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Projektmanagement - kraftvoller Hebel für die Unternehmenseffizienz

Ein systematisch betriebenes Projektmanagement sorgt für eine Transparenz von


Daten und Abläufen, die sich jetzt angesichts reduzierter Ressourcen als zentraler
Wettbewerbsvorteil erweisen kann

von Hauke Thun

Wohin Sie auch schauen - Projektmanagement gilt als eine völlig selbstverständliche,
bewährte Organisationsform, die sich im Mittelstand wie in Großunternehmen in Deutschland
seit den 80er Jahre in nahezu allen Branchen durchgesetzt hat. Rund jedes fünfte
Unternehmen investiert laut einer Studie der GPM (Deutsche Gesellschaft für
Projektmanagement e.V.) und der PA Consulting Group Deutschland mehr als 50 Prozent
seiner Gesamtkosten in Projekte. Die starke Rolle, die das Projektmanagement innerhalb
dieser Unternehmen spielt, lässt erahnen, welchen Einfluss es auf den Erfolg des jeweiligen
Unternehmens ausübt.

Das gilt gerade jetzt: Denn eine Vielzahl von Unternehmen hat mit drastischen
Strukturanpassungen auf den Nachfrageeinbruch im letzten Jahr reagiert und steht nun vor
der Herausforderung, laufende Projekte mit deutlich reduzierten Ressourcen fortzuführen.
Andernorts sieht sich das Management mit der Aufgabe konfrontiert, mit neuen Projekten
wieder Fahrt aufzunehmen, ohne dass dafür die gewohnten Kapazitäten zur Verfügung
stehen.

Angesichts dieser Ausgangslage ist es für Experten immer wieder erstaunlich, dass die
Optimierungspotenziale im Management von Projekten und die weitreichenden
Auswirkungen einer effektiven Projektmanagementkultur auf die Gesamtbilanz eines
Unternehmens vielerorts massiv unterschätzt werden.

Was zählt, ist nicht nur die Frage, wie hoch die Erfolgsquote der begonnenen Projekte ist,
sondern auch das „Wie“ zählt, der Aspekt des Ressourcenaufwands. Als Kennziffer ist er
genauso bedeutend für die Bewertung der Projektmanagementkultur wie die Resultate.

Neben Ergebnissen und Prozessen geht es aber vor allem auch um den Faktor Mitarbeiter:
Sie bringen ihre Erfahrungen, ihr Know-how und ihre Learnings aus den Projekten in die
Linie ein. Je mehr Gewicht ein Unternehmen einem erfolgreichen Projekt- und
Wissensmanagement einräumt, desto mehr wird es sich in Richtung eines nachhaltigen
Wirtschaftens verändern und seine Effizienz kontinuierlich verbessern.

In immerhin 60 Prozent der deutschen Unternehmen gelten Projektmanagement-Standards


der GPM/PA-Studie zufolge heute als etabliert. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass mehr
als ein Drittel der Betriebe bislang keine ausgeprägte Managementkultur für die Abwicklung
von Projekten entwickelt hat. Keine gute Grundlage, um den langfristigen Bestand im Markt
zu gewährleisten.

Dabei lassen sich die Erfolgsbedingungen für ein gelungenes Projektmanagement auf acht
wesentliche Faktoren fokussieren:

1. Das Commitment der Unternehmensspitze und der angeschlossenen Führungsebenen


sind unabdingbar. Fehlen Handlungsbefugnisse und Machtprotektion gegenüber den

PM FIREFIGHTERS Project Management GmbH l Gänsemarkt 44 l 20354 Hamburg l E-Mail: kontakt@pmff.eu


Projektverantwortlichen und entzieht sich das Top-Management einer Selbstverpflichtung,
alles zum Erfolg des Projektes beizutragen, ist es zum Scheitern verurteilt.

2. Ein weitreichendes Ressourcen-Management, das die Verfügbarkeit von kompetentem


Personal, insbesondere der geeigneten Spezialisten, in ausreichender Zahl zum richtigen
Zeitpunkt regelt. Damit steht und fällt die Leistungsfähigkeit des Teams. Auch die optimale
Auslastung sämtlicher Mitarbeiter und die Verhinderung von Leerlaufzeiten fallen in diesen
Aufgabenbereich. Dieser ist alles andere als trivial: Denn häufig werden Mitarbeiter vorzeitig
von ihren Projekten abgezogen, weil sie wieder ihre eigentlichen Positionen ausfüllen
müssen. Die Folge sind chronische Termin-Überschreitungen im Projektverlauf.

3. Die richtige Methodik entscheidet nicht nur über den Ausgang des Projektes, sondern
auch darüber, wie effizient es abgewickelt wird. Obwohl in vielen Unternehmen seit langer
Zeit in Projekten gearbeitet wird, ist das Projektmanagement Know-how vielerorts
unterentwickelt beziehungsweise unvollständig.

4. Zu einem professionell geführten Projekt gehört unabdingbar auch ein effektives


Controlling. Circa 36 Prozent (Quelle: GPM/PA) aller Projekte werden keinem
professionellen Controlling und Reporting unterzogen. Damit kommt es fast zwangsläufig zur
Ineffizienz, auch besteht die Tendenz, dass die Entwicklungen innerhalb einzelner
Steuerungsbereiche unbeachtet bleiben.

5. Hauptmotiv für die Arbeit in Projektteams ist Informationsverdichtung. Deshalb geht es als
Teil des Stakeholder-Managements darum, die richtigen Experten zu den richtigen Themen
zusammenzubringen. Aber nicht nur das: Es gilt, sie zu motivieren und nachhaltig
einzubinden – „aus Betroffenen Beteiligte zu machen“. Nur rund ein Drittel aller Befragten
einer Studie zum Thema Projektmanagement (Quelle: GPM/PA) gaben an, Stakeholder-
Management zu betreiben – da ist noch reichlich Luft nach oben!

6. Es ist eine Binsenweisheit, dass hochmotivierte Arbeitskräfte deutlich effizienter arbeiten.


Trotzdem vernachlässigen viele Unternehmenslenker eine ausreichende Honorierung von
Projektleistungen in Verbindung mit einem klaren Anreizsystem. Eine erfolgreiche
Projektarbeit bringt Führungskräfte zudem nicht in dem Maße auf der Karriereleiter nach
oben, wie es in klassischen Leitungsfunktionen der Fall ist. Die Unternehmensführung ist
deshalb gut beraten, ein ganzheitliches Bewertungssystem zu entwickeln, das die Projekt-
und die Linienarbeit gleichermaßen berücksichtigt.

7. Eine wesentliche Voraussetzung für eine wachsende Effizienz des Gesamtunternehmens


ist ein systematischer Lessons-Learned-Prozess nach Abschluss von Projekten. Hier geht
es nicht nur um die Aufgabe, die Projektintelligenz des Unternehmens kontinuierlich zu
steigern. Zusätzlich ermöglicht es ein nachgeschaltetes Wissensmanagement, die
Projekterfahrungen gezielt in die Strukturen zu tragen und sie dort zu implementieren.

8. Die Weiterentwicklung von Projektzielen und –anforderungen ist gerade bei langfristig
angelegten Projekten ein regelmäßig entstehendes Phänomen, das eines aktiven
Veränderungs-Managements bedarf. –Die Studie zeigt, dass ein solches Instrument zwar
bei 70 Prozent der großen Projekte zur Anwendung kommt, es aber bei 40 Prozent der
kleinen und mittleren Projekte kein Standard ist.

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Fazit
Ein gut eingeführtes, qualifiziertes Projektmanagement ist ein Effizienzmotor für das gesamte
Unternehmen. Die Erfolgsquote der Projekte steigt und sie werden in einem optimalen
Verhältnis von Aufwand, Ertrag und Zeit abgewickelt. Große Wirkung entfaltet der
Multiplikationseffekt, der durch eine laufend wachsende Projektkompetenz innerhalb der
Belegschaft entsteht. Diese Skills kommen in erheblichem Maße auch dem Tagesgeschäft
innerhalb der Linie zugute.

Hamburg, im Dezember 2009

Der Autor
Hauke Thun ist Gründer und Inhaber von PM Firefighters (www.pm-firefighters.eu). Vor der
Gründung seines Unternehmens im Jahr 2003 war der Dipl.-Ing. der Technischen
Informatik 18 Jahre in unterschiedlichen Funktionen in den Bereichen Software-
Entwicklung, Projektmanagement und Unternehmensführung tätig. Zu seine Stationen
gehören die IDM Inc., G+J EMS GmbH, HTC Babelsberg GmbH, e-dict GmbH
(Geschäftsführer), 7d AG (Vorstand), divine GmbH (Director Quality Management). Thun
verfügt über Zertifizierungen nach GPM / IPMA Level D und PMI / PMP. Er engagiert sich
außerdem international, so etwa als Assessor für den International Project Excellence
Award (IPMA).

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