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Iskender Munsehi und sein Werk.

Von'

Prof. Dr. Franz von Erdmann.

Bs war im Anfange des Jahres 1822, als ich während meines


Aufenthaltes in Kasan, fast aller ausser der in meiner eigenen
Bihliothek hefindlichen wissenschaftlichen Hülfsnittel entbehrend,
die für mich späterhin bedeutungsvoll gewordene Bekanntschaft
des Tataren Suleimän Muhammed O^li machte. Mit vieler
Muhe erhielt ich von ihm , als einen ibm seihst unbekannten
Scbatz, von dem er sich jedocb nicbt lange trennen wollte, den
unvollständigen zweiten Band des von Iskender Munsi ' ) verfasstes

i^LÄc ^i^l |JLc g-JjLj' (Jie weltzierenden 'Abbäsischen


Jahrbücher) auf einige Tage zur Durchsiebt geliehen. Dias
gab mir Veranlassung zu einem noch in demselben Jabre gedruck«
ten Dniversitätsprogramm ^ ). Einige Jahre nachher erwarb ioh
diese Handschrift von dem erwäbnten Suleimän mit grosser Mühe
für die Kasanische Universitäts-Bibliotbek, welcher io Folge jenes
Programms zum Ankaufe von orientaliscbea Drnck- WM Haad¬
schriften, die ihr damals noch gänzlich abgingen, vom der Rs'
gierung 1500 Rubel angewiesen worden waren. Diese Hand^
scbrift genügte jedoch nicbt su einer Bearbeitung von Iskender
M unci's Werke. Obgleich es mir gelang, mit der Zeit andera
seltene arabische und persische Handschriften theils für die gftr
nannte, tbeils für meine eigene Bibliethek su erwerkea, so war
ich docb erst im Jabre 1844 so glücklich, das mir jetst vorlie»
gende vollständige Exemplar des genannten Werket, als Unter¬
lage einer künftigen Bearbeitung und Barausgabe, für schweres
Geld in meinen Privatbesitz zu bekommen. Doch erst das Jahr

1856 gewährte mir die Müsse zu eingehender Beschäftigung da¬


mit, deren Brnreboisse ieh den Lesern dieser Zeitschrift hiemit

1) Von „Iskender Bey" darf nieht di« Rede seyn.


3) De Ukendero M. msnnseriplo persico erodilis hoe nsqnn inoognito..
Casani 1822. Vgl. Kassiiiaoher Bote (rn»«.) 1823 No. V, S. «47 f. i<ram«l
Asiatiqoe 1824. T. V, S. 86 f. Jahrbücher der Literatur. Wi«B 1837. V4. 9»,
Jul. Mhenäum (rnss.) 1»28. No. 10, S. 188 ff.
458 V. Eramann, Iskender Munsehi und sein Werk.

vorlege. Haben unterdessen Qualremere') und Dorn'') einige für


ibre Zwecke dienliche Auszüge aus demselben gegeben , so weiss
man doch bis jetzt im Allgemeinen nur, duss Iskender Munsi eine
Geschichte 'Abbäs des Grossen und seiner Vorfahren uus dem

Stamme Sefewi geschrieben bat ausserdem aber nicbts Be¬


stimmtes weder über seine Lebensverhältnisse, noch üher die An¬
lage und Ausführung seines Werkes. Diese Lücke auszufüllen
ist der Zweck gegenwärtiger Abhandlung.

I., ebens Verhältnisse Iskender Munsi's.

Iskender, beigenannt Munsi, d. h. der Staalssecrelär , dessen


Abkunft und sonstige Familienverhältnisse unbekunnt sind, ward
im Jahre 969 (1561) geboren, wie aus einer Stelle seines Werkes
hervorgebt, auf die ich bald zurückkommen werde. In seinem
Knaben- und Jünglingsalter suchte er sicb — nach seinen eignen
Worten — verschiedene reelle Kenntnisse anzueignen, wozu ihn
seine Naturanlagen hinzogen, gab aber, von kurzsichtigen und
unverständigen Alltagsmenscben dnzu beredet, diese Studien aut
und verlegte sich — wie er meint — zu seinem Nucbtbeil uuf
Rechenkunst und Buchhalterei. Obgleich er es in diesem Facbe
zu einer gewissen Vollkommeiibeit brnchte und einige Zeit in
dem Finanz-Departement arbeitete, sagte er doch bald zu sicb
selbst: „Die unedle Beschäftigung, welche du erwählt hast, liut
dich von Erlangung höherer geistiger Vollkommenheit um hundert
Stationen weit zurückgeworfen. I)u, der du in dem wogenden
Meere des innern .Sinnes schwimmst, warum hast du dich aut
den Tummelplatz gemeiner Menschen hinlocken lassen?" „Wäb¬
rend ich", fährt er fort, „diesen Gedanken nachhing, ging der
beste Theil meiner Zeit in Eitelkeit dahin und meine Nutur¬

anlagen litten durch Vcrzweifelung und Reue. Als icb jedoch


einige Zeit in der Gesellschaft wissenschaftlich gebildeter und als
Schriftsteller ausgezeichneter Männer zugebracht liatte, die inihren
Zusammenkünften lehrreiche, herzentzUckende , feine Gedanken
in gebundene und ungebundene Rede fussten und in ein Buch
eintrugen, überzeugte ich micb buld bis zur Gewissbeit, dass
wenn ich meinen Naturanlagen freien Lauf liesse und mich der¬
selben Beschäftigung hingäbe, ich das meinem Naturell entspre¬
chende Ziel erreichen würde. Icb sagte mich daher von jenen
mich anekelnden Beschäftigungen los , bemühte mich, eigene, der
Versammlungen jener hochverehrten Männer würdige Aufsätze

1) Hisloire des Monguis de la Perse, Paris 1836, an melirern Slellen.


2) Geschielile der Scliii wanscliahe , Pelersb. 1848. Mubammedanische
Quellen zur Gescbicble der südiicben Kiistenlünder des kas|ii»eben Meers,
Pelersburg 1858. T. IV .S. 10. 17. 18. 19. rr^ bis Tvf einschl.
3) Vgl. u. a. diese Zeilschr. Bd, XIII, S. 257, INo. 5, Anm. 1.
V. Erdmann, Iskender Munsehi und sein Werk. 459

ihnen vorzulegen, und ward des Vergnügens theilhaftig, mich


ihnen ansehliessen zu dürfen. Auf diese Weise trat ich mit
der Zeit als Guläm in den Dienst des königlichen Hofes"').
Während einer für tödtlich gehaltenen Krankheit des l^ah's
Tahmasp I. waren die Stämme der Kizilbailen und deren Emire
mit den ohersten Leitern der Staatsregierung im Jahre 985
(1577) zerfallen und gahen sich hinsichtlich der von dem Könige
nicht bestimmten Thronfolge ihren Einbildungen und Wünschen
hin. Mit der Thronbesteigung des ältesten Sohnes Muhammed
Mirzä nicht zufrieden, weil er durch seine schon einige Jahre
anhaltende Augenschwäche der Sehkraft fast gant beraubt war,
erklärten sie sifh mit ihren Parteigängern für den zweiten Sobn
Ismä'il Mirzä, der schon einige Jahre auf Befehl seines Vaters
in der Festung ^ahkah eingeschlossen war. Die Ista^ein¬
Emire, welche um diese Zeit die höchsten Regierungsstellen be¬
kleideten, und die mächtigsten derselben, als Muräd Chän der
Haushofmarschall, Husein Beg der JUzha^i, PJri Beg Ku-
^elu der Leihwächter des Pfeils und Bogens, Mu¬
hammed Beg der Oberstallmeister, und Alläh l^uli Sultän,
stimmten, da sie sich vor Ismä'il Mirzä fürchteten, für die Re¬
gierung des ältesten unter den übrigen Prinzen, HaiderMirzä,
welcber bei seinem Vater sehr beliebt, der Regierung ■ würdig
und in der Residenz anwesend war. ^adruddin Chän der
Reicbsverweser, welcher mit allen Magnaten des Stammes i^eichä-
wend und den Georgiern, den Anverwandten der Mutter Haider
Mirzä's, auf der Seite dieser Prinzessin stand, war mit der letzt¬
genannten Partei einverstanden , und schloss mit ihr ein eidliches
Bündniss. Der Instructor des Prinzen Mustafä Mirzä, welcher
unter deu Ista^elu aufgewachsen war, hing gleichfalls mit den
Ista^elu-Emiren dem Haider Mirzä an._ Die königlichen Prinzen,
seine Brüder, unter denen grosse Liebe upd Eintracht herrschte,
gaben von ganzen Herzen zu seiner künftigen Thronbesteigung
ihre Zustimmung. Sultän Ibräbim Mirzä, der Sobn BelirAm
Mirzä's, t|er Schwäher des Königs und 'Amidulmulk der Regie¬
rung, erklärte sicb, um diese ' Differenz beizulegen, für die
Thronbesteigung des ältesten Prinzen. Qusein Ijiuli Chalfa
Rflmelu, Emir Aslän Afiär, QaiderSultänÖabul^Turk-
m ä n mit ihren Stammgenossen bielten es mit Ismä'il Mirzä. Der
Prinz Pir Chän Cbanum, sehr klug und kenntnissreich, des¬
wegen sowie wegen des Ansebns, das er bei seinem Vater ge- '
noBs, sehr geachtet und von seinen Brüdern beneidet, war gleich¬
falls mit der Ernennung Elaider Mirzä's zum Thronfolger nicht
einverstanden und verwendete sich auf das eifrigste für IsmA il
Mirzä. Cnter den königlichen Brüdern widersetzten sich dann

1) ^jm\j.b |tJle nach meiner Handscbrift T. I, Bl. I'r.

3 0*
t). Erdmnnn , fskendßr Munsehi und sein ^erk.

noch Suleimän fl|irzä, der ältere Bruder Pir Cbän Cbanum's,


Mahmüd Mirzä, der sich unter den Rümelu , und Ahmed
Mirzä, der sicb unter den Afsären befand, mit dem Cer¬
kessen-Sul(än Semchäl , dem Oheime Chanum's , und allen
6erke8si8chen Stämmen insgeheim der Mutter Haider Minä's
und standen auf Seiten Ismä'il Mirzä's, während sie es scheinhar
niit Qaider Mirzä hielten. Sie erklärten diesen laut für den der
Thronfolge würdigsten , fügten jedoch hinzu, dass, da Muliammed
Mirzä wegen seines Augenübels nicht auf den Thron erhoben
werden kenne, nach dem Erhfolgerecht der ^efiden eigentlich
sein nächster Bruder Ismä'il Mirzä an seine Stelle treten müsse.
So täuacbten und verdächtigten sie die für Qaider Mirzä Ge¬
stimmten. Da sie aher selbst verdächtig wurden, legte man ihnen
deo Namen Ikijüzlü (d. h. Heuchler, Doppelgängerj bei uud
sagte ihnen viel Cebles nach. Von beiden Seiten gah es nuo
Qhrenhiäserei und Klätscbere) in Menge. Die angesehensten
Grossemire, Obersten'uud Stammältesien der Kizilbaäen bracbten
dje in der Nachbarschaft des Hofes wohnenden und ibnen erge¬
benen Stämme auf ihre Seite. Einige Monate hindurch fanden
selbst in dem Regierungspalaste harte Wortwechsel statt. Tah¬
masp erholte sich indessen von seinen Krankbeitsanfällen und
täglich macbte seine Besserung Fortschritte. Die Mutter Pir
Cpäo Chapum's brachte auf Anstiften ihres Sobnes und seiner
Brüder die erwähnten Ereignisse unter vier Augen zur Kunde
ifes immer ooch kranken Königs, klagte HaiderMirzä als hinter¬
listig und treulos bei seinem Vater an , nahm diesen gegen ihn
eio und gewann für die Parteigänger Ismail Mirzä's vou neuem
eine vortheiihsfte Stellung. Ohgleich die Umtriebe insgeheim
fortdauerten und der Jesaul GürSäh RAmelu den König davon
in Keqotniss setzte, so ward dieser doch dadurch nicht weiter

beunruhiget,' sondern verbot nach seiner Wiedergenesupg nur die


Erneuerung derselben. Da er aber den Oherceremonienineister
Perqhzäd Beg, den Stammältesten der ^eräd O^lu, als Partei¬
gänger ^nidc Mirzä'9 kannte, und Chalife Aqsär, der Com¬
mandant der Festung Kabkah, zu den Aimaks der ^eräd O^lu,
den Stammgenossen Ferahzäd Beg's, gehörte, so fiel ibm ein,
es könnten die Parteij^änger (laider MJrzä's wegen dieser Ver¬
wandtschaft mit Chalife Aneiär böse Anschläge gegen Ismä'il
Mtrzä schmieden. Deswegen stellte er zwölf Leibwächter vom
Stamme Af^är an, welche sich in die Festung ^alikah hegeben
upd dort deo Prinzen bewachen sollten. Dadurch leistete er der
Partei Ismä'il Mirzä's Vorschuh. Daneben stellte er aber auch
den Zäl Beg, dessen .Schwester sich in dem königlichen Harem
befand, Mutter eines oder zweier Prinzen war und zu der Partei
Qaider Mirzä's gehörte, in seinem persönlichen Dienste an. Als
hierauf eines Tages bekannt wurde, dass der König sich in das
Bad begeben wolle, und die Parteigänger lamä'ii Mirzä's befürch-
1). Erdmann, Iskender Uunschi und sein Werk. 461

teteo , es möchte der uach ihrer Meiaung unzuverlässige Zäl Beg


an dem Könige im Bade Hochverrath ühen, so versammelten sich,
Ungeachtet die Gor^i (Georgier) eine solche Schandthat von ihrer
Seite für unmöglich erklärten, Ihusein ^uli Chalfa Rilmelu, Emir
Aslän Chän und alle Uehrigen, welche Sähwächter hiessen, mit
4 — 5000 Mann von den Sefewi und den Stämmen der Rümelu,
Af^är u. a. , mit Waffen und sonstigem Kriegsgeräthe ao den
Pforten des Regierungspalastes, in der Absicht, Zäl Beg am Ein¬
tritte in das Bad zu verhindern. Von der andern Seite versam¬

melte sich eine Schaar von gleichfalls 4 — 5000 Maon Gor^i,


äeichäwend und Ista^elu mit ihren Anhängern, um Zäl Beg za
beschützen, und war zum Aeussersten hereit, wenu ihre Gegner
bewaffnet in den Regierungspalast eindringen sollten, la der
Nacht, als diese Umtriebe vor sich gingen, war
Iskender Munsi in der Nähe, und namentlich in dem
Cahinet des JUzha^i Husein Beg. Dieser, aufgebracht
über jenen Tumult, wollte es nicht dahin kommen lassen, dnss
die Sache mit Kampf und Gemetzel eode. Er begab sich daher
zu Muftafä Mirzä (denn oach dem Tode Na?er .Sultän'a, des
Lala ') dieses Prinzen, kam ihm, nach dem Gewohnheitsrechte
der Ista^elu, diese Stelle zu) an die Pforten des Regierungs¬
palastes Cihilsutdu, wu der Wortwechsel zwischen den beiden
Parteien durch das Eindringen der Anhänger Ismä'il Mirzä's' in
den Palast schon in Thätlicbkeiteo überzugehen drohte, und redete.
Qusein Kuli Cbalfa so an: „Was erregst du für einen Aufruhr
unter den ^izilbaien uod warum hast du diese bewaffnete Schanr
an die Pforten des Palastes gefülirt? Gott sey Lob und Donk,
das gehenedeile Haupt dss Herrsebers ist unverletzt. Wir müssea
beiderseits darauf bedacht seyn,- den diesem Gebieter geleisteten
Schwur zu halten. Deswegen betreten wir gegen dicb iböriohtea
Aufruhrer den Weg gütlicher Verständigung." Husein l^nli Cbalfa
und seine Anhänger erwiederten diese Anrede mit uaaiemlichen
Worten, und da die Parteigänger Raider Mirza'a ihre Gegner so
nicht beschwichtigen konntso , liessen sie Zäl Beg selbst , der
im Bade mit den Dienstleistungen seines Amtes beschäftigt war,
herbeirufen. Sein Erscheinen bewirkte auf Seiten der Tunuillaa«-
ten tiefe Beschämung und veranlasste sie ausBinanderaugeben.
Der König ward nachher vollkommen wiederhergestellt, nnd ein
spicher Auftritt kam nicht mehr vor^).
Da König Mn 1,1ammed Chodabende in dem Dracbeojahrc
988 (1580) in das, nach der Ermordung des (7cmiid ChAn,
VOR seinem Mörder Mlr^ä Käroräq an Se. Majestät gerichtete
fieawcb, ihn mit der Wittwe 6em6id Cbin'a, einer Tochter K«aiga

I) «II (sonst d. l Oitilj'l, Prin,?,enlnatrnct»r.

a> ». O. T, l, W. Wv. \.\s.


4«2 V. Erdmann , Iskender Munsehi und sein Werk.

Tnhmasp, zu vermählen und ihn in dem Besitze des Gehietes


Pajahpes zu hestätigen , in Berücksichtigung der gegen Mirzä
Kämrän von dem bei dem Könige sehr beliebtcti Cbän Ahmed
erhobenen Klagen nicht einwilligte und die Frevel Mirzä Kämrän's
nicht ungeahndet lassen wollte, so ward Selmä ii Chän, ein
Schwager des ermordeten öem^id Chan, zum Statthalter von
Rest ernannt. Als derselbe auf der Reise nach seioem Bestim¬

mungsorte in Men^il angelangt war, sandte der unterdessen


von Sirzäd, einem Angesehenen des Gebietes Pümen, der
einen ^elender unter dem falschen Namen des ältesten Sobnes
diemäid Chän's, Sultän Mahmi)d Chän, zum Thronfolger
erklärt hatte, mit seinen Anhängern zur Flucht nacb K n h d e.m
genöthigte und durch Chän Ahmed von dort vertriebene Mirzä
Kämrän aus seinem Zufluchtsorte , dem in der Nähe von Tärem
gelegenen Rustemähäd, einen Abgeordneten an ihn und suchte
um Schutz und eine Zusammenkunft nn. Selman Cbän fertigte
Muhammed B e g S ar u s o I ä g , den Amtsverweser Husein Kuli
.Sultän's , mit 2 — 300 Kizilba^en nacb Kubdem ab, von wo er
Mirzä Kämrän mit Kara Behader und seinen Genossen nach

Men^il abführte. Ahmed Cbän , hiervon in Kenntniss gesetzt,


liess zwar von seiner weitern Verfolgung ab, machte aber Selmän
Chän darauf aufmerksam , dnss Mirzä Kämrän ein versoblngener,
meuterischer und treuloser Mensch sey, warnte ihn sich durch
seine Worte berücken zulassen, und forderte ibn auf, denselben
ios Gefängniss zu werfen, worauf sie zur Herbstzeit mit ver¬
einigten Kräften sein und des von ihm ermordeten Gem^id Chän's
Gebiet einnebmen wollten. Dessenungeachtet wusste Mirzä Käm¬
rän , ein kluger, beredter Mann nnd ungenehmer Gesellschafter,
Selmän Chän zu täuschen, so dnss derselbe, naclidem er die
beiden Söhne diem^id Chän's von ibm ousgeliefert erhalten und
nach l^azwin geschickt hatte, seiner Versicherung, ganz Gilän
ihm unterwerfen zu wollen, Glauben schenkte. Das Corps der
^izilhaien und Mirzä Käinrän brachen auf verschiedenen Wegen
nach Reät auf. Der gegen Mirzä Kämrän ausgezogene Sifzäd,
welcher auf dem Meidän von Reät, Siäh Guräb, mit seinen
Gegnern zusammentraf, wurde vom Sattel herunter geworfen und,
nachdem zehn bis zwölf seiner Genossen gefullen waren , gefan¬
gen genommen. Selmän Chän und die Fmire der ^izilba^en,
hiervon benachrichtigt, zogen triumphirend in Rei^t ein und lager¬
ten sich auf dem genannten Meidän. Die ührigen mit Sirzäd
einverstandenen Giläner, die sich später mit den Kizilhaäen dort
in einen Kampf einliessen, wurden in die Flucht geschlagen,
verfolgt, und theils gefangen genommen, theils getödtet. Selmän
Chän sandte auf allerhöchsten Befehl die Wittwe (jemiid Chän's

an das königlicbe Hoflager, und schlug sein Hauptquartier in


dem Palaste des Ermordeten auf Obgleich der zum .Amtsver¬
weser Selmän Chän's bestimmte l^ara Behäder sicb bemühte die
f. Erdmann , Iskender Munsehi und sein Werk. 463

Giläner zu beruhigen, so wurden diese doch auf keine Weise


den Kizilba^en geneigt und hatten , in Wälder und Einöden
zurückgezogen, keinen Verkehr mit ihnen. Den Plan jedoch,
während der Nacht nuf Leitern in den Palast Öem^id Chän's zu

steigen und Selmän Chän zu ermorden, konnten sie, von der Wache
ilaraiwverbindert , nichl ausführen. Am Tage darauf wurde der bis
dabin in Verwahrung gehältene .Sirzäd hingerichtet. Da aber die
Angelegenheiten der Kizilbasen , wegen der Zerslreuung der Ein¬
wohner und der Rücksichtslosigkeit Chän Ahmed's, in Gilän eine
üble Wendung nahmen , so beschlossen sie , obgleich anfangs
gegen den Willen Selmän Chän's, aber durch die Beredtsamkeit
des Säh Kuli Karinen durin bestärkt, Gilän zu verlassen
und zogeo an dem von ihnen hestimmten Tage auf einer .Seite
von Rest aus , während die hiervon benachrichtigten und aus den
Wäldern zurückgekehrten Giläner auf einer andern Seite einzogen
und die Kizilbasen auf ihrem Rückzüge durch Plänkeleien beun¬
ruhigten. Auf diesem Zuge war Iskender .Mutiii der
Begleiter Selmän Chän's, der mit ihm und seinem Truppen-
eorps in grosser Unordnung nach der Residenz Kazwin zurückkam').
Während des in dem Hennenjabr 993 ( 158.T ) zwischen den
Kizilbasen, unter Anführung des Prinzen Hamza .Mirzä, und
den Osmanen, unter Anführung der vnn dem .Serdär Osmän
Pasa dnzu bestimmten Muräd Pa^a, iteglerbeg's von Kara¬
man, und Muhammed Pasa, Beglerbeg's vun Diärbekr, an
dem Bache Fehn Sefen ^ vorgefallenen burlnäckigen Treffens,
in dem die beiden genannten Paia gefangen genommen wurden,
und während der nnch dem plötzlichen Tpde des .Serdär's Osmän
Paia unter Anfübrung des stellvertretenden Serdär's Cigal ')
O^li bei Si'b Gäzän, Tesü^ und Mäjän zum Nachtbeile der
Osmanen ausgefallenen Schlachten, welche dieselben von dem
Entschlüsse , die Festung Tebriz zu erobern, abbrachten und zur
Rückkehr nach der Umgegend von Si'b Gäzän bestimmten, be¬
fand sich Iskender Munsi am königlichen H u f I a g e r,
das nacb diesen Vnrfällen in dem Theile von Tebriz,
welcher ö.ewähähäd heisst, aufgeschlagen wurde.
Hier eines Tages in der Stadt uinherwandelnd, gewahrte er, dass
alle früher mit Vergoldungen und l..azur verzierten Häuser zerstört,
alle vordem mit Malereien geschmückten Tbüren und Fenster ver¬
brannt, die in Villen und Gärten befindlichen Bäume umgehauen
waren und von einigen tausend trefflich eingerichteten Häusern
kein einziges so unversehrt geblieben war, dass auch nur ein

1) A. n. 0. T. J, Bl. M'f'v. Vgl. Dorn, Mubammedanische Quellen zur

Gescbicble der südlichen Küstenländer u, s. w. . Th. III, S. bi; ot •


Th. IV, S. I-AO ff.

2) d. i. digala (Cicala).
464 V. Erdmann , Iskender Mumchi und sein Werk.

Menscli aus dem Mittelstände dort hätte wohneo können. Alle


Buden, Fabrikeo, Schenken und Bäder waren zerstört. Die
Leichname der Getödteten lagen unbegrahen auf den Strassen,
in den Häusern und auf den Bazaren umher. Kurz das sonst

su schöne Tehriz sah so verwüstet aus, dass es den traurigsten


Eindruck auf ihn machte').

Im Anfange des Hundejahrs 995 ("1586—7) trat Iskender


Muni {, der damals 26 dahr alt und in der Staatskanz¬
lei angestellt war, als Freiwilliger in die Reihen der Käm¬
pfer gegen die Aufrührer in 'Iräk, die unter der Anführung Mu¬
hammed Chän's den Prinzen Tahmasp Mirzä als Kronprä¬
tendenten aufgestellt hatten. Er nahm an dem ganzen Kriege bis
zur Erfechtung des Sieges thätigen Antheil, bekam als Ohreu-
und Augenzeuge Kenntniss von den geringsten Umständen des
Kampfes und verzeichnete alle darauf bezüglichen Begebenheiten
mit der grössten Genauigkeit^). Dies ist die gleich Anfangs
von mir erwähnte Stelle, nach der allein das Geburtsjahr Iskender
Munsi's sich bestimmen lässt. Die ausführliche Beschreibung des
Krieges muss der Geschichte überlassen bleiben.
Im Jahre 1001 (1592 — 3), als der Hof in K;azwin war,
batte Iskender Munsi das Glück, auf allerhöchsten
Befehl unter die Zahl der Grossmunsi (Oberstaatssecre-
täre) *) aufgenommen zu werden, und gehörte seit dieser
Zeit zu dem persönlichen Gefolge Sr. Majestät.
In dem Scblangenjahre 1002 (1593—4) ') waren während
des Aufenthaltes in dem Jagdreviere Kizil A^a6 und bald dar¬
auf wieder in Tärem lehhafte Beschwerden der Giläner über
ihren Statthalter Mehdi Kuli Chän zu den Ohren des Königs
'Abbäs gekommen. Er entsetzte ihn daher, zur Beruhigung
der Giläner, seiner Stelle, befahl allen Leibwächtern vom Stamme
l^ämelu, welche in dessen Gefolge gewesen waren, in ihren
respectiven Dienst zurückzutreten, und ernannte Ahmed Beg
Bigdeli zum Statthalter von Lähi^än. .Auch sandte er den
l'timäduddanle Qätim Beg nebst dem Mustaufi ( Finanzmiui-
ster), den Staatssecretären und Bestem A^a, dem Polizei¬
meister der königlichen Fiuanzkaiamer , nach Gilän, mitdem Aaf-
trage, die Gerechtsame der Giläner von Nenem zu bestätigen,
die unter Chän Ahmed und den vorigen Statthaltern vorgekomme¬
nen politischen Verbrechen der Vergessenheit zu übergfebea und
die Angelegenbeiten des Landes .wieder in Ordnung zn bringen.
Der König , hegah sich hierauf nach Ardebil und von hier wieder
auf die Jagd nacb ^izil A^a6. Nach baldiger Beendigung der

1) A. a. O. T. I, Bl. Nr. 2) A. a. 0. T. I, il. Hiv.

3) A. a. 0. T. I, Bl. nf V. n*r. 4) (.L^ oLyiUL. .


d) Der Nauruz fiel anf den 7. des II. <^osUI4) 3=29. Februar 1594.
V. Erdmann , Iskender Munsehi und sein Werk. 465

Geschäfte in Gilän und Feststellung- der Regeln für die künftige


Verwaltung dieser Provinz erhielt Hätim Beg ein Einladungs¬
schreiben des Königs nach Kizil Aga^wohin sich in sei¬
ner Begleitung auch der damals zu ihm comman-
dirte Iskender Munsi begab und der Ehre des Fuss-
kifsses gewürdigt wurde ').
Als sich der König während des Frühlings des Rossjahres
1003 (1594—5) auf der Wildschweinsjagd in den Wäldern Gilän's
befand, war Iskender Munsi im Gefolge Sr. Majestät
Augenzeuge davon, dass Höchstderselbe fünfzehn
stierähnliche (d. h. ungeheuer grosse) wilde Schweine
eigenhändig mit Pfeilen erlegte. Die Kühnheit, welche
'Abbäs bei dieser Gelegenheit bewies, erregte das Erstaunen und
die Bewunderung aller Anwesenden-).
In Folge des Einflusses, welcben 'Abhäs durch seine Thaten,
seinen Ruhm und seine treffliche Regierung auf die damals sehr
heruntergekommenen Fürsten von Mawaräennahr gewonnen hatte,
so dass sie selbst bisweilen seine Vermittlung anriefen, ertheilte
'Abbäs dem von ihm in Schulz genommenen Muhammed Ibrä¬
him Chän auf dessen Bitte das Belehnungs-Diplom des Sultanats
von ganz Mawaräennahr und Turkestän , welcbes I skender
Munsi auf allerhöchsten Befehl ausfertigte"*).
Der unter dem Namen Serif Paia hekannte osmanische
Feldherr Se'id Muhammed Paia, von Gehurt ein Ispahaner
und von den Sei'den Persiens abstammend, war einige Jahre vor
dem Hasenjahre 1012 (1603—4) weltlicher Vortheile wegen zu
den Osmanen übergegangen, zu Stambul in den Dienst des Hofes
getreten und vom Nüker (Schildknappen) nach und nach durch
Klugheit und Verdienst zum Statthalter von Aegypten aufgestie¬
gen. Als solcher batte er durch seine Verwaltung, hesonders in
den beiden beiligen Städten, viel Gutes gestiftet, war dann aber
als Statthalter nacb Eriwän und Nachidewän versetzt worden,
und wurde hei der Eroberung Eriwäns durch die Perser dort
gefangen genommen. Iskender Munsi, im Gefolge des
Königs, traf daseihst mit ihm zusammen und fragte
ihn unter Anderem, was den osmanischen Sultan veranlasst habe,
ihn der dem Grossvezirat gleichkommenden Statthalterschaft von
Aegypten zu entheben und mit der vnn Eriwän und Nachiöewän
zu bekleiden, was für ihn eine Erniedrigung gewesen sey. „Ich
seihst habe um diese Versetzung gebeten" erwiederte er. Isken¬
der Munii erkundigte sich weiter nach der Ursache dieser ihm
sonderbar scheinenden Bitte und erhielt zur Antwort: „Schon
Jahre lang in Folge der Einflüsterungen des .Satans und des

1) A. a. 0. T. II, Bl. ölv. 2) A. a. 0. T. II, Bl. vir.


3) A. s. 0. T. II, Bl. Ifir.
466 V. Erdmann, Iskender Munsehi und sein Werk.

eiteln Strebens nacb Auszeichnung als Schi'it unter den Sunniten


lebend , konnte ich in meinem Greisenalter dem Verlangen meine
noch übrige Lebenszeit unter meinen Confessionsverwandten der
Frömmigkeit zu widmen, nicht länger widerstehen. Ich ent¬
schloss mich daher um eine an Persien gränzende Statthalter¬
schaft zu bitten, damit ich mich, wenn es mit mir zu Ende
ginge, sofort nach Persien begeben könnte, um unter meinen
Gluubenshrüdern zu sterben. Die Orte, weicbe meinem Wunsche
entsprachen, waren Bagdäd und Tehriz. Da aber dieses Ejalet
schon an 'Ali Paia, jenes an Hasan Paia vergeben - war, so
blieb mir nicbts anders übrig, als um die Versetzung uach Eri¬
wän und Nachicewän anzühalten , deren Lage an der Gränze von
Persien gleichfalls meinem Wunsche entsprach ').
Nach der im Drachenjahre 1013 (1604—5) am 28. Dul-
hi^^e ( 18. Mai 1605) erfolgten Einnahme der Festung Tebriz,
des Schlüssels aller Festuugen Aderhei^än's und Sirwän's, war
Iskender Munsi hei dem Auszuge der Osmanen aus
derselben zugegen und bezeugt, dass er selten ein so wohl¬
geordnetes , trefiflicb gerüstetes und gut disciplinirtes Heer ge¬
sehen habe, und dass man daher deu Sieg über dasselbe nur der
unerforschlichen Gnade Gottes verdanke °).

Nach der Bemerkung, dass insbesondere ein Königs -


Vatermord dem Sohne keineu Segen hringe, wofür er als Beleg
das Schicksal des georgischen Fürsten Küstendil Chän an¬
führt, der seinen Thron mit einem Vatermorde befleckt hatte und
nur sechs Mooate auf demselhen sass, fährt er fort, dass er, in
sein 54. Lehensjahr getreten , gleichfalls einige Vatermörder hahe
kennen lernen, denen ibre Jugend und ihr ganzes Leben keine
Freude und keinen Genuss gewäbrt hahe ^). Er führt aber im
Jabre 1023 (1615), in welches diese Frevelthaten fallen müssten,
kein Beispiel für dieselben an.
Iskender Munsi war in der am 24. des II. öomädä

1015 (28. October 1606) und d e,n folgenden Tagen in


der Umgegend von Sis dem Ci^al O^li gelieferten
und von 'Abbäs d. Gr. seihst geleiteten Schlacht zu¬
gegen und bezeugt, dass der König, in dessen Begleitung er
sich befand, durch persönliche Tapferkeit, ausserordentlichen
Muth und kluge Anordnungen selbst den Welteroberer Timur
Gurgän übertroffeo hahe *). in der That, die in das kleinste
Detail eingehenden Dispositionen des Königs, wie Iskender Munii
sie beschreibt, wnrden auch einem europäiscben Feldberrn unserer
Zeit keine Unehre machen.

1) A. a. 0. T. II, Bl. U.r v. 2) A. a. 0. T. II, Bl. |1.v.

3) A. a. 0. T. II, ßl. Wv. 4) A. a. 0. T. II, Bl.fNr.


V. Erdmann, Iskender Munsehi und sein fVerk. 467

- Cnter den bei dieser Gelegenbeit eingebrachten und dem


Könige vorgestellten Kriegsgefangenen befand sicb ein wahrer
Goliath, dem sein gegen ibn unansehnlicher Sieger, ein Leib¬
wächter vom Stamme Istagelu, unkluger Weise nicht, gleicb den
übrigen Gefangenen, die Hände uuf den Rücken gebunden hatte.
Der König, dem er uuffiel, erkundigte sich nacb seinem Numen
und seiner Abkunft. Kr gub un , dass er ein Hekri sey, und
hoffte, du einige Angehörige dieses Stummes im Gefolge Sr.
Majestät und gegenwärtig waren, durck Vermittelung derselben
freigelussen zu werden. Du sagte ein Magnut von diesem Stamme,
mit Numen Rustem Beg: „Ich stehe mit der Fumilie dieses
Muniies nicbt nur in keinem Freundscbuftsverhältniss , sondern
es herrscht sogur zSvischen unserer und seiner Fumilie Feind¬
schuft und Blutrache " Der König befühl duruuf dem Leibwäch¬
ter, ihn dem Rustem Beg zu Ubergeben, ,, dumit er nacb Gut¬
dünken mit ibm verfahre". Dus Wort Ruche und Vergeltung kam
dabei nicbt Ulier des Königs Zunge. Rustem Beg aber lehnte die
Annahme des Gefungeneii ub und erklärte zugleich, dass er ein
Gelübde gethan huhe, ,, weder an einem liülflosen Feinde Rache
zu nehmen , noch ihm die Hand zu binden." Diese heuchlerischen
Worte brucliten den König su uuf, duss er mit luuter Stimme dem
Leibwächter befühl , sowohl diesen »Is jenen zu tödten. Der Leib¬
wächter packte zunächst den Gefangenen am Gürtel, um ihu etwas
weiter fortzuziehen. Der Unselige, der dus Wort „tödten" ge¬
bort hatte, zug uuf der Stelle einen Dolch, den er hei sich hutte,
und stürzte sich auf den König. Dieser ergriff kultblütig die
Hund, in welcher der Ruchlose die WaH'e hielt,, zog sie fest an
sich und drückte sie mit dem Knie uuf den Boden. Alle Augenzeugen
dieses unerhörten Attentats zückten, vom ersten Schrecken wieder
zu sich'gekommen , ihre Scliwerter gegen den Frevler. Da sie
aber wegen des scliwucben Lunipenlicbtes und des zufälliger
Weise gleicbfarhigen Punzers und Ueberkleides der heiden Rin¬
genden in ihrer Verwirrung sie niclit von einander unterscheiden
konnten, sn wagten sie, aus Furcht den König zu verletzen,
nicht mit dem Schwerte drein zu schlagen. So rung '.Abbäs lange
mit dem Wahnsinnigen, bis es ihm endlich gelang, mit starkem
Arme sich von ihm loszumachen. Da erst ergriffen ihn einige
Guläms , sclilcpptcii ihn ubseits und hieben ihn in .Stücken. Die
Furcht, es möge Sr. Majestät ein Schade zugestossen seyn, wur
ullgemein. Ancb l skender M un i i , der hei d i e s e ni s c h r e c k-
lichen Kreignisse zugegen wur, wurde dudurch so
erschüttert, duss er lunge Zeit hindurch an epilep¬
tischen Zufällen litt. Als er endlich den Befehl erbielt

vorzutreten und der König seine Hand ergriff, erkunnten ulle


Anwesenden, duss der Himmel Se. Majestät geschützt hahe, und
vereinten sicb zu einem feierlichen Dankgebete. Dieser Vorfall
gah Veraulassung zum Niederschiessen des grössten Theils der
468 V. Erdmann , Iskender Manscht und sein Werk.

Kriegsgefangenen '). 'Abbäs ritt hierauf znm Hoflager, welcbes


ungefähr eine Parasange entfernt war, und nahm dort Quartier.
Iskender Munsi erhielt noch in derselben Nacht den
Befehl, ein an Budak Chän, den-Statthalter von Teb¬
riz, gerichtetes allerhöchstes Jerli^ aufzusetzen,
ihm dieses Kreigniss zu melden und ihn zu beordern, dass er
mit seiner Schwadron und den Besatzungstruppen der Festung
Tebriz heim Anbruche der .Morgenröthe einen Cordon um das
Hoflager ziehe und erforderlichen Falls sich bereit halte, mit
dem Heere gegen den Feind zu marschiren ^).
Wegen des langjährigen freundschaftlichen Verhältnisses un¬
seres Iskender Munsi zu dem ohen erwähnten l'timäduddanle

Hätim Beg hielt er es für eine Pflicht der Dankbarkeit, sich


an zwei Stellen seiner Jahrbücher, obgleich dies'eigentlich nicht
dahin gehöre, üher Hätim Beg's Familie, Vermögen, Lehen und
Thaten , so wie über seine fünf Söhne zu verbreiten , um der
Nachwelt ein Denkmal seiner treuen Anhänglichkeit an diesen
seinen Gönner zu hinterlassen ^).
Ohgleich Iskender^ Munsi auf dem fünfjährigen Feldzuge
nach Aderhei^än und Sirwän , von dem der König um 26. Re^eb
1016 (6. Novemher 1608) nach Ispahän zurückkehrte, sebr viele
Beschwerden ausgestanden hatte und sich deswegen nach Ruhe wie
auch nach dem Wiedersehn seiner Kinder sehnte, so konnte er
doch die von Hätim Beg erhaltene Einladung, ihn nach seiner
Besitzung ürduähäd zu hegleiten, nicht ablehnen, um so mehr
da er während des Feldzuges grösstentheils in dessen Gesell¬
schaft gewesen und in seioer Gunst immer höher gestiegen war,
auch in seiuem Umgänge an feinen Sitten und weltlicher Bildung
ausserordentlich gewonnen hatte. Er begab sicb daher mit ihm,
so wie mit Mir Nasr, dem Gebieter von Howeiza und Dau¬
ra k, dem hochgebildeten Mustafä Paia, welcher als osmani¬
scher Kriegsgefangener der Aufsicht Hätim Beg's übergeben
worden war, dem gelebrten und genialeli Mirzä Muhammed
Qusein Tefreii, dem trefflichen Gesellschafter Maulänä
Mutrib-i-Kazwini (dem Musiker aus Kazwin) und dem mun¬

tern Tafelgenossen Raider ^uli 'Udi («^'j-c, dem Lauten¬


schläger) nach dem genannten Orte. Auf dem Wege dahin hielten
sie sich in den am sUdlichen Ufer des Araxes gelegenen , durch
ihre schönen Pomeranzen, wohlschmeckeoden Weiotrauheo und
andere Früchte berühmten Orten Du zäl und Gürdeit drei Tage
auf und fanden bei Iljäs Cbalife und den Söhnen Müsä
Beg Dernari's die gastfreundlichste Aufnahme. In der Stadt
Ürduähäd angelangt und von Gross uod Kleio freudig empfangen,

1) A. s. 0. T. II, Bl. fr.r. V. 2) A. a. 0. T. 11, Bl. cr. v.


3) A. a. 0. T. II, Bl. If.v. ; If f v. ff.
V. Erdmann, Iskender Manscht und sein fVerL 469

erhielten alle von Hätim Beg ihrem resp. Range angemessene


Geschenke, und derselhe gab dann zwanzig Tage lang wahrhaft
königliche Feste und Gastgelage , bei denen sich alle Theilnehmer
der ungezwungensten Fröhlichkeit hingaben. Iskender Munsi
beschreibt ihren entzückenden Aufenthaltsort mit den verscbiede¬
nen vom Besitzer dort gegründeten Anlagen und schliesst mit
einer von ihm selbst gedichteten vierzeiligen Strophe. Im An¬
fange des Monats Re^eh (gegen Bnde October 1608) kamen sie
auf ihrer Rückkehr nach Ardebil, wo sie von dem tapfern Vezir
Cbö^a Muhammed Riza, mit dem Ebrenheinamen Fedäwi,
äusserst human und zuvorkommend aufgenommen wurden. Sie
blieben einige Tage bei ihm, wallfahrteten zu den Gräbern der
Gross-.Seiche aus dem Geschlechte der Sefen;i und kehrten auf
der Strasse von Chalchal über Kazwin, Säwa, Kum und
Käiän nach Ispahän zurück, wo sie am 8. Sa'bän 1016
(8. November 1608) des königlichen Fusskusses gewürdigt wur¬
den. Iskender Munii entschuldigt sich wegen dieser Abschweifung
wieder mit seiner Dankbarkeit gegen die Familie Hätim Beg ').
Der auch unler dem Namen Kelender Ogli bekannte^ os¬
manische F'eldherr Muliammed Pasa war vom Serdär Ci^äl
Ogli als Statthalter von Hims (Emesa) angestellt wordeu, aber
über die, nach seiner Meinung insgeheim vom Serdär veranlasste
Widersetzlichkeit seines Vorgängers, der ibn nicht zuliess, er¬
zürnt, hatte er sich zu den Geläli's (Aufrührern) geschlagen und
verübte als Anführer derselben iu Kleinasien und seihst in Brusa,
der Grabstätte der osmauischen Sultane , Räubereien und Verhee¬
rungen aller .Art. Das von Stambul gegen ihn gesandte Armee-
curps richtete nicbts aus. Ein Theil des unter Anführung eines
gewissen Tir Tawil in Haleb und Diärbekr aufgestandenen
Gesindels verband sich mit ihm und verstärkte seine Macht. Die

osmanische Regierung musste mehr als je auf Unterdrückung


dieser Umtriebe bedacht seyn , und ernannte deswegen den im
Kriege mit Oesterreich begriffenen Muräd Paia zum Gross¬
vezir und Oberfeldberrn gegen diese Aufrührer. Dieser scbloss
am lö. .Sa'bän 1015 (II. November 1606) zu Sivatorok eioen
unter solchen Verhältnissen immer noch vortheilhuften Frieden
mit dem Kaiser Rudolph und zog zunächst gegen den Kurden
ään Füläd Ogli und seine 20,000 Manu starke Rotte.
Nach der ihm beigebrachten Niederlage wandte er sicb gegen
die Festung Haleb, in welche jener sich geflüchtet hatte, nahm
sie ein und liess keine Spur von ihm und seineu Parteigängern
übrig. Hierauf wandte er sich gegen die Öeläli. Der ohen er¬
wähnte Tir Tawil war unterdessen gestorben Sein noch bart¬
loser Bruder Muhammed Beg schloss sich mit 2—3000 Mann

1) \. a. 0. T.'TI, Bl. niv. ff. 2) = Dschanbiiladfade bei Hnmmer.


Bd. XV. 31
470 V. Erdmann, Iskender Munsehi und sein Werk.

dem Kelender Ogli an, ebenso der früliere Beduine Kara Sa'id.
Nacb einigem Verzuge setzte sicli Muräd Pasa im Anfange des
Alfenjahres 1017 (17. Apr. 1608) gegen die Geläli in Bewegung,
und ihm entgegen zog Kelender Ogli mit seinen Emiren, Serdären
und Cantonspasa's, deren Anfülirer Kara Sa'id , der erwähnte Bruder
Tir Tawil's , Kurd Haider Agä6en, Piri Keke^ .Müh a in-
med, Husein Beg Arnaut, Kara Husein, Nu mäl 'Ali
u. A. waren. Da die Rehellen schon einige Male Ahtheilungen
des osmanischen Heeres geschlagen hatten, so lagerte sich Muräd
Paia mit seinem Heere auf einem Berge, umgab den Fuss des¬
selben mit Wagen und Ketten und suchte durch List die Feiode
von einander zu trennen. Durch einige .Scharmützel sehr ge¬
schwächt, liessen diese ihr Lager und Gepäck im Stich und
zogen in forcirten Märschen nach Erzerüm. .Muräd Paia fer¬
tigte, nach der Plünderung ihres Lagers, den unter dem Namen
Ekmek^i O^li bekannten Ibrähim Pasa mit 20,000 Mann
zu ihrer Verfolgung ab. Ohgleich sie dieses Corps beim ersten
ZusammenlrefiFen schlugen , so erlitten sie doch hald ihrerseits
eine Niederlage , suchten sich durch die Flucht zu retten und
traten auf persisches Gebiet über. Die osmanischen Truppen
wagten nicht sie über die Gränze zu verfolgen, setzten jedoch
den Statthalter von Eriwän, Emir Küne Chän, von dem
Vorgefallenen in Kenntniss. Kelender Ogli blieh in der von ihm
eingenommenen Stellung und fertigte auch seinerseits Cantons-
serdäre nach Eriwän ah. Emir Küne Chän berichtete über die

Sachlage an den König. Um dieseihe Zeit langte auch der von


^elender Ogli noch besonders an den Hof abgesandte Husein
Beg Arnaut mit einem Unterwerfungsschreiben an. 'Abbäs gab
bierauf den öeläli die Erlaubniss an dem von ibnen besetzten

Orte zu bleiben , wohin einer der Regierungs-Emire zu ibrem


Empfange beordert werden sollte. Dazu bestimmte '.Abhäs den
l'timäduddanle Hätim Beg als den zu diesem Dienste durch seine
Erfahrung und Weisheit geeignetsten, mit dem Auftrage, dem
Muhammed Paia so wie seinen Serdären, Cantonspaia's und übri¬
gen Untergebenen, wofern er sich von der Redlichkeit ihrer
GesinnuDgen überzeuge, in Aderbei^än Winterquartiere anzuwei¬
sen und sie später Sr. Majestät vorzustellen , im entgegengesetz¬
ten Falle aber nach bester Einsicht zu handeln. Auch wurden

ihm 12,000 Tümän geprägten Goldes , 12,000 Hammel und 20,000


Eselslasten Korn zu ihrer Verpflegung verabfolgt. Endlich
ward poch lskender Munsi zur Begleitung Qätim
Beg's beordert, damit er die mit dem königlichen

Siegel versehenen c^artes blanches ((>oLj ^\yL>) dem


l'timäduddaule einhändige und uach dessen Be¬
fehle das Erforderliche auf deoselhen eintrage,
ätim Beg verabschiedete sich voo dem Hofla^er auf dem Ge-
V. Erdmann, Iskender Munsehi und sein Werk, 471

biete von Hninadän und begab sich mit einer Schaar königlicher
F^icibwächter und Trabanten , zu denen unterwegs noch Aka
Sultän, der Oberstattbaltcr von Zengän, mit einer Schwadron
stiess , nach Tebriz. Hier erfuhr er , dass Emir Küne Chän
schon einige seiner Trabanten zu'ihrer Empfangnahme abgeschickt,
ihnen das drei Parasangen von Eriwän gelegene Ü 6 Kilisä
(Dreikirchen) zur Niederlassung angewiesen, ihnen auf einer
Ebene ausserhalb der F'estung ein Gastmahl gegehen, Bäder zu
ihrer Verfügung gestellt, ihnen verschiedene Kleidungsstücke
verabreicht und übei haupt alle Aufmerksamkeit erzeigt habe.
Jetzt aber übernahm Hätim Beg ihre Verpflegung und liess ihnen
Nahrungsmittel, Delicatessen, Scherbete, Zeuge zu Galakleidern,
Gold- und .Seidenstoffe, Atlas- und Baumwollcnzeuge , Handtücher,
Rosenwnsser, .Safran, Moschus u. dgl. m. verabfolgen. Eben so
Hess er es ihnen auf dem Wege nach Tebriz zur Vorstellung
Iiei Hofe an nichts fehlen. Hier kamen erst der Vezir von Ader-

bci^än, Cliu^a Muhnmmed Riza, und am andern Tage der Statt¬


halter von ''l''ebriz, Budak Chän, ihnen zum Empfange entgegen.
In Tehriz selbst feierlich eingezogen und von der ganzen Be¬
völkerung bewillkommnet, wurden sie von Hätim Beg huldvoll em¬
pfangen, der dunn auch über die 10,000 gemeinen öeläli Musterung
hielt. Er liess bierauf ein Verzeicliniss aller dieser .Ankömmlinge
unfertigen , um nacb Massgabe ihrer Anzahl Veranstaltungen zu
ihrer Verpflegung treffen zu können. Aus diesem Verzeichnisse
ergab sich , dass es in Summa 12,605 Geläli's waren : 10,000
PlintenschUtzen , Reiter und Pussvolk, 2605 Pasa's, Emire, Ser-
däre u. s, w. Iskender 'Munsi hatte bei dem grossen,
ihnen und Andern von Hätim Beg gegebenen .Gast¬
mahle (welches his in das kleinste Detail beschrieben wird)
mit Clid^a Muhammed Ri^ä und vielen zum könig¬
lichen Gefolge gehörenden Herrn für die Bedie¬
nung der mehr als 10,000 Gäste zu sorgen, die nicbt
nur mit den ausgesuchtesten Speisen und Getränken bewirtbet,
sondern auch kostbar beschenkt wurden. Als ungeachtet dieser
gastfreundlichen Aufnahme die stets misstrauischen Anführer der

Geläli uicht von ihren Kriegern getrennt, sondern sofort mit


ihnen dem Könige vorgestellt seyn wollten, so suchte Hätim Beg
sie durch vernünftige Vorstellungen zu beruhigen und ihnen die
Ünausführbarkeit ihres Wunsches darzuthun , da Se. Majestät jetzt
in Ispahän die Winterverguügungen geniesse und man in dieser
Jahreszeit unmöglich dahin aufbrechen und dem Monarchen zur
Last fallen könne. Er bat sie daher,, sicb in den Winterquar¬
tieren ^ nach Lust und Belieben einzurichten ; im Frühjahre,
wenn der König daa Sommerlager (Jailak) bezogen haben werde,
wolle er aie zuaammenberufen und Sr. Majestät vorstellen. Damit
gaben sie sich zufrieden. Qätim Beg quartierte nun die Paia's,
Emire und sonstigen Anführer bei Leuten ein, die im persönlichen
3 1 31 ♦
472 V. Erdmann, Iskender Uunschi und sein Werk.

Dienste des Königs oder im Staatsdienste angestellt waren, wies


den übrigen Öeläli ibre Winterquartiere an, verordnete Quartier¬
meister, sorgte für die erfurderlicbe Verpflegung, liess durcb
Iskender Munsi die betreffenden Befehle ausferti¬
gen und schickte sie mit denselben Schaar für Schaar an ihre
Bestimmungsorte ah').
Da die Kurdenstämme, welche zur Zeit des Sah Tahmasp I.
unter Anführung eines gewissen Karatä^, später Emir Chän
genannt, sipb der persischen Regierung unterworfen hatten und
mit Urumia belehnt worden waren, nach dem Tode jenes Königs,
als die Osmanen Aderbei^än wieder an sich zu reissen suchten,
sicb auf die Seite dieser geschlagen hatten, so war ein dem
Stamme Berädüit angehöriger Emir mit Namen Muhammed
Beg von dem osmanischen Sultan zum Fürsten des genannten
Stammes und seines Sangaks ernannt worden. Emir Chän ver¬
weigerte diesem den Gehorsam und hielt sich einige Zeit im
Gefolge* eines der kurdischen Grossemire, dann wieder in dem
'Omar Beg's, Statthalters von Nehrewän, auf. Es war ihm
auf dem Schlacbtfelde eine Uand abgehauen worden und er hatte
davon den Beinamen Emir Colak '-') (Emir mit der verstüm¬
melten Hand) bekommen. Als König 'Abbäs zu der Eroberung
Nachidewän's und Eriwän's auszog, begab sich der in Rede
Stehende zu ihm und gelobte treue Anhänglichkeit. Se. Majestät
verlieh ihm das Emirat des .Stammes Berädüst uebst dem Titel
eines Chän's und wies ihm Urumia als Verwultungssitz , als Ac¬
cessit aber das nahe gelegene Usüne un. Auch liess er ihm
von seinen Goldarbeitern eioe goldene, mit Diumuntcn verzierte
Hand anfertigen, um sie an seinen verstümmelten Arm anzuheften.
Im Besitz des genannten Gehietes erwarb er sich durch Recht¬
lichkeit und Sachkunde die Gnade des Königs in noch höherem
Grade, unterwarf einige kurdische den Osmanen angebörige Ver¬
waltungsbezirke und erlangte unter den Statthaltern Kurdistän's
boben Ruf. Deswegen schlugen sich viele der kurdischen Edeln
auf seine Seite und traten iu seinen Dienst. Dies ^machte ibn
aber stolz und aufgeblasen. Nach der Niederlage Cigäl Ogli's
begab er sich an das damals in Sei mäs befindliche Huflager,
machte dem Könige seine Aufwartung und wurde voo Neuem mit
dem ihm früher zugetheilten Gebiete belehnt. Nach seiner Rück¬
kehr fing er in seinem Dünkel mit den Emiren der Kizilbaien
in dem Gränzlande Händel an. In der Absicht, sich unabhängig
zu macben, bat er, unter dem Vorwande, dass seine verfallene
Feste der Wiederherstellung nicht fähig sey, ihm zu erlauben, an
einem andern passenden Orte zu seineui und seiner Angehörigen
Schutze den nötbigen Bau vorzunehmen. Nach erholteuer Erlaub-

1) A. a. 0. T. II, Bl. fv/vr. ff. 2)


V, Erdmann , Iskender Munsehi und sein Werk 473

niss legte er drei Parasangen weit von der Stadt Urumia, wo der
Kingang zu seinem Verwaltungsbezirke war, auf der Spitze eines
boben Berges eine neue Feste an. Nach der Aussage der Kur¬
den war in den Zeiten vor der Kinführung des Islams an dem¬
selben Orte eine Festung mit Namen Demdem. Der Statthalter
von Tebriz, Pir Budak Chän, der sich von Kmir Chän's Heuchelei
durch die bei ibm eingelaufenen Nachrichten überzeugt hatte, berich¬
tete dem Könige, dass jener verrätherische Anschläge im Schilde
führe und deswegen eine Feste baue, welche erforderlichen Falls
seine Absichten unterstützen könne. Der König gab daher dem
Pir Budak Chän Befehl, jemanden an Kmir Chän zu senden und
ihm die Fortsetzung des Baues zu verbieten. Demzufolge liess
ihm Budak Chän andeuten, er solle den Bau einstellen, da böse
Zungen ihm bei demselben eine schlimme Absicht zuschrieben
und er sich der Gefuhr aussetze der königlichen Gnade verlustig
zu geben und im Falle der Widersetzlichkeit sich und den Seini¬
gen den Untergang zu bereiten. Emir Chän achtete auf diesen
wohlgemeinten Rath nicht, vollendete die Feste, siedelte aus
Urumia Bewohner in dieselbe über und versah sie mit Waffen
und Kriegsgeräth. Ja er trat mit anerkannten Verrätbern, wie
Chalil 'Abdäl Megri, der hei ihm Schutz gesucht batte, in
Verbindung, drückte uher, um den König zu täuschen und sein
Fuchsspiel um so sicherer forttreiben zu könoen , in seinen Be¬
richten beständig die vollkommenste Untertbänigkeit und Anhäng¬
lichkeit aus, indem er Pir Budak Chän beschuldigte, ihn aus
Groll wegen einiger zwischen ihnen obschwehenden Misshellig¬
keiten bei Sr. Majestät zu verleumden. Der König, der seinen
Worten Glauben schenkte, erklärte ihm in seinem Antwortschrei¬
ben : ,,Er habe den Pir Buduk Chän versetzt und an seioe Stelle
Hasun Chän, einen wohlgesinnten Mann, ernannt. Kr (Emir
Chän) möge daher mit diesem in Frieden leben, jede weitere
übele Nachrede von sich fern zu halten suchen und entweder

selbst sich zu diesem verfügen, oder, im Verhinderungsfalle,


einen seiner Söhne mit 2—300 Mann an ihn senden, damit den
kurdischen Emiren seine Treue gegen die königliche Regierung
einleuchte und sie selbst anderen Sinnes würden." Ungeachtet
dieser Gnade und Langmuth verharrte er docb in seiner Wider¬
setzlichkeit. Denn als Husun Chän und die andern Emire der Kizil-
baiun mit Muhummed Cbän und seinen (jreläli an ihren Bestim¬

mungsort abzogen, sandte er zwei Pferde als Geschenk für diese


heiden Anführer, liess sich seines Ausbleibens wegen entschuldi¬
gen, weil sich in dem Gefolge Hasan Chän's 7—8000 unzuver¬
lässige (Geläli befänden, und sagen, er würde hinterher ein Corps
(zu Hülfe) senden. Hasan Chän liess ihn durch seine zurück¬
gesandten Abgeordneten beruhigen und zeigte ihm in einem
freundschaftlichen Schreiben an, er werde sich uuf dem Durch¬

zuge durch Urumia eine Nacht in seiner Nähe lagern und dann
474 V- Erdmann, Iskender Uunschi und sein Werk.

mit ihm mündlich dns Weitere hesprechen. Emtr Chan nahm aber
auch auf diese Anieige keine Rücksicht. An dem Tage, als der
Vortrab des Hasanischen Corps sich seiner Feste näherte, zogen
die.Bcrädüit-Kurden gerüstet gegen denselben aus. Es kam zum
Handgemenge, in dem zwei öeläli getödtet und einige verwundet
wurden. Hasan Chän, hiervon benachrichtigt, liess seinen Trup¬
pen die Fortsetzung des Kampfes verbieten und lagerte sich eine
halbe Parasange weit von der Festung. Die Kurden , welche
sicb in diese zurückgezogen Iiatten , verrammelten die Thore und
schössen aus Flinten und Kanonen auf die Gelagerten. Die An¬
frage Hasan Chän's, warum er so gegen ihn und seine Krieger
verfahre, beantwortete Emir Chän mit leeren Entschuldigungen.
Hierauf kam es zu verschiedenen Scharmützeln , welche bald einen
solchen Umfang gewannen, dass Mubammed Pasa sich, auf Grund
des für alle Kurden erlassenen Fcnnän's, Urumiu's bemächtigte.
Auf den Bericht Hasan Chän's üher die Vorfälle fasste der König
den Entschluss, den hocherfalirenen Ttimäduddaule Hätim Beg
nach Urumia abzusenden, damit er, nach genaner Erforschung
aller Umstände und Verhältnisse , die Wühlerei Emir Chän's, wenn
dies ohne Schwierigkeit möglich wäre , gebührender Weise be¬
strafe, seine Feste dem Erdbuden gleich mache und dieses F>and
unter die (Seläli vertheile, unter der Bedingung, eifrigst auf die
Ausrottung der kurdischen Aufrülirer hinzuarbeiten. Im Falle
aber, dass ein solches Verfahren mit Schwierigkeiten verknüpft
wäre, solle er den Emir Chän durch Beschämung wieder zum
Gehorsam zurückführen, die dort stehenden Geläli aber in die
Winterquartiere unterbringen. Für die Verpflegung der letztern
wurden ihm 5000 Tümän geprägten Goldes aus dem Rciclisscliatze
verabfolgt. Hätim Beg begab sich in Begleitung von Pir Budak
Chän und 500 Mann tebrizischer, hafekischcr, cliorasanischer und
ispahanischer Flintenschützen von Ardebil nuf den Weg nacb Tebriz.
Iskender Munsi wurde ihm wieder für die Kanzlei¬

geschäfte heigegeben, und unterrichtet uns als Augen¬


zeuge aufs genaueste, von ullen Anordnungen und Veranstaltun¬
gen seines Gönners , weicbe der auf höchst interessante Weise
beschriebenen Belagerung einen glücklichen Ausgang sicherten ').
Docb war es dem Hätim Beg nicht vergönnt, sein Werk
selbst zu vollenden. Er befand sich während der Belagerung
der Feste bis kurz vor ihrer Eroherung dem Anscheine nach
wobl. Eioes Ahends hatte er nnch dem Numäz mit seinen Freun¬
den his gegen Mitternacht muntere Gespräche gepflogen und sich
dann in sein Schlafgcmach begeben. Iskehder Munsi, der an der
Gesellschaft Theil genommen hatte, war noch uuf dem Rück¬
wege nach seinem Quartier, als ihm jemand nachgelaufen kam

1) A. a. 0. T. 11, Bl. nrr. v.; r.rr.


V. Erdmann , Iskender Uunschi und sein Werk. 475

und ilin zu Hätim Beg zurück entbot. Wäbrend er sicb uoch


erkundigte, was vorgefallen wäre, traf ein zweiter Bote ein und
berichtete, Hätim Beg sei' mittlerweile verschieden. Iskender
Munsi machte sofort den Emiren .Anzeige davon; alle hegahen
sicb in Hätim Beg's Quartier und constatirten den Todesfall,
über welcben man unverweilt an den Hof Beriebt erstattete.

Noch in derselben Nacbt wurde die Leicbe gewaschen, einge¬


sargt und am folgenden Tage nach Tebriz abgeführt. Die Er¬
oberung der Feste ward hierauf dem au Hätim Beg's Stelle zum
Heerführer ernannten Muhammend Beg Bigdeli Sämelu
übertragen und glücklich ausgeführt. Das Ganze endete mit
dem Untergange Emir Chän's und der ibm ergebenen Kurden.
Dies ereignete sich im Hundejahre 1019 (1610—1) ').
Der osmanische Sultan Ahmed Chän hatte im Schlangen¬
jahre 1026 (1617) den Chalil Paia zum Grossvezir und Serdär
ernannt und mit einem gewaltigen Heere an die persische Gränze
geschickt, damit er in diesem Juhre dort die Wioterquartiere
beziehe, im künftigen aber, von dem Tataren-Chäo ö äni beg
Girei unterstützt, in das persische Gebiet eindringe. Chalil
Paia hezog wegen der Verwüstung Erzerüm's die Winterquar¬
tiere in Diärbekr undi traf wählend desselhen alle nöthigen An¬
stalten zum Feldzuge. König 'Abbäs übertrug gleichfalls die
VVürde des Serdär's und Sipehsalär's dem Kardie^äi Cbän
und scbickte ihn dem Chalil Paia entgegen nach Aderbei^än.
Damit nicht, wie es oft der Fall war, die Krieger wegen ver¬
zögerter Soldzahlung träge und .nachlässig im Dieuste wUrden,
beorderte 'Abhäs den in diesen Angelegenheiten bewanderten da¬
maligen l'timäduddaule Mirzä Abü f^'ih mit dem Finanz¬
kammerbeamten während der vier noch übrigen Wintermonate nacb
Tebriz, mit dem Auftrage, an jedem Orte Alle, welche zu dem
Solde beizutragen hätten, namentlich aufzeichnen und ihnen die
betreffenden schriftlichen Befehle zukommen zu lasseu. Iskender

Munsi ward gleichfalls mit einigen Personen aus


der geheimen Kanzlei des Köpigs dem l'timädud¬
daule beigegeben und a r b e i t e t e v i e r Monate lang
in. dieser Commission-).
Iskender Munsi war im Rossjahre 1027 (1618)
Zeuge des höchst feierlichen Einzugs des Gesand¬
ten des Säh Selim von Hindustän, Mirzä Berchurd,
beigenannt Cbän 'Älim, in ^^azwin. Er beschreibt diese
seltene Feierlichkeit nehst deo dem Könige durch den Gesandten
überbrachten Gescheuken auf das Genaueste und bericbtet, dass
nacb der Aussage erfahrener Leute, seit dem Ursprünge der

1) A. a. 0. T. 11, Bl. rrv. ff.

2) A. a. 0. T. 11, Bl. nfr.

3 1 *
476 V. Erdmann, Iskender Uunschi und sein Werk.

Sefiden-Dynastie bis damals, ja, soviel aus der Geschichte und


Tradition bekannt, sogar unter, den frühern persischen Herrscher¬
geschlechtern, noch nie ein Gesandter von so viel persönlicher
Würde , mit so grossem Dienertross und Gefolge und so herr¬
lichen Geschenken aus Indien oder aus Rüm nach Persien ge¬
kommen sei ').
Nacb Beschreibung der beständigen Unruhen im arabischen
Iräk bis zum Jabre 1032 (1622—3) erzählt Iskender Uuu'si,
dass 100,000 Personen beiderlei Geschlechts wegen unaufhör¬
licher Räubereien und wegen Mangel und Hungersnoth dieses
Gebiet mit dem, was sie mit sich fortschleppen konnten, ver¬
lassen und sicb nach Bagdäd und Howeiza hegeben hätten.
Br seihst hahe, fährt er fort, als er im Gefolge des
Königs von Ispahän nach Bagdäd gegaogen sei.
Uberall hUlflose Auswanderer aus dem arabischen 'Iräk gefunden,
welche, zufrieden mit einem Almosen von den ländlichen Grund¬
besitzern, unstätt umhergezogen und vor Hunger und Noth unter
hundertfältigem Ach uod Weh auf den Landstrassen umgekom¬
men seien

Iskender Uunsi erhielt Ton dem Könige die Er¬


laubniss, seinen Freund, deo Seid Mirzä Ahü Tälib,
der, oach der Niederlage der Osmanen bei Bagdäd, im Jahre
1035 (1625—6) von der Wallfahrt nach Kerbelä und Ne^ef
zurückgekehrt war, auf der Wallfahrt nach Mei hed zu
begleiten. -Der Sei'd starb unterwegs am Übermässigen Ge¬
nüsse von Weiotrauhen und anderen Speisen in Teherän; sein
Leichnam wurde von da nach Meihed gebracht und dort hegru¬
hen. Oh Iskender Munii ihn dorthin begleitet habe , darüber
schweigt er. Es ist aber oicht wahrscheinlich , da er von der
wirklicben Vollendung dieser Wallfahrt doch gewiss irgendwo
ein Wörteben gesagt buben würde ^).
Iskender Munsi scbeint auch Feinde und Neider gehabt zu
hahen, welche ihn und seine Verdienste herabzusetzen suchten.
Dies geht aus folgeoden drei Stellen seines Werkest hervor:
1) In dem Abschnitte über das Pantberjahr 10.35 (1625—6),
in welcbem die Osmanen Bag;däd belagerten und dabei viel Un¬
gemach auszustehen hatten, berichtet er unter, anderem, dieselben
bätten aus ihrem verschanzten Lager einen Cuui mit vielen ofG-
ciellen und Privotschreiben von Paia's , Emiren und Magnaten
nach Stambul abgesandt, diese seien aber von den persischen
Vorposteo aufgefangen und dem Könige vorgelegt worden. Unter
ihnen habe sicb aucb der Brief eines Magnaten an seinen Freund
Musalli Celebi *) mit einer Schilderung der Lage des osmanischen

1) A. a. 0. T. II, Bl. rvfr. 2) A. a. 0. T. 11, Bl f.lr.

3) A. a. 0. T. II, Bl. ffTr. 4) Die Hdscbr. t5>JLs-


V, Erdmann , Iskender Munsehi und sein Werk. 477

Beeres befunden. Cm nun den „ Zierbengeln , Windbeuteln und


Witzlingen", wie er seine Feinde nennt, zu beweisen , dass seine
Aussagen urkundlicbe Zuverlässigkeit baben, fiigt er diesen türkiscb
abgefassten Brief ubscbriftlicli bei und bittet die Verstösse gegen
Sprache und Ideenverbindung nicbt auf seine Rechnung zu setzen').
2) Nach der Erzählung vom Tode des Königs 'Abbäs, der
Schilderung seiner ausgezeichneten Eigenschaften und dem Lobe
seiner Regierung fährt er fort: ,, Alle Souveräne des Erdkreises,
sowohl muslimische als nicht muslimische, in Frengistän,
Uriis, Kaigar, Tibet und Hindustän, knüpften mit .Sr.
Majestät freundschaftliche Verbindungen an und schickten zum
Beweise ihrer Anhänglichkeit an Seine erhabene Person öfters
Gesandte mit den Erzeugnissen und Merkwürdigkeiten aller Ge-
gendeo an Seinen Hof. Die fränkischen Herrscher und christ¬
lichen Souveräne voo. L ä z ^) und Temes er ^) , von Fraose^),
Landis^), Portugal und Spanien, die grössten Souveräoe
der Christen, und selbst der Pabst, der Chalif der Bekenner
des hochwürdigen Propheten Jesus (Heil über ihn!), waren, un¬
geachtet der weiten Entfernungen durch Länder uud Meere, Sr.
Majestät ob des Rufes Ihrer Gerecbtigkeit, Ihres gottwohlgefäl¬
ligen Wandels und Ihrer Humanität mit Anhänglichkeit zuge¬
tban, und Ihr erhabener Hof war nie leer von redekundigen Ge¬
sandten und neuanlangenden Geschenken. Die Wahrheit dieser
Aussage wird der Inbult eines Schreibens darthun, welches in
diesem Jalire von dem Pabste an» Se. Majestät gesandt wurde.
Bei den Christen nennt man jeden,, der die Würde eines Cbalifen
und Stellvertreters Christi erlangt hat, Päp (Pabst), und der
Sitz seines Chalifats , welcher nacb ihrem Glauben der Aufent¬
haltsort Christi war, ist das grosse Rom in dem Lande der Rüm.
Da der Inhalt dieses Schreibens das Obengesagte bestätigt, so
ist es auf diesem Blatte beigefügt worden , damit nicht die neidi¬
schen Zierbengel den .Schreiber dieser Zeilen hinsichtlich seiner
Aussagen zu den Aufschneidern und Windmachern zählen und der
Obliegenheiten des ihm anvertrauten Staatssecretoriats für un¬
fähig halten" ").
Dieses Schreiben des Pabstes ') enthält, ausser den schmei¬
chelhaftesten Complimenten , die Benachrichtigung davon, dass er
(der Pabst) von des Königs vortrefflichen Eigenscbaften und
.weiser Regierung besonders durch die in seinem Reiche leben-

1) A. a. 0. T. 11, Bl, ff.r.

2) yi sonst Servien , hier wahrscheinlich stalt «J Polen.


3) ^I '■' wahrscheinlich verderbt aus S^m^ ^ Deulschland.
4) Frankreich. 5) Holland.
6) A. a. 0. T. II, Bl. toor.
7) Der Zeil nach war es l'rban VII., der von 1623 bis 1644 regierte.
478 V- Erdmann, Iskender Munsehi und sein Werk.

den und den Rulim seiner Toleranz überall in Europa ver¬


breitenden Carmeliter-Burfüsser gebort und erfahren habe, dass
die Pater Carmeliter ohne Hinderniss von Seiten seiner Regie¬
rung ihren Gottesdienst in eigenen Kirchen verrichten. Er (der
Pabst), der Statthalter Jesu, erflehe daher von dem allbarmher¬
zigen König der Könige für ihn als Belohnung Sieg und Triumpb,
damit seine Glorie gleich dem Vollmonde glänzend aufgehe, und
Befestigung in der Befolgung der göttlichen Gebote, damit er
gleich dem Herrn Jesu gross und stets seiner Wünsche theil¬
haftig werde. Er möge Botschafter nach Rom zu schicken ge¬
ruhen , um seine Freundschaft für die Christen noch deutlicher
ao den Tag zu legen und diese durch die ausdrückliche Ver¬
sicherung derselhen zu erfreuen. Er möge den Vätern vom Berge
Carmel das hisher thatsächlich erwiesene Wohlwollen erhalten

und sie so vor .Andern auszeichnen. ,, Wegen der Grossthaten


Sr. Majestät und der ganz hesondern Freundschaft und Liehe des
römischen Pahstes für Höchstdieselbe hoffen Wir, duss die Sonne
der göttlichen Wahrheit über diesem grossmächtigen Haupte be¬
ständig leuchten werde."
Dieses Schreiben war, wie Iskender Munsi hinzufügt, in der
fränkischen Schriftsprache ' ) abgefasst. Nacbdem der Brief ent¬
siegelt worden war, übersetzten ihn die sich in Ispahän aufhal¬
tenden Franken. Aus der Uehersetzung ward nicht klar, wer
eigentlich in dem Schreiben spreche und was dessen wahrer
Zweck sei. Hierüber befragt^ antworteten die Prunken , cs sey
bei ihnen eine .Anstandsregel, für die Correspondenz bochgcstell-
ter Personen, den Briefsteller aus dem Inhalte nicht erkennen
zu lassen und seiueWünsche nur andeutungsweise auszudrücken.

3) Am Ende seines Werks sugt Iskender Munsi: „Ich hoffe,


dass dieses aclitungswerihe Bnch von den Anfeindungen der Zier¬
bengel, der Missgünstigen und der Neider verschont bleiben
werde. Wenn sie Ungleichheiten und Fehler darin auffinden, sn
mögen sie sich bemühen dieselben zu verbessern und das den
Makel gewährende Auge zudrücken"^).
Iskender war uuch Dichter. Dies beweisen die dichteri¬

schen Beschreibungen vom Eintritte des Frühlings, sowie einige


von ihm verfasste vierzeilige Strophen und Chronostiehen, z. B.
auf die Anmuth Urduähäd's, auf die scheinbar unmögliche Ein¬
nabme der Feste Demdem, auf den von König 'Abhäs im Jahre
1025 (1616) über die Osmanen errungenen Sieg, auf den Tud
des berühmten Sängers S e i c h L u t f u 11 ä h und andere dichteri¬
sche Ergiessungen -*). Auch erfahren wir, dass sein Bruder

1) Wahrscheinlich lateinisch.
2) A. a. 0. T. II , Bl. f T v. , fT v.

3) A. a. 0. T. II, Bl. irf V., TXr., Tolv., firr.


V. Erdmann, Iskender Munsehi und sein Werk. 479

Muhammed Saleh hiess, indem er einige Ruhai's und Tärich's


vun dessen nicht namentlich genanntem Sohne anführt ').
Nach seiner eigenen Aussage -) war Iskender, als er die
letzte Hand an sein im Jahre 1025 (1616) angefangenes Werk
legte, siebzig Jahr alt; es ist folglich im Juhre 1039 (1629—30)
beendigt worden. Die Zeit seines Todes ist nicbt bekannt.
Wuhrscheiulich -starh er bald darauf, sey es an Altersscbwäche,
sey es aus Betrübniss über die traurigen^ Verhältnisse des von
ihm so sehr gepriesenen Thronfolgers Säh Sefi zu seinen
Unterthanen , durch welche er alle von ihm gehegten Hoffnuufren
getäuscht und vernichtet sah,

.Seine Jahrbücher.

Nach diesen biographischen Daten schreite ich zu der Be¬


scbreibung des Werkes selbst und gebe das was Iskender
Munsi über Ursuche, Zweck und Anlüge desselben sagt, —
theilweise als Probe des acht persischen rhetorischen Stils in
einer möglichst wortgetreuen Uebersetzung, jedocb mit Auslas¬
sung einiger leeren oder ullzu schleppenden Phrusen.
„Ich war", hebt er an, „in die Reihe der Staatssecretäre
aufgenommen und Tug und Nacht mit diesem Dienste beschäftigt.
Dies war übrigens nicht leicbt, weil es den grössten Eifer und
die geziemende Einsicht erforderte, ich suchte mich jedoch so
viel wie mög-lich dieses Amtes würdig zu machen , und von dem
Wunsche erfüllt, die trelflicben Eigenscbnften und ruhmwürdigen
Thülen meines erhabenen Herrschers zu verewigen und der Nach¬
welt ein Zeugniss Uber dieselben zum Beispiel zu hinterlassen,
unterliess ich nicht die voo den Gelebrten der Vorzeit uns

hinterlassenen biographischen und geschichtlichen Schriften zu


lesen und dieselben für meinen Zweck zu henutzen.

Ich hal;e ein Herz, welches alles vnn seinem Wege aiifniinml.
Wie iler lielller Tiir seinen liillel jeden Lappen vom Boilen aurhebt.

Kurz, nachdem ich üher die vergangenen Begehenheiten und


Sitten der Könige Gewissheit erlangt und sie mit den wohl¬
gefälligen Sitten und rühmlichen Thaten dieses mit Öem's Würde
bekleideten Pädisäb's, welche icb während eines langen Zeit¬
raums mit eigenen Augen zu sehen und zu heobachten Gelegen¬
heit fand, verglicben hatte, wog ich die Tbaten der vorher¬
gegangenen Sultane, üher welche gelehrte und berühmte Männer
in beredten Lobschriften sich verbreitet und in ihren die bezüg¬
lichen Ereignisse erläuternden Schriften mit trefilichen Wendun¬
gen und schönen Worten sich ausgelasseu haben, gegen die

1) A. a. 0. T. II, Bl. nir., r'^^^., fiir.


2) A. a. 0. T. II, 81. fTv.
480 V. Erdmann, Iskender Uunschi und sein Werk.

rnlimvollen Thaten meines Gehieters ah, fand aher keine der


erstern so bedeutend, dass man sie diesen liätte znr Seite stellen

können. Der Ehre des Gulämdienstes hei diesem glorreich regie¬


renden Könige gewürdigt, entschloss ich mich daher, mich vor
den übrigen der Wissenschaft huldigenden Männern auszuzeichnen,
und sollten auch meine Naturanlagcn dieses Weltwunder mit den
seiner Grösse allein würdigen Worten zu verherrlichen, die Grund¬
züge der nur durch die Einbildungskraft vorstellbaren glücklichen
Regierung dieses unvergleichlichen Fürsten in dem Buche der
Auseinandersetzung mit perlenähnliclien Schriftzügen zu zieren,
Ohr und Hals der Zeugnisse mit den des weltschmückenden Säh's
allein würdigen Perlenschnüren zu verschönern nicbt vermögen,
sollte ich auch, mit einem Worte, die zur Erreichung meines
Zweckes erforderlichen Eigenschaften und Fähigkeiten nicht be¬
sitzen, so entschloss ich mich doch, diesen glücklichen Gedunken
auszuführen und mir durch den Erfolg die Ehre der Auszeich¬
nung und des Vorzugs vor meinen Zeitgenossen zu sichern.

Sieh ! Was bleibt von den Spuren der uns Vorausgegangenen


Anderes in der Welt übrig, als das VVort?
Warum sollte auch nichl die Bescbreibung dieses glorreichen Fürslen
ku( dem Erdkreise von mir zum Gedüchlnisse bleiben ?

Zuweilen gab die züchtigende, weitsehende Klugheit mir einen


Baokenstreich auf die kindische Wange dieses meines Wunsches,
so sprechend: „Du, der du noch das ABC liest und hloss den
Bustän kennst, wie willst du dich zu den Gelehrten der Jahr¬
hunderte gesellen und ihnen zur Sbite treten? Warum willst du
selbst dich dem Witze und der Bespöttelung der Fähigen aus¬
setzen? Denn was steht höher als das, zu dessen Beschreibung
man, ungeachtet unendlichen Eifers, vergeblich sich abmüht und
zu dessen würdiger Auseinandersetzung ulle Namen^ und Würde¬
losen sich unfähig bekennen müssen?" Dadurcb kam ich von
jenem Gedanken wieder ah. — Ein anderes Mal jedoch trillerte
mir die auf der Rosenflur der Hoffnung nistende Nachtigall des
heiteren Natureis mit lautem Schlage dieses Lied vor: „Obgleich
der KLalam des Nachdenkeos auf dem Blatte der Fähigkeit und
des Lobpreises stumpf wird, so rennt docb das die Welt durch¬
messende und das Geziemende suchende Ross scharfen Gesichts
und reissenden Laufes dahin. Was verschlägt dann mangelhafte
Naturanlage und unvermögender Eifer? Warum giebst du dieser
Mangelhaftigkeit und diesem Unvermögen nach? Lass jriem leicht-
füssigen ^alamszelter auf gutes Glück den Zügel schiessen und
setze deine Hoffnung auf das Ross des i^äb's ! Da deio Naturel
beständig nacb Abfassung eines biographisch-bistorischen Buches
verlangt, dessen Nützlichkeit von Allen anerkannt werden und
das sich, auf die der Jetztzeit nahen Verhältnisse beziehen soll,
00 entschliesse dicb schnell, schreite deinem Eifer entsprechend
V. Erdmann , Iskender Munsehi und sein Werk. 48 l

ill (las freie Feld des Verlang-ens hinaus und verlass dich auf
Gottes Gnade und beständige Hülfe.

„Selz' den Fuss des Eifers auf diesen königlichen VVeg


Mit der Hülfe des Glücks und dem Glücke des .Säh's!
Von den verburgenen Schälzen der Zeit
Eigne dir die des Säh's würdige Perle an,
Damit von den Zungen dein IVame erschalle
l'nd durcb die Gnade Gattes dein VA'unsch in Hrfüllung gehe." —

Lange Zeit trug ich mich mit diesem Gedanken herum


und lag mit meinem Innern, der Quelle meines widerspenstigen
Natureis, in .Streit. Fndlich entschloss ich mich, nach gehörig
angestellter Prüfung, die Feinheiten der Zustände dieses schmuck¬
vollen cliosre«vischen Diadems (d. h. die bis in das Deinste Detail
ausgearbeitete Geschichte dieses Herrschers) , wenn auch ohne
vollkommene Metaphern und geziemende Wort- und Sinnesperlen,
aneinanderzureihen , sie mit Anwendung von Feder und Dinte in
die Fesseln der Scbrift zu bringen, und das Buch meiner Sehn¬
sucht zu vollenden, damit nicht das Leben vor Erfüllung dieses
Wunsches zu Ende gehe und die Trennung von der Leuchte der
Zeit eintrete. — Die erwähnten Feinheiten mit edlen Redefigureu
und gefälligen Metaphern auf die Schnur der Erzählung auffädelnd
und mit passenden, glänzenden Versen ausschmückend, hrachte der
Taucher der Naturanlage diese Menge Perlen hoben Werthes und
mannigfaltigen Sinnes aus dem Meere des Wissens an das Ufer,
damit der an Waare arme und dürftige Verfasser diesen glorreichen
Herrscher und Pädisäh , welcher die Richtschnur des Handelns der
Sultane ist^ den zu dichterischer Verherrlichung Befähigten äls
Muster vorlege."
In derselhen pomphaften Weise wird nun der ohen mehrfach
erwähnte l'timäduddaule Hätim Beg gepriesen, und ihm das Werk
gewidmet. Dann heisst es weiter:
„üa ich von dem Leiter der Klugheit und des Scharfblicks
die Erlaubniss dazu erhielt, eilte ich zu der Anlegung der Roseo-
beete dieses Gartens, spornte das Ross des auf den '.Abbäsischeo ')
Schriftzug hedachteo Kalain's auf den Meidän der Beredtsamkeit
und traf die nöthigen Anstalten zur Aufzeichnung der Zustände
der von dem Tage der Gehurt (des Königs- 'Abbäs) bis zu dem
heutigen Tage des Jahres 1025 (1616) -), wo die Jahre seioes
erhabenen Lebens bis zum 47sten gelangt sind, verA«ssenen Zeit.
Ich hrachte die ersten Blüthen der Tage seiner Jugend so wie
die darauf folgeoden, dem Frühlioge des Glücks zu vergleichen¬
den, auf weicbe der Abglanz der Jugend fortao strahlt, obne Zu-

1) beziebt sicb Iheils auf König 'Abbäs, Iheils auf die schwarze Farbe
der Dinte, indem das Schwarz bekanntlich die Parleifarbe der 'Abbasiden war.
2) Er fing also in diesem Jahre das Werk zn schreiben an.
482 V. Erdmann , Iskender Munsehi und sei') Werk.

satz und Verkürzung zu Papier, Das, worüi)er icli keine gewisse


Auskunft hatte, fädelte ich auf die Schnur der Auseinandersetzung
indem ich mich dahei nothgedrungen auf mündliche Aussagen ver¬
liess, und benannte dieses ansehnliche Werk und diese edle Schrift

^^Cc \ ^Lc (Die weltschmückenden 'Abbäsi-


o ■ j ^ (J') ^
scheu Jahrbücher). Ich wusste mich von ungebräuchlichen
Vergleichungen, welche Eckel und Ueberdruss erregen, in der
nöthigen Entfernung zu hallen und liess die Gestalt der Zeugnisse
und Begebenheiten nur mit dem reinen Gewände guter Sitten ge¬
schmückt an das Tageslicht treten. Allein diese Regel flndet
nicht Überair Anwendung, weil zuweilen der an Hofmusik ge¬
wöhnte Sprosser bei der vielfachen Verzweigung seines Gesanges
in das seiner Natur angemessene Nachdenken versank und^die
Weise der Höfmelodieen anstimmte. Ja bisweilen geschah es, dass
der süssschwatzende Papagei in die Zuckerpflanzung des Metaphern-
schmuckes gerieth und seine Stimme zu zuckersüssen Reden er¬
hob. Kurz, ich liess alle grünen und trockenen Metaphern ge¬
währen, welche während der Abfassung über die Zunge des Schrift¬
kiels flössen, und schloss sie von derselben nicht aus, ja verband
sie zuweileu auch mit entsprechenden Versen, Obgleich aber zur
Belebung der Aufmerksamkeit hier und dort zwei oder drei Verse
eingeflochten sind, — nach dem Grundsatze und der Gewohnheit der
Altvordern, einen während der Erzählung der Begebenheiten vom
Gedächtnisse dargebotenen passenden Dichterspruch über die Zunge
der Aussprechung fliessen zu lassen, — so blieben doch beständig
die erfreulichen Zustände Sr. Majestät und die Begebenheiten
Irän's das Hauptziel der Abfassung dieser Blätter. Unumgänglich
nothwendig war dabei die Mittbeilung der Zustände der Väter
und Grossväter erhabenen Ursprungs, besonders die Erzählung vom
Anfange der Herrschaft dieser das Chalifat einnehmenden Familie,
so wie die Auseinandersetzung der Welteroherung (d, h. Erlangung
der Herrschaft) Sr. Majestät des Suleimän-gleichen Chäkäns
Abu'l-muejjed Säh Ismä'il Behäder Chän, ferner des Sultanats Sr.
Majestät des par a d i es b e w o h n e n d en hochseligen ^äh's,
und endlich die Aufrollung der Begebenheiten Sr. Majestät
(Königs 'Abbäs) vom Tage der Geburt bis zur Thronbesteigung.
Eben so verzeichnete der Schriftzug des die Begehenlieiten dar¬
stellenden Kalams auf summarische Weise die traurigen Vorgänge
beim Hinscheiden des mit öem's Würde bekleideten Verewigten,
so wie die Thronbesteigung Ismä'il Mirzä's, des Iskeoder-
gleichen ebenfalls Verewigten, des Sultäns Muhammed Pä-
diiäh, die Geschichte der Prinzen, uud eiaige Begebenbeiten
der Uzbeken und Römer (Osmanen) zur Stillung des Durstes der
ifi dem Thale der Geschichte Lechzenden, damit das mit dem

Hauptgegenstande in Verbiudung Stehende nicbt verborgen und


unverständlich bleibe. In dieser Schrift betitelt der Verfasser Se.
V. Erdmann , Iskender Munsehi und sein Werk. 483

hohe sähisclie Majestät ('Abbäs) „Gottes Schatten", seioen


glorreichen Vater den ,, 1 s k e n d c r - g I e)i c b e n ", seinen ruhm^
würdigen Grossvatcr den „par a dieshewoh nenden hoc Ii -
seligen Sah", seinen erhabenen Urgrossvater den „Suleimän-
gleichen. Wenn er irgendwu der ,, Maria-gleichen hohen
Krau" gedenkt, so will er damit die glorreiche Wälide (Mutter)
Sr, Majestät andeuten ; „S e. die Welt r e g i e r e n d e M a j e s t ä t"
ist die Bezeichnung des Sultän Uamze Mirzä. ßr hat sicb
überall bestrebt, diese Schrift der erhabenen Natur Sr. Majestät
entsprechend zu halten. Wenn in der von Kreigniss zu Kreigniss
fortgeführten Krzälilung etwas dem Sachverhalte Zuwiderlaufendes
niedergeschrieben worden war, so tilgte er dies mit dem Messer
der Richtigkeit. Wenn er, wie in einigen Krzälilungen geschehen
war, etwas ausgelassen fand, so verfuhr er uuf entsprechende
Weise und liess dus .Sclireiberohr der Wahrheit und Aufrichtigkeit
die Khre geben. Insbesondere zeicliiiete er auf den Goldstolf
des Buches in ausführlicher VVeise unter glücklichen Auspicien
die .Schilderung der erhabenen Abstammung Sr. Majestät von der
Familie des Propheten und von einem Herrschergeschlecht, so wie
die Ueschreibung der eigentbümlicben gottwolilgefälligen Hand¬
lungen uud preiswürdigen Kigenschaften, durch welche Höchst¬
derselbe sich vor den übrigen Sultänen der VVelt und den Chäkänfen
des Jahrhunderts auszeichnet. Da zum Beweise der Dienster-

gebenlieit, der innigen Anhänglichkeit und der Dankbarkeit für


die VVoliltliuten dieser wundervoll edlen Fumilie nucb der her¬

kömmlichen VVeise der lobpreisenden beredten Geschichtschreiber


die lobenswürdigen Kigenschaften und die gottwolilgefälligen Sit¬
ten des wohlthätigen Gebieters in des Schriftrohrs wunderbarem
Gemälde so darzustellen und auf dem Blatte der Zeit zum Ge-
däcliniss so abzubilden wuren, dnss eins für hundert und hundert
für tuusend gult, jedoch von der andern .Seite das vortreffliche,
von der göttlichen Liebe stammende Naturel Sr. Majestät eine
Sache nicht genehm hält, welche fern von der Wahrheit und mit
böiisch-ceremonieller .Schmeichelei versetzt ist: so hat der Ver¬

fasser, vor dieser missfälligen Form sich in Acht nehmend , den


ZUgel des Kalamsrappen von dem Laufe uuf dem Felde der cere-
inoniellen Schmeiclielrede und des .Metapliernschmucks zurückge¬
zogen und das, was der Zierde der .Aufrichtigkeit entbehrt, auf
dem Blatte der Auseinandersetzung nicht verzeichnet. — Dieses
königliche Gescbichtswerk enthält eine Kinleitung, zwei
BUcher und einen Schluss, so duss die Schrift mit HUIfe des
höchsten Gottes in zwei Bänden beschlossen ist."

Die Kinleitung, die den ersten Band füllt, handelt


zuerst von dem Gescblechte und der Abstammung des Königs 'Abbäs
uud giebt die Geschichte seiner Ureltern und Vorfahren, ibrer all¬
mählichen Gelangung zu Macht und Herrschaft, der Gründung und
4S4 V. Erdmann, Iskender Uunschi und sein Werk.

Befestigung der Sefewi-Dynastie ; hierauf folgt eine Charakter¬


schilderung Künigs 'Ahhäs seihst, — diess alles in 12 Ahschnitten :
der 1. enthält die Geschichte der frühem Sefewi his zur Thrnn-

hesteigung des Künigs 'Ahhäs ; der 2. schildert die Verhältnisse


des Reichs hei seiner Thronbesteigung ; der 3. bandelt von seiner
Weisheit und Staatsklugheit; der 4. von der Grösse seiner Macht
und seines Glückes trotz aller Gefabren; der 5. von seiner Ge¬
rechtigkeit und Rechtspflege, dem Wohlstände der Unterthanen
und der Sicherheit des Verkehrs unter seiner Regierung; der 6.
von der Knergie seines Charakters, der Entschiedenheit seiner
Befehle uod seiner Strenge im Bestrafen wo es noth that; der 7.
von seiner Regierungsweise; der 8. von seiner Herablassung,
Sanftmuth uod Frömmigkeit; der 9. von der unter ihm bewirkten
Feststellung der Pflichten und Recbte aller Unterthanen, nach
dem Vorbilde aoderer mit solchen Gesetzen beglückten Länder;
der 10. von den Zuständen anderer Länder und Völker, insbe¬
soodere der des siebeoteo Climu's; der 11. von den frommen Stif¬
tungen, neueo Anlagen und den Anstalten zur Wiederhevölkerung
und zum Anbuu des Lundes während seiner Regierung; der 12.
von den Kriegen, die er mit seinen Feinden führte.
Zweiter Band. Dus 1. Buch erzähl^ die Regierungsge¬
sehichte des Königs 'Abbäs von seiuer Thronbesteigung bis zur
Zeit der Abfassung dieser Schrift, d. h. bis zum J. 102.') (161ti),
das 2. Buch und der Schluss die übrigen Ereignisse seiner
Regierung bis zu seiuem Tode. Dazu kommen, nach den eigneo
Worten des Verfassers: „merkwürdige Erzählungen, wunderbare
Begebenheiten und seltsame Ereignisse dieser Zeit, nach dem
Ergehnisse meiner Nachforschungen in frühern Schriftwerken. Was
ich aber selbst während meines Lebens erfahren habe, wird, wenn
Gott der Höchste will und mir das Leben fristet, in dem drit¬
ten Bande uiedergescitrieben werden.
„Da diese Schrift," fährt er fort, ,,den Bedingungen meiner
Naturanlage gemäss an das Tageslicht tritt, so ricbte ich an die
Einsichtsvollen die Bitte, dass sie das Gute und Schlechte der¬
selben nicht mit dem unerbittlich strengen Auge der Einsicht und
Entscheidung betrachten und nicht ein zu scharfes Urtbeil über sie
fällen mögen. Wenn irgend einer unter denen , welche Zeugen
der beschriebeoen Ereigoisse waren, darin etwas dem Sachverhalte
Zuwiderlaufendes finden sollle, so wolle er seio scharfsichtiges
Auge darüher zudrücken. Wenn der Verfasser in dem Gemälde,
welches der Begebenheiten schildernde Kalam entworfeo , nach
der Einsiebt der Sachkenner eine Nachlässigkeit oder eineo Febler
begangen bat, so wolleo sie oicbt die Zunge des Widerspruches
io Bewegung setzen, sondero das Verfehlte auf die Mängel der
Naturanlage und die EHe der Abfassung dieser Scbrift schieben,
und das Nichtgezieinende, welcbes den guten Sitten zuwider läuft
V. Erdmann, Iskender Munsehi und sein Werk. 485

und den in de'r Schriftstellerei erfahrenen Herrn missfällig ist,


unheachtet lassen." ')
Am Schlüsse des ersten Buches des zweiten Bandes heisst es
unter Anderem :

„Lob sei Gott, durch dessen Hülfe er (der Vf.) die Ereig¬
nisse der glücklichen Zeit von Seiner (.Säh'Abbäs) Geburt an his
zu der gesegneten Zeit, wo Er den Thron der Beherrscher von
Iran bestieg, niederzuschreiben, so wie in dem ersten Buche des
zweiten Bandes von der Zeit, wo .Se. Majestät den weltzierenden
Thron des Königreichs Iran bestieg, his auf den heutigen Tag
im Jahre d. H. 1025 (1616), die Tage Allerhöchstseiner Regierung
in diesen Blättern auf die Schnur der Erzäblung aufzufädeln ver¬
mochte." ^)
Im Anfange des zweiten Bucbes des zweiten Bandes wieder¬
holt er diese Inhaltsangabe mit ähnlichen Worten. Am Schlüsse
des zweiten Buches des zweiten Bandes hezieht er sich auf eine

im ersten Bande gegehene Andeutung, der zufolge diese Jahr¬


bücher erhalten sollten: „einen Anhang von merkwürdigen Er¬
zählungen und andern angenehmen, absonderlichen, wunderbaren
Mittbeilungen, — gleich denen, welche die Ausgezeichneten der
frühern und spätern Zeit zum Gedäcbtniss hinterlassen haben, wie
die Verfasser der Wunder der geschaffenen Dinge ^), des Lebens
der Thiere 1, des Gulistän'), des Nigäristän ^) , der Näsirischen,
Muhsinischen und (^elälischen Sittenhücher ^ , des Magazins der
Geheimnisse"), des Rosenkranzes der Gerechten^) u. a. m., deren
jedes eine Schatzkammer von Versen voll glänzender Perlen ist."
Er hahe mit eigenen Augen Gesehenes und mit eigenen Ohren
von erfahrenen alten Leuten Gehörtes, Brocken aus seiner Lectüre
und aus der Unterhaltung mit ausgezeichneten Männern zur Gei-
stesnahruug für Jedermann gesammelt, um das so Zusammenge¬
brachte daun mit Hülfe seiues grossmächtigen Freundes (Hätim
Beg) zu ordneu und als Anhang zu den Jahrbüchern der königlichen
Bibliothek zu übergeben. Doch sei es bis jetzt nicht möglich
gewesen-, dieses Werk zu vollenden, da hierzu Entfernung von
allen Geschäften Und vollkommene Geistesruhe nöthig sei, auch
noch Mehreres von den unter Säh 'Abbäs' Regierung aufgetretenen
Dicbtern und Redekünstlern als Ahschluss der Sammlung hiozu-

1) JV. ,1. 0. T. 1, Bl. l'v. ff.

2) A. a. 0. T. 11, Bl. Toa v. f.


3) von l.\azwini. 4) von Damiri. 5) von Sa'di.
6) von Ahmed ben Muhammed ben ' Abdill^aTrär Elkazwini. Werke des¬
selben IVamens verliassten Muinuddin Elf^^uweini , 'Ali Ben Taifür, Bustuoi,
Itemäl Pasa.
7) S. Zeitschrift d. DMG. ßd. XIII, S. 539 ff
8) von Nijami.
9) von äami, und ein anderes jljJ^! itÄfc*« von Mir 'Aliiir.
Bd. XV. 32
486 V. Erdmann, Iskender Munsehi und sein Werk,

kommeD müsse, hr habe zwar auch während der Abfassung dieser


Jahrbücher an jener Schrift gearbeitet, jedocli die Herausgabe der¬
selben auf eine andere Zeit verschoben. Er schliesst mit folgen¬
den Worten: ,, Wenn der Verfasser sein Lehen noch fristen und
sich kräftig erhalten, der göttliche Schutz ihm Hülfe und Beistund
leisten und eine von ganzem Herzen erwünschte Gelegenheit, wie
oben angedeutet wurde'), sich darbieten sollte, so wird er über
die Anordnung dieser Schrift nuchdenken und das Verborgene
seines Gemüths so wie die Gedanken seiuer Brust zu Tage för¬
dern. Bei dem allen ist es wünschenswerth, dass die vernünftig
denkenden und besonnen urtheilenden Zeitgenossen mit schonender
Nachsicht das aufnehmen mögen, was aus dem hinfälligen Geiste
hervorgehen und aus- der zerbrochenen Flasche tröpfeln wird.
0! viele Wünsche wnrden zu Staub!

Auch mögen hierauf folgende Worte Anwendung finden :


Er gab hundert Versprechen und hielt kein einziges!
Weicbe Tyrauuei trat mir entgegen, dass icb sie unerfülll lassen musste!

„Gruss und .Achtung!" ^)


Ich wende mich nun zu der kritischeu Beleuchtung seines
Werkes, indem icb darlege, weicbe schriftlichen Hülfsquellen er
mit ausdrücklicher Nennung ihres Namens und wie er sie benutzt
hat, welche andere Hülfsmittel ihm sonst zu Gebote standen, wie
das Werk angelegt und ausgeführt ist, was daran Lob verdient
und was nicht, endlich was his jetzt für das Bekanntwerden .des¬
selben geschehen ist und welche Handschriften davoo sicb in
verschiedenen Bibliotheken vorfinden.
Iskender Munsi benutzte für die Abfassung seines Werkes
folgende
I. schriftliche Quellen.

A. Geschichtschreiber:

a. Chäwendemir:'^^^u»J{ der Freund der Biogra-


pticen; T. I, Bl. iov; ^r; Hr; fpr; ^r; liir;

b. Ahmed ben Muhammed Bl^af färi Elkazwini

st. 975 (1567): ') iß ^.jL^ä- ,^i^Lj Die weltziereudeu Jahr¬


bücher, eine für Säb Tahmasp geschriebene Geschichte
Asiens voo den ältesten Zeiten his zum Jahre 972 (1564);
T. I, jfv; llr; Ur; ^.v; {fr; l'Ar(his); rjr; r^r; l.r;
Afv; liir; T. II, Bl. Mov.

1) niimlicb qller Amts- nnd Nahrungssurgen lus und ledig zu werden.


2) A. a. 0. T. II, Bl. fTv.
3) VV. Ouseley, .Epitome of the ancient history of Persia, Lon¬
don 1799, S. XXXVI. Elliot, Biographical Index, S. Toff. Haramer-
Prfirgstall, Gesehichte der goldeqen Horde, S. XXIV u. a.
V. Erdmann, Iskender Uunschi und s(in Werk. 487

c. Hasan B eg Rümelü ') o**^'


Das scliünst» (jer Ja|irbücLer, die Geschiplite des Sab
Isuiä'il und seines Sulines Taliuiasp, uebst Anmerkungen
iiber die Fürsten von Rümija ( den westlicben Türken¬
landern), Cagatäi, die Cbane der Uzbeken, Gelehrten,
Vezire u. s. w., welche zu seiner Zeit blühten, vom Jahre
900 (1494) bis 985 (1577); T. 1, ßl. I?rr; fvr; rpv;
f - v; f»r; v ; [..v; Iwr.

d. Mir Jahjä Seifi (nuch d. Masiru '1-imra: Mir


J a hj ä S V s e i p i S e i f i ), geb. 148t', g««t- 960 (1552),

nach andern 962 (1554) :■) ^j\y^^ das Mark der Jahr¬
bücher, geschrieben im Jahre 948 (1541), kurzer Inbegriff
der Geschichte des persischen Reichs und der muh. Regier. ;
T. I, Bl. frr; ff^y.

e. Seich AhulfazI heu Seich Mqhärek:') g>j^l-j


(JSjaS"! Akharische Jahrbücher. Der Vf. ist der iip J. 1011
(1602/3) vun den Rutschputen ermordete grosse Vezir des
grössten mogoliscben Kaisers von Indien , i^äli Akbar,
reg. von 963 (1556) bis 1014 (1605). Das genannte
Werk entbält 1) einen kurzen Ueberblick der Geschichte
der Vorfuhren Akbur's bis Humäjün; 2) die Erzählung
der Begebenheiten vor seiner Thronbesteigung bis zum
47. Jahre seiner Regierung; ■ 3) die Regierungsweise
Akbar's. T. I, Bl. ^fr; ^rv; T. II, Bl. Hv.

f. Sei'd 'Ali Zebiruddin: *) ^[x^^Js i^.^^ Jahrbücher


von Taberistän; T. 1, b). (Ür. *^

g. Abü Nasr Muh am med ben'Ahdil^ebhärBl'ot¬


bi:*) oLi>j.:o die Jeininischen Eroberungen, Ge¬
schichte des Jeininuddaule Mahmüd ben Subuktegin;
T. I, Bl. jjr; (fr; |or; !vV.

1) Ouseley, A erilical Essay, S. 27. Dorn, MubammedaDische


Quellen, Tb. 1, 44; IV, ii ff. r^o — ffi einschl.
2) Büsching, Magazin Tür die Historie und Geographie, T. XVII,
S. 1—180. E 1 1 i 0 t, a. a. 0. S. 129. IT. Bullelin scienlilique de l'Aca¬
demie de St. Petersbourg, 1843, No. 4. u. a.
3) Ouseley, A erilical Essay, S. 37. Reinaud, Einl. zu Abulfedi,
S. CCXVII ff.- J. V. Hammer, Geschichle der sebönen Redekünsle Persiens,
S. 352. Bullelin scienlilique, 1843, No. 4. u. a.
4) Dorn, Sebireddin's Geschichte von Tabarisläu, Rujay uud llfasep-
deran. St. Pelersburg 1850.
5) Notices et Extrails, T. IV, 325 ff., Jahrbücher der Literatur, Wien
1835, B. 71 A. Bl. S. 25 ff. A. Sprenger, Otby's Tarykh Yamyny, or the
hislory of Sullan .Mabmud etc. Dehli 1847. Sehireddin a.a.O. S. 41. Die
Ausgabe von Reynolds, London 1858.
, o 32*
488 V. Erdmann , Iskender Munsehi und sein Werk.

h. Maulänä Abübekr l'e Ii erän i: j^aL^L» J'^i»! A.\jyj'


^U/jS Jabrbücber der Zustände der turkomanisriien Sul¬
tane; T. I, Bl. ifv.

i. Maulänä Moliiuddin: cLä^aJl o^sas das Reinste


der Reinheit; T. 1, Bl. t.r.

B. Geographen:

a. Abü Ishäk litachri: ') u^L»a^j ^AiLä'lil 8^j>^ oU^*


liSÜUtl; T. II, Bl. rwv.
h. Hamdulläh ben Abibekr Mustaufi Kazwini ')>

geh. 680 (1281—2), gest. 750 (1349): vjjiäJf iü?^, die


Herzensergötzung; T. II, Bl. Tv; !1!r; TwV.
Damit man aher sehe, wie Iskender Munsi diese Schrift¬
steller henutzt hat, folgt hier die nähere Bezeicbnung der Citate
und Auszüge aus ihnen, um so mehr, du sich in denselhen einige
nicht unwichtige Bemerkungen finden.
1. Von dem Sultän Se'id Gabril, dem Sohne des Sei'd Su^ä ,
heisst es, dass der Maulänä Mohiuddln, eine der Celehritäten zur
Zeit des Sultän Sadruddin, in dem von ihm verfassten aUaoJ! 'iyi>s
die Lehensverhältuisse des Se'i'd öabril so genau verzeichuet hübe,
dass dieser (Iskenders) Auszug unmöglich seine Schätze wieder¬
geben liönne ^).
2. Beruft er sich hinsichtlich des .Seich .Safiuddin uuf iiyLo

»LiöJl und ^^^^iUf. oLi-^iä «).•


3. Bezieht er sich auf das oL^-^Äj , in dem es heisse,
dass Se'id Öemäluddin Isfahäni zufolge testameuturischer Verfügung
des Sultäns .Sadruddin Müsä, diesen, als er auf der Reise nach
Sultänije gestorbeo war, beigesetzt habe ').

4. Erzählt er, dass der Nachfolger dieses Sadruddin, Sultän


Chö^a 'Ali, dejn Emir ^ahibkirän Timür dreimal im Traume er¬
schienen sei und dass dieser auf der Rückkehr von seinem Feld¬

zuge oach Rüm (gegen Bäjazid llderim) jenen in Ardebil besucht,


durcb seine Worte erfreut, auf den Wuusch desselben ulle Ge-

1) J. H. Müller, Liber cliiiialum. Auctore Scheicho Abu Ishako


el-Faresi etc. Gotha 1839. Elliot, Index, Vol. 1, S. 59 ff. Reinaud,
Einl. zu Abulfedä, S. 297 ff. Mordtmann, Das Bucb der Lünder, Ham¬
burg 1845, u. a: m.
2) Ouseley, Or. Coli. 1, 227. 340. 342; III, 130. Elliol, Bio¬
graph. Index, S. 77 ff. ; |f fg. F. Erdmann, Expedilio Russorum, T. II.
III. an mehrern Slellen, u. a. m.
3) T. I, Bl. I. r. Die Handschrift einer mit demselben Titel bezeich¬
neten und von Tewekkuly ben Ismä'il ben IJa^i Ardebily verfass¬
ten Schrift kommt vor im Catalogue des Mss. et Xylographes de la Bibl. Im¬
periale publique de St. Petersbourg, 1852, No. 300.
4) T. I, Bl. II r. 5)1. I, BLifr.
V. Erdmann, Iskender Munsehi und sein Werk. 489

fiingenen aus Ruin frei gelassen, verschiedene von ihm angekaufte


Dörfer und Felder in der Nähe von Ardebil als eine Schenkung
für diesen Wallfahrtsort bestimmt und die Gefangenen aus Rüm
dort als gesetzlich Freie unter den Schutz des Hauses Sefewi
gestellt habe. Er fügt hinzu, dass einige behaupten , Timür sei
mit .Sadruddin zusammengetroffen; wahrscheinlicher aber sei es
Sultän Chö^a "Ali gewesen. ,, Obgleich dies", — so schliesst er,
„in den geschichtlichen Urkunden dieser Familie mir
nicht vorgekommen ist, so habe ich es doch aus der allgemein
verbreiteten Tradition in meine Schrift aufgenommen. Auch
sind in mit alten Characteren geschriebenen, mit dem fim^a der
Mo'^olen und dem Siegelzeichen des Emir Timür versehenen
Schriftrollen , welche auf dem Feldzuge nach Balch hei der Er¬
oberung der Festung Andechüd in die Haud der Sieger fielen und
Sr, Majestät dem Schatten Gottes ('Abbäs), zur Ansicht vorge¬
legt wurden, die Zusammenkünfte des Sultäns Ch6^a 'AI! Timür,
die Wunder jenes und einige andere dieser Vorgänge verzeichnet ')",

5. Versetzt er den Tod des genannten Sultän Chö^a 'Ali

nach der Aussage des I^T^^LfÄ- in das Jahr 851 (1447—8)


6. Erzählt er, dass Sultän (^uneid gegen den ihn benei¬
denden .*^äh der Turkomanen, Mirzä dlihän ^äh, von seinem Ver¬
rath in Kenntniss gesetzt, mit 10,000 Mann zu Felde gezogen
sei. In dem Buche ^J^f^ oL^^ää heisse es dagegeu, dass er nur,
um den unbotmässigen ^irwäniäh Cbalil und die mit ihm einver-
standeuen Aufrührer von Taberserän zu bekriegen und Sirwän
sich zu unterwerfen , in den Krieg gezogen sei und hier sein
Lebeo als Märtyrer eiogebüsst habe ^).

7. Sagt er, dass Cbäweodemir in seinem v^<y^>- nicht


angegeben habe, dass Sultän dluneid in Ardebil begraben worden
sei. ,, Vielleicht hielt man," fährt er fort, „zu seiner (Chäwende-
mir's) Zeit absichtlich, um den Frieden nicbt zu stören und aus
Furcht vur den Gegnern , den Begräbnissort dieses bochheiligeo
Mannes geheim" *).

8. Heisst es, der Märtyrtod des öuoeid sei in ,dem ^ijj

1^1 ^«ilf»- in einem dem Jahre 860 (1456) zunächst stehenden


verzeichuet *).
9. Beruft er sicb hinsichtlich der Todesart des Schwieger¬
vaters des Sultän Haider, PäiMiäh Abunnasr Hasan Beg Ak ^ojiinlu,
Beherrschers voo Diärbekr, auf des Maulänä Abübekr T^heräni

^yUijj e^ri^^ g.»>'

1) T. 1, Bl. !rv, 2) T. I, Bl. Ifv. 3) T. I, Bl. Ior.


4) T. I, Bl. lev. 5) T. I, Bl; llr, 6) T, I, Bl, »lv.
490 Erdmann , Iskender Munsehi und sein Werk.

10. Nucb der Beschreibung der Niederluge des Sultän Haider


in dem Rumpfe mit .Sirwäniäb Ju'küb ibn Sultän Cbalil und sei¬
nes Märtyrfodes ib det" Schlacht bei Dertcnet (^ü^j^O) in dem
Lande T"herserän sagt er: „Der Verfusser der ^f.i oLs-jis er¬
zählt, dass er den bezüglichen wahren Sachverhalt auf Befehl des
Suleimän -gleichen Chäkäns von einigen Gluubctiskäinpen , als Hu¬
sein Beg Läle, Perah Aka u. a. , welche auf diesem .Schlacbt¬
felde gegenwärtig wareu, erkundet und nach'ihrer Aussage nie¬
dergeschrieben habe" ').

11. Bezieht er sich in Hinsicht der Söhne des Haider, die

er namentlich angiebt, auf das Zeugniss des jA~>Jt und Hea

l/o^^*>"^)-
12. Beruft er sich Wegen des Märtyrtodes des Sultäns 'Ali,
Vaters des Säh Ismä'il , der im Jahre 898 (1492—3) erfolgte, uuf

das Ij! ^jL^a- g^ijlj'


13. Citirt er, hinsichtlich der aus Gründen der Sicherheit
erfolgten Abführung des siebenjährigen Prinzen Ismä'il nach Gilän,
die Beschreibung des yy^Jf *)•

14. Beruft er sich wegen des Aufenthalts des Säh Ismä'il


in Gilän und seiner Rückkehr nnch Ardebil uuf die Geschicht¬

schreiber, welche alles uuf das Beste auseinandergesetzt hätten,


indiem er hinzufügt: „Das, was im^.AA«Ji v_.a^.^ darüher geschrieben
Ul C

steht, hat Qasan Beg, der rumelische Annalist (^^^^^^^^*), in

seinem gsj,l^idl qa>«^' wiederholt. Was aber Mir Jahjä Seifi

Kazwin! in seinem g,j^l^t erzählt, ist kaum das Zehntel


eines Zehntels, ja nur ein Tausendtheil. Da dieaea Handbuch
der Fähigkeit ermangelt, die Geschichte der weltbeherrschenden
Fürsten deutlich darzulegen , und die Begebenheiten dieser erha¬
benen Majeatät nur in aller Kürze mittheilt, su habe icb uuch
ferner auf dasselbe keine Rücksicht genommen"

15. Beruft er aich wegen der Schlacht zwischen Sultän Is¬


mä'il und dem Turkomaneti Alwend im Gebiete von Nacbicewän

im J. 907 (1501 — 2) auf das i^l ^^Ljä. , nnch welchem in

diesem Kampfe 20,000 Turkomanem geblieben seyn sollen, fügt


jedoch hinzu: Gott weiss ea ^).

16. Beruft er sich in Hinsicht des schrecklichen Blutbades,


welches die in Kermän eingedrungenen Ca^ataier daselbst anricli-

1) T. I, ßl. !vv. 2) T. I, Bl. !^r. 3) T. I, BI. f. v.

4) T. I, Bl. flr. 5) T. I, Bl. IVr. t>) T. 1, Bl. ffr.


)'. Erdmann, Iskender Munsehi und sein Werk. 49t

loleii, nuf das I .äj! ^a>o»! , und sagt bloss, dass nach diesem
dabei 7000 Mann unigeliommen seien ').
17. Bericbtet er, nacbdem er den Aufruhr des 'Aläuddaule
Oulkadr beschrieben hat: „Jedoch scbreibt Hasan Beg in seinem

gvi^l^Äjl ^^A».r^| , dass zwischen dem Suleimän-gleichen Chäkän


(Isniätl) und dem 'Aläuddnule kein Treffen vorgefallen sei, son¬
dern drückt sicb so aus: Als der Suleimän-gleiche Chäkän u. s.-w.
Der Gescliichtschreiher Hasan Beg stimmt also liier mit dem Ver¬
fasser des nicht überein, ohgleich dieser zu jener
Zeit lebte, sondern schreibt anders" Hierauf sucht er diese
Differenz zu erklären und auszugleiclien.
18. Nach der Beschreibung des Sieges Ismä'ils über deu
Uzbeken .Sähi Beg Cbän beruft er sich auf den Verfasser des

^^M^:>\ , nach welchem Ismä'il den Schädel des erlegten


Sähi Beg in Gold einfassen und im Kreise seiner Gehossen als
Freudenbecher herum gehen liess
19. Beruft er sich auf das ^jamJI wuw.» , iu dem etwas «un
Emir Ne^m, als einem der einflussreichsten und angesehensten
Männer, geschrieben stehe *),
20. Nacb der Beschreibung, der am 2. Re^eb 920 (24. Aug.
1514) zwischen dem persischen Säh Ismä'il und dem osmanischen
Sultän Selim vorgefallenen Schlacht heisst es: „In dem Tärichi
^ibän-ärä ist verzeichnet und auch sonst unter dem Publicum
bekunnt, dass Se. Majestät (Ismä'il) während der Aufstellung der
.Schluclitreiben mit der Wachteljagd beschäftigt war und erst
dunn auf dem Schlacbtfelde ankam, als der Kampf schon sehr
heiss geworden war" ').
21. Heisst es im Anfange der Regierung des Säh Tahmasp
(931 = 1^24—5), Hasun Beg hübe in seinem unter diesem Könige

verfussten g,jjl»XJ( q.«*^! die Geschichte von dessen Regierung


nnch den Aufzeichnungen des Staatssecretariats ausführlich be¬
schrieben ; er aber (Iskender Munii) wolle iu seinem hauptsäch¬
lich der Geschichte des Königs 'Abbäs gewidmeten Werke nur
eineu Abriss der den König. Tahmasp betreffenden Begehenheiten
geben ^).
22. Nach der Beschreibung der dem Uzbeken 'Ubeid Cbäu
während seines zweiten Einfalls in Persien hei Chosrau^ird am
9. .Muharrem 935 (24. Sept. 1528) gelieferten Schlacht fügt er
hinzu, die Anzahl aller uzhekisclien Sultane und ihres Heeres sei
nie hekannt geworden ;' wenigstens habe er in keiner zuverlässigen
Schrift eine betreffende Zublungabe gefunden. Mir Jahjä Seifi,

der Verfasser des j?.jjl^*Ji ^J, gebe 180,000 Mann an; aber nach

1) T. I, Bl. Nr. 2) T. I, Bl. Nr. 3) T. 1, Bl. ffv.

4) T. I, Bl. Tor. 5) T. I, Bl. Tw. 6) T. I, Bl. f.v.


492 V. Erdmann, Iskender lUunschi und sein Werk,

allgemeiner Annahme sei das Heer der Uzheken, ausser den zum
Trosse Gehürigen, 80,000, das der Kizilbaien nur 24,000 Maun
stark gewesen ').
23. Gieht er nach dem Geschichtschreiber Hasan Beg au,
dass sicb auf dem vierten Feldzuge gegen den Uzheken 'Ubeid
Chän im J. 936 (1529— 30) 70,000 Mann in dem persischen Hee¬
reslager befunden haben -').
24. Ueber den von Sultän Suleimän im, J. 961 (1553—4)
mit einem grosseo Heere über Kafa nach .Sirwän ahgesandten,
aher von 'Abdulläb Chän hei der Festung Gulistän geschlagenen
Feldherrn ^äsim sagt er, es sei ungewiss, ob derselbe in dieser
Schlacht getödtet worden oder entkommen sei. Käzi Ahmed öaf-
färi scbreibe in seinem öibän-ärä, er sei aus dem Gemetzel ent¬
ronnen, aber nachher verschollen ^).
25. Sagt er, Abulfadl habe in seinem Tärichi Akbari mit
grosser Beredtsamkeit die Gescbichte des Grossmnguls Humäjün
beschrieben, der von dem rebellischen Afganen Sir Chän am Gan¬
ges eine schreckliche Niederlage erlitten und später im J. 951
(1544 -5) seine Zuflucht zu dem Könige von Persien genommen
hahe «).

26. Der ebengenannte Humäjün verehrte dem Könige Tah¬


masp 'hei ihrer Zusammenkunft unter andern Geschenken einen
Diamant von grossem Werthe, dessen Gewicht die Geschichtschrei¬
ber Hasan Beg und Käzi Ahmed Gaifäri auf 4 Mitkäl und 4 Dänek
schätzen ').

27. Nach Iskender Munii ist die schwierige Lage Königs'Abbäs


zu Anfang seiner Regierung mit den dahin gehörenden Ereignissen
und Vorfällen in dem ^m^I des Hasan Beg geschildert'').
28. Nacb einigen Notizen über die hinterlassenen ^23 Söbne
und 12 Töchter des ^äh Tahmasp, besonders den ältesten, dainals
46 jährigen Sohn Muliammed und dessen Sohn 'Abhäs , fährt er
fort, er brauche sich nicht weiter über diesen zn verhreiten, da
er schon in der Einleitung ausführlich üher diese ganze Familie
gesprocbeo bahe, und verweist in Hinsicht auf die Herkunft der
Mutter des 'Abbäs, Numens Fachrunnisä Begum, einer Tochter
des Mir 'Abdulläb Chän, Wäli von Mäzenderän, auf das 6ihän-ärä
und das Tärichi Taberistän des Seid 'Ali ?ehiruddio , aus dem
eine kurze Uebersicbt auch in dem „.k*^ gegeben sei. ')

29. Iskender Munsi war bei dem am Dienstage d. 3. Dul-


hi^^e des Stierjahrs 975 (31. Mai 1568) erfolgten feierlichen
Einzüge des neuen Königs Mu^mmed Chodähende in die Resi-

1) T. I, Bl, ff bv. 2) T. I, Bl. fAr. 3) T. 1, Bl. Ia v.

4) T. I, Bl. Afr; aPv. 5) T. 1, Bl. Afv. 6) T. I, Bl. I..v.


7) T. I, Bl. Ilir.
V. Erdmann , Iskender Mumchi und sein Werk. 493

deoz ^azwiD zugegen, und erklärt es für einen Irrthum, dass


Hasan Beg diesen Einzug in seinem Geschichtswerke auf Don¬
nerstag den 5. des erwähnten Monats verlege. ')
In dem zweiten Bunde, wo er theils nach mündlicher
U e b e r I i e fer u n g theils als Augenzeuge berichtet, finden
wir nur zwei Citate anderer Geschichtschreiber:

30. Wo erzählt wird, dass nach dem Tode des Grossmoguls


Mubammed Baber, dcTi'zu König Tahmasp immer in gutem Ver¬
hältniss gestanden und zweimal Hülfe gegen die Uzbeken von
ihm erlangt hatte, der Sohn uud Nachfolger desselhen, Muhammed
Humäjün, wegen des ohen berührten Einfalls des Afganen Sir
Chän und der Entzweiung mit seinen Brüdern sein Reich nicht
länger behaupten konnte und sich zu König Tahmasp flüchtete,
kommt die Bemerkung vor: „wie es in den Geschichtsbüchern,
insbesondere im Tärichi Akbar, geschrieben steht"*).
- 31. Aus dem Tärichi ^ihän-ärä ist eine Notiz über die
älteste Geschichte der Insel Hormuz entlehnt ^).
Pür geographische Bestimmungen finden sich folsrende drei
Stellen :

32. „Der Stamm Klein-Lur ^) hat seine Wohnsitze


in dem Gebiete Churremähäd, Chäwe, Iscbter, Sedre und Hed-
men*), und ist seit alten Zeiteu durch die schii'tische Confession
und durch die Verbindung mit dem Hause Sefewi ausgezeichnet.
Der Verfasser des >_ij.UiJ| K0>ji hat die Flecken uod Orte Klein-
Lur's oicht beschrieben. Nach der Auskunft, die ich darüber
erbalten habe, liegt das erwähnte Gehiet im Süden von 'Iräk.
Ein Theil seiner Breite gränzt an das Gehiet voo Hamadän und
den allerhöchsten Domänenhezirk , der andere an den Verwaltungs¬
bezirk Chüzistän. Seioe Länge von dem Flecken Berü^ird
bis an die Marken von Bagdäd und den übrigen Orten von 'Iräk
'Arabi beläuft sich auf hundert Parasangen. Nach dem Verfasser
des Tärichi ^ihän-ärä besteht der Stamm Klein-Lur aus ver¬
schiedenen Völkertheilen , welche in diesem Gränzlande zusam¬
mengeflossen sind ond sich dort niedergelassen haben u. s. w. '),

33. Hamdulläh Mustaufi, der Vf. des Tärichi guzide, schreibt


in seinem >.^^iJij| KP^, dass Bahrein, eine der Inseln des persi¬
schen Meerhusens und ein Sitz der Perlenfischerei, zehn Para¬
sangen in der Länge und fünf in der Breite habe ^).
34. Bei der Beschreihung des Flusses Güreng'), den 'Abbäs
nach Ispahän zu leiten und mit dem Zenderüd zu verbinden be¬
fohlen hatte, bemerkt er: „In dem t^^^iuJI »^ß und dem mJIsIII

1) T. 1, Bl. Iwr. 2) T. 11, Bl. Hv. 3) T. II, Bl. Höv.

4) tir^AJ'j tSj<X*a ^äAjI 8jLi> oLjt |.y>,


5) T. 11, Bl. T V. 6) T. II, Bl. |1| r. 7) «Jo,y
494 Erdmann . Iskender Munsehi und sein Werk.

kiSüUn i^Im-aj linbe ich da, wo sie über die Quelicu und Flüsse
liHiidelii, den Fluss Giireng und diesen Ort nicht erwähnt gefunden" ').
Aus' diesen Auszügen geht zur Genüge bervor, dass Iskender
Munsi seine schriftlichen (iuellen nicbt rein aus- und abgeschrie¬
ben, sondern mit Kritik henutzt hat.

II. Mündliche Aussagen, welche durch folgende Aus¬


drücke bezeichnet werden:

^^4-^^^ C^J Ks ist unter dem Publicum bekannt;

^Uä.*! JjJlJf j' wahrheitredenden Person

hat man gehört; ^y.f*hA Jj.üJ' (dasselbe); ,.jL«Oj.« jl

^^y^A jUAf i3j.aii g«.*^ Von wahrheitredenden

Leuten hat man gehört; oLii! ^L*ÄAvi Jj.äJ! ^na^SP ^o^^ jf (das¬

selbe); uivM-l jCi yü*si:i ^\ So geht die Sage unter den

Leuten; gU*»«! Man hat gehört; gL^Ä^^I (dasselhe);

f>-r*-* (dasselbe); ^^.fw,/« ,,j.ai'j! Durch münd¬

liche Aussage von dorther Gekommenen hat mau gehört; ^.jUa»

Solches hat man in Kenntniss gebracht; ^^L^jX« jl

Jy,.i ^^.f*vo ^1 J^***-« Von zuverlässigen Personen aus der näch¬

sten Umgebung (des Betreffenden) bat man dus gehört; ^^Nli j|

^Ui;.^i Von N. N. hat man gehört; ^öL jl^i t^^'j'


Durch Anschauung ( Anderer oder auch des Vfs. selbst) ist

bestätigt worden; >Xi. ^ye*^ o.«!; ^-^La^-^/« j\


Nach dem, was von der mündlichen .Aussage wahrlieitredender

Berichterstatter gehört worden ist; ^^Ji^ä.:^^ /-'b^-'j'


Durch die Aussage Einiger ist festgestellt worden ;

Jui gU.'^' zuverlässigen Leuten hat man ge¬

hört; kjUst oLäjj! (dasselbe); t^?^- j^.JOjÄ.* oütij!

oLä3| ^U.ä.».| Solches hat man vnn zuverlässigen (dort) ah- und

zugehenden Leuten gehört; ^XJ^ xx.]aA 1^ ^^♦■s»- Mehrere sind

auf diese Meinung gekommen; K^i^^S (^ä>.>>>jÄj Jt^jl ji


Durch die Angahen der (dort) Ah- und Zugehenden ist bekannt

geworden; J.;^ g^*w.^ Aus Mehrerer Munde hat man

gehört; j^;.OOyX/0j /-i*;^

1) T. II, Bl. t^vvv.


V. Erdmann, ifUctidir !\!iiri.schi und sein Werk. 495

owJ' fy^*^ Durch die Aiissagc des erwäiinten Gesandten und

der in dieser Gegend Ah- und Zugehenden ist Solches in

Kenntniss gebracht worden; Ji<a;i' ^lf.s>-jy'i ij jiAXü j^tjSj ,!

^£^JJlx (j*^^ Nach der Aussage von ein paar Leibwächtern,

die auf dem Sclilaclitfelde gegenwärtig gewesen sind ; |.Oj./c jt

J.if gUj:*«!^Ua)sJ'^i>Lo >.aS Von zuverlässigen, wahrheitreden¬

den Leuten hat man gehört ; ji-f'' jl ^^-j s'^ /-^j^ j

Ju^ jUj> ».S^ Nach der Aussage von ein paar Kauf¬
leuteu, welche in Hindustan gewesen sind.

Man sieht, wie sehr Iskender Munsi bemüht war, ulle mög¬
lichen mündlichen Zeugnisse zu sammeln, wie sorgfältig er aber
auch ihre verschiedene Natur und Geltung kennzeichnet. Ju er
begnügt sich nicht zu sagen: „von dem oder dem erhielt ich
diese Auskunft", sondern er gieht seine Gewährsmänner nament¬
lich au und fülirt sie redend ein. Hegt er gegen die Zuver¬

lässigkeit einer Aussage Zweifel, so bezeichnet er diesen, oh¬

wohl selten , durch die Ausdrücke idil AÄc ^ijti\ Das Wissen ist

hei Gott (Gott weiss es); j^^i^ oi.jLäjs:'. |»)lc| ^JU! cXac ^kni]

Das Wissen ist bei Gott, der die wahre Beschafienheit der Dinge

vollkommen kennt ; L>^L*.i; v-ÄAJuto !j J^i ^jj^ f^i^j Der Schrei¬

ber dieser Worte hält diese Angabe für schwach begründet;

Sij^i J.C sAi^jiJl Die Verantwortlichkeit ( für die Wahrheit dieser

Angabe) tragen die Ueberlieferer.


Ueber die von ihm

III. als Augenzeugen gegebenen Nachrichten sehe man

die oben aus seinem Werke gezogenen Beiträge zu. seiner


Lebensbeschreibung.

Die Ausdrücke, mit welchen cr sich selbst hezeicliiivt, sind

uijj-s» der Aufzeicliner der Worte; '^^Lä-o ^.si^ jg^ Auf-

zeicliner dieser Aussagen ; ^[.XjmjI^ der Zeichner dieser


V, - ,

Bildersammlung; ,_j!^jl L>j.**we der Schwärzer der Blätter ; ,^1^^!^^^


.
der Reinschreiher der Blätter; s^J das Atom; yAܱ> s^J das geringe
t

Atom; j.ä=»l x^ö das geringste Atom; ^.aJi der Arme (Gottes-

bedürftige); »^aj der Knecht; ^jXaS der Geringste,


496 V. Erdmann , Iskender Munsehi und sein Werk.

Von nämLuften Dichtern führt eran: Nizami Geug-awi'),


Biläli') und Häfiz Siräzi'); anderer zu geschweigen, die
entweder nur einige vierzeilige Siruphen, Chronostiehen oder
Gelegenheitsverse geliefert hahen und weniger oder gar nicht he¬
kannt sind. Der grüsste 'l^ieil der eingestreueten Verse gehört
ihm seihst an.

Iskender Munsi theilt sein Werk, wie er seihst ohen angiebt,


iu zwei Bände <und den zweiten Band in zwei Bücher, von denen
er das erste bis zu dem Jahre 1025 (1616) oder bis zum 47.
Lebensjahre des Königs 'Abbäs, das zweite bis zu dessen Tode
herabführt. In der Feststellung der Zeitgräiize des ersten Buches
hat er gewiss dem oben genannten AbulfazI nachahmen wollen,
dessen Geschichte der Regierung Säh Akhar's auch bis zu dessen
47. Lebensjahre berabgeht. Dazu kam die Bedeutsamkeit der
Zwölf zabl der noch ührigen Lebensjahre des Königs: Iskender
koonte bebaupten, wie er es wirklich tbut''), dass derselbe wegen
seines reinen Glauhens ünd seiner unerschütterlich treuen An¬

hänglichkeit an die zwölf beiligen Imame und Märtyrer, nach


der unerforschlichen Fügung des Höchsten, gerade zwölf Jahre
oacb dem Anfange der zweiten Periode seines Lebens in den
Himmel versetzt wordeo sei. Aus demselben Gesichtspunkte bat
man auch- die olieo angegebenen z w ö I f Abschnitte des ersten
Bandes zu betrachten, welche ohne Einhaltung einer Zeitgränze
durch die verschiedenen Jabre hindurchgehen. Hätte Iskender
sein Werk in wirklich geschichtliche Perioden eintheilen wollen,
so würde er gewiss in den von ihm erzählten Begebenheiten
angemesseue Abschnitte und Ruhepuncte gefunden haben.
Wenn der Kritiker zu gerechter Beurtheilung des Werthes
eines wissenschaftlichen Werkes sich nicht auf seinen eigenen,
sondern auf den Standpunct der Zeit und der Nation zu stellen
hat, der dasselhe angehört, so kann ich mit voller Entschieden¬
heit behaupten , dass Iskender Munäi mehr als Gewöhnliches
leistet. Seioe in das genaueste Detail eingehenden Beschreibun¬
gen der Ortslagen, der Lagerplätze, der Festungsbelagerungeo,
der Schlachteo nach strategischen Regeln , sind ausgezeichnet.
Er giebt uds genaue Auskunft üher die verschiedenen inner- und
ausserhalb Persiens hausenden Völkerstämme uod Wüblerrotten,
je nacbdem sie mit den beschriebenen Ereignissen in Berührung
kommen. Er enthüllt uns die geheimsten Plane und Massnahmen
der Könige und ibrer Staatsbeamten, und lässt uns sogar in das
Heiligthum der Hareme mehr als einen Blick werfen, Er giebt uns

1) T. l, Bl. Tv. 2) T. I, Bl. flv.; fyv.

33 T i, Bl. fUr. 4) .T. 11, Bl. folr.


V. Erdmann , Iskender Munsehi und sein Werk. 497

höchst anziehende Beschreihungen der verschiedenen Volks- und


Religionsfeste, führt uns in die Sitten der Perser und Nicht-
perser ein, lässt uns an ihren Spielen, Jagden, Lustfahrten,
Festlichkeiten und lucullischen Gastmählern ebenso wie an ihren
Trauerfeierlichkeiten Theil nebmen. Er macht uns mit den Ver¬
hältnissen der Christen zu den Moslemen hekannt, beschreiht
christliche Kirchen und moslemische Heiligenstätten mit den leb¬
haftesten Farben. Er setzt uns die Vorzüge und Tugenden , so
wie die Fehler und Missgriifc der handelnden Personen rückhalts-
und furchtlos auseinander. Er verbindet mit der politischen Ge¬
schichte und der geographisch - ethoographiscben Beschreibung
auch die Biographien der Verstorbenen und Lebenden mit Angabe
ihrer« um deu Staat und die Menschheit erworbenen Verdienste,
und mucbt uns im Anhange mit den Gelehrten der verschiedenen
Zeiten, ihrem l-ieben und ihren wissenschaftlichen Leistungen be¬
kannt. — Sind die von ihm gegebenen neuen Aufschlüsse oft
überraschend und voll Frisebe und Anmuth, so ekeln den Leser
doch auf der andern .Seite, ungeachtet des Verdienstlichen der ge¬
nauen Angahe eines jeden Jahresanfangs nach Tag, Stunde und
Miaute, die stets bei derselben wiederkehrenden poetischen, mit
veränderten Worten eines und dasselhe wiederkäuenden Beschrei¬

bungen der Naurüz-Feier an, so ermüden ihn die beständigen


Wiederholungen der iu dem persischen Kanzleistyle gebräuch¬
lichen Titulaturen und ehrenvollen Benennungen und die lang¬
weiligen , oft abgeschmackten Recapitulationen derselhen schon
früher angefangenen , dann abgebrocheneu und darauf wieder zum
zweiten und dritten Male aufgenommenen. und_ fortgesetzten Erzäh¬
lungen , so duss muo sich iomitteo aaderer hineiogeworfener Be¬
gebenbeiten wie ein Dürstender in der Steppe nach dem Ende
sehnt obne es finden zu köruien , ja oft das , was gleich anfangs
steben sollte, wie der Verfasser dessen selbst eingeständig ist'),
erst am Ende entdeckt. Wenn Iskender Munäi ohen behauptete,
dass er sich der Planmässigkeit und der schlichteu Rede heflissen
und nur zuweileo seinem Kalamszelter den Zügel habe schiessen
lassen, so sind doch der Räsonnements üher manche Begeben-
beiten, der eingestreuten, nicht an ihrem ürte stehenden mora¬
lischen und politischen Bemerkungen, der unnöthigeo^ den Er¬
eignissen willkürlich angepassten Verse , der Privatinteressen und
der oft in das Lächerliche spielenden Anecdoteo zu viele und
trüben den Geouss , den man an der schlichten Schilderung der
von ihm heschriebenen Begebeobeiteo und Persönlichkeiten ge¬
funden haben würde. '

1) A. a. 0. T. 11, Bl. 1fr. v.; vgl. ffv. Zuweilen erklärt er anch all¬

gemein bekanute arab. Ansdrücke wie cLw durch dat^rsische :

kXiL jU«I^ jif; a. a. 0. T. 11, Bl. ir.v.; IPl r.


4Ö8 "i Erdmann, Iskender Uunschi und sein Werk.

Schou MeninW»') führte in seiuer praefatio das Z^-J^


als eines der vorzüglichsten geschichtiiciicn Werke der
Perser auf, welches nach Schah Abhas so benannt worden und
bis jetzt noch nicht herausgegeben sei, obne sich jedoch weiter
über deo Inhalt desselben zu verbreiten. 5. F. G. Wald be¬
zeichnete dieses Werk als eine vou dem Gebeimsecretär Sekender
lieg verfasste Geschichte der Regierungen der Zefy (Sefewi)
von Schah Ismail bis auf den Tod des Scbah Abbas, welche aus
drei massigen Banden iu 4. bestehe. J. v. Hammer ■*) nannte es
im Jahre 1818, unter dem Titel A a lem ara ( Welfenscbmuck),
eine Gescbicbte der Regierung Scbah Abbas des Grossen, vom
Jahre 995 (1586) angefangen, welche aus zwei Theilen bestehe,
deren erster den Raum eiues Mcnschenalters , d. i. 30 «labre
umfasse, deren zweiter his ans Ende der Regierung Schuh Abbus
gehe und sich in der Summlung des Grufen von Rzewusky uls
ein Foliobund von 700 Seiten belinde. Im Juhre 1822 gub ich')
la dem obeu ungefübrten Universitätsprogrumm nuch der mungel-
baften Hundsclirift des Tuturen Suleimän eine ullgemeine Ueber¬
sicht über den Inhalt des zweiten Tbeils, uud sowohl S. deSaey^)
als J. V. Hammer «) verbreiteten sich in den Jahren 1824 uud 1827
von Neuem über dasselbe. Hammer ') und Malcolm >*) benutzteu
dasselhe, jedoch nicht mit dem wünschenswerthen Erfolge. Im Juhre
1836 theilte (Quatremcre '') einige sprachliche Einzelheiten uus
diesem Werke mit. Im Jahre -1844 zeigte ich au, dass icb mich
mit der Bearbeitung desselhen beschäftige '-"), und wiederholte
diess im Jahre 1852''). Im Juhre 1846 gub Oorn") Auskunft
üher die in dem asiatischen Museum der kaiserlichen Akademie
der Wissenschafteo zu St. Petersburg befindliche Handschrift.

1) Lexieon lurcico-arabico-persicuin, Ed. II, T. 1, praef. p. LXIV.


2) Alles und Neues Vorder- und Miltel-Asien , ßd. I, S. 179; vgl.
Ouseley, A erilical Essay, S. 28.
.?) Geschichle der schönen Redekünste, S. .351.
4) Siehe oben S. 457.
5) Journal Asiatique 1824, T. V, S. 86 ff.
6) Jahrbücher der Literatur, Wien 1827, ßd. 39.^ Jul.
7) Gescbichte des Osmanischen Reicbs , Peslh 1827.
8) The Hislory of Persia, London 1815.
9) Hisloire des Mongols de la Perse, T. 1.
10) Auskunfl über die Verwaltung der kaiserlichen Kasaniscben l'niversitäl
vom Jahre 1827 bis zum 1. Januar 1844 (russ.), Kasan 1844, S. 306.
11) l'ebersieht des Ganges und der Fortschritte der Vorträge über asiali¬
sche Sprachen auf der kaiserlichen Kasanischen rniversilhl für die Jabre
1842 bis 1852 (russ.), Kasan 1852, S. 18.
t'^) Das Asiatische Museum, Petersburg 1846, S. 77. 378. L'omiiglidi.
kann aber die bier angedeutete Geschichte des Schah Ssefy eine Korsetzifflg
unseres Werkes seyn
V. Erdmann , Iskender lUunschi und sfiu Werk. 499

In Jahre 1854 beschrieh Morley die 6 in London vorhaode¬


nen Handschriften (s. unten ). Im Jahre 1858 gah Dorn ') Aus¬
züge aus demselben nuch drei Handschriften. \m Jahre 1859
beschrieb Ködiger ^) das durch Blau für die deutsche morgenlän¬
discbe Gesellschaft erworbene Exemplar.

Aus allen dieseo mit einander zusammengehaltenen Nach-


ichten ersehen wir, dass Iskender MunSi's Werk sich hand-
chriftlich befindet:

lj in Wien ( Rzewuskysche Sammlung), ein Band in folio


von 700 Seiten , der aber nach der uoklareo Angahe
V. Hammers unvollständig seyn dürfte.
2) in Paris (kaiserliche Bibliothek und Bibliothek des Ar¬
senals), unvollständig.

3) in St. Petersburg (a. Asiatisches Museum^), h. Ru-


mänzowsches Museum '*), c. kaiserliche öffentliche Biblio¬
thek''), d. Universitätsbibliothek (früher der Kasanischen
Universität zugehörig), unvollständig").
4) in Berlin (königliche Bibliothek), sehr unvollständig').
5) in Halle (Bibliothek der Deutschen morgenländischen
Gesellschaft), unvollständig.

1) Gescbicbte der Sebirwauscbube. Anszüge aus inubaminedaNiscben


Schririslellern u.s.w., Petersburg 1858, Tb. IV, S. 10. 17. 18. ITa ff. vgl.
Th. I, S. 44.
2) Zischr. d. D. M. G. Bd. XIII, S. 257, No. 5, Anm. 1.
.S) Die gul und leserlich geschriebene Handschrirt unter Nr. 574»- ent¬
hält den erslen und zweiten Theil, ist vom Jabre 1124 (1712) datirt und
theilt auch den Brief des Pabstes und die von den Frengi in Ispahän ge¬
gebene Erkläruni; dessellicn rail, nur in veränderter Gestalt, so wie sich
überbaupt mancbe L.ückeo und Abänderungen in ibr finden. Die Handschrirt
No. 574»"' enthält nur den zweiteo Theil, ist im Monate Sawwäl 1180
(März 1767) geendigt, zerrissen, mangelbart und sebr beschmutzt.
4) Diese habe ich nicht vergleicben können.
5)Die Handschrirt (neuen oder Dolgoruky p'onds) ist sehr gut geschrie¬
ben, in.zwei gr, Foliobänden, von denen der ersle unter No. 55 vom 22.
Sawwäl des Jabres 1084 ( 31. Jan. 1674 1 , der zweile unter No. 56 vom
Rabi* II. des Jabres 1124 (.Mai 1712) datirt isl. Es wird in derselben aucb
der Bi'icr des Pabstes (ujL) erwähnl, aber nicbt mitgetbeilt.
6) Die Handschrirt der Bibliotbek der kaiserlichen St. Pelersburgischen
L'niversität, weicbe nur den zweilen Theil umrasst, besteht aus 459 Blättern
in rolio, enthält mancbe Lücken und isl ohne Datum. D,er Brief des Pnbsles,
obgleicb erwähnt, findet sicb nicbt darin, l'ehrigens ist es ein gut leser¬
liches Manuscript.
7) a. allen Ponds, No. 18, enthält nur den erslen Theil des zweiten
Baudes der speciellen Geschichte'Ahhäs des Gr., ist gut gescbrieben, enlhäll
371 Bl. in rul. und ist im §arar des Jabres 1094 ( Februar l68.i ) beendigt
worden. Das letzte Jahr, dessen Beigebenheiten in diesem Theile bescbrieben

sind, ist das Jwkj e)*^-^ (Hasenjahr) 1025 (1616) uud endigt mit den
5.00 V. Erdmann , Iskender Munsehi und sein Werk.

6) in London, in d. Bibl. d. As. Ges., deren sechs un¬


vollstäodige Handscbriften Morley beschrieben hat').
In meinem Besitze befinden sich:
7) eine vollständige, gut geschriebene nnd ziemlicli correcte
Handschrift, welche aus zwei starken Bänden in gr. folio
hesteht, von denen der erste 296, der zweite 463 Blätter
enthält und den 15. .Subän des Jahres 1060 (13. August
1651), also 21 Jahre nnch der Abfassung des Werkes
von dem Abschreiber beendigt wordeo ist.
8) eine andere gut geschriebene; und ziemlich correcte Hand¬
schrift, welche 103 Blätter in 4., .aber nur des zweiten
Bandes zweites Buch enthält und mit den auf Bl.

der vollständigen Handschrift befindlichen Worten: ^a«, jjj

lXJU»./« |»_>.*JIj 'vXp^r »jlji OoJü jl |.Ljj 'AjOyT 5jIj <^)>j)


i^fMiX* schliesst, so dass also fast füof Folioseiten am
Ende derselhen fehlen.

Meine erste vollständige Handschrift enthält ausser der oben


mitgetheilten Einleituog und dem Schlüsse den his z« 'Adnän
in aufsteigender Lioie zurückgeführten Ursprung der Herrscher
der Sefewi-Dynastie, die Söbne und Nachkommen des 'Adoän
in absteigender Linie bis zu 'Ahdulmuttalih und seinem achten
Sohne 'Abdulläb, dem Vater des Propheten Muhammed, mit dem
die geschichtlichen Notizen beginnen. Als der eigentliche Stamm¬
vater der Nefewi wird dann der scbiitiscbe Imäm Müsä Elkäfim ')
bezeichnet, der von Abulkäsim Hamza abstammte. Da aber,
fährt Iskender Munii fort, der Derwii Tewekkul Beo Ismä'il,
welcher unter dem Namen Ibn Nezäz bekannt ist, zur Zeit

WQ*ik^*xi?v« »v>«i (sie) (^Ual yXiOj^ ».i iijjLs»

LXjjj Lo f^i^.^ U Jjl Jjtäj O^i |.U.«iail


b. Spr en ger > c b e n Fonds, Nos. 6233. 5234. besteht aus zwei Bänden

in gr._ 8., deren erster mit den Worlen jjU*' OÜL:> ^^Iaa^j lV^ jl X»^

beginnt und mit den Worlen JkiOjJ' ^XSaj» ^"^j J

iXi-äj^ yv-j C*^S XiJüjS ^^^^ p vii««»<l ^J«»**ÄL», deren


zweiter aber mit dem Jahre 989 (1581) und namentlieb mit den Worlen

schliesst: ^yljjt (.Li ^li ^^l^^>. ^ '^yl_jÄ**J' Lo jt »J"


Die Abschrift ist im Ramadan des Jabres 1218 (December 180.3) geendigt.
(Vgl. den gedruckten Sprenger'scben Catalog.)
1) Descriptive Catalogue of Ibe historical manuscripts in Ihe arable and
persian languages elc. by W. H. Morley, London 1854, S. 133 ff. INos.
CXXXIX. CXL. CXLI. CXUl. CXLIII. CXLIV.

2) ^Wi 3) jt>S ^1 J-«^f ^


V. Erdmann, Iskender Uunschi und sein Werk. 501'

des i^eicb i^adruddio-MAsä eine^ Schrift ierfasste, welche sich


iiher die Eigenschaften der als Seiche und Heilige ausgezeichne¬
ten, erhabenen Vorfahren Sr. königlicben Majestät verbreitet und
unter dem Namen das Reinste der Reinheit') bekannt ist, mit
der Geschichte des Firilziäh Goldhaube '), eines der vier Söhne
des Sultäns Ibrähim Eledhem ^), des Gründers der Herrschaft,
welcher den unter den Feueranbetern damals ouch uohekaooten
Islam bei ihneo mit dem Schwerte eiorührte und sich in Ardebil

und den ihm zuoächst gelegeoen Gauen zum Herrn und Gehieter
aufwarf, aofängt, so bate auch icb deoselbeo Weg eiogescblagen
und diese meine Jahrbücher mit der Geschichte dieses Herrschers

eröffnet." Nach dieser Einleituog folgen nnn die anfangs spär¬


lichen, aber allmählich grössere Ausdehnung gewinneoden Nacb¬
richten (eig. Heiligenlegeoden) über die Regierungen der Fürsten
deren Nameo hier folgen: 1) Firüziäh Goldhaube, 2) dessen
Soho 'lwa:(u '1 - chawäss *j , 3) dessen Sohn Mubammed Elbäfif,
4) dessen Sohn ^elähuddin Reiid , 5) desseo Soho Mir Kutbuddin,
6) desseo Sohn Seid So^ä', 7) desseo Sohu Sultäu Seid ^ahrtl,
8) dessen Sohn Seich ^efiu '1 -milla wo 'ddin^), von dem die
Dyoastie ibren Namen erhielt, 9) dessen Sohn ^adruddtn Müsä,
10) desseo Soho Sultän Chö^a'Ali, 11) desseo Sobn Ibrähim«),
12) desseo Sohn Sultän öuneid, 1.3) dessen Soho Sultäo Qaider,
14) desseo Sohn Pädisäh Sultän 'Ali '), 15) dessen Bruder Ismä'il
Behäder Chäo, mit dem die eigeotliche, ausführliche Geschichte
der Dynastie der i^efiden beginnt. Da die Geschichte dieser
Dynastie im .Allgemeinen schoo bekanot ist, so sehe ich vou
einer Aufzählung der folgenden Könige bis zum Tode 'Abbäs
des Grossen aus der mir vorliegenden Handschrift um so mehr
ab , da ich die Herausgabe einer vollstäodigeo uod umständlichen
Geschichte des genannten Königs und seiner Vorfahren ans dem
Stamme Sefewi mit den erforderlichen historischen, geographi¬
schen und philologisch-kritischen Erläuterungen mir vorbehalte.

1) *U»aJ! Oj.äxJ 2) ^^jj sLÄjjjjj

H) ^S^\ 4) ijoyi

5) i.y^ »W;"^' o^ßJ •Lä*o"i't viisiikX* ^j*. ^yUaL-

j^vX!!^ slil St. 700 (1300—1) zu Siäwerd. in Gilän , ^y.il*J' Ojjl*-


H) Starb 851 (1447—8). 7) Starb 898 (1492—3).

Bd. XV. 33
Nabopolassar.

Ein archäologischer Versuch

VOD

CiUBtaY Rösch,

eviing. Pfarrer in Württemberg,

Wenn die Könige baun , nahen die Kärrner zu thun.

„Opus Bggredior vetustate obsoletum, fide ambigua obscurum,


tenuitate fastiditum." Mit diesen Worten hat Marsham vor zwei¬

hundert Jahren seineo „chrooicus canon" eiogeleitet. Heutzutage


ist das anders gewordeo, das opus alt-orientalischer Geschichte
ist gegenwärtig weder vetustate obsoletum, noch tenuitate fasti¬
ditum : die Entdeckungen in den letzteo zwanzig Jahren auf den
Baustätten Ninive's und Babel's baben vielmebr diese Namen mit

dem, was an ihnen hängt, zu modischen Schlagwörtern unter den


Alterthumsforschero gemacbt, aber — fide ambigua obscurum ist
es bis jetzt gehliehen. Zwar scheint das alte Strafgericht der
Sprachverwirrung vou Babel endlicb vor dem gelehrten Fleisse
weichen zu wolleo, allein die respoosa prudeotum kliogeo immer
nocb zu eioem Chore zusammeo , dessen mangelhafte Harmonie
eine winkelrechte Zusammensetzung der aufgelesenen Triimmer-
steine von den Bauleuten so hald nicht hoffen lässt. Wenn nun
ein schwäbischer Doripfarrer sich einmischt, wird dann die Arheit
rascher und glücklicher von Statten gehen? Je nun man kaoo
bei Keinem Kunstbau der Handlanger und Mörtelträger eotbebreo,
darum lassen sich vielleicbt aucb die Steiometzeo bei der Restau¬

ration Assur's und Babel's den neuen Gesellen gefailen , welcher


an der Tbüre ihrer Bauhütte anpocht, um den Altmeistern sein
Gesellenstück vorzuzeigen.
Der sechszehnte unter den cbaldäiscben oder assyrisch-medi¬
schea Köoigeb im Kaoon des Ptolemäus (Syncellus io seioer Chro¬
nographie neoot sie XitXäaliov ßaaiXitg, Handschriften des Kanon
'AaavQiiav xal MrjSiav) ist Nabopolassar io deo Jahreo 122 his
143 der Aera Nabooassar's. Diesen leeren Namen mit geschicht¬
lichem Fleisch und Blut zu üherkleiden , ist die Aufgabe der
nachfolgenden Blätter. Bis jetzt bat nä.mlich die Archäologie die
Charakterisiruog Nabopolassar's als Gründer des chaldäisch-bahy-
looiscben Reiches oicbt Uber eioeo formlosen Schattenriss hinaus¬

gebracht, welchen zudem noc^, der eogliscbe Herzog Georg v.


Manchester vor füofzebo Jabren in seinem die hergebrachte Con-