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DAS SATIREMAGAZIN

www.eulenspiegel-zeitschrift.de

65./73. Jahrgang Unbestechlich, aber käuflich!

ISSN 0423-5975 86514


1/2019
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Empfänger:
Friedrich Merz 2

6 Blinddarm
Empfänger: SPD

2 Hirn
Noch keine 7
Interessenten
Niere
3 Empfänger:
Frank-Walter Steinmeier

4 8 Raute
4 Empfänger:
Annegret Kramp-
5 Karrenbauer
3
Lunge 6 7
Empfänger: Volker Bouffier 7
9
8
Gesäß
Empfänger:
4 Ellenbogen Peter Altmaier
Empfänger:
Armin Laschet

9 10 10
9 Muschi
Empfänger:
Donald »Pussy-
5 Leber grabber« Trump
Empfänger: Jean-Claude Juncker
11 11

11
Beine
Empfänger:
Wolfgang Schäuble
!

Organspende extrem
a t t

Was wird
B l
xtra-

aus Merkel?
E
„Ein Road Feel Good Movie“
Thierry Frémaux, Cannes Film Festival

„Mit großer Leichtigkeit und Humor“


Zeit Online

„Panahi verzaubert
das Publikum“
Deutsche Welle

AB 26. DEZEMBER IM KINO


/DreiGesichter.DerFilm
Zeit im Bild

André Poloczek

EULENSPIEGEL 1/19 3
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Das an ...
as ffäängt ja gut an
Inhalt
Titel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Michael Garling
3 Zeit im Bild . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . André Poloczek
6 Hausmitteilung
8 Post

10 Modernes Leben

12 Zeitansagen

18 Operation am offenen Hartzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Florian Kech

23 Dein Land. Deine Zukunft. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Andreas Koristka

26 Unsere Besten:
Ohne Tote nach Berlin . . . . . . . . . . . . . . . . . . Peter Köhler / Frank Hoppmann

28 Zeitgeist . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Beck

30 Land of hope and Austritt. . . . . . . . . . . Robert Niemann / Burkhard Fritsche

32 Die große Neiddebatte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Koristka / Füller / Funke

34 Klassenkampf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Guido Sieber

36 In der Weste was Neues . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gregor Füller

38 Irgendwie weich und


irgendwie gelb . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Felice von Senkbeil / Peter Muzeniek

40 Wahn & Sinn

43 Alzheimer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gerhard Glück

44 Raus, was keine Miete zahlt! . . . . . . . . . . . . . . . André Sedlaczek / Ari Plikat

46 Hammercurls mid der Bizebsschdang . . . . . . . . . . . . . . . . . Gerhard Henschel

49 Lebenshilfe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Karsten Weyershausen

51 Selten schön

54 Das Ende ist nah . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gregor Olm

56 Schwarz auf Weiß

58 TV: Festnetz im Korridor . . . . . . . . . . . Felice von Senkbeil / Frank Hoppmann

60 Fehlanzeiger

62 Euer Blut . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Hannes Richert

64 Leser machen mit / Rätsel / Meisterwerke

65 Die EULE vor 50 Jahren

66 Impressum / … und tschüs!


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jähriger Erfahrung. Beim Auftreten von Krankheitszeichen sollte ein Arzt aufgesucht werden. Hinweise: enthält 62 Vol.-% Alkohol; Bei Einnahme von 25 Tropfen lt. Dosierungs-
anleitung werden bis zu 0,6 g Alkohol zugeführt. Ein gesundheitliches Risiko besteht u.a. bei Leberkranken, Alkoholikern, Epileptikern, Hirnkranken und Hirngeschädigten,
Schwangeren und Kindern. Die Wirkung anderer Arzneimittel kann beeinträchtigt oder verstärkt werden. Im Straßenverkehr und bei der Bedienung von Maschinen kann das
Reaktionsvermögen beeinträchtigt sein.
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nahme von 25 Tropfen lt. Dosierungsanleitung werden bis zu 0,52g Alkohol zugeführt. Ein gesundheitliches Risiko besteht u.a. bei Leberkranken, Alkoholkranken, Epileptikern,
Hirnkranken und Hirngeschädigten, Schwangeren und Kindern. Die Auswirkungen des Alkohols, besonders auf die Fahrtauglichkeit sind zu beachten. Die Wirkung anderer
Arzneimittel kann beeinträchtigt oder verstärkt werden.
Pharmazeutischer Unternehmer: Hofmann & Sommer GmbH und Co. KG, Chemisch-pharmazeutische Fabrik, Lindenstraße 11, 07426 Königsee-Rottenbach
Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.
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Haus mitteilung
Liebe Leserin, lieber Leser,

MUSIK
mit großer Verwunderung habe ich die Diskussion um die Austragung
DAS STUDENTISCHE des südamerikanischen Fußballpokals zur Kenntnis genommen. Be-
kanntlich musste das Finalrückspiel in Argentinien aufgrund von Aus-
SATIREFESTIVAL schreitungen zunächst abgesagt werden, woraufhin schnell die Idee
aufkam, es stattdessen in Europa stattfinden zu lassen. So weit, so gut –
IN COTTBUS aber weshalb dafür Städte wie Madrid oder Genua vorgeschlagen wur-
den, erschließt sich mir überhaupt nicht. Dort gibt es doch genauso
viele heißblütige Fußballfans wie in Buenos Aires, in puncto Sicherheit
wäre also gar nichts gewonnen! Dabei liegt die Lösung so nahe: Wer
Ausschreitungen vollständig ausschließen will, muss für die entspre-
chenden Rahmenbedingungen sorgen, nämlich eine möglichst asepti-
sche Spielstätte mit einem Publikum, das noch nie in seinem Leben ir-
gendwelche Emotionen verspürt hat. Sie haben sicher schon verstan-

17. - 20. 1. 2019 Nr. 24 den, worauf ich hinaus will – das Spiel hätte definitiv in Wolfsburg statt-
finden müssen.
LITERATUR ★
Bayern ist schön. Seine Landschaften typisch, seine Bauwerke weltbe-
rühmt, sein Fußballverein Tabellenvierter. Und seine Politiker die besten
von ganz Deutschland, wenn nicht von Europa. Aber woher kommt
dann das hartnäckige anderslautende Klischee? Die Antwort führt uns
zurück zum ersten Satz. In Bayern ist es nämlich tatsächlich so wunder-
schön, dass niemand, der seine Sinne noch beisammen hat, dort weg
will. Schon gar nicht, wenn das Ziel der Reise ein gottverlassener, neblig-
trüber Moloch nahe der polnischen Grenze ist. Logische Folge: Die talen-
kordeon tierten, engagierten, integren, populären, erfolgreichen bayerischen
Salon O
rcheste Politiker bleiben grundsätzlich zu Hause, die anderen werden nach Ber-
-stairs C r Andi V
hristine alent B lin geschickt.
Zeides B-Slam
ess t Hü Daniela Benjam
perbel Sepehr in E isenber Aber nun zu einem völlig anderen Thema: Auf Seite 26 porträtieren
ge n M a Jonas G i Die W g Berm
a l a u
ieck wir unseren Bundesverkehrsminister, Herrn »Dr.« Andreas Scheuer.
ttias E m Julia hrhaf t da Zwe
n gl i n g Steinig Schwac
hardt P Mic hae eweg K hen Dr ★
ascal F l Bittne aum ei . Nix Er
ranke P r Nage n Voge ik F
hepans eter Fis lr itz OE l Les B Zum Schluss kann ich Ihnen leider eine schlechte Nachricht nicht
ky Udo cher Pr Medizi ummm
Tiffert oläster n er K ab s B ersparen: Nach vielen Monaten relativer Gesundheit ist der EULENSPIE-
a Z we i Akkord rat ROh a r et t O
eck Ca eon Salo rSTOCK laf K GEL in diesem Monat erneut vom längst überwunden geglaubten Mor-
r toonlo n Orche Stefan
en Dr. b by C A ster Vogt St
Nix Er i T-stair s A ndi Vale ef fen H bus Funzel befallen worden. Leser, denen ihre geistige und/oder physi-
k Franz C h r i nt BB-S
Les Bu k e Frisch s t ine Zei la m Benja sche Gesundheit wichtig ist, werden dringend gebeten, sich von der mit
mmms ge p r e s des Da min
Boys L s t H ü perbel n i e l a Sepehr einem Kaugummi auf Seite 3 festgeklebten Sonderbeilage fernzuhalten.
Kabar e ennar t Jonas G i Die W
tt Olaf S c h i l ge
Kir mis n Matt alm Ju Empfohlen wird in zukünftigen Ausgaben zudem ein Sicherheitsab-
CK St O l i ve r ias Eng lia Stei
efan E i c h l i n g Mic hae n i g ew e stand von ca. fünf Seiten, weil unter Umständen auch die benachbarten
Vo g t elhar d
Stef f e t Pasca l Bittne
n Ha l Fr a n k r Nage Artikel infiziert sein könnten.
geman e Pe t e
n Pau r Fisc h Sie möchten jetzt vermutlich wissen, wie es dazu kommen konnte.
l Sch er Pr ol
epans ä
ky Ud Nun, es ist kompliziert, und eine vollständige Antwort würde den Rah-
o T
men dieser Kolumne sprengen, aber unter anderem sind folgende
Faktoren involviert: ein inkompetenter Arbeitsrichter, ein heimlich
gegrabener Tunnel, ein zu kurzes Passwort, viel Alkohol, zwei osteuro-
päische Prostituierte sowie ein verwackeltes Handyvideo.
Wie dem auch sei: Wenn Sie die oben erwähnten Sicherheitshinweise
beachten, dann bin ich optimistisch, dass sich der Schaden in Grenzen
halten wird. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Rudolf Sittner, Dipl.-Grafiker, Cottbus

Mit gesunden Grüßen

Chefredakteur
6 EULENSPIEGEL 1/19
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Zum Titel 12/18
D ie ganze Zeit sorgt unser Hel-
mut für blühende Friedhöfe
444ǽ!/"&(NJ"&+3"/NJ$ǽ!" und nun auch noch die Kandidatu-

DAS SATIREMAGAZIN
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64./72. Jahrgang Unbestechlich, aber käuflich!

renfrage. Frechheit! Wo hört Satire


12/2018
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auf, möchte ich Euch hiermit fra-
gen.
Roland Sattemann, Neunhofen
Wer weiß das schon.

D as ist eben der Unterschied zu


anderem Ex-Spitzenpersonal.
Die Legende Kohl dreht sich im
Grab nicht nur um, sondern greift
mit Auf-(er)stehen nochmal aktiv
ein. So erwirbt man zusätzliche Zu-
satzverdienste für die Heimat im
und über den Tod hinaus!
Noch ein Kandidat Richard Jawurek, Markkleeberg
So ist es.

G raust es uns denn nicht schon


genug mit/bei unseren Par- Zu: »Ein Stück weit ein Fotoalbum«
teien?
Dr. Udo Hagner, Gera
Nein.
war ist der überwiegende Teil
der Bevölkerung froh, dass die
Raute ihren Rücktritt angeboten
Z
hat, doch sind auf den Bildern, wel-

L asst ihm doch seine Ruhe. Ich


hätte da noch jemanden in
petto. Eine, aber leider nicht viel
che uns Atze Svoboda zusammen-
gestellt hat, auch einige positive
Merkmale zu erkennen. Es war
jüngere Frau: Carmen Nebel. Viel- nicht alles schlecht bei Merkel. So
leicht klappt’s ja wieder mit einer hat sie beispielsweise ihre Frisur
Kanzlerin aus dem Osten. deutlich verbessert. Ihr Stilberater
Wolfgang Triebel, Suhl hat es geschafft, dass sie die Mund-
Vorschlag: Angela Merkel. winkel nur noch selten nach unten
zieht. Die Hosenanzüge sind far-

W arum nur einer? Die Vorstel- benfroher als zuvor und haben sich
lung einer Auferstehung aus ihrer zunehmenden Fülle meistens
den Gräbern ist doch vor allem mit angepasst. Neben diesen positiven
der Erwartung eines Endgerichts Aspekten bleibt allerdings auch et-
verbunden, und da wären wir alle- was Bedauerliches. Es ist schade,
samt Kandidaten. Oder? dass sie sich eigentlich nie so rich-
Christian Wesenberg, Görlitz tig für Politik interessiert hat.
Drum gehet hin und sündigt fürder- Wolfgang Altpeter, Saarbrücken
hin nicht mehr! Oder besser für alle.

Die wirklich „wahren“ Geschichten,


des „Club 27“.
Von Alice Cooper,
Che
bis Kurt Cobain.
Hier online
www.present-package.de
8 EULENSPIEGEL 1/19
Post
Art getrimmten Zeichnung tippe tern recyceln Sie scheinbar auch
ich auf 1885. Liege ich richtig? Witze.
Rudolf Theil, Chemnitz Marcello Buzzanca, per E-Mail
Knapp daneben. Niemand recycelt hier Kaffeefilter.

Zu: »Die Opportunitäter« Zu: »Dicke Titten für alle«

D ass ein Aufrechter wie Bernd


Zeller seine mehr als berechtig-
ten Lügenpresse-Vorwürfe ausge-
M it ihren Blödmann-Fernseh-
Rezensionen spricht mir (ei-
nem kreativen und damit wenig
rechnet in einem linientreuen Main- Fernseh-konsumierenden Men-
stream-Blatt wie dem Ihren verbrei- schen) Frau von Senkbeil aus der
tet, ist eine echte Schande. Ist der Seele. Die Texte werden nur von
etwa auch schon gekauft? Dietmar Wischmeyer an Scharfzün-
Friedhelm Pötter, Meckelstedt gigkeit überboten – also Lob für die
Der arbeitet für lau. Autorin.
Thomas Tittel, Berlin

D urch die Straßen fließt der Eiter, Das Loben müssen Sie noch üben.
der Verkehr geht nicht mehr
weiter, und im Graben sieht man
Knaben, die sich an dem Eiter laben.
Heribert F., Monschau
D er Niedergang des EULENSPIE-
GEL ist offensichtlich! Im letz-
ten Heft gab es nur eine einzige
Können wir irgendwie helfen? nackte weibliche Brust! Die war zu
allem Überfluss auch noch von un-
Zu: »Die unglaublichen Grünen« serer Noch-Kanzlerin. Wie lustfeind-

I n Heft 3/2018 konstatierte Robert lich und prüde kann eine Redaktion
Habeck, dass es natürlich sein
könnte, dass sich Hans-Christian
sein? Denken Sie etwa, Ihre Leser
sind so alt, dass sie keine Erotik
Ströbele bei der ein oder anderen mehr vertragen? Für mich hat diese
Entscheidung im Grabe umdreht Verklemmtheit mit Satire nichts
und in der aktuellen Ausgabe sagt mehr zu tun! Können Sie diesbezüg-
jetzt auch Annalena Baerbock, dass lich nicht gegensteuern und mal
man nicht ausschließen könne, wieder was für Ihre Stammleser,
dass sich Hans-Christian-Ströbele nämlich die alten weißen Männer,
angesichts der einen oder anderen tun?
Entscheidung auch mal im Grab Adalbert Schwarz, Zwickau
umdrehen wird. Neben Kaffeefil- Was darf’s denn sein, Süßer?

Zu: »So wohnt die Elite« gen wird die Ware mit einer Spra-

W enn Arno Funke sein Kusnt-


werk noch ein wenig weih-
nachtlich ausschmücken könnte,
che angepriesen, die mich immer
wieder nötigt, bei Google nach ei-
ner Erklärung zu suchen.
z.B.: Weihnachtsbaum mit Finger- Begründet wird dies oft mit der
nägeln und Darmlametta (ist mir Aussage, auch junge Leute anzu-
ganz spontan eingefallen, ohne sprechen, wobei ich befürchte, ei-
arabische Wurzeln), dann würde nige sind nicht mal der deutschen
ich 20 Postkarten mit dem Motiv Sprache richtig mächtig. Workout,
für die nette Verwandtschaft be- Wellness, Weekend, World Wide
stellen. Web und wie sie alle heißen. Aber
Dirk Wedekind, per E-Mail das Schlimmste ist Eyecatcher – da
Sie wollen enterbt werden? schaue ich weg.
Edeltraut Götzl-Zwerenz,
Zu: Guido Sieber per E-Mail

W undert Euch bitte nicht wenn


sich das Max-Planck-Institut
Well done.

für evolutionäre Anthropologie zu


Leipzig bei Euch meldet, das Ihr ei-
nen Affen zum malen gebracht
A
uf die Bahn einzuprügeln ist ja
weiterhin in Mode (und zwar
schon, seit der erste Zug zwischen
habt ist schon erstaunlich. [Sic!] Nürnberg und Fürth fuhr). Was
Andreas Schröder, per E-Mail mich dann aber doch sehr verwun-
Manch einer versucht sich gar im dert: Robert Niemann schreibt in
Schreiben. seinem Text über die Deutsche
Bahn von Bordtelefonen, auf die
Zu: »Ölf Uhr fümpf« bei der Durchsage hingewiesen

D as Problem mit der sogenann- werde. Ich weiß ja nicht, wann


Peter Thulke (3)

ten Weltsprache und der Ver- Herr Niemann zuletzt Bahn gefah-
wendung von Anglizismen begeg- ren ist, aber in diesem Jahrhundert
net uns heutzutage überall. Und es kann es nicht gewesen sein. Zu-
nervt zunehmend mehr. In Katalo- sammen mit der auf altertümliche
EULENSPIEGEL 1/19 9
10
EULENSPIEGEL 1/19
Mock

Ari Plikat
Stephan Rürup
Markus Grolik

Uwe Krumbiegel
Alff
Mark Ormerod

EULENSPIEGEL 1/19
Modernes Leben

11
Piero Masztalerz Freimut Woessner
Zeit ansagen
Von unserem
Hauptstadt-
Korrespondenten

Atze
Svoboda

Leben und Tod …


… liegen manchmal sehr dicht beiei-
nander. Das wird mir immer wieder be-
wusst, wenn ich in die leeren Augen
unserer Kanzlerin blicke. Augen, von
denen ich weiß, dass sie dem Schnitter
ins unbarmherzige Angesicht blickten.
Ich war im Journalistentross dabei, als
an jenem Schicksalstag die Kanzlerin-
nenmaschine über der Nordsee um-
drehen musste, die uns alle eigentlich
zum G20-Gipfel nach Buenos Aires
hätte fliegen sollen. Ich habe Szenen
gesehen, die ich mein Leben lang
nicht vergessen werde.
Die Zeilen hier würden nicht genü-
gen, dieses Ereignis in seiner Dramatik
gänzlich zu schildern: die Tränen, das

Peter Thulke
Liebesgeständnis eines Regierungs-
sprechers an seine Chefin in der Ge-
wissheit des sicheren Todes und die
lieblosen Schnittchen, die der Bordser-
vice der Luftwaffe reichte und die bei- Empfehlung Wahr ist: Annegret
nahe meine letzte enttäuschende Friedrich Merz hat empfohlen, für die
Mahlzeit auf Erden gewesen wären. Kramp-Karrenbauer
Altersvorsorge Aktien zu kaufen. Er
Unerwähnt soll auch das sicherlich im ist neue CDU-
hätte da auch ein paar im Angebot,
Affekt ausgesprochene Todesurteil für Chefin.
die er gern loswerden würde.
Ursula von der Leyen bleiben, die für Unwahr ist: Merz
Ove Lieh
die Flugbereitschaft verantwortlich und Spahn gründe-
zeichnet. Kontinuität ten unmittelbar
Ich hänge nicht am Leben. Aber in Friedrich Merz bestritt, dass seine zahl- nach ihrer Nieder-
diesem Moment tat es mir um all die reichen Posten in der Wirtschaft einen lage die Männer-
guten Artikel leid, die Sie um ein Haar Interessenkonflikt für sein neues Amt Union für mehr
nicht mehr hätten lesen können. Man als CDU-Vorsitzender bedeutet hätte. Chancengleichheit
wird milde, wenn man mit jemandem In der Tat: Sie sind vielmehr die Vo- in der Partei.
so etwas Schreckliches durchgemacht raussetzung für dieses Amt. Patrick Fischer
hat. Die Bilder von Olaf Scholz mit ein- Erik Wenk
genässter Hose habe ich wieder von
meinem Handy gelöscht. Nach all dem,
was ich gesehen habe, nach dieser ein-
schneidenden gemeinsamen Erfah-
rung, habe ich Angela Merkel auch ver-
ziehen, dass sie mich nicht auf den Er-
satzflug einer Linienmaschine mit-
nahm. Ich würde sogar so weit gehen
Klaus Stuttmann

zu sagen, dass ich froh bin, dass die


Kanzlerin ihren Rückzug aus der Politik
bereits angekündigt hat. Nach allem,
was ich mit ihr erlebte, könnte ich nie
wieder ein schlechtes Wort über sie
verlieren.
Mario Lars

Gut, das habe ich auch vorher nie


getan, aber das hatte ganz andere
Gründe ...
12 EULENSPIEGEL 1/19
Kummer gewohnt

CNN
Einer neuen Umfrage zufolge belas-
tet eine Depression Partner und Fa-
milien von Betroffenen in hohem
Maße. In fast der Hälfte der Partner-
schaften komme es wegen einer De-
pression zu Trennungen. Nur die
SPD hält weiterhin an Andrea Nah-
les fest. Michael Kaiser

Wen der Hafer sticht


Ende November hat sich der frakti-
onsübergreifende »Parlamentskreis
Pferd« gegründet, dem neben An-
drea Nahles und Ursula von der
Leyen 23 weitere Abgeordnete bei-
getreten sind. Das Ergebnis des ers- Aber nicht so fest, Alter!
ten Treffens können Sie hier nach- Sonst fällt dir die Hand ab.
kochen: 5 Schalotten, 3 Paprika- Höhöhö
schoten, 200 ml Rotwein, 200 ml
Wasser, Thymian, Paprika edelsüß,

Carlo Dippold
Wacholderbeeren, Salz, Pfeffer und
500 g Gulasch vom Pferd. Alles in ei-
nen Topf und 4 Stunden lang kö-
cheln lassen. Carlo Dippold

Zeitpunkt
Die Thüringer Jusos haben
gefordert, dass sich die SPD
ihrer Geschichte stellen solle.
Und zwar, bevor diese zu
Ende ist. OL

110
In Nordrhein-Westfalen kön-
nen Polizisten ab dem
neuen Jahr einen Teil ihrer
Arbeitszeit von zu Hause ab-
leisten. Psychologen und Op-
ferschutzverbände warnen
schon jetzt vor einer drasti-
schen Zunahme häuslicher
Gewalt. Daniel Sibbe

Rechtsunten
467 Rechtsextreme sind laut
Bundesinnenministerium
derzeit untergetaucht und
können strafrechtlich nicht
belangt werden. 92 davon
mit politischer Immunität im
Bundestag. DS

Experiment beendet
Der chinesische Genforscher
He Jiankui, der Genmanipu-
lationen an Embryonen vor-
genommen hatte, ist ver-
schwunden. »Dieser Embryo
Teresa Habild

hatte sich nicht nach unse-


ren Vorstellungen entwi-
ckelt«, ließ die chinesische
Regierung mitteilen. EW

EULENSPIEGEL 1/19 13
Zeit ansagen
Wahr ist: Die deutschen Arbeit-
nehmer haben 2017 über zwei Mil-
liarden Überstunden angehäuft.
Unwahr ist: Etwa ein Viertel da-
von entstand durch die zähen Ko-
alitionsverhandlungen nach der
Bundestagswahl. PF

Deutscher glauben
Bundesinnenminister Horst Seehofer
will die ausländische Einflussnahme auf

Klaus Stuttmnn
Moscheen in Deutschland beenden.
Dann ist es wahrscheinlich nur noch
eine Frage der Zeit, wann er der auslän-
dischen Einflussnahme auf katholische
Kirchen durch den Vatikan einen Riegel
vorschiebt. MK

Auf Bewährung
Aufgrund stetig schwindender Besucher-
zahlen wird die Computermesse Cebit in
Hannover eingestellt. Die Stadt selbst soll
aber bis auf Weiteres geöffnet bleiben.
PF

Neue Berufe
Seit die Ukrainekrise zurück ist, rechnen
Experten wieder mit verstärkter pro-rus-
sischer Propaganda in den sozialen
Netzwerken. Das entsprechende Berufs-
bild: Krimfluencer. Dominik Mauer

Heim ins Reich

Harm Bengen
Alice Weidel wird ihren Wohnsitz in der
Schweiz aufgeben. Vermutlich war ihr
der dortige Ausländeranteil von rund 25
Prozent auf Dauer einfach zu hoch. PF

Ja, und er geht wieder mal steil! nen Namen längst auf dem Zettel nander auf, hört sich zu – DDR-Fee-
Sein Aufstieg im Politbetrieb war hat. ling im Outback. Ob ihm das ge-
schon kometenhaft. (Für kurze Zuletzt gab es wieder unschöne fällt? Klar ist, dass Krause nach ei-
Zeit bezeichnete man damals die Schlagzeilen. Spiegel-TV berichte- gener Aussage nicht den »abge-
Flugbahn von Kometen als krau- te über »Deutschlands bekanntes- halfterten DDR-Promi« geben
sehaft.) Im Sommer 1990 brachte ten Mietnomaden« – dem Ge- wird, der sich mit Bananen bewer-
der gelernte DDR-Informatiker schmähten, der ein Jahr recht kos- fen lässt. Für ihn sollten es schon
(sic!) den mit allen Weihwassern tengünstig (0  Euro warm) an der Kakerlaken sein.
gewaschenen Wolfgang Schäub- Mecklenburger Seenplatte resi- Hoffentlich kann Krause diese ein-
le dazu, dem Anschluss der BRD dierte, dürfte das Attribut ge- malige Chance im Dschungel nut-
an die fünf neuen Länder quasi schmeichelt haben. Nun wird Krau- zen. Der Erfahrung nach gibt es
bedingungslos zuzustimmen. se als erster Ex-Politiker – noch eine zwei Anschlussverwendungen:
Sein eigener Ruf litt gegen Ende Pioniertat – ins Dschungelcamp Arno Funke, der auch schon einmal
der Ära Krause (in Zahlen: 1992 einziehen. Dort will er zum Thema im Dschungelcamp war, zeichnet
und 1993) unter Affären um USA- Mietnomadentum und, falls zwi- heute Titelbilder für den EULEN-
MZ-WEB

Reisen mit Familie im Dienstjet, schen den RTL-Werbeblöcken Zeit SPIEGEL. Andere, wie Melanie Mül-
Putzfrauen und andere Lappa- für professorale Kurzvorträge ler, sind Dauergäste auf Erotikmes-
Lebt eigentlich lien. Er wandte sich schließlich
neuen Ufern zu, wurde Unter-
bleibt, zum Thema Deutsche Ein-
heit so einiges richtigstellen (Kohl
sen und eröffnen am Ballermann
Bratwurststände. Wo geht für Gün-
nehmensberater, Unternehmer, war schwul und Schäuble schenkte ther Krause die Reise hin? Man wird
GÜNTHER KRAUSE Vordenker in Sachen Energiege-
winnung (Stichwort Neutrinos
Krause einen Videorekorder).
Miete wird zum Glück im Dschun-
sehen. Aber die Anforderungen an
unsere Titelzeichner sind hoch …
und Insolvenzverschleppung). gel nicht verlangt. Es geht beengt,
noch? Gut möglich, dass Elon Musk sei- aber familiär zu; man passt auf ei- Patrick Fischer
14 EULENSPIEGEL 1/19
I’m not a Robot

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Verhindere Tierquälerei mit Deiner Menschlichkeit.


Auf noah.de
Zeit ansagen

Reifeprüfung
An einem hessischen Gymnasium ha-
ben offenbar Schüler heimlich Lehrer
fotografiert und deren Gesichter
dann in Pornoszenen hineinmon-
tiert. Die Schulleitung ist entsetzt
und erwägt rechtliche Schritte. Au-
ßerdem sollen die online kursieren-
den Bilder im Ethik-, Kunst- und Bio-
logieunterricht kritisch diskutiert
werden. DM

Andreas Prüstel
Stabile Mietpreise
Die Nachbesserungen bei der Miet-
preisbremse zeitigen erste Erfolge:
Bislang unbezahlbare Wohnungen
bleiben seither auf einem relativ sta-
bilen Niveau unbezahlbar. MK

Dicke Dinger
Von Pamela Anderson hat man lange
nichts gehört. Vor Kurzem machte sie
aber auf Twitter mit ungewohnten
Tönen von sich reden. Erst ordnete
sie die Gelbwesten-Proteste in Frank-
reich politisch ein, danach retwee-
tete sie sogar einen Artikel vom
Neuen Deutschland#. Hoffentlich re-
duziert man sie künftig nicht nur auf
ihre großen Parteiorgane.
Manfred Beuter

Burkhard Fritsche
Falscher Zeitpunkt
Nur rund ein Drittel der Heilpraktiker-
Anwärter besteht die Prüfung. Die
Durchfaller fangen einfach zu früh an,
Blödsinn zu erzählen. OL

Fußgänger*inampel
In seinem »Sprachlog« stellte der Anglist Anatol Man solle also »Kritiker in« sagen, wenn man periment Parklets in Stuttgart« waren die For-
Stefanowitsch im November 2018 einen neuen »Kritiker_in« oder »Kritiker*in« meine. »Ob es aller- scher*innen Kristin Lazarova, Basil S. Helfenstein,
Laut vor: »Interessant wird es beim Gendergap dings jemals zum Ruf ›Ist eine Ärzt in im Zug?‹ Raphael Dietz und Sophia Alcántara da vor
(Kritiker_in) und dem Gendersternchen (Kriti- oder dem Satz ›Liebe Mitbürger innen‹ kommen kurzem schon etwas weiter, indem sie von »Auto-
ker*in). Diese sind ja explizit nicht als Abkürzun- wird, ohne dass jemand fragt, ob die Mitbürger halter*innen« sprachen und nebenbei auch von
gen der Doppelform gedacht, sondern sollen die außen nicht mitgemeint sind, dürfen wir der we- der »Parklet-Paten*innenschaft« und sogar von
darin enthaltene Zweigeschlechtlichkeit durch- niger moralischen als sprachlichen Empfindlich- »Kunden*innen«, »Mitglieder*innen«, einer »Fuß-
brechen – die Lücke und das keit überlassen«, merkte die FAZ dazu an. Ver- gänger*innenzone« sowie allen Ernstes von einer
Sternchen sind hier Platzhalter wunderlich ist überdies der Umstand, dass »Fußgänger*inampel« – vermutlich zur vollen Zu-
für weitere mögliche Ge- friedenheit des Projektkonsortiums des »Future
schlechter. Dieser Platzhal- City Lab – Reallabor für Nachhaltige Mobilitätskul-
ter muss sinnvollerweise tur« der Universität Stuttgart, in dessen Namen

Goldene Worte
auch in der gesprochenen das Werk entstanden ist. Googelt man allerdings
Sprache signalisiert wer- »Genderquatsch«, so stößt man unverzüglich auf
den – und dafür hat sich die Tiraden rechtsradikaler »Anti-PC-Giftknilche«
schon seit längerem eine lin- (Max Goldt), und mit denen ist naturgemäß noch
guistisch interessante Lösung VON GERHARD HENSCHEL weniger gut Kirschen essen als mit den Nervensä-
etabliert. Das Sternchen und die Lü- gen von der Liga für Gendergerechtigkeit.
cke werden in der Aussprache durch einen Stefanowitsch, dessen besonderes Interesse nach Was also tun? »Einfach gar net ignorieren«, wie
stimmlosen glottalen Verschlusslaut wiederge- eigener Aussage »diskriminierender Sprache« gilt, es der österreichische Kaiser Franz Joseph I. emp-
geben – ein Laut, den wir produzieren, indem die Lücke und das Sternchen als »Platzhalter« be- fohlen haben soll? Vielleicht ist der gescheiteste
wir die Stimmlippen (›Stimmbänder‹) kurz voll- zeichnet hat und nicht als »Platzhalter_innen« Kommentar zu dieser Debatte ja tatsächlich ein
ständig schließen.« bzw. »Platzhalter*innen«. In ihrer Studie »Realex- stimmloser glottaler Verschlusslaut.

16 EULENSPIEGEL 1/19
I’m not a Robot

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Verhindere Tierversuche mit Deiner Menschlichkeit.


Auf noah.de
Operation am offe
Nein, es war nicht alles schlecht.
Dank Hartz wurde Deutschlands
Wirtschaft wieder fit gespritzt, die
Arbeitslosigkeit dramatisch gesenkt
und die SPD halbiert. Mehr kann
man sich von einer Sozialreform ei-
gentlich nicht wünschen. Und den-
noch muss das jetzt weg. Weil davor
alles besser war. Die gute, alte So-
zialhilfe war etwas, das man gerne
beanspruchte, auf das man noch
stolz sein konnte. Hartz IV hingegen
ist etwas, das an einem kleben
bleibt, das sich nicht mehr von der
Kleidung abwaschen lässt. Viele
verstehen unter H IV, so die offizi-
elle Abkürzung, nur noch einen Ma-
kel oder eine virale Immun-
schwächekrankheit. Dieses Demüti-
gungsinstrument, darin sind sich
alle Parteien einig, muss endlich ab-
geschafft oder vollendet werden.
Doch was kommt nach Fördern und

Freimut Woessner
Fordern? Alle Alternativmodelle im
Überblick.

Habeck IV: Knuddeln und Kitzeln


Beim Alternativvorschlag der Grünen handelt Merz IV: Fördern und Fronen
es sich um eine besonders radikale Abkehr Als asoziales Gewissen der CDU will
vom Bestehenden. Das alte Hartz-Motto »För- Friedrich Merz die Arbeitslosigkeit im
dern und Fordern« wird ersetzt durch das Ha- Land restlos ausmerzen. Armut widere
becksche Leitmotiv »Knuddeln und Kitzeln«. ihn an und gehöre nicht zur deutschen
Statt Arbeitslose mit Erscheinungspflicht und Leitkultur. Oberste Priorität räumt er der
anderen Schikanen zu tyrannisieren, sollen Entbürokratisierung ein. Der Inhalt des
Jobcenter mit verlockenden Anreizen kitzeln. Tausende Seiten dicken Sozialgesetz-
Überwachen und Strafen sind Tabu. Der buchs II soll zusammengekürzt werden,
grüne Bismarck, wie Habeck vom wertkonser- bis er auf einen Bierdeckel passt. Ar-
vativen Flügel ehrfürchtig genannt wird, beitslose gilt es schnell und unbürokra-
setzt auf glutenfreies Zuckerbrot ohne Peit- tisch weiterzuvermitteln, damit bald je-
sche. Leistungsverweigerung soll sich in der von ihnen in mindestens fünfzehn
Deutschland endlich wieder lohnen. Habeck Aufsichtsräten sitzt. Merz, der Selfmade-
plädiert für eine arbeitsmarktpolitische Ener- milliardär, der sich selbst zur überhebli-
giewende: Wie alle Rohstoffe müssen auch chen Mittelschicht zählt, setzt sich ein
die eigenen Kräfte geschont werden. Durch für die Abschaffung des Lohnsektors
die Einführung eines bedenkenlosen Grund- und einen Aktienzwang für alle. Noto-
einkommens soll jeder Bürger im erwerbsun- risch erfolgslose Aktionäre sollen sich
willigen Alter in die Lage versetzt werden, nützlich machen dürfen durch Hofgar-
tenpflege und Dienstbotengänge. Im
Andreas Prüstel

eine Schonhaltung einzunehmen, sich als


Schriftsteller zu versuchen oder als Bundes- Gegenzug bieten ihnen die Privilegier-
vorsitzender einer utopistischen Sekte. ten Schutz (vor Wirtschaftsflüchtlingen)
und Wohltaten (Blackrock-Derivate).

18 EULENSPIEGEL 1/19
nen HARTZEN
Scholz IV: Fördern und Befördern
Für die Urenkel von Gerhard Schröder
ist die Beschäftigung mit der sozialen
Frage Neuland. Deswegen tat sich die
SPD auch sehr lange sehr schwer, eine
gemeinsame beziehungsweise eine Li-
nie zu finden. Aus Respekt vor dem letz-
ten SPD-Kanzler aller Zeiten soll die
Agenda nicht in Bausch und Bogen ver-
dammt werden. Stattdessen unterzieht
sich die Partei einer gemäßigten Ent-
hartzungskur: Aufstocker sollen ab so-
fort so viel, wie sie wollen, dazuarbeiten
dürfen, solange sie dabei nichts hinzu-
verdienen; Ein-Euro-Jobber erhalten
nicht mehr nur einen Euro Stundenlohn,
sondern zwei Euro für drei Stunden
(»Doppel-Hartz«). Auch der schroffe Rat-
schlag des Ex-Parteichefs Kurt Beck an
einen Arbeitslosen wird abgemildert.
Beck sagte einst, wer Arbeit wolle, solle
sich waschen und rasieren. Künftig
reicht alleine rasieren. Und schließlich
wird der Kündigungsschutz wieder ver-
schärft – unter dem Leitmotiv »Fördern
und Befördern«: Jeder Mensch hat eine
zweite Aufstiegschance verdient (»Mo-
dus Maaßen«). Am wichtigsten ist der
Parteiführung aber, diesmal keine Ge-
nossen zu verschrecken. So lasse man

Petra Kaster
sich mit der neuen Agenda (»Andrea
3010«) bewusst viel Zeit. Bloß nichts
überstürzen!

Mario Lars

EULENSPIEGEL 1/19 19
Operation am offenen HARTZEN
Lindner IV: Fesseln und Knebeln
Die FDP hielt die Agenda 2010 schon immer für
Sozialromantik pur und dringend überholungs-
bedürftig. Wer angesichts von Fachkräftemas-
senmangel ohne Job ist, begeht nach ihrer Auf-
fassung ein Verbrechen und muss mit aller
Härte des libertären Nachtwächterrechtsstaats
bestraft werden. Was an Zeitarbeit schlecht
sein soll, eschließt sich den Liberalen nicht.
Schließlich seien auch Abgeordnete nur Arbei-
ter auf Zeit und würden nicht ständig deswe-
gen rumjammern. Wichtigstes Kernelement ih-
rer Hartz-Reform: Die Jobagenturen werden pri-
vatisiert. Job-Dominas und Exportladies sollen
Arbeitslose rund um die Uhr betreuen, unter
Druck setzen und erniedrigen. Die Kosten für
den Service trägt natürlich König Kunde.

Andreas Prüstel
Gauland IV: Fördern und Foltern
Auch die AfD sieht in der Gerechtigkeitsfrage
das Megathema der Gegenwart – direkt nach
der Flüchtlingskrise und dem Versailler Vertrag.
Die Ausgrenzung von Hartz-IV-Empfängern
müsse ein Ende haben. AfD-Chef Adolf Gauland
würde nach eigenen Aussagen lieber einen an-
ständigen Hartzer als Nachbarn haben als einen
Jeremias Boateng. Das Arbeitslosengeld II
müsse deutlich angehoben werden, die bisheri-
gen Sätze bezeichnete Gauland als »Vogel-
schiss«. Jedenfalls sei im Dritten Reich das Ar-
beitslagergeld deutlich höher gewesen. Um den
vielen Wirtschaftsflüchtlingen Herrenmensch zu
werden, soll Diebstahl von Arbeitsplätzen als
neuer Straftatbestand eingeführt werden. Mit
Haut und rasierten Haaren tritt die AfD für eine
Quote ein: 100 Prozent Deutsche in Vorständen,
Aufsichtsräten und anderen Führerämtern.

Sahra IV: Wagen und Knechten


Für die Stiefenkel von Gerhard Schröder ist
Hartz IV eigentlich ein »Geschenk« (Gauland),
denn neben Unternehmerkaste und Finanzkapi-
tal war die Linke die große Gewinnerin der Re-
formagenda. Trotzdem will sie Schröders Le-
benswerk einreißen. Allerdings warnt sie vor
dem beliebten Fehler, den ersten Schritt vor
dem zweiten zu machen. Bevor man sich an
den Hartz-Sätzen zu schaffen macht, sollen zu-
erst die Banken zerschlagen, die Industrie ver-
staatlicht und ein tragfähiger Fünfjahresplan er-
Lothar Otto

arbeitet werden. Das Sozialgesetzbuch II, ein


Leichtgewicht von wenigen tausend Seiten, soll
ersetzt werden durch die 114 Bände Gesamt-
ausgabe von Friedrich Engels und Karl Hartz.

Florian Kech

20 EULENSPIEGEL 1/19
Anzeigen · Veranstaltungen

Satirisches Theater und Kabarett e.V.


Wolle was komme
Ratskeller/ Marktplatz 2a · 15230 Frankfurt/Oder
mit
www.oderhaehne.de Marion Bach
und
Hans-Günther
Spielplan Dezember: Pölitz
Alles Balla Balla –
Die Showtherapie
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11./12. und 25. Januar ist auch daneben
17. und 24. Januar mit Marion Bach und Heike Ronniger
15 Uhr am Piano: Christoph Deckbar / Oliver Vogt

Friede-Freude-Eierphone
31. Januar
In Würde albern
26. Januar Wir bringen
uns in Form
Wir sind nicht alt! Aber sexxy! mit Lothar Bölck
The Best of Irmchen und Trudchen und Hans-Günther
5. Januar – 15 Uhr Pölitz

Gastspiel am 13. Januar – 16 Uhr


Lesung mit Ursula Karusseit
ZWICKMÜHLE PRÄSENTIERT
Wege übers Land
und durch die Zeiten Manfred Breschke
„Wie kommt das Loch
Gastspiel am 18. Januar ins Portmonee“
Uwe Steimle “Heimatstunde“ 18. Januar

Gastspiel am 19. Januar Thomas Reis


Lothar Bölck „DAS DEUTSCHE REICHT“
“Pfortissimo – Rest of Pförtner“ 19. Januar

Der Spielplan: www.zwickmuehle.de


Vorstellungsbeginn ist um 20 Uhr
Magdeburger Zwickmühle
Ticket-Hotline: 03 35 / 23 7 23 Leiterstraße 2a, 39104 Magdeburg
Telefon: (03 91) 5 41 44 26

TICKETLINE: (030) 5 42 70 91

NEUJAHRSKONZERT
DER MUSIKALISCHEN
KOMÖDIE
Sa „Berlin trifft Wien“
12.1. Mit Stars des Berliner
Metropoltheaters
15.00

MARTHA PFAFFENEDER
& CHRIS SCHACHNOWSKI
So „Eine Reise in den Süden“
mit Schlagern der 50-, 60-
13.1. und 70er Jahre
16.00

DR. GREGOR GYSI


Di liest aus seiner Autobiographie
„Ein Leben ist zu wenig“
15.1.
19.30

MONIKA HAUFF &


KLAUS-DIETER HENKLER
Sa „Die große Jubiläumstour:
19.1. 50 Jahre Live“

16.00

WENN DIE NEUGIER


NICHT WÄR´ ...
Sa Gast bei Barbara Kellerbauer:
Schauspieler
26.1. Stephan Grossmann
19.00

22 EULENSPIEGEL 1/19
IN LAND.
DE
Liebe Ausländer,
meinem persönlichen Gefühl nach sind Sie leider zu DEINE
viele. Deswegen hat mein Ministerium beschlossen, eine

K UNFT.
ZU
Rückreisekampagne ins Leben zu rufen. Titel: »Dein
Land. Deine Zukunft. Jetzt!« Das bedeutet, dass, wenn
Sie sich entscheiden, Deutschland zu verlassen, viele at-
traktive Angebote auf Sie warten! Wer jetzt schnell ist
und bis zum 31.12.2018 verschwindet, der kann von un-
seren Sonderaktionen profitieren! Sie erhalten neben
der Reisekostenerstattung bis zu einem Jahr Wohnför-
JETZT!
derung im Herkunftsland, einen Jutebeutel und das
limitierte Horst-Seehofer-Amulett aus dem Achat-
Schutzstein, das seinem Träger Sicherheit, Vertrauen,
Mut, Kraft, Energie und beste Chancen bei seiner frei-
zügigen Büroleiterin beschert. Greifen Sie sofort zu!
Wir haben in dieser Infobroschüre zusammenge-
stellt, was Sie in Ihrem Herkunftsland für
wunderbare Erlebnisse erwarten.

Einen gesegneten Heimflug


wünscht Ihr Syrien –
Home, sweet Homs
Horst Seehofer
Hey, alleinreisender männlicher Syrer!
Haben Sie sich schon mal gefragt,
wo die syrischen Frauen sind, deren
Einreise wir mit dem verschlepptem
Familiennachzug verhindern? Richtig,
die sitzen zu Hause rum und warten
darauf, dass ihnen jemand richtig
den Aufbau besorgt! Kommen Sie
deshalb mit uns auf unsere beliebte
Syrienrückreise! Dort sind in vielen
Haushalten die Sanitäranlagen durch
Fassbombenangriffe zerstört. Deshalb
sehnen sich die Damen echte Männer
herbei, die ihnen ein richtiges Rohr
verlegen können. Aber warum liegt
hier überall Schutt? Und warum hast
du eine Maske auf? Ach ja, wegen
der Giftgasangriffe
von Assad ...

EULENSPIEGEL 1/19 23
Marokko – Träume von 10
Wie sich die Zeiten ändern! Vor wenigen Mo-
naten flüchteten noch unzählige von ihnen
nach Deutschland. Doch nun ist Marokko
wieder DER Geheimtipp für alle Homosexuel-
len! Genießen Sie auf dieser ganz besonde-
ren Erotik-Rückreise das Prickeln einer nicht
ganz durchsichtigen rechtlichen Lage! Wird
man verhaftet, wenn man mit dem Liebsten
Händchen hält, wie es das marokkanische
Gesetz fordert? Oder gerät man nur an einen
»ganz, ganz bösen« korrupten Polizeibeam-
ten in hautenger Uniform und sexy Schnauz-
bart, der einen nach Zahlung eines Schmier-
geldes (Feilschen nicht vergessen!) laufen
lässt? Die Ungewissheit sorgt für den eroti-
schen Kick in Marokko!
Auf diesen ganz speziellen Trip ans andere
Ufer des Mittelmeeres unterstützt Sie das In-
nenministerium zusätzlich mit drei analfesten
Kondomen und einer pinken Federboa.

Afghanistan – Bumm! Jemen – Sicherheit auf


In Deutschland erfreuen sich die Osteuropa-Böller ganze Post! Und während beim fröhlichen Hantieren Es gibt keine falschen Rückreiseziele, es
höchster Beliebtheit. Doch wussten Sie, dass es öst- mit Osteuropa-Böllern höchstens ein Finger verloren gibt nur die falsche militärische Ausstat-
lich von Osteuropa noch viel bessere Böller gibt? Af- geht, sind nach der Explosion eines typischen Afgha- tung! Auf Ihrer Reise nach Jemen unter-
ghanistan hat eine ganz eigene Explosionskultur. Hier nistan-Böllers Ihre Körperteile in ganz Kabul verstreut. stützt Sie unser Programm jemenfalls mit
herrschen das ganze Jahr Zustände, die man sonst nur Lassen Sie es krachen und fliegen Sie noch heute in einem fast funktionstüchtigen Panzer der
in der Silvesternacht in Berlin-Neukölln erleben kann. die Luft! Leopard-Reihe. Darin sind Sie so lange
Beschränken Sie sich nicht mehr auf die sinnlose Zer- sicher, bis er spontan explodiert. Die
störung von Briefkästen! Sprengen Sie doch gleich die Rückgabe an die Bundeswehr ist leider

Kosovo – Alles da!


Der Kosovo ist mittlerweile ein
Land des Überflusses. Die kosova-
rischen Behörden haben extra für
Sinti und Roma ein Sofortpro-
gramm aufgelegt. So erhalten Sie
nicht nur von der Bundesregie-
rung das Geld für Ihr neues was-
serdichtes Vier-Mann-Zelt, Sie
dürfen sich auch kostenlos auf
den Wohlstandshalden des Lan-
des bedienen. Es ist schon er-
staunlich, was man dort alles fin-
det: ein angebissener Apfel hier,
ein paar Kartoffelschalen dort. Die
Verpflegung im Kosovo kann sich
mit jedem Mittagessen in einem
deutschen Auffanglager messen!
Und sollte doch jemand Angst vor
den hygienischen Zuständen ha-
ben: Die nächste ethnische Säu-
berung kommt bestimmt.

24 EULENSPIEGEL 1/19
01 Mann Türkei – Stille genießen
All jene, denen das hektische Treiben in den
deutschen Großstädten auf die Nerven geht,
finden in der Türkei Ruhe und Entspannung.
Unter Präsident Erdogan profitieren in dem
Land immer mehr Menschen von den neu ge-
schaffenen Ruhezentren. In der sogenannten
Isolationshaft können Sie endlich wieder zu
sich selbst finden. Hier gibt es keinen nervigen
Smalltalk über das Wetter, die Benzinpreise
oder die Menschenrechtsverletzungen in den
Kurdengebieten. Auf dieser Rückreise lernen
Sie vor allem sich selbst kennen und können
ganzheitlich auf sich, Ihre Seele und den Fuß-
boden achten. Die beiden metallenen Armbän-
der weisen Sie als All-Inclusive-Reisenden aus,
dem jeden zweiten Tag eine kostenlose Mahl-
zeit direkt an die Türluke gebracht wird!

panzer Linie
ausgeschlossen und die etwaige Verschrottung muss vor
Ort stattfinden. Solange er funktioniert, können Sie wun-
derbare Stunden in der Fahrerkabine genießen. Betrachten
Sie Ihre Heimat aus einer ganz neuen Perspektive durch
das Hauptzielfernrohr mit aktivem Wärmebildgerät! So
werden auch Besuche bei der Schwiegermutter, beim Fi-
nanzamt oder bei dem für Sie zuständigen Warlord zum
Kinderspiel.

Israel – Die gelobte Ausreise


Die Lage für Juden in Deutschland hat sich in den letzten
74 Jahren glücklicherweise signifikant verbessert. Doch
wer weiß, was passiert, wenn die Mehrheitsverhältnisse
in den Parlamenten die CSU über kurz oder lang dazu
zwingen, mit der AfD zu koalieren? Wir im Innenministe-
rium sind keine Antisemiten. Und weil wir das nicht sind,
würden wir allen Juden eine frühestmögliche Ausreise ins
gelobte Land empfehlen! Lernen Sie das moderne Israel
kennen! Genießen Sie das weltoffene Tel Aviv, wo jeder
ungestört seiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen kann.
Egal, ob Sie durch die Straßen flanieren, den Stadtstrand
genießen oder einfach nur ein bisschen schachern und
danach hinterrücks einen Heiland ermorden wollen: Hier
können Sie alles erleben! Stecken Sie also noch heute
Ihre krumme Nase in unsere Rückreiseinformationen,
schnallen Sie Ihr Judengold auf Ihren krummen Buckel
und setzen Sie sich humpelnderweise in Bewegung, um
dabei zu sein, wenn Horst Seehofer für Sie das Meer teilt!

Andreas Koristka
Bilder: Fotolia, Wiwo

EULENSPIEGEL 1/19 25
Unsere Besten

D
as Auto ist der beste Freund des Men- ler, Motorradfahrer sind! Würden sie Auto fahren, Echte Menschen hingegen kennen die Regeln
schen! Auf diesen Satz hat Andreas würde die Zahl der Straßenverkehrsopfer sich und zahlen deshalb jedes Jahr brav fünfeinhalb
Scheuer sein Leben gestellt, seit er den- also mehr als halbieren; ja, die Ziffer könnte bald Milliarden Euro zu viel, weil ihr Blechesel mehr
ken und noch viel besser fahren kann. Das Auto, auf Null einschrumpfen, wenn alle auf fahrer- säuft als hoch und heilig versprochen. Etwa die
dein Freund und Helfer, darauf hört sein zweites loses Fahren setzen und selber zu Hause bleiben! Hälfte, das muss auch mal gesagt werden, fließt
Motto, das ihn aus dem hintersten bayerischen Er, Andreas Scheuer, weiß so was aus dem Hand- allerdings in die Taschen des Staates, der sich so
Passau bis ins hohe Berlin gesteuert, ja gerade- gelenk, ist er doch in Tateinheit auch Minister für auf Kosten der Allgemeinheit bereichert und die
wegs – ein Schmunzeln zerrt kurz an seinem Ge- schonungslose Digitalisierung. hart arbeitenden Mineralölkonzerne um ihren
sicht – gescheuert hat. Dem Auto verdankt er Oder die dummen Stickoxide. Gut und gerne Anteil schneidet. Scheuers Gehirn fängt an zu ju-
jene Mobilität, die ihn über die Zwischenstopps 6 000 Menschen sterben an ihnen vor dem Stich- cken.
als Mitglied im Verkehrsaussschuss, Staatssekre- tag, rund einer Million welken Herz und Lunge. »Ich sehe meine Arbeit als Dienstleistung am
tär für Verkehr und Stadtentwicklung, Koordina- Man weist mit ausgestreckter Zunge auf die Au- Bürger«, bricht sich tief in ihm ein Witzwort Au-
tor für Güterverkehr und Logistik, Leiter der CSU- tokonzerne, doch er, Andreas Scheuer, benennt tobahn und flutscht heraus. Eine weitere Idee
Verkehrskommission und ersten Vorsitzenden die wahre Ursache: weil die armen Schadstoffe kommt ihm hoch: dass seit jeher »in Bayern eine
des deutschen Schmalzlockenvereins ohne ei- an prall befahrenen Straßen, überbevölkerten Koalition mit den Bürgern« am Schaltknüppel
nen einzigen tödlichen Unfall ins Cockpit des Kreuzungen und auf von Bussen überschwemm- sitzt und nun auch in Berlin! Die Tachonadel mar-
Bundesverkehrsministerium führte. ten Busbahnhöfen gemolken werden. Als wenn schiert in Höhen, wo die Luft dünn wird.
Wenn er sich heute hinter das Lenkrad seines in einem Park oder auf einem Stadtfriedhof Dass er kein geölter Auto-Lobbyist ist, beweist
BMW schiebt, den Zündschlüssel dreht und den keine Menschen kreuzten, die geschützt werden ihm schon der Umstand, dass bei Frankfurt am
Motor weckt, weiß Andreas Scheuer um seinen müssen! Andreas Scheuer schüttelt den hellen Main dieser Tage wieder fünf Hektar Wald abge-
Schutzengel, der ihn auf seiner gut ausgebauten Kopf und lässt seinen altguten BMW, Baujahr saugt werden, um Platz für den frischen Terminal
Lebensbahn vor jeder Schramme innen und au- 1987, aufheulen, denn es stinkt zum Himmel, wie 3 zu machen: Da geht es nicht ums Auto,
ßen beschirmt hat – und nicht nur ihn. Mindes-

Ohne Tote
tens ein zweiter Mensch verdankt ihm Glück, Ge-
sundheit und Leben, und der weiß mit keiner ein-
zigen Faser seines Herzens davon! Scheuers Ge-
danken drehen ab, wandern zurück in die Ge-
schichte seiner einschlägigen CSU:
Einen ganzen Menschen nämlich hätte An-

nach Berlin
dreas Scheuer betrunken auf der Autobahn Mün-
chen-Nürnberg totfahren müssen, um bayeri-
scher Verkehrsminister zu werden. Otto Wiesheu
hatte es geschafft, indem er am 29. Oktober 1983
kraft seiner übernatürlich großen Limousine und
mithilfe von 1,99 Promille frischem Alkohol in
den Adern einen polnischen Rentner in dessen
mikroskopisch kleinem Polski-Fiat zusammenfal- absurd die Feinde eines gesunden Straßenver- sondern ums Fliegen. Dass das die klimaschäd-
tete. Das CSU-Talent musste eine – ebenfalls kehrs argumentieren. lichste Art der Fortbewegung ist, wie das irre Um-
kaum sichtbare – Bewährungsstrafe von einem Scheuer aber weiß: Autos sind die besseren weltbundesamt behauptet, ist viel zu niedrig ge-
Jahr an sich vorübersausen lassen, dann wurde Deutschen, und drückt auf die Tube, lässt men- dacht. Wollen die Umweltfreaks denn in 10 000
die Karriere repariert und Wiesheu als blitzblank schenfeindliche Tempolimits und Fahrverbote Meter Höhe mit dem Auto langfegen? Unfug!
polierter Verkehrsminister in München einge- gedanklich immer schneller hinter sich. Eine Idee Die grauen Zellen in Scheuers Schädelkalotte
parkt. breitet sich in ihm aus, während er weich in sei- tanzen erregt umeinander.
Er dagegen, Andreas Scheuer, konnte unter Ein- nem Sitz klebt: Irgendwann, das ist die digitale Ähnlich erregt waren sie nur, als 2015 riesige
haltung der Straßenverkehrsordnung in Berlin Zukunft des Verkehrs, werden Mensch und fahr- Flüchtlinge Deutschland verstopften. Zu Fuß!
einparken. Es war eben eine Win-win-Situation für barer Untersatz zusammenwachsen, und dazu Wie musste er damals als CSU-Generalsekretär
ihn und den oben angetippten großen Unbe- brauchen die Autos uns! der Kanzlerin ins Lenkrad greifen, damit der Per-
kannten! Während andere Christsoziale schon Fakt ist: Autos leben auf Straßen wie niemand sonenschaden nicht sogar auf mehr als eine Mil-
mal einen über den Durst tankten wie der Regens- sonst. Kaum war Andreas Scheuer gut ange- lion anwuchs!
burger Kommunale Herbert Schlegl oder der schnallt in seinem Ministeramt angekommen, Scheuers Fuß dagegen befindet sich immer
Landtagsabgeordnete Philipp Graf Lerchenfeld, wurden Befürchtungen ausgespuckt, er wolle am richtigen Platz: am Gaspedal. Doch was ist
die mit Bier im Blut kutschierten oder ausnahms- vor seiner Haustür in Niederbayern weitere Au- das?! Die Tachonadel schrumpft, der Motor bläst
weise andere Drogen einschaufelten wie der tobahnen und Bundesstraßen hochzüchten und leiser und leiser, die Landschaft draußen wird im-
gleichfalls im Landtag einsitzende Peter Weinho- die eigene Heimat bis zum Hals zubetonieren. mer langsamer?
fer, der mit Valium im Kopf durch die Vorgärten Das will kein Mensch, selbst Andreas Scheuer Scheuers friedhofblonder BMW steht. Still ruht
karriolte, und so weiter und mit Affenzahn so fort. nicht! Aber er muss, damit jeder Mensch auf sei- der Motor, kein Mucksmäuschen kommt mehr
Andreas Scheuer aber hatte es sich in seinem nem Weg zur Arbeit klinisch reine Straßen unter aus ihm. Und auch Scheuers aufgeheiztes Gehirn
Ministeramt zur Aufgabe gemacht, solcherlei Kli- seinen vier Rädern hat – und nicht, ein Grinsen kühlt sich langsam ab. Er blickt durch die Schei-
schees über die CSU abzubocken, Vorurteile tie- flutet Scheuers Gesicht bei diesem locker hervor- ben nach draußen: Dort steht weit und breit nur
ferzulegen und falsche Meinungen auszubrem- gewürgten Einfall, über holprige Wiesen, schlag- Natur herum. Was bloß will sie ihm damit sagen?
sen. Da spukt z.B. die Zahl von über 3 000 Ver- lochgespickte Felder und naive Waldtiere bret-
kehrstoten in Deutschland herum – von denen tern muss, die ganz wie kleine Kinder die Ver- Peter Köhler
in Wahrheit mehr als die Hälfte Fußgänger, Rad- kehrsregeln nicht kennen! Zeichnung: Frank Hoppmann
26 EULENSPIEGEL 1/19
28 EULENSPIEGEL 1/19
Zeit geist

Beck

EULENSPIEGEL 1/19 29
Land of Nicht, dass es keine guten Gründe
gäbe, Großbritannien aus der EU zu
schmeißen. Bei Licht besehen, gibt
es sogar genug Gründe, um das
Land nach einer möglichen Rück-

hope ...
kehr in die EU gleich noch einmal
rauszuwerfen. Immer wieder, wenn
es sein muss. Aber muss es nicht,
denn die Briten treten selber aus.
Ein Ereignis, das noch Fragen auf-
wirft wie zum Beispiel diese:
Kann der Brexit noch abgewendet werden?
Zum einen will das niemand ernsthaft, zum an-
deren war die Abstimmung ein Ergebnis der
unabänderlichen britischen Mentalität, näm-
lich eine Folge des berühmten schwarzen Hu-
mors. Denn wenn die Briten etwas können,
dann ist es Ironie. Und weil sie ein gewisses Ta-
lent für Verwechslungen haben – man be-
trachte nur den Linksverkehr, der eine Folge
dessen ist, dass sie bei Rover und Austin in den
Anfangsjahren des Automobils das Lenkrad
versehentlich auf der falschen Seite eingeklebt
hatten. Weil es der britische Stolz verbietet,
Fehler zuzugeben, blieb es dabei, bis heute.
Und darum bleibt es auch beim Brexit.
Wieso waren die Verhandlungen so schwierig?
Es fühlte sich für die Briten nie so an, als wären
sie Mitglied der EU; eher war die EU Teil des Bri-
tish Empire. Wenn also jemand hätte austreten
können, dann die EU. Vor diesem Hintergrund
fanden die Verhandlungen statt. Der Austritts-
vertrag liest sich daher auch eher wie ein Still-
halteabkommen, gemischt mit ein bisschen
»Der kleine Lord« und »Britannia rule the wa-
ves«. Im Grunde soll erst einmal alles bleiben,
wie es ist, und später ändert sich vielleicht mal
was.

Wie läuft der Austritt technisch gesehen?


Viele Fragen auf diesem Gebiet sind noch nicht
mal im Ansatz gelöst, insbesondere die nach
dem Wohin: Wohin mit den Britischen Inseln,
das heißt, wie schleppt man sie aus Europa hi-
naus und wo schleppt man sie hin? Ins Nord-
meer oder doch besser in Richtung Pazifik? Lie-
ßen sie sich eventuell, wie eine ausgediente Öl-
plattform, einfach versenken? Dann hätte man
von den Klippen der Normandie endlich einen
freien Blick übers Meer bis nach Island, auf Po-
nys und Geysire! Und den Kontinentaleuropä-
ern ginge nichts verloren. Mag jemand Por-
ridge? Schaumloses Labberbier? Fish and
Chips? »Last Christmas« oder BSE?

30 EULENSPIEGEL 1/19
... an
Wer darf noch einreisen? Bombardierung Dresdens. Die weltumspan- Lässt die EU die Briten einfach so ziehen?
Niemand. Es gibt auch nicht mehr viele, die das nende Dankbarkeit dafür hat spürbar nachge- Natürlich versuchte man in Brüssel alles, um
wollen. Den britischen Alltag unterscheidet lassen. Es wäre an der Zeit, dass auf der Insel dies zu verhindern. Naja, zumindest das ein
nämlich schon seit Langem nicht mehr viel von mal wieder etwas ausgeheckt wird, das interes- oder andere. Was die wenigstens wissen: Die
dem eines Dritte-Welt-Landes. Nur noch ein santer ist als Bitter-Orangen-Marmelade, das EU-Kommission hat sogar vorsichtig beim russi-
paar kleine Nachjustierungen sind nötig, und Tragen weißer Tennissocken zu braunen San- schen Multimilliardär Roman Abramowitsch an-
die öffentliche Infrastruktur, der Nahverkehr, dalen und die auf Dauer nur mäßig unterhalt- gefragt, ob er das Vereinigte Königreich nicht
das Gesundheitssystem und die Arbeitnehmer- same Idee, dass die Queen erst abtritt, wenn ihr kaufen möchte, vielleicht als Geburtstagsge-
rechte können sich mit jeder afrikanischen Sohn älter ist als sie. schenk für die Gattin, die es dann der EU per
oder südamerikanischen Region messen. Au- Leasingvertrag überlassen könnte. Doch über
ßerdem soll der britische Genpool so über- Hält die Wirtschaft die Trennung aus? seine Unterhändler ließ Abramowitsch ausrich-
schaubar bleiben, wie er ist. Das interessiert doch niemanden. Viel wichti- ten, er schenke seiner Frau nur Sachen, über
ger: In sportlicher Hinsicht haben die Briten die die sie sich auch wirklich freut.
Wieso hat die EU dem Austritt nicht bedin- Loslösung von Europa und dem Rest der Welt
gungslos zugestimmt? längst vollzogen. Abgesehen von der Premier Das war’s dann also?
Die EU ohne Großbritannien, das schien vielen League, ein wegen des besseren Rasens nach Ja, wenn nicht noch mal abgestimmt wird.
wie Shake ohne speare, wie Spice ohne girls, England outgesourctes Freizeitvergnügen rus- Dann wird es nicht mehr zu verhindern sein:
wie Karneval ohne Prinz Harry im Nazi-Kostüm. sischer Oligarchen und arabischer Ölscheichs, Die Briten bleiben zukünftig unter sich. Und da-
Man wollte die Briten unbedingt dabei haben gehen sie im Grunde nur noch endemischen rum sind sie nicht zu beneiden.
wie Reizgas bei einem Treffen mit Wayne Roo- Sportarten nach. Diese sind einzig auf der Insel
ney. Dabei sind die letzten vernünftigen Ideen, heimisch, und die Sieger zwangsläufig Briten: Robert Niemann
die aus England kamen, schon eine Weile her: Rugby, Cricket und Theresa Mays Robotertanz- Zeichnungen: Burkhard Fritsche
die Dampfmaschine, der Fußballsport und die Ambitionen.

nd Austritt EULENSPIEGEL 1/19 31


Meistens etwas verstockt
EULENSPIEGEL: Herr Dr. Müller, Sie sind Eliten- Fahrer seine Steuern entrichtet. Was meinen Sie, W
ohlhabende sind in der Bun-
desrepublik Deutschland
nicht wohlgelitten. Sie sind
Forscher und haben damit Einblicke in eine Welt, wo wir Eliten-Wissenschaftler unsere Forschun- neben Ausländern, Sachsen und Mario-
die für die meisten Menschen unzugänglich ist. gen durchführen? Wir fahren morgens zwischen Gomez-Fans, die Minderheit, die am häu-
Ab wann darf man sich denn zur Elite zählen? 7 und 9 Uhr mit dem Bus. Da hocken sie alle dicht figsten Anfeindungen ausgesetzt ist. Fah-
Dr. Müller: Viele, ich sage mal: einfachen Leute gedrängt. Nirgendwo sonst finden Sie so viel Elite ren sie durch die Stadt, sind die Scheiben
haben ein verzerrtes Bild der Elite. Bei der Diskus- auf einem Haufen. ihrer Limousinen getönt, damit sie sich
sion über Friedrich Merz’ Vermögen und Einkom- nicht den aggressiven Blicken ihrer Mit-
men konnte man das gut beobachten. Nur weil Und wie sind diese Leute so? menschen aussetzen müssen. Aus Scham
einer ein, zwei Flugzeuge, einen englischen Meistens etwas verstockt. Wenn wir da mit un- hüllen sie sich in Büßergewänder aus
Zweitliga-Verein oder ein ausgefallenes Raclette- seren weißen Kitteln zusteigen, sind wir ja gleich
feinstem Zwirn und werfen beim Austern-
Set sein Eigen nennt, gehört er noch lange nicht als Wissenschaftler erkennbar. In der Regel
zur Elite. wollen die unter sich bleiben und mit uns gar schlürfen eilig ihre Köpfe in den Nacken,
nicht erst reden. Die winken ab oder nuckeln de- um den Genuss in ihren Augen für ihre
Holger Steltzner, einer der FAZ-Herausgeber, monstrativ an ihren schicken Latte-Macchiato- Mitmenschen nicht sichtbar werden zu
hat anlässlich der drohenden Diesel-Fahrver- Bechern. lassen. Es ist kein würdiges Leben, wel-
bote beklagt, »die urbane, gutbezahlte, mon- ches diese Kreaturen gezwungen sind zu
däne Elite in den Boomstädten« habe den Diesel Unverschämt. führen. Doch woher kommt der Hass und
»im Würgegriff«. Ich zitiere: »Nehmt doch das Naja, so sind sie halt. Glauben, sie seien was die Missgunst gegen sie? Wir wagen eine
Lastenrad zum Einkauf, ruft diese Elite den oft- Besseres, nur weil sie nicht mit dem Diesel in die Momentaufnahme einer neidvollen Ge-
mals einkommensschwächeren Pendlern zu, be- Stadt pendeln müssen wie ein FAZ-Herausgeber, sellschaft.
vor sie für den Wochenendtrip vielleicht den sondern schön mit dem Bus zum Shoppen nach
Flieger nach New York besteigt.« Und wenn sich New York oder Frankfurt-Bockenheim fahren
Berlin-Marzahn. 0,08 Euro, 0,16 Euro,
die Pendler beschwerten, bekämen sie, so Stelt- können.
zner wörtlich: »von der grünen Elite zu hören: 0,41 Euro … die Digitalanzeige des Geräts
Nehmt doch Bus oder Bahn.« – Ist das die typi- Das klingt aber jetzt auch ein bisschen verbittert. steigt kontinuierlich und geradezu unauf-
sche Sicht auf die Elite? Zugegeben: Manchmal fällt es mir angesichts hörlich, als Ludwig Suchgeier eine Fla-
Das hängt oft sehr stark davon ab, wo man dieser bornierten Elite-Schnösel schwer, die wis- sche nach der anderen in den übelrie-
selbst in der Gesellschaft verortet ist. Als Heraus- senschaftliche Neutralität zu wahren. Aber zum chenden Schlund des Rewe-Pfandfla-
geber einer Zeitung gehört man ja durchaus Glück sind nicht alle so. Hin und wieder ist auch schenautomaten schiebt. Suchgeier muss
schon zur gehobenen Unterschicht, hat unter einer bereit, mit uns zu reden. Das sind dann sich keine Sorgen um sein Auskommen
Umständen sogar den Realschulabschluss ge- meistens die, die so abgehoben sind, dass sie es machen. Die Miete und Grundsicherung
schafft und also auch ein wenig an der Bildung sich schon morgens um 8 erlauben können, ein zahlt das Amt. Alles, was er hier am Auto-
der Eliten geschnuppert. Da sind die Ressenti- gepflegtes Hefe-Bier aus der Flasche zu trinken. maten verdient, kommt steuerfrei und
ments für gewöhnlich nicht ganz so ausgeprägt. Was man von denen erfährt, würden Sie als nor-
völlig legal obendrauf. Er ist kinderlos,
Man kann dort schon mal der Illusion verfallen, maler Mensch gar nicht glauben. Diese Leute le-
ein gutes Stück vom Kuchen abzubekommen. ben in ihrer völlig eigenen Parallelwelt ohne Be- muss keine Unterhaltszahlungen für ein
Doch letztlich müssen sich solche Leute damit ab- zug zum Leben der einfachen Bürger. zweimotoriges Flugzeug leisten und be-
finden, dass sie mit ihrem Diesel im Stau stehen, kommt seine Lebensmittel vergünstigt
während die Elite mit dem Fahrrad und einer die-
Würden Sie Holger Steltzners These zustimmen, bei der Tafel. Suchgeier ist zudem sein ei-
ser neumodischen eckigen Kisten auf dem Rü- dass in Städten im Grunde nur noch die grünen gener Herr, wenn er nicht gerade einen
cken an ihnen vorbei fährt. Eliten wohnen können, während Krankenpfle- Jobcenter-Termin hat.
ger und Herausgeber auf dem Land leben müs- Trotzdem quillt ihm der Hass aus den
Aber muss man deswegen gleich wieder Eliten- sen? Löchern seines fleckigen Sweatshirts,
Bashing betreiben? Unbedingt. Ich als Wissenschaftler an einem wenn er an die Reichen unseres Landes
Ich kann mir vorstellen, dass in diesem Fall von der darbenden Wirtschaft finanzierten For- denkt. In seiner Wut ist dann all sein Be-
schlichtweg tiefe menschliche Enttäuschung schungsinstitut, das sich mit Gefälligkeits-Gut-
sitz nichts mehr wert: der Röhrenfernse-
eine Rolle spielt. Da hat man sich einen neuen achten über Wasser hält, würde mich durchaus
Audi Q7 gekauft – der Umwelt zuliebe vielleicht als Mitglied der unteren Mittelschicht sehen. her von 1992, die Fernbedienung für den
extra auf die größere Q8-Variante verzichtet –, Aber selbst ich wurde vor ein paar Jahren an den Röhrenfernseher von 1992 und die origi-
und dann fällt einem die Politik in den Rücken, in- Stadtrand gedrängt. Ich besitze zwar zwei Mehr- nal Dr.-Best-Zahnbürste von 1992.
dem sie wildgewordenen Gerichten erlaubt, Stra- familienhäuser im Zentrum, aber ich könnte mir »Manchmal stehe ich einfach da und är-
ßen für Diesel-Autos zu sperren. Während auf der die Mieten, die dort für eine Wohnung verlangt gere mich«, erklärt er stehend mit verär-
anderen Seite für die Eliten ein neuer Radweg werden, nicht leisten. gertem Blick. Die Centstücke kullern ihm
nach dem anderen gebaut wird. Da fühlt man durch die aufgegangenen Nähte seiner
sich von der Politik im Stich gelassen. Gerade als Vielen Dank für das Gespräch. Hosentaschen.
hart schuftender Herausgeber einer kleinen Zei- Gern geschehen. Da drüben steht mein Auto, Suchgeier scheint nicht mehr in der
tung. soll ich Sie irgendwo absetzen? Lage, seine Situation korrekt einschätzen
zu können. An die hungernden Kinder in
Aber fährt die Elite denn tatsächlich mit dem Rad Nein, danke, ich bin zu Fuß hier.
oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Ar- Ah, der feine Herr! Dann habe ja ich zu danken, Afrika hat er schon seit Jahren nicht ge-
beit? dass Sie sich mit mir abgegeben haben. O, Massa, dacht. Der Neid hindert ihn zudem, so-
Viele von denen fahren ja nicht mal zur Arbeit, ich danke, dass ich mich an Eurem Licht wärmen ziale Kontakte zu knüpfen. Er ist Single.
sondern ins Büro. Aber sicherlich: Dafür nimmt durfte. – Ihr Elite-Arschlöcher geht mir echt auf Aber trifft er eine gutaussehende Dame
die Elite gerne die auch vom Staat geförderten die Eier! auf seiner Tour, dann spricht er sie nicht
Öffentlichen in Anspruch, für die auch der Diesel- Das Interview führte Gregor Füller an. Stur richtet er seine Taschenlampe ins
32 EULENSPIEGEL 1/19
Hass am Pinkelbecken
Ein Leben in der Neidgesellschaft

Innere des Straßenmülleimers und wendet den Inhalt


mit einem Stock, nur um noch ein paar Cent mehr zu
haben. Man könnte sagen, dass ihn die Scheelsucht ge-
radezu verstockt hat. Was ist es, was ihn antreibt? Der
Wunsch, irgendwann mit einem Tesla an seinem
Fallmanager vorbeizufahren? Er kann die
Frage nicht beantworten. 1,22 Euro, 1,30
Euro, 1,55 Euro … Am Ende stehen 1,63 Euro
auf dem Pfandbon. Suchgeier schaut ihn an,
aber sein Glück sieht er nicht.

Autobahnraststätte Sindelfinger Wald. Wie jeden Tag


steht der Frührentner Harald Kurzer am Pissoir und
blickt aufgebracht nach rechts und links. »Da, das hat
der jetzt davon!«, freut er sich, als dem Urinalnutzer ne-
ben ihm der Penis ins Beckenwasser rutscht. Kurzer
lacht diabolisch. Wir verlassen angewidert die Szenerie.

Arnsberg im Sauerland. Friedrich Merz geht es nicht


schlecht, das gibt er unumwunden zu. Er bezeichnet
sich selbst als Mitglied der »gehobenen Mittelschicht«.
Doch wenn er an die Verfehlungen der Eliten in unse-
rem Lande denkt, dann schwillt ihm schon mal der
kleine Puschel auf der Stirn. Schlimm seien die gesell-
schaftlichen Verwerfungen angesichts zum Beispiel
des deutschen Basketballers Dirk Nowitzki, der, so
Merz, ein blasierter Affe und Unsympath sei, der in sei-
ner Karriere 241 Millionen Dollar Gehalt fürs Bällewer-
fen bekam. Da sind die Werbeverträge noch nicht mit
dabei! »Das ist doch ekelhaft«, schimpft Merz. »Wie sol-
len wir diese Dinge den einfachen Leuten erklären, die
jeden Morgen aufstehen, um sich für einen Bruchteil
dieser Summe in den Aufsichtsräten und Vorständen
abzurackern?«, fragt er und sein Kopf nimmt vor Wut
die Form einer Glühbirne an. »Was hat denn Herr No-
witzki bitteschön geleistet, außer seinen grottenhässli-
chen Signature-Wurf in der NBA etabliert zu haben?«,
fragt Merz erzürnt. Der Politiker will dafür kämpfen,
dass die einfachen Menschen mit Beraterverträgen
wieder mehr gesellschaftliche Achtung erfahren. »Es
braucht nicht viel. Schon mit fünf Millionen Euro kann
man ein Lächeln ins Gesicht eines Vorstandsvorsitzen-
den zaubern«, gibt Merz zu bedenken. Mit zehn Millio-
nen bekäme man von ihnen sogar schon ein freudiges
Zischen durch die Zähne. Was bleibt uns übrig, als
Friedrich Merz für diese großartigen Gedanken zu be-
neiden. – Und schon ist es auch bei uns wieder da, die-
ses typisch deutsche Gefühl der Missgunst.
Andreas Koristka
Geschenkebringer für die gehobene Mittelschicht Zeichnung: Arno Funke

EULENSPIEGEL 1/19 33
Guido Sieber
In der West
D
ie Gelbwesten mischen
Paris auf. Mit Straßen-
blockaden und brennen-
den Autos demonstrieren sie ge- + Man wird endlich mal beachtet
gen gestiegene Spritpreise und
den Swimmingpool von Präsi- – Auch die Polizei trägt gerne mal gelbe Westen
dent Macron. Neben Chanel, ver-
branntem Benzin und dem übli- + Für den verwöhnten Gelbwesten
Revolutionär gibt es auch
aus Kaschmir
chen Pariser Gestank liegt ein
Hauch von Revolution in der Luft. – Heimliche Nacht- und Nebel-Aktionen fliegen schnell auf
Die Gelbweste ist eine fesche
Wintermode, die sich auch bald +Günstig in der Anschaffung – Revolution muss nicht teuer sein
in Deutschland durchsetzen
könnte. – Hält nicht sonderlich warm, eher ein Kleidungsstück
für den frühen Sommer

+ Lässtjeder
sich sehr gut mit beinahe
Kleidung kombinieren

– InKleidungsstück
Deutschland eher das traditionelle
Drei- bis Fünfjähriger

Was spricht für


und was gegen
das trendige
Kleidungsstück?

+ Bequem und pflegeleicht


– Sieht, egal mit welcher
Kleidung kombiniert,
bescheuert aus

+ Manvonwird seltener
Autos ange-
fahren

36 EULENSPIEGEL 1/19
te was Neues
Auf dem Schlachtfeld erkennen sich Gleichgesinnte oft

No Go!
nur an der Kleidung. Berühmtheit erlangten vor allem
die Jakobinermützen während der Französischen Revo-
lution. Doch nicht nur die Franzosen bewiesen bisher,
dass sich revolutionäre Umstürze und guter Geschmack
nicht prinzipiell ausschließen. – Ein historischer
Überblick über die revolutionäre Mode.

Dritter Sklavenkrieg 73 v. Chr.


Einen ungeheuerli-
chen Fauxpas be-
geht diese junge
Französin. Westen in
Orange zeugen von
schlechtem Stil und
völliger Ahnungslo-
sigkeit. Im schlimm-
sten Fall wird man
sogar für einen Hol-
länder gehalten.

An engen Leder- oder Lackhosen und roten Plastikbällen im Mund er-


kannten sich die von Spartacus angeführten Sklaven im alten Rom. Ihre
gemeinsamen Ziele: Tariferhöhungen um fünf Prozent und Lohnfortzah-
lung im Krankheitsfall.

Grau März-
Revolution
Die ersten Märzrevo-
lutionäre in Baden
setzten sich, um die
Hände in die Hosenta-
schen stecken zu kön-
Friedliche Revolution 1989

westen
Die größten Kritiker
1848 nen, sogenannte Bier-
helme auf. Ein Erken-
nungszeichen, das
sich schnell in ganz
Wer dem
SED-Regime
feindlich
gesonnen
zusätzlich Vo-
kuhila und
schlimme
Dauerwelle.
und Gegenspieler der Deutschland verbrei- war, zog sich Gekämpft
Gelbwesten sind die tete. Wer einen Bier- in der DDR wurde damals
Grauwesten. Sie haben helm trug, stellte sich eine ausge- für die Recht-
nichts gegen hohe demonstrativ hinter waschene schreibreform
Spritpreise, sie de- die Ziele der Bewe- Jeansjacke und mehr
monstrieren vielmehr gung, die da waren: an. Die An- sexuelle
gegen den Socken- die Abschaffung der führer der Belästigung
zwang und für mehr kalten Progression Revolutio- am Arbeits-
Fußgeruch. und mehr Bierhelme. näre trugen platz.

Oldschool in Die Gelbweste als treuer Begleiter im


Alltag: Ein besorgter Franzose schaut
sich an, wo das viele Geld für das

Kombination Benzin hingegangen ist.

mit Jeans und


Gregor Füller

T-Shirt
EULENSPIEGEL 1/19 37
Irgendwie
irgendwie
»Das sieht aus wie unser Schulfraß«, rief mein
Jüngster, als wir die Wohnmobil-Campingtoilet-
bis sie uns zu den Ohren rauskam. Die Kommu-
nisten, irre, wie sie waren, handelten nämlich
Gemüse-Pfanne (Zucchini, Möhren, Paprika) mit
Basilikumsoße«. Die ganze Globalisierung auf ei-
te ausleerten. Ich lachte, und das Kind verzog nach dem Grundsatz, dass man erst essen, sich nem Mittagsteller. Kartoffelpuffer und Tote Oma,
keine Miene. »Das war wohl kein Witz?« »Leider kleiden, wohnen können müsse, bevor man ver- falscher Hase und Sauerkraut mit Speck? Alles
nicht«, sagte er, und ich überlegte, als was dieses stehen kann, was eine Primzahl ist und warum es viel zu ungesund und deshalb zu Recht ausge-
Gericht durchgehen könnte. ohne Primzahl im Leben nicht weitergeht. storben.
Das Schulessen ist ein wichtiges Thema bei Ohne die Schulspeisung wäre mein Schulall- Und natürlich bezahle ich dafür gern sieben
uns. Ich frage immer, was es gab und wie viel. tag freudlos geblieben. Brathering hätte ich nie Euro und beuge mich bei Reiswaffeln und dün-
Das habe ich von meinem Vater, der freischaf- kennengelernt (die Marktwirtschaft hat den Brat- nem Tee über meine Manuskripte. Wenn ich
fend zu Hause rum saß und mit Marmelade und hering geächtet, weil ihn die Chinesen nicht mö- dann wissen will, wofür ich gezahlt habe, sagt
alten Brotkanten den Tag überstand. So wie gen). Und ich hätte niemals gewusst, was man der Kleine: »Es war irgendwie gelb und irgend-
heute ich: Ein warmes Essen, Kartoffeln in dicker aus Schwein so alles zaubern kann. wie weich«, und der Große: »Es sah aus wie das,
Soße und Rotkrautsalat, auf leicht temperiertem was bei der Kuh aus dem Arsch kommt.«
Teller serviert, danach eine Mandarine oder ein Mein Sohn hat mit den Kartoffeln Das kann doch nicht so schwer sein, für so viel
Stück Schwarzwälder Kirsch – das wär’s doch! auf seinem Teller Bruchrechnung gelernt. Geld ein essbares Menü zu kochen! Ehe das alles
Die Kinder haben es gut, die bekommen was in der Biotonne landet, esse ich es lieber selbst.
Warmes ausgekellt und – mag die Mamsell im Frage ich meine Kinder, was sie auf den Tellern Ich packe den Kindern Tupperware in allen Grö-
Kittel auch mürrisch sein – sogar auf Geschirr! hatten, hoffe ich in Gedanken, mitessen zu dür- ßen in die Ranzen und verlange, dass sie alles,
Nicht wie wir früher im Gulag der Margot Hone- fen. Leider sind die Antworten fast immer sehr was sie nicht essen, mitbringen für ihre
cker in scheppernden Plastetrögen oder wie in unappetitlich. Angeblich ist das Essen »unge- darbende Mutter.
Indien in verbeulten Aluschalen, in denen auch nießbar, widerwärtig, abartig«. Natürlich beste- Das hat die Bundesernährungsministerin Julia
geschlafen wird. Nebenbei: Auch heute verhun- he ich trotzdem auf Verzehr, schließlich kostet es Klöckner sicher auch so gemacht, als sie auf die
gern in Indien, dem Sehnsuchtsort deutscher mich ein Vermögen: 3,50 Euro für eine Kelle wi- Idee kam, das deutsche Schulessen testen zu las-
Aussteiger, 1000 Kinder. Täglich. Dieser Text wid- derwärtiger Ungenießbarkeit, pro Kind – egal, sen. Es sei ihr eine Herzensangelegenheit, dass
met sich also einem Luxusproblem! wie winzig es ist. unserer Kinder ordentlich essen, und als Mädel
Ich habe die Schulspeisung geliebt, vor allem Das Catering für die Schule, in der meine Kin- vom Lande weiß sie, wie Essen schmecken muss.
wenn die Essenmarke liebevoll mit Rasierklinge der für Jahre einsitzen, ohne eine Straftat began- Die Ergebnisse waren alarmierend. Kein Bio-
und Filzstift gefälscht war oder mehrmals abge- gen zu haben, heißt »Happypeppy«. Die Firma fleisch, keine Shrimps und Wachteln, von Sushi
geben wurde, weil einer sie aus dem Sammeltel- versorgt auch sämtliche Altersheime, eine Asyl- ganz zu schweigen – und viel zu wenig Spaß.
ler raus klaute und zurück in die Schlange gab. bewerberunterkunft und ein Tierheim in der Um- Bundesgesundheitsminister Jens Spahn appel-
Essen war für alle da. Zu meiner hungrigen Zeit gebung. Das Angebot muss also viele Kriterien lierte, Kindern frühzeitig einen »fröhlichen Um-
hat das Essen 75 Pfennige gekostet. Und fragt erfüllen: kaubar, auch ohne Zähne, wenn Fleisch, gang mit gesunden Lebensmitteln« zu vermit-
mich einer, was der Kommunismus war – das dann nur Hammel oder Pansen für die Hunde, teln. Er dachte sicher an die legendären Essen-
war er! Jedes Kind hatte auf Parteibeschluss An- wenn Salat, dann nur bio, und wenn Kartoffeln, schlachten auf seiner Internatsschule.
spruch auf 50 g Roggenmehl, 20 g Nährmittel dann nur wenige. Mein Sohn hat mit den Kartof-
(sprich Graupen, die heute als »Superfood« ver- feln auf seinem Teller Bruchrechnung gelernt. Nach einem langen Schultag
göttert werden), 10 g Fleisch, 5 g Fett und 10 g Wenn man diese eine Kartoffel teilt, sind es bekomme ich nun die Reste meiner Söhne
Zucker pro Mahlzeit. Oft hab ich das Essensgeld zwei ...
für Wichtigeres ausgegeben, Brausepulver und Per Online-Voting muss ich jeden Monat ent- Eine Catering-Revolution steht wahrschein-
Frösiheft – da aß ich eben umsonst, die Herr- scheiden, was meine Kinder vorgesetzt bekom- lich unmittelbar bevor: Das gute Essen soll nur
schenden wollten mich satt sehen. Senfeier oder men sollen. Das ist perfide – automatisch bin ich vier Cent mehr kosten, rechneten die Experten
Schichtkohl ließ ich mir nicht entgehen. mitschuldig, wenn sie sich auf dem Heimweg aus. Es soll mehr Gemüse geben, kaum Fleisch,
Die Küchenfrauen waren wie Ammen. An ih- theatralisch erbrechen. und es soll weniger schlabberig sein.
nen konnten wir Mädchen studieren, welch Aber im Angebot klingt das alles toll. »Ge- Das wird schwierig, denn Küchen gibt es in
mächtige, hängende Brüste wir mit etwa 50 ha- müse-Bioreis-Pfanne ›Balkan Art‹ mit Paprika- Schulen nicht (genauso wenig wie schöne Spei-
ben würden. Sie winkten uns durch, hauten Ex- rahmsoße«, »Grünkern-Käse-Brätling mit Rahm- sesäle, nette Küchenkräfte und entspannte Es-
trakellen drauf und aasten mit der Götterspeise, soße und Petersilienkartoffeln«, »Hirse-Bioreis- senpausen).

38 EULENSPIEGEL 1/19
weich und
gelb
Der Fraß wird in Großküchen, in denen nachts
Crystal Meth gekocht wird, angerührt, kochend
heiß verfüllt und dann im Berliner Stau auf Kör-
pertemperatur runtergekühlt, bevor es von
schlecht gelaunten Minijobbern aus riesigen Trö-
gen in patzige Mäuler verteilt wird.
Wenn Kinder ohne Chipkarte aufkreuzen, wer-
den sie hungrig weggeschickt, auch wenn die
Tröge noch voll sind. Das ist wahrscheinlich ein
pädagogisches Konzept, vielleicht das einzige,
das durchgehalten wird. Es wurden schon be-
sorgte Eltern gesichtet, die Lunchpakete über
Zäune von Ganztagsschulen warfen, um ihre
Kleinen vor den Hungernachmittagen und aku-
ter Unterzuckerung zu bewahren.
Nach einem langen Schultag bekomme ich
nun die Reste meiner Söhne – also die Reste des-
sen, was sie nicht zu essen wagten – und muss
sagen, sie haben nicht zu viel versprochen. Es
riecht und schmeckt nach Erbrochenem. Aber es
ist Bio! Es ist schwer auszumachen, woraus es
hergestellt wurde. Man muss es hinunterschlin-
gen, damit keine Fragen hochkommen: Food-
watch sieht beim Schulessen ein »verheerendes
Staatsversagen«.
Mit 1,2 Millionen Euro fördert der Staat die
Schulspeisung, das ist etwa so viel, wie der Tau-
benzüchterverband für Traditionspflege erhält.
Damit kann man anscheinend nicht mal ordent-
liche Pizzen backen.
Viele Eltern haben das Schulessen ganz gestri-
chen. Sie investieren lieber in Chicken Nuggets
mit Ketchup als Gemüsebeilage. Das ist frisch,
und das kann das Kind auch selbst nach der
Schule in der Mikrowelle warm machen. Die Grü-
nen fordern, dass Schulessen nur so viel kosten
darf, wie die Mutter in eine Mahlzeit zu Hause
steckt, Liebe inklusive.
Ich habe beschlossen meinen Kindern eine
Notbemme einzupacken. Das Schulessen,
das kann sie abhärten für andere Widrig-
keiten im Leben. Wir werden das durch-
stehen, so wie den anderen Terror auch
– den Schwimmunterricht, die Mathe-
klausuren und die nullte Stunde.
Felice von Senkbeil
Zeichnung: Peter Muzeniek

EULENSPIEGEL 1/19 39
Der schlechte Witz
»Mami, warum

Kommt alle nach Berlin!


sterben in unserer
Familie die Leute
immer so plötzlich?

Mama?
Mama?
Plötzlich war der Döner- Mit ihrem Kommen wer- Maaaa-
laden weg und ein Bio-Su- den die alten Bewohner mmaaaa!«
permarkt da. Auf den al- verschwinden. Zuerst
ten Gartenmöbeln in der wird man sich wundern,
Fußgängerzone saßen wo die Alkoholiker, die
nun Nussecken wegknab- Bettler und die Männer
bernde Omas und Opas. mittleren Alters, die ver-
Dort, wo man die sympa- zweifelt versuchen, mit
thisch aufgedunsenen, zu dir anzügliche Gespräche
jeder Tageszeit anwesen- zu führen, hingekommen
den, stets einen netten sind. Bis schließlich auch
Spruch auf den Lippen die letzten Überreste der
habenden Alkoholiker an- alten Nachbarschaft, die
traf, begegneten einem sich noch wundern kön-
plötzlich übermüdete El- nen, auf einmal nicht
tern mit Kinderwagen mehr da sind. Worauf es
und sportliche Mittdreißi- hinausläuft: Irgendwann
ger, die angeregt über das wird nur noch ein einsa-
Preis-Leistungsverhältnis mer und leicht angetrun-
ihrer Fahrräder diskutier- kener Pfandflaschen- Ausnahme
MICHAEL BREZEL
ten. Im Bezug auf die Be- Sammler, den man sich
legschaft fiel einem außer- aus sentimentalen Grün- Kartenlesen, Handlesen, Glaskugel
dem sofort der rassisti- den, aber auch für die ei- – alles Humbug. Heute Morgen
sche Subtext auf, mit dem gene Authentizität weiter- las ich in meinem Kaffeesatz:
die bartflaumigen türki- hin hält, durch den Kiez »Kauf nicht immer diese billigen
schen Jugendlichen gegen nung wird einem plötzlich sen oder sich aus einfa- wanken. »Ach«, kann Filtertüten, alter Geizkragen!«
bleich- und labberhäutige neckisch entgegenstrahlen chem Übermut in der man sich dann nämlich
Halbsenioren ausge- und Plakate mit Christian lauen Luft materialisieren. denken, während man mit In memoriam
tauscht worden waren. Lindner werden nicht Es wird von ihnen nur so der über die Apple-Watch Neulich vor vielen Jahren verstarb
Kurz: Das Viertel war auf mehr in einem spontanen wimmeln. Provokant, wie gesteuerten Musik in den Heinrich der Vergessene.
immer verloren. Akt der Vertrautheit ge- sie sind, werden sie mit Ohren und den Resten
Man weiß auch schon,
was als nächstes passieren
meinschaftlich verlacht. Taschenmessern in Bänke vom Quinoa-Smoothie
Parallel dazu werden diese und vorbeilaufende Pas- zwischen den Zähnen
Fast
wird: Die frische Aura aus frischen und gut verdie- santen den aktuellen wohlwollend zu ihm hi- »Vill du fika?« ist schwedisch und
bunten Farben, lebensbe- nenden Menschen plötz- Stand ihrer Tesla-Aktien nüberblickt, »in Berlin zu Google übersetzt: »Möchtest du
jahenden Gerüchen und lich überall aus den Gebü- ritzen. Denn sie wissen: wohnen, hat doch wirk- Kaffee?« – Das ist nicht ganz kor-
geringem oder zumindest schen hervor gekrabbelt Das alles gehört jetzt ih- lich seinen ganz eigenen rekt. Es heißt: »Kommst du noch
ehrlich verdientem Fett- kommen, langsam aus nen. Charme.« auf einen Kaffee mit rein?«
anteil wird sich in kon- dem Boden empor wach- KONSTANTIN HITSCHER GUIDO PAULY
zentrischen Kreisen vom
Bio-Markt ausgehend EINE REDEWENDUNG, die man wegen der NÄCHSTES JAHR wollen wir uns mit den Göhren in
über den Kiez verbreiten. letzten Dürremonate nicht mehr verwenden der Sonne Ahlen. Ick Glowe, wir werden Wolgast an
Eigenartig werden die sollte: »Seitdem ist viel Wasser die Spree run- der Ostsee, denn die liegt im Trent – aber ganz genau
Häuser anfangen zu glän- tergeflossen.« CARLO DIPPOLD Wismar das noch nicht. C. ULBRICH
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Zu spät
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Drückerkolonnen, die versuchten,
per Haustürgeschäft windige
Wut
Eines Tages sagte ein
Mann der Gemeinde
»Nein, Rabbi.«
»Einen klitzeklei-
Gut zitiert
»Im Gegenteil zum Flieh
lebt der Floh zu sehr in der
Vergangenheit.«
T.: 0371 8101735

Produkte dubioser Finanzunter- zu Rabbi Steinsalz: nen?« Aus: »Auf allen Tieren
»Rabbi, ich bin oft »NEIN!« durch die Welt – Rohms
nehmen zu vertreiben.
grundlos wütend.« »Bist du etwa jetzt Tierkunde«. GR
Um den Anschein der Seriosität
»Grundlos?«, sagte wütend?«
zu wahren, gäben die Hausierer der Rabbi. »Ja, Rabbi.« Auflösung
an, im Auftrag der Bank zu »Ja, grundlos.« »Warum?« Auf ein hochauflösendes
handeln. – Für mich kam dieser »Es gibt also keinen »Weil Sie mich ner- Smartphone, einen hoch-
Hinweis zu spät. Ich hätte die Grund?« ven.« auflösenden Fernseher und
Herren doch freundlich »Nein.« »Sehr gut. Finde ein hochauflösendes Tablet
»Gar keinen?« Gründe, und schon
empfangen und sie nicht mit dem folgt nicht selten eine hoch
»Nein, das sagte ich bist du nicht mehr
Baseballschläger aus der Woh- doch.« grundlos wütend«, aufgelöstes Konto. GP
nung geprügelt, wenn ich gewusst »Wirklich keinen?« sagte Rabbi Steinsalz,
hätte, dass sie nicht von meiner »Nein.« nickte und ging da-
Seemannsgarn
Bank sind. »Vielleicht einen von. Wir lagen vor Panama und
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Diese Kinder Neue Feiertage ab 2019


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Es klingelte, die Sternsinger stan- • Christi Himmelfahrtskommando
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erscheint am
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den vor der Tür und rappelten • Deine-Mutter-Tag
mit den Geldbüchsen. Jeder • Heilige Drei Chinesen
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2019 sagte einen Spruch auf. Der
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mit dem Kontrabass
ationen • Ernte-Nichts-Zu-Danken
Touristinform »Ich bin von uns dreien der Bal-
ecklenburg- • Mariä Empfängnisverhütung
des Landes M thasar, ich sage euch offen, das
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Vorpommern Geld ist so rar.« »Stimmt!«, ant-
Feiertage zu begehen sind, wird von
ungen wortete ich und machte die Tür
und Veranstalt zu.
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Und das haben die frechen
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Gerhard Glück

EULENSPIEGEL 1/19 43
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Ari Plikat und
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André Sedladczek meinen:

Raus, was keine Mie

44 EULENSPIEGEL 1/19
ete zahlt!

EULENSPIEGEL 1/19 45
Leute heute

er im Nodfall unbedingd zur

Hammercurls
Selbschdverdeidigung bnödigd,
also a Buadrfly-Messr, oi Arm-
bruschd, a Samuraischwerd, oi
Bischdole B226 MK 25 der Marke
SIG Saur, a Dudzend Dodenkobf-
Handgranada ond oi Banzerfauschd

mid der
mid Schblidderschbrengsadz.

Aber im Grunde ist er doch sicher-


lich ein friedliebender Mensch …
Absolud. Für den Herrn Gauland
gibd’s nix Schöneres, als wie wenn

Bizebsschdang
er bei einem gudde Lambrusco ond
agnehmr Musik am Kaminfeir sidza
ond die Seele bäumeln lassa kann.

Was hört er denn dann für Musik?


Des darf i ned verrada. I underlieg ja
der Geheimhaldungschbflichd.
Herr Weindl, Sie stehen seit drei Sind Sie sein einziger Bodyguard? Na, wenn i’s do sag!
Jahren als Personenschützer in Noi. Des isch a Deam vo fünf, sechs Ach, kommen Sie …
den Diensten des AfD-Vorsitzen- Leida. Politischer Zündstoff sieht aber Na guad. Abr des derfed Se ned
den Alexander Gauland und wol- etwas anders aus, Herr Weindl. drugga! Er hedd uns alla oigschärfd,
len jetzt über ihre Erfahrungen Und ist mal irgendwas Gefährli- Hat Herr Gauland während Ihrer dass er erledigd isch, wenn des raus-
sprechen. Warum? ches passiert? Dienstzeit irgendwelche politi- kommd. Also, der Herr Gauland isch
Weil i vil zu erzähla hon. Am laufenda Band! Einmol sind so schen Geheimkontakte gepflegt? a Riesenfan vo der Conchida
zwoi Chaoda ufm Grondschdügg vo Oder sich in irgendeiner Weise Wurschd.
Sind Sie Schwabe? däm Herrn Gauland ufgekreizd ond auffällig benommen?
Hörd man des ned? han faule Eir in den Briefkaschda In sainr Schdub häld er gern Das überrascht uns. Doch es
gschdeggd. Und oi andermol, in der Zwieschbrache mid einem Ölge- bringt ihn uns natürlich auch
Doch, schon. Würde es Ihnen et- Dschechei, mussde i oi Audo- mäld, des den Fürschde Bismargg menschlich näher.
was ausmachen, unseren Lesern grammjägerin de Arm brecha. Die zeigd. Und in seinem Fidnessschdu- Sehet Sie? Der Herr Gauland isch oi
zuliebe hochdeutsch zu spre- wollde sich den naggda Busa sig- dio machd er älls so Sacha, die man ganz normalr Bürgr. Er schbield au
chen? niera lassa. I woiß noch, wie der durchaus als baramilidärische gern Combudergemms.
I werd’s versucha. Herr Gauland zu mir gsagd had: Übunga bzeichna kann …
»Des wär a Signal in die falsche Rich- Welche denn?
Wie Sind Sie denn zu diesem Job dung. Schaffet Sie mir dieses Weib Am liebschde »Smarty Bubbles«,
gekommen? vom Hals!« Ein exklusives »Cookie Crush« ond »Baby Lily hedd
No ja, i bin eigendlich glerndr Ein- Interview mit Geburdschdag«, abr au »BFFs
zelhandelskaufmann, abr i hon mi Hat er denn da ebenfalls geschwä- Gaulands Schdyle Combedischn«. Da
scho äwwl gern schbordlich bdä- belt? schdehd er voll druff.
digd, au im Schüdzenveroi, ond da Noi, gsächseld hedd er natierlich. Er Personenschützer
hedd mir irgendwann der Brandl schdammd ja aus Sachsa. Erstaunlich. Sie haben uns ein völ-
Rüdigr, der wo unsr Vereinsvorsid- Torsten Weindl (34) lig neues Bild von dem Mann ver-
zendr isch, des Angebod gmachd, Sonderlich brisant sind Ihre bishe- mittelt, Herr Weindl.
für zwoihunderd Euro bei einem Uf- rigen Mitteilungen leider nicht. Paramilitärische Übungen? Was Des freid mi. Abr jedzd muss i wiedr
marsch der AfD in Breisach als Body- Wenn Sie wollen, dass wir dieses hat man sich darunter vorzustel- zom Dienschd. Der Herr Gauland
guard einzuschbringa. Des hedd Interview veröffentlichen, müs- len? will sich heud abend in allr Ver-
mir Schbaß gmachd, den Krakee- sen Sie schon etwas Aufregende- Des fängd bei Workouds ond Shi- schwiegenheid mid der Sahra Wa-
lern da eins uf die Kapp zu geba, res berichten. Haben in Herrn adsu an ond gohd übr Hammer- geknechd dreffa, um sie zom Oid-
ond nachhr hedd der Herr Gauland Gaulands Umfeld beispielsweise curls mid der Bizebsschdang bis hin ridd in die AfD zu bwega, ond da
mi gfragd, ob i des ned au haubdbe- Bunga-Bunga-Partys stattgefun- zu Fligg-Flagg ond Handschdand gild natierlich die höchschde Sicher-
ruflich dun könnd. Also brsönlich den? mid Überschlag. Der Herr Gauland heidsschdufe. Wenn des jemand
für ihn. Und weil i sowieso mol raus- I bin mir ned sichr, wonuff Ihre Frag isch dobfid. midbekomma würd, des wär ned
gewolld hon aus der Brovinz, han abzield, abr einmol han i Herrn Gau- auszudenka.
mir Shakehands gmachd, ond die land in a Aldershoim in Rheinland- Gut, aber was soll daran paramili-
Sache war gridzd. Bfalz bgleided, ond da hedd er tärisch sein? Dann wünschen wir Ihnen gutes
beim Seniorendanzdee mid einr Er drägd dabei schdeds oi Uniform Gelingen.
Könnten Sie das noch einmal auf gbürdiga Schlesierin zu »Weiße der Dirolr Gebirgsschüdza, ond des Und was isch mid moim Honorar?
hochdeutsch wiederholen? Rosa aus Athen« doazd. Gesichd schmierd er sich mid Darn-
Liebr ned. Des wär mir zu mühsam. schminke oi, bvor er sai Übunga Die drei Euro, die wir vereinbart
Doazd? machd. hatten, sind leider bereits für den
Wenn wir Sie richtig verstanden Des Danzboi gschwunga. Verschde- von Ihnen verzehrten Latte
haben, sind Sie von Herrn Gau- het Sie des ned? Nun kommen wir der Sache schon Macchiato draufgegangen, Herr
land persönlich eingestellt wor- näher. Ist Herr Gauland bei seinen Weindl. Auf Wiedersehen! Und
den. Sie meinen, Herr Gauland hat mit Workouts auch bewaffnet? viel Vergnügen noch!
Richdich. der Dame getanzt? Ned übermäßich. Nur mid dem, was Gerhard Henschel

46 EULENSPIEGEL 1/19
Vom Oscar®- prämierten Regisseur von BOWLING FOR COLUMBINE

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GÜNTER GRASS

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„Als bildender Künstler bin ich gelernter, als Schreiber ungelernter Künstler.“ Günter Grass trägt außer seinem Notizbuch immer
einen Skizzenblock bei sich, um seine Eindrücke zeichnend festzuhalten. Als Student an der Düsseldorfer Akademie kam er mit
Joseph Beuys in Kontakt, den er als großen Zeichner bewunderte. Der bildende Künstler Grass zeigt sich als wahrer Handwerker,
der das Zeichnen und Malen ordentlich gelernt hat: Handwerk als Einheit der bildnerischen Phantasie. Die verständlichen Wahr-
heiten in der gegenständlichen Welt liegen für ihn immer in und auf der Hand. Seit früher Jugend zeigte sich der seltene Stern der
Doppelbegabung: „Ich zeichne immer, auch wenn ich nicht zeichne, weil ich gerade schreibe oder konzentriert nichts tue,“ erläutert
Grass. „Und auch beim Zeichnen schreiben sich Sätze fort, die angefangen auf anderem Papier stehen.“

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Lebens hilfe

Karsten Weyershausen

EULENSPIEGEL 1/19 49
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Pass/Nationalität: sches Buffet genießen. einer zweistündigen Stadtrundfahrt sehen Abfahrtsorte:
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Weiterer Teilnehmer:
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Fahrt auf einer Nebenstrecke durch die Weiter geht die Fahrt über Jönköping in den Flughafen Leipzig, Magdeburg
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Höhe auf das vor der Stadt liegende Seen- Nach dem Frühstück fahren Sie mit der der Buchung Geburtsdatum, Nationalität und Pass- oder
Geburtsdatum: gebiet und die umliegenden Wälder (Extra- Fähre hinüber nach Helsingør in Dänemark Personalausweisnummer aller Reisenden.
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Leben

Lo Blickensdorf
mit allen Sinnen

Das Gelb
liegt
auf der Straße!
Für Mensch★Innen, die angekommen sind.
Gegründet auf die Liebe zum Tier und die Verachtung der anderen • Frei von Pornografie, Gewalt gegen Männer, Klebeeiweiß und chronischem Auswurf! • Steuerfreundlich gedruckt auf Paradise-Papers!
Warme Gedanken
Seit Monaten hatten es sich die Skier im molligen
Keller gemütlich gemacht. Urplötzlich aber kam
ihr Besitzer auf die Idee, mit ihnen in den Winter-
urlaub zu fahren. Dort war es vielleicht kalt! In
schneidendem Wind und stiebendem Schnee
mussten sie die Piste hinunter, bis ihnen vor
Schreck die Bindung gefror. Nein, sie wollten un-
bedingt zurück ins Warme! Deshalb stellten sich
die beiden Bretter einfach quer. Der Skifahrer fiel
auf den Pinsel, brach sich ein Bein und musste ins
Krankenhaus. Jetzt würde es zurück in den Keller
gehen, frohlockten die Skier. Und richtig: Die Frau
des Besitzers holte sie ab und nahm sie mit nach
Hause. Dort aber steckte sie die Skier wutent-
brannt in den Ofen.
Immerhin – warm hatten es die beiden dort
noch mal! CU

Aus dem Knigge


Heute: Benimmregel Nr. 76 und 77
Pfauenzungenpudding isst man stets mit dem
glutenfreien Pfauenzungenlöffel, während man
Blattsalat nur mit einer Astgabel essen sollte.
Lo

Neulich im AfD-
Stammlokal
Augen auf beim Hosenkauf!

Weihnacht, Weihnacht überall! Neu im


Baumarkt:
Auch auf der erdabgewandten Seite Was lehrt uns das hier in Europa?
des Globus, in Japan, ist der Weih- Wenig. Und das ist doch besser als
nachtsmann kein Unbekannter nichts. Auch und gerade zum Weih-
mehr. Dieses Haiku ist der Beweis: nachtsfest, wo selbst eine kleine
Schau! Der Weihnachtsmann – Er Gabe viel bedeutet!
bringt allen Japanern Kirschblüten-
zweige. Peter Köhler

Schönheitstipp

Kleiner Hitlergruß aus der Küche. Lo

People ENTZÜNDUNGSHÄMMER
Lo
Snegin Snegowitsch
Snegin Snegowitsch konnte nicht pinkeln. Sein
Bobik war zugefroren. Das Thermometer hätte si-
birsko angezeigt, wenn es nicht ebenfalls einge-
froren wäre. Vom großen Kackschkoje wollen wir
nicht reden. Bei der Kälte gab es ohnehin nichts
zu essen. Und wenn – Herrn Snegowitschs Mund
war sowieso zugeeist. Hätte Snegowitsch eine
Möhrennase gehabt, man hätte ihn für einen
Schneemann gehalten, aber seine rote Nase war
längst abgefallen. Bücken konnte er sich nicht,
die Ärmchen waren ab, und wie den Besen bewe-
gen – er war angefroren. Snegin Snegowitsch
wollte sich warme Gedankowitschs machen, aber
in seinem Kopf war nur Eis, Frost und Schnee.
Vielleicht hätte er an das sonnige Italien gedacht,
wo die Mafia ihre Opfer in warmen Beton eingoss,
herrlich! PK Ein Glück: Nicht alle wollen in
Facelifting, mal sehen, ob’s hilft. lo den Eimer gucken! cu / ss

52 1/19
Selten schön
Ein einfaches Fach: Bauvorschriften null, aber Sprachkenntnisse super.
cu / Siegfried Steinach

Selten gesehen: Der Schuldige hat die Suppe ausgelöffelt. cu / ss War das Kind ein Ausrutscher? michael Garling

Schreckschraube Neue deutsche Elle Natürlich schön

Die
Papageien-
zange kann
ab- und zu-
schrauben,
zupacken und
sprechen! Sie
sagt »Mist«,
»Autsch«,
»Ächz«,
Ein englischer Fuß misst eine
»Krächz« und
halbe deutsche Elle und eine
»Idiot!«. Wir
preußische Wade dreieinhalb
sagen »Halt
hannoversche Handbreit. Lei-
den Schna-
der kommt es beim Umrech-
bel!« und tau-
nen regelmäßig zu Rangeleien,
schen die
Fürstenhoff

und ein objektiver Orthopäde


Zange gegen
muss dann abschätzen, wie dick
einen stillen
die geprellte Elle ist und wie
Schrauben-
Auch im Bäckereihandwerk gibt es jetzt weit man mit dem verrenkten
schlüssel um.
eine Initiative gegen Übergriffigkeit. Ihr englischen Fuß noch kommt!
Kriki
Name: #MehlToo.
Selten schön
lo Kriki
1/19 53
19.02.
Fünfte Visite im Porsche-Zentrum

AD Karnebogen
diese Woche, und es ist erst
Dienstag. Im Showroom bricht
dann mein Unglück hervor wie
ein Alien aus dem Astronauten- sagt Hallo, im Lendenbereich lö-
bauch: James Dean, Paul Walker, sen sich die Resttropfen. Nach
beide jung in einem Porsche zer- Wochen katatonischer Zustände
schellt bzw. verbrannt. Diese fühle ich mich wieder lebendig,
Glücklichen! Sie mussten nicht dieser Asphalthobel ist ein fahr- schmiere ich mir versehentlich
leiden, wie ich leide, haben das barer Jungbrunnen. Für 39 600 die Augenfaltencreme auf die Hä-
Elend des Alterns nicht durchma- Euro könnte ich das jeden Tag morrhoiden, immerhin kühlt sie
chen müssen. Weil ich nicht auf- haben, ich habe aber nur 1 800 herrlich. Um den glättenden Ef- Aus de
hören kann zu weinen, schmeißt auf der hohen Kante. Verlasse fekt zu sehen, hocke ich mich
mich der Verkäufer (»Porsche ist das Geschäft fürs Erste mit einem über Eleonores Handspiegel. kauft. So viel zum Thema »Essen
eine positive Marke!«) raus. original Harley-Rucksack (1 800 Dann der Schock, als ich die ist der Sex des Alters«. Wenigs-
Bei Harley-Davidson hat man für Euro), und es geht mir gleich et- grauen Haare am After erblicke. tens bleibt mir der astreine Se-
große Gefühle mehr Verständnis, was besser. Sofort streiche ich etwas von niorenteller (Zaziki, Wurst,
ich darf sogar auf dem Hof Probe meinem Anti-Grau-Tönungsgel für Pommes, Kartoffelchips, ordent-
fahren. Mit Integralhelm und Vi- 26.02. den Bart drauf. Beim Frühstück lich Majo und scharfe Zwiebeln!)
sier runter sehe ich gleich zwan- Lektüre in Bill Cosbys heiter- sind die Brötchen labberig, der drüben in Paules Fress-Eck.
zig Jahre jünger aus. Der 45- tröstlichem Ratgeber »Halt die Käse light, der Kaffee hat einen
Grad-V2 pöttelt kernig zwischen Zeit an oder Wie wird MANN mit schweißigen Nachgeschmack – 02.03.
meinen Schenkeln, der Ischias Anstand älter«. Später im Bad Eleonore hat wieder billig einge- Bestialische Alpträume. Etwas
krabbelt unter der Bettdecke an
mir hoch. Dicht vor meinem Ge-
sicht dann eine grausam-selbst-
verliebte Grinsefratze. Es ist Die-
ter Bohlen. »Langsam siehst du
aus wie Costa Cordalis, wenn das
Botox nachlässt. Guck mich an,
ich bin immer noch der Geilste.
Wer Kohle hat, hat Autos, wer
Autos hat, hat Frauen, wer junge
Frauen hat, wird nie alt.« Er lacht
höhnisch, will mir mit Gewalt ei-
nes seiner Camp-David-Hemden
überstreifen. Panisch reiße ich
mich los, stürze zur Tür, doch je-
mand lauert unter dem Bett,
stellt mir ein Bein: Gerhard
Schröder. »Ich habe zum fünften
Mal geheiratet, das hält jung.
Wie sieht es da bei Ihnen aus,
alter Mann?« Als die blendenden
Gebisse der Edelgreise dicht über
mir sind, erwache ich »schweiß-
überbadet«, wie Günter Ludolf es
Lo Blickensdorf

formuliert hätte, der große


Schrotthändler, Gegenwartsphilo-
soph und Kettenraucher, den mit
56 nach der zweimillionsten Ziga-
rette gnädig die Nacht umfing.

54 EULENSPIEGEL 1/19
Das
Ende
ist nah
Freimut Woessner
m Leben eines Anachronismus
Ich will mein Siechtum auch ab- pflege und affigen Pullundern will nur Bahnhof. »Ich will doch nur das Schicksal Atlantis’ oder der
kürzen, decke mich mit Schwarzer er seine fortschreitende Vergrei- ein Tasche kaufen, eine Herren- DDR.
Krauser ein und verberge die Fal- sung verschleiern. »Gar nicht mal handtasche mit Halteschlaufe,
ten um die Augen unter einem so elegant, Lackaffe«, sage ich eine ganz gewöhnliche Herren- 18.03.
Qualmschleier. verächtlich. »Du wirkst abge- handgelenktasche!«, rufe ich ver- Nun ist es unabwendbar, heute ist
schlafft«, erwidert er lächerlich zweifelt, doch der noch fast ju- der Tag. Sie umdrängen mich, als
04.03. gekränkt, »ein exklusives Halstuch gendliche Scheißkerl starrt längst wäre ich eine Kuhtränke auf der
Noch zwei Wochen, dann ist der wäre für deinen Truthahnhals an- wieder auf sein Funktelefon und Weide. Als sie mir in Paules Fress-
Tag da: das Unausweichliche. Ich zuraten.« »Mit der richtigen Be- zwitschert eine Post in seine Kom- Eck ihr Ständchen bringen, erahne
fühle mich verbraucht, ausge- leuchtung sehe ich noch ver- muneti, oder wie das jetzt neuer- ich Untertöne von Hohn und Mit-
lutscht, schutzlos ausgeliefert. Vor dammt appetitlich aus, da muss dings heißt. Draußen ist es bitter- leid in ihren dünnen Stimmchen.
dem Haus liegt einsam ein vereis- ich die Weiber mit einem Stock kalt, meine Harley-Wollmütze Einem alten Menschen kann man
tes Tic-Tac auf dem Gehweg, ganz von mir fernhalten«, entgegne ich juckt wie verrückt (es war der nichts mehr vormachen. »Alles
still, isoliert, zur Bewegungslosig- trotzig. »Das Licht kriegen aber Winter der Kontaktekzeme), aber Gute zum Fünfundvierzigsten, mein
keit verdammt, ich erkenne mich nur Profis hin, so ab Jim Rakete sie verbirgt verlässlich mein spär- geliebter Hemmschuh!«, haucht
sofort in ihm wieder. Ich renne aufwärts«, erwidert die Kanaille licher werdendes Haar. Ich werde Eleonore mir lasziv ins Ohr. »Und
raus, will es in unbändigem gehässig. sie noch bis Sommeranfang tra- das mit deiner Midlife-Crisis wird
Selbsthass zertreten. Beim neun- Die junge Kellnerin ignoriert uns gen. schon wieder.« Paule überrascht
ten Versuch treffe ich endlich, es derweil völlig. Schon als wir das mich mit seinem brandneuen »Se-
zerbirst knackend in unzählige Lokal betraten, hat sie uns in ei- 17.03. niorenteller Harley-Davidson«
Splitter. Das Geräusch martert ner Nanosekunde als potentielle Eine 117-Jährige offenbart im (Fischstäbchen, Buletten, Kroket-
mich, bestürzt gehe ich zu Boden, Geschlechtspartner aussortiert. Fernsehen das Geheimnis ihres ten, Lakritze, Barbecue-Soße!), und
komme vor lauter Depressionen Traurig blicken Renato und ich Überlebens: drei Eier täglich, zwei das seidene Halstuch, ein Ge-
nicht mehr hoch. Unsere 85-jährige den Rest des Abends schweigend davon roh. Bei mir sind es drei schenk von Renato, fühlt sich gut
Nachbarin will mir aufhelfen, doch auf ihre Brüste. Wieder erstirbt et- Bier täglich, das erste stets auf an. Ich will ihm danken, sehe aber
die Hände der Alten sind so grob, was in mir. Wie viel Lebenszeit Ex, doch vorher trinke ich brav das panische Flackern in seinen
als würde das Technische Hilfs- bleibt mir noch? Renato ist so ver- meinen Rotwein gegen Arterien- Augen – kommende Woche feiern
werk mit einer hydraulischen Ret- zweifelt, dass er in Erwägung verkalkung. Ich altere dennoch ra- wir seinen Sechsundvierzigsten.
tungsschere nach meinem Arm zieht, am nächsten Tag mit seiner pide und komme von Tag zu Tag Ein Glanz unbändiger Vorfreude
greifen. Mühsam rolle ich mich aus Frau zu schlafen. Ich bin bestürzt, weniger mit den Zumutungen der würde jedoch sofort in seine al-
ihrer Reichweite. Ich überlege, ein- denn ich ahne, wie verunsichert modernen Welt klar: Eltern nen- terstrüben Augen treten, wenn er
fach weiter bis vor einen Laster zu und tief verletzt mein Freund sein nen ihre Kinder genderneutral wüsste, was Eleonore und ich ihm
rollen, doch ich zögere, am 11. muss, dass er so etwas ernsthaft Mika oder Zwiebel, und wenn ich schenken: eine märchenhafte
spielt schließlich Schalke. in Erwägung zieht. bei Lidl nach dem Regal mit den Übergangsjacke in Beige! Mit ihr
Negerküssen frage, ruft jemand kann er abtauchen im Heer der un-
09.03. 11.03. die Security. Ich bin ein Anachro- sichtbaren Alten in Seniorenbeige
Treffen mit Renato. Wie immer ist »Der Schulterriemen lässt sich nismus, aus der Welt gefallen, und Pastell und seine letzten Jahre
er Cary-Grant-artig aus dem Ei ge- auch crossbody tragen!«, meint bald ereilt mich das Schicksal un- endlich unbeschwert genießen.
pellt, mit hysterischer Körper- der Verkäufer, und ich verstehe tergegangener Hochkulturen, Gregor Olm

EULENSPIEGEL 1/19 55
56
EULENSPIEGEL 1/19
André Sedlaczek

Kriki Andreas Prüstel Peter Thulke


Tim Feicke

EULENSPIEGEL 1/19
Schwarz auf weiss

57
Schilling & Blum Paul Pribbernow
D
ie Welt geht unter. Diesmal aber wirklich, alles spricht dafür: Der Bier-
preis ist um vier Prozent gestiegen, Hunde müssen in die Tüte ka-
cken, die Kanzlerin schmeißt hin. Und nun soll auch noch die Linden-
straße eingestellt werden!
Die Lindenstraße ist die Serie, die Sonntagabend, wenn die meisten Men-
schen Wochenendsex absolvieren oder Schulranzen entkeimen, in der ARD
läuft und aussieht wie Aufnahmen der Überwachungskamera einer Senio-
renresidenz. Das Spannendste an ihr ist: Man kann mitverfolgen, mit welcher
Brutalität und welcher List das Alter zuschlägt. Woche für Woche, wie im ech-
ten Leben, geht es bergab, die Arth-Rosen erblühen und die Demenz hat ganze
Häuserblocks im Griff. Manchmal erkennt man eine Figur wieder, die als Jugendli-
cher cool war und in Mutter Beimers Wohngemeinschaft freche Widerworte gab,
und kann es nicht fassen: Was, der ist immer noch da? So dick macht eine Festanstel-
lung bei der ARD?
Die Lindenstraße abzusetzen, ist ein Unding. Da wäre nämlich erst mal die Tages-
schau dran. Das Biotop Lindenstraße ist so schützenswert wie der Hambacher Forst,
nur dass deren heutige biedere Bewohner nicht auf
Solidarität der Kröten-Retter hoffen können (es
gibt überhaupt wenig Zuschauerprotest). Das
verwundert. Denn als die Serie mit Beginn
der Kohl-Ära startete, lagen die Sympa-
thien der Serienmacher eindeutig und
zuverlässig bei den grün-links-alterna-
tiven Typen mit wechselnden Ge-
schlechtspartnern. Die Kohl-Wähler in
der Straße, die Ausgeburten der Kohl-
schen »geistig-moralischen Wende«,
ernteten milden Spott.
Und wie es so in Helmuts Repu-
blik war: Es gab manchmal Zoff –
plötzlich war jemand schwul und es
ereignete sich der erste schwule
Kuss im deutschen Fernsehen, dann
hatte jemand AIDS, plötzlich waren Aus-
länder da, und man lernte, nett zu ihnen zu
sein – Zwietracht und Niedertracht gab es
auch, letztlich aber obsiegte die Eintracht.
Denn aus dem Kleinbürgertum gibt es,
von Todesfällen abgesehen, bekanntlich
kein Entrinnen. Die Lindenstraße hat die
alte BRD zusammengehalten.
Über alte Filme lässt sich heute leicht
lästern – Tatorte von vor dreißig Jahren
sind auch lächerlich. Aber eins muss man
dem Meister Geißendörfer lassen: im So-
zialkitsch à la »Griechischer Wein« ver-
sumpfte die Lindenstraße nie. Oder sa-
gen wir: fast nie. Sagen wir: selten!
Dann kamen die Ossis. Das Westfernse-
hen war bekanntlich im Osten unum-
schränkt beliebt, die Lindenstraße war es
nicht. Dallas – ja, dafür lohnte es zu leben!
Doch mit der Münchener Kommunen-Idylle

58 EULENSPIEGEL 1/19
wurden die Ostler nie so richtig warm. Diese allzeit guten grünen Menschlein, diese »schrillen« Bie-
derseelen, die sich mit Blockwart Franz und seiner Schwester im Geiste, Else Kling, zofften und stets
auf dem Sprung waren, die Welt vor was Schlimmem zu bewahren – die mochten die Ossis nicht.
Nicht vor der Wende und nicht danach. Und zwar aus dem gleichen Grunde, warum die Grünen
im Osten kein Bein auf die Erde kriegen. (Was dieser Grund ist? Das erzähle ich ein anderes Mal.)
Natürlich bekam der Ostler in der Lindenstraße seinen Auftritt, wie all die anderen Exoten:
der Spießer, der Nazi, der Hundehasser, der Hundefresser, der Stalker, die Transe, der
Krüppel, der Verbrecher, die Hure. Alle hatten eine Meinung zu allem, zum
Ukrainekonflikt, Klimawandel, zum Urknall oder zum Briefporto. Und jede Folge
war ein bisschen zornig, so ein bisschen zornig wie der Herr Geißendorfer: Die
Lindenstraße hielt sich nie raus, was ein Leichtes gewesen wäre.
An der Lindenstraße hat der Ostdeutsche auch studiert, was die DDR nicht
nötig hatte: Pluralismus, Volksbegehren, Anti-Atomkraftproteste, Randale in
der Hafenstraße und Luftverschmutzung (im Wedding war die Luft viel dre-
ckiger als in der Friedrichstraße, denn es war ja die Mauer dazwischen). Er
lernte, wie man Dreadlocks filzt, was arbeitslos zu sein bedeutet und dass
Müsli was zum Essen ist. Außerdem tröstete ihn, dass die drüben in München
auch so etwas wie eine sozialistische Menschengemeinschaft hatten, mit ei-
ner funktionierende (Selbst)-Kontrolle.
Die Darsteller, die Ende der Achtziger Kinder waren, sind heute Anfang 40.
Ihre Bretter, die die Welt bedeuten, war das gebohnerte Treppenhaus der
Else Kling, das Back-Café und Mutter Beimers Wohnküche. Jetzt sind sie frei.
Aber wohin, fragen sich Känguru und Gnu, wenn plötzlich die Gatter offen
sind.
Es ist doch schade um die Kulisse. Allein dafür lohnt es, das Format
zu retten. Big Brother in der Lindenstraße. Aber natürlich will man Dr.
Dressler nicht beim Duschen zusehen. Überhaupt der »Look«! Billige
Möbel, strähnige Frisuren, unmögliche erdfarbene Klamotten,
Schlabberpullis, Kunstlederjacken und beulige Jeans. In jeder Asyl-
bewerberunterkunft sieht man geschmackvollere Outfits. Da könnte
man vielleicht was machen. Und dann die langen Dialoge! Moderne
Fernsehdramatik kommt heute fast ohne Text aus, und wenn doch
gesprochen wird, dann ist nichts zu verstehen. Telefoniert wird in der
Lindenstraße noch vom Festnetz im Korridor. Und wenn jemand verliebt
ist, sagt dieser Jemand tatsächlich: »Ich liebe dich.« Junge Autoren, Poe-
try Slamer oder Youtube Stars wären sich für das Lindenstraßen-Hono-
rar zu schade. Außerdem: Die Lindenstraße – das ist heute beste Mün-
chener Lage. Keiner von denen, die sich jetzt noch durch die restlichen
Folgen quälen, könnte da mehr wohnen. Schon gar kein Sponti. Die
Hausgemeinschaft bestünde durchweg aus Eigentümern. Kinder gäbe
es zwar auch, aber solche, die ihre Aupairs »Mama« nennen und Man-
darin und Geige lernen.
Die Lindenstraße 2.0 wird es wohl nicht geben. Dafür noch mehr
Quizshows und Krimis. In der letzten Folge im März 2020 wird der Stra-
ßenzug, oder ganz München, unter einer Schlammlawine begraben
werden. Ohne Message lässt Meister Geißendörfer uns nicht zurück.
Felice von Senkbeil
Zeichnungen: Frank Hoppmann

EULENSPIEGEL 1/19 59
Schön, dass es nichts kostet, wenn nichts geliefert wird.
Aus: Katalog Printus,
Einsender: Lothar Gonschor, Efringen-Kirchen

Aber nicht wegen der


Bildunterschrift.
Die Quelle dieser genialen
Aus: Nordkurier,
Formulierung in der Freien Aber nur für sächsische.
Einsenderin: Sigrid Penz,
Presse schon. Aus: Basedow
Aus: Freie Presse, Sächsische Zeitung,
Einsender: Einsenderin:
Hans-Jürgen Eichhorn, Karin Klinger,
Manchmal kann man die Zei- Plauen Dresden
tung nicht mit Gewinn lesen.
Aus: Volksstimme, Der Leser ist nicht
Einsender: Gerhard Wilcke, minder betroffen!
Stendal Aus: Neues Deutschland,
Und warum schafft er es nicht allein? Einsender: Rainer Frauenstein,
Aus: rtv-Beilage, Einsender: Bruno Müller, Künzell Kamenz

Weil niemand sonst Dieter Bohlen vermisst.


Zu stark abgedrückt? Aus: Ostsee-Zeitung, Einsender: Michael Czechan
Aus: Nordsee-Zeitung,
Einsender: Z. Hein

Denn Porsche ist selbst Sünder genug.


Aus: Mannheimer Morgen,
Einsender: Hans Dölzer, Hirschberg

Und in der Rundschau


sind wieder der Fehlerwoche.
Aus: Die Rundschau, Bietigheim-Bissingen,
Ist aber ein Bullenhai. Einsender: Ullrich Stotz
Aus: Thüringische Landeszeitung,
Einsenderin: Gerda Georgy,
Jena
Hat er sich postum endlich mal nützlich gemacht.
Aus: Sächsische Zeitung,
Einsender: Adelheid Schubert, Radebeul

Mordsspiel!
Aus: Volksstimme, Immer noch besser, als wenn gar keiner einkehrt. Alles musste er alleine machen!
Einsender: Peter Sommer, Aus: Hessische/Niedersächsische Allgemeine online, Aus: Focus online,
Magdeburg Einsender: Nils Ehrhardt, Kassel Einsender: Jörg Görlich, Torgelow

60 EULENSPIEGEL 1/19
Fehl anzeiger

Haben wir Glück, dass die OECD das gut findet!


Aus: Ostthüringer Zeitung, Schwere Entscheidung.
Einsender: Klaus Kummer, Bad Blankenburg
An der Elbe in Meißen, Einsender: M. Karsch

… befragt, warum er Der Satz auch nicht.


so spät dran ist. Aus:
Aus: Volksstimme, Westfälische Nachrichten,
Einsender: B. Zygant, Einsender: Michael Weiß,
Groß Ammensleben Warendorf

Poetische Kostbarkeit
Aushang eines Pflegeheims in Altruppin,
Einsender: Peter Moser, Potsdam Von führenden Bestattern empfohlen!
Aus: Spiegel online, Einsender: Dr. Tobias Mißbach, Chemnitz

So ein Myst!
Aus: Nord-Anzeiger, Einsenderin: Nicole Thomas

Der richtige Filmtitel gewinnt!


Schöner Trost!
Aus: Neues Deutschland,
Aus: Nordkurier,
Einsenderin: Monika Zeretzke,
Einsender:
Anklam
Dr. Volker Brasch,
Neubrandenburg
fehlanzeiger@eulenspiegel-zeitschrift.de

Hat einen dadurch er kurz


verursacht Schluss?
Aus: Neues Deutschland, Was war denn im Rucksack?
Einsender: Wohnraumsituation an den Unis immer schwieriger! Aus: Mitteldeutsche Zeitung,
Dr. Reinhard Stamm, Fotografiert in der Uni Lüneburg, Einsender: Wolfgang Peter,
Ludwigsfelde Einsender: Ralf Reibstirn Halle/Saale

EULENSPIEGEL 1/19 61
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wort: LMM. Einsendeschluss: 7. Januar 2019.

LMM-Gewinner der 1553. Runde


Gut behütet sind:

Waagerecht: 3. Im Garten verlorener der Biberratte, 20. Niedrigster Rang des Be-
Glaube, 8. Ums goldene wird getanzt, 10. dieners, 21. Mehrzahl einer Käsesorte, 22.
Spanischer Schweinemann, 11. Tablette zur Narzisstisches Schaukörperteil, 23. Halt den!,
Darmwindregulierung, 12. Ausgeweideter 24. Erstauntes Leinen, 25. Geburtsort der TV-
Adventskalender, 14. Gedrucktes Federvieh, Rangers, 26, Rechtschreibschwache Wander-
16. Kraftsportlicher Teil der Hand, 19. Aufrich- fische.
tung des Sehorgans, 26. Kurze Vermutung,
Zeichnungen: Heinz Jankofsky

27. Gegenvorschlag ohne Hinterteil, 28. Kopf- Auflösung aus Heft 12/18
bedeckung indischer Damen, 29. Mancher
kann davon eins singen, 30. Weiblicher Aktio- Waagerecht: 1. Trieb, 5. Elba, 8. Angabe,
närsgewinn, 31. Zerbrochene Sehhilfe. 10. Frist, 13. Gleich, 14. Fischbein, 15. Bast,
Senkrecht: 1. Getränkestützpunkt in Vor- 17. Aare, 19. Feuerland, 24. Profil, 26. Adria,
»Übertreibst du es »Hoffentlich ist es nicht »Ich bin vom Verfas- derasien, 2. Etliche Alpträume, 4. Mehrge- 27. Hessen, 28. Karl, 29. Gotik.
nicht ein wenig mit der nur der Hut, der dir gut sungsschutz und muss schlechtlicher Araber, 5. Stark abgebaute Be- Senkrecht: 1. Tuff, 2. Iris, 3. Bath, 4. Ag-
Datenschutzverord- steht.« Ihre Verfassung prü- legschaft, 6. Vielfache Bestätigung, 7. Endlo- ger, 5. Ebenbild, 6. Lei, 7. Achat, 9. Ali, 11.
nung?« fen.« ser Fäulnisstoff, 9. Wehrhafte Burger-Füllung, Riga, 12. Scheffel, 16. Seni, 17. Aspik, 18.
Helmut Kopplin, Reinhard Schmook, Bodo Geiersbach, 13. Westost-Sofa, 15. Korrosionsprodukt am Wulst, 20. Eis, 21. Rang, 22. Arzt, 23. Dank,
Stralsund Bad Freienwalde Duderstadt T-Träger, 17. Thüringer Grotten-Elfe, 18. Fuge 25. Ohr.

Meisterwerke Kunst von EULENSPIEGEL-Lesern, gediegen interpretiert


Doch große Werke wie dieses offen- ble eine Labilität und damit eine Ver-
baren nicht den gesamten Inhalt auf letztlichkeit und Anmut vermittelt,
Anhieb. Um in die tieferliegenden Be- wie sie heutzutage selten geworden
deutungsschichten zu gelangen, be- sind. Grund für das Aussterben der
trachten wir zunächst den Mann, der verletzlichen Architektur sind die
gemäß den Regeln des Goldenen strengen und unsinnigen Bauvor-
Schnitts im linken Drittel des Gemäl- schriften, mit denen in Deutschland
des die meiste Aufmerksamkeit auf sich jegliche Kreativität schon im Keim ver-
zieht. Seine geweiteten Pupillen verra- nichtet wird. Lediglich die Kunst hat
ten, dass er entweder auf einem schlim- heute in diesem Land noch die Frei-
men LSD-Trip oder von irgendetwas heit, der engstirnigen Bauaufsicht und
höchst beeindruckt ist. Er scheint so dem beckmesserischen TÜV, der we-
sehr überwältigt zu sein, dass er gen jeder funtkionsuntüchtigen Ent-
Eckholz, per E-Mail

sogleich nach hinten umkippen wird. rauchungsanlage den Untergang des


Woher rührt dieses Erstaunen? Von Abendlandes nahen sieht, den Stinke-
der verbeulten Wand, vor der er steht? finger zu zeigen. Künstler müsste man
Von dem einzigen im Raum befindli- sein!
chen Möbelstück, dessen versägte linke
E. Lütke-Daldrup
Hälfte zur Seite zu kippen droht? Von
Vordergründig haben wir es als Kunst- so Angesprochene bejaht – und wie der Rückwand des Raumes, die hinter
freunde hier mit einem Werk zu tun, der Betrachter sehen kann, mit Fug dem Schrank aufhört, um dann, ein gu- Auch Sie haben ein Meisterwerk er-
das sich dem Zwischenmenschlichen und Recht bejaht. Die Frau, man kann tes Stück nach hinten versetzt, weiter schaffen, das Sie sich selbst nicht er-
im Alltag widmet. Eine Person, der es sich denken, wird im Anschluss ih- zu gehen? Oder von all dem zusam- klären können? Schicken Sie es an:
Wahrscheinlichkeit nach eine Frau, ren Liebling loben und für sein hand- men? meister@eulenspiegel-zeitschrift.de,
fragt ihren »Liebling«, ob denn das werkliches Geschick mit hemmungslo- So jedenfalls ergeht es uns als Be- und unsere Fachleute kümmern sich
Bild schon an der Wand hinge, was der sem Geschlechtsverkehr belohnen. trachter, denen das komplette Ensem- darum.

64 EULENSPIEGEL 1/19
Heute vor Jahren Oder: »Früher war die EULE besser ...«

VORSPIEL UNSERE FALSCH-SPIEL-ECKE


Mensch,
ärgere Dich nicht! Voruniodyn
Spiel sei die Arbeit des Kindes, Eine sportjournalistische
so heißt es, und deshalb ernst Kostbarkeit – formuliert von
zu nehmen. Auch im 20. Le-
bensjahr unseres Staates ver- vorunio oder
spricht das Kind der zehnten
Uniovordyn oder
Muse munter zu schaffen. So
klein zwar wie Leute die Satire sonstnochwie lau-
gern sähen, bei denen sich das ten. Ah, es däm-
Ich zum Wir wie der Schnittma- mert? Gut. So, so
cher zum Schrittmacher ver- oder so, das ist
hält, sind wir nun wieder nicht. das Wort für un-
Doch für die Rückständigen sere Berliner
und Bequemen bleibt die EULE Oberliga-Fußball-
auch im neuen Jahr gern das familie. Es drückt
Enfant terrible – weniger des Heinz Florian Oertel
die Zusammenge-
Ärgerns als des Änderns we- Selbstverfreilich, hörigkeit, die
gen. diese Wortschöp- Freundschaft und Schön und gut, die Forschung zu konzentrieren.
»Besser als gerührt sein, fung stammt we- Kameradschaft
ist: sich rühren!«, heißt es bei Aber unsere Wissenschaftler hängen nun mal an ihrem
der von Martin aller drei aus. Es Betrieb!
Brecht. Für »Mensch ärgere Louis Rauwolf

dich nicht« gilt eine zweite Luther noch von umarmt Vorwärts,
volkstümliche Bezeichnung: Hans Georg Sten- Dynamo und
Rauswerfen. Die Welt soll gel, die sich Union zur glei-
sauber sein. Erlaubt daher beide, neben an- chen Zeit. Ein
der EULE die Aufforderung: deren, um die doofes Wort für
»Spül mit!« deutsche Sprache eine gute Sache.
Gerd Nagel
verdient gemacht Zufall, dass es ge-
haben. Außerdem rade heute zum

POST könnte diese Be- 11.11. ... erfun-


reicherung unse- den wurde, um
rer Umgangsspra- 11:11 Uhr zu le- Suche aus der nichtarbeitenden Bevölkerung:
Wir wünschen S c h ü t t l e r (auch ungelernt)
Karl Schrader che ebenso Dyn- sen. Frau Holle
Lilly Bonitz, Leipzig
Allen Lesern der EULE
Gerd-Dieter Kurz,
PASSIVISTEN
FOTOMORGANA
Berlin-Pankow
In Haldensleben
Gerhard Scolz, Gera
Und EULEN-Spiegelbild
Margarethe Lösch, Freiberg SPASSIVISTEN aus Senzig, Kreis
In der Oberlausitz Königs Wuster-
Heinz Krebs, Wilthen hausen: Ruhe ist
In Stand und Land Lehrlinge aus Bitterfeld entwi- die erste Bürger-
Albert Hildebrand, Berlin ckelten wirksamen Dünger so pflicht.
Landauf, landab recht nach dem Geschmack
Alfred Eichhorn, Leipzig unserer Bauern.
In Ost und West
Dietrich Kieck, Seelow
Und da soll noch mal einer sa-
Männern wie auch unseren gen: Was der Bauer nicht
Frauen kennt, das frisst er nicht!
Rolf Schmidt, Berlin Aus Junge Welt vom
Großen und Kleinen, Dicken 23.11.1968, ausgeschnitten von
und Dünnen Karl-Heinz Müller, Dresden.
Christa Weidner, Halle
Sind Sie für ein neues Jahr? Henry Büttner

Die der Satire mehr oder


weniger gewogen sind Schwein entlaufen.
Bernd Herbert Reimer, Berlin Bitte melden bei K. Löwe-
Fröhliche Feiertage nau, Dolgen.
Erich Preuß, Zittau
Einen gesunden Magen
Das Schreiben und das Lesen
Lilly Bonitz, Leipzig
ist nie sein Fach gewesen ...
Artige Kinder
Prof. Rolf Schulze, Leipzig Aus Ostsee-Zeitung vom
und alles Gute 20.11.1968, ausgeschnitten von
Horst Kasner, Templin Gerhard Zeidler, Saßnitz.

watt watt watt watt watt Gut gesagt


watt watt watt watt watt
watt watt watt watt watt
Meine Haut wird immer
dünner,
watt watt watt watt watt weil ich immer dicker
watt watt watt watt watt werde.
Fetter aus Dingsda
25 Watt ★ »Robert, du kannst jetzt jeden Tag
Die internationalen Wasserball-Wettkämpfe nehmen immer
Bitte ausschneiden und
Keine Flasche ist so voll, härtere Formen an. Empört verlassen zwei Spieler das Be-
dass sie nicht noch zu mir raufkommen – meine Eltern
aufheben, falls mal die cken, nachdem sie innerhalb von zwei Minuten außer vier
größer sein könnte. halten dich für meine Freundin!«
Taschenlampe leer ist. Zähnen sogar die Ersatz-Badehosen eingebüßt hatten.
Gunnar Glucker Karl Schrader

EULENSPIEGEL 1/19 65
Und tschüs!

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Flugzeug der Kanzlerin defekt: Kann Friedrich Merz nicht mehr bis zur Wahl warten? 10243 Berlin

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Krankenkassen-Reserven wachsen auf 21 Milliarden: Bekommt man pro Arztbesuch 10 Euro? Hartmut Berlin, Königs Wusterhau-
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Jens Spahn hält jeden Job für zumutbar: Warum arbeitet er nicht endlich als Gesundheitsminister? Ahrensfelde (1⁄2)

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Die Bände 21 bis 24 erscheinen im März 2019. Änderungen vorbehalten!

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