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Das Aufführungsproblem im

3. Brandenburgischen Konzert von


Johann Sebastian Bach

Der 2. Satz im 3. Brandenburgischen Konzert ist ein langsamer Mittelsatz, der die
Satzbezeichnung Adagio trägt. Wie in den anderen Brandenburgischen Konzerten,
die alle in Dur-Tonarten geschrieben sind, steht der langsame Satz in der parallelen
Molltonart. Für das 3. Brandenburgischen Konzert heißt das: die Ecksätze stehen in
G-Dur, der langsame Mittelsatz muss in e-Moll klingen.
Wie aus dem Autograph ersichtlich ist, schreibt Bach aber nur die zwei Akkorde
eines Halbschlusses: ein a-Moll und H-Dur-Akkord, genauso wie am Ende des
Mittelsatzes beim 4. Brandenburgischen Konzert, das auch in G-Dur komponiert ist.
Der eigentliche e-Moll-Satz scheint zu fehlen. Hat vielleicht Bach selbst am
Cembalo oder mit der Bratsche den langsamen Mittelsatz improvisiert? Von Johann
Nikolaus Forkel, dem Autor der ersten Bach-Biographie (1802), wissen wir, dass
Bach „mit Vergnügen“ Bratsche spielte.
Eine schlüssige Realisierung eines vollständigen Mittelsatzes in diesem Konzert
kann erreicht werden, wenn man die Sarabande h-Moll aus BWV 1002 für die Viola
um eine Quinte nach unten nach e-Moll transponiert und die phrygische Kadenz
anfügt, so wie sie in der Partitur notiert ist. Dies ist hier auf Seite 2 und 3 dargestellt.
Damit folgen einander zwei Suitensätze im 3. Brandenburgischen Konzert,
zunächst die Sarabande und dann mit dem Schlusssatz des Konzertes eine Gigue.
Das charakteristische Wechselnotenmotiv des ersten Satzes findet sich somit auch
partiell im 2. Satz wieder. Mit dieser Aufführungsvariante wirkt der Schlusssatz noch
virtuoser und kraftvoller - eine lohnenswerte Alternative zu den häufig realisierten
kurzen Kadenzen oder gar dem improvisationsfreien Akkordwechsel.
Adrian Wehlte
Brandenburgisches Konzert Nr. 3
2. Satz
Johann Sebastian Bach
arr. Adrian Wehlte
Sarabande

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