

schaft treiben, so müssen sie sich von den monopo lkapitalitischen Einflüssen befreien,

liche

Wissenschaft selbst.

Einflüssen befreien, liche Wissenschaft selbst. indem sie auf der Seite des Volkes für Frieden und

indem sie auf der Seite des Volkes für Frieden und Demokratie kämpfen.

So zwingt also die immanente Gesetzlichkeit der Entwicklung der bürgerlichen

Wi ssenschaft, die bedingt ist durch die Entwicklung des Kapitalismus, j eden bürger­

lichen Wissenschaftler sich zu entscheiden: für die Existenz und Weiterentwicklmtg

der Wissenschaft und das heißt gegen den Imperialismus uiul gegen den Krieg oder

für die V ernichtim.g der

Wissenschaft.

Was ergibt sich für die Wissenschaft in den kapitalistischen Ländern aus dem

reaktionären Charakter der kapitalistischen Produktionsverhältnisse, aus dem sta­

gnierenden und parasitären Charakter des Monopolkapitalismus?

Daraus ergibt sich, daß der Monopolkapitalismus nicht nur die Entwicklung der

materiellen Produktivkräfte, sondern daß er auch die Entwicklung der Wissenschaft hemmt. Diese Hemmung der Entwicklung der Wissenschaft durch den Monopol­ kapitalismu,; kommt in den angeführten M erkmalen zum Ausdruck. Diese Hemmung

kommt darin zum Ausdruck, daß die idealistischen und metaphysischen, die un­

wissenschaftlichen und dogmatischen Züge auf allen Gebieten der wissenschaftlichen

unvoreingenommenen wissenschaftlichen

Arbeit

sich

verstärken.

An die

Stelle der

10

I. Die wissenschaftl. Methode und die \i'v"issenschaft im Kampf um den Frieden

Forschung im Dienste des gesellschaftlichen Fortschritts tritt immer mehr di� Pro-.

pagierung der „Ideen" und Dogmen des Imperialismus, des Mystizismus, des Kos­

mopolitismus und des bürgerlichen Objektivismus.

Im imperialistischen Stadium des Kapitalismus, im sterbenden Kapitalismus, der

der Vorabend der proletarischen Revolution ist, treten die immer vorhandenen nega­

tiven Züge der bürgerlichen Wissenschaft naturgemäß immer stärker in den Vorder­

grund: Sie treten insbesondere seit der siegreichen proletarischen Revolution im Ok­

tober 1917 und des erfolgreichen Aufbaus des Sozialismus immer stärker in den

Vordergrund und beherrschen immer mehr Gebiete der Wissenschaft völlig. Den

Anfang machten die Gesellschaftswissenschaften, aber auch die Naturwissenschaften

sind längst von dieser Entwicklung nicht mehr ausgenommen. Die bürgerlic

Wissenschaft des Kapitalismus der allgemeinen Krise unterwirft sich der Macht

und den Interessen der Monopole, um sich in den Dienst des Imperialism11s gegen den

Fortschritt, d. h. gegen den Sozialismus und die Demokratie, gegen die Sowjetunion

zu stellen. Damit aber wird ihr Charakter entstellt und verzerrt. „Die moderne

bürgerliche Wissenschaft versongt das Pfaffentum, den Fideismus, mit einer neuen

Argumentation, die unbedingt unbarmherzig entlarvt werden muß", schreibt A. A.

Shda:now 1).

„Bürgerliche Wissenschaft ist eine durch die Bedingungen und Ansprüche der

kapitalistischen Geseilschaft entstellte und gelähmte \Nissenschaft", konstatiert Corn­

forth. „Sozialistische \Vissenschaft ist eine 'Wissenschaft, die sich von diesen Be­

dingungen frei gemacht hat, die deshalb auf dem Weg zur Entfaltung alles dessen ist,

was an den Traditionen der Wissenschaft groß und fortschrittlich ist, die auf dem

Wege zur freien Entfaltung aller großen wissenschaftlichen Möglichkeiten in der un­

begrenzten ·Eroberung von vVissen ist und dieses Wissen in den Dienst des Volkes

stellen wird" 2).

Die bürgerliche Wissenschaft ist heute auf keinem Gebiet mehr in der Lage, ihre

eigene wissenschaftliche 1)adition fortzuführen. Dies -die Erweiterung der mensch­

lichen Erkenntnisse von Natur und Gesellschaft und ihre Anwendung im Die.nst des

gesellschaftlichen Fortschritts - bleibt nunmehr allein der sozialistischen, auf den

Kampf .der Arbeiterklasse sich stützenden Wissenschaft überlassen. Der Kapitalismtts

ist ohne Zukunft und hemmt und bedroht die Entwicklung der menschlichen Gesell�

schaft. Die Zukunft ist <ler Sozialismus, und daher kann allein die Arbeiterklasse,

deren geschichtliche Aufgabe die Verwirklichung des Sozialismus und die Beseitigung

aller Ausbeutung von Menschen durch Menschen ist, die Wissenschaft von allen

Fesseln befreien, die ihre Entwicklung hemmen und den Weg für die unbeschränkte

Erweiterung

d;;r

menschlichen Erkenntnisse frei

')

a.

a. 0.

S.

35.

2)

a. a. 0.

S. 77/78.

machen.

·

Die sozialistische Wissenschaft und ihre Merkmale DIE SOZIALISTISCHE WISSENSC H AFT· UND IHRE MERKMALE 11

Die sozialistische

Wissenschaft

und

ihre

Merkmale

DIE SOZIALISTISCHE

WISSENSC

H

AFT· UND IHRE

MERKMALE

11

Die von

der bürgerlichen Verfälschung

und Entstellung befreite

und nicht mehr

im Dienste

des

Monopolkapitalismus

stehende sozialistische

Wissenschaft

ist keine

programmatische

Volksdemokratien

Sowjetunion

eine

gebildet, die ·an

zaristischen Ru 'ß! and getreten sind

des

UdSSR,

im

der Wissenschaften der

Forderung

die

mehr.

Schar

Sie ist in der Sowjetunion vorhanden und

In den

35 Jahren

ihres . Bestehens

von fortschrittlichen

wurde

in den

der

\Vissenschaftlern heran­ von Wissenschaftlern des

um der großen Sache

der Akademie

der wissen­

im vor­

wissenschaftlichen Forschungseinrich­

UdSSR leisten

alle haben

Staat großzügig

im Entstehen.

„gewaltige

Stelle

in

der zahlenmäßig kleinen Gruppe

und alle ihre

Kraft

einsetzen,

hundertmal

ganzen

Volkes zu dienen", schreibt der wissenschaftliche

Alexander Toptschijew.

Sowjetlande

Zahl der

ist jetzt

fast

Rußland.

Auch die

etwa in dem

gleichen

zur \i\Teiterentwickltmg der

Sekretär

„Die

Zahl

schaftlichen Forscher

revolutionären

tungen hat

ihren

zahlreiche

Forschungsinstitute

so groß wie

der

Sie

Maße zugenommen. Alle Völker

Beitrag

sowjetischen Wissenschaft.

denen der

sozialistische

\Vissenschaftler

hervorgebracht,

und Forschungslaboratorien zur

Verfügung stellt"1).

\Vodurch

unterscheidet

sich

die sozialistische

V\Tissenschaft

der Sowjetunion von

der bürgerlichen

\Vissenschaft

insgesamt

und

insbesondere

von

der

bürgerlichen

Wissenschaft

in der

Periode

der allgemeinen Krise

unterscheidet

sich

des Kapitalismus? der bürgerlichen Wissen­

von

Die sozialistische Wissenschaft

schaft

I.

vor allem in

Während

drei Punkten.

die

bürgerliche

und metaphysisch entstellt, beruht

Wissenschaft

die

wissenschaftliche

auf

Wahrheit

die sozialistische Wissen­

allen Ge­

dialektische Materialismus

Ge­

ein

ist,

eine

sich

Erg e bnisse

Wissen­

Mystifikationen, beseelt, daß der

allein

sie

überlegenen Wissenschaft.

Men­

Wissea­

Stalins

Dinge gibt,

idealistisch verfälscht

schaft auf der

bieten

bewußten Anwendung

des dialektischen Materialimus

und Arbeit.

Kampfes

der

der

Der

der wissenschaftlichen Forschung

i

die Erfahrungen des

Shdanow

ein

die

Wegweiser

schreibt,

die alle

vera lgemeinert

sellschaftsordnung und

Instrument und

wie

Methode,

dem

bereichert" 2).

schaft nicht

sie

menschlichen

schop

mit

im

Arbeiterklasse

um eine

neue

Wissenschaft

und

ist damit

zugleich.

Er

Erforschung,

und

Errungenschaften

des wissenschaftlichen Fortschritts

Instrument

von

der

Natur

wissenschaftlichen

„ein

VVissenschaften

der

von

und Gesellschaft durchdringt

Wissenschaften

erzielten

ist damit

Verfälschungen

als

materiaiistische

und

der

Überzeugung

sind.

Das aber

Prozeß

Die

nur

frei

Entwicklung

dieser

Wissenschaft

idealistischen

sozialistische

allen

ist

als

dialektische

Erkenntnis

Wissenschaft zutiefst·von

keine

Schranken

gesetzt

\Vissenschaft

den

hohen

in

der

macht

zu einer

der bürgerlichen

Natur",

sind von

qualitativ

„Für

„Die fortschrittliche

die beseelt

zur

sowjetische Wissenschaft gibt dem

schreibt Toptschijew.

freien schaffenden

die

sowjetischen

sind

schen Macht über die

sc h aftler, Worte

Ideen

des Kommunismus,

unerkennbaren

Devise geworden,

daß es

Welt keine

1)

Alexander

Toptschijew,

Die

Wissenschaft

der

UdSSR

im

Dienste

des·

Friedens,

„Tägliche

Rundschau"

vom

20.

10.

1950.

2)

a. a. 0.

S.

II.

12 I.

Die wissenschaftl.

1 2 I. Die wissenschaftl. Methode und die Wissenschaft im Kampf um den Frieden sondern daß

Methode und die Wissenschaft im Kampf um den Frieden

sondern daß es bloß Dinge gibt, die noch nicht erkannt sind, und diese werden durch

die Kraft der Wissenschaft und der Praxis aufgedeckt und erkannt werden" 1).

Das zeigt sich in der umgestaltenden Kraft der sowjetischen ·wissenschaft, die mit jedem Jahr neue Erfolge zu verzeichnen hat.

z. Während die bürgerliche \�issenschaft entsprechend dem anarchischen Oharak­

ter der kapitalistischen Produktionsweise und diese widerspiegelnd sich ungleich­

mäßig und planlos entwickelt, !hat die Sowjetwissenschaft die Einheit der Wissen­ schaft durch Planung der wissenschaftlichen Ar.beit in ihr.er Gesamtheit und durch

Ergänzung der theoretischen Grundlagen durc'lh den dialektischen Materialismus ver­

wirklicht. Diese planmäßige Entwicklung und Anwendung der Wissenschaft kommt zum Ausdruck in der Arbeit der Akademien der SU.

Neben der Akademie der Wissenschaften der UdSSR gibt es zehn Akademien

von Unionsrepubliken und sechs Zweigstellen der Akademie der UdSSR, darunter eine Akademie für Landwirtschaftswissensdhaften, für Medizin, Architektur, Päda­ gogik und eine Akademie der Künste.

Die sowjetische Wissenschaft hat auf allen Gebieten des Wissens Fachgelehrte

ausgebildet. Aus dem Volke sind viele Tausende von jungen Wissenschaftlern her­

vorgegangen, die befähigt sind, zusammen mit den Wissenschaftlern der alten Ge­ neration die Aufgaben zu lösen, die das Leben und die Anforderungen der Volks­

wirtschaft der sowjetischen \Vissenschaft stellten.

Planmäßige Entwicklung aller Wissensgebiete im Einklang mit der Entwicklung

der materiellen Produktivkräfte: das ist ein wichtiges Merkmal der sozialistischen Wissenschaft. Materielle Mittel werden nicht nur - wie in den kapitalistischen

Ländern - soweit zur Verfügung gestellt, wie die wissenschaftliche Arbeit zu Mo-

nopolprofiten .führt, sondern die Wissenschaft wird umfassend und allseitig entwickelt, weil jede wissenschaftliche Arbeit, die zu einem Erfolg führt, dem Fortschritt der

ganzen Gesellschaft dient.

3. Während die bürgerliche Wissenschaft im Dienste der Monopolisten und Kriegs­ treiber steht und zu den Interessen der Völker in feindlichem Gegensatz steht, stellt die sozialistische vVissenschaft sich ganz und vorbehaltlos in den Dienst der Inter­

essen des Volkes.

Wodurch wird die enge Verbindung der Wissenschaft in der Sowjetunion mit

dem Volke erreicht?

Eines der wichtigsten Mittel hierfür sind die öffentliche und kritische Diskussion

wissenschaftlicher Probleme. Solche Diskussionen, an denen sich neben Wissen­

schaftlern weiteste Kreise der Öffentlichkeit beteiligen, sind eine der treibenden Kräfte für die Weiterentwicklung der Wissenschaft in der UdSSR. Die Diskussion wird häufig in der Tagespresse geführt und vom ganzen Volke zur Kenntnis genommen.

So fanden z. B. 1946 eine Diskussion der Akademie der Wissenschaften der

UdSSR über physikalische Fragen statt, r947 eine Diskussion über philosophische Fragen und 1948 eine Tagung der Akademie für Landwirtschaftswissenschaften der UdSSR, bei der Probleme der biologischen Wissenschaft diskutiert wurden. 1950

Die

sozialistische Wissenschaft

und

ihre Merkmale

13

fanden

Probleme der physiologischen Lehre

Im Oktober 1948 fand \Virtschaftsinstitutes

Aktivs der wissenschaftlichen Arbeiter,

die

diskutierte.

in der

UdSSR Diskussionen

an

und Aufgaben

über Probleme der Sprachwissenschaft und Iwan Pawlows statt.

über

eine erweiterte gemeinsame Sitzung

der

Akademie

der

Wissenschaften

des Gelehrtenrates des der UdSSR und des

Dozenten und Vertreter der Ministerien statt,

der wirtschaftswissenscliaftlichen Forschungsarbeit"

über „Mängel

Diese schöpferischen Diskussionen

an

denen

engen Kontakt

mit der

über

der Wissen­

der sowj etischen Öffentlichkeit beteiligen, er­

Sowj etmenschen und bringen

die v·

denen .Probleme

sich breiteste Kreise

schaft,

weitern den politischen und kulturellen Gesichtskreis der

sie in

Wissenschaft.

Worin

also kommt

der

neue

Charakter

der

sozialistischen

Wissenschaft

zum

Ausdruck?

Die Wissenschaft ist

in der

der

UdSSR zu

einem Machtfaktor,

zu einem der wichtig­

Die Tradition

sozialistischen Staates von

begründet

schreibt

der

sten Hebel

der

den

worden, die es

A.

zur Erfüllung

Stalinschen Fünfja'hrpläne geworden.

den Anfängen

des

Revolution, Lenin

und

Sowj etwissenschaft

großen

Führern

der

als

ihre

Toptschijew.

„In

ist schon in

sozialistisohen

Stalin,

dienen,

Aufgabe bezeichneten, stets

den ganzen

33

Jahren,

dem Volke zu

die seit

den historischen Tagen

Oktoberrevolution

vergangen

sind, haben

die

sowjetischen

'Wissenschaftler

diese

Traditionen weiterentwickelt

und gefestigt" 1) .

 

Die

Frage

der Entstehung

einer neuen

-

sozialistischen -

alle

Zweige

von

Natur

und Gesellschaft

ergreifenden Wissenschaft

in

der

Sowj etunion

hängt eng

mit

der Entstehung

einer neuen

- sozialistischen

-

sowj etischen Intelligenz

zu­

sammen.

Gen. Stalin

ging in

seinem

Rechenschaftsbericht

an den

XVIII. Parteitag

im Jah

1939 auf

die Fra.ge

der

Sowj etintelligenz ausführlich ein 2).

Während

im zaristischen Rußland

die Intelligenz vor

allem

aus Vertretern der

besitzenden

Klasse bestand und die Intelligenz

als Ganzes von der besitzenden Klasse

.

lebte und für sie

revolution

arbeitete, veränderten

auf3) .

Neben

sich diese

Verhältnisse

Prozeß

von

Grund

einem „qualvollen

der Oktober­

der Differenzierung

nach

und

Auflösung der

alten Intelligenz

vollzog sich

der stürmische

Prozeß

der

For­

mierung,

Mobilisierung

und Sammlung

der

Kräfte der

neuen Intelligenz" 4) .

Stalin

stellte fest, daß

die

Sowj etunion nun über „eine zahlreiche, neue,

sozialistische Volks­

intelligenz"

verfüge, „die sich

sowohl ihrer

Zusammensetzung

wie ihrer

sozialen

und

politischen

Physiognomie nach von der

alten,

der bürgerlichen

Intelligenz

von

Grund

aus unterscheidet" 5)

.

 

Diese neue -

sozialistische

-

Volksintelligenz der

Sowjetunion ist der

Träger

der

verbündeten

neuen

-

sozialistischen -

Klassen der

Wissenschaft.

und Bauern

Arbeiter

1)

ebd.

2)

Fragen

des Leninismus,

a. a.

0„

S.

728

ff.

3)

ebd. S.

729.

�)

ebd.

S.

730.

�d.

 

Diese

neue,

kommende

i

und

aus

Intelligenz entwickelt die

den

befreundeten

14

I. Die wissenschaftl. Methode und die Wissenschaft im Kampf um den Frieden

in der Sowj etunion von allen -Fesseln der antagonistischen Klassengesellschaft be­ freite Wissenschaft in stürmischem Tempo und gibt ihr einen unbeschränkten, alle Gebiete von Natur und Gesellschaft gleichmäßig umfassenden und durchdringenden, eben sozialistischen Charakter. Dieser neue - sozialistische - Charakter der Sowj et­ wissenschaft, der seine Grundlage hat in den gesellschaftlichen Veränderungen in der SU, die durch die Oktoberrevolution eingeleitet wurden und die auch in der Ent­ stehung der sozialistischen Volksintelligenz der Sowjetunion zum Au:rdruck kommen, macht sie zu einer qualitativ neuen, der bürgerlichen Wissenschaft überlegenen Wissenschaft. „Befreit von dem Zwang, den egoistischen Interessen der Imperia­ listen zu dienen, ledig der Fesseln des Idealismus und der Metaphysik, entfaltet die Wissenschaft ihre mächtigen Schwingen", schreibt G. F. Alexandrow. „Physik, Chemie, Mathematik, Biologie, Physiologie und andere Wissensgebiete verstärkten, nachdem sie auf dem philosophischen Fundament des dialektischen Materialismus umgestaltet worden waren, die Herrschaft der sozialistischen Gesellschaft über die Natur"1) . Durch die bewußte Umgestaltung des gesellschaftlichen Lebens und durch die Befreiung der Wissenschaft von ihren bürgerlichen Fesseln wurde j ene für die sozialistische Wissenschaft typische Harmonie der wissenschaftlichen Erkenntnis mit der Praxis des gesellschaftlichen Lebens erreicht, wie sie uns in der Sowj etunion entgegentritt. In der Sowj etunion arbeitet die Wissenschaft mit dem ganzen Volke an dem ge­ waltigen Plan zur Errichtung des Kommunismus, in den kapitalistischen Ländern sind die bürgerlichen Wissenschaftler zu willfährigen Dienern und bloßen Werk­ zeugen der Imperialisten geworden. Sie sind bestrebt, die größte Entdeckung der modernen Physik, die Atomenergie, zu einem Mittel der Massenvernichtung zu machen. Die bewußte Anwendung der Wissenschaft zur Umgestaltung von Natur und Gesellschaft ist ein entscheidendes Merkmal der sozialistischen Gesellschaft. In der auf Ausbeutung und Unterdrückung der werktätigen Massen beruhenden G esellschaft

_

des Kapitalismus ist eine solche bewußte Anwendung der Wissenschaft zur Um-. gestaltung von Natur und Gesellschaft eine Unmöglichkeit. Hierin liegt auch die \�/urzel für „eines der größten Übel, eine der größten Plagen, die uns die alte kapita­

listische Gesellschaft hinterlassen hat", wie Lenin in seiner Rede auf dem III. All­ russischen Kongreß des Kommunistischen Jugendverbandes im Jahre 1920 sagte, der

„abgrundtiefen Kluft zwischen Buch und praktischem Leben

„Während im Sowjetlan<le freie schöp ferische Diskussionen über die aktuellsten Fragen der Biologie, Physiologie und Medizin im Gange sind, während man hier darüber diskutiert, wie die Menschheit vor Krankheiten bewahrt werden kann, wie das Leben der Menschen am besten einzurichten ist, bringen die wissenschaftlichen Zeitschriften in Amerika und England fortlaufend Beiträge, die von Menschenhaß zeugen", schreibt Toptschijew. „Die kaltblütigen Kalkulat o ren der bürgerlichen Wirt-

" 2) .

1) Die Entwicklung des Marxismus als vVissenschaft durch die Arbeiten Stalins, Neue Welt, Jg. 6, 1951, Heft 14, S. 5/6. 2) Lenin, Ausgewählte Vl/erke in p Bänden, Bd. 9, Moskau 1936, S. 507.

Die sozialistische Wissenschaft und ihre Merkmale

15

schaftswissenschaft stellen Berechnungen darüber an; welche Waffe bei der Massen­ herstellung billiger zu stehen kommt, die Atomwaffe oder die Mittel der bakteriolo­ gischen Kriegführung" 1). Die marxistische Philosophie ist „die vollständigste und entscheidendste Negation der gesamten vorhergegangenen Philosophien", schreibt Shdanow. „ Negieren be­ deutet aber wie Engels unterstrich nicht einfach „Nein" - sagen. Die Negafron beinhaltet die Kontinuität, bedeutet die Aufnahme, die kritische Verarbeitung und die Vereinigung alles Fortschrittlichen und Progressiven, was in der Geschichte des menschlichen Denkens bereits erreicht wurde, in einer neuen höheren Synthese" 2) . Die sozialistische' Wissenschaft ist in diesem Sinne die vollständigste und ent­ schiedenste Negation der gesamten vorangegangenen Wissenschaft, die kritische Ver­ arbeitung und Weiterentwicklung aller menschlichen Erkenntnisse.

durch

die Ausbeuterklassen in die Wissenschaft hineingetragen worden sind und die durch die verschiedenen historischen Ursachen bedingten Irrtümer restlos, schreibt J. S. Kon in seiner bereits zitierten Arbeit : „Die Wissenschaft als Form des gesellschaftlichen Bewußtseins." Zugleich mit der Befreiung der Wissenschaft von ihren bürgerlichen Entstellungen, „übernehmen und entwickeln die sowj etischen Gelehrten den Haupt­ inhalt der Wissenschaft und bringen sie voran auf der Grundlage der bewußten An­ wendung der dialektisch-materialistischen Methodologie" 3). Auch in den Gesell­ schaftswissenschaften übernimmt die sowj etische Wissenschaft „alles Richtige und Wertvolle -, was von den fortschrittlichen \Vissenschaftlern der Vergangenheit

geschaffen worden ist - -". Doch unterscheidet sich die Gesellschaftswissenschaft von der Naturwissenschaft dadurch, daß hier nur die Fehler und die von den bürger­ lichen Wissenschaftlern hineingetragenen Fehler ausgemerzt werden, während auf dem Gebiet der Gesellschaitswissenschaft die marxistisch-leninistische Wissenschaft im unversöhnlichen Kampf gegen die bürgerliche Pseudowissenschaft sich entwickelt. Auf dem Gebiete der Gesellschaftswissenschaften entwickelt sich die marxistisch­ leninistische Wissenschaft nicht auf der Grundlage der bürgerlichen Wissenschaft, sondern im unversöhnlichen Kampf mit ihr. ,;Wenn die sowj etischen Gelehrten einzelne Seiten der alten Wissenschaft auswerten, schreibt Kon, verarbeiten sie sie kritisch, schneiden radikal ihre allgemeinen Tendenzen weg und führen einen Kampf gegen· die bürgerliche Gesellschaftswissenschaft als Ganzes" 4) . Es zeigt sich also ganz klar, und niemand kann es überhaupt ernstlich bestreiten, wenn er auf den Boderi wissenschaftlichen Denkens sich stellt und auf die Verteidi­ gung und Propagierung der „Ideen" und Dogmen des Imperialismus verzichtet, daß der Klassenkampf nicht nur in Wirtschaft und Gesellschaft ausgefochten wird, sondern auch auf ideologisc.'iem Gebiete tobt. Dieser Teil des Klassenkampfes hat zwar andere Erscheinungsformen als der Kampf der Klassen in ·Wirtschaft und Ge­ sellschaft, er ist aber nicht minder heftig und wichtig.

Die sowj etische Wissenschaft verwerfe die subjektiven Entstellungen, die

1)

a. a. 0.

 

2)

a.

a. 0.

S.

II.

3)

a. a. 0.

S. 47.

4)

ebd. S.

52.

16

I. Die wissenschaftl.

Methode und die Wissenschaft im Kampf um den Frieden

um den

die

Theorie des Marxismus-Leninismus im Kampf um den Frieden hat, das zeigt uns

nicht nur die führende Rolle der Sowjetwissenschaft in der Friedensbewegung der

ganzen Welt, das zeigen uns auch einzelne bedeutende \Vissenschaftler in der kapita­

listischen Welt.

Kampf um die Ge­

winnung der \Vissenschaftler für die Sache des Friedens und des Sozialismus un­ trennbar verbunden", schreibt Cornforth daher mit Recht 1) . Dieser ideologische Kampf aber besteht in seinem Wesen heute in der Aneignung der richtigen M ethodo­

logie durch die Wissenschaftler, er besteht in dem unversöhnlichen Kampf gegen

Metaphysik und Idealismus auf allen Wissensgebieten und in der Anwendung der

materialistischen D ialektik. Das aber setzt das konkrete Studium der materialisti­

Frieden

D er Wissenschaft und dem einzelnen

gewaltige

Bedeutung

zu.

Das

W.issenschaftler kommt im

zeigt

uns

nicht

nur

die

Kampf

Bedeutung,

die

„Der

ideologische

Kampf

in

der

Wissenschaft

ist

mit

dem

schen Dialektik voraus. Wie aber kann dies

stt�dieren, wo sie

besser

geschehen

als

dadurch,

daß

in klassischer Weise angewendet wurde?

wir

diese

M ethode

dort

1)

a. a. 0.

S. 95.

z. DIE

LICHEN

KRITIS CHE üBERWINDUNG DER

öKONOMIE

DURCH

POLITISCHEN

MARX

KLAS SISCHEN BÜRGER­

DER

UND

DIE

METHODE

öKONOMIE

DER

MARXISMUS

-

EIN

QUALITATIVER

SPRUNG

„Der Marxismus ist das

System der

Anschauungen und der

Lehre von

Marx",

schreibt Lenin in

seiner

Schrift

„Karl Marx, eine Einführung

in den

Marxismus"

1) .

„Marx

der Fortführer und

geniale

Vollender

der drei

geistigen Hauptströmun­

gen

des

war 19. Jahrhunderts in

den dr.ei

fortgeschrittensten Ländern

der

Menschheit:

der klassischen deutschen Philosophie, der klassischen englischen politischen Ökonomie und des französischen Sozialismus in Verbindung mit den französischen revolutionären

Lehren überhaupt."

werde

ungen,

modernen

in

allen

seiner Anschau­

Lenin weiter,

Selbst

von „den

Gegnern

von

Marx"

schreibt

„die bewundernswerte

die

in

ihrer

Folgerichtigkeit und

modernen

Geschlossenheit

Materialismus

und

Gesamtheit dt;,,n

den

wissenschaftlichen Sozialismus

zivilisierten

Ländern der

als Theorie

·welt

und Programm

der Arbeiterbewegung

ergeben", anerkannt 2) .

In der Tat :

in

der

Folgerichtigkeit und

Geschlossenheit

der marxistischen politi­

schen

Ökonomie

kommt

ihre wissenschaftliche Vollendung zum

Ausdruck.

Darin

kommt

zum Ausdruck,

daß

die marxistische

politische

Ökonomie ein

wissenschaft­

liches System ist,

im

Gegensatz zur -

wissenschaftlichen

- bürgerlichen Ökonomie

bis zur

Klassik,

die sie

vollendete.

 

Diese

sondern

der Wissenschaft

Shdanow,

Vollendung

ist eben

nicht

eine

einfache Weiterführung auf

„eine

der

erreichten

Revolution"

Ebene,

in

ein qualitativer Sprung,

3) .

den

echte Entscheidung,

dem Gebiete

eine

der dies für

Marxismus auf

der Philosophie

feststellt,

wendet

sich scharf gegen F. G. Alexandrow, der

in

seiner Geschichte

der

Philosophie

„den Gang der

Entwicklung

der philosophischen

Ideen

und Systeme

als

eine gleich­

förmig

quantitativer Veränderungen vor

fassung

mus aus

und Darstellung

fließende

revolutionäre Entwicklung" hinstellt,

sich

„die

durch

durch

das Anwachsen

Auf­

Marxis­

- als

geht".

führte Shdanow

Es entstehe

aus,

eine solche

wäre

der

der Eindruck,

der

„als

fortschrittlichen Lehren -

der Entwicklung

vorhergegangenen

einfacher

Nachfolger

hervorgegangen" 4).

Es

entstehe

der

Eindruck,

als

sei

der

Marxismus

„nur

- -

eine

bis

zu

Ende

konsequent

u

!1 d

in

all ihren

Schlußfolge­

rungen

wissenschaftliche

Lehre"

5).

1)

Berlin

1945,

S. 7.

 

2)

ebd.

(von mir hervorgehoben, F.

B.).

3)

A.

Shdanow,

Kritische

Bemerkungen

zu dem

Buche F.

G.

Alexandrows,

Berlin

1950,

S.

6.

4) ebd.

S.

6.

18

2. Die kritische Ü berwindung der klassischen bürgert. Ökonomie durch Marx

Ü berwindung der klassischen bürgert. Ökonomie durch Marx Selbstverständlich hat der Marxismus, insbesondere auf dem

Selbstverständlich hat der Marxismus, insbesondere auf dem Gebiet der Philo­

sophie und der politischen Ö konomie, die bürgerlichen Theorien, soweit sie wissen­

schaftlichen ,Charakter hatten, „bis zu Ende konsequent und wissenschaftlich" weiter­

geführt. Aber nicht darin besteht seine entscheidende Leistung und umwälzende B e­

deutung. Seine entschei dende Leistung und umwälzende B edeutung besteht vielmehr

gerade darin, daß er etwa<> qualitativ Neues, eine Revolution auf dem Gebiete der

Wissenschaft darstellt.

eine Revolution auf dem Gebiete der Wissenschaft darstellt. Worin besteht die Revolution des Marxismus auf dem
eine Revolution auf dem Gebiete der Wissenschaft darstellt. Worin besteht die Revolution des Marxismus auf dem

Worin besteht die Revolution des Marxismus auf dem Gebiete der Wissenschaft?

Sie besteht darin, daß die Wissenschaft von jeder idealistischen und metaphysi­

schen Grundkonzeption befreit und auf <lie Grundlage des dialektischen Materialismus

gestellt wird. „Der Marxismus", definiert Stalin daher in seiner Arbeit „Der Marxis­

mus und die Fragen der Sprachwissenschaft", „ist die Wissenschaft von den Ent­

wicklungsgesetzen der Natur und der Gesellschaft, die Wissenschaft von der Revo­

lution der unterdrückten und ausgebeuteten Klassen, die Wissenschaft vom Siege des

Sozialismus in allen Ländern, die \Vissenschaft vom Aufbau der Kommunistischen

Gesellschaft" i) .

Diese geniale Stalinsche Definition ·des Marxismus als Wissenschaft umfaßt nicht

nur die konsequ