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W ert und Interesse. W ir haben d aher nach

M. Monroes Kurvenlinien dem In teresse zu fragen, das hinter der Mul-


tivalenz und der M ehrdeutigkeit steckt.
E rste spezifische W ertth eo rien , auBer-
C--I V f f j halb religiôser, m etaphysischer W eltan-
schauungen, kamen von der Sei te der Ob-
Inszenierte Architektur jekte und wurden in der O kon om ie (Ri-
Die Choreographie der Werte r. 2 r - 27 cardo, M arx ) aufgestellt. Die O bjekte wur­
den d ab ei zu W aren mit einem M ehrw ert
und ein em Tauschw ert. A llgem eine W e rt­
theorien wurden jedoch von der Sei te des
Subjekts hergeleitet ( Hobbes, Hume, Bent­
Peter Weibel ham), z. B. das utilitaristische Prinzip des
allgem einen W ohlbefindens, die Summe
des grôBten Gliicks der M ehrheit, als h ôch-
ste rso z ia le r W ert, als Leitw ert b e stim m t.134)
Die Diskussion um die postm oderne A r­ A rch itek tu r wird unter der Perspektive von A m E n d e des 2. Jahrtausends, fin-de-
chitektur entbirgt insgeheim eine allzuoft F o rm , Inhalt und Aussage zur Sem antik. In millenium, kann m an gerad e in der H aupt-
iibersehene W ert-D iskussion. In seinem diesem Sinne schreibt Jencks „Die reine stadt d es fin-de-siècle, W ien, w ichtige Kurs-
einfluBreichen Buch „Die S prache der post- Syntax ist nur w ahrnehm bar wirksam, wenn k orrekturen im historischen W ertew andel
modernen A rch itek tu r111) wirft Charles sie in sem antische B ereiche eingefiigt ist.“9) finden.
Jencks in den zwei Kapiteln die univalente P ostm od ern e A rchitek tu r wird dem nach W ie im allgem einen war auch die erste
(einwertige) Form und der univalente Inhalt darauf abzielen, visuelle Codes darzustellen, ôsterreich ische W ertschule eine ôkonom i-
- bezeichnenderw eise hat d ieser Teil I die zur Schau zu stellen. D er A rch itek t wird sche, ursprünglich utilitaristische: Menger,
Ü berschrift „D er T o d der m odernen A rch i­ versuchen, durch die Gestaltung seines Bau- Wieser, Bôhm-Bawerk. ■
tektur11 — d er m odernen A rchitek tu r vor, werkes sem antische A ssoziationen zu D ie zweite ôsterreich ische Schule der
nach einer vereinfachten Wertvorstellung ge- weclcen und wird aber auch selbst sem anti- W ertth eo rie suchte nach einer einheitli-
schaffen 2345*7) w orden zu sein: «Zweifellos ist im schen A ssoziationen beim H erstellen und chen, verallgem einernden W ertth e o rie , die
Hinblick auf den Ausdruck die A rchitektur Entw erfen des Baus folgen, die er aus histo- sich a u f aile G ebiete m enschlicher W erte
Mies van der R o h es und seiner N achfolger rischen o d er lokalen K ontexten bezieht. erstrecken sollte: Brentano, Meinong, von
das univalenteste form ale System , das wir Das Bauw erk wird zum Schauwerk. Funk- Ehrenfels, Marty, Kraus und Mally.H) Die
kennen, weil sie nur wenige M aterialien ver- tional iiberflüssige E lem en te werden aufge- historisch bedeutende Intervention der
wendet und eine einzige rechtwinkelige w ertet. Jed es E lém en t, wenn es schon nicht ôsterreich ischen A xiologen bestand darin,
G eom etrie aufweist. E s ist ch arakteristisch, konstruktiv ist, kann den Ausdrucksgehalt das Subjekt als Schlüssel zum W ertp ro b lem
daB dieser reduzierte Stil als rational ge- der Funktion verdeutlichen bzw. die Funk­ zu sehen. W erte existieren nur in d er W ert-
rechtfertigt w urde (wenn er unwirtschaftlich tion visuell verdeutlichen, schlieBlich sogar, erfahrung des Subjekts. D ie Q uelle des W er-
war) und als universal (wenn er nur geringe wenn es auch dies nicht leistet, einfach die tes kann in Gefiihlen (Meinong) oder im
Funktionen erfüllte).113) Vielfalt des Ausdrucks bereichern und sie un- B egehren (von Ehrenfels) gefunden werden,
Aus d er proklam ierten univalenten A r- terstreichen10). D ie Postm od ern e M utiva- wenn w ir das Subjekt psychologisch definie-
mut der m odernen A rch itek tu r folgt lo- lenz endet in einer Légitim ation der G e- ren. E p istem o lo g isch b etrach tet, kann die
gisch, daB die postm oderne A rchitek tu r ei- schwâtzigkeit. Beziehung zwischen der subjektiven psy-
nen R eichtu m an M aterialien und Form en, Jed es architek ton ische E lém ent kann ja, chologischen W erterfah ru ng und den be-
eine M ehrdeutigkeit an Inhalten und M eta- wenn es schon nicht inhaltlich, konstruktiv, w erteten O bjekten eine objektive Basis im
phern zelebrieren wird. form ai o d er funktional eingesetzt ist, zumin- bew erteten O bjekt haben (Brentano, M ei­
D em entsprechend bejaht auch das wahr- dest ein narratives M om ent sein, d. h. Teil nong, bis zu Husserl), oder das O bjekt er-
scheinlich fundam entalste W erk zur post- einer architektonischen Erzâhlung, deren hielt d u rch die subjektive A ktualisierung ei­
m odernen A rch itek tu r, 1 9 6 6 p arad oxer- Aussage der A rch itek t oder der B etrach ter nes W ertes einen W ert (von Ehrenfels bis zu
weise vom M uséum of M odem A rt heraus- aus dem lokalen o d er historischen K ontext R. B. Perry). D iese Intervention, égal ob ob-
gegeben, namlich Robert Venturi’s «K om ­ assoziativ ableiten kann. A rch itek tu r wird jektivistisch o d er subjektivistisch, m achte
plexitat und W iderspruch in d er A rchitek ­ zur A rchitek tu rsem iotik, das Bauw erk zur aber eines klar: den derivativen C h arak ter
tur114), wie der Titel schon sagt, die Vielfalt, Fabel, zum T h eaterstü ck , zum K om m entar, eines W ertes. D er W ert war nichts A bsolû­
«die K om p lexitat und die G egensâtzlichkeit zur FuBnote (d er G eschichte d er A rch itek ­ tes, U nabhàngiges m ehr, so n d era ableitbar.
urbaner Fo rm en in allen B ereich en 115) „ge- tur), zur Bildlegende statt zum Bild. A rch i­ W ert, W unsch, G egenstand bildeten ein
gen die verh eeren d e Sintflut des Purismus, tektonische E lem en te werden zu frei ver- neues Tripel für eine libidonale Okonomie
die heute so viele Stadte im M aBe ihres U m - fügbaren Z eich en , zu V ariablen in einer ar­ (J. F. Lyotard). D ie ô sterreich isch e Schule
baus an den R and einer K atastroph e gespült chitektonischen Erzâhlung. Venturi selbst der W e rtth e o rie hat die Em an zip ation des
hat.“6) hat ja selbst die Problem atik der D oppel- W ertes von d er O ntologie und d er M eta-
A uch Venturi plâdoyiert in eigenen K api­ funktion d er E lem en te erkannt, wenn auch physik eingeleitet. D er logische Em pirism us
teln für Mehrdeutigkeit und Elemente mit ohne K onsequenz: „Das rezessive Elém ent des W ien er K reises (Schlick, Carnap, et al.)
doppelter Funktion. Ein solches «Elém ent ist schw acht zw ar die K larheit der A ussage, es hat d ieA xio lo g ie w eiter reduziert und die
das E rgebnis d er m ehr oder weniger ambi- fô rd ert ab er ihren R eichtu m .1111) Trennung des W ertes von d er Erkenntnis
valenten K om bination zwischen der alten D er rh etorisch e R eichtum d er postm o- ausgelôst, also dem W ert kognitive Funktio­
Bedeutung, die durch A ssoziationen w ach- dernen A rch itek tu r und das Vergnügen, das nen ab gesp roch en . Ihrem puren E m p iris­
gehalten wird, und einer neuen Aussage, die man daran finden kann, wenn die Stufen mus ersch ien der W ert gleichsam als ein
mit der neuen m odifizierten Funktion ent- eines K unstm useum s die Kurvenlinien von O rnam ent, und so wie dieses dem puristi­
steht, sei sie nun konstruktiv o d er inhaltlich Marylin Monroes K ô rp er haben o d er eine schen A rch itek ten Loos überflüssig schien,
bestim m t, sowie dem gesam ten neuen K on- Türklinke die Fo rm einer Schlange hat, so auch der W ert den logischen A nalytikern. ►
text. Das rezessive E lém en t schw acht zwar steht auBer Zw eifel.
die K larheit d er Aussage, es fôrdert aber U nsere F rag e ist, ob die sem antische L ô ­
ihren R eich tu m .117) «D oppelfunktionale sung d er P ostm od ern e, die erzahlerische ') Charles Jencks, D ie Sprache der postmodernen A r­
Elem ente wurden in der m odernen A rch i­ Ü bercodierun g der A rchitek tu r, eine L ô ­ chitektur. D V A , Stuttgart, 1978.
tektur nur sporadisch benutzt.118) sung der Problèm e der m odernen A rch itek ­ 2) ibid, S. 15
3) ibid, S. 15
Wie die T erm inologie schon zeigt, ist das tur darstellt. Z u diesem Zw eck wollen wir 4) Robert Venturi, Kom plexitat und Widerspruch in der
Plâdoyer für den neuen R eichtu m der A r­ dem v erd eck ten , d er Frage nach der post- Architektur. Bauwelt Fundamente 50, Vieweg Ver-
chitektur auf d er E ben e der Sprache ange- m odernen A rch itek tu r unterliegenden Dis- lag, Braunschweig 1978.
siedelt: Bedeutung, Ambivalenz, Kontext, kurs d er W erte, wie ihn Jencks selbst ange- 5) ibid, S. 9
0 ibid, S. 11
Aussage. D ie den puristischen M odernen sprochen, ab er nicht ausgesprochen hat, un­ 7) ibid, S. 5 7 -5 8
Mies van der Rohe, Francis Lloyd Wright, Le sere th eoretisch e A ufm erksam keit zuwen- s) ibid, S. 51
Corbusier, etc. vorgew orfenen Visionen einer den. 9) Jencks, S. 65
Einfachheit (F. L. Wright) und ihrer V erur- D ie V ielfalt d er Stile und E lem en te wird 10) Venturi, S. 59
" ) Venturi, S. 59
teilung d er V ieldeutigkeiten, wodurch bei- in der postm od ern en A rchitek tu r teilweise
l2) Ralph Barton Perry, General Theory o f Value (1926),
spielsweise W ohnungen wie B ü ros aussa- so groB, daB scheinbar anything goes oder 2. Auflage, Harvard University Press, Cambridge
hen, also die beiden Funktionen ununter- wie d er einfluBreichste am erikanische 1950, S. 116
scheidbar wurden - die Lôsung dieser Sack- W ertth eo retik er vor dem Zw eiten W elt- O Amartya Sen & Bernard Williams (H rsg.), Utilitaria-
gasse der m odernen A rchitek tu r wurde also nism and Beyond. Cambridge University Press,
krieg, Ralph Barton Perry, gesagt hat: „x is 1982.
auf d er sprachlichen, um nicht zu sagen valuable - interest is taken in x 11. 12) I4) Howard O. Eaton, The Austrian Philosophy o f Va­
rhetorischen E b en e in A ngriff genom m en. Perry erw ahnt den Zusam m enhang von lues. University o f Oklahoma Press, 1930.

ne
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►-Was ist also der W ert des W ertes, wenn die eine A bsage erteilt und den Schm utz der W eise ihrer Inszenierung d er ôffentlichen î
alten norm ativen Beziehungen zwischen vulgiiren H auptstraBen und V o rstad te in ihr Zeichen unterstützt p ostm od ern e A rchitek ­
Subjekt und Objelct nicht m ehr gelten? Kôn- P rogram m aufgenom men. W ie der W ert, tur die M ach t. I
nen wir die historischen E tap pen des W er- wurde auch der Stil der A rch itek tu r deriva­ D ie m od ern e A xiolo g ie hat die morali- !'
tewandels rückgângig m achen und das O r- tiv. In dem M om ent, wo der Stil nicht m ehr schen, ôkon om isch en und metaphysischen
nam ent w ieder einfiihren, wenn auch unter absolut gesetzt, sondera als ein D erivativum Standards ja nur verlassen, um spezifi- *.
dem neuen N am en Elément mit Doppelfunk- b etrach tet wird, wird nicht nur d er Stil selbst sch ere, flexiblere, subjektivere Standards h:
tion, wie wir auch die W erte w ieder mit ih- (wie der W ert) derivativ, so n d era aile Stile einzuführen. N ur unter d er Perspektive der ,;
ren alten, von der m odernen A xiolo g ie ge- werden ableitbar. D erivativer Stil heiBt also absoluten W e rte bedeu tete d er Sturz von -;
leugneten Funktionen belehnen dürfen? im m er schon historischer Stil, weil im B e- der absoluten H ôh e einen Fall in den wert- '];■?
Gibt es wirklich W ertefreiheit? W as steht griff der Ableitung aile historischen Stile losen R aum . In W ah rh eit ist d er neue W ert- I"
hinter der M ultivalenz? Ist architektonische zuganglich w erden. G eschich te wird zur G e- raum nur anders: alternativ, h eterogen , un-
M ultivalenz (reiche M aterialien, viele, auch genw art, wenn auch zu einer falschen. Bei gleichzeitig, am bivalent, selbstreferentiell, sj
widerspriichliche Forrnen, historische A n- der Ableitung der Stile und der arch itek to- individuell. D ie m od ern e O kon om ie hat
spielungen, m ehrdeutige Codierung) nicht nischen E lem en te geht nam lich d er P ostm o- den M onopolkapitalism us produktions-
nur A usdruck der W ertepluralitat der m o­ derne rein form ai vor, also m it d er gleichen technisch so verfein ert, daB das alte kapita- b'
dernen pluralistischen G esellschaft, die M éthode wie der M odernist. D ie G e­ listische G esicht fast nicht m ehr zu erken- ■
nichts anderes als die K onsequenz des libe- schichte wird ihrer sozialen, politischen nen ist. D ie M ach t des K apitals ist heute I•
ralen Utilitarism us ist, wo die M ach t einen Elem ente- entkleidet. D adu rch ist es m ôg- transnational, so wie auch die Produktions- ]
universalen Instrumentalismus inszeniert, ja lich, daB W idersprüche auf d er Fassade ein- weisen nicht m eh r lokal sind. D er Endwert
zu einem solchen gezwungen wird, um zu ander versôhnen, da sie ja inhaltlich ent- aller W erto p eratio n en ist ab er im m er nocli
überleben? V on der Kultur zur Technologie kernt sind. Aile Stilm erkm ale,vergangener das Geld bzw. die Z eit (und sein Sym bol, der
wird ailes zu Instrumenten der Selbsterhal- E p o ch en und soziajer K ategorien kônnen E rfolg). D er sym bolische T auschw ert ist im- .ç
tung der M acht. D ie m oderne A xiolo g ie hat aufeinander gehauft w erden, weil sie nur m er noch sinnstiftend sow ohl für die Oko- 5
die klassischen Standards G ott-G ut-G eld E lem en te eines form alen Spiels sind, Insze- nom ie, wie fü r das B egeh ren . .-
verlassen und ist scheinbar in den absoluten nierungen eines Bühnengeschehens, einer Die sym bolische o d er m etaphorische ;>
schw erelosen R aum der frei flottierenden Sim ulation. D ies hat natürlich v o rerst be- Multivalenz der p ostm odernen A rchitektur
W erte ohne bestim m te Beziehungen zur freiende M om ente. D er A usbruch aus dem ist die Um w andlung, das Lifting d er moder- ’i
A ^ R e a lita t, in den w ertfreien R au m , getau- Purismus, aus dem rigiden Form alism us der nen A rch itek tu r im Z eitalter des Caring
V ^ m elt. Die m oderne A rchitek tu r hat mit ei­ m odernen A rchitek tu r wirkte zuniichst ein- Capitalism. D as m ultivalente V okab ular dci
nem rigiden Purismus der W erte, mit einem mal erlôsend. In der gegenw artigen Phase postm odernen Sprache d er A rchitektur
form alen S ezierbesteck ahnlich den analy- jedoch kann die Frage nach dem Sinn und korresp ond iert mit dem d eklarierten Plura-
tischen L ogikern diesen gravitationslosen, dem W ert der multivalenten C odierung ge- lismus der postindustriellen Gesellschaft,
w ertfreien R aum durchquert, sie hat durch stellt w erden. D ie M ultiplikation der archi- die aber in W ah rh eit von einem 2-P arteicn -
eine O konom ie der F o rm („less is m o re“, tektonischen S trata, die Ü berlagerung ver- system b eh errsch t wird, deren D ifferenz fast
Mies van der Rohe) der w ert-befreiten, un- schiedener Stile, D ekors, Z eich en und E le ­ kollabiert ist. D ie Politik wird zur Bühne im
endlichen libidonalen Okonomie Grenzen m ente auf den Fassaden, die ü berhaufende gleichen M aBe wie die A rch itek tu r, zur blo-
setzen wollen. In die L e e re des sem iotischen Schichtung des architektonischen Raum es Ben Fassad e, zum Spiel m it ambivalente»,
Raum es der m odernen A rchitek tu r gieBt und die historisch und stilistisch wider- d op pelcod ierten Elem enten. W enn ein
die Postm od ern e ihre Ü berfülle - steht da- sprüchlichen Stratifizierungen auch des In- ôsterreich isch er B eam ter o d er Politîkoi
m it aber unter dem gleichen V erdikt, auf der neren der G ebaude hat einen G rad erreich t, lügt, d. h. d em einen dies und dem anderen
gleichen Bühne, bestâtigt damit nur das alte wo der A rch itek t zwischen Z u ck erb ack er, das (also das G egenteil) sagt, sagt er: „Ich bin
G esetz. A rchitek tu r als M ake up, als R e­ V erkehrspolizist und Touristenfiihrer sei- zweigleisig gefah ren “, so wie der postmo- ; ■
m ake, als K osm etik. D ie Bühne ist dieselbe, nen B eru f verfehlt zu haben scheint. D ie derne A rch itek t sein G ebaude doppelcodiert V
auch das T h eater und d er Tanz, nur die Cho- form ale Stratifizierung b edeu tete eine E n t- (für die E lite und für den Mann auf der
reograph ie ist anders. kernung des Bauwerks. So wie in den zwan- StraBe). D ie postm od ern e A rch itek tu r ver-
U nd was ist das fiir eine neue C h oreogra- ziger Jah ren dem W ert, so kann heute der hüllt die M ach t durch die m ultivalente Ins-
phie d er W erte? W enn w ir uns erinnern, daB A rch itek tu r eine kognitive Funktion abge- zenation ih rer Z eich en. Sie gibt dem diver-
die Diskussion des W ertes erstm als in der sprochen werden. D ie M ultivalenz, so wi- sifizierenden avancierten K apitalism us sei- $
O konom ie ihren U rsprung nahm und daB derspriichlich sie form ai auch inszeniert nen baulichen A usdruck. D er Choreograph
Perry W ert mit Interesse gleichsetzte, kôn- sein m ag, verkleidet die soziale Funktion der W erte ist der G roBkonzern: Unterneh
nen wir nach dem ôkonom ischen Intefesse der G ebaude und som it auch die Struktur m erische D iversifikation als Instrum ent der f;
der neuen W ert-C h o reo grap h ie fragen, wel- des Sozialen. D ie bejubelte Freih eit der K onzentrierung von M ach t. M ultivalenz im
che die G ehirne so bezaubert. M ultivalenz tauscht eine Freizeitgesell- Dienste des M ehrw erts. In d er sozialen , i:-
Folgen wir dem historischen V erlauf der schaft v o r, eine Freizone, wo d er Begriff R h etorik v o m Vollwert-Wohrten, eine spezi- ;_<■
W ertdiskussion, kônnen wir feststellen, daB Freiheit seine historische Bedeutung verlo- fisch w ienerische A bart des behavioristi- --
die m oderne A xiolo g ie den W ert in seiner ren hat, und neue Form en d er Sklaverei, schen U tilitarism us, sehen wir eines der be- j.’
R einheit und A bsolutheit beschm utzt hat z. B. der Zeitsklave, aufgetaucht sind. In- klem m endsten und zynischten Beispiele der ;■
und ihn als ableitbar, derivativ definiert hat. dem sie soziale Funktionen verkleidet, wird Erpressung von A xio n o m etrie und A xiolo- î,
E benso hat die postm oderne A rchitek tu r- A rch itek tu r Teil des universalen Instrum en­ gie. D er perfid utilitaristischen Ausbeutung )
diskussion den puristischen Program m en talismus der M acht. D urch die A rt und der M assen durch G roBkonzerne im Zei- L

Z . B . ZEITGEM ÀSSES. Ailes Gute für Ihre Ideen.


Formen, Farben, Materialien:
Môglichkeiten noch und noch
- ob die vielfâltigen Dachmate-
rialien aus Faserzement, Beton-
dachsteine oder Tondachziegel;
selbstNaturschieferoderZedern-
holz. Für jeden Bauplan das
Richtige. Eine Dachidee kommt
nicht allein - dank Eternit.

DAS MEISTERDACH
UMRISS

Robert Venturi: Zum U nterschied zwischen ikon isch er und sym bolischer Bauweise

chen des Konsumerismus und des medialen sch aft unter dem Begriff L ogo-K ultu r be- mit au fgesetzten Z eich en , wie eine A n-
K olonialismus errichtet die p ostm oderne sp ro ch e n .15) sch lagtafel, o d er m it Zufügung eines kon-
A rchitek tu r ihre W a h rz eich en , die in d er T at U m die narrative Struktur der postm o- ventionellen O rnam ents, etwa eines G ie-
fast überflüssig sind, eben nur E lem ente ei- dernen (Erzahlungen od er) architektoni- bels, d er den E ingang sym b olisiert.17) E r
ner Erzahlung, zur Schau gestellte'Rhetorik. schen Inszenierungen zu beschreiben, b esch reib t also, wie auch V e n tu ri selbst18),
Deswegen bauen postm oderne A rchitek ten m ô ch te ich auf das M odell der Veridiktion daB Saulen, G iebel, etc. keine konstruktive
bevorzugt M onum ente des Konsum feti- von A . J . G re im a s zurückgreifen, das auf Funktionen haben, sondern rein dekorativ,
schismus, oder verwandeln ehem alige O rte seinem beriihmten sem iotischen Q uadrat sym bolisch aufgesetzte Z eich en sind, wel-
der K ognition in solche. Deswegen sind aufbaut, als elem entare Struktur d er Signi- che d as O rnam ent ersetzen. D iese architek -
p ostm oderne Bauten auch kostenintensiv, fikation, das den alteren Begriff einer bina- ton ischen E lem en te scheinen also Saulen
kostspielig und nur in den seltensten Fâllen ren O pposition bzw. eines W iderspruchs er- oder G iebel zu sein, sind es ab er in W irk-
nicht für die h errschende Klasse der R ei- w e ite rt.16) lich keit nicht. E tw as, was scheint, ab er nicht
chen gebaut: Villen, Verw altungsgebâude, ist, n enn t G re im a s eine Lüge. U m gekehrt
seiten G ebaude mit sozialen Funktionen. Wahrheit kennt die d op p elco d ierte A rch itek tu r E le ­
D a in der D em okratie keine Klassengesell- m en te, die sind, ab er nicht scheinen; das
schaft existieren darf, aber es realiter der sind d ie G eheim nisse. W as w ahr erscheint,
Sein ^_^Schein \
Fall ist, wird sie durch die K lassen-Sprache
ersetzt.
I JLüge
aber n ich t ist, nennt G re im a s eine Simula­
tion. Zw ischen sem io tisch er L üge, V er-
deckung der W ah rh eit (= G eh eim n is; nicht
aufscheinen lassen, was ist; nicht entbergen)
Vampirismus der Zeichen Nichtschein Nichtsein I und S im ulation p rodu ziert also die p ostm o­
In der T at hat die gegenw àrtige G esell- d ern e A rch itek tu r ihre E rzahlungen, ge-
schaft durch den ungeheuren Fortsch ritt der Falschheit
baute Ideologien. ►
elektronischen M edien radikale T ransfor-
m ationen erfahren, die besonders in ihrer D ie D iversifikation des narrativen P ro - 15) Logo-Kunst. In: G. J. Lischka (Hrsg.), Philosophen—
sem iotischen D im ension ablesbar ist, wo die gram m s der postm odernen A rchitek tu r Künstler. Merve Verlag, Berlin 1986.
traditionell oppositionellen K ategorien wie Logo-K u ltur, Peter Weibel (Hrsg.), Hochschule für
liegt hier v o r uns, wo zwischen Schein und angewandte Kunst in W ien, 1987.
ôffentlich -p rivat, innen-auBen, p ro fa n - Sein, zwischen W ah rh eit und Falschheit, Der Logo-Adel. In: Schmuck. Zeichen am Kôrper.
heilig, m askulin-fem inin, k in dlich-erw ach- zwischen L üge und G eheim nis die M ehr- Falter Verlag, Wien 1987.
sen, W ohn un g-A rbeitsplatz etc. nicht m eh r fachcod ierun g ihr Spiel der M asken, der In- 16) Algirdas Julien Greimas, On Meaning. University of
so zutreffen wie einst bzw. ihre U nterschei- M innesota Press, Minneapolis 1987.
szenierung treibt.
dungen schwanken, wenn nicht gar kollabie- A. J . Greimas, Strukturale Semantik. Vieweg Verlag
J e n c k s schreibt: V entu ri ist der Meinung, 1971.
ren. A ndernorts habe ich die V erânderun- daB G ebaude wie „dekorierte Schuppen, 17) Jencks, S. 45
gen der sem iotischen Dim ension der G.esell- ab er nicht wie E n ten “ aussehen sollten. D er ls) Venturi, S. 59
d ek o rierte Schuppen ist eine einfache H ütte
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►" Das G ebâude in F o rm einer E n te ist ein sondern b ittere N otw endigkeit, logische
ikonischer Bau, weil es zwischen der visuel- Konsequenz der visuellen Codierung, der
len Fo rm des G ebaudes und d er E n te eine symbolischen Bauw eise des dekorierten
A nalogie gibt. Ein Schuppen, d er mit Z ei- Schuppens, denn diese lebt ja von der G e­
chen d er E n te dekoriert ist, ist ein symboli- schichte allein.
sch er Bau, weil die Bedeutung eines Sym­ F ü r den V am pirism us d er Z eich en ist die
K unstauktionen •A ntiquitaten •G alerie •Ikonen •Muséum boles nur durch Itération, T radition , W ie- G eschichte d er b eson d ere Saft. D ie Begrün-
derholung, K onvention, (culturelle C odie- dung der Bedeutung des Sym bols durch die
rung und Erlernung erfaBt w erden kann. K onvention zwingt das Sym bol im m er wie-
W egen dieses V erlagerns von der ikoni- der in die K on ven tion alitat, bringt das Ge-
schen zur symbolischen Bauw eise hat sich baude in d ie G esch ich te zurück statt die
die architektonische N arration unweiger- G eschichte nach vorn . V isuelle K onventio-
lich auf die Feld er der Sim ulation, Lüge und nen erzeugen konventionelle V isionen. Bei
V erdeckung begeben. Ihr Form envokab u- der Hülle mit aufgesetzten Zeichen sind die
lar lebt ja gerade von diesem Spiel mit den Z eichen in d er T at aufgesetzt und nàhern die
Sym bolen, die nicht nur nicht existieren, A rchitek tu r d er L ü ge an. B eim dekorierten
sondern auch jederzeit etwas anders sein Schuppen sind die D ek o rs in d er T at visuelle
kônnen. D ie dorische Saule existiert nicht Codes und entlassen die A rch itek tu r nicht
als Saule, sondern als D ek o r, O rnam ent, aus der G esch ich te, aus d er K onvention.
Symbol für Status, kann fur jem and anderen Beides m ach t p ostm od ern e A rch itek ten so
auch Tradition , Tem pel, Sicherheit, D em o- konservativ. D e r rein sem iotische Charalc-
kratie bedeuten. D er sem iotischen L eere, ter der inszenierten A rch itek tu r bindet die
die entstanden ist, nachdem die historischen A rchitek ten im m er w ieder an die G e­
Funktionen von Ikon, Index, Symbol ver- schichte, an die V ergangenheit. D enn nur
lôscht sind und sich an deren Stelle das durch die h istorisch e K onvention, durch
L o g o , das Firm enzeichen, das W arenzei- gesellschaftliche Ü bereinstim m ung kann
chen gesetzt hat, antw ortet die postm oderne ein C ode, ein Sym bol Bedeutung erlangen.
Hagenbund-Ausstellung A rchitek tu r nicht m it einer K ritik der L o - D aher auch ist mainstreet allmost allright
(bis 31. Juli 1988) gokultur, sondern mit einer Ü bercodierun g ( Venturi). D ie inszenierten Z eich en der
mittels Symbolen und visuellen M etaphern. postm odernen A rch itek ten nahern diese
Ikonen-Museum D ie M ultivalenz gebiert eine Panik der Z ei- der Bühne an, an die D ek o ratio n . G àbe sie
Zsolnay-Keramik-Museum chen. Ailes wird aufgesaugt. A ile Zeichen diesen Status offen zu, wie es die Projekt-
der G eschichte, d er B au- und Stil-G e- und U to p ie-A rch itek ten d er 6 0 e r Jah re ge-
JKunst- und Antiquitaten ) schichte werden aufgewendet, um die se- tan haben, besonders in W ien die tem porà-
m iotische L eere zu stopfen. Je d e r lokale ren A rchitek tu r-Inszen ierun gen von Coop
T ag hch :10^17 .U h r (au ch S a m sta g ,:S o n n ta g ;iF e ie rta g ) K on text, jede historische Anspielung wird Himmelblau, H ausrucker & Co. e tc., dann
g e o ffn e t gesucht, kein Symbolismus, kein O rnam ent bliebe ja d ie arch itek ton isch e W ah rh eit er-
gescheut, jede historische Ü berlieferung halten. W eil h ier das E n d e einer gewissen
D ip l -Ing G erhard Egerm an n
wird herangezogen, jed e m ôgliche M eta- W ertw elt o ffen gezeigt w urde. Im hedonisti-
A -2473 SchloG Po tzn eu sied l, B g ld , T el 0 21 45/22 49 pher aufgespürt, jedes Bau elem en t der Stil- schen Z e ich e n - und Sym bol-Fetischism us
Buro. A -1 0 1 0 W ien , Salv ato rg asse 6; T el. 0 222/53 35 801 geschichte wird in die R h eto rik eingebun- der postm od ern en A rch itek tu r hingegen
den, um die Vielfalt des Ausdrucks zu berei- feiert die n eue C h oreo g rap h ie d er W erte
chern und sie zu unterstreichen. In einem eine frô h lich e A pokalypse. Panische Z ei­
V ampirismus d er Z eich en wird die gesam te chen sind d ie neue S p rach e d er M ach t. Ins-
A rchitek tu rgeschichte aufgesogen. Indem zenierte Z eich en sind die neue W ertform
jedes Bauelem ent durch seine D op p elco- der M acht. W ü rd en die Z eich en frei explo-
Café - Restaurant dierung etc. auch rh etorisch sein muB, wird dieren, hatten sie n och eine subversive
jed er Bau selbst rh etorisch. D och was er- K raft, ab er m eist wird ihre K raft gedam pft
Weingut zàhlt er uns? Die Saga der M àchtigen und durch das alcadem ische W ertu rteil des guten
Pauli's Stuben M ythen. Beim W echsel vom ikonischen G eschm acks. D ie Z eich en erfrieren an der
zum symbolischen Bauen w urde namlich Fassade. D e r A rch itek t inszeniert histori­
gerade jenes ausschlaggebende Faktum sche Z eich en , Stile, E lem en te — eine Bau-
übersehen, daB die Bedeutung des Symbols Oper. W ie in der O p er: ailes steht still, es
Purbach/Neusiedler See historisch begründet wird. U m einen sym­ trium phieren o b solète M etaph ern , z. B.
bolischen Bau zu verstehen, um die Zeichen Schlangen als Türklinken. A rch itek tu r wird
an einer H ütte als Sym bole einer E n te ent- nicht m eh r sozial erfah rb ar, ihre einzige
ziffern zu kônnen, muB ich erst einmal den W erterfahrung ist der N arzism us, die libi-
entsprechenden C o d e erlernt haben. Das donale ô k o n o m ie d er A rch itek ten . A rch i­
Spiel mit den visuellen C odes setzt voraus, tektur wird zur R ek lam e, zur Publicity für
daB ich den historisch gewachsenen und A rchitek tu r, zum Spektakel d er A rch itek ­
produzierten C ode erlernt habe. Will der tur, zum Z eich en d er A rch itek tu r, zur ins­
A rch itek t z. B. den O rt, wo man T h eater- zenierten A rch itek tu r, wo zwischen den bei-
karten kaufen kann, visuell cod ieren , wird er den Polen V ergnügen an d er K atastrophe
einen V orhang hinstellen, weil jedes Thea- und T e rro r des Sim ulacrum die M etapher
ter traditionell einen V orh ang hat. D er O rt, zur M etastasis wird.
wo man Schiffskarten kaufen kann, wird D ie p ostm od ern e A rch itek tu r m it ihrer
also visuell als Reeling co d iert sein, weil eine ekstatischen Inszenierung d er Fassaden, mit
R eeling pars p ro toto ein Schiff darstellt. ihrer jubilatorischen H istorisierung ist der
W enn ab er eines Tages Schiffe ohne Reeling verzw eifelte und konservative V ersuch,
existieren und utopische T h eater ohne V o r­ noch einm al d ie A rch itek tu r auf F o rm , Ma-
hang? Dann wird der M itspieler, der Be- terial und B au zu begründen, in dem histo­
trach ter den O rt nicht m ehr finden, weil er rischen M o m en t, wo diese M ôglichkeit für
nicht historisch cod iert ist. Diese symbo- die A rch itek tu r vo rü b er ist. U m so em pha-
lisch-m etaphorische A rch itek tu r ist also per tischer inszeniert die A rch itek tu r ihre vi­
se antiutopisch, konservierend. Visuelle C o- suelle E rsch ein un g, je tiefer sie weiB, daB
dierung, m ehrdeutige Codierung bedeutet die unsichtbare A rch itek tu r ihre Zukunft
also im m er historische Codierung, Fixie- ist. Üppig w erd en die historischen Ressour-
rung des Status quo. Denn nur aus der histo­ cen der A rch itek tu rstile und M aterialien in
geeignete Raumlichkeiten fur rischen Fixierung des Status quo erhalt der die Schlacht gew orfen, gerad e um das ôf-
Konferenzen und l'este visuelle C ode seine Bedeutung. T h eater fentliche Bew uBtsein zu dam pfen, daB diese
ohne V orhang und andere soziale Utopien Form der A rch itek tu r ihre h istorisch e Rolle
bleiben auBerhalb der S prache einer sol- vèrloren h at. D ie M onum entalitat ihrer For-
Paul und Maria Braunstein chen A rchitek tu r. D ie historischen Anspie- men ist nur m eh r A usdruck m onum entaler
7083 Purbach/See/Burgenland;
• An der Bundesstralie lungen, die eklektizistischen H istorism en, K onkurrenzkam pfe zwischen den K onzer-
Tel. 0 26 8 3/5 5 13 das gegensàtzliche A ufeinanderprallen von nen. D ie gegenw ârtige Obsession der bil-
N éon und M arm or, von  gypten und A rt denden K unst und der A rch itek ten mit der
D éco etc. ist also in W ahrheit gar kein Spiel, G eschichte, m it dem Spektakel als hôchste

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UMRISS
Zerem onie des Sich tb aren , k am o u fliert d ie tive, w hose sta tem ent can b e associatively di-
A bw esenheit von G esch ich te und kontinu- v erted f r o m the lo ca l o r histo rica l co n te x t by
ierlicher Z e it, d ie A b k eh r von d er sich tb a ­ the a rch itect o r the o b server. A rc h ite c tu re Invest.
ren R e a litâ t. M useen als W eih estâtten der turn s into a rch itectu re sem io tics, th e b u ild in g Sie haben die Idee. Sie
falschen G e sch ich te, als T em p el d er sim u- in to a fa b le , into dra m a , into a co m m en ta ry ,
lierten G e sch ich te , werden d aher selbst die into a fo o t n o t e (o ft h e history o f a rch itectu re),
■projetaieren und planen.
eigentlichen neokon serv ativen K unstw erke. into a p icto ria l le g e n d in stea d o fin t o a p ictu re. Sie stecken mitten in der
Denn die Z eita risto k ra tie hat n atü rlich A rc h ite c tu ra l élém en ts b e c o m e fr e e ly avail- Forschung.
Interesse an B au ten , d ie M onu m en te der a b le sy m b o ls, b e co m e variables in an a r c h i­
historischen Z e it sind. D ie In du strialisie- tectura l n a rra tio n . V enturi h i m s e lf r e c o g n iz e d
rung und R e ifik a tio n von R aum und Z e it the p r o b le m o f t h e d o u b le fu n c tio n o f t h e é lé ­ Kredit.
werden die eig en tlich e Q u elle für eine A r- m en ts, i f in d e e d with a c o n c lu s io n : "T h e r é ­
chitektur nach der P ostm od erne sein. D ie cessive e le m e n t m a y w eaken the clarity o f the
Wir haben Ge/d für Ihre
abstrakten R â u m e des elek trom ag n etisch en m essa g e, b u t it e n c o u ra g e s its rich es. ”12 Idee. Wir projektieren
Spektrum s w erden zum eigentlich en B au - T h e rh e to ric wealth o f p o s tm o d e rn a r c h i­ undpianen m it ibnen.
grund. N eue abstrak te F o rm en w erden en t- tecture a n d the en jo y m en t that c a n b e f o u n d
stehen, die augen blicklich in der Se lb st- in it c a n n o t b e d en ied , su c h as w hen the steps Wir unterstützen Ihre
Sim ilaritât von F rak talen , in den W ach s- o f an a rt m u s é u m hâve the cu rv es o f a fi g u r e Forschung. Und wir
tum sstrukturen zellularer A utom aten und in lik e M arilyn M o n ro e’s o r a d o o r h a n d le is
der digitalen À sth etik d er beschleu nigten
finanzieren Ihre Investi-
s h a p e d lik e a s n a k e . . .
Bild er zu fin d en sind. D ie frak tale Im p lo ­ F a ça d e s, w hich a re the o v erw h e lm in g layer- tion. Weil wir wissen,
sion des alten Standards wird durch ein e in g o f a rch itectu ra l sp a ce a n d the histo rica l was sie wert ist. Wir
sem antische Ü berfrach tu n g , durch ein ex - a n d stylistic contra dictory stratifica tions o f
zessives Sp iel m it inszenierten Z eich en , m it the in terio r o f t h e b u ild in g s as well, h â v e rea - finanzieren Unterneh-
visuellen C odes, iib ertü n cht. D ie F assad e ist c h e d a d e g r e e w here the a rch itect s e e m s to men. Investkredit.
der Sp ielrau m der A rch itek tu r gew orden, hâ ve c h o s e n the w ro n g p ro fe ss io n . H e vacila-
Ftenngasse 10,1013 Wien
weil A rch itek tu r selbst nur eine Fassade ist. tes betw een c o n fectio n er, traffic p o lic e m a n
□ a n d to u r g u id e . F o rm a i stratification im p lies Tel. 53135-0
rem o v in g the c o re fr o m the b u ild in g . J u s t as
value c o u ld b e q u e s tio n e d in the T w enties, the
M. Monroe’s Curves cognitiv e fu n c tio n o f a rch itectu re c a n b e dis-
Staging Architecture p u te d . A s con tra d icto ry as it m a y b e to p r o ­
d u c e m u ltivalen cy fo rm a lly , it d isg u is es the
A Choreography o f Values so cia l fu n c tio n o f b u ild in g s a n d thus also the
Peter Weibel stru ctu re o f t h e so c ia l aspect. T h e m u c h la u d -
e d fr e e d o m o f m ultivalen cy giv es a n illusion invesT
" T h e fa ç a d e h a s b e co m e a rc h itec tu re ’s el-
b ow -room , b e ca u s e a rch itectu re itself is on ly
o f a leisu re society, a fr e e z o n e w h ere the n o ­ KReDIT
tion o f fr e e d o m h a s lost its h isto rica l im p o r ­
a fa ça d e . ” tance, a n d n e w f o r m s o f slavery, Le. the slave Die Bank die mitmacht.
T h is s en ten ce co n c lu d e s the article written to tim e, h â v e a p p ea red . B y d isg u is in g the s o ­
by the V ien n ese m ed ia p ro fe s s o r P eter cia l fu n c tio n , a rch itectu re b e co m e s p a rt o f t h e
W eibel, w hich rep resen ts o n e o f the m a jo r u n iv ersa l in stru m en ta tio n o f po w er. P o s tm o ­
beliefs o n the p r é s e n t situation. d e rn a rch itectu re su p p o rts p o w er th ro u g h its
F u rt h e re x c e r p t s fr o m W e ib e l’s p o r t r a y a lo f p a rtic u la r s ta g in g o f p u b lic sy m b o ls . . .
the cu rre n t sta g in g s in a rch itectu re: A rc h ite c tu re is g o in g to lo se its so cia l
aspect; the o n ly value it will e x p é rie n c e will b e
T h e p iec e o f a rch itectu re b e co m e s a show - na rcissism , the lib id in a l e co n o m y o f a rch i-
piece. F u n ctio n , s u p e rflu o u s élém en ts a re at- tects. A rc h ite c tu re b e co m e s an a d vertisem en t,
tribu ted m o re value. E a c h e le m e n t that is n o t it b e c o m e s pu b licity f o r a rch itectu re, b e co m e s
constructive, can m a k e m o re c lea r the f u n c ­ a sp ecta cle o f a rchitecture, a s y m b o l o f a r c h i­
tion ’s c a p a city fo r exp ressio n , o r can m a k e the tecture, b e c o m e s s ta g ed a rch itectu re, w h ere
ZUM 70. GEBURTSTAG
fu n c tio n m o re visible. It can even d o so w hen betw een the two p ô le s - en jo y m en t in catastro-
it d o es n o t p e r fo r m anything, sim p ly " en rich p h y a n d terro r o f t h e s im u la c ru m — the m eta-
the diversity o f the ex p ressio n a n d stress it ”.10 p h o r b e c o m e s a m etastasis.
Karl Schwanzer
T h e p o stm o d ern M ultivalence en d s in the lé ­ P o s tm o d e rn a rchitecture, with its ecstatic
gitim ation o f talkativeness. p ro d u ctio n o f fa ç a d e s a n d its e x u lta n t histo-
E v ery a rch itectu ra l ele m e n t can b e — i f n o t ricity is the d esp era te a n d conservative a ttem pt
in serted substantively, constructively, f o r - to b a se a rch itectu re o n ce aga in on f o r m , m a -
m ally o r fu n c tio n a lly - at least a na rrative terial a n d b u ild in g - in the h isto rica l m o m e n t
m o m en t, Le. p a rt o f an a rch itectu ra l n a r r a ­ w h en th isp o ssib ility f o r a rch itectu re is g o n e .

modulueriag
UMRISS 3 + 4 /8 8 Doppelnummer
212 Seiten, 93 Farbfotos,
Schwerpunktthema: 106 Schwarzweiftfotos,
48 Zeichungen, 9 Skizzen,
Die grofie Langeweile Leinen, 26x26 cm, S 690,-

Zur Krise der Moderne modulDerlog


A-1010 Wien, MahlerstraBe 3
UMRISS-Gesprâch mit Kenneth Frampton, New York
erscheint am 1. November 1988

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