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So bekommen Sie Ihren Chef in den Griff

Von Kirsten Niemann 16. Februar 2008, 04:00 Uhr

Niete in Nadelstreifen oder autoritärer Choleriker? Rundum zufrieden ist kaum jemand mit seinem Chef. Aber es
gibt Strategien, die einem helfen, das Beste draus zu machen

Neben diesem Vorgesetzten ist Iwan der Schreckliche eine Miezekatze. Heute trifft den Schauprozess im Meeting
die Teamassistentin Frau K: "Sie haben alles vermasselt!" - "Sie sind Ihr Geld nicht wert!" - "Wenn es Ihnen nicht
passt, dann können Sie ja gehen!" Die anderen Mitarbeiter ziehen die Schultern ein, rutschen immer tiefer in ihre
Sitze und freuen sich, dass sie diesmal nicht gemeint sind, während Frau K. sich in Tränen auflöst. Der Körper
der armen Kollegin wird von Adrenalin durchflutet und der Arbeitstag ist gelaufen: Über mehrere Stunden kann
sie an nichts anderes mehr denken.

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa wollte genauer wissen, wie es in Deutschland um das Verhältnis von
Chefs und Angestellten bestellt ist und stellte mehr als 700 Angestellten die Frage: Wie sieht Ihr Traumchef aus?
Demnach wünschten sich 96 Prozent der Befragten einen Vorgesetzten, der mit Kritik umgehen könne, 95
Prozent wollten einen belastbaren Chef mit einem "breiten Kreuz", 94 Prozent einen konsequenten und
zuverlässigen Boss. Etwa 92 Prozent meinten, ein Chef müsse mit guten Fachkenntnissen glänzen, 86 Prozent
wünschten ihn sich "offen und verständnisvoll". Kurzum: Der Chef - ein Superman, oder eine Superwoman.

Dabei sind die meisten Chefs und Cheffinnen glatt das Gegenteil. Eine geheime Studie der
Personalberatungsfirma Kienbaum Anfang der 90er-Jahre ergab, dass zwei Drittel der Bosse zutiefst schwierige
Zeitgenossen sind. Lediglich ein Drittel verrichtete seine Führungsaufgabe korrekt bis unauffällig. "Wir haben ein
Führungsproblem", sagt auch Jürgen Hesse. Der Psychologe ist Autor des Bestsellers "Die Neurosen der Chefs"
und Geschäftsführer des Büros für Berufsstrategie. Doch am Ende führt kein Weg an der Tatsache vorbei: Ob
unser Vorgesetzter ein Choleriker ist, ein Ausbeuter, Aufschneider, ein Pedant oder ein Chaot. Wir müssen mit
ihm leben - was jedoch nicht heißt, dass wir ihn nicht erziehen könnten.

"Wie schwierig ein Chef ist, hängt immer auch von der Persönlichkeit des Mitarbeiters ab", sagt die
Karriereberaterin Petra Begemann. "Wer selbst sehr penibel ist, hat wenig Probleme mit einem pedantischen
Vorgesetzten, tut sich aber schwer mit einer visionären, wenig organisierten Führungskraft." Doch kann man sich
auf nahezu jeden Typus einstellen: In ihrem Bestseller "Den Chef im Griff" verrät sie Tipps für den richtigen
Umgang.

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Viele Mitarbeiter - das zeigt auch die oben erwähnte Forsa-Studie - möchten in ihrem Chef eine Vaterfigur sehen.
Wie in der Familie gibt es auch im Job die Rebellen, die Jasager und die Mitmacher. "Viele Mitarbeiter reflektieren
zu wenig ihre eigenen Rolle", sagt Hesse, "warum sollte der Chef eigentlich besser sein als ich?" Von der
Gehaltsdebatte bis zum Krisengespräch hat der Psychologe Strategien im Petto, ganz nach dem Motto: Verstehe
deinen Vorgesetzten, dann kommst du auch mit ihm klar.

Manch ein Chef ist immer skeptisch. Reden meine Mitarbeiter schlecht über mich? Rotten sie sich gegen mich
zusammen? Was arbeiten die eigentlich den ganzen Tag? "Der paranoide Typ ist anstrengend", sagt Jürgen
Hesse und rät: "Bleiben Sie transparent." Senden Sie ihre E-Mails auch als Copy an ihn und halten Sie ihn bei
allen Arbeitsschritten auf dem Laufenden. Ganz ähnlich agiert der zwanghafte Chef, der ständig Rückmeldung
fordert, bei Unpünktlichkeit Pusteln bekommt und seine Mitarbeiter rund um die Uhr auf Trab hält.

Anders dagegen verhält es sich beim unnahbaren Chef, dem schizoiden Typus. Seine Tür ist immer geschlossen.
Oft fährt mit dem Fahrstuhl direkt in sein Büro. Er meidet den Kontakt zu seinen Mitarbeitern, selbst mit seinem
direkten Untergebenen ist er noch nach 20 Jahren per Sie. Wer einen Gesprächstermin wünscht, muss diesen
vier Wochen im Voraus anmelden. Wer Nestwärme sucht, oder aber ein Feedback wünscht, ist hier falsch.
"Begegnen Sie diesem Chef in der Sprache, die er versteht: Zahlen und Fakten", rät Petra Begemann. Hesse:
"Grüßen Sie immer freundlich, aber gehen Sie ihm aus dem Weg."

Der narzisstische Chef ist dagegen häufig ein Strahlemann. "Der Narziss saugt alle aus", sagt Jürgen Hesse,
Rivalen werden gnadenlos ausgeschaltet. Schlechte Botschaften sollte der Mitarbeiter am besten gut verpacken.
"Bewundern Sie ihn", rät der Psychologe, "auch wenn es Ihre Ideen sind, die er als seine eigenen verkauft." Das
sei zwar ärgerlich, meint Begemann - berge aber auch eine Chance: "Ihr Chef braucht Sie, das schützt Sie vor
Attacken."

Ihn öffentlich bloßzustellen, ist gefährlich. Es gibt eine bessere Methode mit dem Blender umzugehen.
Begemann: "Erweitern Sie Ihren Verteiler von Mails oder Hausmitteilungen, die neue Vorschläge enthalten."
Damit ist klar, wer die eigentliche Quelle ist.

Überstunden und Nachtsitzungen - und der Lohn sind warme Worte. Sie wollen mehr Geld? "Ach, du weißt doch,
wir haben kein Geld." Und schon haben Sie ein schlechtes Gewissen, überhaupt danach gefragt zu haben. Die
Ausbeuter handeln manipulativ und finden sich besonders oft im sozialen oder kulturellen Umfeld. Man ist sofort
per Du, der zwischenmenschliche Umgang familiär und harmonisch. Die Ausbeuter denken an den Geburtstag
und erzählen von ihren Familien. Dasselbe erwarten sie von ihren Mitarbeitern. "Die Ausbeuter sind wie alles
verschlingende Väter und Mütter", meint Jürgen Hesse. Sie wollen die ganze Aufmerksamkeit, sonst droht leiser
Terror.

Der Mitarbeiter tut gut daran, sein Bedürfnis nach Zuwendung zu erfüllen. Doch Vorsicht. In Punkto Überstunden
und Bezahlung heißt es: Grenzen setzen, von Anfang an. "Solange Sie trotz gelegentlichen Aufbegehrens immer
alles schaffen, werden Ihre Bedenken kaum ernst genommen", sagt Begemann. Nach dem Motto: Wer viel
schafft, bekommt auch immer mehr aufgebrummt. Schalten Sie das Handy aus, Anrufbeantworter an wenn Sie
nicht erreichbar sein wolle, - und am Abend sind Sie unterwegs.

Wer glaubt, ein Choleriker im Chefsessel sei die schlimmste aller Strafen, der hat es noch nie mit einem
Tyrannen zu tun gehabt. Der Choleriker macht seine Leute zur Sau und brüllt durch die Flure - doch irgendwann

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ist wieder Ruhe. Den Anlass eines Krachs hat er meist sehr schnell vergessen. Der Tyrann dagegen schürt Angst
und Schrecken. Seine Opfer sind ängstliche Menschen, die sich nicht wehren. Die richtige Antwort auf diesen
Typus ist ähnlich, wie beim Choleriker: Nüchternes Argumentieren nutzt gar nichts, rät Begemann. Schweigen ist
Gold. "Aber demonstrieren Sie körpersprachliches Selbstbewusstsein." Blickkontakt und eine aufrechte
Körperhaltung, Arme nicht verschränken, sondern locker hängen lassen. Ruhig bleiben ist leicht gesagt.
Begemann: "Seien Sie der Regisseur einer Schauspielszene: Wutanfall als Thema des Vorsprechens." Wer
kuscht, hat verloren und wer selbstbewusst auftritt, wird in der Regel auch respektvoll behandelt.

Buchtipps: Petra Begemann: Den Chef im Griff. Strategien für den richtigen Umgang mit Vorgesetzten (Eichborn
Verlag). Jürgen Hesse und Hans Christian Schrader: Die Neurosen der Chefs. Und wie Sie mit ihnen fertig
werden (Piper). Heinz-Jürgen Herzlieb / Friedrich Ulrich: Cheffing - Führen von Unten (Cornelsen). Ingo Krawiec:
Umgang mit Vorgesetzten. Profil entwickeln - Beruflichen Erfolg steuern (Pocket Business Cornelsen). Susanne
Reinker: Rache am Chef: Die Unterschätzte Macht der Mitarbeiter (Econ)

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