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Sie laufen und laufen und laufen


Russlands Team fällt mit einer hohen Laufleistung auf. Ging die Fifa Dopingverdächtigungen nur
halbherzig nach?

Johannes Aumüller Samara und Thomas


Kistner

Artikel zum Thema

Russland tanzt sich frei

Video Ein 5:0, das die Zuschauer glücklich


macht und Präsident Wladimir Putin staunen
Saubere Leistung? Juri Gasinski erzielt beim 5:0-Sieg gegen Saudiarabien das erste Tor dieser WM. lässt: Dem Gastgeber glückt ein perfekter
(Video: SRF/Tamedia) Turnierstart. Mehr...
Von Peter M. Birrer, Moskau 15.06.2018
Stanislaw Tschertschessow hält inne. Er muss sich sortieren bei der heiklen Frage –
es geht um die exorbitanten Leistungsdaten seiner Elf. Dann greift er zu einem Ein dunkler Schatten liegt
Scherz. «Wenn Ihnen ausser dem Laufen nichts auffiel, heisst das, dass wir in über der Fussball-WM in
anderen Bereichen noch zulegen müssen», sagt der Trainer der russischen Auswahl. Russland
Er habe Beweise für staatlich organisiertes
Tschertschessow macht gern Witze, zumal in diesen Tagen, in denen es sportlich Doping bei russischen Fussballern, liess ein
Ex-Funktionär verlauten. Nun lebt er unter
erstaunlich gut läuft für seine Sbornaja. In Samara, Raumfahrt- und Bier-Kapitale
Schutz des FBI in den USA. Und was macht
des Landes mit dem wohl schönsten Wolga-Strand, steigt am Montag das dritte die Fifa daraus? Mehr...
Gruppenspiel des Gastgebers. Der ist bereits fürs Achtelfinale qualifiziert, gegen Christian Zürcher. 04.12.2017
Uruguay geht es um den Gruppensieg. Neben allgemeinen Fragen zur Befindlichkeit
müssen Tschertschessow und die Sbornaja auch ein paar andere Themen erdulden. Schlechte Nachrichten für die
Solche, die höchst unangenehm sind. Fussball-WM 2018
Russland, staatlich gelenktes Massendoping
Das liegt auch an den aussergewöhnlichen Leistungen, die die Sbornaja in den zwei und Fussball: Das ist die derzeit explosivste
Partien zeigte. Erstaunlich war nicht nur, dass just dem Gastgeber eine angenehm Mischung im Sport. Dabei dreht sich alles um
eine zentrale Frage. Mehr...
leichte Gruppe zugelost worden war, sondern auch, dass sich die Gegner aus
Von Thomas Kistner 13.12.2016
Saudiarabien (5:0) und Ägypten (3:1) gegen Russland so kraftlos präsentierten;
deutlich schwächer als in ihren Spielen gegen Uruguay (jeweils 1:0).
Die Redaktion auf Twitter
Die Russen wiederum fielen gegen die abwehrschwachen Teams nicht nur mit der
bisher deutlich höchsten Effizienz aller Teilnehmer auf: Acht Treffer aus 26 Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf
Torschüssen ergibt eine Quote von 3,25; die DFB-Elf kam auf zwei Tore bei 43 dem Kurznachrichtendienst.
Schüssen (21,5). @tagesanzeiger folgen

Video: Russland demontiert Ägypten

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Im zweiten Spiel fällt


in der 63. Minute das 3:0 für Russland. Video: SRF

Erstaunlich sind auch die furchteinflössenden Laufleistungen. Gegen die Saudis


liefen die Russen 118 Kilometer, 15 mehr als der Gegner. Gegen Ägypten schafften sie
115, noch 5,5 mehr als die Widersacher. Niemand im Turnier rannte bislang nur
annähernd so viel.

«Dunkle Wolke über russischen Leistungen»

Interessant ist auch die Einzelwertung: Die Top Ten der ersten Spielrunde führten in
Golowin, Samedow and Gasinskij gleich drei laufstarke Russen an, auch Sobnin
schaffte es unter die Besten. Vier Akteure unter den energetischsten Zehn, aus
insgesamt rund 480 Aktiven: Das ist auffallend. Erst recht für ein Team, das vor der
WM von zehn Länderspielen nur eines gewann, 4:2 im Test gegen Südkorea.

All das führt angesichts der jüngeren Dopingvergangenheit des russischen Sports zu
vielen Fragen in der globalen Anti-Doping-Bewegung. Etwa bei Travis Tygart, Chef
von Amerikas Anti-Doping-Agentur (Usada), der einst Lance Armstrong zur Strecke
brachte. «Die Welt kennt das staatliche Doping in Russland, und diese Fragen sind
Ergebnis dieser Korruption», sagt er: «Zwangsläufig hängt eine dunkle Wolke über
solchen russischen Leistungen, bis sie transparent und die Fragen mit wahrhaftigen
Fakten beantwortet sind.»

Bilder: Russland gewinnt das Eröffnungsspiel

1|7 Auftakt nach Mass: Die «Sbornaja» gewinnt das - .


Auftaktspiel zur Fifa-WM gegen Saudiarabien mit 5:0.
Bild: Pavel Golovkin/Keystone (7 Bilder)

Russlands Coach hört solche Zweifel nicht gern, schon gar nicht aus der
internationalen Betrugsbekämpfung. Er spürt, dass Scherze allein nicht weiterhelfen.
Also begründet Tschertschessow die Pferdelungen seiner Jungs damit, dass die schon
beim Confed Cup 2017 gut in Schuss waren – und seitdem «noch einige
Korrekturen» im Training erfolgt seien. Hinzu komme die Motivation, dass sie zu
Hause spielen.

Dopingexperte Tygart sagt, dass auffällige Leistungssprünge nach den Regeln zu


intensiveren Tests führen sollten. Doch passiert das? Als sich ein Journalist
erkundigt, kontert Tschertschessow: «Ist das eine Frage zum Spiel oder Philosophie?

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Ich bin Trainer, nicht der Doktor.» Konkretes dazu gibt es nicht von russischer Seite.
Der Teamarzt sagte vor dem Turnier, seit 2012 sei jeder Spieler aus dem Kader 30 bis
40 Mal getestet worden – und der potenzielle WM-Kader im Jahr vor dem Turnier
insgesamt über 500 Mal.

Der Weltverband? Verweigert beharrlich jede Aussage, wie oft er die Russen während
des Turniers testet. Für Usada-Boss Tygart ein Unding; er sieht speziell die Fifa
wegen Russlands Staatsdoping-Affäre in besonderer Verpflichtung. «Die Tests mit
Geheimhaltung zu umhüllen, ist inakzeptabel», sagt er. Angesichts der etablierten
Korruption im russischen Sport, «die das Vertrauen der Fans weltweit erschüttert
hat, ist die Veröffentlichung der Test-Zahlen das Mindeste, was sie tun können». Es
sei sowieso «ein Witz», dass ausgerechnet bei der Fussball-WM die Welt-Anti-
Doping-Agentur (Wada) nicht testen dürfe. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.06.2018, 15:59 Uhr

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