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Die Schattenseite von Kartoffel, Tomate und Co.

Tabak, Engelstrompete oder Stechapfel: die botanische Familie der


Nachtschattengewächse Solanaceae umfasst mehr als 2.000 Arten, die sich vor allem
durch ihren Gehalt an natürlichen Giften auszeichnen. Neben diesen ungenießbaren
und hochgiftigen Vertretern zählen aber auch einige unserer gängigen Gemüsesorten
zu dieser problemtischen Pflanzenfamilie.
Zu den “essbaren” Vertretern gehören insbesondere:
• Kartoffel
• Tomate
• Aubergine
• Paprika
• Chili
• Goji Beere

In unserer Ernährung haben diese Gemüse-Nachtschatten den Rang von


Grundnahrungsmitteln und sind aus der heutigen Küche nicht mehr wegzudenken.
Heute sind Tomaten und Paprika mit ihrer Farbe wie auch geschmacklich eine
Bereicherung für viele unserer Gerichte und sogar die eher blasse Kartoffel kann mit
Stärke, Vitamin C und Mineralien punkten.
Doch all dies kommt mit einem Preis, denn auch sie sind nicht frei von den für alle
Nachtschatten typischen, natürlichen Giften.

Die dunkle Seite der Nachtschatten

Alkaloide - Ein wesentliches Merkmal aller Nachtschattengewächse ist ihr Gehalt an


giftigen Alkaloiden. Diese sind die Ursache für entzündliche Reaktionen bis hin zu
tödlichen Vergiftungen. Am bekanntesten ist dabei sicherlich das Nikotin der
Tabakpflanzen, Atropin der Tollkirsche oder das Solanin unserer Gemüse-
Nachtschatten mit höchsten Konzentrationen in Aubergine und Kartoffel.
Solanin - ist ein starker Hemmstoff für das Enzym Cholinesterase, das in unseren
Nervenzellen für das Abklingen der Nervenimpulse sorgt. Die Folge: Solanin
verursacht anhaltende Muskelkontraktionen, Krämpfe und beim morgendlichen
Aufstehen oder wenn wir längere Zeit sitzen, erleben wir dies als Muskelverhärtung
und Steifigkeit.
Darüber hinaus zerstört Solanin die Zellwände in der Darmwand und eine Solanin-
Vergiftung führt im schlimmsten Fall zu blutigem Stuhl mit tödlichem Ausgang. Doch
auch die chronische Vergiftung durch geringe Dosen schädigt bereits die Darmwand
und ist Türöffner für weitere Erkrankungen, die wir allerdings nur selten mit einer
Darmschädigung oder Nachtschatten-Verzehr in Verbindung bringen.
Bei Solanin handelt es sich übrigens um einen Sammelbegriff, denn die
verschiedenen Gemüse-Nachtschatten enthalten neben Solanin auch weitere
chemische Varianten. Beispielsweise das Chaconin in der Kartoffel oder Tomatin der
Tomate.
Ein weiteres typisches Alkaloid aller Nachtschattengewächse ist das Nikotin. Beim
Verzehr unserer Gemüse-Nachtschatten sollten wir deshalb stets auch deren
Suchtpotential beachten. Und da Nikotin-Aufnahme zudem körperliche
Heilungsprozesse stört, sollte nach Verletzung oder Operation bewusst auf den
Verzehr von Nachtschatten verzichtet werden.
Capsaicin ist das Alkaloid von Chili und scharfem Paprika und auch wenn es oft als
anti-entzündlich in Wärmepflastern beworben wird, so ist es dennoch ein Reizstoff für
unsere Gewebe. Insbesondere Lungen reagieren sehr stark auf Capsaicin, was bereits
zu Todesfällen nach dem Einsatz von Capsaicin-Pfeffersprays geführt hat.
Asthmatiker sollten Chili und scharfe Paprika deshalb generell meiden.
Calcitrol - Ein weiterer Problemstoff der Nachtschatten ist das Calcitrol. Dieses
Hormon ist die aktive Form von Vitamin D und zählt zu den stärksten Hormonen
unseres Körpers und reguliert die Calciumaufnahme im Darm.
Im natürlichen Ablauf entsteht in der Haut zunächst das Vitamin D3 aus UVB-Licht
und Cholesterin. Erst in der Niere wird Vitamin D dann zum aktiven Calcitrol. Es
wirkt bereits in geringsten Mengen und wird deshalb von der Niere sehr strikt
reguliert.
Mit dem Verzehr von Nachtschatten umgehen wir diese Nierensteuerung: Es kommt
zu einer extremen Calciumaufnahme im Darm, extremen Calciumwerten im Blut und
einer Ablagerung in allen Bindegeweben.
In der Folge verkalken die Gefäße, Sehnen und Gelenke. Wir leiden an
Arteriosklerose, Schmerzen und Arthritis. Und langfristig führen die dauerhaft hohen
Calciumwerte zu Krebs und Herzinfarkt.
Lektine - Damit nicht genug, denn Nachtschatten sind zudem reich an Lektinen, den
natürlichen Abwehrstoffen der Pflanze. Lektine sind Anheft-Moleküle, die sich an die
Darmwand und Weichgewebe heften und diese angreifen. Bei Insekten, aber genauso
in unserem Darm. Dort verursachen sie Erkrankungen des Darms und befördern damit
Autoimmunerkrankungen wie Arthritis, Diabetes, MS oder Hashimoto.

Die Risiken einschätzen

Wir alle essen regelmäßig Nachtschattengewächse, doch nicht jeder ist gleich
empfänglich für die Lektine und Alkaloide von Kartoffel oder Tomate. Zum einen
gelangen bei intaktem Darm und gesundem Mikrobiom deutlich weniger
Nachtschatten-Gifte in unseren Körper. Zudem sind die Lektine stark
blutgruppenspezifisch und greifen auf diesem Wege nur bestimmte Blutgruppen an.
Die Lektine der Tomate reagieren mit dem A-Antigen der Blutgruppe A und dem B-
Antigen der Blutgruppe B und führen dort zu Stoffwechselstörungen und anomalen
Blutreaktionen. Das Kartoffel-Lektin attackiert dagegen die Antigene der Blutgruppen
0 und A, was hier ebenfalls zu anomalen Blutreaktionen und erhöhter
Krankheitsanfälligkeit führt. Paprika und Chili sind für die Blutgruppen A und AB zu
meiden. Die Anfälligkeit für Nachtschatten zeigt sich in Erkrankungen des Darms,
aber auch in sekundären Effekten wie Arthritis, Akne, Osteoporose, Gelenksteifigkeit,
Wetterfühligkeit, Schlaflosigkeit und entzündlichen Erkrankungen, 

zum Beispiel der Blase. In diesen Fällen sollte der Verzehr von Kartoffel, Tomate,
Aubergine und Paprika stark eingeschränkt oder komplett vermieden werden. Im gut
sortierten Handel finden wir zum Glück eine Vielzahl geeigneter Gemüse, um die
Nachtschatten in unserem Speiseplan zu ersetzen.

Nachtschatten auf dem Teller

Der Mensch ist sehr belastbar und so überleben wir den Verzehr von
Nachtschattengewächsen für eine Weile recht gut. Doch steter Tropfen höhlt den Stein
und so sollten wir frühzeitig anfangen vorzubeugen und entsprechende Regeln
einzuhalten. Zum einen sind unreife Nachtschatten unbedingt zu meiden, denn die
Gifte nehmen mit der Reifung ab. Die roten Tomaten, Pepperoni und Paprika sind
deshalb stets der grünen Variante vorzuziehen.
Desweiteren sollte beim Einkauf auf moderne Sorten von Kartoffel, Tomate oder
Paprika geachtet werden, denn alte Sorten sind besonders reich an Solanin.
Achte auf die versteckten Nachtschatten in Gewürzmischungen oder gefärbten
Lebensmitteln, die Paprikapulver und Tomaten enthalten. Ebenfalls oft zu finden im
Kleingedruckten: Kartoffelstärke als Bindemittel in Soßen oder im Brotaufstrich. Und
nicht zu vergessen: auch Wodka ist ein Kartoffel-Produkt!
Tomatenländer wie Italien machen es vor: Pastasoßen und Gerichte werden nicht mit
ganzen Tomaten sondern mit Tomatenmark zubereitet. In Schale und Kernen findet
sich nämlich das meiste Gift.

Kartoffeln in der Küche

Kartoffeln sollten immer gut geschält werden, da sich unter der Schale das meiste Gift
befindet. Dementsprechend sind Wedges und Pellkartoffeln tabu.
Wenn möglich sollten wir Kartoffeln wie alle Nachtschatten gut und in reichlich
Wasser kochen. Das Kochwasser löst einen Teil der giftigen Alkaloide und sollte im
Anschluss abgegossen werden. Ideal ist das Kochen der Kartoffeln in Scheiben, da
sich über diese großen Scheibenoberflächen mehr Solanin herauslösen kann. Selbiges
gilt für die Lektine, die beim Kochen auch zu einem geringen Teil zersetzt werden.
Wenn Kartoffeln grüne Stellen aufweisen, sollte die Kartoffel komplett entsorgt
werden, denn durch Einsetzen der Keimung ist der Solaningehalt bereits zu hoch für
den menschlichen Verzehr. Diese Keimung wird durch Licht stimuliert und so sollten
Kartoffeln immer in absoluter Dunkelheit gelagert werden. Problematisch ist deshalb
die offene Auslage im Ladengeschäft. Wähle darum stets einen verdeckten
Kartoffelbeutel von unten. Kartoffeln sind lebendige Pflanzen und wehren sich mit
Solanin gegen ihre Fressfeinde. Kartoffeln mit Spuren von Pilzbefall,
Schimmelflecken oder Fraßspuren sind deshalb besonders reich an Abwehrgiften und
zu gefährlich für menschlichen Verzehr.

Insbesondere Schwangere sollten bei der Zubereitung von Kartoffeln sehr gründlich
auf den Zustand und Reifegrad jeder einzelnen Kartoffel achten.
Unser täglich Nachtschatten

Das Hauptproblem beim Verzehr von Nachtschattengewächsen ist der tägliche


Umgang. Am Montag die Pizza, Dienstag gefüllte Paprika, Mittwoch die Currywurst,
Donnerstag Pasta Bolognese, Freitag Pommes, Samstag der Bauernsalat, Sonntag
Kartoffelklöße und im Club der Wodka-Lime. Nachtschattengewächse sind immer
und überall, und damit auch ihre Gifte.
Erschwerend kommt hinzu, dass unser Körper diese Gifte in der Leber nur zu einem
geringen Teil abbauen kann. Solanin muss also wieder über Blut, Darm und Nieren
ausgeschieden werden, und das dauert. Die Halbwertszeiten von Solanin und
Chaconin liegen deshalb bei 11 und 19 Stunden. Es dauert also Tage, bis die Gifte
einer Kartoffelmahlzeit vollständig ausgewaschen sind. Zeit genug für die Gifte, in
den Körpergeweben ihren Schaden anzurichten.
Aus diesem Grunde sollten wir den Verzehr von Nachtschatten reduzieren,
beispielsweise beschränkt auf einmal pro Woche. In den Tagen dazwischen hat der
Körper ausreichend Gelegenheit zu entgiften und sich zu erholen. Auf diesem Wege
vermeiden wir die chronisch unterschwellige Vergiftung und dauerhafte Schädigung
der Gewebe von Darm oder Gelenken.