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Technische Universität Dresden

Fakultät Forst-, Geo- und Hydrowissenschaften


Institut für Geographie
Lehrstuhl für Physische Geographie / Regionale Geographie Mitteleuropas

Diplomarbeit
zur Erlangung des akademischen Grades
Diplom-Geograph

Interpolationsverfahren für die Übertragung


umweltmeteorologischer Parameter
auf die Fläche

Überblick über verfügbare Systeme, Sensitivitätsstudie und


Anwendungsprogrammierung für das System IMMIKART-GIS in ArcGIS

eingereicht von: Thomas Becker; Matrikel-Nr.: 2546561

Betreuer:
Prof. Dr. habil. Arno Kleber, Technische Universität Dresden
Dr. rer. nat. Ingo Düring, Ingenieurbüro Lohmeyer Dresden

Dresden, den 7. Januar 2004


Danksagung

Mein besonderer Dank gilt Herrn Professor Doktor habil. Arno Kleber, der die Betreuung
dieser Diplomarbeit, die nicht unbedingt in seinem üblichen Forschungsgebiet angesie-
delt ist, übernommen hat und Herrn Doktor rer. nat. Ingo Düring vom Ingenieurbüro
Lohmeyer.
Weiterer Dank gebührt allen Mitarbeitern des Ingenieurbüros Lohmeyer Dresden, ins-
besondere Diplom-Meteorologin Antje Moldenhauer und Diplom-Ingenieur Helmut Lor-
entz, die stets Zeit für Fragen, Diskussionen und konstruktive Kritik aufbringen konnten.
Dem Landesamt für Umwelt und Geologie, im Speziellen Herrn Wolf, ist für die Bereit-
stellung der Messwerte des sächsischen Immissionsmessnetzes zu danken.
Aufgabenstellung für die Diplomarbeit

Geostatistische Verfahren werden in vielfältiger Hinsicht im Bereich der Geoinformatik


und im Gutachterwesen sowie bei der Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt. Deshalb existieren
verschiedene Systeme auf dem Markt. Diese sind an die entsprechenden Anwendungs-
gebiete angepasst. Das Ingenieurbüro Lohmeyer z. B. entwickelte und betreibt das Sys-
tem IMMIKART-GIS zur Berechnung und Visualisierung von flächenhaften Luftschad-
stoffkonzentrationen. Das Ziel dieser Arbeit war die Erweiterung des Programmsystems
IMMIKART-GIS um ein Modul zur Abschätzung der Schadstoffbelastungen an Haupt-
verkehrsstraßen außerhalb von Ortschaften.
Die vorzulegende Diplomarbeit umfasst folgende Teilaufgaben:

1. Erarbeitung eines Überblickes und Durchführung eines Vergleiches derzeit primär in


Deutschland, aber auch im benachbarten europäischen Ausland, eingesetzter Ver-
fahren zur Übertragung punktuell gemessener umweltmeteorologischer Parameter
auf die Fläche,

2. Vergleich verschiedener Interpolationsverfahren miteinander einschließlich einer


Sensitivitätsstudie innerhalb IMMIKART-GIS,

3. Erweiterung von IMMIKART-GIS um ein Modul zur Abschätzung von Schadstoff-


belastungen an Hauptverkehrsstraßen außerhalb von Ortschaften,

4. Programmtechnische Umsetzung dieser Erweiterung innerhalb von IMMIKART-


GIS in der Programmiersprache „ObjectPascal“ unter Verwendung der Oberfläche
von „DELPHI™“.
Ehrenwörtliche Erklärung

Ich versichere, dass ich diese Diplomarbeit selbstständig verfasst und keine anderen als
die angegebenen Hilfsmittel verwendet habe. Alle Stellen, die im Wortlaut oder dem
Sinn nach anderen Werken entnommen sind, wurden als solche unter Angabe der Quellen
kenntlich gemacht.
Kurzreferat

Ausgehend von der Beschreibung der Verfahren zur flächenhaften Immissionsdarstellung,


gibt die Arbeit einen Einblick in die Umsetzung von geostatistischen Interpolationsver-
fahren und Ausbreitungsrechnungen im Rahmen von IMMIKART-GIS.
Anschließend wird die Erweiterung des Programmsystems um ein Modul zur Berechnung
von Schadstoffbelastungen an Hauptverkehrsstraßen außerhalb von Ortschaften, unter
Berücksichtigung von MLuS 02, erläutert.
Abschließend erfolgt ein Vergleich der in IMMIKART-GIS verwendeten Interpolations-
verfahren, einschließlich einer Sensitivitätsstudie innerhalb von IMMIKART-GIS.

Abstract

This work introduces the realisation of geo-statistical interpolation methods and disper-
sal computations within the framework of IMMIKART-GIS. It is based on the descrip-
tion of methods of the area-measured representation of immissions.
Furthermore, the extension of the program system is explained in order to calculate the
concentration of noxious substances on main roads out of cities. Thereby MLuS 02 is
considered.
Finally, a comparison of the interpolation methods used in IMMIKART-GIS follows,
including a study concerning the sensitivity.

Diese Arbeit wurde mit


LATEX 2ε gesetzt.
Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis
1 Der geographische Bezug 1

2 Grundlagen der Luftreinhaltung 3


2.1 Erläuterung von Fachausdrücken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
2.2 Die natürliche Zusammensetzung der Luft . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
2.3 Ausgewählte Primärschadstoffe und deren Wirkung . . . . . . . . . . . . 6
2.3.1 Stickstoffoxide . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
2.3.2 Schwefeldioxid . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
2.3.3 Benzol . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
2.3.4 Schwebstäube . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
2.4 Der sekundäre Luftschadstoff Ozon und seine Wirkung . . . . . . . . . . 16
2.5 Luftreinhaltevorschriften in der Bundesrepublik Deutschland . . . . . . . 19
2.5.1 Bundes-Immissionsschutzgesetz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
2.5.2 Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung . . . . . . . . . . . . . . . . 21
2.5.3 EU-Richtlinien zum allgemeinen Immissionsschutz . . . . . . . . . 21

3 Verfahren zur flächenhaften Immissionsdarstellung 24


3.1 Vorbetrachtungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
3.2 Geostatistische Verfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
3.3 Ausbreitungsberechnungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
3.4 Kombinierte Verfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
3.5 Fazit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37

4 Einführung in das Programmsystem IMMIKART-GIS 39


4.1 Das Modul IMMIKART Teil 1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39
4.1.1 Eingangsdaten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39
4.1.2 Berechnungsalgorithmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42
4.2 Das Modul IMMIKART Teil 2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
4.2.1 Eingangsdaten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48

I
Inhaltsverzeichnis

4.2.2 Emissionsbestimmung für PM10 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49


4.2.3 Emissionsbestimmung für Ruß . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54
4.2.4 Berechnungsalgorithmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55

5 Erweiterung und Anwendungsprogrammierung für IMMIKART-GIS 57


5.1 MLuS 02 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57
5.1.1 Abschätzung der mittleren Windgeschwindigkeit . . . . . . . . . . 58
5.2 Erweiterung von IMMIKART-GIS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61
5.3 Anwendungsprogrammierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62
5.3.1 Das Modul IMMIKART Teil 1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63
5.3.2 Das Modul IMMIKART Teil 2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64
5.3.3 Das Modul IMMIKART_Außerortsstraßen . . . . . . . . . . . . . 65
5.3.4 Ergebnisdarstellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70

6 Sensitivitätsstudie für IMMIKART-GIS 72


6.1 Vorbetrachtung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72
6.2 Kreuzvalidierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73
6.2.1 Das Modul IMMIKART Teil 1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74
6.2.2 Das Modul IMMIKART Teil 2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76
6.3 Vergleich der Module IMMIKART Teil 1 und Teil 2 . . . . . . . . . . . . 83
6.4 Rechnung mit verbesserter Datengrundlage . . . . . . . . . . . . . . . . . 86
6.5 Fazit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88

7 Zusammenfassung 89

Literaturverzeichnis 91

A Anhang - Tabellen 98

B Anhang - Abbildungen 103

II
Tabellenverzeichnis

Tabellenverzeichnis
1 Die natürliche Zusammensetzung der Luft. . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
2 Die NOx -Emissionen nach Emittentengruppen in Deutschland 1999. . . . 7
3 NOx -Emissionen bei PKW und LKW im Jahr 1999. . . . . . . . . . . . . 8
4 Die SO2 -Emissionen nach Emittentengruppen in Deutschland 1999. . . . 11
5 Die Benzol-Emissionen der Jahre 1996 und 2000 in Sachsen. . . . . . . . 13
6 Immissionsgrenzwerte für Stickstoffdioxid . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
7 Übersicht über die Vor- und Nachteile sowie das Einsatzgebiet der Aus-
breitungsmodelle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
8 Charakteristik der 7 Messstellenklassen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
9 DGM- und Waldkorrekturwerte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
10 Interpolationsradien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
11 PM10 -Emissionsfaktoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54
12 Rußemissionen aus Reifenabrieb . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55
13 Windgeschwindigkeiten Freiland / Wald . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61
14 Mittlerer quadratischer Fehler und Mittlere Relative Abweichung bei der
Kreuzvalidierung für NO2 und PM10 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76
15 Mittlerer quadratischer Fehler und Mittlere Relative Abweichung bei der
Kreuzvalidierung für NO2 und PM10 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78
16 Mittlerer Fehler entsprechend den Kategoriegruppen für NO2 und PM10 . 82
17 Güte der Berechnung für NO2 -I1 unter Verwendung verschiedener Verfahren 83
18 Struktur des Emissionsshape Straße . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98
19 Struktur des Immissionsshape Straße . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99
20 gemessene und berechnete Immissionswerte von NO2 -I1 der sächsischen
Stationen, die im Jahr 2002 bei der Verschneidung im Modul IMMIKART
Teil 2 berücksichtigt wurden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100
21 gemessene und berechnete Immissionswerte von NO2 -I1 der sächsischen
Stationen, als Ergebnis der Radialinterpolation (siehe Kapitel 4.1.2) . . . 100

III
Tabellenverzeichnis

22 gemessene und berechnete Immissionswerte von PM10 -I1 der sächsischen


Stationen, die im Jahr 2002 bei der Verschneidung im Modul IMMIKART
Teil 2 berücksichtigt wurden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101
23 Übersicht über die in Europa zum Einsatz kommenden Modelle im Meso-
scale-Bereich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102

IV
Abbildungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis
1 Modellhafte Darstellung des Werdegangs der Umweltdaten von der Erfas-
sung bis zum Landschaftsmodell für Anwender [Leser, 1997] . . . . . . . 1
2 Deposition und Verlagerungsprozesse von Partikeln . . . . . . . . . . . . 15
3 Schematische Prinzipskizze zur Radialinterpolation . . . . . . . . . . . . 46
4 Ausschnitt der GTOPO 30-Daten von Europa . . . . . . . . . . . . . . . 50
5 Überhöhtes Relief des Untersuchungsgebietes . . . . . . . . . . . . . . . . 51
6 Schematischer Programmablauf des Moduls IMMIKART Teil 2 . . . . . . 53
7 Windgeschwindigkeit in Abhängigkeit von der Höhe . . . . . . . . . . . . 59
8 Dialogfelder des Moduls IMMIKART Teil 1 . . . . . . . . . . . . . . . . 63
9 Dialogfelder des Moduls IMMIKART Teil 2/LASAT -Export . . . . . . . . 64
10 Dialogfeld für den LASAT -Import . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65
11 Regressionskurve der Umwandlungsrate NO2 /NOx . . . . . . . . . . . . . 66
12 Dialogfelder des Moduls IMMIKART_Außerortsstraßen . . . . . . . . . . 67
13 Verschneidungspunkte - Prinzipskizze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67
14 Flussdiagramm für die Berechnung der Zusatzbelastung . . . . . . . . . . 68
15 Dialogfeld des Moduls IMMIKART_Außerortsstraßen/Gesamtbelastung 69
16 Flussdiagramm für die Berechnung der Gesamtbelastung . . . . . . . . . 69
17 Dialogfeld von IMMIKART-GIS 2.0 /Ergebnisdarstellung . . . . . . . . . 70
18 Jahresmittelwerte der NO2 -Konzentration in Sachsen 2002 . . . . . . . . 71
19 Gegenüberstellung der Mess- und Rechenwerte 2002 für NO2 -I1 . . . . . 75
20 Schwankung der in der Kreuzvalidierung ermittelten Werte für NO2 -I1;
Modul IMMIKART Teil 1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77
21 Schwankung der in der Kreuzvalidierung ermittelten Werte für NO2 -I1 . 78
22 Gegenüberstellung der Mess- und Rechenwerte 2002 für NO2 -I1 . . . . . 80
23 Schwankung der in der Kreuzvalidierung ermittelten Werte für PM10 I1 . 81
24 Gegenüberstellung der Mess- und Rechenwerte 2002 für PM10 I1 . . . . . 82
25 Gegenüberstellung der flächenhaften Immissionsbelastungen für Sachsen . 84
26 visuelle Plausibilitätsüberprüfung der Immissionssituation in Sachsen . . 85

V
Abbildungsverzeichnis

27 Rastermessstationen die in die Berechnung einbezogen wurden . . . . . . 87


28 Triangulation with linear Interpolation für den Schadstoff NO2 -I1 . . . . 103
29 Inverse Distance to a Power; Schadstoff: NO2 -I1 . . . . . . . . . . . . . . 103
30 Minimum Curvature; Schadstoff: NO2 -I1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104
31 Radial Basis Function; Schadstoff: NO2 -I1 . . . . . . . . . . . . . . . . . 104
32 Nearest Neighbor; Schadstoff: NO2 -I1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 105
33 Ordinary Krigging; Schadstoff: NO2 -I1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 105
34 Ergebnis der Kreuzvalidierung für die Station Collmberg;
Schadstoff: NO2 -I1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 106
35 Ergebnis der Kreuzvalidierung für die Station Mittlndorf;
Schadstoff: NO2 -I1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 106
36 Ergebnis der Kreuzvalidierung für die Station Schwartenberg;
Schadstoff: NO2 -I1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 107
37 Ergebnis der Kreuzvalidierung für die Station Radebeul-Wahnsdorf;
Schadstoff: NO2 -I1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 107
38 Ergebnis der Kreuzvalidierung für die Station Dresden-Mitte;
Schadstoff: PM10 -I1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108
39 Ergebnis der Kreuzvalidierung für die Station Leipzig-West;
Schadstoff: PM10 -I1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108
40 Ergebnis der Kreuzvalidierung für die Station Radebeul-Wahnsdorf;
Schadstoff: PM10 -I1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 109
41 Ergebnis der Kreuzvalidierung für die Station Schwartenberg;
Schadstoff: PM10 -I1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 109
42 Ergebnis der Kreuzvalidierung für die Station Zinnwald;
Schadstoff: PM10 -I1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 110
43 Gegenüberstellung der Mess- und Rechenwerte 2002 für NO2 -I1 unter Ein-
beziehung der Rasterdaten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 111

VI
Abkürzungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis
σ Standardabweichung

ABl. Amtsblatt

BImSchG Bundesimmissionsschutzgesetzes

BImSchV Bundes-Immissionsschutzverordnung

DGM Digitales Geländemodell

DLM Digitales Landschaftsmodell

erklärungspfl. erklärungspflichtige

GIS Geographische Informations-Systeme

I1 Jahresmittelwert

I2 98-Perzentilwert

LfUG Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie

Mobilev maßnahmenorientiertes Berechnungsinstrumentarium für die lokalen


Schadstoffemissionen des Kraftfahrzeugverkehrs

PM Particulate Matter

RL Richtlinie

TA Lärm Technische Anleitung Lärm

TA Luft Technische Anleitung Luft

VDI Verein Deutscher Ingenieure

VII
Der geographische Bezug

1 Der geographische Bezug


„Das Bereitstellen von Informationen für die Auseinandersetzung von Staat, Wirtschaft
und einzelnen Bürgern mit Fragen ihres eigenen Raumes . . . gehört zweifellos eigenstän-
dig zu den Aufgaben, die in einer Gesellschaft bewältigt werden müssen und stellt eine
historische Wurzel der Angwandten Geographie dar.“ [von Rohr, 1990]

Bis in das 19. Jahrhundert war die Geographie eine deskriptive Wissenschaft. Vom 19.
Jahrhundert an entwickelte sich dann die physische Geographie zu einer Wissenschaft,
die die systemaren Zusammenhänge der Geokomponenten (geologischer Untergrund, Re-
lief, Boden, Klima, Wasserhaushalt, Bios) untersucht. Es soll der Vollständigkeit halber
darauf hingewiesen werden, dass der Mensch mit seinen gestaltenden Aktivitäten unter
diesem Betrachtungswinkel zur Komponente Bios zu zählen ist. Die Geographie betrach-
tet demzufolge die Landschaft, ihren Stoff- und Energiehaushalt und ihre Nutzung durch
den Menschen. Die Resultate der Nutzung sind aber nicht nur positiver, sondern auch
negativer Natur, z. B. in Form des Ausstoßes von Luftschadstoffen im Rahmen des pro-
duktiven Handelns der Menschen.

Abb. 1: Modellhafte Darstellung des Werdegangs der Umweltdaten von der Erfassung
bis zum Landschaftsmodell für Anwender [Leser, 1997]

1
Der geographische Bezug

Um die Auswirkungen der Nutzung quantifizieren zu können, werden Umweltdaten benö-


tigt. Zwar werden diese Umweltdaten meist nicht durch den Geographen selbst, sondern
durch Spezialisten wie Umweltmeteorologen und Verkehrsökologen erhoben, doch gehö-
ren die statistische Analyse dieser Daten, die Ableitung geographischer Grundlagendaten
für Computermodelle und die Erstellung von Karten für das Umweltmanagement in das
Arbeitsspektrum des Geographen (Abbildung 1). Diese Daten und Karten dienen zum
einen der Dokumentation des Umweltzustandes und zum anderen der Ableitung von
Zielen für die Entwicklung von Natur und Landschaft.
Die Analyse und graphische Darstellung von Umweltdaten zur klimatischen und luf-
thygienischen Situation in Sachsen ist Gegenstand dieser Arbeit. Sie dient einer pra-
xisrelevanten Umsetzung von Immissionsschutzmaßnahmen entsprechend dem Bundes-
Immissionsschutzgesetz und der TA Luft, welche gesicherte Kenntnisse über Art und
Ausmaß der Luftbelastungskomponenten voraussetzen. Da sich die unterschiedlichen Be-
lastungen der Luft erst durch ihre eindeutige räumliche Lage definieren, ist diese Arbeit
in die anwendungsorientierte geographische Forschung einzuorndnen.

2
Grundlagen der Luftreinhaltung

2 Grundlagen der Luftreinhaltung

2.1 Erläuterung von Fachausdrücken

Schadstoffe
Als Schadstoffe werden nur die Stoffe bezeichnet, die sich schädlich auf den Menschen
oder die Biosphäre auswirken. Im Rahmen der Luftreinhaltung werden Schadstoffe be-
trachtet, die als Gase oder Stäube in die Atmosphäre emittiert werden und die dann
direkt oder indirekt physikalische und biologische Systeme beeinträchtigen oder schädi-
gen. Dabei sind die nassen und trockenen Depositionen die zwei wichtigsten Wege, auf
denen Schadstoffe aus der Atmosphäre wieder zur Erdoberfläche zurückkehren [Well-
burn, 1997]. Die bedeutendsten anthropogenen Quellen der Luftverunreinigungen sind
Industrie, Gewerbe und Verkehr. Luftverunreinigungen können nicht nur anthropogenen
Ursprungs sein. In der Natur kann es z. B. bei Vulkanausbrüchen, Waldbränden und
Sandstürmen zu erheblichen Emissionen kommen. Der alljährliche Pollenflug im Früh-
jahr zählt ebenso zu den natürlichen Luftverunreinigungen.

Abgas
Die gesamte Stoffmenge, die vom Verbrennungsraum des Motors über den Auspuff in
die Atmosphäre abgegeben wird, bezeichnet man als Abgas.

Emissionen
Alle Luftverunreinigungen, die von einer Anlage ausgehen und den Bereich der Ent-
stehungsquelle überschreiten, werden als Emissionen bezeichnet [BImSchG, 2002, § 3
Abs. 3].

Immissionen
Nach der Definition des Bundesimmissionsschutzgesetzes (BImSchG) sind Immissionen
alle Einwirkungen von Luftschadstoffen auf Menschen, Tiere und Pflanzen, Boden, Was-
ser, Atmosphäre sowie Kultur- und sonstige Sachgüter [BImSchG, 2002, § 3 Abs. 2].

3
Grundlagen der Luftreinhaltung

PM2,5 bzw. PM10


PM2,5 (PM10 ) sind diejenigen Partikel der feinen Fraktion des Schwebstaubgehaltes, die
einen größenselektierenden Lufteinlass passieren, der für einen aerodynamischen Durch-
messer von 2,5 µm (10 µm) eine Abscheidewirksamkeit von mindestens 50 % aufweist.

Perzentil
Diese Kenngröße ist der zu einer bestimmten Summenhäufigkeit in Prozent gehören-
de Messwert, der sich ergibt, wenn alle Messwerte nach der Größe ihres Zahlenwertes
geordnet sind.

98-Perzentil
Diese Kenngröße stellt den 98 %-Wert der Summenhäufigkeit dar. Er dient der Beurtei-
lung der Spitzenbelastung.

Wirkung
Der Begriff Wirkung wird in der VDI-Richtlinie 2310 Bl. 1 [VDI, 1988] folgendermaßen
definiert: „Wirkungen sind alle Reaktionen des menschlichen, tierischen oder pflanzli-
chen Organismus bzw. anderer Objekte, wie Materialien, Böden oder Ökosysteme, auf
Immissionen. Zur Wirkung gehören auch Veränderungen in der chemischen Zusammen-
setzung, z. B. die Veränderung der Organkonzentration durch die aus der Luft aufgenom-
menen Substanzen.“ Luftschadstoffe werden nach ihrem Verhalten in zwei Gruppen ein-
geteilt: Primärschadstoffe und Sekundärschadstoffe. Als Primärschadstoffe werden von
anthropogenen Quellen vor allem Schwefeldioxid (SO2 ), Stickstoffmonoxid (NO), Koh-
lenmonoxid (CO), Kohlendioxid (CO2 ), Kohlenwasserstoffe (KW) und Fluorchlorkoh-
lenwasserstoffe (FCKW) direkt emittiert. Aus diesen Primärschadstoffen und anderen
Vorläufersubstanzen bilden sich dann, durch chemische Reaktionen in der Atmosphä-
re, Sekundärschadstoffe wie z. B. Ozon (O3 ), Stickstoffdioxid (NO2 ) oder Sulfate und
Nitrate aus der SO2 - und NO2 -Emission.

4
Grundlagen der Luftreinhaltung

2.2 Die natürliche Zusammensetzung der Luft

Die Atmosphäre besteht in der Nähe der Erdoberfläche aus einem Gemisch verschiedener
permanenter Gase, in dem auch feinste flüssige und feste Bestandteile zu finden sind.
Die Gasbestandteile der natürlich reinen Luft sind in Tabelle 1 angegeben. Neben diesen

Volumenanteil in [%]
bez. auf trockene Luft

Sauerstoff (O2 ) 20,93


Stickstoff (N2 ) 78,10
Argon (Ar) 0,9325
Kohlendioxid (CO2 ) 0,03–0,04
Wasserstoff (H2 ) 0,01
Neon (N e) 0,0018
Helium (He) 0,0005
Krypton (Kr) 0,0001
Xenon (Xe) 0,000009

Tabelle 1: Die natürliche Zusammensetzung der Luft. [Baumbach, 1990]

Stoffen kann die Luft natürlicherweise noch weitere Komponenten wie Wasserdampf und
Spuren anderer Gase enthalten, z. B. Methan (CH4 ), Ammoniak (NH3 ), Kohlenmonoxid
(CO) und Distickstoffoxid (N2 O) aus Fäulnisprozessen, sowie geringe Konzentrationen
von Ozon (O3 ), die aus stratosphärischen Einbrüchen oder Neubildungen herrühren kön-
nen. Als Luftverunreinigungen werden ganz allgemein alle Stoffe angesehen, welche die
natürliche Zusammensetzung der Luft verändern [Baumbach, 1990, S. 1]. Stoffe, die zu
Luftverunreinigungen führen, können flüssig, gasförmig oder fest sein. Flüssige Stoffe,
als Rauch oder Nebel emittiert, werden abhängig von ihrer Teilchengröße rasch im Um-
gebungsbereich des Emittenten an entsprechenden Rezeptoren abgeschieden (>10 µm),
als Aerosole (<10 µm) über weite Gebiete, vergleichbar den Gasen, verteilt oder tre-

5
Grundlagen der Luftreinhaltung

ten unter bestimmten meteorologischen Bedingungen von der flüssigen in die Gasphase
über und breiten sich wie gasförmige Luftverunreinigungen aus. Stäube mit Korngrößen
>20 µm sedimentieren im Umgebungsbereich des Emittenten, während Feinstäube mit
Korngrößen <20 µm (Schwebstaub) ähnlich wie Gase über weite Gebiete verteilt werden
können [Dreyhaupt, 1996, S. 225]. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich hauptsächlich
mit anthropogenen Luftschadstoffen und deren Konzentration in Abhängigkeit von der
Entfernung zum Emittenten.

2.3 Ausgewählte Primärschadstoffe und deren Wirkung

Der Großteil der Primärschadstoffe entsteht bei Verbrennungsprozessen in Industrie, pri-


vaten Feuerungsanlagen und Verkehr sowie in der Tierhaltung (Stallemissionen), dem
Schüttgutumschlag und der Abfallwirtschaft. Die aus der Verbrennung fossiler Brenn-
stoffe entstehenden Schadstoffe und deren Menge ist abhängig von der Art des Verbren-
nungsprozesses, vom Brennstoff und der Verbrennungsführung [Baumbach, 1990, S. 14].

2.3.1 Stickstoffoxide

Charakteristik

Stickstoffoxide, umgangssprachlich auch Stickoxide (NOx ) genannt, entstehen fast aus-


schließlich als unerwünschte Nebenprodukte bei Verbrennungsvorgängen durch die Oxi-
dation des in der Verbrennungsluft und dem Brennstoff enthaltenen Stickstoffs bei hohen
Temperaturen. Je höher die Verbrennungstemperatur ist, desto höher ist die Stickstof-
foxidbildung. Bei ansteigendem Stickstoffgehalt des Brennstoffes geht die NO-Bildung
zurück, aber je niedriger der Schwefelanteil ist, desto mehr NO wird gebildet.

N2 + O2 → 2N O (2.1)

O3 + N O → N O2 + O2 (2.2)

3N O2 + H2 O → 2HN O3 + N O (2.3)

Bei den angesprochenen Verbrennungen wird vor allem NO (Reaktionsgleichung 2.1)


gebildet, welches später in einem sauerstoffreicheren Milieu (Abgase oder Atmosphäre),

6
Grundlagen der Luftreinhaltung

zu dem giftigeren NO2 oxidiert wird (Reaktionsgleichung 2.2). Diese Aufoxidierung ist
zeitabhängig, so dass letztlich alles NO in NO2 umgewandelt wird. Lediglich ca. 5 % der
Stickstoffoxide liegen bereits bei der Emission als NO2 vor. Die Umwandlungsrate wird
anhand einer Vielzahl von Messungen an Messstationen in den alten Bundesländern der
Bundesrepublik Deutschland mit dem Verhältnis NO2 /NOx parametrisiert [Romberg et
al., 1996, S. 215–218]. Unter NOx wird allgemein die Summe aus NO und NO2 verstan-
den und als NO2 ausgewiesen, d. h. jedes Mol (auch von NO) wird mit einer Masse
von 46 g gerechnet. Die natürlichen NOx -Emissionen, die bei Blitzschlag oder infolge
von mikrobiellen Umsetzungen im Boden entstehen, spielen in den Industrieländern ei-
ne untergeordnete Rolle. Die aus anthropogenen Quellen stammenden Stickoxide sind
wesentlich bedeutungsvoller, da sie meist in dicht besiedelten Räumen emittiert werden
[Dreyhaupt, 1996, S. 339]. Wie Tabelle 2 zeigt, ist der Verkehr die bedeutendste Quelle
anthropogener NOx -Emissionen. Zwar sind die Emissionen in Deutschland von 1990 bis

Quelle NOx in [kt] Anteil in [%]

Industrieprozesse 12 0,73
Straßenverkehr 833 50,88
übriger Verkehr 212 12,94
Haushalte 82 5,01
Kleinverbraucher 33 2,05
Industriefeuerung 215 13,13
Kraft- und Fernheizwerke 250 15,26

Insgesamt 1637 100

Tabelle 2: Die NO2 -Emissionen nach Emittentengruppen in Deutschland 1999. [Umwelt-


bundesamt, 2001, S. 139]

1999 insgesamt um 40 % zurückgegangen, am deutlichsten im Straßenverkehr (-35 %),


aber der Verkehr stellt weiterhin den größten Anteil mit ca. 64 %. Als Hauptursache für

7
Grundlagen der Luftreinhaltung

den Rückgang der Emissionen im Bereich des Verkehrs ist die weitere Durchsetzung des
Drei-Wege-Katalysators bei den PKW mit Ottomotoren zu nennen. Bei Nutzfahrzeugen
hingegen stieg der Ausstoß von NOx zwischen 1990 und 1999 um 14 % an und führte
so zu einer Überkompensation der fahrzeugtechnischen Maßnahmen zur Minderung der
Stickstoffoxidemissionen. Der Grund für diesen Anstieg ist die Zunahme der Fahrleistun-
gen (1990 bis 1999 +26 %). Die Tabelle 3 zeigt den überproportionalen Schadstoffausstoß
der Nutzfahrzeuge, bezogen auf die Fahrleistung und den Kfz-Bestand.

NOx in [kt] Kfz-Bestand [Mio.] Fahrleistungen [Mrd. km]

PKW 362,75 ca. 42,3 ca. 587,3


LKW 470,25 ca. 2,6 ca. 76,3

Tabelle 3: NOx -Emissionen bei PKW und LKW im Jahr 1999. [Umweltbundesamt, 2001,
S. 93, S. 149]

Wirkung auf Pflanzen

Stickstoffdioxid wird von Pflanzen zum größten Teil über die Spaltöffnungen aufgenom-
men, geringfügige Mengen werden aber auch über die Cuticula absorbiert. Die Absorp-
tion von NO2 ist an der feuchten Zellwand im Blattinneren, aufgrund der größeren Ober-
fläche, besser möglich als an der äußeren Blattoberfläche. Die Löslichkeit von NO2 in
Wasser ist nur gering. Das Eindringen in die Pflanze ist aber über die Reaktion von NO2
mit Wasser (Reaktionsgleichung 2.3) zu Salpetersäure (HNO3 ) gut möglich. Pflanzen
reagieren sehr unterschiedlich auf hohe NO2 -Konzentrationen. Die Symptome werden in
„sichtbare“ und „unsichtbare“ Symptome unterteilt. Sichtbare Schäden können Wachs-
tumshemmungen und Schädigungen der Blätter sein, sind aber sehr selten [Wellburn,
1997, S. 74 ff.].

8
Grundlagen der Luftreinhaltung

Wirkung auf den Menschen

Zu der Wirkung von NO2 auf den menschlichen Organismus gibt es widersprüchliche
Untersuchungsergebnisse, die wahrscheinlich aus unterschiedlichen Rahmenbedingungen
bei den Untersuchungen resultieren. Als sicher gilt, dass der Krankheitsverlauf bei einer
Stickstoffoxidvergiftung biphasisch ist. Direkt nach der Intoxikation1 kommt es zu Symp-
tomen wie Husten und Atemnot, bis hin zu akuter Bronchitis oder innerhalb von 24 Stun-
den auch zu einem Lungenödem. Auf diese erste Phase folgt eine Erholungsphase, die
nach zwei bis drei Wochen durch ein erneutes Auftreten der oben genannten Symptome
von einer zweiten Krankheitsphase abgelöst wird. Von dieser kann der Betroffene sich
wieder vollständig erholen, sie kann aber auch tödlich enden [VDI, 1985]. Zu Stickstof-
foxidvergiftung kommt es jedoch nur in Ausnahmen, wie z. B. bei Industrieunfällen. Wie
Konzentrationen, die normalerweise in der Umwelt auftreten, auf den Menschen wirken,
ist bislang unklar. Bei Konzentrationen ab ca. 0,5 mg/m3 wurden am Menschen gering-
fügige Änderungen einzelner Lungenfunktionsparameter festgestellt, wenn der Proband
über mehrere Stunden dieser Konzentration ausgesetzt wurde [FGSV, 2002].

2.3.2 Schwefeldioxid

Charakteristik

Alle fossilen Brenn- und Treibstoffe enthalten neben Stickstoffverbindungen auch Schwe-
felverbindungen, die bei der Entstehung über die Aminosäuren der Pflanzen (z. B. Me-
thionin, Cystein) eingebaut wurden. Bei der Verbrennung von Kohle, Erdgas, Erdöl oder
Materialien, die diese Rohstoffe beinhalten, wird SO2 gebildet (Reaktionsgleichung 2.4).
Das meiste SO2 aus anthropogenen Quellen entsteht bei der Verbrennung von Kohle. Je
größer der Druck bei der Entstehung der Kohlelagerstätten ist, desto mehr organische
Verbindungen werden mineralisiert und der Schwefel kann im Extremfall vollständig
in anorganischer Form vorliegen. Der Anteil der flüchtigen Kohlenwasserstoffe in den

1
Intoxikation = Vergiftung durch ein Einbringen von chemischen Substanzen in den Körper

9
Grundlagen der Luftreinhaltung

Kohlen korrespondiert direkt mit dem Anteil der organischen Schwefelverbindungen.

CH3 SH + 3O2 → SO2 + CO2 + 2H2 O (2.4)

2CH3 SH + O2 → 2H2 S + 2HCHO (2.5)

Die Reaktionsgleichung 2.4 stellt die vollständige Verbrennung des Ausgangsproduktes


dar. Kommt es zu einer unvollständigen Verbrennung, wie z. B. bei Schwelbränden, dann
kann in Abhängigkeit von der Temperatur unter reduzierten Bedingungen Schwefelwas-
serstoff (H2 S) oder elementarer Schwefel (S) entstehen (Reaktionsgleichung 2.5 und
Reaktionsgleichung 2.6).

2H2 S + O2 → 2H2 O + 2S (2.6)

SO2 + H2 O  H2 SO3 (2.7)

Als farbloses, stechend riechendes Gas ist SO2 ab einer Konzentration von 0,6–1 mg/m3 in
der Luft wahrnehmbar. Der typische Geruch von faulen Eiern weist auf H2 S-Emissionen
hin. Geruchsbelästigungen im Straßenverkehr können entstehen, wenn überfettete Kraft-
stoffgemische am Katalysator zu H2 S reduziert werden [Baumbach, 1990, S. 26 ff.]. In
Tabelle 4 sind die SO2 -Emissionen aus dem Jahr 1999 nach den Emittentengruppen
aufgeführt. Laut dem Bericht des Umweltbundesamtes sind die Emissionen von SO2 im
Zeitraum von 1990 bis 1999 um 84 % zurückgegangen. „Gründe hierfür sind insbesondere
im Bereich der neuen Länder der Vollzug der Großfeuerungsanlagenverordnung, der mit
Betriebsstilllegungen und der wirtschaftlichen Umstrukturierung verbundene stark rück-
läufige Energiebedarf, der Einsatz emissionsärmerer Brennstoffe zur Energieerzeugung
und die Änderung von Verbrauchsgewohnheiten der Bevölkerung.“ [Umweltbundesamt,
2001, S. 143]

Wirkung auf Pflanzen

Pflanzen nehmen den Großteil des atmosphärischen SO2 durch die Spaltöffnungen auf.
Dies erfolgt aufgrund von Konzentrationsunterschieden durch die Diffusion von Gas-
molekülen. Die gute Löslichkeit von SO2 in Wasser bewirkt die Aufnahme des SO2 an

10
Grundlagen der Luftreinhaltung

Quelle SO2 in [kt] Anteil in [%]

Industrieprozesse 78 9,38
Straßenverkehr 5 0,61
übriger Verkehr 26 3,13
Haushalte 76 9,15
Kleinverbraucher 28 3,36
Industriefeuerung 209 25,16
Kraft- und Fernheizwerke 409 49,21

Insgesamt 831 100

Tabelle 4: Die SO2 -Emissionen nach Emittentengruppen in Deutschland 1999. [Umwelt-


bundesamt, 2001, S. 139]

den tiefer liegenden, inneren Oberflächen der Zellen der Spaltöffnungen. Lagert sich das
atmosphärische SO2 auf nassen Blättern oder Stämmen ab, so ist über die Reaktions-
gleichung 2.7 mit der Reaktion zu schwefliger Säure (H2 SO3 ) ein Angreifen der Cuticula
möglich und das SO2 kann über diesen Weg in die Blätter gelangen. Von dieser Schädi-
gung sind vor allem immergrüne Pflanzen betroffen, da deren Blätter auch im Winter
den Belastungen ausgesetzt sind. Durch die erhöhten Säurewerte an den geschädigten
Stellen können die Stofftransport- und Stoffwechselfähigkeiten deutlich eingeschränkt
werden [Wellburn, 1997, S. 43 ff.].

Wirkung auf den Menschen

Schwefeldioxid ruft beim Menschen eine starke Reizung der Augen und der Nasengänge
hervor. Wenn hohe Konzentrationen von atmosphärischem SO2 oder wenn Sulfatpartikel
vorliegen, kommt es zu einem unwillkürlichen Hustenreflex. Bei sehr hohen Konzentra-
tionen kann es zum Zusammenziehen der Atemwege und zu örtlichen Entzündungen
kommen [Wellburn, 1997, S. 55 ff.].

11
Grundlagen der Luftreinhaltung

2.3.3 Benzol

Charakteristik

Benzol (C6 H6 ) ist der einfachste ringförmige aromatische Kohlenwasserstoff und der che-
mische Grundbaustein der Stoffklasse der Aromaten. Bei der Erdölraffinierung wird der
Hauptteil des Benzols gewonnen, welches dann als Zusatz in Motorkraftstoffen und als
Ausgangsmaterial für viele chemische Prozesse (Nylon-, Synthesekautschuk- und Insekti-
zidherstellung) zum Einsatz kommt. Geringere Mengen C6 H6 werden auch aus Steinkohle
und aus Kokereigasen erzeugt. Großflächig wird die Benzolemission nahezu ausschließlich
durch den Straßenverkehr verursacht. Lokal sind aber auch große industrielle Einzele-
mittenten (z. B. Kokereien) von Bedeutung [Katalyse e. V., 1993, S. 84]. Der größte Teil
der Immissionsbelastung entsteht bei der unvollständigen Verbrennung in Fahrzeugmo-
toren. Früher wurde Benzol häufig als Lösungsmittel eingesetzt (z. B. in der chemischen
Industrie). Weitere C6 H6 -Emissionen können im Straßenverkehr beim Betanken entste-
hen, aber auch durch Neubildung aus eng verwandten Verbindungen in heißen Abgasen.
Benzol ist eine stark giftige, farblose, brennbare Flüssigkeit, die in Wasser schlecht löslich
ist. Als Benzol-Luft-Gemisch ist es explosiv. Wie die Tabelle 5 zeigt, sind die Emissionen
in Sachsen seit 1996 erheblich zurück gegangen, so dass der Grenzwert der Konzentrati-
on in der Außenluft (5 µg/m3 ) nicht überschritten wird [LfUG, 2002]. Dieser Rückgang
beruht auf der Begrenzung des Höchstgehaltes an Benzol in Kraftstoffen, sowie auf dem
Einsatz von Aktivkohlefiltern und Dreiwegekatalysatoren in PKW.

Wirkung auf Pflanzen

Direkte phytotoxische Wirkungen von „realistischen“ Benzolkonzentrationen sind unbe-


kannt. Stark erhöhte Benzolkonzentrationen bewirken Verklebungen der epistomatären
Wachsröhrchen und eine Verringerung der photosynthetischen Aktivität [Smidt, 1997,
S. 27].

12
Grundlagen der Luftreinhaltung

Quelle Jahr 1996 in [t/a] 2000 in [t/a]

Großfeuerungsanlagen 3 1
sonst. Feuerungsanlagen 61 32
erklärungspflicht. Anlagen 30 13
Hausbrand 129 28
Kleinverbraucher 58 11
Verkehr 2044 697

Insgesamt 2326 782

Tabelle 5: Die Benzol-Emissionen der Jahre 1996 und 2000 in Sachsen. [LfUG, 2002]

Wirkung auf den Menschen

Die Wirkung von Benzol auf den menschlichen Organismus ist abhängig von der Dauer
der Belastung und der Intensität. Die schädigende Wirkung erfolgt nicht durch das Ben-
zol selbst, sondern durch die während des Stoffwechsels entstehenden Substanzen. Bei
chronischer Toxizität sind die Symptome relativ unspezifisch, z. B. Müdigkeit, Schwäche,
Schlaflosigkeit, Übelkeit und Sehstörungen. Neben einer narkotisierenden Wirkung schä-
digt Benzol auch die Blutbildung im Knochenmark und wirkt cancerogen. Des Weiteren
ist Benzol als ein Stoff mit erbgutveränderndem Potential eingestuft und wird bei chro-
nischer Exposition im Fettgewebe und Knochenmark angereichert. Da die Außenluftver-
hältnisse aber nur die Hintergrundbelastung widerspiegeln und die toxischen Wirkungen
sich in einem höheren Konzentrationsbereich abspielen, ist lediglich die krebserregende
Wirkung für die Allgemeinbevölkerung relevant [LUA NRW, 2002].

2.3.4 Schwebstäube

Charakteristik

Der Schwebstaub umfasst diejenigen Partikelfraktionen, die in der Atmosphäre quasista-


bil und quasihomogen dispergiert sind und somit zumindest für einen gewissen Zeitraum

13
Grundlagen der Luftreinhaltung

in der Schwebe bleiben [Dreyhaupt, 1996]. Die Verweildauer in der Luft ist abhängig von
Korngröße, Gestalt und Masse, sowie von externen Faktoren wie z. B. Windgeschwindig-
keit [Fellenberg, 1999]. In der Fraktion der Schwebstäube überwiegen Partikel mit Korn-
größen <10 µm (PM10 ), die über sehr weite Distanzen transportiert werden können. Diese
feine Fraktion des Schwebstaubgehaltes der Luft umfasst Partikel, die einen größenselek-
tierenden Lufteinlass passieren, der für einen aerodynamischen Durchmesser von 10 µm
eine Abscheidewirksamkeit von 50 % aufweist. Chemisch lassen sich luftgetragene Parti-
kel in organische und anorganische Bestandteile gliedern. Den organischen Anteil bilden
u. a. Pollen und Mikroorganismen sowie höher siedende Kohlenwasserstoffe; der anorga-
nische Teil setzt sich beispielsweise aus feinen mineralischen Bestandteilen der Erdkruste
und Schwermetallen zusammen. Elementarer Kohlenstoff tritt je nach Standort in unter-
schiedlichen Konzentrationen auf. Die Entstehung von Stäuben folgt unterschiedlichen
Mechanismen (Abbildung 2). Man unterscheidet primäre Schwebstäube (auch Primär-
aerosole), also direkt emittierte Partikel, sowie sekundär gebildete Anteile (auch Sekun-
däraerosole), die aus gasförmigen Vorläufersubstanzen durch chemische Umwandlung in
der Atmosphäre entstehen. Solche Umwandlungsvorgänge sind beispielsweise:

• Verdampfung und Kondensation fester und flüssiger Stoffe aus Hochtemperatur-


prozessen (Vulkanismus, Metallgewinnung und -verarbeitung etc.),

• Verbrennungsvorgänge (Waldbrände, Verkehr),

• Gas-Partikelumwandlung (wie Oxidation bzw. Neutralisation von als Gas emittier-


ten NOx , SO2 , NH3 , zu Nitraten, Sulfaten und Ammoniumverbindungen) [Schulze,
2002] sowie

• Freisetzung der Kondensationskeime nach Verdunstung von Wolken- und Nebel-


tröpfchen [LfU, 2000].

Primär und sekundär gebildete Schwebstäube können natürlichen Ursprungs sein, wie
durch Wind ausgeblasene natürliche Mineralstäube, Meersalz, biologische Partikel oder
aus biogen emittierten Kohlenwasserstoffen gebildeten sekundären Partikeln resultie-

14
Grundlagen der Luftreinhaltung

ren [BUWAL, 2000]. Als Hauptverursacher von Schwebstäuben mit anthropogenem Ur-
sprung sind z. B. Kraftwerks- und Industrieanlagen, Bergbau und Verkehr anzusehen.
Ruß entsteht hauptsächlich bei der Verbrennung von Dieselkraftstoff. Dieselbetriebene
Kfz und Maschinen stellen die wichtigsten Emittenten für Dieselrußpartikel dar. Die
typische Größe von Dieselrußpartikeln liegt zwischen 0,1 und 1 Mikrometer, womit sie
vollständig zu den alveolengängigen Komponenten der PM10 -Fraktion gehören.

Abb. 2: Deposition und Verlagerungsprozesse von Partikeln [EPA, 1995]

Wirkung auf Pflanzen

Durch das Ausregnen von Feinstpartikeln bei Niederschlägen kommt es im Boden zur
Anreicherung der an die Aerosole gebundenen Schadstoffe und so zu einer Herabsetzung
der Keimfähigkeit und/oder der Wachstumsleistung der Pflanzen. Lagert sich der Staub
auf den Blättern ab, so kommt es zu einer Einschränkung der Photosynthese. Über die

15
Grundlagen der Luftreinhaltung

Verbindung mit Wasser ist es auch möglich, dass sich Säuren bilden, die die Cuticula
der Blätter angreifen und phytotoxisch wirken können.

Wirkung auf den Menschen

Durch die Lungengängigkeit der Feinstäube (insbes. PM2,5 ), die den größten Anteil an
den Schwebstäuben haben, sind sie hinsichtlich einer Gesundheitsgefährdung von großer
Bedeutung. Die PM10 -Fraktion ist Trägerstoff von verschiedensten Umweltgiften (z. B.
Schwermetalle oder polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe) und hat eine kanzero-
gene und erbgutschädigende Wirkung. Weitere Krankheitsbilder sind chronische Atem-
wegserkrankungen und eine allgemeine Verschlechterung der Lungenfunktion, was in
Kombination mit hohen Konzentrationen an Schwefeloxiden zu einem Anstieg der To-
desfälle führt [BUWAL, 2000].

2.4 Der sekundäre Luftschadstoff Ozon und seine Wirkung

Die meisten emittierten Schadstoffe sind instabil und werden in der Atmosphäre durch
chemische Reaktionsprozesse, teilweise über eine Vielzahl von Zwischenprodukten, um-
gewandelt. Der überwiegende Teil dieser Reaktionen wird durch die Sonnenstrahlung in
Gang gesetzt oder beschleunigt [Baumbach, 1990]. Hierbei entstehen sogenannte Pho-
tooxidantien wie Ozon (O3 ) und Peroxyacetylnitrate (PAN), die hochreaktiv sind und
einen wesentlichen Bestandteil des Sommersmogs darstellen. Die Bezeichnung „Los An-
geles Type Smog“ geht auf die häufigen Beobachtungen von Photosmog im Bereich von
Los Angeles zurück und bezeichnet das gleiche Phänomen wie der Begriff Sommersmog.
Für die sekundären Luftschadstoffe soll an dieser Stelle beispielhaft der Schadstoff Ozon
betrachtet werden.

Charakteristik

Ozon ist eines der wichtigsten Spurengase in der Atmosphäre. Circa 90 % des in der
Atmosphäre enthaltenen O3 befinden sich in der Stratosphäre und bilden hier die „Ozon-
schicht“. Die Entstehung der Ozonschicht basiert auf der Photolyse molekularen Sauer-

16
Grundlagen der Luftreinhaltung

stoffes mit nachfolgender Anlagerung der Sauerstoffatome an den molekularen Sauerstoff


(Reaktionsgleichung 2.8).
O + O2 + M 2 → O3 + M (2.8)

Die so entstandene Schicht absorbiert die UV-B-Strahlung der Sonne und verhindert,
dass sie bis auf die Erdoberfläche gelangt. Die UV-B-Strahlung tritt in einem Spektrum
von 280–320 nm auf und wird, im Gegensatz zur UV-C-Strahlung (200–280 nm), nicht
vollständig in der Atmosphäre absorbiert. Die Schädigungen durch UV-B-Strahlung kön-
nen von Sonnenbrand und Schneeblindheit bis hin zu malignen Melanomen und Schwä-
chungen des Immunsystems gehen. Die restlichen 10 % des atmosphärischen O3 befinden
sich in der Troposphäre. Die atmosphärische Ozonverteilung weist als Folge des In-
einandergreifens photochemischer und meteorologischer Prozesse starke Variationen in
Abhängigkeit von der geographischen Breite und der Jahreszeit auf. Aus dem Haupt-
quellgebiet, das sich in etwa 30–35 km Höhe über den Tropen befindet, wird mit der allge-
meinen Zirkulation ständig Ozon polwärts und in niedrigere Höhen transportiert. Dieser
Transport, der im Spätwinter am stärksten ist, bewirkt auf der Nordhalbkugel, dass
die untere Stratosphäre (10–25 km Höhe) mit wachsender geographischer Breite zuneh-
mend mit O3 aufgefüllt ist. Mit der Entwicklung des individuellen Kraftverkehrs in den
Ballungsgebieten nach dem Zweiten Weltkrieg schenkte man dem Phänomen des „Pho-
tosmog“ größere Beachtung [Dreyhaupt, 1996]. Da die Ozonbildung aus verschiedensten
Vorläufergemischen zeitlich verzögert stattfindet, treten die Höchstbelastungen meist
nicht im Quellgebiet der Vorläufersubstanz auf. Zu den wichtigsten Vorläufersubstanzen
gehören die Stickoxide, was auch die große Bedeutung des Straßenverkehres in Zusam-
menhang mit der bodennahen Ozonkonzentration erklärt. Heute wird in Deutschland
bei einem Stundenmittelwert von über 180 µg/m3 als Informationswert die Situation der
Luftqualität im weiteren Tagesverlauf sorgfältig analysiert. Der Zielwert liegt nach der
EU-Tochterrichtlinie vom 12.02.2002 bei 120 µg/m3 als höchster 8-Stunden-Mittelwert
eines Tages.

2
M ist eine dritte Größe, wie zum Beispiel eine Oberfläche oder ein anderes Gasmolekül, die durch die
Bildung der neuen Bindung frei gewordene Energie aufnehmen kann.

17
Grundlagen der Luftreinhaltung

Wirkung auf Pflanzen

Ozon gilt als Leitkomponente der Photooxidantien und wird wie die anderen Luftschad-
stoffe auch über die Stomata der Blätter und Nadeln aufgenommen [Dreyhaupt, 1996].
Eine Schädigung der Blattoberfläche ist jedoch ebenso möglich. Die Windgeschwindig-
keit hat einen bedeutenden Einfluss auf die Aufnahme von O3 durch die Pflanzen, da die
Luftbewegung den Grenzwiderstand für die O3 -Diffusion herabsetzt. Die Reaktionen der
Pflanze auf das Ozon werden durch eine Reihe weiterer Faktoren beeinflusst (z. B. Alter
der Zelle, Bodenverhältnisse und Dauer der Belastungsepisoden). Beim Eindringen von
Ozon in die Stomata und bei Kontakt mit extrazellulären Flüssigkeiten kommt es zur
Bildung von unterschiedlich reaktiven Derivaten. Es ist nicht wahrscheinlich, dass eine
große Menge Ozon tiefer in die Zellen gelangt, ohne vorher eine Reaktion einzugehen.
Die Schädigungen durch O3 zeigen sich in einer Veränderung der Permeabilität der Zell-
membrane, was den Verlust wichtiger Kationen zur Folge hat. Schwere Schädigungen
kündigen sich durch anfängliche Symptome wie den Verlust von Chlorophyll und die
Zunahme der Blattfluoreszens an [Wellburn, 1997].

Wirkung auf den Menschen

Bei der Reaktion des Körpers auf die Ozonbelastung spielt die Konzentration des Schad-
stoffes eine wichtigere Rolle als die Expositionszeit. So stellt eine kurzzeitig hohe Kon-
zentration eine höhere Gefahr dar als eine niedrige Ozonkonzentration mit langer Einwir-
kungszeit. Besonders gefährdet sind Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Atem-
wegserkrankungen und/oder einem geschwächten Immunsystem. Bei Smogereignissen
werden Reizungen der Nase, des Rachens und der Brust durch Ozon hervorgerufen. Bei
Überschreitungen der maximalen Arbeitsplatz-Konzentration (MAK) kann es aufgrund
der stark oxidierenden Wirkung von Ozon zu Zellschädigungen (z. B. im Bereich der
pulmonalen Bronchien und Alveolen) kommen. Hohe Konzentrationen können zu Ozon-
vergiftungen führen, wodurch Lungenödeme, Pnoes und Hypoplasien ausgelöst werden
können [Wellburn, 1997].

18
Grundlagen der Luftreinhaltung

2.5 Luftreinhaltevorschriften in der Bundesrepublik Deutschland

2.5.1 Bundes-Immissionsschutzgesetz

Der Zweck dieses Gesetzes ist es, Menschen, Tiere und Pflanzen, den Boden, das Wasser,
die Atmosphäre sowie Kultur- und sonstige Sachgüter vor schädlichen Umwelteinwir-
kungen zu schützen und dem Entstehen schädlicher Umwelteinwirkungen vorzubeugen.
Insofern es sich um genehmigungspflichtige Anlagen handelt, dient das Gesetz

• der integrierten Vermeidung und Verminderung schädlicher Umwelteinwirkungen


durch Emissionen in Luft, Wasser und Boden unter Einbeziehung der Abfallwirt-
schaft, um ein hohes Schutzniveau für die Umwelt insgesamt zu erreichen, sowie

• dem Schutz und der Vorsorge gegen Gefahren, erhebliche Nachteile und erhebliche
Belästigungen, die auf andere Weise herbeigeführt werden [BImSchG, 2002].

Dabei wird mit dem BImSchG der Rahmen für Maßnahmen gesetzt, der durch Rechts-
verordnungen und Verwaltungsvorschriften ausgefüllt wird. Die Paragraphen 38 bis 40
beziehen sich auf die Emissionen von Fahrzeugen. Genauere Festlegungen werden jedoch
in der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung und den EU-Richtlinien gemacht [Baum-
bach, 1990]. Neben der TA Luft ist auch die Technische Anleitung Lärm (TA Lärm)
als normkonkretisierende Verwaltungsvorschrift des Bundes hinsichtlich des BImSchG
ergangen. Im Rahmen dieser Arbeit soll jedoch nicht auf die TA Lärm eingegangen
werden.

Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft (TA Luft)

Die TA Luft (Erste Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum BImSchG vom 24.7.2002)


stellt eine normkonkretisierende und (teilweise) ermessenslenkende Verwaltungsvorschrift
dar. Sie gilt für genehmigungsbedürftige Anlagen und enthält Anforderungen zum Schutz
vor und zur Vorsorge gegen schädliche Umwelteinwirkungen. Für die zuständigen Be-
hörden ist sie in Genehmigungsverfahren, bei nachträglichen Anordnungen nach § 17
sowie bei Ermittlungsanordnungen nach § 26, 28 und 29 BImSchG bindend; eine Ab-
weichung ist nur zulässig, wenn ein atypischer Sachverhalt vorliegt oder wenn der Inhalt

19
Grundlagen der Luftreinhaltung

offensichtlich nicht (mehr) den gesetzliche Anforderungen entspricht (z. B. bei einer un-
bestreitbaren Fortentwicklung des Standes der Technik). Von besonderer Bedeutung für
das Genehmigungsverfahren ist Teil 2 der TA Luft. Dieser Teil enthält wichtige Aussa-
gen zur Konkretisierung des Begriffs der schädlichen Umwelteinwirkungen [Dreyhaupt,
1996]. Dazu werden in Kapitel 4 der TA Luft Immissionswerte für Stoffe zum Schutz vor
schädlichen Umwelteinwirkungen festgelegt. Dabei werden in der TA Luft die Immissi-
onswerte unterschieden in:

• Werte zum Schutz der menschlichen Gesundheit (Kapitel 4.2),

• Werte zum Schutz vor erheblichen Belästigungen oder erheblichen Nachteilen (Ka-
pitel 4.3, 4.4, 4.5),

• Werte zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch Schadstoffdeposi-


tionen sowie Langzeit- und Kurzzeitwerte (Kapitel 4.7).

Verordnung über Immissionswerte für Schadstoffe in der Luft (22. BImSchV)

Die Umsetzung der Richtlinien über Grenzwerte und Leitwerte der Luftqualität für
Schwefeldioxid, Schwebstaub, Blei (Pb), Stickstoffdioxid, Stickoxide, Partikel, Benzol
und Kohlenmonoxid sowie die Richtlinien über die Luftverschmutzung durch Ozon in
deutsches Recht wird durch die 22. BImSchV geregelt. Beispielhaft sind in Tabelle 6
die Grenzwerte, gültig bis zum 31. Dezember 2004, für Schwefeldioxid dargestellt. Aus
Anlage 4 der 22. BImSchV geht weiterhin hervor, dass die Daten punktbezogen und
kontinuierlich erhoben werden müssen. Bezüglich der erforderlichen Genauigkeit der Be-
urteilungsmethoden, der Mindestzeitdauer und der Messdatenerfassung sollen die erho-
benen Daten als Richtschnur für Qualitätsicherungsprogramme dienen [22. BImSchV,
2002].

Verordnung über die Festlegung von Konzentrationswerten (23. BImSchV)

Bei der 23. BImSchV handelt es sich um die Festlegung der Konzentrationswerte für luft-
verunreinigende Stoffe und die bei Überschreitungen der festgelegten Werte anzuwen-

20
Grundlagen der Luftreinhaltung

Jahresmittel 98-Perzentil Jahresmittel 98-Perzentil


ab 2002 in [µg/m3 ] ab 2010 in [µg/m3 ]

40 200 40 200
Toleranzmargen für obigen Werte
16 80 0 0

seit 2003 wird die Marge des Jahresmittelwertes um jährlich 2 µg/m3


und die des Perzentilwertes um jährlich 10 µg/m3 bis 2010 verringert

Tabelle 6: Immissionsgrenzwerte für Stickstoffdioxid [22. BImSchV, 2002]

denden Mess- und Beurteilungsverfahren. Dabei beziehen sich die Konzentrationswerte


auf bestimmte Straßen oder bestimmte Gebiete, in denen der Kraftfahrzeugverkehr zur
Überschreitung der festgelegten Immissionswerte beiträgt. Dementsprechend werden in
der Verordnung Schadstoffe berücksichtigt, die vor allem durch Kraftfahrzeuge emittiert
werden (NO2 , Ruß und C6 H6 ).

2.5.2 Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung

Paragraph 47 der StVZO regelt, welche Kraftfahrzeuge hinsichtlich ihres Abgasverhal-


tens und der Anforderungen in Bezug auf die Kraftstoffe den Vorschriften der Richtlinie
70/220/EWG oder 72/306/EWG bzw. späteren Änderungen dieser Richtlinien entspre-
chen müssen. Weiterhin wird in § 47a festgelegt, welche Kfz zur Verringerung der Schad-
stoffemissionen in regelmäßigen Abständen auf ihr Abgasverhalten untersucht werden
müssen.

2.5.3 EU-Richtlinien zum allgemeinen Immissionsschutz

Die Europäische Union hat am 27. September 1996 in der Richtlinie des Rates über die
Beurteilung und die Kontrolle der Luftqualität (RL 96/62/EG) neue Luftqualitätsziele
sowie einheitliche Methoden und Kriterien zur Beurteilung der Luftqualität festgelegt.

21
Grundlagen der Luftreinhaltung

Ebenso wurde festgelegt, in welcher Form und mit welcher Häufigkeit die Mitgliedsländer
und die Kommission ihrer Informationspflicht nachzukommen haben. Zur Umsetzung
dieser Richtlinie sind bisher 3 Tochterrichtlinien erlassen worden.

• 1. Tochterrichtlinie (Richtlinie 1999/30/EG)


Diese Richtlinie legt die Grenzwerte und gegebenenfalls die Alarmschwellen für
die Konzentration von Schwefeldioxid, Stickstoffdioxid und Stickstoffoxide sowie
Partikel und Blei in der Luft fest. Die Richtlinie gilt seit dem 19.07.2001.

• 2. Tochterrichtlinie (Richtlinie 2000/69/EG)


Die Erweiterung um die Grenzwerte für die Schadstoffe Benzol und Kohlenmonoxid
erfolgte mit dieser Richtlinie. Die Umsetzung der Richtlinie durch die Mitgliedstaa-
ten hatte bis zum 13.12.2002 zu erfolgen.

• 3. Tochterrichtlinie (Richtlinie 2002/3/EG)


Diese Richtlinie legt langfristige Ziele, Zielwerte, eine Alarmschwelle und eine In-
formationsschwelle für die Ozonkonzentration in der Luft fest. Bis zum 09.09.2003
haben die Mitgliedstaaten die erforderlichen Rechts- und Verwaltungsvorschriften
in Kraft zu setzten, um dieser Richtlinie nachzukommen. Ab dem 9. September
wird dann die Richtlinie 2003/3/EG die Richtlinie des Rates vom 21.09.1992 über
die Luftverschmutzung durch Ozon (92/72/EWG) ersetzen.

• Vorschlag für die 4. Tochterrichtlinie (COM(2003)423)


Ein Vorschlag für die 4. Tochterrichtlinie wurde am 16.7.2003 durch die Kommissi-
on der Europäischen Gemeinschaften vorgelegt und soll Schwellen- und Grenzwerte
für Nickel, Cadmium, Arsen, Quecksilber und polycyclische aromatische Kohlen-
wasserstoffe (PAK) mit Benzo(a)pyren als Leitkomponente enthalten [KOM, 2003].

Bei Nichteinhaltung der einzelstaatlichen Vorschriften zur Durchführung der genann-


ten Richtlinien treten von den Mitgliedsstaaten erlassene Sanktionen in Kraft. Weitere
Richtlinien der Europäischen Union zur Luftqualität unter Berücksichtigung der Ein-
schränkungen durch die 1. Tochterrichtlinie sind:

22
Grundlagen der Luftreinhaltung

• Richtlinie 80/779/EWG des Rates vom 15.7.1980 über Grenzwerte und Leitwerte
der Luftqualität für SO2 und Schwebstaub (ABl. EG L 229 S. 30, zuletzt geändert
(96/511/EWG) 29.7.1996), gültig bis 1.1.2005

• Richtlinie 82/884/EWG des Rates vom 3.12.1982 betreffend einen Grenzwert für
den Bleigehalt der Luft (ABl. EG L 378 S. 15, zuletzt geändert (96/511/EG)
29.7.1996), gültig bis 1.1.2005

• Richtlinie 85/203/EWG des Rates vom 7.3.1985 über Luftqualitätsnormen für


Stickstoffdioxid (ABl. EG L 87 S. 1, zuletzt geändert (96/511/EG) 29.7.1996),
gültig bis 1.1.2010, sowie die

• Entscheidung 2001/839/EG der Kommission vom 8.11.2001 zur Festlegung eines


Fragebogens, der für die jährliche Berichterstattung über die Beurteilung der Luft-
qualität gemäß der Richtlinien 96/62/EG und 1999/30/EG zu verwenden ist.

23
Verfahren zur flächenhaften Immissionsdarstellung

3 Verfahren zur flächenhaften Immissionsdarstellung

3.1 Vorbetrachtungen

Für die Ausgangssituation bei flächenhaften Immissionsdarstellungen ist charakteris-


tisch, dass lokal sehr genaue Messwerte vorhanden sind, die in ihrer räumlichen Reprä-
sentativität aber sehr eingeschränkt sind. Dies entspricht auch der Situation in Sachsen,
wo an 30 Messstationen die Immissionsbelastung sehr genau erfasst wird, die Situati-
on in den Bereichen zwischen den einzelnen Messstationen jedoch unbekannt ist. Um
Aussagen für Bereiche zwischen zwei Messpunkten machen zu können, bedient man sich
geostatistischer Interpolationsverfahren, Ausbreitungsrechnungen oder einer Kombinati-
on aus beiden. Allgemein lassen sich die verfügbaren Verfahren in drei große Kategorien
gliedern:

• Geostatistische Verfahren,

• Ausbreitungsrechnungen und

• Geostatistische Verfahren in Kombination mit Ausbreitungsrechnungen.

Welches Verfahren eingesetzt wird, hängt unter anderem von den zur Verfügung stehen-
den Eingangsdaten sowie von der Aufgabenstellung ab. Allgemein kann man feststellen,
dass die Eingangsdaten um so umfangreicher und genauer sein müssen, je höher die
gewünschte räumliche Auflösung der Berechnung sein soll. Eine höhere Auflösung be-
deutet meist aber auch einen höheren Rechenaufwand und komplexere Berechnungsal-
gorithmen, da lokal wesentlich mehr Faktoren beachtet werden müssen. Bei zunehmend
geringeren Auflösungen kommt es verstärkt zu Generalisierungen, die es ermöglichen, die
für kleinräumige Betrachtungen entscheidenden Faktoren zu vernachlässigen, sich aber
nur für Abschätzungen eignen und lokal keine hohe Genauigkeit besitzen.

3.2 Geostatistische Verfahren

Geostatistik untersucht Erscheinungen, die in Raum und/oder Zeit variieren, wobei


ein sehr weites Feld von Daten umspannt wird. Im Speziellen bezieht sie sich auf Da-

24
Verfahren zur flächenhaften Immissionsdarstellung

ten, die gerade wegen der expliziten Einbeziehung „räumlicher“ Attribute wie Distanz,
Richtung, Nachbarschaft etc. im eigentlichen Sinne als „geographisch“ anzusehen sind.
„Geo“statistik hat also mehr als nur das „Geo“ mit der Geographie gemein [Lorup et al.,
2000].
Geostatistische Verfahren versuchen unter Einbeziehung des Raumbezuges Zusammen-
hänge zwischen den Merkmalen von Objekten zu analysieren. Zu diesen Verfahren zählen
unter anderem die Regressions- und Faktorenanalyse sowie Interpolation und Approxi-
mation [Bill, 1994]. Verfahren wie diese werden z. B. genutzt, um punktuelle Messdaten
der Luftschadstoffbelastungen auf die Fläche eines Betrachtungsgebietes zu übertragen.
Dabei sollte die Ausdehnung der zu betrachtenden Fläche so gewählt werden, dass sie
innerhalb des durch die Messpunkte vorgegebenen Bereiches gelegen ist. Dafür stehen
unterschiedlich aufwendige Verfahren zur Verfügung [Lohmeyer et al., 2003a, S. 2].
Das Programm Surfer bietet eine Fülle verschiedener Interpolationsverfahren an, die
Drüeke in seiner Dissertation [Drüeke, 1995] untersucht hat, um die Ozonimmissionen
im Raum Trier auf die Fläche zu übertragen. Dabei kommt er zu dem Schluss, dass
die einfachen Interpolationsverfahren nicht in der Lage sind, die Immissionsituation zu-
frieden stellend wiederzugeben. Diese Einschätzung ergibt sich aus der Tatsache, dass
alle von Drüeke untersuchten einfachen geostatistischen Interpolationsverfahren es nicht
ermöglichen, weitere Parameter (z. B. Windgeschwindigkeit oder Orographie) in die Be-
rechnung zu integrieren. Mit seinen Interpolationsberechnungen betrachtete Drüeke ein
Untersuchungsgebiet von 260 km2 , in dem sich 20 passive Messstationen befanden. Der
Verfasser stellt fest, dass sich die Messtationsdichte für die geostatistische Auswertung
an der unteren Grenze befindet. Die Abbildungen A 28 bis A 33 stellen beispielhaft
die Ergebnisse der verschiedenen Interpolationsverfahren (Triangulation with linear In-
terpolation, Inverse Distance to a Power, Minimum Curvature etc.) von Surfer für die
NO2 -I1-Belastung in Sachsen dar. Dabei wird zwischen exakten Interpolationsverfah-
ren, die die Messdaten an den Messstationen genau wiedergeben und nichtexakten, die
die Messdaten an den entsprechenden Messstationen nicht zwingend exakt wiedergeben,
unterschieden.

25
Verfahren zur flächenhaften Immissionsdarstellung

Als Eingangsdaten wurden sämtliche zur Verfügung stehenden Messstationen verwendet.


Da es, wie bereits beschrieben, nicht möglich ist weitere Parameter in die Interpolati-
on zu integrieren und so z. B. eine Gewichtung der Stationen zu erreichen, werden die
städtischen Stationen mit hoher Emissionsbelastung und die Stationen mit Verkehrsbe-
einflussung überbewertet. Der gegenteilige Effekt tritt ein, wenn nur die Freilandstatio-
nen und die städtischen Stationen mit geringer Emissionsbelastung in die Interpolations
einbezogen werden - die Stationen aller anderen Messstationskategorien werden unter-
bewertet.
Das Ergebnis der Triangulation with linear Interpolation (Abbildung A 28) stellt ein ex-
aktes Interpolationsverfahren dar, ist aber nicht in der Lage, Berechnungen für Punkte
außerhalb des Messnetzes vorzunehmen. Die Dreiecksformen sind durch die geringe Sta-
tionsdichte gut zu erkennen, zeigen aber auch den fehlenden Einfluss der Orographie. So
lässt sich beispielsweise die Struktur des Elbtals, bei Dresden, nicht in der Interpolation
erkennen, obwohl hier aufgrund der Tallage höhere Belastungen zu erwarten sind.
Die Methode Inverse Distance to a Power (Abbildung A 29) wurde mit den Standard-
einstellungen von Surfer (mittlerer Gewichtung und ohne Glättung) als exaktes Verfah-
ren eingesetzt. Hier zeigt sich die Bedeutung des Power-Parameters in der Ausbildung
des „Bullaugeneffektes“ um die Messstationen, es können aber die Strukturen zwischen
den einzelnen Messstationen nicht korrekt ermittelt werden.
Minimum Curvature (Abbildung A 30) ist ein Spline-Verfahren, mit welchem mög-
lichst alle Messwerte berücksichtigt und die Bereiche zwischen den Messwerten über
eine Glättung ermittelt werden. Bei dieser Methode wird eine zweidimensionale, mini-
mal gekrümmte Oberfläche erzeugt. Ziel ist es, eine möglichst geringfügige Änderung
der Oberflächenkrümmung zu erreichen. Folglich stellt dieses Verfahren ein nichtexak-
tes Verfahren dar, bei dem in den Randbereichen unsinnige Werte auftreten können
(südwestliche und nordöstliche Ecke des Rechengebietes).
Abbildung A 31 zeigt das Ergebnis der Radial Basis Function mit „multiquadratischem“
Ansatz. Laut Drüeke (1995) sind die Funktionen, mit denen bei dieser Methode gearbei-
tet wird, mit den Variogrammen, die beim Krigging verwendet werden, zu vergleichen.

26
Verfahren zur flächenhaften Immissionsdarstellung

Mit dieser Vorgehensweise soll eine optimale Gewichtung der Messpunkte bei der Be-
rechnung der Gitterpunkte gewährleistet werden.
Die Methode Nearest Neighbor sollte nur verwendet werden, wenn die Messdaten in ei-
nem gleichmäßigen Raster vorliegen und nur wenige Fehlwerte vorhanden sind. Dieses
Verfahren weist jedem Gitterpunkt des Rasters den Wert des jeweilig nächsten Mess-
punktes zu. Durch die geringe Stationsdichte in Sachsen ergeben sich die in Abbil-
dung A 32 dargestellten Blockstrukturen und es wird deutlich, dass auch diese Methode
für die Berechnungen der Immissionswerte in Sachsen nicht geeignet ist. Als Resultat der
durchgeführten Interpolationen lässt sich feststellen, dass keines der verwendeten Ver-
fahren in der Lage ist die Immissionssituation für das Gebiet von Sachsen, entsprechend
der Aufgabenstellung, in hinreichender Qualität zu ermitteln. Als Gründe hierfür können
sowohl die geringe Messnetzdichte als auch das Fehlen von Möglichkeiten zur Einbrin-
gung von Gewichtungen in Abhängigkeit von der Charakteristik der Messstation, der
Höhe über NN, der Windgeschwindigkeit und der Landnutzung angeführt werden.
Ungeachtet der in dieser Arbeit erzielten Ergebnisse ermöglichen geostatistische Verfah-
ren bei entsprechender Aufgabenstellung und Eingangsdaten auf schnelle und einfache
Weise die Übertragung von Punktwerten auf die Fläche und können für eine erste Ab-
schätzung Verwendung finden. In Kombination mit weiteren statistischen Verfahren, wie
z. B. das Einbeziehen der mittleren Windgeschwindigkeit in Abhängigkeit von der Höhe
über NN oder eine Wichtung der Messdaten auf Basis der Messstellencharakteristik sind
weitere Verbesserungen der Ergebnisse zu erzielen.
Stellen die zuvor aufgeführten Interpolationsverfahren einfache Verfahren dar, so kann
man das folgende Krigging nicht mehr zu dieser Kategorie zählen. Für die Interpolation
mit Krigging sind umfassende Kenntnisse für das Erstellen von Variogrammen erforder-
lich, wobei das Variogramm die statistische Abhängigkeit der regionalisierten Variablen3
beschreibt.

3
Die Gesamtheit der an den Messpunkten x ermittelten Werte, wobei x als Koordinatenvektor zu
verstehen ist (z. B. Hoch- und Rechtswert) wird als regionalisierte Variable bezeichnet. [Drüeke,
1995]

27
Verfahren zur flächenhaften Immissionsdarstellung

Ordinary Krigging (Abbildung A 33) berücksichtigt den statistischen Zusammenhang


zwischen den Messwerten an den verschiedenen Messstationen über das Verfahren der
Variogrammanalyse. Das Verfahren ist ein Vertreter der generalisierten linearen Regress-
sion und schätzt den unbekannten Wert mittels einer gewichteten linearen Kombination
der Messwerte an benachbarten Raumpunkten. Bei diesem Verfahren wird die räum-
liche Struktur des Prozesses als Wichtungsparameter für einzelne Messwerte über ein
Variogramm festgelegt [Drüeke, 1995]. Für weitere Erläuterungen zu den Interpolations-
verfahren soll an dieser Stelle auf diverse Fachliteratur verwiesen werden (z. B. [Schlüter,
1996], [Scherelis et al., 1988] und [Hikmet et al., 1988]).
Neben den genannten geostatistischen Interpolationsverfahren existieren auch rein geo-
statistische Verfahren, die an die Luftschadstoffproblematik angepasst sind. Nachfolgend
sollen einige in Deutschland zur Anwendung kommende Verfahren kurz umrissen wer-
den. Im Rahmen seiner Diplomarbeit entwickelte Thoma (1999) für Baden-Württemberg
ein Verfahren, das auf multiplen Regressionsverfahren basiert und die Messwerte an den
Messstationen bei der flächenhaften Darstellung nicht zwingend erwartungstreu wie-
dergibt. Anwendung findet dieses Verfahren vor allem bei der Darstellung der Jahres-
kennwerte der gemessenen Luftschadstoffkomponenten in Baden-Württemberg [Thoma,
1999].
Ein weiteres geostatistisches Verfahren wurde von Vautz (1990) entwickelt, welches die
Berechnung flächendeckender Immissionskataster aus kontinuierlichen Routinemessun-
gen zum Ziel hat. Bei diesem Verfahren werden Konzentrationsrosen als Grundlage für
die Immissionsbestimmung verwendet, wobei der Immissionswert an einem beliebigen
Punkt im Untersuchungsgebiet durch Mittelwertbildung unter Einbeziehung der Wind-
richtung an diesem Punkt erfolgt. Die von Vautz implementierte Anwendung trägt den
Namen MIMMIKRI [Vautz, 1990].
Um einen Überblick über die im benachbarten europäischen Ausland eingesetzten Ver-
fahren zu bekommen, erfolgte eine Recherche über das Model Documentation System
(MDS) des Europaen Topic Center on Air and Climate Change (ETC/ACC), ein Fachbe-
reich der Europaen Environment Agency (EEA). Über die Homepage der EEA konnten

28
Verfahren zur flächenhaften Immissionsdarstellung

auch die National Focal Points (NFP) und somit Ansprechpartner in den einzelnen Län-
der ermittelt werden. Die Ansprechpartner wurden per E-Mail angeschrieben, um die in
den Ländern zum Einsatz kommenden Berechnungsverfahren in Erfahrung zu bringen.
Allerdings gelang dies in den seltensten Fällen. Daher wurde die Recherche im Model
Documentation System als Grundlage für die Untersuchungen verwendet. Bei der Su-
che nach geeigneten Modellen über die strukturierte Suche in der Datenbank wurden
folgende Suchkriterien festgelegt:

Application type: air quality assessment


policy support
Model output: concentration
Air pollution source: stack/multiple
areal/general
areal/gridded
Spatial scale: regional to continental
Computer platform: personal computer
workstation

Die Datenbank ist unter http://air-climate.eionet.eu.int/databases/mds.html zu finden


[ETC/ACC, 2003a]. Das Ergebnis dieser Recherche findet sich in der Tabelle 23 im An-
hang, auf Seite 102. In der Tabelle 23 sind nicht nur die Modelle aufgeführt, sondern
auch, welche Emissionsquellen berücksichtigt werden, wie die Art der Schadstofffreiset-
zung geartet sein darf und mit welchem Modell welche Schadstoffausbreitungen berech-
net werden können. Die Recherche und auch die Datenbank erheben keinen Anspruch
auf Vollständigkeit.
Unter den in Tabelle 23 aufgeführten Modellen findet sich keines, das über rein geostatis-
tische Berechnungen die Immissionssituation ermittelt. Die Beispiele von Thoma (1999)
und Vautz (1990) zeigen jedoch, dass derartige Modelle zum Einsatz kommen. Das Re-
chercheergebnis kann aber als derzeitiger Entwicklungstrend von den rein geostatisti-
schen Verfahren hin zu Ausbreitungsmodellen gesehen werden.

29
Verfahren zur flächenhaften Immissionsdarstellung

3.3 Ausbreitungsberechnungen

Im Bereich der Luftreinhaltung sind verschiedene Ansätze (Modelle) zur Berechnung


der Ausbreitung abiotischer Substanzen verbreitet. So wird in der VDI-Richtlinie 3782,
Blatt 1 ein Gauß´sches Fahnenmodell und in der VDI-Richtlinie 3945, Blatt 3 ein La-
grange´sches Partikelmodell beschrieben. Mit dem Eulermodell (z. B. im Modell Hilatar
aus Seite 32) soll hier ein weiteres Modell genannt sein. In Tabelle 7 sind die drei ge-
nannten Modelltypen stichwortartig beschrieben. Ausbreitungsmodelle werden benutzt,
um flächenhaft qualitative und quantitative Aussagen bezüglich der Schadstoffbelastung
auf der Grundlage von physikalisch-meteorologischen Zusammenhängen zu treffen. Das
erstgenannte Gauß´sche Fahnenmodell wurde in der TA Luft von 1986 als Referenz-
modell verwendet. Bei diesem Modell handelt es sich um ein einfaches Modell, welches
u. a. von einem homogenen Geschwindigkeits- und Turbulenzfeld ausgeht. Eine weitere
Voraussetzung ist ein ebenes unendlich ausgedehntes Gelände. Strömungsberechnungen
werden in diesem Modell nicht vorgenommen. Aus den genannten Voraussetzungen er-
gibt sich, dass dieses Modell in gegliedertem Gelände mit einem in sich differenzierten
Strömungsfeld nur dann eingesetzt werden kann, wenn für die Berechnungen Bereiche mit
homogenen Geländeverhältnissen ausgewiesen werden. Dieses Modell wird noch heute
angewendet und führt bei einfachen Standardsituationen zu realitätsnahen Ergebnissen
[Zenger, 1998]. Bedingt durch diese Einschränkungen wird in der TA Luft (2002) ein La-
grange´sches Partikelmodell als neues Referenzmodell festgelegt, welches eine Anpassung
des Ausbreitungsmodells LASAT darstellt. Die Umsetzung des beschriebenen Partikelm-
odells erfolgt mittels AUSTAL2000, in dem ein diagnostisches Windfeldmodell integriert
ist und die Quellgruppen als Punkt-, Linien-, Flächen- und Volumenquellen mit deren
spezifischen Eigenschaften berücksichtigt werden können. Der Nachteil des Modells liegt
in der wesentlich aufwändigeren Berechnung und Handhabung sowie in der Bereitstel-
lung der benötigten Eingangsdaten gegenüber dem Gauß´schen Fahnenmodell.
Außer dem Gauß-Fahnenmodell, bei dem aufgrund seiner vereinfachten Annahmen kein
Strömungsfeld berechnet werden muss, erfolgt die Ausbreitungsberechnung bei den an-
deren zwei Modellen in zwei Stufen.

30
Verfahren zur flächenhaften Immissionsdarstellung

Modelltyp Gauß-Modell Lagrange-Modell Euler-Modell

Grundlage numerische Lösung ei- Ermittlung der Bah- numerische Lösung der
ner stark vereinfachten nen (Trajektoren) einer Advektions-Diffusions-
Advektions-Diffusions- Vielzahl von Teilchen in Gleichung
Gleichung ohne Vorgabe einem dreidimensionalen
ortsabhängiger Wind- Windfeld; durch Aus-
und Turbulenzfelder zählen erhält man die
Immissionskonzentration

Vorteil • einfache Handhabung • realitätsnahe Ausbrei- • Ausbreitungsmodel-


tungsmodellierung lierung auch in stark
• geringe Rechenzeiten
strukturierten Gebieten
• rechenzeitökonomische
• Ankopplung an eine
Bestimmung auch von
Vielzahl experimen-
Jahresmittel- und 98-
teller Freilanduntersu-
Perzentilwerten
chungen

Nachteil • nur für „Standard- • rechenzeitintensiv


situationen“ einsetzbar

• in schwach geglieder-
tem Gelände nur be-
dingt einsetzbar

Anwendungs- • Ermittlung von Jah- • je nach Güte des Wind- • je nach Güte des Wind-
bereich resmittel- und 98-Perz- feldmodells nahezu al- feldmodells nahezu al-
entilwerten bei „Stand- le Arten der Ausbreit- le Arten der Ausbreit-
ardsituationen“ ungsrechnung ungsrechnung

Tabelle 7: Übersicht über die Vor- und Nachteile sowie das Einsatzgebiet der Ausbrei-
tungsmodelle, aus [Pütten, 2001]

• Die erste Stufe beinhaltet die Berechnung des Strömungsfeldes. Dabei kommen
entweder diagnostische oder prognostische Strömungsmodelle zum Einsatz. Wel-
ches dieser Modelle verwendet wird, hängt neben der zur Verfügung stehenden
Hardware und Rechenkapazität vor allem davon ab, welche Charakteristik das

31
Verfahren zur flächenhaften Immissionsdarstellung

zu betrachtende Gelände aufweist. Daher werden diagnostische Strömungsmodelle


zur Windfeldmodellierung im topographisch gegliedertem Gelände unter Berück-
sichtigung von Hindernissen eingesetzt. Prognostische Strömungsmodelle können
außerdem auch für Windfeldmodellierungen in stark strukturierten Stadtgebieten
verwendet werden.

• Der zweite Schritt ist dann die eigentliche Ausbreitungsberechnung. Diese Berech-
nungen beruhen auf den physikalischen Grundsätzen von Advektion (Transport),
Diffusion (Verdünnung) und Turbulenz, wobei die Advektions- und Diffusionsphä-
nomene meistens gekoppelt auftreten. Dieser Zusammenhang läßt sich über die
sog. Advektions-Diffusions-Gleichung beschreiben.

Deterministische Eulermodelle beruhen auf der genannten Advektions-Diffusions-Glei-


chung und lösen diese durch Diskretisierung der Einflussvariablen und die Anwendung
numerischer Lösungsschemata. Voraussetzung ist die vorgeschaltete oder gekoppelte
Strömungs- und Turbulenzmodellierung [Krüger et al., 1999].
Partikelorientierte Lagrange-Modelle verfolgen die Trajektorien4 einer Vielzahl von Par-
tikeln, die an der Quelle ausgesetzt werden. Die Partikelbewegung wird durch das füh-
rende Windfeld und eine Zufallskomponente beschrieben. Die Partikelverteilungen erge-
ben sich aus der numerischen Lösung der Trajektoriengleichung für das Partikelkollektiv
[Krüger et al., 1999].
Wie bereits im Kapitel zuvor festgestellt, werden in Europa vermehrt Ausbreitungs-
modelle eingesetzt, um die Schadstoffbelastungen zu berechnen. An dieser Stelle sollen
stellvertretend für diese Verfahren zwei Modelle kurz umrissen werden.

Hilatar

Hilatar wurde als eine Erweiterung zu dem mesoskaligen Ausbreitungsmodell FINOX


entwickelt, um die Hintergrundbelastung in Finnland abzuschätzen sowie im baltischen
Raum meteorologische und andere Prozesse zu untersuchen, die die Diffusion und den
Transport von Luftschadstoffen beeinflussen. Dabei kann über „Nesting“ die Auflösung
4
Trajektorien sind die Bahnen der Teilchen in einem dreidimensionalen Windfeld

32
Verfahren zur flächenhaften Immissionsdarstellung

des Gitters für einzelne Bereiche höher gewählt werden. Hilatar ist ein Vetreter der Euler-
Modelle. Dabei wird die Konzentration (c) zum Zeitpunkt (t) mittels der Advektions-
Diffusions-Gleichung gelöst.
Mit Hilatar ist es möglich, Simulationen für Transport, Dispersion, chemische Transfor-
mation und Deposition von Stickstoff- und Schwefelverbindungen durchzuführen.
Das Windfeld, welches für die Modellrechnung Verwendung, findet wird mit dem Modell
„HIRLAM“ (HIgh Resolution Limited Area Model) berechnet.
Für die Bereiche über Meer kommt die iterative Methode von Lindfors et al. (1991) zum
Einsatz. Diese Bereiche müssen wegen der zu Landflächen verschiedenen diabatischen
Effekte des Feuchtigkeitsstroms und den Zusammenhängen zwischen der Oberflächen-
rauhigkeit und der Windgeschwindigkeit gesondert betrachtet werden. Die vertikale Dif-
fusion wird über die Gradienten-Transport-Theorie bestimmt. Diese Theorie geht davon
aus, dass der turbulente Fluss proportional zum lokalen Konzentrationsgradienten ist.
Die täglichen Durchschnittswerte der Schadstoffe, die durch chemische Konversion ent-
stehen, werden bei Hilatar mit dem Modell EMEP5 des EMEP MSC-W Centre (Nor-
wegen) berechnet, wobei Anpassungen an die Modellstruktur von Hilatar vorgenommen
wurden [ETC/ACC, 2003c].

IVL

IVL (Institutet för Vatten- och Luftvårdsforskning) beinhaltet ein eindimensionales La-
grange´sches Trajektorenmodell und ein chemisches Modell für den Mesoscale-Bereich
(CAM).
Dieses Modell wurde entwickelt, um die photochemischen Transformationen in einer
Luftmasse im Verlauf der Trajektorenbahnen oder Fahnen und das photochemische Re-
aktionspotenzial von Ozon in Schweden berechnen zu können.
Das Trajektorenmodell beschreibt den Abbau von annähernd 80 flüchtigen organischen
Substanzen (VOC)6 . Weitere Schadstoffe, die mit IVL berechnet werden können, sind

5
EMEP = Programme for Monitoring and Evaluation of the Long-Range Transmission of Air Pollu-
tants in Europe
6
VOC = volatile organic compounds

33
Verfahren zur flächenhaften Immissionsdarstellung

SO2 , NOx , O3 und CO.


Mit dem CAM-Modell lassen sich die chemischen Verhältnisse innerhalb eines Nebels in
einem Zeitraum von mehreren Tagen beschreiben. Das Modell berücksichtigt dabei Emis-
sionen in und Depositionen aus dem Nebel heraus, Transporte in und aus Nebeltröpfchen
und die chemischen Reaktionen, die in der Gasphase und in den Nebeltröpfchen auftreten
[ETC/ACC, 2003e].

3.4 Kombinierte Verfahren

Unter kombinierten Verfahren versteht man sowohl die Einbeziehung von Zusatzinfor-
mationen bei einer Interpolation als auch die Kopplung von Interpolationsverfahren und
Ausbreitungsrechnungen.
Werden Zusatzinformationen bei Interpolationsverfahren verwendet, so wird nach inhalt-
lichen Zusammenhängen zwischen den Messdaten und den Zusatzinformationen gesucht.
Diese Zusammenhänge werden dann über mathematische Formeln oder Klassifizierungen
der Daten als Gewichtung in die Interpolation eingebracht. Bei den Zusatzinformationen
kann es sich z. B. um Orographie, Meteorologie oder die Landnutzung handeln [Lohmeyer
et al., 2003a].
Am Beispiel der Modellierung der bodennahen Ozonimmission wurde von Drüeke (1995)
das Verfahren Krigging mit externer Drift angewendet. Bei seinen Untersuchungen stellte
Drüeke eine Abhängigkeit der Ozonkonzentration von der Höhe über NN fest, die Höhe
ging als externe Driftvariable ein. Das mit diesem Verfahren erzielte Ergebnis erfüllte
die durch den Autor gestellten Erwartungen vollständig. Für dieses Verfahren sollte die
externe Driftvariable in einer größeren räumlichen Dichte als die regionalisierte Variable
und in einem regelmäßigen Gittersystem vorliegen [Drüeke, 1995].
Im Modul IMMIKART Teil 1 des Programmsystems IMMIKART-GIS kommt ebenfalls
ein Interpolationsverfahren mit Zusatzdaten zum Einsatz, bei dem neben der Analyse
der Zusammenhänge zwischen Messwerten, Höhe über NN und Landnutzung auch ei-
ne Klassifizierung der Messstationen erfolgt. Eine ausführliche Erläuterung des Moduls
findet sich ab der Seite 39 in dieser Arbeit.

34
Verfahren zur flächenhaften Immissionsdarstellung

Die Ergebnisse dieser Art von Interpolationsverfahren müssen die Messwerte an den
Messpunkten nicht zwingend direkt wiedergeben.
Bei der Kopplung von Interpolationsverfahren und Ausbreitungsrechnungen können die
verschiedensten Verfahren benutzt werden. Beispielhaft soll hier das im Programmsystem
FLADIS der Hessischen Landesanstalt für Umwelt und Geologie (HLfU) enthaltene
Bilanzierungsmodell und IMMIKART-GIS Teil 2 (Kapitel 4.2) angeführt werden.
Das Programmsystem FLADIS wurde von der IVU Umwelt GmbH im Auftrag der Hessi-
schen Landesanstalt für Umwelt und Geologie (HLfU) entwickelt. Innerhalb des Systems
FLADIS besteht die Möglichkeit aus verschiedenen geostatistischen Interpolationsverfah-
ren auszuwählen. Über einen Wichtungsfaktor, der dem Erklärungsfaktor des Modells
entspricht, erfolgt eine Validierung hinsichtlich der Güte des zur Anwendung kommenden
Verfahrens. Durch den Einsatz eines Billanzierungsmodells ist es möglich Anpassungen
der Immissionsdarstellung in Abhängigkeit von Orografie, Meteorologie und Emissionss-
truktur vorzunehmen. Das Bilanzierungsmodell berechnet für jedes Ballungsgebiet eine
Schadstoffwolke unter Einbeziehung der Halbstundenmittelwerte von Windrichtung und
Windgeschwindigkeit. Nach der Addition der Immissionen der einzelnen Gebiete erfolgt
eine Normierung im Vergleich mit den Messwerten. Die Ausbreitungrechnung erfolgt
hier auf der Grundlage eines einfachen Gauß´schen Fahnenmodells. Das Programmsys-
tem FLADIS kommt z. B. im Bayerischen Landesamt für Umwelt und im Hessischen
Landesamt für Umwelt und Geologie zum Einsatz [HLfU, 1996].
Im Modul IMMIKART Teil 2 wird die flächenhafte Interpolationen der Messwerte an
den Freilandstationen unter Berücksichtigung der Geländehöheneinflüsse mit einem, von
der TA Luft geforderten, Lagrange´schen Partikelmodell kombiniert.
Durch die Kombination von Interpolation und Ausbreitungsrechnung ist es möglich, in
den Bereichen, an denen keine Messwerte vorliegen, örtlich differenzierte Aussagen zu
treffen und die flächenhaften Belastungen für unterschiedliche Zeitbezüge darzustellen.
Neben der Analyse der Messwerte für die Interpolation müssen bei diesen Verfahren auch
die Eingangsdaten für die Berechnung des Windfeldmodells bereitgestellt und verarbeitet
werden. Dies bedeutet nicht nur eine größere Datenmenge, die zu verarbeiten ist, es sind

35
Verfahren zur flächenhaften Immissionsdarstellung

auch detaillierte Fachkenntnisse für die Ausbreitungsrechnung erforderlich.


Von den in Europa zum Einsatz kommenden kombinierten Verfahren sollen im Folgenden
zwei Modelle kurz umrissen werden.

HNS-COUNTRYWIDE

Das Modell HNS-COUNTRYWIDE (Hungarian National Standard Countrywide Model)


wurde in Ungarn entwickelt um, jahreszeitliche und mittlere jährliche Konzentrationen
von gasförmigen Schadstoffen sowie säurehaltigen Substanzen im ländlichen Raum ab-
schätzen zu können. Dabei kommt sowohl ein (einschichtiges) Trajektoren-Box-Modell
als auch ein Bi-Gauß´sches-Fahnenmodell zum Einsatz. Die Eingangsdaten der Emis-
sionen werden bei diesem Modell einem Emissionskataster entnommen. Die horizontale
Auflösung beträgt für die jahreszeitlichen Mittelwerte aus Quellen im Untersuchungsge-
biet 25 km x 25 km und für die Quellen, die sich außerhalb des Untersuchungsgebietes
befinden 100 km x 100 km. Sehr hohe, abgehobene Quellen (z. B. hohe Industrieschorn-
steine mit Höhen über 100 m) werden bei diesem Modell separat gerechnet.
Die Ergebnisse der Berechnungen mit HNS-Coutrywide sind Abschätzungen der Kon-
zentration der Schadstoffe in der Luft und in den Depositionen in einem Raster von
20 km x 20 km für gesamt Ungarn [ETC/ACC, 2003b].

IMSM

IMSM (Integrated Multi-Scale Model) ist ein drei-dimensionales Euler-Modell für die
Schadstoffausbreitungsberechnung von Luftschadstoffen und wurde vom Institut für
Geophysik der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften entwickelt. Das Modell deckt
alle Bereiche der räumlichen Auflösung (lokal, lokal-regional, regional-kontinental) ab,
indem es für jeden Maßstabsbereich eine geeignete Kombination aus dynamischen Model-
len und Transportmodellen bereitstellt. Die Berechnungen für den mesoskaligen Bereich
erfolgen in dem Modul IMSMIMI. Hier können kleinräumige Effekte in einem Gitter und
unter Einbeziehung eines detaillierten Emissionskatasters und der Topographie mittels
„Nesting“ der Standard-EMEP-Funktionen für die chemische Transformation berechnet
werden.

36
Verfahren zur flächenhaften Immissionsdarstellung

Das diagnostische Modell DIAMO wird verwendet, um im Mesoscale die Interpolati-


on unter Einbeziehung von Winddaten und der Oberfläche durchzuführen [ETC/ACC,
2003d].

3.5 Fazit

Die einfachen geostatistischen Interpolationsverfahren lassen sich, wie schon in Drüeke


(1995) festgestellt, nicht ohne weiteres für die Darstellung flächenhafter Immissions-
belastungen nutzen. Insbesondere die Dichte des Messnetzes und die Verteilung der
Messstationen (optimal wäre ein regelmäßiges Messraster) haben großen Einfluß auf die
Genauigkeit der Interpolation.
Bei allen verwendeten Interpolationsverfahren erfolgt die Berechnung nur für die XYZ-
Datenpaare, ohne dass weitere Einflussgrößen wie die Höhe über NN oder die Wind-
geschwindigkeit berücksichtigt werden können [Drüeke, 1995]. Zwar kann bei Inverse
Distance to a Power der Gültigkeitsbereich der Messdaten in einem bestimmten Radi-
us um die Messstation festgelegt werden, aber dieser Parameter wird gleichmäßig für
alle Stationen gesetzt und ein Differenzierung für einzelnen Stationen ist nicht mög-
lich. Bezugnehmend auf Drüeke (1995) kann unter der Vorraussetzung eines ausreichend
dichten Messnetzes festgestellt werden, dass Ordinary Krigging ein gute und Krigging
mit externer Drift eine sehr gute Interpolation der Immissionsbelastungen im Mesoscale
ermöglichen. Dabei darf der Aufwand und das nötige Fachwissen für die Erstellung des
Semi-Variogramms nicht unterschätzt werden.
Bei der Verwendung von rein geostatistischen Verfahren lassen sich zufriedenstellende
Übereinstimmungen mit gemessenen Immissionswerten feststellen (siehe Thoma (1999)).
Die Verwendung des von Thoma entwickelten Verfahrens zur Erstellung von flächenhaf-
ten Immissionskarten durch Verwendung der multiplen Regressionsanalyse bedarf einer
intensiven Datenanalyse und Zusatzdaten in großem Umfang. Sollen die Immissionskar-
ten fortgeführt werden, müssen die Zusammenhänge zwischen den Zusatzinformationen
und den Messdaten für das jeweilige Jahr erneut überprüft werden.
Ausbreitungsberechnungen und kombinierte Verfahren verlangen von dem Bearbeiter

37
Verfahren zur flächenhaften Immissionsdarstellung

ein umfangreiches Fachwissen und meist auch Hardware mit hoher Rechenleistung. Als
Eingangsdaten für diese Verfahren dienen häufig Emissionskataster und komplexe Wind-
feldmodellierungen. Da die Zeit im Rahmen dieser Arbeit nicht ausgereicht hätte und
kein entsprechender Datensatz zu Verfügung stand, um die Modelle zu testen, konnten
nur einzelne Modelle kurz umrissen werden. Nach der Recherche in der Datenbank der
EEA lässt sich feststellen, dass häufig komplexe Ausbreitungsmodelle (Lagrange´sche
Ausbreitungsmodelle und Euler-Modelle) verwendet werden. Gauß´sche Fahnenmodelle
werden in geringerem Maße eingesetzt. Die Kombination aus geostatistischen Verfah-
ren und Ausbreitungsrechnungen vereint die Genauigkeit der Ausbreitungsmodelle und
die Möglichkeit, statistische Zusammenhänge, die durch die Ausbreitungsrechnung nicht
berücksichtigt werden, einbinden zu können. Die verschiedenen in Deutschland und im
weiteren europäischen Ausland in Anwendung befindlichen Programmsysteme zeugen
von der Qualität dieser Verfahren.

38
Einführung in das Programmsystem IMMIKART-GIS

4 Einführung in das Programmsystem


IMMIKART-GIS
Die Luftbelastung in Sachsen wird durch ca. 30 stationäre Multikomponentenstationen,
verschiedene mobile Messungen und drei Messstationen des Umweltbundesamtes konti-
nuierlich erfasst. Ergebnis dieser Messungen sind Angaben über die Luftschadstoffkon-
zentrationen am jeweiligen Messort. Zur Beschreibung der Luftqualität benötigen Um-
weltbehörden geeignete Messsysteme und Modellierungswerkzeuge. Die staatlichen Um-
weltämter betreiben zur Erstellung von Jahresberichten zur Immissionssituation und zur
Erfüllung der Informationspflicht gegenüber der EU (EU-Richtlinie: 96/62/EG des Rates
der Europäischen Union) erheblichen Aufwand. Das Programmsystem IMMIKART-GIS
wurde 1999 im Auftrag des Sächsischen Landesamts für Umwelt und Geologie (LfUG)
vom Ingenieurbüro Lohmeyer entwickelt. Ziel des Gutachtens und des zugehörigen Be-
rechnungssystems IMMIKART-GIS war die Übertragung von Einzelmesswerten mittels
vereinfachter Algorithmen auf die Fläche. Im Zuge jener Arbeit sollte ein Programm-
system entwickelt werden, welches aus den vorhandenen Einzelmesswerten ein Immissi-
onskataster für ganz Sachsen erstellt. Zum Zeitpunkt der Programmentwicklung sollten
die Schadstoffe SO2 , O3 , NO2 und Schwebstaub sowohl im Jahresmittel als auch im
98-Perzentil betrachtet werden [Lohmeyer et al., 1999]. IMMIKART-GIS wird bei der
Erstellung des Jahresberichtes zur Immissionssituation in Sachsen vom LfUG verwendet
und findet letztlich auch Verwendung bei der Übermittlung von Informationen und Be-
richten entsprechend der Rahmenrichtlinie 96/62/EG des Rates der Europäischen Union.

4.1 Das Modul IMMIKART Teil 1

4.1.1 Eingangsdaten

Das Ergebnis der oben genannten Arbeit war das Programmsystem „IMMIKART-GIS“
zur Berechnung flächenhafter Immissionsdaten für Sachsen. Als Eingangsdaten wurden

39
Einführung in das Programmsystem IMMIKART-GIS

• Das Digitale Geländemodell (DGM) von Sachsen mit einer horizontalen Auflösung
von 50 m x 50 m,

• Das Digitale Landnutzungsmodell (DLM) von Sachsen mit einer horizontalen Auf-
lösung von 25 m x 25 m und

• Die Messstationsbeschreibungen und Messergebnisse (Statistische Kenngrößen für


1997) an den sächsischen Stationen sowie an den grenznahen Messstationen der
angrenzenden Bundesländer (Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen) und von
Tschechien

zur Verfügung gestellt. Nach der Festlegung der Auflösung für die Immissionskarten auf
2500 m x 2500 m wurden das DGM und das DLM entsprechend dieser Vorgabe aufberei-
tet und so für die Aufgabenstellung nutzbar gemacht. Um die angestrebte Auflösung zu
erhalten, wurde für jede Gitterbox des DGM aus allen Höhenwerten der in den jeweils
2,5 km x 2,5 km großen Boxen liegenden kleineren Boxen der Mittelwert gebildet und an
die übergeordnete Box übertragen. Für das DLM wurde die Klassifizierung der Flächen
gröber gewählt und die ursprünglich 17 Klassen in drei übergeordnete Klassen (Freiland,
Wald und Stadt) eingeordnet. Die prozentualen Anteile der einzelnen Klassen an den
„großen“ Boxen wurden ermittelt und die überwiegende Nutzung auf die Boxen übertra-
gen. Im Rahmen der Datenvorauswertung wurde versucht, bestimmte Gesetzmäßigkei-
ten für die betrachteten Schadstoffe zu ermitteln. Hierbei wurden Abhängigkeiten der
Messwerte von nahegelegenen Emittenten und von der geographischen Höhe festgestellt.
Um diese Ergebnisse aus den Daten herauszufiltern, wurden die aufgestellten Landnut-
zungskategorien und die verschiedenen Messstationen in unterschiedlicher Zusammen-
stellung miteinander verglichen und die mittlere Schadstoffkonzentration berechnet. Bei
dem Vergleich der mittleren Messwerte zeigte sich,anders als z. B. bei NO2 und Schweb-
staub, ein geringer Einfluss des Verkehrs auf die SO2 -Immissionen. Durch den Vergleich
der innerstädtischen SO2 -Immissionen mit denen an Freilandstationen wurde deutlich,
dass die Freilandwerte um ca. 20 % höher liegen als die in den Innenstädten. Dies ist
dadurch bedingt, dass eine Vielzahl der Freilandmessstationen in Sachsen (z. B. Fichtel-

40
Einführung in das Programmsystem IMMIKART-GIS

berg, Mittelndorf, Zinnwald, Lückendorf und Lehnmühle) in der Nähe der Staatsgrenze
zu Tschechien liegen und deshalb durch die dortigen hohen SO2 -Immissionen relativ stark
belastet sind. Diese Feststellung ließ sich jedoch nicht verallgemeinern. Vielmehr konnte
festgestellt werden, dass sich die SO2 -Konzentrationen von Städten und benachbarten
Freilandstationen im Jahr 1997 kaum voneinander unterscheiden. Eine Unterscheidung
zwischen „Stadt“ und „Land“ ist für Schwefeldioxid also nicht mehr notwendig. Vielmehr
wird die SO2 -Belastung in Sachsen zum Großteil von der Entfernung zu tschechischen
Großemittenten geprägt, wie der Vergleich der Werte an den Freilandstationen mit denen
an innerstädtischen Stationen zeigt.
Die Abhängigkeit der Schadstoffbelastungen von der geographischen Höhe ergibt sich aus
den allgemein höheren Windgeschwindigkeiten mit zunehmender Höhe über NN. Dieser
Effekt bewirkt eine bessere Verdünnung der Schadstoffe. Es war jedoch zu befürchten,
dass sich solche Effekte in den Messdaten nicht einwandfrei nachweisen lassen, da z. B. die
Windbedingungen an den Messstationen häufig durch lokale Besonderheiten, wie z. B.
Kerben, Dellen und ähnliches geprägt sind. Bei SO2 zeigten die Messdaten allerdings
keine ausgeprägten Trends auf. Die erwartete Abnahme der Schadstoffkonzentration mit
zunehmender Höhe über NN wurde für diesen Schadstoff nicht beobachtet, da ande-
re Faktoren, wie die Lage der Messstellen in Relation zu umliegenden Großemittenten
diesen Effekt überkompensieren. Eine Differenzierung zwischen Tal- und Berglagen war
nach der damaligen Prüfung des Datenmaterials ebenfalls nicht erforderlich. So waren
z. B. kaum Unterschiede zwischen den SO2 -Konzentrationen der Stationen Radebeul-
Wahnsdorf und Dresden festzustellen, obwohl sich die Radebeuler Station auf dem Elb-
hang und die Dresdner Station im Elbtal befindet. Dies deutete ebenfalls daraufhin,
dass die SO2 -Konzentration in Sachsen im Wesentlichen durch außerhalb von Sachsen
liegende Großemittenten (vor allem in Tschechien) bestimmt wurde. Damit ließ sich
feststellen, dass die Verdünnung des Schadstoffes SO2 innerhalb von Sachsen bereits so
weit fortgeschritten war, dass kaum Konzentrationsunterschiede zwischen benachbarten
Berg- und Talstationen auftraten [Lohmeyer et al., 1999].

41
Einführung in das Programmsystem IMMIKART-GIS

4.1.2 Berechnungsalgorithmen

Für das Programmsystem „IMMIKART-GIS“ wurde aufbauend auf dem Verfahren der
Radialinterpolation ein Verfahren entwickelt, um die Messdaten auf die Fläche zu über-
tragen.
Die Methodik der Radialinterpolation besteht darin, dass für jeden Messpunkt eines Kol-
lektives ein oder mehrere Radien festgelegt werden. Mit Hilfe dieser Radien werden ent-
fernungsgewichtet und/oder über eine Abklingfunktion die Zwischenwerte interpoliert.
Die für diese Interpolation verwendeten Algorithmen wurden u. a. aus den Ergebnissen
der Datenvorauswertung abgeleitet. Zur Berechnung der SO2 -Belastungen werden, ab-
weichend von der Behandlung der anderen Schadstoffe, programmintern alle Stationen
als Freilandstationen behandelt da, wie oben beschrieben, die Konzentrationsunterschie-
de zwischen den Stationen in den Städten und denen im Umland nur gering bis gar
nicht vorhanden sind. Für die Berechnung der anderen Schadstoffe wurden sämtliche zu
Verfügung stehenden Messstellen in sieben Klassen eingeteilt (Tabelle 8), die auf den
NO/NO2 -Verhältnissen an den Stationen sowie den jeweiligen entsprechenden Stations-
beschreibungen basieren.
Die Ermittlung der flächenhaften Immissionsbelastungen erfolgt in vier Schritten. Im
Schritt I werden die Daten für die Radialinterpolation aufbereitet und je nach Lage
der Messstation in Bezug zu Emittenten und zur geographischen Höhe sowie in Ab-
hängigkeit von der betrachteten Schadstoffkomponente Korrekturen an den Messwer-
ten vorgenommen. Die Stationen der Messstellenklassen 3, 4, 6 und 7 sind aufgrund
der Nähe starker Emittenten (zumeist Straßenverkehr) im Vergleich zur unmittelbaren
Umgebung bezüglich der Schwebstaub- und NO2 -Konzentration höher bzw. bezüglich
Ozon niedriger belastet. Für diese Stationen werden im Rahmen eines Angleichungsver-
fahrens die Stationskonzentrationen der genannten Schadstoffe um die Zusatzbelastung
durch den unmittelbar angrenzenden Emittenten korrigiert (bei Ozon erhöht bzw. bei
Schwebstaub und NO2 verringert). Die so korrigierten Immissionsbelastungen sind als
charakteristisch für die jeweilige Stadt anzusehen. Die angesetzten Korrekturwerte wur-
den entsprechend der Datenanalyse sowie anhand von Erfahrungswerten aus zahlreichen

42
Einführung in das Programmsystem IMMIKART-GIS

Klasse Beschreibung NO/NO2 - Bemerkung


Verhältnis

1 Freiland < 0, 7 Stationen mit sehr ge-


ringem Emissionseinfluss,
keine oder kaum umlie-
gende Quellen
2 Kleinstadt, wenig Emission 0, 7 < x ≤ 1, 2
3 Kleinstadt, viel Emission 1, 2 < x ≤ 1, 8
4 Großstadt, viel Emission 1, 2 < x ≤ 1, 8
5 Großstadt, relativ wenig 0, 7 < x ≤ 1, 2
Emission
6 Kleinstadt, sehr stark be- > 1, 8 reine Verkehrsstationen
fahrene Straße in unmittel-
barer Nähe
7 Großstadt, sehr stark befah- > 1, 8 reine Verkehrsstationen
rene Straße in unmittelba-
rer Nähe

Tabelle 8: Charakteristik der 7 Messstellenklassen (NO/NO2 -Verhältnis für Einteilung


dominant), verändert nach [Lohmeyer et al., 1999]

Verkehrsgutachten festgelegt. Danach werden die Messwerte von ihrer tatsächlichen Hö-
henlage auf 1 000 m Höhe extrapoliert, um vertikale Trends bei der Mittelwertbildung zu
beseitigen (Tabelle 9). Zur Berechnung der flächenhaften Immissionsbelastungen werden
für jede Messstation sogenannte Interpolationsradien benötigt, die Aussagen zur Gül-
tigkeit bzw. Repräsentanz des Messortes über den Ort der Messstelle hinaus beinhalten
(Tabelle 10). Die Radien wurden anhand der Ergebnisse der Datenvorauswertung sowie
systematischen Sensitivitätsuntersuchungen empirisch ermittelt. Anschließend erfolgt die
Zuweisung der entsprechenden Interpolationsradien.

43
Einführung in das Programmsystem IMMIKART-GIS

Schadstoffkomponente DGM-Korrektur Waldkorrektur


[(µg/m3 )/100 m] [µg/m3 ]

SO2 − I1 0,0 0,0


SO2 − I2 0,0 0,0
Ozon − I1 -3,0 +5,0
Ozon − I2 -2,0 +5,0
Schwebstaub − I1 1,5 -10,0
Schwebstaub − I2 4,0 -20,0
NO2 − I1 0,5 -5,0
NO2 − I2 1,0 -10,0

Tabelle 9: Korrekturwerte für die einzelnen betrachteten statistischen Kenngrößen


(DGM-Korrektur je 100 m tiefere Höhenlage (Referenzniveau 1 000 m)) [Loh-
meyer et al., 1999]

Die Landnutzungsdatei wird in Schritt II nach „Stadtboxen“ durchsucht, die für die
Schadstoffe Ozon, Schwebstaub und SO2 keine Messstationen aufweisen oder die au-
ßerhalb des Gültigkeitsbereiches anderer Stadtstationen liegen. Der Mittelpunkt solcher
Untersuchungsboxen wird als „künstliche“ Stadtstation programmintern in die Mess-
stationsreihe mit aufgenommen. Ihr werden charakteristische Stadtwerte zugeordnet.
Dies erfolgt über die Mittelwertbildung (sowohl der Jahresmittelwert, als auch der 98-
Perzentilwert) für die Komponenten Ozon, Schwebstaub und NO2 an den Stationen der
Messstellenklasse 2 und die anschließende Zuordnung dieser Mittelwerte an die Stadt-
boxen im Landnutzungsmodell, die sich außerhalb der inneren und äußeren Interpolati-
onsradien von „wahren“ Stadtboxen befinden.
Die eigentliche Radialinterpolation (siehe Abbildung 3) erfolgt in Schritt III unter Be-
rücksichtigung der Schritte I und II. Um charakteristische Umlandwerte zu erhalten,
wird ein entfernungsgerichteter Mittelwert aller Freilandstationen gebildet. Alle Statio-
nen, die einer Messstellenklasse > 1 zugeordnet wurden, gelten als Stadtstationen mit

44
Einführung in das Programmsystem IMMIKART-GIS

Messstellenklasse Radius innen [m] Radius außen [m]

1 1 ∗ 106 1 ∗ 106
(bei SO2 50000) (bei SO2 50000)
2 2600 4000
3 2600 4000
4 3500 7500
5 3500 7500
6 2600 4000
7 3500 7500

Tabelle 10: Innere und äußere Interpolationsradien für die 7 Messstellenklassen [Loh-
meyer et al., 1999]

einem relativ begrenzten Radius. Sie sind zumeist von den Umlandwerten umgeben.
Aus dem Umlandwert und dem Messwert der jeweiligen Stadtstation ergibt sich ein
sogenannter Abklingwert, der in Abhängigkeit vom Schadstoff zwischen dem äußeren
und inneren Interpolationsradius linear zu- bzw. abnimmt. Dies erfolgt entsprechend der
Charakteristik der Schadstoffe (siehe Kapitel 2.3). Die flächenhafte Interpolation der
Daten erfolgt dann boxenweise, wobei für jede Box ermittelt wird, innerhalb welcher
Radien der Messstationen sie sich befindet. Ausschlaggebend für die Zuordnung ist der
Mittelpunkt der jeweiligen Box. Folgende Fälle sind möglich:

• Untersuchungsbox liegt innerhalb eines inneren Radius einer Stadtstation

• Untersuchungsbox liegt innerhalb eines äußeren Radius einer Stadtstation

• Untersuchungsbox liegt sowohl außerhalb der inneren als auch der äußeren Radien
einer Stadtstation

Abschließend werden verschiedene Korrekturen der berechneten Immissionsdaten in


Schritt IV vorgenommen. Zu diesen Korrekturen zählen unter anderem die Höhenkorrek-
tur und eine Waldkorrektur. Bei der Höhenkorrektur wird die in Schritt I vorgenommene

45
Einführung in das Programmsystem IMMIKART-GIS

Abb. 3: Schematische Prinzipskizze zum in IMMIKART-GIS angewendeten Verfahren


der Radialinterpolation [Lohmeyer et al., 1999]

46
Einführung in das Programmsystem IMMIKART-GIS

Extrapolation der Messwerte auf ein Höhenniveau von 1 000 m der tatsächlichen geogra-
phischen Höhe angepasst, indem pro 100 m Höhe ein Zuschlag (bei Schwebstaub und
SO2 ) bzw. ein Abschlag (Ozon) entsprechend den im ersten Schritt angesprochenen Kor-
rekturwerten (Tabelle 9) erfolgt. Die dafür angesetzten Gradienten wurden der Daten-
vorauswertung entnommen. In ausgedehnten Waldgebieten ist davon auszugehen, dass
die Anzahl der Emittenten im Verhältnis zum Umland geringer ist. Aus dieser Annahme
lässt sich eine niedrigere Belastung hinsichtlich der Schadstoffe SO2 und Schwebstaub
bzw. eine Zunahme der Ozonkonzentration ableiten. Daher wird jede einzelne Box, die
überwiegend in ihrer Nutzung aus Wald besteht, mit einem Korrekturfaktor versehen
(Tabelle 9). Dies geschieht unabhängig davon, ob sich die Untersuchungsboxen innerhalb
der Interpolationsradien einer Stadtstation befinden oder nicht.

4.2 Das Modul IMMIKART Teil 2

Im Jahr 2000 erfolgte dann der Auftrag durch das LfUG, das bestehende Programm-
system um die Schadstoffe Benzol, Ruß und PM10 zu erweitern. Hierbei sollten neben
vorhandenen Messdaten die Verkehrsemissionen des dynamischen Emissionskatasters
des LfUG einbezogen werden. Weiterhin wurde das bereits implementierte statistisch-
empirische Verfahren durch Ergebnisse aus Ausbreitungsrechnungen mit dem Lagran-
ge’schen Ausbreitungsmodell LASAT erweitert. Dadurch konnte gegenüber dem Modul
IMMIKART Teil 1 eine höhere und räumlich differenziertere Genauigkeit erreicht wer-
den und auch die Erstellung von Prognosen wurde dadurch ermöglicht. Mit dem Mo-
dul IMMIKART Teil 2 wurde auch die Integration des Programmsystems in das GIS-
System ArcView 3.2 der Firma ESRI vollzogen. Bis auf die LASAT -Berechnungen war
es mit diesem System möglich, alle notwendigen Arbeitschritte zur Erstellung von Im-
missionskarten innerhalb von ArcView 3.2 vorzunehmen. Aufgrund der Komplexität von
LASAT werden in ArcView 3.2 die Inputdatei für LASAT erstellt und die berechneten Da-
ten später wieder in das ArcView-Projekt geladen. LASAT selbst muss extern gestartet
werden [Lohmeyer et al., 2000].

47
Einführung in das Programmsystem IMMIKART-GIS

4.2.1 Eingangsdaten

Zusätzlich zu den Daten, die aus dem vorangegangenen Projekt vorhanden waren, wur-
den die folgenden Daten vom LfUG zur Verfügung gestellt.

• Benzol- und Rußmessungen aus dem Jahr 1999 bzw. 2000 entlang der geplanten
A17 in verschiedenen Stadtteilen von Dresden (Ergebnisse aus Stichprobenmes-
sungen)

• Rußmesswerte aus Rastermessungen in der Oberlausitzer Heide- und Teichland-


schaft

• Teile des Emissionskatasters Sachsen 1999

• Windzeitreihen an den sächsischen Schadstoff-Dauermessstellen; Wind- und Aus-


breitungsklassenstatistik an der Station Dresden-Klotzsche

Zusätzlich zu diesen Daten wurden weitere meteorologische Daten verwendet. Aus den
bereitgestellten Daten des Emissionskatasters wurden zusätzlich die Emissionen für die
PM10 -Staubaufwirbelungen und die Rußemissionen für die Emissionsraster berechnet.
Die Benzolemissionen wurden unverändert übernommen. Mittels der bereitgestellten
Ausbreitungsklassenstatistiken ist es möglich, die Schadstoffimmissionen zu berechnen.
Ausbreitungsklassenstatistiken geben Auskunft über die Häufigkeit bestimmter Ausbrei-
tungsverhältnisse in den unteren Luftschichten, die durch Windrichtung, Windgeschwin-
digkeit und Stabilität der Atmosphäre definiert sind. Somit geben sie auch Auskunft über
die Verdünnungsfähigkeit der Atmosphäre. Durch die Einbeziehung des Lagrange’schen
Ausbreitungsmodelles, welches ein rechtwinkeliges Rechengebiet voraussetzt, war es nö-
tig die Daten außerhalb von Sachsen zu ergänzen. Diese Daten wurden den zur Verfü-
gung stehenden GTOPO307 -Daten entnommen (Abbildung 4). Die Abbildung 5 zeigt
den letztlich für die LASAT -Berechnung verwendeten Ausschnitt. Die Landnutzung wurde

7
GTOPO30 ist ein globales digitales Höhenmodell mit einer horizontalen Rasterauflösung von 30
Bogensekunden (ca. 1 km).

48
Einführung in das Programmsystem IMMIKART-GIS

im Nahbereich der grenznahen Windmessstellen entsprechend den vorliegenden topogra-


phischen Karten über die Grenzen Sachsens hinaus ergänzt. Nachfolgend wurde mit dem
Ausbreitungsmodell LASAT die straßenverkehrsbedingte Zusatzbelastung flächendeckend
für ganz Sachsen berechnet. Über ein selbstentwickeltes Berechnungsmodul wurden die
großräumigen Vorbelastungen aus den Messdaten des Landesmessnetzes ermittelt und zu
den verkehrsbedingten Zusatzbelastungen hinzuaddiert. Die so ermittelten Immissionen
werden an den Messwerten automatisch abgeglichen. Ein schematischer Programmab-
lauf zum Modul IMMIKART Teil 2 wird in Abbildung 6 dargestellt [Lohmeyer et al.,
2000].

4.2.2 Emissionsbestimmung für PM10

Das Emissionskataster des LfUG macht zwar Angaben zu den im Kfz-Abgas enthaltenen
Partikelmengen, die Emissionen, die aus Straßen-, Kupplungs- und Bremsbelag sowie
Reifenabrieb entstehen, werden jedoch nicht quantifiziert. Da es in Deutschland noch
kein offiziell abgestimmtes Verfahren zur Ermittlung dieser Emissionen gibt, werden
diese über empirische Berechnungsformeln ermittelt.
Neben den abgasbedingten Emissionen von PM10 , die unverändert aus dem Emissions-
kataster übernommen wurden, entstehen weitere PM10 -Emissionen aus Aufwirbelungen
und dem Abrieb. Die Emissionen aus Aufwirbelung und Abrieb werden durch ein 1984
von der U.S. Environmental Protection Agency veröffentlichtes und 1993 [EPA, 1993]
sowie 1997 [EPA, 1997] fortgeschriebenes Emissionsmodell für befestigte Straßen ermit-
telt. Das Modell geht davon aus, dass sich die Emission wie in Formel 4.1 beschreiben
lässt. Nach der statistischen Verarbeitung der aus Formel 4.1 vorliegenden Informationen
wurde als Endergebnis für die PM10 -Emissionen einer befestigten Straße die Formel 4.2
entwickelt, die mit der Weiterentwicklung des Programmsystems durch die Formel 5.8
auf Seite 62 ersetzt wurde. Um der Tatsache gerecht zu werden, dass die Staubbelas-
tung mit abnehmendem Verkehr zunimmt, wurden Emissionsfaktoren für Innerorts- und
Außerortsstraßen aufgestellt. Die Ermittlung der flächendeckenden PM10 -Emissionen er-
folgt über die Addition der Emissionen aus den Aufwirbelungen mit denen, die abgasbe-

49
Einführung in das Programmsystem IMMIKART-GIS

Abb. 4: Ausschnitt aus der Kachel „W020N90“ der GTOPO 30 Daten;


kostenlos zur Verfügung gestellt durch den U.S. Geological Survey
(http://edcdaac.usgs.gov/gtopo30/gtopo30.html) [LP DAAC, 2003]

50
Abb. 5: Perspektivische Sicht auf das überhöhte Relief des Untersuchungsgebietes mit grau hinterlegter Lage von Sachsen

51
Einführung in das Programmsystem IMMIKART-GIS
Einführung in das Programmsystem IMMIKART-GIS

e = k(sL)a (W )b (S)c (w)d (4.1)

e = 4, 6(sL/2)0,65 · (W/3)1,5 (4.2)

e [g/km · Kfz] = PM10 -Emissionsfaktor


k [g/km · Kfz] = Basisemissionsfaktor
sL [g/m2 ] = silt Load = PM75 -Staubbelegung der Straße
W [t] = Mittleres Fahrzeuggewicht der Flotte (Achtung: Formel darf
nicht separat für z. B. LKW und Pkw verwendet werden)
S [km/h] = Mittlere Fahrzeuggeschwindigkeit
w [-] = Mittlere Anzahl der Räder der Kfz

dingt sind. Durch die Verschneidung der Verkehrsbelegung des Hauptstraßennetzes mit
den Emissionsfaktoren für Innerorts und Außerorts (Tabelle 11) ergeben sich die Emis-
sionen, die aus den Aufwirbelungen resultieren. Da für die explizite Bestimmung der
PM10 -Emissionen die Verkehrsstärken (DTV-Werte und LKW-Anteile) sowie die Lage
der Straßen (Innerorts / Außerorts) bekannt sein müssen, konnten auf den Nebenstrecken
im Freistaat Sachsen keine Emissionsbelastungen berechnet werden, da die benötigten
Informationen nicht vorhanden sind. Nach erfolgreicher Verschneidung werden die er-
mittelten Emissionen für die Aufwirbelung entsprechend den vorliegenden Zuordnungs-
kennungen den einzelnen Emissionsrastern zugeordnet und mit den dort angegebenen
abgasbedingten PM10 -Emissionswerten addiert. Der mittlere Quotient aus der PM10 -
Gesamtemission (Aufwirbelung und Abgase) durch die PM10 -Emission aus dem Auspuff
beträgt 23,0. Durch die fehlenden Daten des Nebenstreckennetzes ergeben sich zwangs-
läufig Raster, in denen keine Angaben bezüglich der PM10 -Emissionen gemacht werden
können. In diesen Rastern errechnen sich die Emissionen für PM10 aus der Multiplikation
des oben genannten Faktors (23,0) mit der abgasbedingten Partikelemission [Lohmeyer
et al., 2000].

52
Abb. 6: Schematischer Programmablauf des Moduls IMMIKART Teil 2 [Lohmeyer et al., 2000]

53
Einführung in das Programmsystem IMMIKART-GIS
Einführung in das Programmsystem IMMIKART-GIS

a) Innerorts
LKW-Anteil DTV < 10 000 Kfz/24 h ≥ 10 000 Kfz/24 h

10 % 0,5 0,3
20 % 0,8 0,5

b) Außerorts
LKW-Anteil DTV < 10 000 Kfz/24 h ≥ 10 000 Kfz/24 h

10 % 0,8 0,5
20 % 1,6 1,0

Tabelle 11: PM10 -Emissionsfaktoren getrennt für Innerorts- und Außerortsstraßen. Alle
Werte in g/(km ∗ Kfz) [Lohmeyer et al., 2000]

4.2.3 Emissionsbestimmung für Ruß

Die verkehrsbedingten Rußemissionen entstehen nicht nur aus den Abgasen der Kfz,
sondern auch zu einem erheblichen Teil aus dem Abrieb der Reifen. Die Lauffläche der
Reifen besteht zu ca. 30 % aus Ruß. Da im sächsischen Emissionskataster der Anteil
der Rußemission an der abgasbedingten Partikelemission nicht explizit angegeben wird,
erfolgt eine Berechnung der verkehrsbedingten Rußemissionen nach den Angaben des
Umweltbundesamtes und auf der Grundlage des Handbuches für Emissionsfaktoren. Ba-
sierend auf den Untersuchungen von Rautenberg-Wulf (1999a und 1999b) wurden die
in Tabelle 12 angegebenen Emissionen aus Reifenabrieb für Ruß angesetzt. Für die flä-
chendeckende Emissionsbestimmung von Ruß gilt dasselbe wie für PM10 . Das bedeutet,
dass aufgrund der fehlenden Informationen zum Nebenstraßennetz die Emissionen nur
für die Raster berechnet werden können, in denen sich Gemeindeteile befinden, durch die
Hauptstraßen führen. Zur Übertragung der Emissionen auf die Fläche wurde nach dem
gleichen Muster verfahren, wie es für PM10 angewandt wurde. Der mittlere Quotient
aus Rußgesamtemission (Abgase und Reifenabrieb) und Rußemission aus dem Auspuff
beträgt dabei circa 1,12 [Lohmeyer et al., 2000].

54
Einführung in das Programmsystem IMMIKART-GIS

Emissionen für Ruß aus Reifenabrieb


[mg/km] je Kfz
PKW LKW

Autobahnen und Außerortsstraßen 1,7 9,0


Innerortsstraßen 6,0 32,0

Tabelle 12: Rußemissionen aus Reifenabrieb nach Rautenberg-Wulf (1999a und 1999b).

4.2.4 Berechnungsalgorithmen

Die Erweiterung von IMMIKART-GIS um drei Schadstoffe ist aufgrund der geringen An-
zahl von Messwerten mit veränderten Berechnungsalgorithmen für diese drei Schadstoffe
verbunden. Bei der Bestimmung der flächendeckenden Belastungen des jeweiligen Schad-
stoffes wurde so vorgegangen, dass mindestens je eine Messung an einer Freilandstation
und mindestens eine an einer städtischen Hintergrundmessstation vorliegen musste. In
dem Falle, dass das Dauermessnetz diese Informationen nicht beinhaltet, müssen zusätz-
liche Messwerte (z. B. aus Rastermessungen) in die Berechnung mit einbezogen werden.
Für die Berechnung der Jahresmittelwerte wurden, entsprechend den Emmissionsbestim-
mungen für Ruß und PM10 , flächendeckend für Sachsen Ausbreitungsrechnungen mit
dem Lagrange´schen Ausbreitungsmodell LASAT durchgeführt. Bei diesen Berechnungen
wird der zeitliche Verlauf der Stoffkonzentration in einem vorgegebenen Rechengebiet
ermittelt, wobei alle für die Ausbreitung wichtigen Größen als Zeitreihe vorgegeben wer-
den. Diese berechneten Belastungswerte wurden im nächsten Schritt an die im Freiland
und an den städtischen Hintergrundstationen gemessenen Werte angepasst. Die Anpas-
sung erfolgte durch die Addition einer großräumigen Schadstoffvorbelastung, die für jede
Berechnungsbox aus dem entfernungsgewichteten Mittelwert aller Freiland-Messwerte
ermittelt wurde. Weiterhin wurde das mit LASAT berechnete Immissionsfeld für den Mit-
telwert mit einem Faktor multipliziert. Dieser Faktor ergibt sich aus dem Vergleich der
gemessenen Belastungen an den städtischen Hintergrundmessstationen und denen, die

55
Einführung in das Programmsystem IMMIKART-GIS

mit LASAT berechnet wurden.


Um die 98-Perzentilwerte zu berechnen, wurde davon ausgegangen, dass an den Stellen,
an denen hohe Jahresmittelwerte gemessen wurden, auch die 98-Perzentilwerte hoch
sind. Diese Überlegung, die auch innerhalb anderer Ausbreitungsmodelle umgesetzt ist,
ermöglicht für die 98-Perzentile ein analoges Vorgehen wie für die Jahresmittelwerte.
Weiterer Vorteile aus diesem Vorgehen sind die Zeitersparnis und der minimierte Re-
chenaufwand, der sich aus der Einsparung von weiteren Auswertungsprogrammen, die
der LASAT -Berechnung vor- und nachgeschalten werden müssten, ergibt. Die LASAT -
Ergebnisse für die Jahresmittelwerte werden entsprechend den in Städten gemessenen
Zusatzbelastungen für die 98-Perzentilwerte multipliziert und danach wird eine aus den
Messwerten abgeleitete, für die Kurzzeitbelastung repräsentative großräumige Schad-
stoffvorbelastung hinzuaddiert. Die Vorbelastung ergibt sich aus einer entfernungsge-
wichteten Radialinterpolation aus den Messwerten aller Freilandstationen. Zur Ermitt-
lung der Zusatzbelastung wird die Differenz aus der in den Städten gemessenen Werten
und den Umlandwerten gebildet [Lohmeyer et al., 2000].

56
Erweiterung und Anwendungsprogrammierung für IMMIKART-GIS

5 Erweiterung und Anwendungsprogrammierung für


IMMIKART-GIS
In den folgenden Kapiteln werden die im Rahmen der vorliegenden Arbeit durchge-
führten Verfahren, die zur Optimierung bzw. Weiterentwicklung von IMMIKART-GIS
herangezogen wurden kurz erläutert und deren Integration in das Programmsystem im
Kapitel 5.3 beschrieben.

5.1 MLuS 02

MLuS steht für „Merkblatt über Luftverunreinigungen an Straßen ohne oder mit locke-
rer Randbebauung“. Dieses Merkblatt wurde von der Forschungsgesellschaft für Straßen-
und Verkehrswesen - Arbeitsgruppe Straßenentwurf aufgestellt und ersetzt in der Aus-
gabe 2002 [FGSV, 2002] die 1996 geänderte Fassung von 1992. Die Zielsetzung für dieses
Merkblatt war die Abschätzung der Immissionsbelastungen an Straßenabschnitten. Zu
diesem Zweck wurde ein in diesem Merkblatt angegebenes Ausbreitungsmodell für zwei-
und mehrstreifige Straßen, die keine oder nur aufgelockerte Randbebauung aufweisen
und geländegleich liegen, entwickelt. In der Fassung von 2002 sind auch die Immissi-
onsabschätzungen an Tunnelportalen, Straßenkreuzungen sowie im Einflussbereich von
Lärmschirmen möglich. Die Basis für die Berechnungen ist das „maßnahmenorientierte
Berechnungsinstumentarium für die lokalen Schadstoffemissionen des Kraftfahrzeugver-
kehrs“ (Mobilev). In MLuS integriert ist auch ein parametrisiertes Konversionsmodell,
welches die Umwandlung des primär emittierten NO zu NO2 beschreibt. So erfolgt die
NO2 -Berechnung über einen exponentiellen Ansatz mit unterschiedlichen Koeffizienten
für Mittelwert und Perzentil (Formel 5.1). Der NO-Wert berechnet sich dann aus der Dif-
ferenz zwischen NOx und NO2 (Formel 5.2). Die Ergebnisse aus beiden Formeln werden
in mg/m3 angegeben.

B2 (B3·K(N Ox ) )
K(N O2 ) = B1 · K(N Ox ) · e (5.1)

K(N O) = K(N Ox ) − K(N O2 ) (5.2)

57
Erweiterung und Anwendungsprogrammierung für IMMIKART-GIS

Ki (s) = kn · ei · g(s) + fu (5.3)

g(s) = 1 − 0, 166 ln(1 + s) (5.4)

fu = 2, 3/u (5.5)

Ki (s) [mg/m3 ] = Konzentration des inerten Schadstoffes


kn [h/m2 ] = bodennahe Konzentration normiert mit dabei vorliegenden
längenspezifischen Emissionen der Straße
ei [mg/m · h] = längenspezifische Emission der Straße für Schadstoff i
g(s) = Ausbreitungsfunktion der Schadstoffe
s = Abstand vom Fahrbahnrand in Metern
fu = Funktion zur Berücksichtigung der Windgeschwindigkeiten
u = mittlere Windgeschwindigkeit in 10 m Höhe

Außerdem lässt das Merkblatt eine Abschätzung über die Anzahl von Überschreitungen
definierter Schadstoffkonzentrationen für NO2 und PM10 zu. Neben den Verfahren zur
Abschätzung der Immissionen und Hinweisen zur Beurteilungsproblematik werden wei-
terhin Möglichkeiten zur Immissionsminderung aufgezeigt und Ausführungen über die
Wirkung von Luftschadstoffen auf den Menschen gemacht. Die Immissionsbestimmung
mit MLuS 02 erfolgt mittels Formel 5.1 bis Formel 5.5. Mit ihrer Hilfe können Jahresmit-
telwerte und 98-Perzentile der bodennahen Immissionskonzentration (siehe Kapitel 5.3.3
auf Seite 66) für die zu bestimmenden Schadstoffe in Abhängigkeit des Abstandes s vom
Fahrbahnrand berechnet werden [FGSV, 2002].

5.1.1 Abschätzung der mittleren Windgeschwindigkeit

Wie Formel 5.3 und Formel 5.5 auf Seite 58 zeigen, geht die mittlere Windgeschwin-
digkeit unmittelbar in die Immissionsbestimmung mittels MLuS 02 ein und muss somit
zwingend den einzelnen Straßenabschnitten zugewiesen werden. Die mittlere Windge-
schwindigkeit ist neben der Rauhigkeit des Untergrundes auch von der Höhe über NN

58
Erweiterung und Anwendungsprogrammierung für IMMIKART-GIS

%!

#
"

"
!

!
#

! " # $ % %! %"

Abb. 7: Windgeschwindigkeit in Abhängigkeit von der Höhe über NN an ausgewählten


sächsischen Stationen

abhängig. Im Mittel nimmt sie um ca. 0,3 m/s je 100 m zu [Flemming, 2001]. Um die
Abhängigkeit der mittleren Windgeschwindigkeit von der geographischen Höhe zu er-
mitteln, standen Messdaten von verschiedenen sächsischen Messstationen (vornehmlich
DWD-Stationen) zur Verfügung. Die Stationen decken einen Bereich von 144 m über
NN (Leipzig-Schkeuditz) bis 1213 m über NN (Fichtelberg) ab, wobei die Mehrzahl der
Stationen in einem Bereich von ca. 140 - 450 m über NN liegen. Die Abhängigkeit der
Windgeschwindigkeit von der Höhe über NN wurde mit Hilfe einer linearen Korrelati-
on ermittelt. Der aus den zur Verfügung stehenden Daten ermittelte Korrelationsfaktor
betrug 0,788. Mittels der unten aufgeführten Formel 5.6, die sich aus der Korrelation
ergab,
vw = 2, 3016 + 0, 00545 · h (5.6)

vw = Windgeschwindigkeit [m/s]
h = Höhe [m über NN]

59
Erweiterung und Anwendungsprogrammierung für IMMIKART-GIS

wurde die Windgeschwindigkeit in Höhenabstufungen von 100 m berechnet. Durch die


Ergebnisse der Berechnungen mit Formel 5.6 lassen sich die Aussagen von Flemming
(2001) bestätigen. Die Abbildung 7 zeigt die Korrelation der Windgeschwindigkeit in
Abhängigkeit von der Höhe über NN, bei einem Konfidenzintervall von 95 %. Deutlich
zu erkennen ist die Häufung der Stationen im Bereich von 150 - 450 m über NN.
Durch die komplexen meteorologischen Bedingungen, die im Bereich von großflächigen
Wäldern herrschen, ist für diese Flächen MLuS 02 im Grunde genommen nicht anwend-
bar. Um für diese Bereiche Aussagen mit dem Algorithmus von MLuS 02 machen zu
können, wurde die Rauhigkeit in Abhängigkeit von der Landnutzung in die Berechnung
der mittleren Windgeschwindigkeit einbezogen. Für die Berechnung nach Formel 5.7
wurde davon ausgegangen, dass sich die mittlere Windgeschwindigkeit in einer Höhe
von 100 m Höhe über Grund bei sonst gleichen Bedingungen über Wald nicht mehr von
der über Freiland in der selben Höhe unterscheidet. Die Angaben der Messstationen be-
züglich der Windgeschwindigkeiten werden üblicherweise für eine Höhe von 10 m über
Grund in Freiland gemacht. Ausgehend von diesen Annahmen erfolgte die Berechnung
mittels der Formel von Davenport.

 c
h1
v1 = v0 (5.7)
h0

v1 = zu berechnende Windgeschwindigkeit [m/s] in der Höhe h1 [m]


v0 = bekannte Windgeschwindigkeit [m/s] in der Höhe h1 [m]

Der Exponent c repräsentiert eine von der Bodenrauhigkeit bestimmte Konstante. Der
Wert der Konstante für Wald wurde entsprechend Häckel (1999) auf 0,4 und der für
Freiland auf 0,12 gesetzt. Aus den Ergebnissen dieser Berechnungen (Tabelle 13) läßt
sich ein Faktor von ca. 0,5 zwischen der Windgeschwindigkeit im Wald und der Wind-
geschwindigkeit über Freiland in 10 m Höhe über Grund ableiten.

60
Erweiterung und Anwendungsprogrammierung für IMMIKART-GIS

Höhe in [m] Windgeschwindigkeit [m/s] Höhe in [m] über Grund


über NN Wald Wald Freiland Freiland
(h = 10 m) (h = 100 m) (h = 10 m) (h = 100 m)

100 1,35 3,39 2,57 3,39


200 1,64 4,11 3,12 4,11
300 1,92 4,83 3,66 4,83
.. .. .. .. ..
. . . . .
1200 4,50 11,30 8,57 11,30
1300 4,78 12,01 9,11 12,01

Tabelle 13: Windgeschwindigkeiten in 10 und 100 m Höhe über Freiland und über Wald
(Aus Gründen der Übersichtlichkeit wurden nicht alle Daten dargestellt!)

5.2 Erweiterung von IMMIKART-GIS

Mit der Version 2.0 des Programmsystems IMMIKART-GIS wurde die Integration in
das GIS-System ArcGIS™ 8.x bewerkstelligt. Die Portierung des Programmsystems in
ArcGIS™ 8.x wurde wegen der Migration von ArcView GIS™ 3.2 auf ArcGIS™ 8.2 durch
das LfUG notwendig. Im Rahmen des Projektes wurde die dem Programmsystem zu
Grunde liegende PM10 -Emissionsbestimmung entsprechend dem Stand der Technik an-
gepasst. Dies wurde notwendig, da sich die Formel 4.2, wie in Lohmeyer et al. (2001)
beschrieben, nicht ohne weiteres auf Deutschland übertragen läßt. Gründe dafür sind
unter anderem die hohen Staubbelastungen der Straßen während der Durchführung der
Emissionsmessungen. Die in den USA ermittelten Werte lassen sich nicht ohne Korrek-
turen auf Deutschland anwenden, da die Messungen unter amerikanischen Luftfeuchte-
verhältnissen durchgeführt wurden. Ein weiterer entscheidender Nachteil der Formel 4.2
ist ihre Beschränkung auf trockene Straßen [Lohmeyer et al., 2001]. Daher wurde durch
das Ingenieurbüro Lohmeyer ein Berechnungsverfahren entwickelt, welches neben den
Emissionen aus dem Auspuff auch die Emissionen aus Abrieb und Aufwirbelung infolge

61
Erweiterung und Anwendungsprogrammierung für IMMIKART-GIS

von Reifen-, Brems- und Kupplungsabrieb, Straßenabrieb und Aufwirbelung von Stra-
ßenstaub integriert und den Anteil der Regentage berücksichtigt (Formel 5.8) [Lohmeyer
et al., 2001].
 
1
eAb+Auf
P M10
0,52
= a · k · (sL) ·W 2,14
(1 − 0, 5 · r) − eAuspuf
P M10
f
(2000) (5.8)
0, 85
wobei

eAuspuf
P M10
f
(2000)= 0,016 g/km für PKW (inkl. lNfz) und 0,492 g/km für LKW

a [-] = Korrekturfaktor für die Anwendung auf Straßen in Deutschland


r [-] = Anteil der Regentage eines Jahres

Formel 5.8 wird für nicht überdeckelte Straßen verwendet, wobei es wegen der in der
Formel enthaltenen Unsicherheiten ausreichend ist, als Bezugsjahr der Messungen immer
das Jahr 2000 anzusetzen [Lohmeyer et al., 2001].
Das modulare System von IMMIKART-GIS wurde in der Version 2.0 um ein Modul
zur Berechnung von linienhaften Immissionsbelastungen entlang von Bundesstraßen und
Autobahnen außerhalb von Ortschaften erweitert. Die Berechnung der Immissionsbelas-
tungen erfolgt mittels des in MLuS 02 beschriebenen einfachen Ausbreitungsmodells auf
der Basis von linienförmigen Emissionen entsprechend den Daten des Emissionskatasters
Sachsen.

5.3 Anwendungsprogrammierung

Bei der Programmierung von IMMIKART-GIS wurde neben der Integration der neues-
ten wissenschaftlichen Erkenntnisse besonderes Augenmerk auf die Nutzeroberfläche ge-
richtet, um die Bedienung und die Verwaltung von Ergebnisdaten gegenüber den Vor-
läuferversionen weiter zu verbessern und so einfach wie möglich zu gestalten. Ergebnis
dieser Bemühungen ist das Plugin IMMIKART-GIS 2.0, welches in die Oberfläche von
ArcMap™ eingebunden wird.

62
Erweiterung und Anwendungsprogrammierung für IMMIKART-GIS

Durch die Möglichkeit, Funktionserweiterungen in der Produktfamilie von ArcGIS™ über


COM8 -Programmierung zu realisieren, war eine der Grundüberlegungen in dem Projekt
die Wahl der Programmiersprache. Die programminterne Makrosprache Visual Basic
for Applications (VBA) schied von Anfang an aus, da ein Plugin erzeugt werden muss-
te, welches unabhängig von ArcMap™-Dokumenten in die Anwendung geladen werden
kann. Visual Basic (VB) als objektorientierte Programmiersprache stellt die am besten
durch ESRI™ dokumentierte Sprache dar. Die zur Programmierung in VB benötigte Pro-
grammierumgebung stand jedoch nicht zur Verfügung und so wurde aus Gründen der
Zweckmäßigkeit Delphi™ 6 mit der Programmiersprache ObjectPascal für die Umsetzung
des Projektes gewählt. Um die Dateistruktur der Eingangs- und Ausgabedateien wei-
testgehend beibehalten zu können, wurden in den Strukturen nur minimale Änderungen
vorgenommen und alle aus den Vorgängerversionen bekannten Dateiformate beibehal-
ten. Durch Veränderungen im Emissionskataster Sachsen änderte sich die Struktur der
Eingangsdateien sowohl für die flächenhaften als auch für die linienhaften Emissionen,
was bei der Programmierung berücksichtigt werden musste.

5.3.1 Das Modul IMMIKART Teil 1

Abb. 8: Dialogfelder des Moduls IMMIKART Teil 1

Im Modul IMMIKART Teil 1 werden, wie in Kapitel 4.1.2 auf Seite 42 beschrieben,
die flächenhaften Immissionsbelastungen für die Jahresmittel- und die 98-Perzentilwerte

8
COM steht für Component Object Model, ein von Microsoftr definierter Standard für die Kommu-
nikation und Steuerung von Softwarekomponenten. COM ist unabhängig von Programmiersprachen.

63
Erweiterung und Anwendungsprogrammierung für IMMIKART-GIS

der Schadstoffe SO2 , O3 und Schwebstaub berechnet (Abbildung 8). Dabei besteht die
Möglichkeit, die Schadstoffe einzeln oder auch in Kombinationen zu untersuchen. Falls
mehrere Komponenten ausgewählt werden, erfolgt die Berechnung für alle ausgewählten
Komponenten ohne Unterbrechung. Als Eingangsdatei dient eine ASCII-Datei, welche
die Immissionsmesswerte an den Messstationen im jeweiligen Bezugsjahr beinhaltet. Die
Berechnung kann man in einer automatisch geöffneten „DOS-Box“ verfolgen, eventuell
auftretende Fehler werden hier auch ausgegeben. Nach erfolgreicher Berechnung der Im-
missionsbelastungen wird eine Erfolgsmeldung ausgegeben. Die Ergebnisse werden im
Immissionsshape Flächen (ESRI™-Shapefile) abgelegt, wobei für jede Schadstoffkompo-
nente eine Spalte vorgesehen ist. Nicht berechnete Komponenten sind mit einer Ausfall-
kennung (-999) versehen. Falls im gleichen Projekt eine Neuberechnung erfolgt, werden
die entsprechenden Spalten überschrieben [Lohmeyer et al., 2003b].

5.3.2 Das Modul IMMIKART Teil 2

Abb. 9: Dialogfelder des Moduls IMMIKART Teil 2/LASAT -Export

Der zweite Teil von IMMIKART-GIS beinhaltet die Vorbereitung der Eingangsdaten
aus dem Emissionskataster für die Erzeugung und den Export der LASAT -Inputdateien.
Für die Schadstoffe PM10 und Ruß kommen dabei die in Kapitel 5.2 aufgeführten Be-
rechnungen gewichtet nach Innerorts- und Außerorts-Anteil zum Einsatz. Im Ergebnis
des LASAT -Exports werden die Dateien Quellen.def und Staerke.def angelegt. In ih-
nen werden sowohl die Namen, Positionen und Ausdehnungen der Quellen als auch die
Quellstärken angegeben. Wie in Abbildung 9 zu sehen, ist dieser Arbeitsschritt komplett

64
Erweiterung und Anwendungsprogrammierung für IMMIKART-GIS

automatisiert und läuft nach Start des Prozesses völlig im Hintergrund ab. Der Arbeits-
fortschritt läßt sich anhand eines Laufbalkens verfolgen. Nachdem die LASAT -Rechnung

Abb. 10: Dialogfeld für den LASAT -Import

separat durchgeführt wurde, werden die errechneten Schadstoffkonzentrationen im zwei-


ten Schritt des Moduls IMMIKART Teil 2 wieder in das Programm importiert und
entsprechend den in Kapitel 4.2.4 auf Seite 55 beschriebenen Algorithmen an die vorlie-
genden Messwerte angepasst. Da NO2 einen nichtinerten Schadstoff darstellt, muss dabei
die in Kapitel 2.3.1 angeführte Parametrisierung nach Romberg et al. (1996) berücksich-
tigt werden. Der Zusammenhang zwischen der NO2 - und der NOx -Gesamtbelastung wird
aus der Regressionskurve für die Umwandlungsrate NO2 /NOx (Abbildung 11) ermittelt.
Die Anpassung an die Messwerte erfolgt über eine Verschneidung der LASAT -Ergebnisse
mit den Messwerten in der Messwertedatei. Die Ergebnisse werden in dem schon in
Kapitel 5.3.2 genannten Immissionsshape Flächen gespeichert.

5.3.3 Das Modul IMMIKART_Außerortsstraßen

Während die beiden zuvor vorgestellten Module durch das Ingenieurbüro Lohmeyer pro-
grammiert wurden, erfolgte parallel dazu die Umsetzung des dritten Moduls durch den
Autor selbst. Das Modul IMMIKART_Außerortsstraßen von IMMIKART-GIS gliedert
sich in einen ersten Teil zur Berechnung der Zusatzbelastung (Seite 66) und einen zweiten
Teil zur Berechnung der Gesamtbelastung (Seite 68) an Straßenabschnitten. Innerhalb
dieses Moduls können sowohl die Jahresmittel- als auch die Perzentilwerte der folgenden
Schadstoffkomponenten betrachtet werden: NO2 , PM10 , Benzol und Ruß.

65
Erweiterung und Anwendungsprogrammierung für IMMIKART-GIS

Abb. 11: NO2 /NOx -Verhältnis (Konversionsrate) in Abhängigkeit von der NOx -
Immission für Jahresmittel- (oben) und 98-Perzentilwerte (unten) [Romberg
et al., 1996]

Ermittlung der Zusatzbelastung

Für die Berechnung der Zusatzbelastung an Straßenabschnitten wurde in diesem Mo-


dul der in Kapitel 5.1 beschriebene Algorithmus für die Schadstoffausbreitungsrechnung
implementiert. Mittels dieser Implementierung ist es möglich, die Zusatzbelastung an
Straßen außerhalb von Kreuzungsbereichen und Ortschaften in den Abständen von 10 m,
25 m, und 100 m zu berechnen. Eine Berechnung der Schadstoffbelastungen entlang von
Straßen ist mit der Gleichung 5.3 für Abstände bis 200 Meter vom Fahrbahnrand mög-
lich. Die in diesem Modul festgelegten Abstände wurden vom LfUG als Auftraggeber

66
Erweiterung und Anwendungsprogrammierung für IMMIKART-GIS

Abb. 12: Dialogfelder des Moduls IMMIKART_Außerortsstraßen

festgelegt. Die Grundlage für die Berechnungen bildet die Datei Emi_S.shp, die wieder-
um aus dem Emissionskataster Sachsen generiert wird. Die Struktur dieser Datei ist im
Anhang auf Seite 98 zu finden. Um die Zusatzbelastung ermitteln zu können, müssen
entsprechend den Kapiteln 4.2.2 und 4.2.3 die verkehrsbedingten Emissionen von PM10
und Ruß ermittelt werden. Im nächsten Schritt erfolgt eine Verschneidung der Geome-

Abb. 13: Verschneidungspunkte - Prinzipskizze aus [Lohmeyer et al., 2003b]

trien, bei der der in ArcGIS™ eingebundene „Geoprozessor“ angesprochen wird. Bei der
Art der Verschneidung handelt es sich um den Typ „Intersection“ (Überschneidung).
Die Abbildung 13 skizziert die Wirkungsweise der Verschneidung. Der Vorteil dieser Art

67
Erweiterung und Anwendungsprogrammierung für IMMIKART-GIS

der Verschneidung liegt darin, dass die Ergebnisdatei die kombinierten Attributdaten
der beiden Ausgangsdateien enthält und dabei die Polygonzüge an den Grenzen der
einzelnen Rasterboxen (siehe Kapitel 4.1.1) zerschnitten werden. Dabei entstehen neue
Geoobjekte, die ihre Attributierung aus den Eingabewerten der Urspungsdateien ent-
nehmen. Durch die Kombination mit den Daten der Rasterfläche ist es möglich, den
Straßenzügen in einer Box die entsprechende mittlere Windgeschwindigkeit zu zuwei-
sen. Die Abbildung 14 zeigt den vereinfachten Prozessablauf für die Berechnung der
Zusatzbelastung an Außerortsstraßen.

Abb. 14: Flussdiagramm für die Berechnung der Zusatzbelastung

Ermittlung der Gesamtbelastung

Die Gesamtbelastung an den einzelnen Straßenabschnitten ergibt sich aus einer Überla-
gerung der Immissionswerte des Flächenrasters und der wie oben berechneten Zusatz-
belastung in Abhängigkeit vom Abstandswert. Die Zuordnung der zu überlagernden
Werte erfolgt eineindeutig über die Zugehörigkeit sowohl des „flächigen“ als auch des „li-
nearen“ Belastungswertes entlang des Straßenabschnittes zu einem bestimmten Raster.
Durch diese einfache Überlagerung der Immissionswerte wird eine konservative Abschät-
zung der Gesamtimmissionen vorgenommen. Konservativ ist diese Abschätzung, da in

68
Erweiterung und Anwendungsprogrammierung für IMMIKART-GIS

Abb. 15: Dialogfeld des Moduls IMMIKART_Außerortsstraßen/Gesamtbelastung

den flächendeckenden Rasteremissionen bereits die Emissionen der betrachteten Straßen


enthalten sind.
Da das Raster mit einer Auflösung von 2,5 x 2,5 km jedoch recht grob ist, wird in den
Immissionskarten der Beitrag einzelner Straßen auf die große Fläche verteilt, sodass das
Vorgehen im Sinne einer konservativen Abschätzung vertretbar erscheint. Gegebenenfalls
sollte im Einzelfall eine Prüfung auf Plausibilität erfolgen [Lohmeyer et al., 2003c]. Wie
in Abbildung 15 zu sehen, wird die Berechnung der Gesamtbelastung durch Drücken
des Buttons „Start GB“ gestartet. Dabei werden, wie auch bei der Berechnung der Zu-

Abb. 16: Flussdiagramm für die Berechnung der Gesamtbelastung

satzbelastung, keine Schadstoffe explizit ausgewählt, sondern die Gesamtbelastung für

69
Erweiterung und Anwendungsprogrammierung für IMMIKART-GIS

alle Schadstoffe berechnet. Sollte zuvor die Zusatzbelastung im Immissionsshape Straße


oder die Immission im Immissionsshape Fläche nicht berechnet worden sein, wird eine
Ausfallkennung in die Spalte des jeweiligen Schadstoffes geschrieben. Eventuell schon
vorhandene Ergebnisse für die Gesamtbelastung werden bei einer Neuberechnung der-
selben nach einer Sicherheitsabfrage überschrieben. Das Flussdiagramm für diesen Teil
des Moduls IMMIKART_Außerortsstraßen ist in der Abbildung 16 dargestellt.

5.3.4 Ergebnisdarstellung

Abb. 17: Dialogfeld von IMMIKART-GIS 2.0 /Ergebnisdarstellung

Für die Ergebnisdarstellung wurde ein Dialog (Abbildung 17) erstellt, welcher für den
ausgewählten Schadstoff eine mit dem Auftraggebern abgesprochene Legende auf das
entsprechende Shape anwendet (Fläche oder Straße) und innerhalb von ArcMap™ einen
Layer erzeugt. Diese Layer können seperat abgespeichert werden und im Folgenden für
das Berichtswesen oder die Bereitstellung für die Öffentlichkeit im Internet mittels ge-
eigneter Mapserver (z. B. ArcIMS™ oder UMN MapServer9 ) verwendet werden. Zum

9
Bei dem UMN MapServer handelt es sich um eine kostenlose OpenSource-Entwicklung der University
of Minnesota, die die Darstellung von Daten mit Raumbezug im Internet ermöglicht. Als Betriebs-
systeme lassen sich verschiedene UNIX-Derivate sowie Windows NT/98/95 einsetzen.

70
Erweiterung und Anwendungsprogrammierung für IMMIKART-GIS

jetzigen Zeitpunkt (11.11.2003) werden auf der Website des LfUG´s statische Karten
für die Immissionsbelastungen von 2002 zur Verfügung gestellt. Bei der Darstellung der
Immissionsbelastung an Straßen kann zwischen der Gesamtbelastung und der Zusatz-
belastung unterschieden werden. Weiterhin besteht die Möglichkeit, die Belastungen in
Abhängigkeit vom Abstand zu den entsprechenden Straßenabschnitten darzustellen. Die
Abbildung 18 soll einen Eindruck von den sich ergebenden Immissionskarten vermitteln,
die sich auch im aktuellen Jahresbericht zur Immissionssituation wiederfinden.

Abb. 18: Jahresmittelwerte der NO2 -Konzentration in Sachsen 2002

71
Sensitivitätsstudie für IMMIKART-GIS

6 Sensitivitätsstudie für IMMIKART-GIS


Modelle sind lediglich ungenaue Abbilder der Wirklichkeit. Bei der Entwicklung von
Modellen wird im Allgemeinen versucht, die reale Situation so genau wie möglich darzu-
stellen, so auch in IMMIKART-GIS. In den früheren Versionen des Programmsystems
IMMIKART-GIS (z. B. Version 1.0) erfolgte die Ausbreitungsberechnung für NO2 mit
Hilfe eines geostatistisch-empirischen Verfahrens (siehe Kapitel 4.1). Dabei wurden al-
le Messstationen in die Interpolation einbezogen, wobei entsprechend Kapitel 4.1.2 an
Verkehrsmessstationen mittlere Korrekturen angebracht wurden. Im Rahmen der Wei-
terentwicklung zur Version 2.0 erfolgte die Umstellung des Berechnungsverfahrens für
die NO2 -Belastung auf die in Kapitel 4.2.4 beschriebene Vorgehensweise. Im Kapitel 6.1
werden Möglichkeiten aufgezeigt, um die Güte der Berechnung festzustellen. Das darauf
folgenden Kapitel 6.2 und seine Unterkapitel beschäftigen sich näher mit dem Verfahren
der Kreuzvalidierung.

6.1 Vorbetrachtung

Um die Qualität eines Interpolationsverfahrens oder einer Ausbreitungsrechnung zu


überprüfen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die graphische Darstellung, in Form
der Immissionskarten für Sachsen, als Ergebnis der Berechnungen des Programmsys-
tems IMMIKART-GIS erlaubt zum einen eine visuelle Plausibilitätsprüfung des Kar-
tenmaterials und zum anderen die Überprüfung mittels nummerischer Verfahren, wie
der Kreuzvalidierung. Bei beiden Verfahrensweisen ist eine genaue Kenntnis des Berech-
nungsverfahrens notwendig, um die Immissionssituation richtig einschätzen zu können.
In den beiden folgenden Kapiteln sollen die Ergebnisse der Kreuzvalidierung der Module
IMMIKART Teil 2 und Teil 1 dargestellt werden. Das Kapitel 6.3 beschäftigt sich mit
dem Vergleich der Ergebnisse aus den Modulen IMMIKART Teil 1 und Teil 2, wobei
hier auch eine visuelle Plausibilitätsprüfung erfolgt.

72
Sensitivitätsstudie für IMMIKART-GIS

6.2 Kreuzvalidierung

Bei der Bestimmung der Qualität der Berechnungen wurden die Ergebnisse der Mo-
dellierung mit den Ergebnissen der stationären Messungen von 2002 verglichen und die
Abweichungen von den wirklichen Belastungen ermittelt. Das eingesetzte Verfahren wird
als Kreuzvalidierung bezeichnet, da die realisierten Werte an den Messstationen mit den
geschätzten Werten verglichen werden, wenn man die Station bei der Schätzung nicht
berücksichtigt. Im Ergebniss der Kreuzvalidierung wird der mittlere quadratische Fehler,
auch M SE (Mean Squared Error) genannt, ermittelt. Der M SE kann zur Bestimmung
der Unsicherheit der Beurteilungsgrößen der Luftqualität verwendet werden. Die Berech-
nung des M SE erfolgt über die folgende Formel.
N T
!
1 X 1 Xh i2
M SE = · · Mi,t − R̂i,t (6.1)
N i=1 T t=1

Dabei bedeutet:

N = Anzahl der Messstationen


Mi,t = gemessener Wert an der Messstation i=1,. . . ,N zum Zeitpunkt t=1,. . . ,T
R̂i,t = gewichteter Ergebniswert an der Messstation i=1,. . . ,N zum Zeitpunkt
t=1,. . . ,T

Wie aus der Formel 6.1 zu erkennen ist, werden Zeitreihen der Mess- und Ergebnis-
werte miteinander verglichen. Im Rahmen der hier vorliegenden Arbeit standen keine
Zeitreihen zur Verfügung. Da das Programmsystem IMMIKART-GIS auf die Berech-
nung von Jahresmittel- und Perzentilwerten ausgerichtet wurde und somit nur jeweils
ein Mess- und Ergebniswert pro Messstation vorliegen, musste die Formel 6.1 angepasst
werden. Das Ergebnis der Anpassung ist die Formel 6.2, die der Varianz v entspricht.
Im Folgenden steht M SE für die Varianz v.
N
1 X
M SE = · [Mi − Ri ]2 (6.2)
N i=1
v
u
u1 X N
σ = t · [Mi − Ri ]2 (6.3)
N i=1

73
Sensitivitätsstudie für IMMIKART-GIS

Dabei bedeutet:

Mi = gemessener Wert an der Messstation i=1,. . . ,N


Ri = berechneter Wert an der Messstation i=1,. . . ,N
σ = Standardabweichung

Durch Radizieren der Formel 6.2 erhält man die Standardabweichung σ (Formel 6.3),
welche im Folgenden ebenfalls aufgeführt werden soll und ein Maß für die Streuung
darstellt. Die Standardabweichung hat gegenüber der Varianz den Vorteil, dass sie die
gleiche Einheit wie die ursprünglichen Messwerte besitzt.

6.2.1 Das Modul IMMIKART Teil 1

In der Version 1.0 des Programmsystem IMMIKART-GIS wurde die NO2 -Belastung im
Modul IMMIKART Teil 1 mit Hilfe eines geostatistisch-empirischen Verfahrens auf die
Fläche übertragen. Bei diesem Verfahren werden, wie in Kapitel 4.1.2 beschrieben, al-
le vorhandenen Messstationen berücksichtigt. Bei der Aufbereitung der Eingangsdaten
erfolgt dabei eine Korrektur der Konzentrationen an den Stationen der Messtellenklas-
sen 3, 4, 6 und 7 entsprechend den empirischen Vorbetrachtungen in Lohmeyer et al.
(1999). Der Schadstoff PM10 konnte an dieser Stelle nicht berücksichtigt werden, da die-
ser Schadstoff in der Programmversion 1.0 bereits über das Modul IMMIKART Teil 2
berechnet wurde. Mit der Umsetzung von IMMIKART-GIS 2.0 änderte sich das Berech-
nungsverfahren folglich nur für NO2 , nicht aber für PM10 .
Die Abbildung 19 zeigt eine Gegenüberstellung der Mess- und Rechenwerte für das
Jahr 2002. Die berechneten Werte wurden durch das geostatistisch-empirische Verfah-
ren aus dem Modul IMMIKART Teil 1 ermittelt. Wie in der Abbildung 19 zu sehen
ist, werden an allen Messstationen der Klassen 3, 4, 6 und 7 mit dem Modul niedrigere
Konzentrationen berechnet als gemessen wurden. Dies ist auch zu erwarten, da diese
Messstellen durch lokale Emittenten kleinräumig beeinflusst sind, IMMIKART-GIS je-
doch die Hintergrundbelastung in einer 2,5 x 2,5 km großen Rasterfläche berechnet. Im
Mittel liegen die berechneten Hintergrundkonzentrationen in den Rasterflächen für die

74
Sensitivitätsstudie für IMMIKART-GIS

Abb. 19: Gegenüberstellung der Mess- und Rechenwerte 2002 für NO2 -I1, berechnet mit
IMMIKART-GIS 1.0

Stationen der Messstellenklassen 3 und 4 um ca. 17 % und für die Messstellenklassen 6


und 7 um ca. 31 % unterhalb der Messwerte. Eine gute Übereinstimmung zwischen den
Mess- und Rechenwerten, wird an den Hintergrundmessstellen (Messstellenklasse 1 für
Freiland, Messstellenklassen 2 und 5 für städtischen Hintergrundwert) erwartet, da die
Rechenwerte eben diese Hintergrundwerte darstellen sollen. Die Abweichungen für die
Stationen Mittelndorf und Zinnwald erklären sich aus den Waldkorrekturfaktoren, die
bei diesen beiden Stationen zum tragen kommen (siehe Tabelle 9). Aus den Stationen
der Messstationsklasse 1 sticht der Rechenwert für die Station Radebeul heraus. Der um
ca. 23 % höhere Messwert resultiert aus der räumlichen Nähe der Station Radebeul zur
Stadt Dresden. Durch die Korrekturen, die in Verbindung mit der Radialinterpolation
für Freilandstationen die sich in der Nähe von verkehrsbeeinflussten Stationen befinden
angewendet werden, ergibt sich der berechnete Wert für die Station Radebeul zu 75 %
aus dem entfernungsgewichteten Mittelwert aller Stadtstationen und zu 25 % aus dem
zugehörigen mittleren Umlandwert der Stadtstationen.
Durch den Einsatz des geostatistisch-empirischen Verfahren gelingt es, die Messwerte

75
Sensitivitätsstudie für IMMIKART-GIS

Schadstoff Stationen M SE M RA in [%] σ in [µg/m3 ]

NO2 10 17,47 19,59 4,18

Tabelle 14: Mittlerer quadratischer Fehler (Mean Squared Error M SE) und Mittlere
Relative Abweichung (M RA) bei der Kreuzvalidierung für NO2 -I1 im Modul
IMMIKART Teil 1

an den einzelnen Messstationen relativ gut zu treffen. Um die Genauigkeit dieses Ver-
fahrens für das gesamte Gebiet von Sachsen zu überprüfen, wurde die Kreuzvalidierung
durchgeführt (Tabelle 14 und Abbildung 20).
Mit der Abbildung 20 soll die Schwankung der bei der Kreuzvalidierung ermittelten Wer-
te um das Optimum (Funktion y = f (x) = x) dargestellt werden. Aus dieser Abbildung
ist gut zu erkennen, welche Messtellenklassen unter- oder überschätzt werden, wobei die
zuvor getroffenen Aussagen bestätigt werden. Für die Darstellung der Klassen 3, 4, 6
und 7 wurde die Farbe Grau gewählt, da an diesen Stationen die Gesamtbelastungen (in-
kl. Beitrag nahegelegener Emissionsquellen) gemessen werden, die sich nicht direkt mit
den gerechneten Vorbelastungswerten vergleichen lassen. Daher werden diese Messtel-
lenklassen nur informativ aufgeführt. Die Zahlenwerte der Beschriftungen entsprechen
der Reihenfolge der Messtationen in Abbildung 19, gezählt von links nach rechts. Diese
Vorgehensweise findet sich auch bei den nachfolgenden Abbildungen im Rahmen der
Sensitivitätsstudie wieder.
Bei der Analyse der in Abbildung 20 graphisch dargestellten Werte wurden für das in
IMMIKART Teil 1 angewendete Verfahren die in Tabelle 14 aufgeführten Ergebnisse
hinsichtlich der Güte des Verfahrens ermittelt. In Tabelle 21 (im Anhang) sind die be-
rechneten Werte mit und ohne Kreuzvalidierung aufgeführt. Dabei wurden nur diejenigen
Stationen betrachtet, an denen Hintergrundbelastungswerte berechnet werden.

6.2.2 Das Modul IMMIKART Teil 2

Wie in Kapitel 4.1.2 beschrieben, stellen die Stationen der Messstellenklassen 3, 4, 6


und 7 Stationen mit starkem bzw. sehr starkem Einfluss von benachbarten Emittenten

76
Sensitivitätsstudie für IMMIKART-GIS

Abb. 20: Für das Modul IMMIKART Teil 1 ermittelte Schwankung der mittels Kreuzva-
lidierung berechneten und der gemessenen Werte für NO2 -I1 um das Optimum

dar. Da diese Stationen bei dem automatischen Abgleich der berechneten Hintergrund-
belastungswerte mit den gemessenen Werten zu Verzerrungen des Ergebnisses führen
würden, sind diese Stationen von dem Abgleich ausgeschlossen. Weiterhin werden die
Stationen außerhalb von Sachsen nicht abgeglichen, da das Verfahren nur für das Gebiet
von Sachsen Gültigkeit besitzt. Diese Ausschlüsse haben zur Folge, dass von den 26 Sta-
tionen, die für das Jahr 2002 zur Verfügung standen, maximal 13 bei der Verschneidung
der berechneten mit den gemessenen Immissionsdaten berücksichtigt werden. Da jedoch
nicht an allen zur Verfügung stehenden Messstationen die Schadstoffkomponenten NO2
und PM10 gemessen werden, reduziert sich die Anzahl der berücksichtigten Stationen
bei NO2 auf 10 und bei PM10 auf 5. Die an den entsprechenden Stationen gemessenen
als auch berechneten Werte finden sich für NO2 in Tabelle 20 und für PM10 in Tabelle
22, die sich im Anhang befinden. Die Ergebnisse der Kreuzvalidierung sind in Tabelle 15

77
Sensitivitätsstudie für IMMIKART-GIS

zu finden.

Schadstoff Stationen M SE M RA in [%] σ in [µg/m3 ]

NO2 10 15,85 14,03 3,98


PM10 5 3,66 8,82 1,91

Tabelle 15: Mittlerer quadratischer Fehler (Mean Squared Error M SE) und Mittlere
Relative Abweichung (M RA) bei der Kreuzvalidierung für NO2 und PM10
im Modul IMMIKART Teil 2

NO2

Abb. 21: Für das Modul IMMIKART Teil 2 ermittelte Schwankung der mittels Kreuzva-
lidierung berechneten und der gemessenen Werte für NO2 -I1 um das Optimum

Abbildung 21 zeigt die Schwankung von gemessenem und mittels Kreuzvalidierung be-
rechnetem Wert der sächsischen Stationen für NO2 -I1 um das Optimum, welches sich bei

78
Sensitivitätsstudie für IMMIKART-GIS

Übereinstimmung der X (gemessene Werte)- und Y-Werte (berechnete Werte) einstel-


len würde. Die Klassifizierung entspricht der in Kapitel 4.1.2 auf Seite 43 aufgeführten
Messstellenklassen. Anhand der Verteilung der Werte läßt sich bereits erkennen, dass
die Rechenwerte an den hier nur informativ dargestellten Stationen der Klassen 3, 4,
6 und 7 im Ergebnis der Berechnung erwartungsgemäß niedriger liegen als die Mess-
werte (siehe Absatz 2 in Kapitel 6.2.1). Mit dem Programmsystem IMMIKART-GIS
wird die Hintergrundbelastung mit einer räumlichen Auflösung von 2,5 x 2,5 km be-
rechnet und Messstellen der Klassen, die Stationen mit Verkehrsbelastungen darstellen,
werden aufgrund der kleinräumigen Konzentrationsänderungen unterschätzt. Die nied-
rigeren Messwerte resultiert aus den mittleren Korrekturen an den Verkehrsmessstatio-
nen entsprechend Kapitel 4.1.2. Das Diagramm zeigt deutlich, dass die Stationen der
Messstellenklassen 1 und 2 am nächsten zum Optimum liegen. Die Werte an den groß-
städtischen Hintergrundstationen (Messstellenklasse 5) werden bei einem Wegfall der
Stationen als zu hoch dargestellt. Ausdruck eines sehr homogenen großräumigen Hin-
tergrundwertes in Sachsen ist, dass die Stationen der Klasse 1 sehr nahe am Optimum
liegen. Die Ergebnisse der Kreuzvalidierung an den Stationen Collmberg, Mittelndorf
und Schwartenberg und die Auswirkungen auf die restlichen sächsischen Stationen sind
im Anhang zu finden (Abbildung A 34 - A 36). Damit erfüllt das Modul die gestellten
Anforderungen. In der Abbildung 22 sind die Messwerte des Jahres 2002 den berechneten
Werten gegenübergestellt.
Eine Ausnahme innerhalb der Klasse 1 stellt die Station Radebeul-Wahnsdorf dar. Diese
Station wurde aufgrund der Messstationscharakteristik und der Landnutzung 1 (Frei-
land) der Klasse 1 zugeordnet. Bedingt durch die Randlage zu Dresden tritt im Verhält-
nis zu den anderen Stationen der Klasse 1 im Nahbereich dieser Stationen ein relativ
hoher Gradient der Emissionswerte und damit auch der Immissionswerte auf. Um in die-
sen Bereichen einen moderate Abschätzung der Immissionswerte zu realisieren, wird aus
den LASAT -Berechnungen von vier umliegenden Rasterboxen der entfernungsgewichtete
Mittelwert gebildet. Der so ermittelte Faktor ist aufgrund des direkten Nebeneinander
von Boxen der Landnutzungskategorie 1 und 3 (Stadt) relativ hoch und führt, da er

79
Sensitivitätsstudie für IMMIKART-GIS

Abb. 22: Gegenüberstellung der Mess- und Rechenwerte 2002 für NO2 -I1

vom realen Messwert subtrahiert wird, zu einer Unterschätzung der Vorbelastung dieser
Rasterbox (10,4 µg/m3 NOx ), verglichen mit der Vorbelastung der anderen Freilandbo-
xen (14,2 µg/m3 NOx ). Die ermittelte Zusatzbelastung für die Rasterbox, in der sich
die Station Radebeul-Wahnsdorf befindet, beträgt 12,2 µg/m3 NOx , woraus sich eine
Gesamtbelastung von 22,6 µg/m3 NOx ergibt. Bei der Kreuzvalidierung für die Station
Radebeul-Wahnsdorf ergibt sich durch die Auslassung dieser Station eine Vorbelastung
von 14,5 µg/m3 NOx und somit eine Differenz von 4,1 µg/m3 und für die Zusatzbelastung
ein Wert von 13,2 µg/m3 . Die Gesamtbelastung beträgt für den Fall der Kreuzvalidie-
rung an der Station Radebeul-Wahnsdorf 27,7 µg/m3 NOx . Nach der Berechnung der
Konversion (siehe Formel 5.1) ergibt sich ein Immissionswert von 15,4 µg/m3 unter Ein-
beziehung der Station und im Rahmen der Kreuzvalidierung ein Wert von 18,2 µg/m3
für den NO2 -Jahresmittelwert (Abbildung A 37).
Die Messwerte der Klassen 3, 4 und 6, 7 werden in jedem Fall mit einem niedrigeren
berechneten Wert (Hintergrundwert) als dem Messwert (Gesamtbelastung) belegt. Dies
resultiert aus der Verkehrsbeeinflussung der Messstationen. Die Klassen 6 und 7 zeigen

80
Sensitivitätsstudie für IMMIKART-GIS

die höchsten verkehrsbedingten Zusatzbelastungen und auch die höchsten Abweichun-


gen bei der Berechnung auf. Die Stationen dieser Klassen werden durchschnittlich um
14,2 µg/m3 unterschätzt. Mit abnehmender Verkehrsbeeinflussung geht auch der mittlere
Fehler der Berechnung deutlich zurück (siehe Tabelle 16).

PM10

Abb. 23: Für das Modul IMMIKART Teil 2 ermittelte Schwankung der mittels Kreuz-
validierung berechneten und der gemessenen Werte für PM10 I1 um das Opti-
mum

Analog zu Abbildung 21 zeigt die Abbildung 23 die Schwankungen der PM10 -Werte um
das Optimum. Wie auch bei NO2 werden an den Stationen mit Messstellenklassen 3,
4 und 6 niedrigere Werte berechnet als gemessen wurden, was in Kapitel 6.2.1 bereits
erläutert wurde. Die Messwerte zeigen hinsichtlich der Kategorien 3, 4, und 6 die gleiche
Charakteristik wie für NO2 . Wie auch bei NO2 geht mit abnehmender Verkehrsbeein-

81
Sensitivitätsstudie für IMMIKART-GIS

flussung der mittlere Fehler der Berechnung deutlich zurück (siehe Tabelle 16).

Kategorien NO2 [µg/m3 ] PM10 [µg/m3 ]

6+7 14,17 10,72


3+4 9,67 6,27
1+2+5 2,52 1,00

Tabelle 16: Mittlerer Fehler entsprechend den Kategoriegruppen für NO2 und PM10

Die hohen mittleren Fehler der Messstellenklassen 3 und 4, sowie 6 und 7 resultieren aus
der Zusatzbelastung, die in disen Messstellenklassen enhalten ist. Da die Zusatzbelastung
an den verkehrsbelasteten städtischen Stationen nicht quantifizert werden kann, ist es
nicht möglich die Vorbelastung zu ermitteln und die Ergebniswerte der Berechnung mit
den Messwerten zu vergleichen (siehe Kapitel 6.2.1).

Abb. 24: Gegenüberstellung der Mess- und Rechenwerte 2002 für PM10 I1

Gut zu erkennen sind hier die hohen gemessenen Gesamtbelastungen an den verkehrsbe-
einflussten Stationen (Dresden-Nord, Görlitz, Leipzig-Mitte und Leipzig-Lützner Stra-
ße). Anhand der Ergebnisse der Kreuzvalidierung lässt sich auch die Bedeutung der

82
Sensitivitätsstudie für IMMIKART-GIS

einzelnen Stationen für die übrigen Messstationen darstellen, wobei für PM10 die Bedeu-
tung der einzelnen Station noch höher ist als bei NO2 , da die Grundgesamtheit aller zur
Verfügung stehenden Stationen für PM10 deutlich geringer ist. Die graphische Darstel-
lung der Ergebnisse der Kreuzvalidierung für PM10 sind im Anhang zu finden (Abbil-
dung A 38 - A 42). Die Abweichungen der berechneten von den gemessenen Werten für
die einzelnen Stationen sind in Abbildung 24 dargestellt.
Aus der Gegenüberstellung in Abbildung 38 geht hervor, dass die berechneten Werte,
an den Stationen die Hintergrundbelastungen messen, sehr gut getroffen werden. Die
Abweichungen an den Stationen mit Verkehrsbeeinflussung (grau dargestellt) resultieren
aus den Zusatzbelastungen (siehe Begründung in Kapitel 6.2.1).

6.3 Vergleich der Module IMMIKART Teil 1 und Teil 2

Durch die Umstellung des Berechnungsverfahrens für die Immissionsbelastung durch


NO2 , welche parallel zu dieser Arbeit durch das Ingenieurbüro Lohmeyer durchgeführt
wurde, sollte eine Verbesserung der Immissionsabschätzung erreicht werden. Der Ver-
gleich der Ergebnisse für die Kreuzvalidierung in den Tabellen 20 und 21 zeigt, dass
dies gelungen ist. Der aus der Kreuzvalidierung resultierende mittlere quadratische Feh-
ler sinkt demnach von 17,5 auf 15,9 und die mittlere relative Abweichung (M RA) von
19,6 % auf 14,0 % durch die Umstellung auf das Verfahren von IMMIKART Teil 2 (Ta-
belle 17). Dieser Wert gibt Auskunft über die Zunahme der Genauigkeit für das gesamte
Rechengebiet an den vorhandenen Hintergrundmessstellen.

Methode entsprechend M SE M RA in [%] σ in [µg/m3 ]

Modul IMMIKART Teil 1 17,47 19,6 4,18


Modul IMMIKART Teil 2 15,85 14,0 3,98

Tabelle 17: Güte der Berechnung für NO2 -I1 unter Verwendung verschiedener Verfahren

Das in IMMIKART Teil 1 eingesetzte Verfahren ist kein exaktes Interpolationsverfahren,


denn durch die Einbeziehung empirischer Korrekturfaktoren für die Landnutzung und

83
Sensitivitätsstudie für IMMIKART-GIS

die Mittelwertbildung für Radialbereiche von Stationen, die sich überschneiden, kön-
nen Abweichungen vom Messwert auftreten. Beispiele dafür sind die Stationen Dresden-
Mitte, Zinnwald und Mittelndorf. In der Tabelle 17 sind alle Vergleichswerte zur besse-
ren Übersicht aufgeführt. Der Vorteil des Verfahrens liegt in der Berücksichtigung aller
Messstationen, was über umfangreiche empirische Vorbetrachtungen erreicht wurde.

Abb. 25: Gegenüberstellung der flächenhaften Immissionsbelastungen für Sachsen


(NO2 -I1); links das Ergebnis mit Modul IMMIKART Teil 1, rechts das Er-
gebnis Modul IMMIKART Teil 2

Das Ergebnis des Verfahrens ist in der Abbildung 25 auf der linken Seite zu sehen. In
der Karte sind sehr gut die aus der Radialinterpolation resultierenden, fast kreisförmigen
Strukturen der Städte zu erkennen. Durch die modellinterne Übertragung des Mittelwer-
tes der Schadstoffbelastung an den Messstationen der Klasse 2 auf die Rasterzellen mit
der Landnutzungskategorie Stadt, die keine eigene Messstelle besitzen (künstliche Mess-
stationen), wird die Aussagefähigkeit der Karte empirisch hoch gesetzt. Desweiteren sind
auch sehr gut die Raster zu erkennen, die durch Landnutzung als Wald gekennzeichnet
sind und mittels der Korrekturfaktoren (Tabelle 9) niedrigere Belastungswerte zuge-
wiesen bekommen als das Freiland. Raster mit der Landnutzung Wald sind durch ihre
dunkelgrüne (Belastung 10-15 µg/m3 ) oder hellblaue Farbe (Belastung 5-10 µg/m3 ), in
Bereichen mit einer allgemein geringeren Belastung für NO2 , gekennzeichnet. Es ist in
der Karte auch festzustellen, dass der Freilandwert in der Berechnung mit dem Modul
IMMIKART Teil 1 zum Teil höher liegt als der in der rechten Karte. Der Nachteil des

84
Sensitivitätsstudie für IMMIKART-GIS

Verfahrens zeigt sich in den Bereichen zwischen den Städten. Im Vergleich zu der Karte
auf der rechten Seite in der Abbildung 25 sind in der Karte auf der linken Seite keine
Strukturen zwischen den Städten zu erkennen.

Abb. 26: visuelle Plausibilitätsüberprüfung der Immissionssituation für NO2 in Sach-


sen 2002;Karte links wie Abb. 25 rechts, Karte rechts inkl. Streckennetz der
Hauptverkehrsstraßen aus [LfUG, 2003]

Auch das in IMMIKART Teil 2 verwendete Verfahren stellt kein exaktes Interpolati-
onsverfahren dar, was aus der Abbildung 22 deutlich hervor geht. Durch die Umstellung
des Berechnungsverfahrens und die Einbeziehung des Ausbreitungsmodells LASAT ist eine
Verbesserung der Genauigkeit der Berechnungen, insbesondere in der räumlichen Diffe-
renzierung, für das gesamte Untersuchungsgebiet festzustellen. Die höhere Genauigkeit
der Berechnung für das gesamte Untersuchungsgebiet durch das Modul IMMIKART
Teil 2 gegenüber IMMIKART Teil 1 findet ihren Ausdruck in der reinen numerischen
Darstellung der Werte (Tabelle 17) und in der Karte auf der rechten Seite der Abbil-
dung 25. Vergleicht man die Karten in der Abbildung 25, so ist in der rechten Karte
eine sehr homogene Schadstoffbelastung der Rasterzellen vom Typ Freiland festzustellen.
Dies resultiert aus der Verwendung des Emissionskatasters für Sachsen bei der Ausbrei-
tungsrechnung im Rahmen von IMMIKART Teil 2. Auf Basis des Emissionskatasters
werden folglich geringere Abweichungen der Schadstoffbelastungen über Wald gegen-
über Freiland berechnet als in Tabelle 9 für die Berechnung in IMMIKART-GIS 1.0
empirisch festgelegt wurden. Ebenso wird das Elbtal im Bereich von Dresden durch die

85
Sensitivitätsstudie für IMMIKART-GIS

Berechnung mit dem Modul IMMIKART Teil 2 (rechte Karte in Abbildung 25) besser
wiedergegeben als durch die Berechnung mit Modul IMMIKART Teil 1 (linke Karte in
Abbildung 25).
Beim Vergleich der beiden Karten in Abbildung 26 zeigt sich, dass die erhöhten Schad-
stoffbelastungen im Flächenraster (linke Karte) mit den Straßenzügen der Autobahnen
übereinstimmen. Dies ist dadurch bedingt, dass das Emissionskataster Sachsen explizit
über eine Ausbreitungsrechnung in die Berechnung einfließt. Es können daher die Struk-
turen zwischen den Großstädten in Sachsen für das Modul IMMIKART Teil 2 verifiziert
werden.

6.4 Rechnung mit verbesserter Datengrundlage

Um die Datengrundlage (Messstellendichte) zu verbessern, kann in Sachsen auf Ergeb-


nisse von Rastermessungen zurückgegriffen werden. Rasterimmissionsmessungen sind
mobile Immissionsmessungen mittels Messwagen. Sie werden zur Erfassung der flächen-
haften Verteilung der Immissionen verwendet. In Sachsen wurden seit 1990 verschiede-
ne Rastermessungen durchgeführt. Dabei wurden als Messpunkte die Gitterpunkte des
1 x 1 km Gauß-Krüger-Koordinatensystems gewählt. An jedem Messpunkt wurden über
das Jahr verteilt insgesamt 26 Halbstundenmessungen vorgenommen. Der Flächenwert
der 1 x 1 km großen Boxen ergibt sich aus dem Mittelwert und dem 98-Perzentilwert der
4 Eckpunkte der Box. Jedem Flächenwert liegen somit 104 Halbstundenwerte zugrunde.
Aufgrund der geringen Datendichte können anhand dieser Messungen keine kurzfristigen
Belastungsituationen erfasst werden.
Für die Rechnung mit verbesserter Datengrundlage wurde die Eingangsdatei um 44
Messfelder erweitert, wobei 42 der Messfelder den Kategorien 1, 2 oder 5 entsprachen.
Überwiegend wurden aber Messpunkter der Klasse 1 (ca. 70 %) verwendet. Einzig der
Messpunkt MP 54_1996 entspricht der Kategorie 6 und der Messpunkt MP 64_2000
entspricht der Kategorie 3 (Abbildung 27). Mit diesen 44 Datensätzen wird ein Zeitraum
von 1996 bis 2001 abgedeckt. Frühere Rastermessungen gingen nicht in die Berechnung
ein, da sie als nicht repräsentativ für die Berechnung eingeschätzt wurden. Das Ergebnis

86
Sensitivitätsstudie für IMMIKART-GIS

der Berechnung mit diesen Daten in Gegenüberstellung zu den Messdaten in den entspre-
chenden Rasterboxen zeigt die Abbildung A 43. Die höhere Datendichte ließ ein besseres
Ergebnis der Berechnungen erwarten. Um die Ergebnisse der Berechnungen mit und oh-
ne Einbeziehung der Rastermessdaten vergleichen zu können, wurden die Ergebnisse der
Messstellenklassen 1, 2 und 5 miteinander verglichen. Dieser Vergleich ergab für die Be-
rechnung mit den Rastermessdaten eine mittlere relative Abweichung von 11,5 % und für
die Berechnung ohne zusätzliche Daten eine M RA von 14,0 %. Dieses Ergebnis bestätigt
die Aussage aus Kapitel 6.2.2, dass in Sachsen eine sehr homogene großräumige Hinter-
grundbelastung für NO2 vorliegt. Zwar wird durch die Einbeziehung der rastermessungen
das Datenkollektiv verbessert, da aber eine sehr große Anzahl von „Freilandstationen“
Verwendung finden, besteht die Möglichkeit das der Fehler an den Messstationen 2 und 5
in den Hintergrund tritt. Da die Hintergrundbelastungen im Freiland relativ einheitlich
sind, ist es selbstverständlich, dass die Genauigkeit der Berechnung hoch ist.

Abb. 27: Rastermessstationen die in die Berechnung einbezogen wurden

87
Sensitivitätsstudie für IMMIKART-GIS

6.5 Fazit

Die Sensitivitätstudie hat gezeigt, dass mit der Umstellung der Berechnung für den
Schadstoff NO2 auf das Verfahren von IMMIKART Teil 2 eine höhere Genauigkeit der
Ergebnisse erzielt wird als mit der Berechnung nach den Algorithmen von IMMIKART
Teil 1 (siehe Tabelle 17). Diese Verbesserung wird am deutlichsten bei einem visuellen
Vergleich der Ergebnisdarstellungen (Abbildung 25). Durch die Kreuzvalidierung für das
Modul IMMIKART Teil 2 konnte gezeigt werden, dass die großstädtischen Hintergrund-
werte (Messstellenklasse 5) von großer Bedeutung sind. Wie die Abbildung 21 zeigt,
werden Belastungswerte für die großstädtischen Hintergrundbelastungen bei einem Aus-
fall der Stationen der Messstellenklasse 5 überschätzt. Abschließend lässt sich feststellen,
dass sowohl bei der Berechnung mit dem Modul IMMIKART Teil 1 als auch bei der Be-
rechnung mit dem Modul IMMIKART Teil 2 die Stationen der Messtellenklassen 3, 4,
6 und 7 erwartungsgemäß niedrigere Rechenwerte aufweisen, was jedoch systembedingt
ist. Der Versuch, die Berechnung der NO2 -Jahresmittelwerte unter Einbeziehung der
Rastermessdaten für Sachsen vorzunehmen, hat gezeigt, dass diese Daten gut geeignet
sind, um den Fehler bei der Berechnung der Schadstoffbelastung zu verringern. Mit der
Erweiterung der Daten um die Rastermessungen kann aber keine Verbesserung der Aus-
sagegenauigkeit in den städtischen Bereichen erzielt werden, da zumeist Messpunkte der
Messstellenklasse 1 Verwendung finden.

88
Zusammenfassung

7 Zusammenfassung
Im Rahmen der hier vorliegenden Arbeit wurden zunächst die Grundlagen der Luftrein-
haltung bezüglich der Luftschadstoffkomponenten und der derzeitigen gesetzlichen Rah-
mensituation aufgezeigt. Als derzeitige Luftschadstoffkomponenten können die Stickoxi-
de und die Feinstaubpartikel (PM10 ) angesehen werden.
Anhand einer Literatur- bzw. Internetrecherche wurden Modelle systematisiert, welche
die Möglichkeit bieten, flächendeckende Immissionskataster zu erstellen. Diese wurden in
die Klassen „Geostatistische Verfahren“, „Ausbreitungsrechnungen“ sowie „Kombinierte
Verfahren“ eingeteilt. Typische Vertreter wurden beschrieben. Darauf aufbauend wird
das vom Ingenieurbüro Lohmeyer entwickelte Programmsystem IMMIKART-GIS, wel-
ches Module zu allen drei Verfahrensklassen beinhaltet, vorgestellt und die Arbeitsweise
erläutert.
Für dieses Programmsystem wurde im Rahmen der vorliegenden Arbeit ein Modul
zur Berechnung der Schadstoffbelastungen an Hauptverkehrsstraßen außerhalb von Ort-
schaften entwickelt. Dieses stellt die programmtechnische Umsetzung des Ausbreitungs-
modells des Merkblattes über Luftverunreinigungen an Straßen ohne oder mit locke-
rer Randbebauung (MLuS 02) dar. Die Implementierung dieses Moduls erfolgte mit-
tels der Programmiersprache ObjectPascal in der intergrierten Entwicklungsumgebung
(IDE) DELPHI™. Dieses Modul wurde vom Autor erfolgreich in das Programmsystem
IMMIKART-GIS implementiert und kam bereits für die Berechnungen der Immissi-
onsbelastungen an Außerortsstraßen in Sachsen zur Anwendung. Die Ergebnisse dieser
Berechnungen finden sich im Immissionsjahresbericht 2002 [LfUG, 2002] wieder.
Weiterhin wurde im Rahmen dieser Diplomarbeit eine Sensitivitätsstudie für das Pro-
grammsystem IMMIKART-GIS durchgeführt. Hierbei wurden die Ergebnisse der Be-
rechnungen aus den verschiedenen Modulen des Programmsystems (IMMIKART Teil 1
und Teil 2) untersucht und miteinander verglichen. Als Bewertungsmaß für die Ergeb-
nisse wurde der mittlere quadratische Fehler, die mittlere relative Abweichung und die
Standardabweichung verwendet. Im Ergebnis dieser Sensitivitätsstudie lässt sich die Zu-
nahme der Genauigkeit der Schadstoffabschätzung für den Schadstoff NO2 durch die

89
Zusammenfassung

Umstellung der Berechnungen von einem reinen geostatistischen Verfahren (IMMIKART


Teil 1) auf die Kopplung von Ausbreitungsmodellierung und geostatistischen Verfahren
(IMMIKART Teil 2) feststellen.
Die für den Schadstoff PM10 erfolgten Betrachtungen zeigten zum einen, dass nur an sehr
wenigen Stellen in Sachsen dieser Schadstoff gemessen wird und zum anderen, dass keine
der Messstellen, die PM10 messen, und deren Messwerte in die Berechnung einfließen,
zu der Messstellenklasse 2 (Kleinstadt, wenig Emissionen) gehört. Durch das Fehlen von
städtischen Hintergrunddaten in Kleinstädten lassen sich keine Aussagen zur Genauig-
keit der Berechnungen in diesen Bereichen treffen. Um die Genauigkeit der Berechnungen
für diesen Schadstoff zu erhöhen, wäre es deshalb wünschenswert, Messungen aus die-
ser Messstellenklasse einbeziehen zu können. Daten für diese Messstellenklasse könnten
z. B. an den bereits vorhandenen Messstationen Delitzsch und Hoyerswerda, welche den
städtischen Hintergrund von sächsischen Kleinstädten repräsentieren, erhoben werden.
Weiterhin wäre es wünschenswert, Rastermessungen von städtischen Hintergrundwerten
in die Berechnungen integrieren zu können. Städtische Hintergrundwerte könnten aus
bereits vorhandenen Daten der Gesamtbelastung und durch die Berechnung der dort
vorliegenden straßenbedingten Zusatzbelastungen mittels mikroskaligen Ausbreitungs-
modellen (z. B. MISKAM) ermittelt oder mittels Rastermessungen erhoben werden.

90
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97
Anhang - Tabellen

A Anhang - Tabellen

Feldname Erläuterung Quelle


Shape Polyline (mehrere Stützpunkte erlaubt) Emissionskataster Sachsen
Gauß-Krüger-Koordinatensystem
(4. Meridian)
ID_IKSTR Kennung Emissionskataster Sachsen
DTV_KFZ Durchschnittlich täglicher Verkehr Emissionskataster Sachsen
KFZ [Kfz/24 h]
DTV_LKW Durchschnittlich täglicher Verkehr Emissionskataster Sachsen
LKW (> 3, 5 t) [LKW/24 h]
IK Kennung für Kreuzungsbereich Emissionskataster Sachsen
0 = Abschnitte innerorts, 100 m Entfernung
von einfachen Kreuzungen und bis 200 m an
Knotenpunkten (z. B. Autobahnkreuzen)
Kat Kennung für Straßentyp (außerorts) Emissionskataster Sachsen
1 = Autobahn 2 = Bundesstraße
E_nox mittlere spezifische NOx -Abgasemission Emissionskataster Sachsen
Kfz [g/(m · a)]
E_blz mittlere spezifische Benzol-Abgasemission Emissionskataster Sachsen
Kfz [g/(m · a)]
E_part_p mittlere spezifische PM10 -Abgasemission Emissionskataster Sachsen
PKW [g/(m · a)]
E_part_l mittlere spezifische PM10 -Abgasemission Emissionskataster Sachsen
LKW (> 3, 5 t) [g/(m · a)]

E_russ mittlere spezifische Ruß-Gesamtemission IMMIKART-GIS 2.0


Kfz [g/(m · a)]
E_pm10 mittlere spezifische PM10 -Gesamtemission IMMIKART-GIS 2.0
Kfz [g/(m · a)]

Tabelle 18: Struktur des Emissionsshape Straße

98
Anhang - Tabellen

Feldname Erläuterung Quelle


Shape Polyline (mehrere Stützpunkte erlaubt) Emissionskataster Sachsen
Gauß-Krüger-Koordinatensystem (4. Meridian)
ID_IKSTR Kennung Emissionskataster Sachsen
DTV_KFZ Durchschnittlich täglicher Verkehr Emissionskataster Sachsen
KFZ [Kfz/24 h]
DTV_LKW Durchschnittlich täglicher Verkehr Emissionskataster Sachsen
LKW (> 3, 5 t) [LKW/24 h]
IK Kennung für Kreuzungsbereich Emissionskataster Sachsen
0 = Abschnitte innerorts, 100 m Entfernung von einfachen
Kreuzungen und bis 200 m an Knotenpunkten (z. B. Auto-
bahnkreuzen)
Kat Kennung für Straßentyp (außerorts) Emissionskataster Sachsen
1 = Autobahn 2 = Bundesstraße
E_nox mittlere spezifische NOx -Abgasemission Emissionskataster Sachsen
Kfz [g/(m · a)]
E_blz mittlere spezifische Benzol-Abgasemission Emissionskataster Sachsen
Kfz [g/(m · a)]
E_part_p mittlere spezifische PM10 -Abgasemission Emissionskataster Sachsen
PKW [g/(m · a)]
E_part_l mittlere spezifische PM10 -Abgasemission Emissionskataster Sachsen
LKW (> 3, 5 t) [g/(m · a)]

E_russ mittlere spezifische Ruß-Gesamtemission IMMIKART-GIS 2.0


Kfz [g/(m · a)]
E_pm10 mittlere spezifische PM10 -Gesamtemission IMMIKART-GIS 2.0
Kfz [g/(m · a)]

Nr Kennung IMMIKART-GIS 2.0


LANU mittlere Landnutzung in dem Rastergebiet (Freiland, Wald, IMMIKART-GIS 2.0
Stadt)
WG_m mittlere Windgeschwindigkeit im Rastergebiet [m/s] IMMIKART-GIS 2.0
H_m mittlere Höhe im Rastergebiet [m über NN] IMMIKART-GIS 2.0
[Schadstoff] Immission: Zusatzbelastung im Abstand a1 vom Straßenab- IMMIKART-GIS 2.0
_zb_a1 schnitt [µg/m3 ]
[Schadstoff] Immission: Zusatzbelastung im Abstand a2 vom Straßenab- IMMIKART-GIS 2.0
_zb_a2 schnitt [µg/m3 ]
[Schadstoff] Immission: Zusatzbelastung im Abstand a3 vom Straßenab- IMMIKART-GIS 2.0
_zb_a3 schnitt [µg/m3 ]
[Schadstoff] Immission: Gesamtbelastung im Abstand a1 vom Straßenab- IMMIKART-GIS 2.0
_gb_a1 schnitt [µg/m3 ]
[Schadstoff] Immission: Gesamtbelastung im Abstand a2 vom Straßenab- IMMIKART-GIS 2.0
_gb_a2 schnitt [µg/m3 ]
[Schadstoff] Immission: Gesamtbelastung im Abstand a3 vom Straßenab- IMMIKART-GIS 2.0
_gb_a3 schnitt [µg/m3 ]
[Schadstoff- Immission, Belastung im Rastergebiet [µg/m3 ] IMMIKART-GIS 2.0
komponente]

Tabelle 19: Struktur des Immissionsshape Straße

99
Anhang - Tabellen

Station Immissionswerte für NO2 im Jahresmittel [µg/m3 ]


Berechnete Werte
Messwert ohne Kreuzvalidierung mit Kreuzvalidierung
Collmberg 13,5 13,5 13,5
Delitzsch 23,3 18,4 16,7
Dresden-Mitte 30,5 35,8 36,8
Hoyerswerda 17,5 19,3 19,7
Leipzig-West 21,1 27,2 28,7
Mittelndorf 13,7 13,5 13,3
Radebeul-Wahnsdorf 18,2 15,4 18,2
Schwartenberg 12,6 12,7 13,0
Zinnwald 12,8 14,3 15,1
Zittau-Ost 15,5 18,0 18,3

Tabelle 20: gemessene und berechnete Immissionswerte von NO2 -I1 der sächsischen Sta-
tionen, die im Jahr 2002 bei der Verschneidung im Modul IMMIKART Teil 2
berücksichtigt wurden

Station Immissionswerte für NO2 im Jahresmittel [µg/m3 ]


Berechnete Werte
Messwert ohne Kreuzvalidierung mit Kreuzvalidierung
Collmberg 13,5 14,7 15,7
Delitzsch 23,3 23,8 17,3
Dresden-Mitte 30,5 34,9 38,7
Hoyerswerda 17,5 17,5 19,7
Leipzig-West 21,1 21,1 18,9
Mittelndorf 13,7 9,4 10,0
Radebeul-Wahnsdorf 18,2 22,4 21,0
Schwartenberg 12,6 13,0 12,9
Zinnwald 12,8 8,8 8,8
Zittau-Ost 15,5 15,5 19,9

Tabelle 21: gemessene und berechnete Immissionswerte von NO2 -I1 der sächsischen Sta-
tionen, als Ergebnis der Radialinterpolation (siehe Kapitel 4.1.2)

100
Anhang - Tabellen

Station Immissionswerte für PM10 im Jahresmittel [µg/m3 ]


Berechnete Werte
Messwert ohne Kreuzvalidierung mit Kreuzvalidierung
Dresden-Mitte 27,3 28,2 28,1
Leipzig-West 22,0 21,2 21,2
Radebeul-Wahnsdorf 20,8 18,8 17,3
Schwartenberg 14,5 14,1 13,1
Zinnwald 14,6 15,4 16,3

Tabelle 22: gemessene und berechnete Immissionswerte von PM10 -I1 der sächsischen Sta-
tionen, die im Jahr 2002 bei der Verschneidung im Modul IMMIKART Teil 2
berücksichtigt wurden

101
Anhang - Tabellen

Kategorie/ Quellen: mul- Art der Freiset- Simulationscha- Schadstoffe: Ergebnisse: Konzentration
Modelle tiple Punkt- zung: konstant/ rakter: statis- SO2 , CO, NOx , O3 ,
quellen/ Fläche zeitweilig/ unfall- tisch, episodisch, Pb, VOCs, Partikel,
allg./im Raster artig echtzeit Benzene

√ √ √ √ √ √ √ √ √ √ √
CALGRID /−/ / / −/ /− / / / /
√ √ √
−/ / /

√ √ √ √ √ √ √ √
EMAP −/ − / / / / /− /−/−/−/
√ √
/−/ /−

√ √ √ √ √ √ √ √
EPIS −/ − / / − /− / − /− / / / /
√ √ √ √
/ / /

√ √ √ √ √ √ √ √ √ √ √ √
EURAD / / / /− −/ / / / / /
√ √
−/ / /−

√ √ √ √ √ √ √ √ √
FLEXPART / − /− / / −/ / / /−/−/
√ √
/−/ /−

√ √ √ √ √ √ √
FLEXTRA / − /− / / / / −/ − / − / − / −
−/ − / − /−

√ √ √ √ √ √ √
Hilatar /−/ −/ − /− −/ / /−/ /−/
√ √
/−/ /−

√ √ √ √ √ √
HNS- −/ − / / − /− / − /− /−/ /−/

COUNTRYWIDE −/ − / /−

√ √ √ √ √ √ √ √ √ √ √
IMSM −/ − / / / / /− / / / /
√ √
−/ / /−

√ √ √ √ √ √ √ √ √ √
IVL −/ /− / /− / /− / / / /
√ √ √
−/ / /

√ √ √ √ √ √ √ √
LED −/ − / / / −/ /− /−/ /−/
−/ − / − /−

√ √ √ √ √ √ √ √ √ √ √
LOTOS −/ − / / / −/ / / / / /
√ √
−/ /−/

√ √ √ √ √ √ √ √ √ √ √ √
MCCM /−/ / / −/ / / / / /
√ √ √
−/ / / /

√ √ √ √ √ √ √
MILORD / /− / / / − /− −/ − / − / − /
−/ − / − /−

√ √ √ √ √ √
MLTT / − /− / / −/ /− −/ − / − / − /
−/ − / − /−

√ √ √ √ √ √ √
REMOTA −/ − / / / / /− −/ − / − / − /

/ − / − /−

√ √ √ √ √ √ √ √ √ √ √
STEM /−/ / /− −/ / / / / /
√ √ √
−/ / / /

√ √ √
TAMOS / − /− −/ − / −/ − / −/ − / − / − / −

/ − / − /−

√ √ √ √ √
TAMOS-D / /− −/ − / −/ − / −/ − / − / − /
√ √
/−/ /−


möglich − keine Angabe bzw. nicht möglich

Tabelle 23: Übersicht über die in Europa zum Einsatz kommenden Modelle im Meso-
scale-Bereich

102
Anhang - Abbildungen

B Anhang - Abbildungen

Abb. A 28: Triangulation with linear Interpolation für den Schadstoff NO2 -I1

Abb. A 29: Inverse Distance to a Power; Schadstoff: NO2 -I1

103
Anhang - Abbildungen

Abb. A 30: Minimum Curvature; Schadstoff: NO2 -I1

Abb. A 31: Radial Basis Function; Schadstoff: NO2 -I1

104
Anhang - Abbildungen

Abb. A 32: Nearest Neighbor; Schadstoff: NO2 -I1

Abb. A 33: Ordinary Krigging; Schadstoff: NO2 -I1

105
Anhang - Abbildungen

Abb. A 34: Ergebnis der Kreuzvalidierung für die Station Collmberg;


Schadstoff: NO2 -I1 (Kategorie 1)

Abb. A 35: Ergebnis der Kreuzvalidierung für die Station Mittlndorf;


Schadstoff: NO2 -I1 (Kategorie 1)

106
Anhang - Abbildungen

Abb. A 36: Ergebnis der Kreuzvalidierung für die Station Schwartenberg;


Schadstoff: NO2 -I1 (Kategorie 1)

Abb. A 37: Ergebnis der Kreuzvalidierung für die Station Radebeul-Wahnsdorf;


Schadstoff: NO2 -I1 (Kategorie 1)

107
Anhang - Abbildungen

Abb. A 38: Ergebnis der Kreuzvalidierung für die Station Dresden-Mitte;


Schadstoff: PM10 -I1 (Kategorie 5)

Abb. A 39: Ergebnis der Kreuzvalidierung für die Station Leipzig-West;


Schadstoff: PM10 -I1 (Kategorie 5)

108
Anhang - Abbildungen

Abb. A 40: Ergebnis der Kreuzvalidierung für die Station Radebeul-Wahnsdorf;


Schadstoff: PM10 -I1 (Kategorie 1)

Abb. A 41: Ergebnis der Kreuzvalidierung für die Station Schwartenberg;


Schadstoff: PM10 -I1 (Kategorie 1)

109
Anhang - Abbildungen

Abb. A 42: Ergebnis der Kreuzvalidierung für die Station Zinnwald;


Schadstoff: PM10 -I1 (Kategorie 1)

110
Abb. A 43: Gegenüberstellung der Mess- und Rechenwerte 2002 (Messstellenklassen 1, 2 und 5) für NO2 -I1 unter Einbezie-
hung der Rasterdaten, MP = Messpunkt

111
Anhang - Abbildungen