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Die kriminalprognostische Begutachtung von Sexual- und Gewaltstraftätern

Methoden, Empirie und praktische Anwendung

Jun.-Prof. Dr. Martin Rettenberger Psychologisches Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU)

Anwendung Jun.-Prof. Dr. Martin Rettenberger Psychologisches Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU)

Kriminalprognose

Gliederung und Übersicht

Bedeutung der Kriminalprognosen im deutschen Rechtssystem • Unterschiedliche methodische Ansätze der Kriminalprognose: Ein wissenschaftshistorischer Überblick Generationen der Kriminalprognose Instrumente und Methoden Möglichkeiten und Grenzen • Erklärung vs. Vorhersage: Die Notwendigkeit eines ideographischen Erklärungsmodells • Das Prozessmodell der klinisch-idiographischen Prognosebeurteilung (Dahle, 2010)

22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

der klinisch-idiographischen Prognosebeurteilung (Dahle, 2010) 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Die kriminalprognostische Begutachtung

Die Bedeutung im deutschen Rechtssystem

Kriminalprognostischen Einschätzungen kommt im deutschen Rechtssystem eine herausragende Bedeutung zu • In der Regel nehmen juristische Entscheidungsträger selbst diese Einschätzung vor • Es gibt eine Reihe von Entscheidungen, bei denen externer Sachverstand eingeholt werden kann bzw. muss

Anordnung bzw. Beendigung der Maßregelunterbringung Anordnung bzw. Beendigung der Sicherungsverwahrung Lockerungsentscheidungen im Strafvollzug Vorzeitige Entlassung aus dem Strafvollzug []

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Vorzeitige Entlassung aus dem Strafvollzug •   [ … ] 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität
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Boetticher, A., Kröber, H.-L., Müller-Isberner, R., Böhm, K. M., Müller-Metz, R., & Wolf, T. (2007). Mindestanforderungen für Prognosegutachten. Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie, 1, 90-100.

Mindestanforderungen für Prognosegutachten. Forensische Psychiatrie , Psychologie , Kriminologie , 1 , 90-100.

Überblick

1. Generation: Klinisch-intuitive Prognose

1. Generation : Klinisch-intuitive Prognose
1. Generation : Klinisch-intuitive Prognose
1. Generation : Klinisch-intuitive Prognose
Überblick 1. Generation : Klinisch-intuitive Prognose 2. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend

2. Generation: Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend statischen Faktoren

2. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend statischen Faktoren
2. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend statischen Faktoren
2. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend statischen Faktoren
Prognose basierend auf überwiegend statischen Faktoren 3. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf

3. Generation: Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend dynamischen Faktoren

3. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend dynamischen Faktoren
3. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend dynamischen Faktoren
3. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend dynamischen Faktoren
Prognose basierend auf überwiegend dynamischen Faktoren 4. Generation : Verbindung von Prognose und Behandlung im

4. Generation: Verbindung von Prognose und Behandlung im Einzelfall

22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

: Verbindung von Prognose und Behandlung im Einzelfall 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz 6

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Die intuitive Prognose „Erfahrung heißt gar nichts. Man kann seine Sache auch 35 Jahre schlecht

Die intuitive Prognose

„Erfahrung heißt gar nichts. Man kann seine Sache auch 35 Jahre schlecht machen.“
„Erfahrung heißt
gar nichts. Man
kann seine Sache
auch 35 Jahre
schlecht machen.“

Kurt Tucholsky

(1890-1935)

„Intui<on ist die Fähigkeit gewisser Leute, eine Lage in Sekundenschnelle falsch zu beurteilen.“
„Intui<on ist die
Fähigkeit gewisser
Leute, eine Lage in
Sekundenschnelle
falsch zu
beurteilen.“

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Friedrich Dürrenmatt

(1921-1990)

falsch zu beurteilen.“ 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz Friedrich Dürrenmatt (1921-1990)

Begutachtung der Kriminalprognose

Die intuitive Prognose

Begutachtung der Kriminalprognose Die intuitive Prognose „ … psychiatrists and psychologists are accurate no

psychiatrists and psychologists are accurate no more than one out of three

predictions of violent behavior over a several year period among institutionalized populations that had both committed violence in the past (and thus had high base rates for it) and who were diagnosed as mentally ill.” (Monahan, 1981, S. 47 ff.)

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who were diagnosed as mentally ill.” (Monahan, 1981, S. 47 ff.) 22. Februar 2014 | Johannes

Überblick

1. Generation : Klinisch-intuitive Prognose Verbesserung der Vorhersageleistung

1. Generation: Klinisch-intuitive Prognose

1. Generation : Klinisch-intuitive Prognose
1. Generation : Klinisch-intuitive Prognose Verbesserung der Vorhersageleistung
Verbesserung der Vorhersageleistung

Verbesserung der Vorhersageleistung

Prognose Verbesserung der Vorhersageleistung 2. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf

2. Generation: Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend statischen Faktoren

2. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend statischen Faktoren
2. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend statischen Faktoren
2. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend statischen Faktoren
Prognose basierend auf überwiegend statischen Faktoren 3. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf

3. Generation: Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend dynamischen Faktoren

3. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend dynamischen Faktoren
3. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend dynamischen Faktoren
3. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend dynamischen Faktoren
Prognose basierend auf überwiegend dynamischen Faktoren 4. Generation : Verbindung von Prognose und Behandlung im

4. Generation: Verbindung von Prognose und Behandlung im Einzelfall

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: Verbindung von Prognose und Behandlung im Einzelfall 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz 9

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Begutachtung der Kriminalprognose

Statistisch-nomothetische („aktuarische“) Prognose

Aktuarische Prognoseinstrumente (ARAIs) sind standardisierte Verfahren, die aus einer festgelegten Anzahl an Risikofaktoren bestehen • Von lateinisch actuarius: „Schnellschreiber“ oder „Buchhalter“ und griechisch πρό γνωσις:

"Vorwissen" oder wörtlich „Voraus-Kenntnis“ • Die wichtigsten Merkmale von ARAIs sind:

Klar operationalisierte Risikofaktoren Streng empirisch abgeleitet Gruppenstatistische Zusammenhänge Hohe Reliabilität als Voraussetzung Übertrag in empirisch ermittelte Wahrscheinlichkeiten

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•   Übertrag in empirisch ermittelte Wahrscheinlichkeiten 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Aktuarische Prognose Gewalt Opfer- typus Geschlecht Psychische Störung Diebstahl Vorstrafen Leugnen Schul- erfolg

Aktuarische Prognose

Gewalt

Opfer-

typus

Geschlecht

Psychische Störung

Diebstahl

Vorstrafen

Leugnen

Schul-

erfolg

Sucht

Empathie

Dissozialität

Rückfälligkeit
Rückfälligkeit

Arbeit

Sexuelle

Devianz

Beziehung

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Aktuarische Prognose Gewalt Vorstrafen Sucht Diebstahl Schul- Opfer- Leugnen erfolg typus Rückfälligkeit

Aktuarische Prognose

Aktuarische Prognose Gewalt Vorstrafen Sucht Diebstahl Schul- Opfer- Leugnen erfolg typus Rückfälligkeit

Gewalt

Vorstrafen Sucht Diebstahl Schul- Opfer- Leugnen erfolg typus Rückfälligkeit Empathie Arbeit Sexuelle
Vorstrafen
Sucht
Diebstahl
Schul-
Opfer-
Leugnen
erfolg
typus
Rückfälligkeit
Empathie
Arbeit
Sexuelle
Beziehung
Devianz
Dissozialität
Arbeit Sexuelle Beziehung Devianz Dissozialität Geschlecht Psychische Störung 12 22. Februar 2014 |

Geschlecht

Psychische Störung

Devianz Dissozialität Geschlecht Psychische Störung 12 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

12

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Aktuarische Prognose Gewalt Vorstrafen Sucht Diebstahl Schul- Leugnen erfolg Rückfälligkeit Empathie Arbeit

Aktuarische Prognose

Aktuarische Prognose Gewalt Vorstrafen Sucht Diebstahl Schul- Leugnen erfolg Rückfälligkeit Empathie Arbeit

Gewalt

Vorstrafen Sucht Diebstahl Schul- Leugnen erfolg Rückfälligkeit Empathie Arbeit Sexuelle Beziehung Devianz
Vorstrafen
Sucht
Diebstahl
Schul-
Leugnen
erfolg
Rückfälligkeit
Empathie
Arbeit
Sexuelle
Beziehung
Devianz
Dissozialität
Arbeit Sexuelle Beziehung Devianz Dissozialität Opfer- typus Geschlecht Psychische Störung 13 22. Februar

Opfer-

typus

Geschlecht

Psychische Störung

Dissozialität Opfer- typus Geschlecht Psychische Störung 13 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

13

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Aktuarische Prognose Vorstrafen Rückfälligkeit Sexuelle Beziehung Devianz Dissozialität Opfer- typus Geschlecht

Aktuarische Prognose

Vorstrafen Rückfälligkeit Sexuelle Beziehung Devianz
Vorstrafen
Rückfälligkeit
Sexuelle
Beziehung
Devianz

Dissozialität

Opfer-

typus

Geschlecht

Beziehung Devianz Dissozialität Opfer- typus Geschlecht 14 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

14

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Aktuarische Prognose Vorstrafen (0 oder 3) Je höher der Gesamtwert, desto höher die Rückfallwahrscheinlichkeit

Aktuarische Prognose

Vorstrafen (0 oder 3) Je höher der Gesamtwert, desto höher die Rückfallwahrscheinlichkeit Beziehung (0 oder
Vorstrafen
(0 oder 3)
Je höher der Gesamtwert, desto
höher die Rückfallwahrscheinlichkeit
Beziehung
(0 oder 1)

Dissozialität (0 oder 1)

Opfer-

Typus (0 oder 1)

Geschlecht (0 oder 1)

Sexuelle Devianz (0 oder 1)

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Intuitive vs. aktuarische Prognose Der Kliniker erstellt die Prognose Klinisch-intuitive Prognose (informell, subjektiv,

Intuitive vs. aktuarische Prognose

Der Kliniker erstellt die Prognose
Der Kliniker erstellt
die Prognose

Klinisch-intuitive Prognose (informell, subjektiv, impressionistisch)

Aktuarisch-statistische Prognose (formell, mechanisch, algorithmisch)

Prognose (formell, mechanisch, algorithmisch) Das aktuarische Prognoseinstrument erstellt die Prognose
Das aktuarische Prognoseinstrument erstellt die Prognose
Das aktuarische
Prognoseinstrument
erstellt die Prognose

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Intuitive vs. aktuarische Prognose Der Kliniker erstellt die Prognose Winner Klinisch-intuitive Prognose (informell,

Intuitive vs. aktuarische Prognose

Der Kliniker erstellt die Prognose
Der Kliniker erstellt
die Prognose
vs. aktuarische Prognose Der Kliniker erstellt die Prognose Winner Klinisch-intuitive Prognose (informell, subjektiv,
Winner
Winner

Klinisch-intuitive Prognose (informell, subjektiv, impressionistisch)

Aktuarisch-statistische Prognose (formell, mechanisch, algorithmisch)

Prognose (formell, mechanisch, algorithmisch) Das aktuarische Prognoseinstrument erstellt die Prognose
Das aktuarische Prognoseinstrument erstellt die Prognose
Das aktuarische
Prognoseinstrument
erstellt die Prognose

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Begutachtung der Kriminalprognose

Intuitive vs. aktuarische Prognose

Meist replizierte Ergebnis psychologischer Diagnostik: Statistisch-aktuarische Prognosen sind klinisch-intuitiven Vorhersagen überlegen (vgl. Grove, 2005; Grove & Lloyd, 2005) • Dieses Ergebnis bleibt bestehen,

unabhängig von der praktischen Erfahrung des Klinikers (Goldberg, 1965, 1968), – unabhängig von der dem Kliniker zur Verfügung stehenden Datenmenge und -qualität (Dawes, Faust & Meehl, 1989) – auch wenn Kliniker zusätzlich speziell trainiert werden (Goldberg, 1968) – selbst wenn dem Kliniker die aktuarischen Prognosen vorgegeben werden (vgl. auch Hanson & Morton-Bourgon,

2009)

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vorgegeben werden (vgl. auch Hanson & Morton-Bourgon , 2009) 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Begutachtung der Kriminalprognose

Intuitive vs. aktuarische Prognose

Dieses Ergebnis zeigt sich in verschiedenen Bereichen der Diagnostik und Prognose (vgl. Grove, Zald, Lebow, Snitz & Nelson, 2000):

Pädagogische Psychologie z.B. Vorhersage von Schulerfolg Wirtschaftswissenschaften und Wirtschaftspsychologie z.B. bei der Personalauswahl Medizin, Klinische Psychologie und Psychotherapie z.B. bei der Diagnostik von Krankheiten oder psychischen Störungen oder der Vorhersage von Behandlungsverläufen Differentielle und Persönlichkeitspsychologie z.B. bei der Auswertung und Interpretation von Persönlichkeitstests

Am stärksten ist die Überlegenheit im Bereich der forensisch-kriminologischen Prognoseforschung ausgeprägt!

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der forensisch-kriminologischen Prognoseforschung ausgeprägt! 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Begutachtung der Kriminalprognose ARAIs für Sexual- und Gewaltstraftäter

Rapid Risk Assessment for Sexual Offense Recidivism (RRASOR; Hanson, 1997) • Violence Risk Appraisal Guide (VRAG; Quinsey et al., 2006) • Sex Offender Risk Appraisal Guide (SORAG; Quinsey et al., 2006) • Static-99 (Hanson & Thornton, 2000) • Offender Group Reconviction Scale (OGRS; NOMS, 2008; Howard et al., 2009) • Rückfallrisiko bei Sexualstraftätern (RRS; Rehder & Suhling, 2006) • Screeninginstruments zur Vorhersage des Gewaltrisikos (SVG; Eher et al., 2012; Rettenberger et al., 2010) • Empirisch fundierte Prognosestellung im Maßregelvollzug gemäß §63 StGB (Gretenkord, 2003) • Ontario Domestic Assault Risk Assessment (ODARA; Hilton et al., 2004, 2010)

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Assault Risk Assessment (ODARA; Hilton et al., 2004, 2010) 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Aktuarische Prognose

Static-99 (Hanson & Thornton, 2000)

Alter • Beziehungsstatus • Aktuelle Gewaltdelinquenz • Frühere Gewaltdelinquenz • Frühere Sexualdelinquenz

Anzahl an Vorstrafen • Hands-off-Delikte • Verwandtes Opfer • Bekanntes Opfer • Männliches Opfer

Die Items entstanden aus einer Zusammenführung zweier Instrumente (RRASOR und SACJ-Min) 9 Items dichotom (0/1), Item 5 gewichtet (0-3) Konstruktions- und Entwicklungsstichprobe N = 1.301 (GB und CAN) Heute das international am häufigsten eingesetzte und am besten validierte ARAI

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am häufigsten eingesetzte und am besten validierte ARAI 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Kriminalprognose und Sexualdelinquenz

Aktuarische Prognoseinstrumente

§bestehen aus einer festgelegten Anzahl an empirisch abgeleiteten Risikofaktoren, deren Erhebung weitgehend operationalisiert ist §Addition der Einzelitems Summenwert §Übertragung des Summenwerts in prognoserelevante Informationen

Prognoserelevante Informationen:

Absolute Risikomaße: Rückfallwahrscheinlichkeiten,

Basisraten, Normwerte, Rückfallraten – Relative Risikomaße: Perzentile, Prozentränge, Relative Risk Ratios (RRR)

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Perzentile, Prozentränge, Relative Risk Ratios (RRR) 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Aktuarische Kriminalprognose

Absolute Risikomaße

•   Aktuarische Kriminalprognose Absolute Risikomaße Eher, R., Schilling, F., Mönichweger, M., Haubner-MacLean, T.

Eher, R., Schilling, F., Mönichweger, M., Haubner-MacLean, T. & Rettenberger, M. (2012). Die revidierte Version des „Screeninginstruments zur Vorhersage des Gewaltrisikos“ (SVG-5): Darstellung relativer und absoluter Rückfallraten. Monatsschrift für Kriminologie und Strafrechtsreform, 95, 18-31.

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für Kriminologie und Strafrechtsreform, 95, 18-31 . 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Aktuarische Kriminalprognose

Absolute Risikomaße

•   Aktuarische Kriminalprognose Absolute Risikomaße Eher, R., Schilling, F., Mönichweger, M., Haubner-MacLean, T.

Eher, R., Schilling, F., Mönichweger, M., Haubner-MacLean, T. & Rettenberger, M. (2012). Die revidierte Version des „Screeninginstruments zur Vorhersage des Gewaltrisikos“ (SVG-5): Darstellung relativer und absoluter Rückfallraten. Monatsschrift für Kriminologie und Strafrechtsreform, 95, 18-31.

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für Kriminologie und Strafrechtsreform, 95, 18-31 . 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Aktuarische Kriminalprognose

Absolute Risikomaße

Frage: Was bringen uns Wahrscheinlichkeitsaussagen bei der Bewertung von Einzelfällen? Bisherige Forschungen zeigen, dass Umgang mit Wahrscheinlichkeitsaussagen schwer fällt (z.B. Gigerenzer, 2009) • Auch im Bereich der Kriminalprognose werden Wahrscheinlichkeitsaussagen oft ungern gesehen (obwohl sie „korrekter“ als kategoriale Aussagen sind; vgl. Scurich & John, 2010) • Juristische Auftraggeber und Entscheidungsträger sind gegenüber probabilistischen Aussagen oftmals skeptisch oder ablehnend (z.B. Redding, Floyd & Hawk, 2001)

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oder ablehnend (z.B. Redding , Floyd & Hawk , 2001) 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität

Aktuarische Kriminalprognose

Absolute Risikomaße

Hauptkritikpunkt: Der Wert von Wahrscheinlichkeitsaussagen ist im Bereich der forensischen und strafrechtlichen Prognosepraxis relativ beschränkt • Grund: Problem der Übertragung probabilistischer (psychologisch-psychiatrischer) Expertise in dichotome juristische Entscheidungskategorien (Entlassung vs. Nicht-Entlassung; Monahan & Silver, 2003) • Harris (2003, S. 389): „Men in his category have a 50% likelihood, but which half is he in?“ (vgl. Berlin, Galbreath, Geary & McGlone, 2003) • Diese „Kritik“ an der Methode ist zwar grundsätzlich richtig, der Schluss daraus, dass Wahrscheinlichkeitsaussagen deshalb wertlos seien, ist aber falsch (Scurich & John, 2011)!

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wertlos seien, ist aber falsch (Scurich & John, 2011)! 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Aktuarische Kriminalprognose

Absolute Risikomaße

Grove und Meehl (1996):

Politischer Gefangener wird von Diktator gezwungen, russisches Roulette zu spielen, wobei er zwischen zwei Waffen wählen kann:

Der eine Revolver enthält eine Patrone und fünf leere Kammern Der andere Revolver enthält fünf Patronen und eine leere Kammer • Für welchen Revolver würden Sie sich entscheiden? – „Unless you have a death wish, you would choose the one with the five empty chambers“ (Grove & Meehl, 1996, S. 306).

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the five empty chambers“ (Grove & Meehl, 1996, S. 306). 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität

Risikokommunikation

Numerisch vs. kategorial

Risikokommunikation

Probabilistische Beurteilung: 10%

Dichotome Beurteilung: 20%

Kategoriale Beurteilung: 70%

Problem: Personen variieren deutlich in ihrer

Interpretation dichotomer und kategorialer Beurteilungen (vgl. Hilton et al., 2008)

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und kategorialer Beurteilungen (vgl. Hilton et al., 2008) 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Risikokommunikation

Numerisch vs. kategorial

Risikokommunikation

Probabilistische Beurteilung: 10%

Dichotome Beurteilung: 20%

Kategoriale Beurteilung: 70%

Problem: Personen variieren deutlich in ihrer

Interpretation dichotomer und kategorialer Beurteilungen (vgl. Hilton et al., 2008)

Ab welcher Rückfallwahrscheinlichkeit ist die Einschätzung „hohes Rückfallrisiko“ gerechtfertigt?

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ist die Einschätzung „hohes Rückfallrisiko“ gerechtfertigt? 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Risikokommunikation

Numerisch vs. kategorial

Risikokommunikation

Probabilistische Beurteilung: 10%

Dichotome Beurteilung: 20%

Kategoriale Beurteilung: 70%

Problem: Personen variieren deutlich in ihrer

Interpretation dichotomer und kategorialer Beurteilungen (vgl. Hilton et al., 2008)

Ab welcher Rückfallwahrscheinlichkeit ist die Einschätzung „hohes Rückfallrisiko“ gerechtfertigt? – M = 48,68% (SD = 17,50; range = 5-80)

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gerechtfertigt? – M = 48,68% ( SD = 17,50; range = 5-80) 22. Februar 2014 |

Risikokommunikation

Numerisch vs. kategorial

•   Risikokommunikation Numerisch vs. kategorial 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

•   Risikokommunikation Numerisch vs. kategorial 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Risikokommunikation

Numerisch vs. kategorial

Risikokommunikation

Probabilistische Beurteilung: 10%

Dichotome Beurteilung: 20%

Kategoriale Beurteilung: 70%

Problem: Personen variieren deutlich in ihrer

Interpretation dichotomer und kategorialer Beurteilungen (vgl. Hilton et al., 2008)

Ab welcher Rückfallwahrscheinlichkeit ist die Einschätzung „hohes Rückfallrisiko“ gerechtfertigt? – M = 48,68% (SD = 17,50; range = 5-80) Bis zu welcher Rückfallwahrscheinlichkeit ist die Einschätzung „niedriges Risiko“ gerechtfertigt?

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ist die Einschätzung „niedriges Risiko“ gerechtfertigt? 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Risikokommunikation

Numerisch vs. kategorial

Risikokommunikation

Probabilistische Beurteilung: 10%

Dichotome Beurteilung: 20%

Kategoriale Beurteilung: 70%

Problem: Personen variieren deutlich in ihrer

Interpretation dichotomer und kategorialer Beurteilungen (vgl. Hilton et al., 2008)

Ab welcher Rückfallwahrscheinlichkeit ist die Einschätzung „hohes Rückfallrisiko“ gerechtfertigt? – M = 48,68% (SD = 17,50; range = 5-80) Bis zu welcher Rückfallwahrscheinlichkeit ist die Einschätzung „niedriges Risiko“ gerechtfertigt? – M = 20,93% (SD = 13,47; range = 0-51)

22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

gerechtfertigt? – M = 20,93% ( SD = 13,47; range = 0-51) 22. Februar 2014 |

Risikokommunikation

Numerisch vs. kategorial

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•   Risikokommunikation Numerisch vs. kategorial 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Relative Risikomaße: Prozentränge Aus: Static-99 – Anwenderhandbuch (Version 2010). Wien: Begutachtungs- und

Relative Risikomaße: Prozentränge

Relative Risikomaße: Prozentränge Aus: Static-99 – Anwenderhandbuch (Version 2010). Wien: Begutachtungs- und

Aus: Static-99 – Anwenderhandbuch (Version 2010). Wien: Begutachtungs- und Evaluationsstelle für Gewalt- und Sexualstraftäter (BEST)

Relative Risikomaße: Prozentränge Aus: Static-99 – Anwenderhandbuch (Version 2010). Wien: Begutachtungs- und

Relative Risikomaße: Prozentränge

Relative Risikomaße: Prozentränge Aus: Static-99 – Anwenderhandbuch (Version 2010). Wien: Begutachtungs- und

Aus: Static-99 – Anwenderhandbuch (Version 2010). Wien: Begutachtungs- und Evaluationsstelle für Gewalt- und Sexualstraftäter (BEST)

Aktuarische Kriminalprognose

Relative Risikomaße

•   Aktuarische Kriminalprognose Relative Risikomaße Eher, R., Schilling, F., Haubner-MacLean, T., Jahn, T. &

Eher, R., Schilling, F., Haubner-MacLean, T., Jahn, T. & Rettenberger, M. (2012). Ermittlung des relativen und absoluten Rückfallrisikos mithilfe des Static-99 in einer deutschsprachigen Population entlassener Sexualstraftäter. Forensische Psychiatrie,

Psychologie, Kriminologie, 6, 32-40.

22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie, 6, 32-40. 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Aktuarische Kriminalprognose

Relative Risikomaße

•   Aktuarische Kriminalprognose Relative Risikomaße Eher, R., Schilling, F., Haubner-MacLean, T., Jahn, T. &

Eher, R., Schilling, F., Haubner-MacLean, T., Jahn, T. & Rettenberger, M. (2012). Ermittlung des relativen und absoluten Rückfallrisikos mithilfe des Static-99 in einer deutschsprachigen Population entlassener Sexualstraftäter. Forensische Psychiatrie,

Psychologie, Kriminologie, 6, 32-40.

22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie, 6, 32-40. 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Überblick

1. Generation : Klinisch-intuitive Prognose Verbesserung der Vorhersageleistung

1. Generation: Klinisch-intuitive Prognose

1. Generation : Klinisch-intuitive Prognose
1. Generation : Klinisch-intuitive Prognose Verbesserung der Vorhersageleistung
Verbesserung der Vorhersageleistung

Verbesserung der Vorhersageleistung

Prognose Verbesserung der Vorhersageleistung 2. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf
2. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend statischen Faktoren Relevanz für Behandlung
2. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend statischen Faktoren Relevanz für Behandlung

2. Generation: Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend statischen Faktoren

2. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend statischen Faktoren

Relevanz für Behandlung

2. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend statischen Faktoren Relevanz für Behandlung
statischen Faktoren Relevanz für Behandlung 3. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf

3. Generation: Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend dynamischen Faktoren

3. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend dynamischen Faktoren
3. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend dynamischen Faktoren
3. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend dynamischen Faktoren
Prognose basierend auf überwiegend dynamischen Faktoren 4. Generation : Verbindung von Prognose und Behandlung im

4. Generation: Verbindung von Prognose und Behandlung im Einzelfall

22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

: Verbindung von Prognose und Behandlung im Einzelfall 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz 39

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Begutachtung der Kriminalprognose

Begutachtung der Kriminalprognose Aktuarische Kriminalprognose- instrumente Statische Risikofaktoren (z.B. Static-99)
Aktuarische Kriminalprognose- instrumente
Aktuarische
Kriminalprognose-
instrumente
Kriminalprognose Aktuarische Kriminalprognose- instrumente Statische Risikofaktoren (z.B. Static-99) Dynamische
Kriminalprognose Aktuarische Kriminalprognose- instrumente Statische Risikofaktoren (z.B. Static-99) Dynamische
Kriminalprognose Aktuarische Kriminalprognose- instrumente Statische Risikofaktoren (z.B. Static-99) Dynamische
Kriminalprognose Aktuarische Kriminalprognose- instrumente Statische Risikofaktoren (z.B. Static-99) Dynamische
Statische Risikofaktoren (z.B. Static-99)
Statische
Risikofaktoren
(z.B. Static-99)
Dynamische Risikofaktoren
Dynamische
Risikofaktoren
Risikofaktoren (z.B. Static-99) Dynamische Risikofaktoren Stabil dynamische Risikofaktoren (z.B. Stable-2007) Akut
Risikofaktoren (z.B. Static-99) Dynamische Risikofaktoren Stabil dynamische Risikofaktoren (z.B. Stable-2007) Akut
Risikofaktoren (z.B. Static-99) Dynamische Risikofaktoren Stabil dynamische Risikofaktoren (z.B. Stable-2007) Akut
Risikofaktoren (z.B. Static-99) Dynamische Risikofaktoren Stabil dynamische Risikofaktoren (z.B. Stable-2007) Akut
Stabil dynamische Risikofaktoren (z.B. Stable-2007)
Stabil dynamische
Risikofaktoren
(z.B. Stable-2007)
Akut dynamische Risikofaktoren (z.B. Acute-2007)
Akut dynamische
Risikofaktoren
(z.B. Acute-2007)

Begutachtung der Kriminalprognose

ARAIs der 3. Generation – dynamisch

§Bestehen nicht nur aus einem Summenwert, sondern stellen unterschiedliche prognoserelevante Informationen zur Verfügung §ARAIs bestehen nicht nur aus statisch-historisch- unveränderbaren Risikofaktoren, sondern umfassen auch dynamisch-veränderbare Items §„Aktuarisch“ bedeutet nicht aktenbasiert v.a. die Instrumente der 3. Generation erheben auch komplexe klinische Konstrukte (Exploration i.d.R. notwendig) §Wesentliche theoretische und empirische Basis für die Entwicklung von ARAIs der 3. Generation war das Risk-Need- Responsivity-Modell (Andrews et al., 1990; Andrews & Bonta,

2006)

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(Andrews et al., 1990; Andrews & Bonta , 2006) 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

ARAIs der 3. Generation – dynamisch

Exkurs: Ist Behandlung wirksam?

Behandlung ist wirksam – sofern bes<mmte Voraussetzungen erfüllt und Kriterien berücksich<gt werden ⇒
Behandlung ist wirksam –
sofern bes<mmte
Voraussetzungen erfüllt
und Kriterien berücksich<gt
werden ⇒ RNR-Modell
R. Karl Hanson
Behandlung ist nicht wirksam –
zumindest können wir
aufgrund der derzei<gen
Datenlage nicht auf
Gegenteiliges schließen ⇒
Prinzip der Null-Hypothese
Marnie E. Rice

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schließen ⇒ Prinzip der Null-Hypothese Marnie E. Rice 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Wie wirksam ist Behandlung?

Behandlung ist wirksam

•   Wie wirksam ist Behandlung? Behandlung ist wirksam 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

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•   Wie wirksam ist Behandlung? Behandlung ist wirksam 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Wie wirksam ist Behandlung?

•   Wie wirksam ist Behandlung? Behandlung ist wirksam •   Die zentralen Ergebnisse der Meta-Analyse:

Behandlung ist wirksam

Die zentralen Ergebnisse der Meta-Analyse:

Behandelte Gruppen wiesen niedrigere Rückfall- raten auf als die jeweiligen Kontrollgruppen Besonders wirksam sind Behandlungsprogramme die sich an den aus der allgemeinen Straftäterbehandlung bekannten RNR-Prinzipien orientieren (vgl. Andrews & Bonta, 2010) • Risk-Prinzip: Je höher das Rückfallrisiko, desto mehr Behandlung • Need-Prinzip: Bei der Auswahl der Behandlungsinhalte sollen kriminogene Bedürfnisse (criminogenic needs) besonders beachtet werden, d.h. Behandlungsziele, die mit (neuerlicher) Kriminalität in Verbindung stehen • Responsivity-Prinzip: Behandlungsprogramme müssen auf die Lernstile und Fähigkeiten der Patienten und Klienten abgestimmt sein

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und Fähigkeiten der Patienten und Klienten abgestimmt sein 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Prognose und Behandlung

Prognose und Behandlung Prognose- instrumente (PI) Need Risk Responsivity 22. Februar 2014 | Johannes
Prognose- instrumente (PI)
Prognose-
instrumente
(PI)
Prognose und Behandlung Prognose- instrumente (PI) Need Risk Responsivity 22. Februar 2014 | Johannes
Prognose und Behandlung Prognose- instrumente (PI) Need Risk Responsivity 22. Februar 2014 | Johannes
Prognose und Behandlung Prognose- instrumente (PI) Need Risk Responsivity 22. Februar 2014 | Johannes
Prognose und Behandlung Prognose- instrumente (PI) Need Risk Responsivity 22. Februar 2014 | Johannes
Need
Need
Risk
Risk
Responsivity
Responsivity

Prognose und Behandlung

Prognose und Behandlung Prognose- instrumente (PI) Need Risk: PI zuverlässiger und ökonomischer Weg (z.B. SVG oder
Prognose- instrumente (PI)
Prognose-
instrumente
(PI)
Prognose und Behandlung Prognose- instrumente (PI) Need Risk: PI zuverlässiger und ökonomischer Weg (z.B. SVG oder
Prognose und Behandlung Prognose- instrumente (PI) Need Risk: PI zuverlässiger und ökonomischer Weg (z.B. SVG oder
Prognose und Behandlung Prognose- instrumente (PI) Need Risk: PI zuverlässiger und ökonomischer Weg (z.B. SVG oder
Prognose und Behandlung Prognose- instrumente (PI) Need Risk: PI zuverlässiger und ökonomischer Weg (z.B. SVG oder
Need
Need
Risk: PI zuverlässiger und ökonomischer Weg (z.B. SVG oder Static-99)
Risk: PI zuverlässiger und
ökonomischer Weg (z.B.
SVG oder Static-99)
Responsivity
Responsivity

Prognose und Behandlung

Prognose und Behandlung Prognose- instrumente (PI) Need: PI erlauben reliable u. valide Einschätzung der Criminogenic
Prognose- instrumente (PI)
Prognose-
instrumente
(PI)
Prognose und Behandlung Prognose- instrumente (PI) Need: PI erlauben reliable u. valide Einschätzung der Criminogenic
Prognose und Behandlung Prognose- instrumente (PI) Need: PI erlauben reliable u. valide Einschätzung der Criminogenic
Prognose und Behandlung Prognose- instrumente (PI) Need: PI erlauben reliable u. valide Einschätzung der Criminogenic
Prognose und Behandlung Prognose- instrumente (PI) Need: PI erlauben reliable u. valide Einschätzung der Criminogenic
Need: PI erlauben reliable u. valide Einschätzung der Criminogenic Needs
Need: PI erlauben reliable
u. valide Einschätzung der
Criminogenic Needs
Risk: PI zuverlässiger und ökonomischer Weg (z.B. SVG oder Static-99)
Risk: PI zuverlässiger und
ökonomischer Weg (z.B.
SVG oder Static-99)
Responsivity
Responsivity

Prognose und Behandlung

Prognose und Behandlung Prognose- instrumente (PI) Need: PI erlauben reliable u. valide Einschätzung der Criminogenic
Prognose- instrumente (PI)
Prognose-
instrumente
(PI)
Prognose und Behandlung Prognose- instrumente (PI) Need: PI erlauben reliable u. valide Einschätzung der Criminogenic
Prognose und Behandlung Prognose- instrumente (PI) Need: PI erlauben reliable u. valide Einschätzung der Criminogenic
Prognose und Behandlung Prognose- instrumente (PI) Need: PI erlauben reliable u. valide Einschätzung der Criminogenic
Prognose und Behandlung Prognose- instrumente (PI) Need: PI erlauben reliable u. valide Einschätzung der Criminogenic
Need: PI erlauben reliable u. valide Einschätzung der Criminogenic Needs
Need: PI erlauben reliable
u. valide Einschätzung der
Criminogenic Needs
Risk: PI zuverlässiger und ökonomischer Weg (z.B. SVG oder Static-99)
Risk: PI zuverlässiger und
ökonomischer Weg (z.B.
SVG oder Static-99)
Responsivity: Mit PI zentrale Ansprechbar- keitsvariablen erheben
Responsivity: Mit PI
zentrale Ansprechbar-
keitsvariablen erheben

Begutachtung der Kriminalprognose

Erfassung stabil-dynamischer Risikofaktoren

Stable-2007 (5 Bereiche, 13 Items) Bedeutende soziale Einflüsse (1) Intimitätsdefizite (5) Allgemeine
Stable-2007 (5 Bereiche, 13 Items)
Bedeutende soziale Einflüsse (1)
Intimitätsdefizite (5)
Allgemeine Selbstregulierung (3)
Sexuelle Selbstregulierung (3)
Kooperation mit Betreuungseinrichtung (1)

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Selbstregulierung (3) Kooperation mit Betreuungseinrichtung (1) 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Begutachtung der Kriminalprognose

Erfassung stabil-dynamischer Risikofaktoren

Intimitätsdefizite Bindungs- und Beziehungsfähigkeit Emotionale Identifikation mit Kindern (nur bei Tätern mit
Intimitätsdefizite
Bindungs- und Beziehungsfähigkeit
Emotionale Identifikation mit Kindern
(nur bei Tätern mit Kindesmissbrauchsdelikten)
Feindseligkeit gegenüber Frauen
Soziale Zurückweisung, Isolation
und Einsamkeit
Empathiedefizite

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Zurückweisung, Isolation und Einsamkeit Empathiedefizite 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Begutachtung der Kriminalprognose

Erfassung stabil-dynamischer Risikofaktoren

Allgemeine

Selbstregulierung

Defizitäre

kognitive

Problemlöse-

strategien

Impulsivität

Negative

Emotionalität

und

Feindseligkeit

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Impulsivität Negative Emotionalität und Feindseligkeit 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Begutachtung der Kriminalprognose

Erfassung stabil-dynamischer Risikofaktoren

Sexuelle

Selbstregulierung

Sexualität als

Coping-

Mechanismus

Sexuelle

Vorein-

genommenheit

Sexuelle Devianz

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Mechanismus Sexuelle Vorein- genommenheit Sexuelle Devianz 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Überblick

1. Generation : Klinisch-intuitive Prognose Verbesserung der Vorhersageleistung

1. Generation: Klinisch-intuitive Prognose

1. Generation : Klinisch-intuitive Prognose
1. Generation : Klinisch-intuitive Prognose Verbesserung der Vorhersageleistung
Verbesserung der Vorhersageleistung

Verbesserung der Vorhersageleistung

Prognose Verbesserung der Vorhersageleistung 2. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf
2. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend statischen Faktoren Relevanz für Behandlung
2. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend statischen Faktoren Relevanz für Behandlung

2. Generation: Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend statischen Faktoren

2. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend statischen Faktoren

Relevanz für Behandlung

2. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend statischen Faktoren Relevanz für Behandlung
statischen Faktoren Relevanz für Behandlung 3. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf
3. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend dynamischen Faktoren Übertragung auf den Einzelfall
3. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend dynamischen Faktoren

3. Generation: Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend dynamischen Faktoren

3. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend dynamischen Faktoren
3. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend dynamischen Faktoren Übertragung auf den Einzelfall
3. Generation : Aktuarische Prognose basierend auf überwiegend dynamischen Faktoren Übertragung auf den Einzelfall
Übertragung auf den Einzelfall

Übertragung auf den Einzelfall

dynamischen Faktoren Übertragung auf den Einzelfall 4. Generation : Verbindung von Prognose und Behandlung im

4. Generation: Verbindung von Prognose und Behandlung im Einzelfall

22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

: Verbindung von Prognose und Behandlung im Einzelfall 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz 53

53

Methoden der Kriminalprognose

Die 4. Generation

Instrumente der 4. Generation versuchen, Prognose und Behandlung noch systematischer zu verbinden Ein Beispiel: Level of Service/Case Management Inventory (LS/CMI; Andrews, Bonta & Wormith, 2004) Auch Instrumente der 3. Generation (z.B. der Stable-2007) geben dieses Ziel vor Eine andere Methodengruppe sind die sog. Structured Professional Judgment (SPJ)-Verfahren:

sog . Structured Professional Judgment (SPJ)-Verfahren : •   •   •   •   Historical-Clinical-Risk

Historical-Clinical-Risk Management-20 Violence Risk Assessment Scheme (HCR-20; Webster et al., 1997; Müller-Isberner et al., 1998) Sexual Violence Risk-20 Risk Assessment Scheme (SVR-20; Boer et al., 1997; Müller-Isberner et al., 2000) Spousal Assault Risk Assessment Guide (SARA; Kropp et al., 1999; Gaunersdorfer et al., 2009) Structured Assessment of PROtective Factors for violence risk (SAPROF; de Vogel et al., 2007; Spehr & Briken, 2010)

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risk (SAPROF; de Vogel et al., 2007; Spehr & Briken, 2010) 22. Februar 2014 | Johannes

Begutachtung der Kriminalprognose Structured Professional Judgment (SPJ)

Klinische Prognoseinstrumente (SPJ) versuchen die Stärken der intuitiven Methode und der aktuarischen Methode zu verbinden

Einzelfallorientierung Empirisch fundiert

Standardisierte Erhebung und Interpretation klinisch-forensischer und kriminologischer Daten • Neben Wahrscheinlichkeit Berücksichtigung von Art, Häufigkeit, Schweregrad und Unmittelbarkeit des vorhergesagten Ereignisses • Darstellung unterschiedlicher Risikoszenarien • Planung von Risikomanagementmaßnahmen zur systematischen Reduzierung des Risikopotentials • Eine einfache Aufaddierung einzelner Itemscores widerspricht dem SPJ- Paradigma! • Neben den spezifizierten Items können individuell relevante weitere Risikofaktoren berücksichtigt und gewichtet werden

22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

weitere Risikofaktoren berücksichtigt und gewichtet werden 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Die 20 Risikofaktoren des SVR-20

Psychosoziale Anpassung:

Sexuelle Devianz, Opfer von Kindesmissbrauch, Psychopathy, schwere seelische Störung, Substanzproblematik, Suizid-/Homizidgedanken, Beziehungsprobleme, Beschäftigungsprobleme, allgemeine Vordelinquenz, gewalttätige Vordelinquenz, Bewährungsversagen

Sexualdelinquenz:

Deliktfrequenz, multiple Formen, Opferverletzung, Waffengebrauch, Progredienz, Bagatellisierung, deliktfördernde Ansichten

Zukunftspläne:

Fehlen realistischer Pläne, Ablehnung weiterer Interventionen

Structured Professional Judgment (SPJ)

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Aus: von Franqué, F. (2013). Handbuch kriminalprognostischer Verfahren. Strukturierte professionelle Risikobeurteilungen. Göttingen: Hogrefe.

Handbuch kriminalprognostischer Verfahren. Strukturierte professionelle Risikobeurteilungen. Göttingen: Hogrefe.

Begutachtung der Kriminalprognose

Vorhersage vs. Erklärung kriminellen Verhaltens • Prognoseinstrumente greifen auf gruppenstatistische Ergebnisse zurück Instrumente der 2. und 3. Generation liefern i.d.R. noch kein individuelles Erklärungsmodell • Notwendigkeit eines einzelorientierten, individuellen („ideographischen“) Erklärungsmodells

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individuellen („ideographischen“) Erklärungsmodells 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz
22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz Dahle, K.-P. (2007). Methodische Grundlagen der Kriminalprognose.

22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Dahle, K.-P. (2007). Methodische Grundlagen der Kriminalprognose. Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie, 1, 101-110.

(2007). Methodische Grundlagen der Kriminalprognose. Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie, 1, 101-110.

Prozessmodell der Urteilsbildung idiographischer Kriminalprognosen

Der erste diagnostische Teilschritt besteht darin, eine individuelle Handlungstheorie der bisherigen Delinquenz der fraglichen Person zu formulieren. • Aufgabe: Rekonstruktion und Verständnis der strafrechtlichen Vorgeschichte des Probanden. • Der Theoriebegriff wurde dabei bewusst gewählt, um auf die qualitativen Anforderungen, die damit verknüpft sind, hinzuweisen

Erschöpfungsgrad – Widerspruchsfreiheit – Semantische Konsistenz – Einfachheit

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–   Semantische Konsistenz –   Einfachheit 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Prozessmodell der Urteilsbildung idiographischer Kriminalprognosen

Im 2. Schritt wird das relevante Verhalten seit der letzten Tat analysiert und erklärt, um daraus eine individuelle Entwicklungstheorie der Persönlichkeit des Straftäters abzuleiten • Frage: Gibt es signifikante Veränderungen der Risikofaktoren, die im 1. Schritt identifiziert wurden? • 3. Schritt: Anschließend wird der aktuelle Entwicklungsstand analysiert, um Fortschritte und Defizite der in Frage stehenden Person zu erfassen • Klassische Aufgabe klinischer Diagnostik – Feststellung inwieweit aktuell noch (Rest-)Risiken zu erkennen sind • Intention: Identifizierung möglicher Risikokonstellationen, deren Eintrittswahrscheinlichkeit anhand von Wenn-dann- Aussagen eingeschätzt werden sollen

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anhand von Wenn-dann- Aussagen eingeschätzt werden sollen 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Prozessmodell der Urteilsbildung idiographischer Kriminalprognosen

Risikokonstellationen bilden die Basis für den letzten diagnostischen Teilschritt, in dem die Perspektiven der zukünftigen Lebensgestaltung Gegenstand des Interesses sind • Einschätzung, inwieweit Behandlungs-, Betreuungs- und Kontrollmaßnahmen (Risikomanagement) in der Lage sind, kriminogenen Einfluss der Risikokonstellationen zu reduzieren. • Im Falle einer eher ungünstigen Prognose: Welche

Maßnahmen sollten bis zur nächsten Überprüfung eingeleitet werden, damit zukünftige Einschätzungen positiver ausfallen?

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werden, damit zukünftige Einschätzungen positiver ausfallen? 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Prozessmodell der Urteilsbildung idiographischer Kriminalprognosen

Im Sinne des eben dargestellten Prozessmodells definiert Dahle (2000) den kriminalprognostischen Urteilsprozess folgendermaßen:

Die Kriminalprognose stellt die Fortschreibung der individuellen Handlungstheorie der Kriminalität einer Person (1. diagnostischer Teilschritt) nach den Prinzipien der spezifischen Entwicklungsdynamik ihrer Persönlichkeit (2. diagnostischer Teilschritt) bei Zugrundelegung ihres aktuell erreichten Entwicklungsstandes (3. diagnostischer Teilschritt) unter Annahme wahrscheinlicher zukünftiger situationaler Rahmenbedingungen (4. diagnostischer Teilschritt) dar. (S. 101)

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Rahmenbedingungen (4. diagnostischer Teilschritt) dar. (S. 101) 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Begutachtung der Kriminalprognose

Integrative Prognoseansätze

Begutachtung der Kriminalprognose Integrative Prognoseansätze 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Begutachtung der Kriminalprognose Integrative Prognoseansätze 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

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Begutachtung der Kriminalprognose Integrative Prognoseansätze 22. Februar 2014 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

„Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen“

Niels Bohr (1885-1962)

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

martin.rettenberger@uni-mainz.de

sie die Zukunft betreffen“ Niels Bohr (1885-1962) Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! martin.rettenberger@uni-mainz.de