Newsletter No.

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Januar/Februar 2015
Nachrichten und Meinungen
Eindrücke von der Ehrung langjähriger Mitglieder beim traditionellen Grünkohlessen
Wie jedes Jahr wurden bei unserem
traditionellen Grünkohlessen im Gildehaus am 4.12. im großen Rahmen
unsere langjährigen Mitglieder geehrt.
Petra Tiemann gab in einen kurzen
Überblick über die wichtigsten Erfolge sozialdemokratischer Politik in
Bund Land und Kommunen. Wie
jedes Jahr wurde für jedes zu ehrenden Mitglied eine kurze Laudation
gehalten, in der insbesondere auf die
Beweggründe für ein langjähriges
Engagement in der SPD eingegangen
wurde. Leider konnten aus verschiedenen Gründen nicht alle zu Ehrenden
Die anwesenden Jubilare
an der Veranstaltung teilnehmen,
deshalb an diese Stelle noch die vollständige Liste aller zu Ehrenden. Es wurden geehrt für

60 Jahre Mitgliedschaft: Hilde Kunz
50 Jahre Mitgliedschaft: Werner Boehnke und Hilde Pahl
40 Jahre Mitgliedschaft: Hanspeter
Borstelmann, Ortwin Heilemann, Paul
Krüger, Karin Reinartz, Georg Sommer, und Anna Sturm
25 Jahre Mitgliedschaft: Werner
Gellfahrt, Jens Leichsenring, Jonny
Paul Krüger und Petra Tiemann
Roggendorf und Anna Vaccaro-Jäger
10 Jahre Mitgliedschaft: Jonas Beseler und Birgit Rinka.
Jens Leichsenring und Petra Tiemann

Eine besondere Ehrung gab es für Elke Schneider-Höffelmann
für ihre besondere Bereitschaft, die Geburtstagsgrüße des
Ortsvereinsvorstands zu verschicken. (UL)

Wir sind gefordert!
von Dr. Uwe Lampe, Buxtehude
Demokratie ist anstrengend: wie schon häufig in
ihrer Geschichte ist die Sozialdemokratie gefordert, die hart erkämpften Errungenschaften eines
demokratischen sozialen Rechtsstaat zu verteidigen, und zwar gegen massive Angriffe von zwei
Seiten. Auf der einen Seite stehen Terroristen, die
den Islam als ideologisches Feigenblatt für ihre
Untaten benutzen und auf der anderen Seite
Gruppierungen, die den Kampf gegen die „Islamisierung“ als Deckmantel benutzen, um eine
fremdenfeindliche und rassistische Ideologie zu
verbreiten.
Der terroristische Angriff auf das französische
Satireblatt „Charlie Hebdo“ war ein beispielloser
Angriff auf eine der Grundlagen auf die Demokratie: die Meinungs- und Pressefreiheit. Der
Angriff hat zu Recht weltweite Aufmerksamkeit
erregt. Es gilt aber nicht zu vergessen, dass in
Paris zeitgleich auch Menschen starben, weil sie
dem jüdischen Glauben anhingen oder weil sie
als Polzisten den Rechtsstaat verteidigten.
Gleichzeitig finden in vielen anderen Ländern
terroristische Angriffe statt, ohne die gleiche
Aufmerksamkeit zu erregen: An dieser Stelle
seien nur die Angriffe der Boko Haram in
Nigeria genannt, denen in den letzten Tagen
wieder tausende Menschen zum Opfer fielen,
oder die Mordtaten des „Islamischen Staat“ in
Syrien und Irak.
Die Mörder berufen sich dabei auf den Islam als
Ideologie und in der Tat lässt sich keine Religion
wie der Islam besonders leicht zur Begründung
von Terror und Mord heranziehen. Dies sollte
aber nicht dazu verführen, diese Religion als
Ursache zu verstehen. Die übergroße Mehrheit
der Muslime lehnt diesen Terror ab, dem im Übrigen zumeist Muslime zum Opfer fallen. Wir
dürfen daher nicht immer wieder von unseren
muslimischen Mitbürgern eine Distanzierung
vom Terror verlangen und dabei ihren Glauben
unter Generalverdacht zu stellen. Dass eine theologische Diskussion innerhalb des Islams erfolgen muss, um diese Auswüchse zu bekämpfen,
ist eine andere Frage. Auch das Christentum hat
lange gebraucht, um vom gewaltsamen Vorgehen
gegen Andersgläubige abzukommen: Die spanische Inquisition wurde erst 1834 abgeschafft.
Es ist aber dringend erforderlich, die tatsächliche
Ursache für das abgleiten der jungen Männer in
den terroristischen Untergrund zu untersuchen.
Es sind Menschen, die in unserer Gesellschaft
ausgegrenzt sind und sich nicht akzeptiert fühlen.
Besonders in Frankreich ist die Integration der
Kinder der arabischstämmigen Einwanderer

missglückt: Sie leben in den Vorstädten ohne
eine ausreichende Bildung, haben häufig nur von
Gelegenheitsjobs und fühlen sich missachtet und
ausgegrenzt. Besonders trifft dies auf junge Männer zu, die von den Parolen islamistischer
Hassprediger angezogen werden. Sie meinen,
damit ihrem Leben einen höheren Sinn geben zu
können. Auch bei uns in Deutschland sind solche
Erscheinungen zu beobachten, wir müssen alles
tun, diese Menschen in unsere Gesellschaft zu
integrieren.
Was wir nicht machen sollten, ist auf den Leim
dieser Terroristen zu gehen und einen „Kampf
der Kulturen“ auszurufen: Das ist es genau, was
sie erreichen wollen. Sie wollen einen Krieg zwischen Muslimen und den Gläubigen anderer Religionen und Atheisten provozieren. Sie wollen
unsere Gesellschaft spalten, Unfrieden herbeiführen und damit unsere Demokratie zerstören. Genau so wenig sollten wir aber auf Forderungen
eingehen, den Rechtsstaat einzuschränken, z.B.
mit einer Vorratsdatenspeicherung, die im Übrigen die Anschläge in Paris nicht verhindert haben. Sie hätten dann ein wesentliches Ziel erreicht.
Verteidigen müssen wir jetzt auch die Demokratie gegen Bewegungen wie Pegida, die den Terroranschlag in Paris als Vorwand benutzen, um
im Wesentlichen uninformierte Bürger für ihre
rassistischen und fremdenfeindlichen Ideen zu
mobilisieren. Der Begriff „Lügenpresse“ wurde
nicht umsonst das Unwort des Jahres 2014, da er
vor allem von den Nazis gegen die Pressefreiheit
benutz wurde und jetzt wieder von Pegida-Anhängern benutz wird. Die deutlich stärkeren Gegendemonstrationen sind ein gutes Zeichen: Die
Mehrheit der Deutschen ist bereit, unseren demokratischen zu verteidigen. Dies enthebt uns aber
nicht von der Pflicht, die Ursachen dieser Bewegung zu untersuchen: Wir dürfen die Spaltung
unserer Gesellschaft auch von dieser Seite her
nicht tolerieren.
Namentlich gekennzeichnete Artikel geben die Meinung des
Verfassers wieder. Diese entspricht nicht unbedingt derjenigen des Ortsvereins-Vorstandes. Beiträge (erwünscht) und
Themenvorschläge bitte an: Dr. Uwe Lampe, Beim Kloster
Dohren 13, 21614 Buxtehude, Tel.: 04161/80125, e- Mail:
dr_uwe_lampe@yahoo.de