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so wenig es den fotografen gibt, der für uns fotoanschläge ausführte, so wenig g

ibt es DIE geschichte des schwarzen blocks. was es gibt sind märchen, gerüchte,
geschichten, ungeschichten, spuren und urlaubspläne des schwarzen blocks. dazwis
chen bewegen wir uns und es wird weder die enthüllung noch die wahrheit geben.
wir begreifen uns als teil davon. wir sprechen nicht für gruppen und zusammenhän
ge, die sich ebenfalls mit dem schwarzen block identifizieren. wir sprechen vor
allem nicht für bernhard, ändy und toni und auch nicht im namen jener, die immer
noch per haftbefehl gesucht werden. sie müssen es selbst tun.
es gibt kein programm, keine satzung und keine mitglieder des schwarzen blocks.
es gibt jedoch politische vorstellungen und utopien, die unser leben und unseren
widerstand bestimmen. dieser widerstand hat viele namen. einer davon heißt: sch
warzer block.
der verfassungsschutzbericht hessen 80 hat uns großzügig platz eingeräumt im rah
men "linksextreme bestrebungen". folgende definition haben wir verpaßt gekriegt:
"sie lehnen nach wie vor die marxistisch-leninistische konzeption, feste organi
sationsformen und jegliche bindungen an programme ab und treten für autonomie un
d spontaneität ein." - für diese klarstellung sind wir den herren des morgengrau
ens wirklich dankbar. und wenn viele vermeintliche kenner der szene meinen, es g
inge uns nur um den putz, so können wir nun gelassen auf den verfassungsschutzbe
richt verweisen, der da zitiert - wir wußten gar nicht, welchen leserkreis die "
vollautonom" mittlerweile hat - :
".... ein ,erfolg' bestimme sich wesentlich nach dem, was sich unter uns während
einer aktion bewegt und verändert, was für ein gefühl sich währenddessen unter
uns herstellt."
in der tat: "es bildeten sich autonome gruppen militanter prägung für die schwar
zen blöcke in frankfurt a.m., die anarchistische züge erkennen ließen" (vs-beric
ht 80).
wir begreifen unseren widerstand als einen kampf gegen JEGLICHE staatliche herrs
chaft, gegen hierarchische strukturen an und über uns, gegen gefängnisstrukturen
(einschließlich 'Volksgefängnissen'), gegen die ökologische und imperialistisch
e apokalypse und, und, und....für selbstbestimmung, kollektives leben und und .
. . wem sagen wir das . . . kann mann und frau alles nachlesen. doch das bewußts
ein allein ist keine hinlängliche waffe, mein lieber (hat auch irgendwo gestande
n). das war der schwarze faden. was das für mich konkret heißt, sei an 2 beispie
len erklärt.
dieses jahr gab es mehrere demos nach preungesheim, anläßlich des hungerstreiks
der gefangenen in der brd. wir organisierten sie mit, weil wir jedes leben im kn
ast für unmenschlich und barbarisch halten. diese elementare solidarität schließ
t jedoch nicht aus, daß ich soziale und politische widersprüche zu den gefangene
n und deren politik habe. für viele in der szene ist das jedoch grund und legiti
mation genug, nichts für bessere überlebensbedingungen in den knästen zu tun.
das gleiche gilt für rnich bei jürgen und miriam, die aufgrund von hungerstreikp
lakaten für mehrere wochen eingefahren sind. die mögliche kritik an dem plakat o
der an dem politikverständnis, das dahinter steht, hält mich nicht davon ab, gan
z konkret etwas gegen die kriminalisierung von hungerstreikunterstützern (innen)
zu unternehmen. oft fehlte uns leider die kraft, eigenen vorstellungen zu formu
lieren und durchzusetzen.
gerade diese beispiele stehen für zweierlei. einmal habe ich angst, daß politisc
he widersprüche unter uns zugekleistert werden, die seit jahren bestehen. nicht
- umsonst entstanden gerade in den letzten jahren autonome gruppen. zum anderen
stehen diese beispiele dafür, daß unterschiedliche politikverständnisse nicht zu
r spaltung und ausgrenzung führen müssen. wer aber auseinandersetzungen darüber
als spaltungen denunziert, der leugnet schlicht unsere gemeinsamen erfahrungen d
er letzten jahre.
genau diese auseinandersetzung möchten wir auch mit der "alt-szene" führen. dies
e offenen differenzen sind selbst dem verfassungsschmutz nicht entgangen, wenn e
r da schreibt: "deutlich wurde eine trennung in alternativbewegungen, die überwi
egend keine extremen ziele verfolgen, in alt-spontis, die der gewaltanwendung we
itgehend ablehnend gegenüberstehen, sowie in kleinere autonome gruppen, die die
militanz in der aktion bejahen. diese, der alt-sponti-szene ablehnend gegenühers
tehend, verstanden ihre politik nicht ausschließlich als 'kopfarbeit' und vertra
ten den standpunkt: 'wir nehmen unseren widerstand selber in die hand, delegiere
n ist entfremdung !'
wir fragen uns natürlich auch: wo sind die Veteranen des Häuserkampfs geblieben
(wir kennen zumindest deren cafes)? wo sind die, die uns entgegenhalten, sie wär
en politischer, taktischer, revolutionärer gewesen? (vielleicht sind sie heute n
och politischer und taktischer?) wo sind die redakteure, die meinen, "der stein
ist unser bewußtsein" (PS)?
für uns ist diese verwaltete, selbstverwaltete altszene träger einer doppelten l
egalität geworden. sie verfügen über eine eigenen "infrastruktur" (buchladen, dr
ukkerei, weinstube, cafe, kulturbetrieb, häuser), die wir nicht selten als feind
lich erleben. sie sind besitzer eines linken machtmonopols, das filme, musik, Ku
ltur, zeitungen und meinungen macht. sie sind besitzer geworden von lebensstanda
rds, von lebensversicherungen, von "alles-gehabt"-erfahrungen und "damals"-erinn
erungen.
viele sind besitzer geworden, benehmen sich so und verhalten sich entsprechend b
esitzstandswahrend. aber wem sagen wir das. vielleicht haben einige auch schlich
t andere sorgen: kindererziehung, haushalt, urlaub, beruf und häuser kaufen ? ha
t sich die "revolutionäre ungeduld" samt der "revolutionären subjektive" davonge
schlichen ?
für mich möchte ich festhalten, daß das nicht durchgängig so ist. wir haben viel
e gesichter der alt-szene gesehen, anläßlich der schwarzen-blockdemo. so viele l
eute auf einem haufen sind wir gar nicht gewohnt. ein richtiges massenfeeling, w
ie damals. . - echt, ihr habt uns alle richtig verwöhnt !
vor allem wollen wir nicht unsere "terror"anwälte (-innen) vergessen, die nicht
nur juristisch das äußerste in bewegung setzen, sondern sich gerade auch persönl
ich solidarisch zu uns verhalten.
selbst einige gute erfahrungen mit den "alternativen geschäftsführern" konnten w
ir in den letzten tagen machen. trotzalledem. unsere angst gegenüber diesem link
en machtmonopol bleibt, gerade weil es so "großzügig" sein kann. was wir um kein
en preis aufgeben ist unsere eigenständigkeit, unsere strukturen und unser polit
ikverständnis. einige unter uns haben bereits jetzt die befürchtung, daß teile d
er alt-szene uns den politischen background stellen wollen - eine fast logische
schlußfolgerung, wenn der stein unser bewußtsein sein soll. ich denk, es liegt a
n uns allen, ob so eine schlußfolgerung sticht.
uns kommt es darauf an, mehr zu werden als die berüchtigten 200. das heißt nicht
, daß wir nun anfangen unsere inhalte zu verramschen, "bündnisfähige" kompromiss
e zu machen. im gegenteil. je offensiver und deutlicher wir unsere vorstellungen
an allen ecken und enden dieser stadt zum ausdruck bringen, desto mehr leute ha
ben überhaupt die chance, ihre vorstellungen einzubringen und ihren frust an die
richtige adresse zu richten. einige adressen dürften sich garantiert überschnei
den.
größte terroristische vereinigung...
die kriminalisierung von widerstand ist nicht neu. wir haben uns dran gewöhnt un
d sollen uns dran gewöhnen.
die geschichte des 129a ist zugleich die geschichte der systematischen einknast
ung militanter Opposition. einst auserkoren als strafrechtliche waffe - neben de
m polizeilichen todesschuß gegen die raf, zielt der 129a heute verstärkt auf kn
astgruppen, anti-imperialistische initiativen und in allerletzter zeit massiv au
f die hausbesetzerszene. ca. 150 ermittlungsverfahren laufen z.zt. im zusammenha
ng mit dem hungerstreik. in ähnlicher größenordnung bewegen sich die verfahren g
egen hausbesetzer/innen.
offensichtlich haben weder die öffentlichen hetzkampagnen noch die bisherigen st
rafverfolgungsmöglichkeiten die gewünschte wirkung erzielt. mit dem 129a werde
n nun 2 fliegen mit einer klappe geschlagen. zum einen lassen sich dadurch erneu
t ungezügelt berührungsängste vor blindwütenden und allgemeingefährlichen terror
isten schüren. zum anderen ermöglicht der 129a eine verfolgungshatz nicht geka
nnten ausmaßes.
sobald die terroristische vereinigung "schwarzer block" gerichtsbekannt ist, kön
nen die terrorfahhnder vermeintliche mitglieder erfinden, produzieren und schiie
ßlich ausheben. für monate verschwindest du hinter gitter, denn bei 129a beste
ht automatisch flucht- und verdunklungsgefahr. für eine haftaussetzung gibt es d
ann kaum noch eine chance.
das ist die internierung auf kaltem wege. denn die unschuldsvermutung wird fakti
sch ins gegenteil verkehrt. nicht die justiz muß beweisen, daß du schuldig bist,
sondern du mußt belegen können, daß du unschuldig bist. andernfalls kannst du i
m knast auf deinen gerichtstermin warten. das sind nichts anderes als geiselnahm
en mit dem ziel, unschuldserklärungen abzupressen.
was ist nun das neue an diesem kriminalisierungsversuch? unserer meinung nach ve
rsucht die bundesanwaltschaft erstmalig eine ganze soziale bewegung in eine terr
oristische Vereinigung umzurüsten. eine bewegung, die selbst für den verfassungs
schutz, nicht unter dem pflaster, sondern in aller öffentlichkeit, fast vor alle
r augen, ihr unwesen treibt.
unseres wissens ziehen die vom bka ausgemachten terroristen anonymität, unauffäl
liges verhalten und gepflegtes auftreten vor. doch was lesen wir dazu im vs-beri
cht: "maskiertes auftreten, schwarze fahnen und die verwendung anarchistischer e
mbleme waren kennzeichen ihres militanten auftretens bei demonstrationen und akt
ionen." eine terroristische vereinigung, die auf der straße flugblätter verteilt
, öffentlich plakate klebt, an demos teilnimmt und sogar die unverfrorenheit bes
itzt, zu pressekonferenzen einzuladen.
die 4. generation grüßt ihre schwestern und brüder in freiburg, nürnberg, göttin
gen, berlin..
heute muß mann und frau nicht guerillero sein - militante/r sein reicht auch. be
rechnungsgrundlage ist die zahl der festnahmen multipliziert mit der höhe der st
rafandrohung. für juristen unter uns: land-hausfriedensbruch, widerstand, körper
verletzung etc. werden ab nun nicht mehr als demonstrationsdelikte sondern nach
129a geahndet. das kommt einem demonstrationsverbot gleich. in militärkreisen
prägte man dafür das wort: krieg in der grauzone.
zu Zeiten des kalten krieges ist bekanntlich einiges erlaubt, was ansonsten als
verboten gilt. so mußten wir aus strafrechtlichen gründen zu einer festgefügten
terrororganisation zurechtgestutzt werden, um den anforderungen des 129a gerec
ht zu werden. da hilft auch kein frankfurter kriminalhauptkomrnissar, der folgen
des zum besten gab: "als geschlossene gruppe .... habe es einen 'schwarzen block
' nie gegeben." KHK neitzel: "organisatorisch sind die nicht geordnet." (aus Spi
egel nr.32/1981) wir sind und bleiben eben chaoten, herr neitzel.
mittlerweile ist es auch ruhig geworden um die bombenanschläge, die geradezu obl
igatorisch einer terrororganisation zugeordnet werden. schließlich haben sie län
gst eingeschlagen, die veröffentlichte meinung war auch flugs aufgewühlt und emp
ört, das timing stimmte wieder einmal.
die terrorfahndung selbst war ein totsicherer schlag ins wasser. was jedoch zurü
ckbleibt, sind die ungewissen wochen im knast, die durchsuchung unzähliger wohnu
ngen, die angst und ungewißheit vor neuen verhaftungen.
und sie haben erreicht, was sie legal nicht bekommen hätten: ein soziogramm des
widerstands - adressen, tagebücher, artikel, notizen, freunde, mitbewohner usw.,
die nächsten blankohaftbefehle sind schon vorprogrammiert.
nachdem die terrorschlagzeilen abgespeckt wurden, kamen die wahren "anschläge" i
n den mittelpunkt der berichterstattung. deren chronologie ist in jeder schlecht
en zeitung nachzulesen: geboren wurden wir laut vs-urkunde am 1. mai 1980, unges
tillt besetzten wir anläßlich des 17. juni die siesmayerstr. 4, gerade der eigen
en sprache mächtig, riefen wir dem erlauchten opern-publikum entgegen: hundert j
ahre oper und kein tag mehr. noch nicht gelebt und schon dermaßen brass, daß es
selbst 22 scheiben des zürichhochhauses nicht mehr in ihren rahmen aushielten (n
och nachträglich grüße an unsere züricher genossen/innen) u.v.a.m., das hier nic
ht gewürdigt werden kann.
übrigens lädt auch auch dieses Jahr der schwarze block alle gäste aus dem in- un
d ausland zur wiedereröffnung der oper ein.
nachdem roßbach als terrorzentrale aufgeflogen ist, entschlossen wir uns in gehe
imer abstimmung für ein repräsentatives objekt in zentraler lage: die oper !
um dies noch einmal deutlich zu machen: für uns steht die umrüstung des schwarze
n blocks zu einer terroristischen vereinigung in EINEM zusammenhang zur gewaltsa
men räumung der eschersheimer 79 und des freilandes "indercity nied", kurzum, in
zusammenhang zu jedem militanten widerstand hier in dieser stadt. dafür bürgt g
anz offensichtlich auch unsere geschichte. und so erlebten wir auch die ereignis
se der letzten wochen. ein schlag auf den anderen erfolgte, mit dem ziel uns aus
zuradieren. musikantenweg, eschersheim, nied.
als vor der katharinenkirche einige von uns aus protest gegen die räumung der es
chersheimer eine holzhütte bauten, kamen die bullen mit maschinenpistolen, verha
fteten einige und schlugen sie auf dem revier zusammen. in der eschersheimer mac
hten sie das unvorsichtigerweise auf der Straße. nun gibt es einen film darüber.
nachdem indercity plattgewalzt wurde - in den nächsten jahren wird dort bestenfa
lls Gras drüber wachsen - bewegte sich ein autokonvoi richtung innenstadt. mit g
ezogenen pistolen stoppten bullen und zivile den konvoi. restlos alle wurden fes
tgenommen und für eine nacht in den knast schafft.
am 27.7.81 im morgengrauen umstellten ca. 500 panzerwesten mit bullen im anschla
g ein haus in nied, das von einer wg bewohnt wird. sie stürmten das haus und ris
sen die bewohner/innen mit vorgehaltener mp aus dem schlaf. 2 bewohner/innen wur
den auf der stelle verhaftet. einer sitzt heute noch im knast. trennscheibe, ein
zelhofgang, keine gemeinschaftsveranstaltung usw.
der staat diskutiert richt über gewalt, er übt sie aus und gießt sie in gesetze.
vielleicht ergibt sich das schon aus dem gesagten: wir werden keine unschuldska
mpagne führen. im gegenteil. je mehr leute sich "terroristisch" verhalten, d.h.
häuser besetzen, staatsopern bekämpfen, die startbahn-west verhindern, gegen mil
itarismus kämpfen usw., desto größer ist die chance, daß sie wieder rauskommen,
und desto eher verhindern wir, daß weitere einfahren.
wir wissen, daß wir sie stören. wir sollen verschwinden, aus ihrem parfümierten
gesichtsfeld, aus ihrem klinischen stadtbild. der geruch von sakrotan breitet si
ch aus: reinigend, desodorierend, wohlriechend.
dennoch
wir werden überall da sein, wo wir nicht sein sollen
überall da auftauchen, wo wir verschwinden sollen
überall da leben, wo leben verboten ist !
bevor wir's vergessen: wenn bernhard, andy und toni bis zum heutigen mittag nich
t raus sind, kündigt das wetteramt offenbach vorsorglich längere und heißere näc
hte an. wenn die nacht am tiefsten ist, ist der tag am nächsten. Ton. Steine. Sc
herben.
aus: radikal Nr.98, 9/1981
entnommen der: Vollautonom Nr.4