Sie sind auf Seite 1von 2

W+W-Disk.-Beitr.

2/95

Reaktionen der Fachwelt


auf Ergebnisse der Schöpfungsforschung

„Wie kommt ihr in der Fachwelt an? Welchen Einfluß durchzuführende Bearbeitung in der Regel mindestens
habt ihr im akademischen Raum, an den Universitäten einige Monate, meist aber einige Jahre. Wenn diese Ar-
und an den Schulen?“ Diese Fragen werden uns bei der beit ehrenamtlich geleistet werden muß, dauert es ent-
Studiengemeinschaft Wort und Wissen oft gestellt. Viel- sprechend länger. Um eine Materie richtig bearbeiten zu
leicht ist mit dieser Frage der Zweifel verbunden, ob sich können, ist es zunächst erforderlich, sich über den Stand
die Mühe denn lohne. Vielleicht steht dahinter auch die der Diskussion kundig zu machen. Das erfordert oft
Erwartung, daß eine gut begründete Evolutionskritik und, schon ein Durcharbeiten von einigen hundert Artikeln
soweit vorhanden, schöpfungstheoretische Alternativan- oder Büchern. Erst wenn man einigermaßen auf dem
sätze doch auf Resonanz stoßen und einiges in Bewe- Stand des gegenwärtigen Wissens ist, zeichnen sich
gung bringen müßten. Manche Frager verbinden damit Möglichkeiten der Evolutionskritik und der Entwicklung
die kritische Anfrage, ob die Qualität der Schöpfungsfor- von Alternativen ab (vorher hat man natürlich schon
schung wirklich gut genug sei, um in der Fachwelt beste- Vermutungen, wo man vielleicht kritisch einhaken
hen zu können. Im folgenden sollen dazu einige Infor- könnte). Viele Themen sind zudem nur interdisziplinär
mationen und Überlegungen präsentiert werden. wirklich effektiv angehbar. Spätestens dann wird auf-
grund des krassen Mitarbeitermangels die Luft bei Wort
1. Die Studiengemeinschaft Wort und Wissen ist und Wissen sehr dünn.
an einer intensiven kritischen Diskussion ihrer Mit der Buchreihe Studium Integrale und der neuen
Ergebnisse interessiert. Wir wollen uns mit unseren Zeitschrift Studium Integrale Journal versuchen wir, in
Vorträgen, Seminaren und Publikationen nicht nur im die Fachdiskussion einzugreifen und Evolutionskritik zu
geschützten Raum der christlichen Gemeinde bewegen, thematisieren. Der Start der Buchreihe war 1989; inzwi-
sondern in der Tat das Denken im universitären und schen sind acht Titel erschienen, hauptsächlich aus dem
schulischen Bereich im biblischen Sinne beeinflussen Bereich Biologie und Paläontologie.
und damit einen Beitrag leisten, um den Boden für per-
sönliche Umkehr zu Jesus Christus zu bereiten. 4. Und was wurde nun bewegt? Geistliche Frucht
läßt sich schlecht messen; auch sind die Umstände, die
2. Was motiviert Wort und Wissen, die Fachdis- zu Bekehrungen führen, oft vielfältig und nicht an einem
kussion zu suchen? Fachliche Spezialarbeiten lassen einzigen Anstoß festzumachen. Wenn wir nach Erfolgen
auf den ersten Blick keinen Bezug zu Fragen des Glau- von Fachpublikationen fragen, so sollen daher im fol-
bens erkennen, auch nicht, wenn sie unter biblischen genden nur greifbare Äußerlichkeiten erwähnt werden.
Vorzeichen geschehen. Viel wichtiger ist doch die po- Zunächst einige positive Beispiele: Das Lehrbuch „Ent-
puläre Vermarktung, könnte man denken. Nun, das ist stehung und Geschichte der Lebewesen“ hat nach Aus-
tatsächlich wichtig, aber ohne fachliche Grundlagen kann kunft zweier Redakteure von „säkularen“ Lehrerzeit-
man – wissenschaftliche Themen betreffend – nur unbe- schriften dazu geführt, daß Autoren von Wort und Wis-
gründete Behauptungen aufstellen. Wird dann der sen Artikel zur Schöpfungslehre in diesen Blättern veröf-
„Schwindel“ entlarvt, steht man zurecht schlechter da, als fentlichen konnten (es handelte sich um „Praxis der Na-
wenn man geschwiegen hätte. Dazu kommt, daß die turwissenschaften – Biologie“ und „Biologie in der
schulische Bildung (man denke besonders auch an die Schule“). Dadurch konnten viele Lehrer mit dieser The-
christlichen Bekenntnisschulen) selbstverständlich fach- matik konfrontiert werden, die wir durch unsere direkten
licher Grundlagen bedarf. Schließlich aber geht es um Bemühungen kaum erreicht hätten. Im Oberstufenlehr-
eine längerfristige Strategie: 1. Qualität wird Gutwillige buch „SII Biologie“ vom Schroedel-Verlag werden in
überzeugen. Daraus folgt: Wir wollen lieber wenig in unpolemischer Weise Evolutionskritik und Schöpfungs-
guter Qualität erarbeiten, als uns zu allem und jedem mit lehre auf immerhin vier Seiten thematisiert – absolut kei-
wissenschaftlichem Anspruch äußern. 2. Je mehr Evolu- ne Selbstverständlichkeit, wenn man den bekannteren
tionskritik bekannt wird, desto mehr können sich die „Biologie-Linder“ dagegenhält. (Für diese Lehrbücher
Randbedingungen für das christliche Zeugnis verbessern. sind Autoren mit recht unterschiedlichen Einstellungen
Evolution steht dann nicht mehr so unhinterfragbar als verantwortlich; wir können dafür beten, daß Gott die
Hindernis zum Glauben im Wege. richtigen Leute an die richtigen Stellen setzt; Gebet kann
hier nach meiner Überzeugung eher Türen öffnen als
3. Wie findet man Eingang in die Fachdiskussi- Bemühungen auf oberster Etage in Kultusministerien.)
on? Es gibt einige formale Voraussetzungen, um als Oder: Kürzlich äußerte sich ein dem „Kreationismus“
wissenschaftlicher Gesprächspartner ernst genommen zu sehr ablehnend gegenüberstehender Universitätsprofes-
werden. Vor allem muß die fachliche Qualität der Arbeit sor lobend über das Buch „Der Ursprung des aufrechten
stimmen. Ein für die Schöpfungsforschung relevantes Ganges“ aus der Studium-Integrale-Reihe; es gab hier al-
Thema braucht für eine mit der erforderlichen Sorgfalt so eine Imageverbesserung für die Arbeit von Wort und

DISKUSSIONSBEITRÄGE, BERICHTE,
INFORMATIONEN 2/95
Wissen. Es könnten weitere Beispiele dieser Art genannt Das zuletzt Gesagte ist aber noch nicht alles. Zwei-
werden. fellos kommt im Falle der Schöpfungslehre noch hinzu,
Aber auch Negativbeispiele fehlen nicht. Ein Redak- daß mit ihr eine der naturalistisch und weithin atheistisch
teur einer biologiedidaktischen Zeitschrift schickte mir geprägten Wissenschaft vom Grundansatz her völlig
einen Studium-Integrale-Band zurück mit dem Hinweis, konträre Position gegenübersteht. Da versteht man sich
daß sie dafür grundsätzlich keine Verwendung hätten. Es einfach nicht so leicht. Und viele sind schnell der Mei-
handelte sich um „Typen des Lebens“, in dem es nur um nung, Schöpfungslehre könne man sofort mit dem Hin-
biologische Aspekte geht. Zu eben diesem Buch liegen weis auf die glaubensmäßigen Grundlagen als Pseudo-
zwei Buchbesprechungen in Fachzeitschriften vor. Ein wissenschaft oder gar „Unsinn“ abtun. An dieser Stelle
Rezensent ging darin kaum auf den Inhalt ein, dafür aber sind m. E. Grenzen gegeben, die letztlich eine Wider-
um so mehr auf die vermeintliche Motivation der Auto- spiegelung der Scheidung von Glauben und Unglauben
ren. Es gab und gibt auch immer wieder Bemühungen, in sind. Den letzten Satz darf man nicht falsch verstehen:
evolutionstheoretisch orientierten Zeitschriften evolu- Diese Situation entbindet uns nicht davon, sich mit sach-
tionkritische Artikel zu publizieren. Manchmal ist das lichen Argumenten auseinanderzusetzen. Er sagt nur, daß
geglückt, in anderen Fällen wurden Artikel aber auch demjenigen, der Jesus Christus und sein Wort nicht kennt
schon aus fadenscheinigen Gründen abgelehnt. (Das ist und liebt, Grenzen des Verstehens gesetzt sind, wenn es
z. B. dann der Fall, wenn ein und derselbe Artikel den um die Motivation und Grundlagen des christlichen
Redaktionen vergleichbarer Zeitschriften einmal zu spe- Glaubens geht (vgl. 1. Kor 2,11-15). Wir dürfen uns
ziell und einmal zu allgemein ist.) nicht wundern, wenn atheistische Wissenschaftler mit der
Prämisse „Am Anfang schuf Gott“ nichts anfangen kön-
5. Fachliche Qualität reicht nicht aus. Die ge- nen. Die Paradigmen der Schöpfungslehre und der Evo-
nannten Negativbeispiele, die leicht vermehrt werden lutionslehre sind zu verschieden, auch wenn in der kon-
könnten, zeigen, daß fachliche Qualität eine zwar not- kreten Forschung ein Dialog eigentlich leicht möglich ist
wendige, aber keineswegs hinreichende Voraussetzung (und auch funktioniert), so daß die Schöpfungslehre so-
ist, damit die Arbeit überhaupt wahrgenommen und gar von Evolutionsforschung profitieren kann.
ernsthaft diskutiert werden kann. Es wird deutlich, daß Die Situation ist oft nicht viel anders, wenn man sich
andere Faktoren eine erhebliche Rolle spielen können. auf Evolutionskritik beschränkt und sich auf die Denke-
So ist die Schöpfunglehre nun einmal in einer krassen bene des naturalisch ausgerichteten Wissenschaftlers be-
Minderheitenposition. Minderheiten können leicht fol- gibt und versucht, in dessen Denkrahmen Widersprüche
genlos übergangen werden. Dazu kommt, daß eine neue aufzuzeigen und unbewiesene Denkvoraussetzungen of-
Position ein Unruheherd ist. Unruheherde will man lieber fenzulegen. Auch bloße Evolutionskritik kann dieselbe
beseitigen. Es macht viel mehr Mühe, sich ernsthaft mit Ablehnung erfahren wie Schöpfungslehre, da hinter der
Neuem auseinandersetzen zu müssen (geschweige denn, Evolutionskritik oft „kreationistische“ Anliegen vermutet
wirklich umzudenken), als mit ein paar schnellen Rand- werden. Schließlich ist an dieser Stelle auch Selbstkritik
bemerkungen Außenseiter abzutun. Das erfahren nicht angebracht: Es gab und gibt leider auch „kreationisti-
nur Mitarbeiter von Wort und Wissen und das alles ist sche“ Publikationen, die einer fachlichen Prüfung weit-
noch nicht unbedingt Ausdruck weltanschaulicher Fest- hin(!) nicht standhalten können. Auch bei Wort und Wis-
legungen (das kommt noch dazu, s. u.). Solche Ausgren- sen würden wir heute nicht mehr alles in der Form publi-
zungsversuche laufen auch gegenüber anderen Minder- zieren, wie es in den Gründerjahren geschehen ist. Es
heitengruppierungen ab, z. B. gegen die Frankfurter geht also nicht darum, den Finger auf andere zu zeigen,
Senckenbergische Arbeitsgruppe für Phylogenetik. Diese sondern aus Fehlern zu lernen. Wenn die Gegner uns be-
Wissenschaftler halten den herkömmlichen auf Darwin schimpfen und Verkehrtes über uns schreiben, dann dür-
zurückgehenden Evolutionsmechanismus für völlig un- fen sie nicht im Recht sein (vgl. 1. Petr. 4,14f.); wir kön-
brauchbar zur Erklärung von Makroevolution und for- nen aber auch durch die beste Arbeit nicht verhindern,
dern ein ganz neues Evolutionsparadigma. Die bisherige daß sie es tun.
Sicht sei so ungenügend, daß sie nicht verbessert werden
könne, sondern aufgegeben werden müsse. Die meisten Reinhard Junker
Biologen machen da nicht mit; und die Frankfurter Phy-
logenetiker bekommen das deutlich zu spüren, was sie Weitere Exemplare dieses Blatts können kostenlos angefordert werden
wiederum zu teilweise bissiger Polemik geführt hat (oder bei: SG WORT UND WISSEN, Rosenbergweg 29, D72270 Baiersbronn,
Tel. 07442/81006 (Fax 81008), oder bei W+W-Medienstelle,
haben sie selber damit begonnen?). Wir sehen, daß das Heimgarten 2163, CH-8180 Bülach.
zur-Seite-Drängen neuer Ideen auch anderweitig vor- Für Kosten bei Abnahme größerer Mengen wird eine Spende erbeten:
kommt. (Übrigens habe ich erfahren, daß manche Biolo- Sparkasse Hagen BLZ 450 500 01, Kto. 128 041 660; Postfinance CH-
gen der Frankfurter Arbeitsgruppe unser Lehrbuch „Ent- 4040 Basel, Kto. 80-76159-5.
Internetadresse: http://www.wort-und-wissen.de
stehung und Geschichte der Lebewesen als Beispiel- Studiengemeinschaft WORT UND WISSEN, 1995 – kopieren erlaubt!
sammlung zum Beleg dafür verwenden, daß Evolution in
herkömmlich vertretener Sicht nicht funktioniert.)

STUDIENGEMEINSCHAFT WORT UND WISSEN