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Systemqualität I: Gesamtstrategie der KMK

zum Bildungsmonitoring
Ziele
1.  Die Studierenden können die KMK-Gesamtstrategie zum
Bildungsmonitoring in ihrem Entstehungszusammenhang verorten.
2.  Die Studierenden kennen zentrale Monitoring-Instrumente
(Bildungsstandards, Ländervergleich, Vergleichsarbeiten,
Bildungsberichterstattung) einschließlich deren Chancen und Grenzen.
3.  Die Studierenden erkennen die Relevanz der Vergleichsarbeiten für die
datengeleitete Schul- und Unterrichtsentwicklung und verstehen die
Ergebnisrückmeldungen.

(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 2


Teil 2 der Lehrveranstaltung umfasst 5
Inhaltsbereiche

Systemqualität Systemqualität Datengestützte


Gesamtstrategie der Schulleistungs- Schul- und
KMK zum studien im Unterrichts-
Bildungsmonitoring Überblick entwicklung

Schulqualität Unterrichtsqualität
Ziele, Konzepte und
Was ist guter
Verfahren der Unterricht?
Schulentwicklung

(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 3


Die Ergebnisse internationaler Schulleistungsstudien Ende der
1990er Jahre waren unbefriedigend
Deutsche SuS erzielen im internationalen Vergleich
unterdurchschnittliche Leistungen im Lesen, in
Mathematik und Naturwissenschaften.
Es gibt eine große „Risikogruppe“ und lediglich eine
kleine Spitzengruppe.
Die Leistungen unterscheiden sich stark zwischen
Bundesländern, Schulformen und einzelnen Schulen.
Es zeigen sich erhebliche herkunftsbedingte
Leistungsunterschiede (Migrationshintergrund / soziale
Herkunft).

(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 4


Die KMK beschloss 1997 die Durchführung regelmäßiger
länderübergreifender Vergleichsuntersuchungen

TIMSS PISA
(1997) (2000)

Konstanzer Reaktionen der


Beschluss KMK (2001)
(1997)

(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 5


Die KMK reagierte auf PISA 2000 mit sieben Handlungsfeldern
1.  Verbesserung der Sprachkompetenz im vorschulischen Bereich
2.  Verzahnung Grundschule/ vorschulischer Bereich; frühzeitige
Einschulung
3.  Verbesserung der Grundschulbildung, insbes. bzgl. Lesekompetenz
4.  Wirksame Förderung bildungsbenachteiligter Kinder, insbes. bei
Migrationshintergrund
5.  verbindliche Standards und ergebnisorientierte Überprüfung
6.  Professionalisierung der Lehrertätigkeit, insbes. diagnostische &
methodische Kompetenzen
7.  Ausbau schulischer & außerschulischer Ganztagsangebote

(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 6


Die Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring umfasst
vier Bereiche

Bildungsstandards:
TIMSS PISA Beschluss und Einführung
(1997) (2000) 2002 2003/04

Konstanzer Reaktionen der Gesamtstrategie


Beschluss KMK (2001) der KMK zum
(1997) Bildungsmonitoring
(2006)

(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 7


Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring

Ziel: systematische und wissenschaftlich abgesicherte


Feststellung von Ergebnissen des Bildungssystems

1.  regelmäßige Teilnahme an drei internationalen Vergleichsstudien


(PISA, TIMSS und PIRLS/IGLU)
2.  Zentrale Überprüfung des Erreichens der Bildungsstandards im
Ländervergleich
3.  Vergleichsarbeiten zur landesweiten Überprüfung der Leistungsfähigkeit
einzelner Schulen
4.  Gemeinsame Bildungsberichterstattung von Bund und Ländern
(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 8
Der Begriff Standard wird erläutert
„Unter einem Standard versteht man eine Norm, also eine Festlegung von
Regeln, die für eine bestimmte Gruppe gelten soll.“
(z.B. Beer 2007, Criblez u.a. 2009, Schott & Ghanbari 2012)

Frage nach Standardisierung = „Dauerbrenner“ in der Schulgeschichte


(Oelkers 2004)

„Standards im Bildungssystem gewährleisten eine gewisse Einheitlichkeit


der Bedingungen, unter denen Schülerinnen und Schüler unterrichtet
werden.“
(Artelt & Riecke-Baulecke 2004)
(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 10
Bildungsstandards wurden verbindlich eingeführt und deren
Erreichen systematisch überprüft

Bildungsstandards konkretisieren
fachspezifische Bildungsziele,
ausgedrückt durch erwünschte
Lernergebnisse, die SuS bis zu
einem bestimmten Zeitpunkt
erreicht haben sollen.

(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 11


Man unterscheidet drei Arten von Standards

content
standards

educational opportunity
standards to learn-
standards

performance
standards

(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 12


Leistungsstandards können nach ihrem Zielniveau
unterschieden werden

content
standards

educational opportunity
to learn- Mindest-
standards Standards
standards

performance Regel-
standards Standards

Optimal-
Standards

(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 13


Die KMK-Standards sind Regelstandards

content
standards

educational opportunity
to learn- Mindest-
standards Standards
standards

performance Regel-
KMK-Standards standards Standards

Optimal-
Standards

(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 14


Es gibt Unterschiede zwischen Regelstandards und
Mindeststandards
Regelstandards beziehen sich auf das im Durchschnitt – „in der Regel“
– erwartete Niveau der Leistungen von SuS zu einem bestimmten
Zeitpunkt der Schullaufbahn.
im Fokus: Standards, die von einer Mehrheit der SuS erfüllt werden können

Mindeststandards definieren Basiskompetenzen, über die alle SuS am


Ende der Regelschulzeit verfügen müssen, um aktiv am beruflichen und
öffentlichen Leben teilhaben und ihr privates Leben gestalten zu können.
im Fokus: SuS, für die aufgrund sehr schwacher Leistungen das Risiko
besteht, dass ihr Bildungsstand am Ende des Sekundarbereichs I nicht
anschlussfähig ist

(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 15


Die Gesellschaft für Fachdidaktik (GFD) positioniert sich
stattdessen für Mindeststandards
Entwicklung und Einführung eines auf Mindeststandards ausgerichtetes,
über die Einzelfächer hinausgehendes Kerncurriculum
schulfachbezogene Mindeststandards
domänenspezifische Mindeststandards
fachübergreifende Mindeststandards
überfachliche Mindeststandards

Unterschied:
KMK-Regelstandards: fachlicher Fokus
GFD-Mindeststandards: übergeordnete Bildungsziele (Identitätsbildung,
Alltagsbewältigung, Ausbildungsreife, Partizipation)

(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 16


Bildungsstandards sind abschlussbezogen formuliert und
gelten für das gesamte allgemeinbildende Schulsystem
Bildungsstandards sind abschlussbezogen formuliert und gelten für das
gesamte allgemeinbildende Schulsystem.

Primarstufe Sekundarstufe I Sekundarstufe II


(seit 2004) (seit 2003/04) (seit 2012)

HSA MSA
Deutsch P P P P
Mathema?k
Fremdsprache P P P P
(Englisch/Französisch)

NaturwissenschaIen
(Biologie, Chemie, Physik) P P
P P
(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 17
Bildungsstandards konkret

https://www.kmk.org/de/themen/qualitaetssicherung-in-
schulen/bildungsstandards.html
(letzter Zugriff: 26.06.2017)
(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 18
Kern der Bildungsstandards sind fachspezifische Kompetenzen
Bildungsstandards beschreiben Leistungserwartungen in Form
fachspezifischer Kompetenzen.
–  erlernbare, kontextspezifische kognitive Leistungsdispositionen, die
erforderlich sind, um Aufgaben oder Probleme eines bestimmten
Inhaltsbereichs erfolgreich bewältigen zu können
(vgl. Klieme & Hartig 2007, Klieme & Leutner 2006, Koeppen u.a. 2008, Weinert 2000)
–  „intelligentes Wissen“
(vgl. Helmke 2004, Weinert 1999)

Die zu erreichenden Kompetenzen werden als so genannte Can-do-


Statements formuliert, z.B. Die Schülerinnen und Schüler können
altersgemäße Texte sinnverstehend lesen.

(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 19


Bildungsstandards beschreiben Leistungserwartungen in Form
fachspezifischer Kompetenzen

kommunikative Bereich Hörverstehen


Fertigkeiten
Die Schülerinnen und Schüler
(Englisch / Französisch)
Erste Fremdsprache

können unkomplizierte Sach-


Verfügung über die
sprachlichen Mittel informationen über gewöhnliche
alltags- oder berufsbezogene
Themen verstehen und dabei die
interkulturelle Hauptaussagen und Einzel-
Kompetenzen
informationen erkennen, wenn in
deutlich artikulierter Standard-
methodische sprache gesprochen wird.
Kompetenzen

(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 20


Lehrpläne und Bildungsstandards unterscheiden sich
insbesondere in vier Bereichen
rechtsverbindliche Vorgaben, die für Lehrkräfte bindend sind

„klassischer“ Lehrplan Bildungsstandards


detaillierte Festlegung konkreter Vorgabe von abschlussbezogenen
Unterrichtsinhalte pro Fach bzw. Leistungserwartungen,
Lernbereich und Schuljahr (Kompetenzen) in bestimmten
Fächern
Input-Steuerung Output-Steuerung
bundeslandspezifisch, entwickelt von bundesweit, entwickelt durch
Lehrkräften (Lehrplankommission) interprofessionelle Kooperation
schulformspezifisch bildungsgangspezifisch
keine Funktionsübernahme, sondern länderspezifische „Übersetzung“
(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 21
Mit der Einführung von Bildungsstandards sind drei Ziele
verbunden

Orientierung Ziel: Intransparenz überwinden


•  verbindlicher Referenzrahmen für alle Beteiligten
•  Gleichwertigkeit der schulischen Ausbildung und der Schulabschlüsse

Überprüfung Ziel: Bildungsmonitoring


•  regelmäßige, zentral-administrierte Leistungsmessungen an Schulen
•  zielgerichtete, evidenzbasierte Veränderungsprozesse

Entwicklung Ziel: unterrichtliche Qualitätsentwicklung


•  Weiterentwicklung des Unterrichts im Sinne der Kompetenzorientierung
•  Handlungsspielräume und Eigenständigkeit

(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 23


Inwieweit die Bildungsstandards erreicht werden, wird mittels
zweier Verfahren überprüft
IQB- Vergleichsarbeiten /
Ländervergleich Lernstandserhebungen
Design Stichprobe Vollerhebung
Zeitpunkt P = 4. Klasse P = 3. Klasse
Sek. I = 9. Klasse Sek. I = 8. Klasse
Häufigkeit P = alle 5 Jahre
jährlich
Sek. I = alle 2/6 Jahre
Evaluationsebene Bundesländer Schulen und Klassen
Adressaten der bildungspolitisch Schüler/-innen, Eltern,
Ergebnisrückmeldung Verantwortliche in Lehrkräfte, Schulleitung,
den Ländern z.T. Bildungsverwaltung
Zielfunktion Systemmonitoring Unterrichts-/Schul-
(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring entwicklung 24
Maßnahmen auf drei Ebenen sollen die Umsetzung der
Bildungsstandards unterstützen

Bundesländer Einzelschule Unterricht

Lehrplanarbeit Forcierung der Bereitstellung


zentrale Auseinander- strukturierter
Abschlussprüfungen setzung in den Unterstützungs-
(„heimlicher Fachkonferenzen maßnahmen
Lehrplan“) Bereitstellung a)  begleitendes
Lehrerausbildung strukturierter didaktisches
Unterstützungs- Material
maßnahmen b) Fortbildungs-
veranstaltungen

(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 25


Auf Ebene der Bundesländer differierten die
Implementationsstrategien und -bemühungen
differierende Implementationsstrategien und -bemühungen
(vgl. Gördel 2008; Krapp 2008; Oelkers & Reusser 2008)

Lehrerfortbildungen
(vgl. Köller 2009; Zeitler, Asbrand & Heller 2013; Pöhlmann u.a. 2014)

Begleitendes didaktisches Material


(vgl. Wacker 2008, 2009; Pant, Vock & Pöhlmann 2008; Köller 2009)

Lehrplanarbeit
(vgl. Köller 2009; Schecker & Wiesner 2013)

Zentrale Abschlussprüfungen
(vgl. Kühn & Drüke-Noé 2013)

(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 26


Anspruch
Wirklichkeit

(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 27


Empirische Studien sollen prüfen, ob die mit der Einführung
von Bildungsstandards intendierten Ziele erreicht werden
e
Funktion

Leitfrage

Datengrundlage
on
Inwieweit werden lag
tfrage die in den
Funkti Lei Bildungs-
Bildungs- rund
sstandards
tandards IQB-Länder-
Überprüfung vergleich
formulierten ateng
Anforderungen D
erreicht?
Funktion

Leitfrage

Datengrundlage
Inwieweit werden
die Bildungs- empirische
Studien zum Stand
Entwicklung standards „in der
Breite“ der
Implementation
umgesetzt?

(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 28


Empirische Studien zur Implementation geben Aufschluss über
die Umsetzung der Bildungsstandards
Implementation ≠ Einführung
(vgl. Berner, Oelkers & Reusser 2008; Gräsel, Jäger & Wilke 2006)

„Aufnahme der Neuerung am sozialen Zielort und deren Übernahme als


‚Standardpraktik‘ für die Situation ihrer Bestimmung.“
(Altrichter & Wiesinger 2004, S. 220)

Der idealtypische Prozess der Implementation ist fünfschrittig

KMK Länder- Einzel- Unterricht Schüler-


Ministerien Schule Leistung

(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 29


Zum Stand der Implementation der Bildungsstandards gibt es
verschiedene wissenschaftliche Studien
Informiertheit der Lehrkräfte
(vgl. Böttcher & Dicke 2008; Pant, Vock & Pöhlmann 2008; Rauin u.a. 2007; Wacker 2008)

wahrgenommene Unterstützung
(vgl. Böttcher & Dicke 2008; Wacker 2008, 2009; Köller 2009)

Einstellungen der Lehrkräfte


(vgl. Böttcher & Dicke 2008; Pant, Vock & Pöhlmann 2008; Zeitler, Heller & Asbrand 2013)

tatsächliche Handlungspraxis
kompetenzorientierter Unterricht
(vgl. Tesch 2010; Zeitler 2010; Zeitler u.a. 2012; Pöhlmann u.a. 2014;
Wacker, Rohlfs & Kramer 2013; Rauin u.a. 2007; Frühwacht 2012)
kompetenzorientierte Aufgaben
(vgl. Rauin u.a. 2007; Drüke-Noé 2013)

(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 30


Vier Indikatoren zeigen eine erfolgreiche Implementation an
(vgl. z.B. Gräsel, Jäger & Willke 2006)

„weitverbreitete Grad der Tiefe der


Verbreitung Umsetzung oberflächlich /
Nicht-Nutzung“ „pro Forma“
(Böttcher & Dicke 2008)

aufgeschlossen, Diskrepanz:
Wunsch nach mehr Ausmaß der Wirkungshoffnungen
Information und gefühlten Nachhaltigkeit und -erfahrungen
Unterstützung Zugehörigkeit (Wacker, Maier &
(Pant u.a. 2008) Wissinger 2012)

(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 31


Es herrscht eine Diskrepanz zwischen Anspruch und
Wirklichkeit
„Bislang ist deutlich geworden, dass die Bildungsstandards in ihrer
Radikalität fast alle überfordern.“
(Köller 2009)

Anspruch Wirklichkeit

(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 32


Empirische Studien sollen prüfen, ob die mit der Einführung
von Bildungsstandards intendierten Ziele erreicht werden
Funktion

Leitfrage

Datengrundlage
Inwieweit werden
die in den
Bildungs-
Überprüfung standards IQB-Länder-
vergleich
formulierten
Anforderungen
erreicht?
Funktion

Leitfrage

Datengrundlage
Inwieweit werden
die Bildungs- empirische
Studien zum Stand
Entwicklung standards „in der
Breite“ der
Implementation
umgesetzt?

(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 33


Testaufgaben zur Überprüfung des Erreichens von Bildungs-
standards werden in einem mehrstufigen Prozess entwickelt
Bildungsstandards konkre?sieren sich durch Aufgaben
komplexer, ressourcenintensiver Prozess
Vielzahl beteiligter Akteure mit
differenziellen Handlungslogiken Kompetenzstufen-
Modell
(Definition und Abgrenzung
Aufgabenentwicklung, von Kompetenzstufen
innerhalb einer bestimmten
Pilotierung, Kohorte)
Normierung
Kompetenzstruktur-
Modell
(Dimensionalität von
Kompetenz und
Binnenstruktur einzelner
Kompetenzbereiche) (vgl. z.B. Klieme & Hartig 2007; Köller 2008, 2011; Rost 2004)

(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 34


Kompetenzstufen zeigen an, inwieweit die Bildungsstandards
erreicht werden

Stufe Kriterium
Kompetenzstufe I unter Mindeststandard
Standards verfehlt
Kompetenzstufe II Mindeststandard

Kompetenzstufe III Regelstandard Standards erreicht

Kompetenzstufe IV Regelstandard plus Standards überschritten


Kompetenzstufe V Optimalstandard

LeiUrage
Inwieweit werden die in den Bildungsstandards formulierten
Kompetenzanforderungen von den SuS erreicht?

(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 35


Der IQB-Ländervergleich überprüft an einer repräsentativen
Stichprobe, inwieweit die Bildungsstandards erreicht werden
Nationale Schulleistungsstudie
Ziel: Systemmonitoring, Ebene der Bundesländer
Stichprobe bundesweit und für jedes der 16 Bundesländer
repräsentativ

Durchführung alle 5 Jahre (Grundschule) bzw. 6 Jahre


(Sek. und Fach)
Ländervergleich Sprachen Sek. I (2008/09)
Ländervergleich in der Primarstufe (2011)
Ländervergleich in Mathematik und Naturwissenschaften
Sek. I (2012)
Ländervergleich Sprachen Sek. I (2015)
(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 36
Etwa die Hälfte der SuS verfehlt 2015 die Regelstandards im
Lesen
(Daten aus Schipolowski et al. 2016, S. 182 und 280)

Deutschland (gesamt) 9,0% 14,4% 28,2% 29,5% 15,4% 3 ,5


%

Rheinland-Pfalz (gesamt) 9,6% 14,6% 29,1% 29,9% 14,3% 2,4


%

5,8
Rheinland-Pfalz (Gymnasium) 2,7% 18,5% 42,3% 30,5%
%

Ia Ib II III IV V
(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 37
Die Befunde der Ländervergleiche weisen auf verschiedene
Herausforderungen hin
Insgesamt zeigen die Befunde, dass die Vorgaben der KMK-
Regelstandards von erheblichen Schüleranteilen (nicht) erreicht werden.
fachspezifische Unterschiede
Leistungsheterogenität zwischen und innerhalb der Länder
länderspezifische Stärken-/ Schwächenprofile
erhebliche Leistungsvorsprünge an Gymnasien gegenüber den nicht-
gymnasialen Bildungsgängen in der Sek. I
geschlechtsbezogene, soziale und zuwanderungsbezogene Disparitäten

(vgl. Köller, Knigge & Tesch 2010; Pant et al. 2013; Stanat u.a. 2012)

(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 40


Zusammenfassung
Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring
Einführung von abschlussbezogenen Bildungsstandards
Inwieweit werden die in den Bildungsstandards formulierten Anforderungen
von den SuS erreicht?
Inwieweit werden die Bildungsstandards „in der Breite“ umgesetzt?

Zwischenbilanz nach 10 Jahren


Die Ländervergleiche zeigen, dass die Vorgaben der KMK-Regelstandards
von erheblichen Schüleranteilen (nicht) erreicht werden.
„weitverbreitete Nicht-Nutzung“ der Standards
(Böttcher & Dicke 2008)

(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 41


Ausblick
Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring
1.  regelmäßige Teilnahme an drei internationalen
ü Vergleichsstudien (PISA, TIMSS und PIRLS/IGLU)
2.  Zentrale Überprüfung des Erreichens der Bildungsstandards
ü im Ländervergleich
3.  Vergleichsarbeiten zur landesweiten Überprüfung der Leistungsfähigkeit
einzelner Schulen
4.  Gemeinsame Bildungsberichterstattung von Bund und Ländern

Was kommt an? Nutzbarmachung der Ergebnisse für die


Weiterentwicklung von Unterricht

(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 42


Literatur
Für einen Überblick
Ackeren, I. van, Klemm, K. & Kühn, S.M. (2015). Entstehung, Struktur
und Steuerung des deutschen Schulsystems. (3. Auflage). Wiesbaden:
VS. [dort: Kapitel 5]

(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 44


Literatur
Zur Vertiefung
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Schulsystem. Zeitschrift für Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis 42,
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Baulecke, I. im Gespräch mit Pant, H.A. (2014). Was leisten die IQB-
Ländervergleiche? schulmanagement, 46(3), 18-21.
Materialien/Berichtsbände
https://www.iqb.hu-berlin.de/bt (letzter Zugriff: 26.06.2017)

(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 45


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Schulbuchverlag.
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(8) Systemqualität II: Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring 56