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Deutschland war im Eiszeitalter

ein Paradies für Löwen


Wiesbaden – Apotheken, Flaggen, Gasthäuser, Produkte, Sportvereine, Straßen, Wappen –
und wer weiß was sonst noch alles – sind in Deutschland nach dem Löwen benannt.
Schließlich gilt diese imposante Raubkatze als „König der Tiere“ oder Sinnbild für Kraft und
Stärke. Dass der Löwe einst auch in der Gegend von Deutschland weit verbreitet war, ist wohl
nur wenigen Menschen bewusst, wenn sie Begriffe wie Löwenapotheke, Gasthaus „Zum
Löwen“ oder Löwensenf hören oder lesen.

Dass Deutschland im Eiszeitalter zwischen etwa 300.000 und 11.700 Jahren ein wahres
Paradies für Löwen gewesen ist, erfährt man bei der Lektüre des Taschenbuches
„Höhlenlöwen“ (ISBN 978-3-640-27263-1) des Wiesbadener Wissenschaftsautors Ernst
Probst. Es ist bei „GRIN Verlag für akademische Texte“ www.grin.de erschienen und in rund
1.000 Online-Buchshops sowie in jeder guten Buchhandlung erhältlich.

Dem Taschenbuch von Ernst Probst zufolge wurden die meisten Reste von Höhlenlöwen aus
dem Eiszeitalter in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg entdeckt. Dagegen
hat man im Saarland, in Schleswig-Holstein, in Bremen und in Mecklenburg-Vorpommern
bisher keine Höhlenlöwen gefunden. Aus Bayern kennt man 27 Fundorte von Höhlenlöwen,
aus Nordrhein-Westfalen 21, aus Baden-Württemberg 15, aus Sachsen-Anhalt 10, aus
Thüringen 8, aus Hessen 7, aus Niedersachsen 5, aus Rheinland-Pfalz 3, aus Brandenburg 3
und aus Sachsen 2.

Nirgendwo auf der Erde sind mehr Zähne und Knochen von Höhlenlöwen geborgen worden
als in der Zoolithenhöhle von Burggaillenreuth bei Muggendorf in der Fränkischen Schweiz
(Bayern). Sie stammen von insgesamt schätzungsweise 30 Höhlenlöwen!

Die im Eiszeitalter lebenden Höhlenlöwen tragen eigentlich einen falschen Namen. Diesen
verdanken sie dem Umstand, dass ihre Knochenreste häufig in Höhlen entdeckt wurden. In
Wirklichkeit waren diese Löwen aber Tiere der Steppe, der Busch- und Waldtundra und in
Gebieten mit Höhlen genauso verbreitet wie in Landschaften ohne Höhlen.

Anders als Höhlenbären und Höhlenhyänen haben Höhlenlöwen vermutlich nur selten Höhlen
als Versteck aufgesucht. Wahrscheinlich kamen vor allem geschwächte, kranke oder alte
Höhlenlöwen in solche natürlichen Unterschlüpfe und suchten dort Schutz oder einen ruhigen
Platz zum Sterben. Womöglich dienten Höhlen auch als Unterschlupf für Löwinnen, die dort
ihren Nachwuchs zur Welt brachten und in der ersten Zeit aufzogen.

Sogar in hochgelegenen alpinen Höhlen von Italien, Österreich und der Schweiz hat man
Reste von Höhlenlöwen entdeckt. An erster Stelle ist hier die in etwa 2.800 Meter Höhe
liegende Conturineshöhle in Südtirol (Italien) zu nennen, in der auch Höhlenbären lebten.

Die Höhlenlöwen aus dem Eiszeitalter in Deutschland waren größer und schwerer als heutige
Löwen in Afrika. Männliche Höhlenlöwen erreichten wohl eine Gesamtlänge bis zu 3,20
Metern und ein Lebendgewicht von schätzungsweise mehr als 300 Kilogramm.

Als Vorfahre des Höhlenlöwen gilt der Mosbacher Löwe (Panthera leo spelaea), der vor etwa
700.000 bis 300.000 Jahren in Europa existierte. Er ist nach dem ehemaligen Dorf Mosbach
zwischen Wiesbaden und Biebrich benannt, wo man rund 600.000 Jahre alte Reste dieser
Raubkatze fand. Dabei handelte es sich um einen Riesenlöwen mit einer Gesamtlänge bis zu
3,60 Metern, in die der rund 1,20 Meter lange Schwanz eingerechnet ist. Noch größer war nur
der Amerikanische Höhlenlöwe (Panthera leo atrox), der es auf eine Gesamtlänge von
maximal 3,70 Metern brachte und vor ungefähr 100.000 bis 10.700 Jahren vorkam.

Ernst Probst hat kürzlich zwei andere Taschenbücher über große Raubtiere aus dem
Eiszeitalter veröffentlicht. Eines davon trägt den Titel „Der Höhlenbär“, das andere heißt
„Säbelzahnkatzen“ (früher Säbelzahntiger genannt). In jedem dieser Taschenbücher werden
unter anderem die wichtigsten Fundorte dieser Raubtiere in Deutschland, Österreich und der
Schweiz erwähnt.