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„Geschichtsvermittlung am originalen Schauplatz“.

Fachtagung im Kloster Königsfelden, Brugg (Schweiz), 15.&16. Oktober 2010.

N’oubliez pas le guide!


Workshop: Hat Historisches Lernen am originalen Schauplatz angesichts von Wiki-
pedia, TV-Dokumentationen und Online-Museen noch Zukunft? Über das Lernen vor
Ort im Zeitalter von mobile computing.

Jan Hodel, Pädagogische Hochschule FHNW, Zentrum Politische Bildung und Ge-
schichtsdidaktik

Der Besuch historisch bedeutsamer Orte verliert durch das Web nicht an Bedeutung. Das
Web übernimmt eher die Rolle von (gedruckten) Reiseführern und ermöglicht mit anschauli-
chen, multimedialen Funktionen eine intensivere Vorbereitung. Dass die Reiseführer in
Buchform noch immer beliebt sind, liegt wohl daran, dass sich die Informationen aus dem
Web bislang nur in ausgedruckter Form mitnehmen liessen – ohne die zugehörigen multime-
dialen oder interaktiven Funktionalitäten.

Mobile computing verändert diese Situation massgeblich. Die multimedialen Informationen


können einerseits mitgenommen werden, etwa durch entsprechend aufbereitete Produkte,
die die Verlage für die Verwendung auf Smartphones herstellen – eine Art digitale Reisefüh-
rer im Mobiltelefon-Format. Dank mobilem Internet können die Informationen sogar erst vor
Ort abgerufen werden. Wikipedia und Co. ersetzen also nicht den Gang zu den Schauplät-
zen der Geschichte, sie begleiten diesen Gang.

Dank den Endgeräten, die mittlerweile mit Fotoapparat, GPS-Modul, Lagesensor und gro-
ssem Bildschirm ausgestattet sind, sind darüber hinaus weitere Formen der Verbindung von
Informationen in der virtuellen und Örtlichkeiten in der realen Welt möglich.

• Mobile Tagging ermöglicht das Anbringen


von zweidimensionalen Bar-Codes, die das
Abrufen von Informationen ermöglichen.
• Google Goggles ermöglicht die Suche mit
Bildern, die mit der Kamera des Mobiltele-
fons aufgenommen werden.
• Verschiedene Programme blenden stand-
ortabhängige Informationen auf dem
Bildschirm des Mobiltelefons ein („augmen-
ted reality“, z.B. App der Pariser Metro,
siehe Bild rechts. Vgl. auch Referat und
Workshop von Norbert Spichtig)

Smartphone und mobiles Internet treten nun also nicht mehr nur in Konkurrenz zum ge-
druckten Reiseführer, der zur Reisevorbereitung dient, sondern auch zu den vor Ort anwe-
senden Fachperson, die im Rahmen einer Führung oder (mittelbar) durch Ausstellungsele-
mente (Flyer und Broschüren, Hinweistafeln, ausgeschilderte Rundgänge etc.) ihr Wissen
über den Schauplatz weitergeben.

Die Attraktivität der Auseinandersetzung mit dem „originalen Schauplatzes” kann durch
Anwendungen des mobile computing auch gewinnen. So lassen sich Szenarien umsetzen, in
denen beispielsweise Schüler/innen auf eigene Faust (aber mit konkreten Aufträgen) die
Schauplätze erkunden und mit weiterführenden Informationen vernetzen, so genanntes
„Mobile Learning“. Das setzt dann aber auch voraus, dass die Ergebnisse nicht nur zur
Kenntnis, sondern in Bezug auf ihre Herkunft und Gewichtung diskutiert werden können,
wenn dies nötig ist. Und um zu entscheiden, ob dies nötig ist, braucht es eben den oder die
fachlich und didaktisch geschulte/n Expert/in. Der originale Schauplatz wird dann (idealer-
weise) zu einer kleinen Agora, auf der unterschiedliche Deutungen erörtert werden können.

Ausführlicher Beitrag: http://weblog.histnet.ch/archives/4489