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Knappheit Was es mit uns macht, wenn wir zu wenig haben Sendhil Mullainathan und Eldar
Knappheit Was es mit uns macht, wenn wir zu wenig haben Sendhil Mullainathan und Eldar

Knappheit

Was es mit uns macht, wenn wir zu wenig haben

Sendhil Mullainathan und Eldar Shafir Campus © 2013 303 Seiten

Fokus

Take-aways

Führung & Management Strategie Marketing & Verkauf Finanzen Personalwesen IT, Produktion & Logistik Karriere & Selbstmanagement KMU Wirtschaft & Politik Branchen Business weltweit

• Knappheit liegt vor, wenn man weniger Zeit, Geld oder soziale Kontakte hat, als man möchte.

• Unter Zeitdruck arbeiten wir effizienter; wir streichen eine „Fokusdividende“ ein.

• Umgekehrt entrichten wir eine „Tunnelsteuer“, indem wir alles ausblenden, was nichts mit dem Mangel zu tun hat.

• Knappheit schränkt die Bandbreite unserer Fähigkeiten ein, weil sie das Denken be- herrscht.

• Wohlhabende können gedankenlos konsumieren. Die Folgen ihrer Unvernunft – etwa Verschwendung – sind vergleichsweise gering.

Verwandte Themen

• Aus klassisch-ökonomischer Sicht handeln Arme rationaler. Sie schätzen Geldwerte kor- rekter ein und durchschauen Verkaufstricks besser.

• Dennoch setzen sie im Tunnel der Geldnot auf irrationale, kurzfristige Lösungen.

• Nicht Dummheit macht arm, sondern umgekehrt: Armut macht dumm.

• Programme zur Armutsbekämpfung müssen die Logik der Knappheit berücksichtigen.

• Organisationen funktionieren am effizientesten, wenn sie nicht gänzlich ausgelastet sind. Halten Sie sich Reserven frei.

gänzlich ausgelastet sind. Halten Sie sich Reserven frei. Bewertung (bester Wert: 10) Gesamtbewertung 9 Wichtigkeit 8

Bewertung (bester Wert: 10)

Halten Sie sich Reserven frei. Bewertung (bester Wert: 10) Gesamtbewertung 9 Wichtigkeit 8 Innovationsgrad 9 Stil

Gesamtbewertung

9

Wichtigkeit

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Diese Zusammenfassung ist für den persönlichen Gebrauch von Terence La (terence.la@student.unisg.ch) bestimmt.

LoginContext[cu=1388278,asp=379,subs=0,free=0,lo=de] 2014-09-27 09:21:10 CEST

  Relevanz Das lernen Sie Nach der Lektüre dieser Zusammenfassung wissen Sie:r1) was Überbeschäftigte und
 

Relevanz

Das lernen Sie

Nach der Lektüre dieser Zusammenfassung wissen Sie:r1) was Überbeschäftigte und Ar- beitslose miteinander verbindet, 2) welche gravierenden Folgen Knappheit hat und 3) wie wir ihr in unserem Alltag und als Gesellschaft begegnen können.

Empfehlung

Was hat der hochbezahlte Programmierer im Silicon Valley mit der bitterarmen indischen Straßenverkäuferin gemein? Beide leiden unter Knappheit – dem einen fehlt Zeit, der anderen Geld. Sendhil Mullainathan und Eldar Shafir, ein Ökonom und ein Psycholo- ge, haben eine universelle Theorie der Knappheit entworfen, um, wie sie sagen, eine „Brücke des Mitgefühls“ zu schlagen: Der Frage nach dem spektakulären Versagen der Entwicklungshilfe stellen sie Erkenntnisse über inkonsequente Erziehungsmethoden ge- stresster Wohlstandseltern gegenüber. Knappheit in jeder Form macht dumm, kurzsichtig und reizbar, das belegt das Buch mithilfe einer Überfülle von Skizzen, Anekdoten und Versuchsberichten. Daneben gibt es paternalistisch angehauchte Ratschläge zur Mangel- verwaltung. Was freilich nicht hinterfragt wird, ist deren Fundament: ein Wirtschaftssys- tem, das die Menschheit in wenige Überfluss-Gewinner und viele Knappheits-Verlierer teilt. getAbstract empfiehlt das anschaulich und unterhaltsam geschriebene Buch allen, die neue Antworten auf uralte Probleme suchen.

Zusammenfassung

Geld, Zeit oder Liebe

„Wir haben dieses Buch geschrieben, weil wir zu viel zu tun hatten, um es nicht zu schreiben.“

Egal ob man im Schuldensumpf oder Terminstress versinkt – beides ist ein Zeichen von Knappheit, dem Gefühl, weniger Geld oder Zeit zu haben, als man zu benötigen glaubt. Was Knappheit in unseren Köpfen anrichtet, haben Experimente mit Nahrungsentzug ge- zeigt: Hungernde Menschen konnten plötzlich nur noch ans Essen denken. Sie fantasier- ten von einer Karriere als Landwirt oder Koch, und im Kino ließen sie die romantischsten Liebesszenen kalt. Knappheit wirkt auf unser Unbewusstes ein und bestimmt unser Den- ken. Bei einer Untersuchung mit einsamen Personen stellte sich heraus, dass sie nach ei- nem sekundenkurzen Blick auf Fotos von Menschen besser auf deren Gefühle schließen konnten als andere. Knappheit erhöht also einerseits die Aufmerksamkeit – und sie führt andererseits dazu, dass wir alles ausblenden, was nicht mit dem unmittelbaren Mangel zusammenhängt.

Fluch und Segen der Knappheit

„Fast die Hälfte al- ler Amerikaner wä- re nicht in der Lage, innerhalb von 30 Tagen 2000 Dollar aufzutreiben, selbst wenn sie sie drin- gend brauchen wür- den.“

Angenommen, Sie müssen in einem Monat ein Kapitel zu einem Buch abliefern. In den ersten Tagen sind sämtliche Ablenkungen willkommen, belanglose E-Mails ebenso wie ausgedehnte Mittagessen mit Kollegen. Und wenn die Deadline in wenigen Tagen an- steht? Dann konzentrieren Sie sich und vermeiden alles, was Sie vom Kurs abbringt. Sie profitieren von einer „Fokusdividende“. Umgekehrt kann Knappheit aber auch zu einer „Tunnelsteuer“ führen: So sterben Feuerwehrleute besonders häufig durch Verkehrsun- fälle auf dem Weg zum Einsatzort. Oft sind sie zum Zeitpunkt des Unfalls nicht ange- schnallt. Die Retter in der Not tunneln, indem sie ausblenden, was nicht unmittelbar mit dem Brand zu tun hat. Fokussierung und Betriebsblindheit sind also zwei Seiten einer Medaille. Knappheit führt dazu, dass wir alles vernachlässigen – egal, ob es sich dabei

Knappheit

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„Knappheit macht uns dümmer. Und sie macht uns im- pulsiver.“

„Die Armen müssen den Wert eines Dol- lars genau kennen, die Überbeschäftig- ten den von jeder Stunde und die Ab- nehmwilligen den von jeder Kalorie.“

„Knappheit führt zu Verhaltensweisen, die uns kurzsichtig machen.“

„Jede kleinste Insta- bilität hängt wie ein Damoklesschwert über dem Leben, wenn es immer kurz vor der Knappheits- falle steht.“

wenn es immer kurz vor der Knappheits- falle steht.“ um Wichtiges oder Unwichtiges handelt. Wenn etwa

um Wichtiges oder Unwichtiges handelt. Wenn etwa ein dringendes Projekt ansteht, ver- trösten wir unsere Kinder auf später, selbst wenn sie uns jetzt wirklich bräuchten. Eine Abwägung zwischen Kosten und Nutzen findet nicht statt.

Eingeschränkte Bandbreite

Durch Knappheit ausgelöstes Tunneln ist deshalb so problematisch, weil es die Bandbreite unserer Fähigkeiten dauerhaft einschränkt. Wenn Sie beispielsweise Ihre Hypothek nicht mehr bezahlen können, dann vereinnahmt das Ihre Gedanken, und Sie haben nur noch beschränkten Zugriff auf Ihre Ressourcen – vergleichbar mit einem Computer, auf dem zu viele Programme gleichzeitig laufen. Bei einem Versuch stellte sich heraus, dass allein das Nachdenken über eine 1500 Dollar teure Autoreparatur bei Menschen mit Geldsor- gen gravierende Folgen hatte: Sie schnitten bei einem Intelligenztest um 13 bis 14 Punkte schlechter ab. Der Effekt war sogar stärker als nach einer Nacht ohne Schlaf. Ähnliches gilt für impulsives Verhalten: Wenn wir auf ein bestimmtes Thema fixiert sind, fällt es uns schwerer, unser Essverhalten zu kontrollieren oder anderen Menschen höflich zu be- gegnen. Vieles deutet darauf hin, dass arme Menschen eine geringere effektive kognitive Kapazität und Selbstkontrolle besitzen. Nicht, weil sie etwa von Natur aus dümmer oder unbeherrschter sind, sondern weil die Knappheit ihr Denken beherrscht.

Große und kleine Koffer

Wenn Sie einen großen Koffer packen, denken Sie eventuell darüber nach, ob Sie den dritten Pulli wirklich noch brauchen. Steht Ihnen nur ein kleiner Koffer zur Verfügung, müssen Sie Kompromisse eingehen und für jedes zusätzliche Teil ein anderes zurücklas- sen. Wenn Reiche Geld ausgeben, dann mit dem Bewusstsein einer großzügigen Puffer- zone. Sie haben selten die Qual der Wahl und immer den Luxus, sich Fehler erlauben zu können. Die relativ harmlose Folge großzügiger materieller und zeitlicher Reserven ist Verschwendung: Wir kaufen mehr, als wir brauchen, zahlen Geld für das Einlagern von nutzlosem Kram, und benötigen eine Woche für eine Aufgabe, die wir in zwei Tagen erledigen könnten.

Die Zukunft verpfänden

Für Menschen ohne Reserven hingegen hat Unvernunft schwerwiegende Folgen: Sie neh- men teure Kleinkredite auf, um die Miete oder Telefonrechnung zu begleichen, bezahlen alte Kredite mit neuen und verlieren allein in den USA jährlich 3,5 Milliarden Dollar durch Gebührenzahlungen an Kreditbüros. Wie kommt es dazu? Einige verweisen auf das Unvermögen der Armen, mit Geld umzugehen, andere verteufeln die Gier der Kredithaie. Eine alternative Erklärung bietet die Theorie der Knappheit: Wer in der Not Geld borgt, der tunnelt. Knappheit provoziert kurzfristige Lösungen und damit noch mehr Knappheit. Eine billige Waschmaschine zu kaufen, scheint im Tunnel die günstigste Lösung – die teuren Reparaturen kommen erst dahinter. Langfristige Kosten oder Gewinne bleiben un- sichtbar.

Vieles spricht dafür, dass Menschen den Wert eines Dollars sehr wohl kennen. Versuche haben gezeigt, dass die überwiegende Mehrheit für einen 50-prozentigen Preisnachlass weite Umwege in Kauf nimmt. Macht derselbe Betrag aber nur 5 Prozent der Gesamtsum- me aus, überwiegt bei den Gutsituierten die Faulheit. Anders bei Menschen, die knapp bei Kasse sind: Ihr Sparwillen steigt sogar umso mehr an, je höher die Gesamtsumme ausfällt. Sie kennen eher die genauen Preise für Produkte des täglichen Bedarfs als Wohl- habende und durchschauen mit größerer Wahrscheinlichkeit die Tricks der Supermarkt- strategen, mit denen Kunden zu irrationalen Käufen verführt werden. Arme verhalten sich

Knappheit

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„Die Reihenfolge von Ursache und Wirkung ist umge- kehrt, die Armut, also das Denken und Handeln ange- sichts von Knapp- heit, führt zum Versagen.“

„Ein guter Vater oder eine gute Mut- ter zu sein erfordert vieles. Aber vor al- lem erfordert es ei- nen freien Kopf. Das ist ein Luxus, den die Armen nicht ha- ben.“

„Das Versagen der Armen ist in aller- erster Linie die Fol- ge des Unglücks, arm zu sein. Unter solchen Bedingun- gen würden wir alle versagen – und ha- ben das schon ge- tan.“

„Fehler sind unver- meidbar, Unfälle sind vermeidbar.“

„Fehler sind unver- meidbar, Unfälle sind vermeidbar.“ letztlich rationaler im Sinne der klassischen ökonomischen

letztlich rationaler im Sinne der klassischen ökonomischen Lehre. Und das ist kein Wun- der: Schließlich baut diese Lehre auf einer Logik der Knappheit auf.

Jonglieren bis zum Chaos

In den Dörfern des indischen Bundesstaats Tamil Nadu verpfändeten die Bauern ihren Schmuck lieber bei einem lokalen Geldverleiher für über 70 Prozent Jahreszinsen als bei einer Bank, die nur 13 Prozent nahm. Angeblich sprang der Geldverleiher in Notfällen schneller ein. Bei genauerem Hinsehen stellten sich viele dieser Notfälle aber als Routi- neausgaben wie die Zahlung von Schulgebühren heraus. Die Menschen waren so damit beschäftigt, eine Woche über die Runden zu kommen, dass sie zwischen dringenden Auf- gaben jonglierten. Jonglieren bedeutet, kein Problem wirklich zu lösen. Ständig kommen neue Bälle hinzu, und meistens werfen wir den Ball direkt wieder hoch, nachdem wir ihn in letzter Sekunde noch aufgefangen haben. Das Spiel wird mit der Zeit immer chaoti- scher, wir schauen wie gebannt in die Luft und verwickeln uns in ein Netz aus Schulden und Verpflichtungen.

Untersuchungen mit indischen Straßenhändlerinnen, die in der Schuldenfalle steckten, haben gezeigt: Selbst wenn man ihnen half, ihre unmittelbaren Schulden zu begleichen, besserte sich ihre Lage nur für ein paar Monate. Danach borgten sie wieder Geld beim örtlichen Kredithai. Warum? Weil sie keinerlei Reserven besaßen. Jedes außerordentliche Ereignis, etwa der Kauf eines Hochzeitsgeschenks, das in Indien traditionell groß zu sein hat, brachte ihre prekäre Existenz wieder ins Wanken.

Flugzeuge im Kopf

Die Regeln der Knappheit sind immer die gleichen, egal ob sie Überbeschäftigte oder Diätwillige, Arme oder Einsame trifft. Das bedeutet aber nicht, dass Knappheit in allen Fällen die gleichen Folgen hat. Der Übergewichtige kann die Diät abbrechen und der von einer Deadline Gestresste ein Projekt absagen. Arme haben keine Wahl. Nicht zuletzt deshalb führen die meisten Diskussionen über Armut oft am Kern des Problems vorbei.

Zunächst einige verblüffende Fakten: Weltweit sterben Tausende, weil sie ihre kostenlos zur Verfügung gestellten Medikamente gegen Diabetes, Tuberkulose oder HIV nicht ein- nehmen. Unterlassenes Unkrautjäten führt in Afrika zu Ernteverlusten von geschätzten 28 Prozent. Und je ärmer die Menschen sind, umso stärker verbreitet sind beide Verhal- tensweisen. Arme verpfänden oft ihre eigene Zukunft und die ihrer Kinder durch gänzlich unverständliches Verhalten. Sind sie also doch selbst schuld? Nein. Untersuchungen mit Fluglotsen haben gezeigt: An Tagen, an denen viele Flugzeuge in der Luft waren, an de- nen es Staus und Verspätungen gab und die Lotsen permanent angespannt waren, konnten sie am Abend wenig Geduld für ihre Kinder aufbringen. Ihre Bandbreite war erschöpft. Arme haben im Grunde permanent Flugzeuge im Kopf. Dies ist ein wichtiger Puzzlestein zur Erklärung der Tatsache, dass arme Menschen scheinbar so oft versagen.

Armut bekämpfen

Anstatt mit immer neuen Programmen das Verhalten von Bedürftigen ändern zu wollen, sollte man die Programme mit einer gewissen Fehlertoleranz neu gestalten:

Fristen: In den USA kann jeder im Lauf seines Lebens nur insgesamt fünf Jahre Sozialhilfe beziehen. Diese Deadline liegt außerhalb des Tunnels. Besser wäre es, jeden Monat eine Mahnung zu verschicken.

Belohnungen und Bandbreite: Ein Bonus für Mütter, die ihre Kinder zum Gesund- heitscheck bringen – das funktioniert nur, wenn die Mütter genug Bandbreite zur

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  Verfügung gestellt bekommen, also beispielsweise Unterstützung bei der Kinderbe- treuung. Maßnahmen sollten so
 

Verfügung gestellt bekommen, also beispielsweise Unterstützung bei der Kinderbe- treuung. Maßnahmen sollten so gestaltet sein, dass sie Bandbreite auf- statt abbauen.

„Ihre Wohnung sauber zu halten erfordert ständige Wachsamkeit – las- sen Sie doch ein- fach die Putzfrau kommen (wenn Sie es sich leisten kön- nen).“

Alternative Finanzprodukte: Schwankende Arbeitszeiten und Einkommen haben oft lebenslanges Jonglieren und Brandbekämpfen zur Folge. Versicherungen, Spar- pläne und Geldspritzen zur rechten Zeit könnten Abhilfe schaffen.

Organisationen verbessern

In einer Notfallklinik herrschte komplettes Terminchaos: Manchmal waren alle 32 OP- Säle mit geplanten Operationen belegt. Wenn dann ein Notfall hereinkam, musste man umdisponieren und Überstunden schieben. Die Lösung: Ein OP wurde immer für Notfälle freigehalten. Die Zahl der chirurgischen Eingriffe konnte dank dieser Maßnahme sogar gesteigert werden. Die meisten Systeme, egal ob Kaffeemühlen oder Straßennetze, funk- tionieren am besten, wenn sie nicht gänzlich ausgelastet sind. Auch Ihr Terminplan ist ein solches System. Oder die Finanzen eines Unternehmens: In den 1980er-Jahren war es Mode, das Eigenkapital von Firmen zu beschneiden und den Verschuldungsgrad dras- tisch zu erhöhen, um so die Manager zu einem effizienteren Kapitaleinsatz zu zwingen. Die Tunnelfahrt endete für viele in der Pleite. Finanzielle und zeitliche Reserven sind für Organisationen überlebenswichtig.

„Gibt man jeman- dem ein Formular mit nach Hause, kann er es verges- sen. Hilft man beim Ausfüllen, steigt die Zahl der Anmeldun- gen.“

Der Knappheit im Alltag begegnen

Der durch Knappheit provozierte Tunnelblick lässt sich nicht vermeiden, der Umgang mit ihm aber durchaus ändern. Hier ein paar Strategien:

Beeinflussen, was im Tunnel steckt: Lassen Sie sich fünf Minuten vor dem Ende eines Meetings daran erinnern, wann das nächste ansteht.

 

Automatische Vereinbarungen: Rentensparpläne, die ohne aktives Zutun in Kraft treten, oder die automatische Abbuchung von Rechnungen entlasten Ihre Bandbreite.

Wachsam bleiben: Legen Sie sich wiederholende Aktionen zu einer zusammen. Lie- ber eine Chipkarte für die Autobahngebühren kaufen, als ständig nach Kleingeld zu suchen.

Was du heute kannst besorgen …: Werden Sie bei wichtigen Themen wie Ihrer Altersvorsorge oder einer gesunden Ernährung jetzt und nicht morgen aktiv.

„Könnte es sein, dass die ökonomi- sche Rezession von 2008 auch eine tief greifende kognitive Rezession zur Folge hatte?“

Bandbreite schonen: Eine einfache Diät, etwa die Atkins-Diät, ist vielleicht nicht die gesündeste Variante – aber sie erspart Ihnen komplizierte Kompromisse beim Kalo- rienzählen.

Variabel planen: Legen Sie komplizierte Aufgaben in Zeitfenster, in denen Ihnen eine hohe Bandbreite zur Verfügung steht – und umgekehrt.

 

Reserven anlegen: Die Wurzel der späteren Knappheit liegt in den vergeudeten Peri- oden des Überflusses. Nutzen Sie Ihre Zeit und sparen Sie Geld, solange beides vor- handen ist.

Über die Autoren

Sendhil Mullainathan ist Professor für Ökonomie an der Harvard University mit Schwerpunkt auf Verhaltens- und Entwicklungsökonomie. Eldar Shafir ist Professor für Psychologie und Public Affairs an der Princeton University und forscht vor allem über kognitive Prozesse sowie Urteils- und Entscheidungsfindung.

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