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mowo e.v.

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Regionale und überregionale Nachrichten zum Thema Elektromagnetische Strahlung august/10

news
Das EMF-Magazin für Flieden und Osthessen
Mobilfunksenderfreie
Wohngebiete Flieden
e.V.

Themenübersicht

Digitale Dividende
Hofbieber (Hessen) im großen
Feldversuch trotz technischer Mängel
Seite 1 und 2
Bürgermeister Schafft (CDU) will
Funklösung Seite 3

BUND und Diagnose Funk warnen


Seite 4
Kleine Anfrage der GRÜNEN
offenbart Wissenslücken Seite 5

Sind wir eine digitale Gesellschaft?


Seite 5

Interphone Studie
19 Mio. Euro für ein zweifelhaftes
Ergebnis Seite 6
Diagnose Funk Deutschland
gegründet
mowo unterstützt die neue Umwelt-
und Verbraucherorganisation Seite 7
Kabel BW und der Glasfaser-
Ausbau
Schneller geht‘s nicht. Glasfaser für Foto: Peter Kirchhoff/pixelio
fast alle. Seite 7

Stellungnahme Bürgerwelle Rhön


Irreführung der Bürger Seite 8
Milliarden-Grab statt
Strahlungsarme DECT-Telefone
Es geht also doch... Seite 8
Digitaler Dividende
Als erste Gemeinde im Landkreis Fulda hatte Hofbieber eine Mobilfunkleitlinie
Design mit Pannen
erstellt und entfernt sich immer mehr von deren Zielen. Es gibt viele Gründe, die
Das neue Iphone 4 Seite 8
gegen LTE und Funklösungen sprechen.
WLAN im Auto
Was soll der Blödsinn... Seite 8 HOFBIEBER/FULDA. Im mäßig besuch- dass seitens der Befürworter dieser Me-
ten Gemeindesaal in Hofbieber wurde ein thode permanent mit „freiwerdenden
Urlaub unter Sendemasten brisantes Thema behandelt: Die Vorzüge Rundfunk- und Fernsehfrequenzen“ argu-
Erfahrungsbericht an der Küste Seite 8 der so genannten Digitalen Dividende, mentiert wird, das Wort UMTS aber
also DSL-Versorgung über UMTS und des- gemieden wird wie vom Teufel das Weih-
Handys aus der Hose sen Nachfolger LTE. wasser, zeigte Wirkung. Nur wenige kriti-
Neue Studienergebnisse Seite 11 Seit Mitte Oktober findet in Hofbieber ein sche Bürger verirrten sich zu dieser CDU-
großer Feldversuch statt. Durch freige- Veranstaltung.
Tinnitus durch Handys? wordene Frequenzen des analogen Rund- Und tatsächlich fällt das Wort UMTS sei-
Studienergebnisse aus Wien Seite 12 funks und Fernsehens wird mittels digita- tens des anwesenden Vertreters von Voda-
ler UMTS-Strahlung die DSL-Versorgung fone, dem kleinen Funk-Netz-Anbieter
Frankreich schützt die Kinder geregelt. Zur Zeit nehmen 47 Teilnehmer OR-Network, einem Referatsleiter des
Verschiedene Maßnahmen zum an diesem Pilotprojekt teil. Die Tatsache, hessischen Wirtschaftsministeriums,
Schutz vor EMF Seite 12

mowo-news august-2010 > Seite1<


DIGITALE DIVIDENDE

einem Landrat, einem Landtagsabgeord- Ausgleichsfond geplant Es wurden teilweise massive Stöungen
neten und dem heimischen Bürgermeister Während der Werbeveranstaltung in Hof- der Endgeräte, das heißt bei Digital-
nicht ein einziges Mal. Erst bei der folgen- bieber am 10.Mai stellte Markus Hofmann, Receivern, TV-Geräten oder Kabelmo-
den Diskussion kommen Kritiker zu Wort Sprecher der Bürgerwelle Rhön, die Frage, dems gemessen“, unterstreicht Maurice
und das böse U-Wort fällt. ob es einen finanziellen Ausgleich geben Böler, Pressesprecher von Kabel BW in der
werde durch Schäden, die durch die Ein- gleichen Ausgabe.
führung der Digitalen Dividende entste-
Eine durchwachsene Zwischenbilanz hen. Der Referatsleiter Technologiepolitik
Tage zuvor wurde in der Fuldaer Zeitung des hessischen Wirtschaftsministeriums Auch der BUND ist skeptisch
in einem Bericht die Vorteile des Pilotpro- Georg Matzner erklärte, es werden wohl „Dass es im technischen Bereich zu uner-
jektes in Hofbieber beschrieben. Mit Brut- Mittel aus den Frequenzversteigerungs- wünschten Interferenzen kommen wird,
to 7,2 MBit/s surfen die 47 Probanten des Erlösen dafür bereit gestellt und ein Aus- steht hingegen außer Frage. Da der Fre-
Feldversuchs durch das weltweite Netz. gleichsfond entstehen. Genauer wollte er quenzbereich relativ nah an TV-typischen
Keine Frage, eine deutliche Steigerung, sich nicht äußern. Verständlich, denn das Frequenzen angesiedelt ist, sind Störun-
denn bis dato wurde nur mit maximal kommt doch einem Offenbarungseid gen unvermeidbar“, so der BUND Experte
384Kbit/s, meist aber noch weniger, gleich. Technisch hochwertige Instrumen- für Mobilfunk Bernd Rainer Müller. Es
gesurft. Sie funktioniert also, die Digitale te und Gerätschaften, die durchaus noch scheint, als ob Deutschland zum großen
Dividende (DD). Der hessische Wirt- neuwertig sind, müssen verschrottet wer- Feldversuch startet, obwohl sich das euro-
schaftsminister Dieter Posch (FDP) prä- den, weil eine neue Technik eingeführt päische Ausland derzeit noch zurückhält,
sentierte in dem Bericht über 90% zufrie- wird. Und der Schaden wird durch den Ver- weil man dort um die technischen Schwie-
dene Nutzer. Nur am Rande liest man, dass steigerungserlös bestritten. Wurden für rigkeiten weiß. Der britische Regulierer
6,5% der Teilnehmer technische Proble- die Versteigerung der UMTS-Funklizen- Ofcom rechnet ebenfalls mit Störungen
me mit ihren Radios und Fernsehgeräten zen satte 50 Milliarden Euro eingenom- und macht zur Auflage, den betroffenen
bekommen haben. Technische Probleme men, werden nur 4,4 Milliarden Euro für Haushalten Störsender zuzusenden. Auf
von Nicht-Nutzern der Digitalen Dividen- die Lizenzen der Nachfolgetechnik LTE- Kosten der Verursacher. In Deutschland
de wurden nicht erfasst. eingenommen. Das wird kaum reichen, wird es wohl der Steuerzahler richten.
die entstandenen technischen Schäden
auszugleichen.
2,6 Millionen Haushalte müssen mit Derzeit keine Studien zu Gesundheit
technischen Problemen rechnen Da es keine wissenschaftliche Studien
Wenn man nun diese 6,5% auf die Gesamt- Massive Störungen in Endgeräten gibt, sind Wirkungen auf Mensch und
bevölkerung Deutschlands hochrechnet, Bertram Bittel, Direktor Technik und Pro- Natur völlig unbekannt. „Die Aussage der
kommt man auf stattliche 2,6 Mio. Haus- duktion des SWR sagte in einem Interview LTE-Lobby, dass dieser Standard völlig
halte, die sich in Zukunft mit technischen in der Juni-Ausgabe der Zeitschrift Info- unbedenklich sei, ist eine reine Vermu-
Problemen auseinander setzen müssen. sat: „Die Bundesnetzagentur ist gefordert, tung und durch nichts belegt“, so Bernd
Wohlgemerkt: Diese Probleme entstehen ein störungsfreies Nebeneinander von Rainer Müller in der Infosat. LTE-Handys
nur durch die neue Funkstrahlung der digi- Mobilfunk- und Rundfunk-Diensten zu und Datenmodems stören den Empfang
talen Dividende, denn eigentlich sind die gewährleisten. Weder sind die notwendi- des terristischen Rundfunks und in gerin-
Geräte ja in Ordnung. An sich ist das allein gen Maßnahmen zur Störungsvermei- gen Maße auch die von digitalem Kabel-
schon ein Skandal. dung hinreichend beschrieben, noch sind fernsehen. Die Studien des Instituts für
Es geht aber noch weiter: Rundfunkhäu- die Zusagen des Bundes, die Kosten für die Rundfunktechnik (IRT) haben das bestä-
ser, Fernsehanstalten, Festpielhäuser, Büh- Räumung dieser Frequenzbereiche den tigt. Mit LTE kommt einiges auf uns zu,
nen, Theater, Kinos, Kirchen, Vereine, alle, bisherigen Frequenznutzern zu erstatten, sagen nicht nur Technik-Kritiker. Das lässt
die zum Beispiel Funkmikrofone benut- bisher erfüllt“. Schlimmes befürchten.
zen, müssen Ihre Technik umstellen. Ein
Milliarden-Schaden droht. Ein Problem,
das seit langem bekannt ist. Schon 2008
schrieb das Magazin Connect, dass laut
den Verbänden ungefähr 700.000 Funk-
mikrofone und andere drahtlose Produk-
tionsmittel betroffen sind. Diese müssen
durch neue, für einen anderen Frequenz-
bereich geeignete Geräte ersetzt werden.
Dadurch entstehen den Verbänden zufol-
ge Kosten in Höhe von deutlich mehr als
einer Milliarde Euro.

Milliarden-Schäden, die der Steuerzah-


ler zahlen muss
Holk Freytag, Intendant der Bad Hersfel-
der Festspiele äußerte sich gegenüber
dem HR, dass er allein in Bad Hersfeld mit
Kosten in Höhe von bis zu 500.000 Euro
rechnet. Laut HR-Bericht soll die „alte“
Technik per Steuererklärung abgeschrie-
Foto: cb / Pixelio
ben werden. Der Steuerzahler zahlt also
die Digitale Dividende. Und der Verursa- Ein Großteil der Mikrofonierung und Monitoring bei Gesanganlagen und
cher erhält die Dividende. Ist das gerecht? Studiotechnik muss verschrottet werden. Der Steuerzahler wird‘s schon richten.

mowo-news august-2010 > Seite 2 <


DIGITALE DIVIDENDE

Hofbiebers Bürgermeister Schafft


(CDU) verliert an Glaubwürdigkeit.
Hat Marcus Schafft seine Leitlinie vergessen? Oder wie erklärt er seinen Richtungswechsel

HOFBIEBER. „Wir wollen nicht aus- erklärte gegenüber der Bürgerwelle Rhön dards betrifft nicht aber die Versor-
schließlich mit der Digitalen Dividende während der „Dividenden- Veranstaltung“ gung mit Breitbanddienstleistungen,
arbeiten, aber ich finde, es ist einer der in Hofbieber, dass es sich bei der in die genauso gut netz- und leitungsge-
möglichen Wege, den man wählen kann, Hofbieber bereit gestellten Technik um bunden übertragen werden können.“
um vorübergehend eine Versorgung WiFi handelt, um das Angebot der
sicherzustellen... Hier ist sicher keiner in Digitalen Dividende zu ergänzen.
der Gemeindeverwaltung Hofbieber, der Wer hat den Boden des Konsenses ver-
sofort Hurra ruft, wenn’s Mobilfunk heißt, lassen?
aber auf der anderen Seite muss ich sagen, Digitale Dividende reicht nicht aus Von einem Konsens mit den Bürgerinitia-
ist die Gemeindeverwaltung darauf ange- Da muss man erstmal schlucken: Also, tiven bezüglich DSL-Versorgung per Funk
wiesen, dass wir Linien haben, an denen UMTS per Digitalen Dividende und kann hier keine Rede mehr sein. Den Bür-
wir uns festhalten können. Das ist auch zusätzlich die Funktechnik WiFi. Von gerinitiativen auch noch vorzuwerfen, sie
meine Erwartung an die Initiativen, wenn Bemühungen, Glasfaser oder grund- würden sich nicht an Vereinbarungen hal-
mal ein Konsens gefunden wurde, man die- sätzlich einer kabelgebundenen DSL- ten ist perfide angesichts des Wortbru-
sen Konsens auch beibehält.“ so Marcus Versorgung entfernt sich Hofbieber ches seitens Marcus Schafft. In der Fuldaer
Schafft, (CDU) Bürgermeister in Hof- immer mehr. Da fällt einem spontan die Zeitung wird Schafft zitiert: „Ich wünsche
bieber, im HR-Info-Interview mit Redak- Hofbieberer Leitlinie ein, in deren Prä- mir, dass durch eine zeitnahe Erteilung
teurin Ina Rumpf. ambel steht: der dauerhaften Funklizenzen eine bruch-
lose Fortsetzung des Angebots erfolgt.“
Schafft spricht von Konsens „Die Gemeinde Hofbieber ist der Auf- Wer glaubt da noch die hehren Worte
Dass er nicht ausschließlich mit der fassung, dass der Versorgungsauftrag Schaffts, dass das alles nur eine Über-
Digitalen Dividende arbeiten will, beweist der Mobilvertreiber aus Artikel 87f des gangslösung sei und Glasfaser der Über-
Schafft, indem er zusätzlich OR-Network, Grundgesetzes der Bundesrepublik- tragungsweg der Zukunft.
einen lokalen Netzbetreiber, ins Boot holt. Deutschland nur den Bereich des mowo
Oliver Reitz, Eigentümer von OR-Network, Mobilfunks im Sinne des GSM-Stan-

Interview unterm Sendemast Zahlenspiel


Zum Thema Digitale Dividende wurde auch Markus Hofmann befragt.
FLIEDEN. Als Bürgerinitiative, die erfolg- bekannt. Mowo-Vorstand Markus Hof-
reich verhindert hat, dass Flieden an dem mann wurde von Ina Rumpf vom HR-Info
Pilotprojekt Digitale Dividende teilnimmt, interviewt. Zu Wort kam auch Hofbiebers
ist der Verein mowo e.V. hessenweit Bürgermeister Marcus Schafft.

Foto: A. Dreher/pixelio

16.000 Kilometer Glasfaser


60.000.-Euro kostet ein Kilometer Glasfa-
ser laut Bürgermeister Schafft.
Wenn man die Schadenshöhe von „nur“
einer Milliarde Euro durch die Einführung
der Digitalen Dividende zugrunde legt, die
der Steuerzahler so oder so bezahlen
muss, könnte man für diese Summe über
16.000 Kilometer Glasfaser verlegen. Wie
vielen Menschen könnte man durch die
Verlegearbeiten der Kabel Arbeit geben?
Diese Menschen zahlen Steuern und kon-
Bild: mowo sumieren. Allen wäre gedient. Doch die
Digitale Dividende zahlt sich nur für die
Gespräch am Galgenberg in Flieden. Ina Rumpf von HR-Info interviewt Markus Hofmann. Betreiber aus. mowo
mowo-news august-2010 > Seite 3 <
DIGITALE DIVIDENDE

Bekannt ist jedoch , dass 27-30% der Be-


völkerung im Hinblick auf die Wirkungen
hochfrequenter elektromagnetischer Fel-
der besorgt sind, 9% sind gesundheitlich
beeinträchtigt. Trotz der alarmierenden
Zahlen wird eine weitere Schädigung billi-
gend in Kauf genommen. Das EU-Parla-
ment sieht das Gefährdungspotential ganz
anders: Es hält die Grenzwerte angesichts
immer neuer Techniken und damit wach-
senden Strahlenbelastungen nicht mehr
für ausreichend und sieht akuten Hand-
lungsbedarf.

Diagnose>Funk stellt Forderungen


Die neu gegründetet Umwelt- und Ver-
braucher-Organisation Diagnose>Funk
fordert Bürger und Bürgerinitiativen auf,
bei den örtlichen Behörden Nachweise
der Umweltverträglichkeit von LTE zu ver-
langen. Ansonsten sollte die Errichtung
von LTE – Anlagen durch die Gemeinde un-
terbunden werden. Jede weitere Ver-
schlechterung durch neue Technologien
ist inakzeptabel. Diagnose-Funk fordert
daher, die aus bisherigen Versteigerungen
gewonnenen Gelder einzusetzen
l für Forschungsprogramme zur Klärung
biologischer Wirkungen von Funktechno-
logien auf Mensch und Umwelt durch
unabhängige Wissenschaftler.
l für die Entwicklung und Umsetzung
alternativer Kommunikationstechnolo-
gien, sowie den flächendeckenden Aus-
bau von Glasfasernetzen, gerade auch in
ländlichen Regionen.
l für Maßnahmen zu Senkung der
Strahlenbelastung, was gerade hinsicht-
lich Mehrfachabdeckungen auch einen
Ausbaustopp bedeuten kann.

Auch der BUND warnt


Foto: Tom1411/Pixelio Auch der BUND fordert „zukunftsfähige
Funktechnologien“ und warnt ebenfalls:
„Die Gesundheit der Menschen nimmt
Schaden durch flächendeckende, unna-
Warnende Stimmen
Das Zauberwort der IT-Branche und der schwächelnden Mobilfunk-Industrie
türliche Strahlung mit einer bisher nicht
aufgetretenen Leistungsdichte. Und
fordert deshalb: Keine neue Technologie
heißt Digitale Dividende und beschert schon bald eine reale Dividende vor einer unabhängigen Abklärung ihrer
Risiken!
MAINZ. 2001 kassierte der Staat 50 anschluss gerade die ländlichen Gebiete
Milliarden Euro für die Versteigerung der mit Mobilfunk-Breitbandanschlüssen ver-
UMTS-Lizenzen. Die Technologie konnte sorgen. Doch der Standard wird einge-
daraufhin ohne Überprüfung der Gesund- führt ohne jede Abklärung seiner Aus- LTE („Long Term Evolution“)
heitsverträglichkeit eingeführt werden. wirkungen auf Umwelt und Gesundheit. ist die 4. Mobilfunkgeneration
Nun wiederholt sich dieser Vorgang mit Es liegen keine Forschungen zu LTE vor.
der LTE- Mobilfunkfrequenzen-Verstei- LTE sendet in den Frequenzen von 800
gerung. MHz sowie 1,8 und 2,6 GHz. Ein Aus-
Mit der Vergabe von LTE-Mobilfunkfre- Warnung des Bundesamts für schnitt davon, nämlich der zwischen 790
quenzen wird die dritte Mobilfunk- Strahlenschutz und 862 MHz gehörte bislang dem Fre-
Generation UMTS abgelöst. LTE (Long Das Bundesamt für Strahlenschutz quenzspektrum des nun ausgedienten
Term Evolution) ist auf schnelle Daten- warnte schon 2005 vor der „unkontrol- analogen Fernsehens. Dieser Bereich ist
übertragung ausgerichtet. Mit den techni- lierten Exposition“ (Leitlinien Strahlen- im Vergleich zu den herkömmlichen für
schen Möglichkeiten verbunden soll die schutz) der Bevölkerung. Eine große Zahl Handys genutzte Frequenzen langwelli-
Übertragung im Handynetz so schnell und internationaler Studien bestätigt, dass ger und dadurch auch besser für größere
unkompliziert wie im Festnetz werden. jede elektromagnetische Strahlung und Reichweiten und Gebäudedurchdrin-
Das LTE-Mobilfunknetz soll aber vor jede Frequenz spezifische Auswirkungen gung geeignet.
allem als Alternative zu DSL oder Kabel- auf Mensch und Natur hat.

mowo-news august-2010 > Seite 4 <


STELLUNGNAHME DER GRÜNEN

Bundesregierung
verweigert sich dem
Strahlenschutz
Die Bundestagsfraktion der GRÜNEN/Bündnis 90 stellte eine kleine Anfrage
bezüglich der neuen Versteigerung von weiteren Funkfrequenzen.

BERLIN. In einer kleinen Anfrage im Bundesregierung ignoriert Strahlen-


Zusammenhang mit der Versteigerung schutz
neuer Mobilfunkfrequenzen wollten wir Komplettes Unverständnis der Bundesre-
wissen, welche Strahlungsminimierungs- gierung spiegelt sich auch beim Umgang
konzepte oder wenigstens Konzepte für mit der neuen Funktechnik LTE (Long
eine Begrenzung der Zunahme der nicht- Term Evolution) wieder. So forderte das
ionisierenden Strahlung bei der Ausschrei- Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in
bung eine Rolle spielten. Die Antwort ist einer Mitteilung, dass die wesentlichen
erschreckend inhaltsleer. Eigenschaften dieser neuen Techniken so
Dabei geht die Bundesregierung, unab- rechtzeitig bekannt gegeben werden, dass
hängig von der zukünftig eingesetzten die Wissenschaft und der Strahlenschutz
Technik, von einer Erhöhung der Strah-
lenbelastung aus. Selbst die einfachste
Gelegenheit haben, vor der Einführung
ihre Gesundheitsverträglichkeit zu be- Breitbandatlas
Strahlungsminimierung wie die gemeinsa- werten. Wie die Antwort verdeutlicht, Sind wir eine digitale Gesellschaft?
me Netznutzung unterliegt weiterhin der sehr zu recht. So liegen der Bundesregie-
Einschränkung, "wettbewerblich unbe- rung "keine konkreten Studien zu LTE
denklich" zu sein. Damit ist sichergestellt, vor". Weiterhin wird deutlich, dass neben BERLIN. "Offliner" machen einen Anteil
dass es wie bisher keine gemeinsame Netz- der Stellungnahme des BfS, die mit der von 28 Prozent der Bevölkerung über 14
nutzung geben wird. Forderung nach rechtzeitiger Beteiligung Jahren aus, deshalb könne man in
von Wissenschaft und Strahlenschutz Deutschland noch nicht von einer digita-
Bundesregierung ignoriert eigene verbunden war, keinerlei Stellungnahmen len Gesellschaft sprechen, erklärte die
Empfehlungen des Strahlenschutzes vorliegen. Initiative D21, ein Zusammenschluss von
Die Bundesregierung handelt somit gegen Unternehmen und Regierungsbehörden.
ihre eigene, immer noch gültige Empfeh- Einnahmen für Forschung und Emis- Es gibt erhebliche Unterschiede seitens
lung, die Strahlenbelastung so weit wie sionsminderung nutzen! der Bundesländer und eine Schere zwi-
möglich zu minimieren. schen Ost und West. Der Osten hinkt dem
Zitat: "Die Bundesregierung empfiehlt Um das Versagen komplett zu machen, Westen hinterher. An der Spitze der Inter-
allgemein, die persönliche Strahlenexposi- verzichtet die Bundesregierung gleich net-Nutzung liegt nach wie vor Bremen
tion durch hochfrequente elektromag- darauf, in der Versteigerung eingenom- mit inzwischen 80,2 Prozent, gefolgt von
netische Felder so gering wie möglich zu mene Gelder für Forschung, Strahlenmini- Baden-Württemberg (76,0 Prozent),
halten, also herkömmliche Kabelverbin- mierungsmaßnahmen oder den Ausbau Berlin (75,2 Prozent) und Hamburg (75,0
dungen zu bevorzugen, wenn auf den Ein- des kabelgebundenen Netzausbaus zu Prozent). Am unteren Ende stehen Meck-
satz von funkgestützten Lösungen ver- verwenden. Von den knapp 4,4 Milliarden lenburg-Vorpommern (62,7 Prozent),
zichtet werden kann.". Euro, die eingenommen wurden, ist Sachsen-Anhalt (62,9 Prozent), Thürin-
scheinbar kein Geld für Forschung in den gen und das Saarland (jeweils 65,4 Pro-
Bereichen, Auswirkungen der nicht- zent) sowie Sachsen (65,8 Prozent). Im
Bundesregierung ignoriert eigene ionisierenden Strahlung auf Kinder und Osten will jeder Dritte nicht ins Internet.
Erkenntnisse Jugendliche und Langzeitwirkungen. Grundlage war eine Befragung mit 30.000
In den vergangenen Jahren haben die Wir fordern die Bundesregierung auf, Teilnehmern.
Bundesregierungen viele Millionen Euro in einen angemessenen Teil der Einnahmen
die Erforschung von Möglichkeiten der für diese Forschung und für Emissionsmi- Mobile Breitbandnutzung per UMTS
Strahlungsminimierung gesteckt. Allein 11 nimierungsmaßnahmen zur Verfügung zu liegt bei 1,9%
Millionen Euro wurden im Zeitraum 2002 stellen Von den Internet-Nutzern haben inzwi-
bis 2010 aus dem Etat des Forschungsmi- schen mehr als zwei Drittel (68,9 Prozent)
nisteriums dafür verwendet (Dritter einen schnellen Breitband-Zugang. Dabei
Bericht der Bundesregierung über die ist die DSL-Verbindung mit 42,8 Prozent
Kleine Anfrage Mobilfunkstrahlung
Forschungsergebnisse in Bezug auf die die meistgenutzte Technik, gefolgt vom
(mit Antwort)
Emissionsminderungsmöglichkeiten der Kabelmodem (4,5 Prozent). Der Anteil der
(http://www.gruene-
gesamten Mobilfunktechnologie und in mobilen Breitbandnutzung mit Handy
bundestag.de/cms/initiativen/dok/338/
Bezug auf gesundheitliche Auswirkung- oder UMTS-Stick hat sich auf 1,9 Prozent
338726@de.html)
en). Dieses geschah auch, weil man aus den verdoppelt.
Fehlern der ersten Versteigerung lernen 16 Prozent der Internet-Nutzer beschrän-
wollte. Doch die schwarz-gelbe Bundesre- ken sich noch auf einen Schmalband-
gierung setzt nicht auf die in ihren Quelle: http://www.gruene-bundestag.de Zugang: 9,3 Prozent mit ISDN und 7,0
Ministerien gewonnen Erkenntnisse. Prozent mit Modem.

mowo-news august-2010 > Seite 5 <


INTERPHONE-STUDIE

det sind gemäss diesen Studien Personen,


die bereits vor dem 20. Lebensjahr mit der
Handynutzung beginnen.
Mit einem Kostenaufwand von über 19
Millionen Euro und 50 beteiligten Wissen-
schaftlern in 13 Ländern, ist die Interpho-
ne-Studie die bisher grösste epidemiolo-
gische Studie („am Menschen"), welche zu
den Ursachen von Gehirntumoren jemals
durchgeführt wurde. Die Studie wurde im
Jahr 2000 begonnen und sollte offiziell
schon 2005 enden. An rund 14.000 Perso-
nen sollte geklärt werden, ob die Nutzung
von Mobiltelefonen das Risiko für Tumore
im Kopfbereich erhöht. Während schon
fast jedes zweite Kind im Alter zwischen 8
und 12 Jahren bereits ein Mobiltelefon
nutzt (siehe auch www.kinder-und-
mobilfunk.de ), mussten Eltern und Politi-
ker auf die bereits mehrmals hinausgezö-
gerte Publikation der INTERPHONE-
Endresultate warten. Nun wird die Studie
veröffentlicht, ohne jedoch ihr Geld wert
zu sein: Nach jahrelangem Streit über die
unplausiblen Ergebnisse, reduziert sich
das Projekt zur „Diskussion von Design-
Fehlern".

Ausführliche Informationen finden Sie


imDiagnose Funk- Brennpunkt:
Interphone-Studie: 19 Millionen Euro für
ein zensiertes Ergebnis

Foto: Christian Seidel/Pixelio Krebsrisiken durch Mobilfunk bleiben


weiter ungeklärt.
In den veröffentlichten Ergebnissen über

Die Interphone Studie den Zusammenhang von elektromagneti-


scher Handystrahlung und dem Auftreten
von Hirntumoren sieht der Bund für
Lange unter Verschluss, jetzt veröffentlicht. Ergebnis: Es gibt kein Freispruch für Umwelt und Naturschutz Deutschland
Mobilfunk, weiterer Forschungsbedarf ist da. (BUND) keinen Grund zur Entwarnung. In
einer Pressemitteilung vom 18.05.2010
Die internationale Studie INTERPHONE auf ein mehrfaches Hirntumorrisiko gibt, in kritisierte die Umweltschutzorganisation
kann die bereits bestehende unabhängige der Endfassung des Studientextes unter- außerdem das Studiendesign der soge-
Studienlage zur Gefährdung durch Mobil- schlagen wird. Wahrscheinlich weil es allzu nannten „Interphone-Studie“ der Weltge-
telefone nicht entkräften. Erhebliche peinlich ist, findet man in der Schlussfas- sundheitsorganisation WHO. Die Studie
Mängel im Studiendesign führen dazu, sung auch keinen Hinweis auf das Problem habe unter praxisfernen Bedingungen
dass die Studie das Risiko eines Gehirntu- der Schnurlostelefone, die oft eine Hauptbe- stattgefunden.
mors infolge Handynutzung nicht bezif- lastungsquelle darstellen.
fern kann. Obwohl die jetzigen Ergebnisse ohne die Die Interphone-Studie enthalte deutliche
Die von der internationalen Krebsagentur zensierte Statistik wertlos sind, formuliert Hinweise, dass Intensivnutzer von Mobil-
IARC (WHO) koordinierte internationale man Entwarnungsmeldungen. Sie täuschen telefonen ein erhöhtes Krebsrisiko hätten.
Studie zur Frage des Hirntumorrisikos eine falsche Sicherheit vor, die von der Indu- Bernd Rainer Müller, BUND-Mobilfunk-
von Handynutzern wurde publiziert. strie nun ausgekostet werden kann, wäh- experte: „Selbst die Wissenschaftler, die
rend die heutigen Kinder zur ersten Genera- die Studie durchgeführt haben, schließen
Keine Entwarnung tion gehören, die eine noch nie erlebte erhöhte Krebsrisiken durch Mobiltelefone
Auf den ersten Blick scheint das Ergebnis Strahlendosis kumulieren wird. nicht aus. Deshalb muss der Gebrauch von
eine Entwarnung zu liefern, doch die Präzisere Forschungs-Ergebnisse liefern Handys vor allem bei Kindern und Jugend-
Studie ist prall gefüllt mit methodischen dagegen die Studien der unabhängigen lichen eingeschränkt werden.“
Fehlern. Dies wird von den Forschern im schwedischen Forschergruppe um Lennart Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS)
Schlusssatz der Studie bestätigt: „Wie Hardell: Die Teilnahmerate der Kontrollen müsse industrieunabhängige, neutrale
auch immer, Verzerrungen und Designfeh- ist mit rund 90% wesentlich höher, womit Informationen zu der von Handys und
ler limitieren das Gewicht der Aussagen, der Auswahlfehler vermieden wird. Zudem Funkmasten ausgehenden Strahlung lie-
welche wir aus den Analysen ziehen kön- werden in der Gruppe der „Nicht-Nutzer" fern und Aufklärung über die möglichen
nen und verhindern eine Interpretation (bezgl. Mobiltelefone) auch keine Schnur- Folgen der Handynutzung gewährleisten,
des Zusammenhangs", heisst es auf S.14 lostelefone verwendet. Dementsprechend forderte der BUND.
des Originaltextes. fand man hier bei einer 10-jährige Nutzung
Es ist ein Skandal, dass eine entscheiden- von Mobiltelefonen ein hohes, bis 5,2-
de Statistik aus der Studie, die Hinweise faches Risiko für Gliome. Besonders gefähr-
mowo-news august-2010 > Seite 6 <
NEUENS IN DEUTSCHLAND

mowo unterstützt
Diagnose Funk
FLIEDEN. In einer erweiterten Vorstands- Als Umwelt- und Verbraucherorganisati-
sitzung des Vereins Mobilfunksenderfreie on legt Diagnose-Funk den Fokus ihrer
Wohngebiete Flieden e.V. wurde einstim- Arbeit auf die gesamte Bandbreite der an-
mig beschlossen, dem neuen Verein Diag- gewendeten Funktechnologien.
nose Funk beizutreten, um diesen zu un- Neben den hochfrequenten Funktech-
terstützen. Neben dem hessischen Lan- niken von Mobiltelefonen und Mobilfunk-
desverband mobilfunksenderfreier Wohn- antennen, Rundfunk- und Fernsehan-
gebiete e.V. ist mowo nun auch Mitglied lagen, Radar, DECT-Telefonen, WLAN,
bei Diagnose Funk. TETRA , funkablesbare Energiever-
brauchszählern usw. werden auch nie-
Wer oder was ist Diagnose Funk derfrequente Strahlungsquellen berück-
Die Gründung des Vereins Diagnose-Funk sichtigt. Dazu zählen u.a. Hochspannungs-
in Deutschland im September 2009 ergab leitungen, Transformatoren, Haushalts-
sich als logische Konsequenz aus der in- anwendungen und –einrichtungen.
tensiven dreijährigen Zusammenarbeit
von Diagnose-Funk Schweiz (gegründet Um unser ehrgeiziges Ziel zu erreichen,
2004), dem bundesweiten Netzwerk- müssen wir den Problemfall Mobilfunk in
Risiko-Mobilfunk, dem Mobilfunk Bürger- den Mittelpunkt einer breit angelegten öf-
forum e.V., der Kompetenzinitiative e.V., fentlichen Diskussion rücken.
des Vereins zum Schutz der Bevölkerung Das geht nur mit Ihrer Hilfe. Und der
vor Elektrosmog Stuttgart e.V. und weite- Bereitschaft der mobilfunkkritischen
ren mobilfunkkritischen Initiativen und Bürgerinitiativen, Bürgerinnen und Bür-
Aktivisten. Bundesweit leisten hunderte ger, sich gemeinsam mit Diagnose-Funk
mobilfunkkritische Bürgerinitiativen, en- für den Schutz vor elektromagnetischer
gagierte Bürgerinnen und Bürger, Wissen- Strahlung zu engagieren.
schaftler und Ärzte seit vielen Jahren her-
vorragende Arbeit bei der Aufklärung
über die gesundheitlichen Gefahren der Start der Verbraucher- und Umwelt-
Mobilfunktechnologien und im Kampf ge- organisation
gen Sendeanlagen. Trotzdem ist dem mo- Die Voraussetzungen für den Start der in-
bilfunkkritischen Widerstand der Durch- ternationalen Verbraucher- und Umwelt-
bruch bei der breiten Öffentlichkeit, den organisation Diagnose-Funk sind geschaf-
Medien und der Politik bisher nicht gelun- fen. Der Verein mowo empfiehlt die
gen. Homepage www.diagnose-funk.org, die
sehr detailliert und übersichtlich über das
Bündelung der Kompetenz komplette Spektrum des Themas elektro-
In bisher nie da gewesener Form bündelt magnetischer Felder informiert. Eine Viele verschiedenen Informationsmedien,
Diagnose-Funk die in Bürger- und Fach- Quelle für alle Interessierten sowie die turnusmäßig oder ereignisorientiert
initiativen verfügbaren Kräfte und Exper- Kommunalpolitiker sind die als PDF- erscheinen, sind als Download erhältlich.
ten für Wissenschaft, Forschung, Politik, Datein abrufbaren Infos verschiedener Infos auf der Diagnose Funk Homepage.
Technik, Recht und Kommunikation in Formate und Themenkreise.
zielgerichteter Kooperation. Sie kann da-
bei auf bereits bestehende und gut funk-
tionierende Strukturen und Kontakte zu-
rückgreifen. Um den Problemfall EMF Kabel BW erhebt Glasfaser
überhaupt auf das politische Parkett zu
bringen, braucht Diagnose-Funk auch den
Rückhalt der mobil telefonierenden Men-
zur Regelbauweise
schen. Und deren Wissen um das Gefähr- STUTTGART. In Baden-Würtemberg BW allein in den vergangenen vier Jahren
dungspotential der Mobilfunktechnolo- könnten fast alle zu Kabel-BW-Kunden mehr als eine halbe Milliarde Euro in das
gien. werden, wenn sie wollten Mit der eigene Netz investiert und damit Baden-
Gemeinde Schiltach im Schwarzwald Württemberg in Deutschland an die Spitze
Das Ziel von Diagnose Funk schließt Kabel BW seine Aufrüstung des des Internet-Ausbaus katapultiert. Mit
Das Ziel der Arbeit von Diagnose-Funk ist Kabelnetzes in Baden-Württemberg ab. der Netzabdeckung von 100 Megabit pro
es, über die gesundheits- und umwelt- Sekunde für 74 Prozent der Haushalte im
schädigenden Wirkungen elektromagne- Mit 100 Mbit/s ins Netz Land erfülle Kabel BW damit das Breit-
tischer Felder verschiedenster Quellen Nach Auskunft des Netzbetreibers können bandziel der Bundesregierung von 2014
unabhängig von Industrie und Politik auf- nun 7,7 Millionen Bürger mit einer praktisch aus eigener Kraft im Alleingang ,
zuklären, dadurch Verhaltensweisen von Geschwindigkeit von 100 Megabit pro sagt Harald Rösch, Vorsitzender der
Verbrauchern und Politik zu ändern und Sekunde im Internet surfen – sowohl in Geschäftsführung und setzt hinzu: „mit
Lösungen für zukunftsfähige und umwelt- den Städten, wie auch in den ländlichen der doppelten Geschwindigkeit und drei
verträgliche Technologien durchzusetzen. Regionen. Nach eignen Angaben hat Kabel Jahre früher als gefordert.“

mowo-news august-2010 > Seite 7 <


WELT DER TECHNIK

Irreführung der Bürger Schneller,


Statement der Bürgerwelle Rhön zur Interphone-Studie schöner, kleiner
FULDA. „Bewusst versuchen die Mobil- brauch von Handys durch Kinder müsse Hauptsache schicke Optik, aber das
funkbetreiber erneut, bestehende Ge- eingeschränkt werden, fordert der BUND- neue iPhone 4 hat auch Macken
sundheitsgefahren zu verharmlosen und Vorsitzende Hubert Weiger. Der Staat müs-
die Bevölkerung zu täuschen.“ kommen- se industrieunabhängige Informationen CUPERTINO. Das neue Iphone ist da.
tiert die Bürgerwelle Rhön das vor kur- zur Strahlung vorlegen und vor möglichen Wieder startete ein Medien-Hype mit
zem veröffentlichte Ergebnis einer Inter- Folgen warnen. cleveren Marketing-Mitteln. Schöner,
phone-Studie zur Krebsgefahr durch "Die Studie ist wie viele Vorgänger bereits längere Akku-Laufzeit, noch schmaler...
Handynutzung, die von der Mobilfunkin- so angelegt, dass sie keine stichhaltigen Aber diesmal läuft nicht alles so glatt bei
dustrie mitfinanziert wurde. Das Vorge- Ergebnisse bringt", sagt der Ingenieur Apples Neuerscheinung. Das Wichtigste
hen der Betreiber sei nahezu identisch mit Bernd Rainer Müller, der das Thema bei einem mobilen Gerät, der Empfang, ist
dem der Tabakindustrie vor 20 Jahren. Mobilfunk für den BUND seit 15 Jahren gestört. Schuld soll die Antenne sein, die
Auch diese hatte Gesundheitsgefahren bearbeitet. So seien als "regelmäßige Nut- im Rahmen um das Handy gebaut wurde.
durch Rauchen strikt bestritten, heute sei zer" alle eingestuft, die einmal pro Woche Nimmt man das Handy in die Hand, was
sie gezwungen den Hinweis „Rauchen mobil telefonieren. Sogar die an der Inter- beim Telefonieren ja der Fall ist, nimmt die
kann tödlich sein.“ auf ihren Verkaufsver- phone-Studie beteiligten Forscher räu- volle Anzeige kontinuierlich ab oder
packungen abzudrucken. Das Bundesamt men ein, dass heute eine Nutzung von findet gar kein Netz mehr. Apple spricht
für Strahlenschutz widersprach der Ent- einer Stunde pro Tag und auch mehr von einem Darstellungsfehler, Tester der
warnung durch die Industrie ausdrück- üblich ist. Deshalb bemängelt der BUND, Zeitschrift Chip haben andere Erfahrun-
lich: "Zu Auswirkungen intensiver Handy- dass unter 18-Jährige gar nicht berück- gen gemacht. Unfassbar, was sich Apple
Nutzung sowie der Wirkung auf Kinder sichtigt wurden. Dabei legten Studien für hier leistet, so die Zeitschrift Chip im Juli.
sind weitere Untersuchungen dringend diese Gruppe eine höhere Anfälligkeit für Sollte der technische Mangel nachgewie-
erforderlich." Schäden durch Strahlung nahe. sen werden, ist das für Nutzer des Telefons
wichtig. Wenn kein optimaler Empfang
Erhöhtes Gesundheitsrisiko Dies sieht auch eine Gruppe aus 43 unab- herrscht, fordert das Telefon eine höhere
Entgegen der Behauptung der Mobilfunk- hängigen Biophysikern, Medizinern und Sendeleistung und strahlt selbst auch
industrie zeigt die Studie laut Aussage Umweltrechtlern so. Es seien nur Handy- stärker, was eine höhere Strahlenbela-
unabhängiger Fachleute ein erhöhtes Nutzer im Alter von 30 bis 59 Jahren stung zur Folge haben kann.
Gesundheitsrisiko insbesondere für Kin- befragt worden, obwohl Studien ein deut-
der und jugendliche Handynutzer. lich erhöhtes Tumorrisiko bei 20- bis 29-
Umweltschützer und Mediziner kritisie- Jährigen zeigten. Zudem listet diese Fach-
ren sogar, die Studie rede das Krebsrisiko gruppe elf schwere Mängel im Studienauf-
bewusst klein und ignoriere Zweifel an bau auf. So seien in der Kontrollgruppe zu
ihrem Endergebnis, wonach es keine wenige Nicht-Mobilfunknutzer gewesen
Anzeichen für Krebsrisiken gebe. und verstorbene oder zu kranke Krebspa-
Der Bund für Umwelt und Naturschutz tienten wurden nicht einbezogen.
BUND fordert vom Umweltminister Nor- Zudem gehe die Medizin heute von einer
bert Röttgen (CDU) und dem Bundesamt Krebs-Latenzzeit von etwa 30 Jahren aus,
für Strahlenschutz, den in der Studie ange- Schlüsse nach zehn Jahren seien verfrüht.
deuteten Risiken nachzugehen. Der Ge-

Die strahlen nur, wenn man WLAN im Auto


Was der Mensch nicht braucht
telefoniert CITROEN. Sicher sind Sie auch schon mal
Die 3. Generation von DECT-Telefonen strahlen nur während des Telefonierens. auf die Idee gekommen, wie es wäre, mal
Das wurde aber auch Zeit. eben während der Fahrt Ihre E-Mails zu
checken, im so genannten Social Network
Seit Anfang letzten Jahres gibt es die soge- l Eco-Low-Radiation (Firma Orchid) nach „Freunden“ zu schauen und bei
nannte 3. Generation DECT-Telefone am zuverlässig abschaltend. Wikipedia den nächsten Ort zu suchen.
Markt, die nur noch während der l Eco-Modus+ / Eco-plus (Firma Siemens) Die französische Automarke will jetzt ihre
Gesprächszeit hochfrequente Strahlung teils weiterhin Überwachnungssignale in PKW‘s mit WLAN ausrüsten um genau das
aussenden. Hier wird kurze Zeit nach relevanter Stärke vorhanden. alles zu ermöglichen. Verrückt. Hat man
einem Gespräch auch das Signal der Basis- schon Ärger mit telefonierenden Autofah-
station wieder abgeschaltet. Bei diesen Und aufgepasst! Siemens konnte sich rern, die sich nicht scheuen, in der ande-
Telefonen ist es auch egal, wo das Mobil- nicht dazu durchringen seine Telefone ren Hand eine Zigarette zu halten, kann
teil sich befindet und wie viele Mobilteile auch gleich abschaltend auszuliefern, man demnächst noch erwarten, das diese
(gleichen Typs) an der Basis angemeldet sodass diese Funktion erst aktiviert wer- Spezies Mensch während der Fahrt ein
sind. den muss. Laptop auf den Knien hat.
Sie erkennen die DECT-Telefone der 3. Es gilt aber trotz allem: Wegen der hohen Liebe www.junkies: googelt vor dem Start
Generation an folgenden Funktionsbe- Strahlenbelastung während des Telefo- bitte mal die Straßenverkehrsordnung.
zeichnungen: nierens, sollte ein Schnurlostelefon nur Das Wifi-Board von Citroen kostet 425
l full-eco (Firma Swissvoice) zuverlässig als Zweit-Telefon aufgestellt werden. Euro und aber eventuell auch den Führer-
abschaltend. Mehr unter www.diagnose-funk.org... schein und Ihre Gesundheit.

mowo-news august-2010 > Seite 8 <


MOBILFUNKBASISSTATIONEN IM URLAUB

Urlaub unter Sendemasten


Auf der Halbinsel Darß an der Ostsee kann man nicht nur Sonnenstrahlen genießen

ZINGST. „Hoffentlich wird es nicht so


schlimm, wie es jetzt schon ist“, mit
diesem Zitat von Karl Valentin könnte man
das Bestreben, Mobilfunk-Bestrahlung zu
umgehen, beschreiben. Wer ganzjährig
durch Mobilfunksender unfreiwillig be-
strahlt wird, will natürlich im Urlaub
davon so weit wie möglich verschont
bleiben. Da ist es ratsam, den Urlaubsort,
sofern in Deutschland liegend, über die
Homepage des Bundesamtes für Strahlen-
schutz (siehe EMF-Datenbank) zu unter-
suchen, um böse Überraschungen zu
vermeiden.

Osteeheilbad Zingst
In diesem konkreten Fall geht es um das
Ostseebad Zingst. Neben einem herrli-
chen langen Sandstrand findet man laut
EMF-Datenbank-Karte acht Standorte von
Mobilfunk-Sendeanlagen in unterschied-
licher Bestückung. Eine Anlage mit drei
Sendeantennen befindet sich direkt an
der Strandpromenade bei der Seebrücke
auf dem Hausdach der Touristinformati-
on, recht unscheinbar neben dem Schorn-
stein (Bild unten). Ungefähr 120 Meter
Luftlinie entfernt auf gleicher Höhen der
Sendeantennen finden sich zwei Hotels
der gehobenen Kategorie.Das pralle
Strandleben besonders von Familien
spielt sich also in unmittelbarer Nähe der
Antennen ab.

Unkoordinierter Antennenwildwuchs
Dass man den Mobilfunkbetreibern nicht
alleine die Planungshoheit ihrer Sendean- Direkt im Ortskern steht ein als Schornstein getarnter 33 Meter hoher Sende-
lagen überlassen darf und ein entspre- mast mit 19 Sendeanlagen. Er endet an einem Schaltcontainer.
chendes kommunales Bauplanungsrecht
dringend erforderlich ist, beweist der Ein Mast hätte sicher ausgereicht, um die Tarnen und täuschen
nächste Standort gleich zweier Sendemas- vielen Sendeanlage zu tragen. So ver- Es wäre in Zingst nicht die erste Sendean-
ten. Die stehen mit jeweils 50 beziehungs- schandeln beide Stahlkolosse gleich lage, die getarnt ist. In der Fußgängerzone
weise 47 Meter Höhe und „ordentlicher“ doppelt die Landschaft des Nationalparks im Zentrum von Zingst steht ein 33 Meter
Bestückung in einem Abstand von nur ca. "Vorpommernsche Boddenlandschaft" hoher Schornstein (großes Bild). Aber
100 Metern nebeneinander. (siehe Bild und bestrahlen die 100 Metern entfernte keine Fisch-Räucher-Kate oder industriel-
nächste Seite). Hotelanlage und die Ferienhaus-Bewoh- ler Betrieb bedient sich des Schornsteins.
ner in nächster Nähe. Er endet nicht an einem Räucherofen
sondern an einem Schaltkasten. Nichts
Eine weitere Sendeanlage befindet sich lässt von weitem darauf schließen, dass es
laut EMF-Datenbank der Bundesnetz- sich hierbei um einen Mobilfunksende-
agentur in unmittelbarer Nähe dieses mast handelt, der laut Bundesnetzagen-
Hotels. Vor Ort zu sehen ist aber kein tur sage und schreibe 19 Mobilfunksende-
weiterer Mast, sondern ein merkwürdig antennen beherbergt. Scheinbar ist man
anmutender Turm in Stein-Optik, der ein in Zingst der Ansicht, dass man den Gästen
wenig an einen Leuchtturm erinnert. Der und Urlaubern eine so erhebliche Strahl-
Schluss liegt nahe, dass hier ein Mobil- enquelle nicht zumuten kann. Zumindest
funk-Mast verborgen werden soll und das optisch nicht. Da ist ein Industrieschorn-
keine 20 Meter von den Hotelbetten stein wohl beruhigender. Wer sich bei
entfernt. Leider hat sich der Bürgermeis- Google Earth Zingst von oben anschaut,
ter von Zingst auf eine Anfrage diesbezüg- sieht auf der etwas älteren Aufnahme
Kaum zu erkennen dank vielfältiger lich nicht gemeldet, so dass der Zweifel noch einen anderen Schattenwurf des
Ablenkung. Zwischen glitzernden bleibt. Wo ist der dritte Sendemast? Alle Mastes anstelle eines Schornsteins. Der
Schornsteinen eine Sendeanlage nur Spinnerei? Mitnichten, wie der Eintrag in der EMF-Datenbank bestätigt
nächste Mast zeigt.

mowo-news august-2010 > Seite 9 <


MOBILFUNKBASISSTATIONEN IM URLAUB

den Standort. Das kann man schon als


unverfroren bezeichnen. Aber auch hier
keine Reaktion des Bürgermeisters.

Keine Tarnung für die Einheimischen


Eine weitere, allerdings ungetarnte An-
lage findet sich auf einem Hausdach einer
Wohnanlage (sanierte Plattenbau)
außerhalb des Stadtkerns in dem wohl
eher Einheimische wohnen. Keine 50
Meter davon sind neue Urlaubs-Domiziele
entstanden. Es ist wirklich schwierig, eine
Elektrosmog-arme Ferienherberge zu
finden. Zumal die entsprechenden Agen-
turen nicht einmal wissen, wo Anlagen
stehen. Wie denn auch, wenn man sie
tarnt.

Fazit der Reise


Im Ostseeheilbad Zingst bestätigt sich der
Eindruck, dass Mobilfunk nur per Kosten-
Nutzen-Planung geschieht und auf die
Gesundheit der Bewohner und Urlauber
keine Rücksicht genommen wird. .
Schlimmer noch: Es wird vorgegaukelt,
getarnt und vertuscht. Sicher kann auch
die Angst vor Mobilfunkstrahlung krank
machen, aber zu einem gesunden Klima
gehören eben nicht nur frische Seeluft und
sauberes Ostseewasser sondern auch
Elektrosmog-arme Gebiete. Das, was in
Zingst passiert, ist sicher kein Einzelfall, Mobilfunkplanung durch Mobilfunkbetreiber. Jedem Unternehmen seinen eigenen Turm.
wenn man den Betreibern freie Hand gibt. Muss das sein? Und muss es wirklich so nahe an den Häusern sein?
Unter dem Vorwand der Mobilfunkversor-
gung kann man diesen Antennenwild-
wuchs in Zingst jedenfalls nicht begrün-
den. Hier fehlt dringend die ordnende
Hand des Gesetzgebers. mowo

Impressum
Herausgeber: Verein Mobilfunksenderfreie
Wohngebiete Flieden e.V. mit Sitz in 36103 Flieden,
Vorsitzender Markus Hofmann
V.i.S.d.P. : Markus Hofmann
mowo-m.hofmann@web.de

Das Online Magazin für mowo- Mitglieder


erscheint unregelmäßig und kostenlos.

Text- und Bildbeiträge von


Diagnose Funk
mowo e.V., Flieden
Bürgerwelle Rhön, Fulda
Der Mast muss weg, Stuttgart
Hess. Landesverband Mobilfunksenderfreie
Wohngebiete e.V., Gründau Lieblos und weitere.
Ostseebad Prerow
Im Ostseebad Prerow sieht man ein weiteres Beispiel von Betreiber-Willkür
Spendenaufruf
Bitte unterstützen Sie unsere Informationsplattform
mit einer Spende auf unser Vereinskonto:
PREROW. Was eine freiwillige Selbstver- mein, die persönliche Strahlenexposition
pflichtung der Mobilfunkbetreiber wert durch hochfrequente elektromagnetische
Raiffeisenbank e.G. Flieden ist, welche besagt, keine Mobilfunksende- Felder so gering wie möglich zu halten,
BLZ 530 640 23
Konto-Nr. 51926 anlage in unmittelbarer Nähe einer Schule also herkömmliche Kabelverbindungen
oder eines Kindergartens zu betreiben zu bevorzugen, wenn auf den Einsatz von
Haftungsausschluss
sieht man im Nachbarort von Zingst, in funkgestützten Lösungen verzichtet wer-
Alle Angaben sind sorgfältig recherchiert. Eine Prerow. Keine 50 Meter zur Grund-, den kann. Das deutsche Mobilfunk-For-
Gewähr für den Inhalt, die Vollständigkeit und Haupt- und Realschule sowie Kinderta- schungsprogramm hatte eingeräumt,
Richtigkeit kann aber trotzdem nicht übernommen
werden. gesstätte entfernt steht ein 30 Meter dass bei der Forschung um Langzeit-
hoher Sendemast mit 14 Sende-Anlagen. Schäden an Kindern bezüglich EMF noch
Die Bundesregierung empfiehlt allge- Forschungsbedarf besteht.

mowo-news august-2010 > Seite 10 <


NEUE STUDIEN ÜBER SPERMIENSCHÄDIGUNG

Handy
raus aus
der Hose
Ungewollte Familienplanung durch
Handys? Neue Studien untermauern
bisherige Erkenntnisse über den
Einfluss elektromagnetischer
Strahlung auf Spermien.

STUTTGART. Sie sind jung, männlich und


wollen bald oder später Kinder zeugen?
Dann nehmen Sie Ihr Handy aus der
Hosentasche. Mehrere Studien, die
aktuellste aus 2010, haben ergeben, das
Handystrahlung die Spermienqualität in
unterschiedlicher Art beeinflußt.

Untersuchungen bestätigt
Schon 2006 sagte der Direktor der
Reproductive Research Centre in der
Cleveland-Clinic Ohio, Professor Ashok
Agarwal dem Daily Mail in einem Inter-
view: „Es ist so, als benutzten sie (die
Telefonierer) eine Zahnbürste, aber Han-
dys könnten eine verheerende Wirkung
auf die Fruchtbarkeit haben“.
Inzwischen liegen mehrere unabhängige
Studienergebnisse (siehe Liste unten) vor,
die beweisen, dass Handystrahlung die
Fertilität (Fruchtbarkeit) Motilität (Be-
weglichkeit) und Morphologie (Form) von Was dem Cowboy seinen Colt, ist dem urbanen Mann sein Handy. Immer griffbereit.
Spermien nachhaltig beeinflussen. Foto: Luzie Gerhardt/pixelio

Aber nicht nur das Tragen des Handys in Arbeit. So sieht man viele Männer. Bisher demografischen Wandel sein könnte. Wer
der Hosentasche, auch das Telefonieren eher ein Symbol für Mobilität, Engage- jetzt aber glaubt, das Handy als Verhü-
mit dem Handy an sich kann schon ment und Erfolg könnte dieses Bild tungsmethode nutzen zu können, sei
Auswirkungen haben. Der englische Daily alsbald ein Synonym für Unfruchtbarkeit gewarnt. Die Schäden können nachhaltig
Mail schrieb 2006: „Männer, die während sein. Wer hätte gedacht, dass mobile sein. Für Mobilfunktritiker ein makaberer
mehr als vier Stunden pro Tag ein Kommunikation die Ursache für den Trost: Der mobile Telefonierer stirbt aus.
Mobiltelefon benutzten, hatten eine um
25 Prozent geringerer Spermienzahl als Studien-Übersicht Spermien-Schädigungen beim Mann
Männer, die kein Handy benutzten. Die
Männer mit dem längsten Gebrauch 2009 /Otitoloju / Spermienkopf-Anomalien bei Mäusen
hatten größere Probleme, bis hinunter zu 2009 / De Iullis / 1800 MHZ-führen bei Humanspermien zur Verminderung von
einem Drittel der Qualität der Spermien Beweglichkeit und Überleben.
und deren Schwimmfähigkeit (Beweglich- 2009 / Mailankot / verminderte Spermien-Motilität bei Ratten
keit) - ein entscheidender Faktor bei der 2008 / Salawa / Verminderung der Spermien-Konzentration und des
Befruchtung. „Menschen benutzen Mobil- Durchmessers bei Kaninchen
telefone, ohne zweimal darüber nachzu- 2009 / Agarwal / Verminderung der Beweglichkeit humaner Spermien nach in
denken, was dies für Konsequenzen haben vitro Exposition von einer Stunde
kann.“ so Professor Ashok Agarwal in dem 2007 / Wdowiak / Prozentualer Anstieg von Spermien mit abnormer
damaligen Bericht. Morphologie und veränderter Motilität
2010 / Falzone / Signifikanter negativer Effektauf das Befruchtungspotential von
Weitere Belastungen kommen hinzu Spermien
Inzwischen wird ja nicht nur mobil 2005 / Fejes / intensive Handynutzung verändert die Spermien-Motilität
telefoniert, sondern auch mobil im Fertilität (vom lateinischen fertilis = fruchtbar, ergiebig, befruchtend)
Internet gesurft. Den Spermien wird der Motilität (lat.) bedeutet Bewegungs-fähigkeit oder Beweglichkeit
Unterschied wohl nicht auffallen. Das Morphologie (von griechisch ìïñöÞ, morphé = Gestalt, Form)
Ergebnis wird das gleiche sein. Das
Mehr Studien unter www.mobilfunkstudien.org
Laptop auf dem Schoß per Bahn zur

mowo-news august-2010 > Seite 11 <


NEUES AUS ALLER WELT

Tinnitus durch Handy-Telefonate?


Universität Wien sieht Zusammenhang zwischen Mobiltelefonen und Tinnitus

WIEN. Wer jahrelang ein Mobiltelefon Doppeltes Tinnitus-Risiko durch


immer am gleichen Ohr benutzt, verdop- Handystrahlen
pelt laut einer Studie von Wissenschaft- Etwa ein Drittel der Tinnitus-Patienten
lern der Universität Wien das Risiko, an hatten nach eigenen Aussagen ihr
Tinnitus zu erkranken. Jedoch bleibt es Mobiltelefon mindestens vier Jahre lang
weiter unklar, ob Handy-Strahlen am genutzt. Sie sollen laut der Studie
Knistern im Ohr schuld sind. das Handy zumeist an das Ohr gehalten
Wenn es im Ohr klingelt, summt, rauscht haben, in dem sie jetzt Geräusche
oder knistert, ist es meistens schon hörten. Das Risiko, an der Krankheit zu
zu spät. Sofern die Geräusche nicht aus der leiden, hatte sich deshalb bei ihnen
Außenwelt stammen diagnostizieren fast verdoppelt. Da das Resultat nur zu
HNO-Ärzte häufig Tinnitus. Etwa zehn fünf Prozent zufällig entstanden sein
Prozent der Deutschen leiden laut einer könnte, stuften die Wissenschaftler es als
Forsa-Umfrage häufig oder dauerhaft signifikant ein. Die Forscher fragen sich in
unter der rätselhaften Krankheit. Da über der Studie nun selbst, ob das Halten des
die Ursachen bislang nur wenig bekannt Telefons bereits den Blutfluss beeinträch-
ist, bleibt es nicht aus, dass Betroffene tigt oder der Tinnitus an übermäßiger
auch Mobiltelefone dafür verantwortlich Lautstärke gelegen haben könnte. Jedoch
machen. In einem deutschen Mobilfunk- wählten sie bereits zu Beginn der Studie
Forschungsprogramm wurde eine Verbin- nur Probanden aus, die an zu hohem
dung zwischen Tinnitus und Handys Blutdruck oder einer lärmbedingten
durch Tierversuche eigentlich schon Hörstörung leideten, da sie das Risiko
ausgeschlossen. Nun will eine Forscher- eines Tinnitus erhöhen.
gruppe aus Wien aber mit einer Studie
herausgefunden haben, dass es mögli-
cherweise doch eine Verbindung gibt.
Dazu haben in den Jahren 2003 und 2004 Links zum Thema* Pressemitteilung
die Wissenschaftler um Michael Kundi <http://www.eurekalert.org/pub_releas
der Universität Wien 100 Tinnitus- es/2010-07/bmj-pmp071610.php>
Patienten mit 100 Kontrollpersonen * Studie Universität Wien
verglichen. Die Kontrollpersonen waren <http://oem.bmj.com/content/early/20
vor allem wegen Sprachbildungsproble- 10/06/30/oem.2009.048116.abstract>
men und Kehlkopfentzündungen in die Foto: A.Reinkober/Pixelio
Hals-Nasen-Ohren-Klinik gekommen.

tung, diese mit Ohrhörern, also einem


Frankreich Headset, auszustatten
l Das Verbot für Kindergartenkinder,
erlässt Grund und Hauptschüler, ein Mobilteil
während des Unterrichts anzuwenden.
EMF-Mass- l Das Gesetz schreibt gleichzeitig vor, dass
die entgeltliche oder kostenlose Vertei-
lung von Gegenständen, die mit Funktech-
nahmenpaket nologie ausgestattet sind und deren
Gebrauch insbesondere für Kinder unter
PARIS. Der Senat und die Nationalver- sechs Jahren bestimmt ist, durch das
sammlung haben am 28. und 29. Juni 2010 Foto: Sebastian Zwez Gesundheitsministerium per Verordnung
endgültig das neue Umweltschutzgesetz untersagt werden kann.
verabschiedet, das der Minister für Verstärkte Transparenz bei Maßnahmen
l l Schließlich verlangt das Gesetz die
Ökologie, Energie, nachhaltige Entwick- zur Begrenzung der Strahlungsexposition Angabe der spezifischen Absorptionsrate
lung und Meeresfragen Jean-Louis Borloo durch EMF. (SAR Wert) und empfiehlt die Empfehlun-
am 7. Januar 2009 vorgelegt hatte und das l Statistische Erfassung der Gebietspunk- gen zur Verwendung von Freisprechanla-
im Laufe des Gesetzgebungsprozesses te durch die „Agence nationale des fré- gen.
modifiziert wurde. quences“ also quasi dem französischen Staatspräsident Sarkozy wird das Gesetz-
Die Nachfolge-Initiative der 2. Generation, Bundesamt für Strahlenschutz, und zwar voraussichtlich noch vor der Sommerpau-
genannt „Umwelt Grenelle 2“, bezieht sich solcher Punkte innerhalb des Staatsgebie- se unterzeichnen. Es kann dann verkün-
auf Maßnahmen, die im Wesentlichen die tes, an denen die Strahlungsexposition det werden und tritt in Folge in Kraft.
Strahlenbelastung bzw. Exposition der durch EMF den nationalen Durchschnitt 19.07.2010
Öffentlichkeit durch EMF betreffen und deutlich überschreitet.
Gegenstand der Artikel (§) 183 und 184 l Das Verbot jeglicher Werbung für Quellen:www.mobile-et-sante.fr
sind. Die wichtigsten vom Gesetz vorge- Mobiltelefone, welche an Kinder unter 14 www.botschaft-frankreich.de.
schriebenen Maßnahmen sind: Jahren gerichtet ist; ebenso die Verpflich-

mowo-news august-2010 > Seite 12 <