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Die Amwâs-Inschrift und Irenäus, Elenchos II 24, 2 Schneider, Th Zeitschrift für die Neutestamentliche

Wissenschaft und die Kunde der Ã#lteren Kirche; Jan 1, 1930; 29, Periodicals Archive Online pg. 155

Tb. S c h n e i d e r, Die Amwä.s-lnschrift und Irenäus, Elenchos IV 2 3, 3 15 5

der Verfasser der Paulusakten noch dickere Farben aufträgt, wenn


er im Martyrium den Paulus im Verhör vor Nero sagen läßt: KtXtaa.p,
ob [J-6YOY S?t 't1]; a'i]~ S1t«PXLtX' airpatOAOTOOf.1,SY, &.AAtl S?t ni~ olx.ot>[J-SY7J'
2taa1l~ (Lips. p. 110, 1 2 ), und wenn er die Römer, entsetzt über das
Morden der vielen Christen, zum kaiserlichen Palast eilen und schreien
läßt: 'Apx.st, KtXtatXp, ot 1ap !v{}pomot ~1-LStspo[ slatY. arpst, niv cp(f)!-L!Xfo>Y
-0oYC1(J.tY • (Lips. II 2, 8).
So verliert die Darstellung in den Petrusakten den" Charakter
des Anstößigen, daß ihr Verfasser unter Commodus diese Zeitver-
hältnisse in die apostolische Zeit zurückverlegt hat. In diesem Lichte
gewinnt die Frage auch nach der Benutzung der Petrusakten von
seiten des Verfassers der Grundschrift der Pseudo-Clementinen ein
ganz anderes Gesicht, und bei ihrem hohen Alter würde auch die
Annahme einer Benutzung von seiten des Verfassers des Kanon
Muratori, der von einer passio Petri und einer profectio Pauli ab
Urbe ad Spaniam proficiscentis zu berichten weiß, die er nicht in
der Apostelgeschichte gefunden hat, weniger auf Widerstand bei
den Gelehrten stoßen. Auf alle Fälle haben die neuen Bruchstücke
der Paulusakten wichtige Fingerzeige uns an die Hand gegeben.
Freilich wird erst die Publikation dieses wertvollen Fundes den
Interessenten ein selbständiges Urteil ermöglichen.
[Abgeschlossen am 25. Oktober 1930.J

Die Amwäs-Inschrift und Irenäus, Blenchos IV 23, 3.


Von Studienrat Th. Schneider in Wiesbaden.
(Wiesbaden, Mosbacher Str. 5.)

In seiner überaus lehrreichen Untersuchung über die Herkunft


und Bedeutung der Ek {}a6~-Formel behandelt Peterson 1 u. a. auch
die Amwas-Inschrift 2, zu der er S. 292 bemerkt: »Man könnte sich
vorstellen, daß auch eine Benediktionsformel sich so stark aus ihrem
ursprünglichen Zusammenhang gelöst hätte, daß sie zu einer exor-
zistischen Formel geworden sei«. Den Hinweis auf die .apokryphe
»Leiter Jakobs« mit ihrem Hymnus auf die Gottesprädikate, unter
denen auch S'me Barech vorkommt, als Zeugen für diese Vorstellung
schränkt er freilich selbst wieder ein: »Jedoch man darf auch den
Unterschied zwischen dem Beispiel aus der 'Leiter Jakobs' und
unserer Inschrift nicht verkennen. Im ersten Fall handelt es sich
nur um ein Substantiv, im zweiten dagegen um einen Satz, der
1 E. Peterson, Et; &26c;, Göttingen 1926.
2 Die Inschrift besteht aus den Worten Elc; &s6; und o',i.1',i O"' 11"i:J auf den
Seitenflächen eines Kapitells.

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6 Th. Sc h n e i der, Die Amwas-Inschrift und Irenäus, Elenchos IV 23, 3

irgend wie an die griechische Inschrift angeschlossen zu denken ist ...


Dann muß aber der Schreiber der Inschrift in st~ 3s6~ weniger eine
begriffliche Aussage, als eine Umschreibung des Gottesnamens ge-
sehen haben, dann muß s[; '3os6; in irgendeinem Sinne als Ersatz
für das Tetragrammaton gedacht sein«.
Diese wichtige Feststellung wird nun aber durch die Tatsache
ergänzt, daß nicht nur S'me Barech, sondern auch das Wort Baruch
allein als Substantiv, ja als selbständiges Wesen losgelöst von der
Benediktionsformel vorkommt, doch so, daß der ursprüngliche Zu-
sammenhang noch deutlich erkennbar ist. Denn es leidet keinen
Zweifel, daß der in dem Buch Baruch des von Hippolyt, Elenchos
V 26 bekämpften Gnostikers Justin gleichfalls wie in der »Leiter
Jakobs« nach Amen genannte Engel Baruch, der wie zu Moses so
zu Jesus als Bote von Elohim herabgesandt wird, kein anderer ist
als der aus der Benediktion stammende gepriesene Name, kein
anderer auch als der ähnlich, wie San bat 1, zum göttlichen Wesen
gewordene Baruch bei Hippolyts Lehrer Irenäus in dessen Elenchos
II 24, 2. Denn was besagt dieses Kapitel?
Nachdem Irenäus nachgewiesen hat, daß seine Gegner schon bei
dem J esusnamen mit ihren Berechnungen zuschanden werden, weil
er als nomen alterius linguae nicht nach griechischer Art berechnet
werden dürfe, wendet er sich zunächst dem griechischen Namen Jesu
arot~p zu, der aber auch in keiner Weise mit der Zahl ihres Pleromas
in Übereinstimmung zu bringen ist. Dann geht er zum Namen !)Iriaoo,
über, der im Griechischen nicht, wie sie behaupten, aus sechs, son-
dern nur aus fünf Buchstaben besteht, offen bar weil das lroircx. als
kleinster Buchstabe nicht mitzählt oder höchstens als halber Buch-
stabe gerechnet werden kann. Dieser Name muß überhaupt nach
der älteren hebräischen Sprache gedeutet werden. Hier weist aber
sein Numerus nur 2 1/ 2 Buchstaben auf {nämlich ~w:}, und diese be-
deuten nach der Aussage gelehrter Hebräer 2 den >->Herrn Himmels
und der Erde«. Dieser Jesusname schließt also in Wirklichkeit das
Pleroma ein, was bei ihrer Berechnung nicht herauskommt. Aber auch
der Name Xptat6; müßte eine Zahl ergeben, die zu den Aeonen ihres
Pleromas paßt. Ebenso müßte der IltX~p und der Bo~6c; ihres Systems
den Buchstaben und deren Zahlenbedeutung nach die Zahl der aus
ihnen hervorgegangenen Aeonen enthalten. Ganz besonders aber
1
Vgl. jetzt Reitzenstein-Troje in Reitzenstein, Die Vorgeschichte der christlichen
Taufe, Leipzig 1929 S. 332.
2
Natürlich sind c h r ist 1 ich e Hebräer, nicht Rabbinen, gemeint, wie man an-
genommen hat. lrenäus selbst konnte also kein Hebräisch, sondern gab nur wieder, was
er über diese Dinge hörte und wie er es hörte.

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Th. Schneider, Die Amwas-Inschrift und Irenäus, Elenchos IV 23, 3 157

müßte das der Fall sein beim Monogenes et maxime autem bei dem
super omnia nomen 1, quod dicitur Deus ('3-s6c;), quod et ipsum hebraice
Baruch dicitur et duas et dimidiam habet litteras.
Diese Stelle war bisher eine Crux interpretum. Alles, was
Stieren I 367 zur Stelle beibringt, löst das Rätsel nicht. Zwar weist
er schon auf die Formel: »Hakkadosch, Baruch hu « hin sowie auf
die Tatsache, daß Baruch geradezu als Cognomen Dei gilt. Er sieht
auch, daß dies Wort, für das in manchen Handschriften auch barneth
steht, im Hebräischen eben nicht, wie man gemeint hat, mit
2 1/ 2 Buchstaben geschrieben wird, daß also die Stelle duas et dinii-
diam habet litteras nur auf das nomen, quod dic:itur Deus, bezogen
werden kann. Da er aber auch weiß, daß weder '3-s6c; noch das
hebräische Tetragrammaton 2 1/ 2 Buchstaben haben, kann er sich die
Stelle nur so erklären, daß Irenäus mit dem super omnia nomen den
hebräischen Jesusnamen gemeint habe, in dessen erstem Buchstaben
nach der Deutung y~~l o:~~ :i':i~ = ~'rD~ der Ihvhname vorkomme.
Auf diese Deutung sei er durch das Wörtchen hebraice im folgenden
Relativsatz gekommen. Stieren selbst gibt aber zu, daß dies nur
eine Verlegenheitsauskunft ist.
Nun wissen wir aber durch Peterson, daß nicht nur in dem grie-
chischen stc; '3os6c; der Am was-Inschrift der Ihvhname im apotropäischen
Sinn irgendwie enthalten gedacht war, ebenso wie der Iaoname in
den Papyri als ein im Himmel, auf Erden und unter der Erde ge-
fürchteter Name verwandt wurde, sondern daß auch in lateinischen
Übersetzungen von Dtn 6 4 bei Rufin, Irenäus 2, Priscillian und
Augustin statt iMN :ii:i~ (LXX x6ptoc; stc; S<mY) nicht Dominus, son-
T "." T :

dem Deus units est steht, daß hier also Deus als Ersatz für den lhvh-
namen gebraucht wird. Das weist auf den gleichen Gebrauch von &s6~
für x6pto<; hin, der also auch für sich allein als Deckname für das
Tetragramm verwandt werden konnte. Dieser allerheiligste Name,
den schon der Hohepriester im apotropäischen Sinn in den älteren
priesterlichen Schriftzeichen am Stirnschild trug, galt nun zwar als
zuerst dem jüdischen Volk geoffenbart, in Wirklichkeit aber als ein
Geheimname, der allen Völkern gemeinsam ist und am besten gar
nicht ausgesprochen wird. Wenn er aber ausgesprochen wird, heißt
er :ilcxro. Vor diesem Namen muß sich alles beugen oder weichen,
was im Himmel, auf Erden und unter der Erde ist. Er muß deshalb
auch gar nicht aus der hebräischen Sprache abgeleitet werden, wie
das bei dem hebräischen Wort Baruch (1~i~) der Fall ist. Die
1 Daß hier an Phil 2 9 gedacht ist, scheint Stieren entgangen zu sein. Wenigstens
weist er nicht darauf hin.
2
Siehe Irenäus (Stieren) I 777. Peterson S. 293.

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J. B a 1 o g h, Acedia

Gnostiker deuteten ihn ja in der Weise, daß sie behaupteten, er be-


deute so viel wie Halt!: toY "Opov 'XmAOOY'ttx txfirljv (seil. rlJv OOfttxY)
'r:1j~ al, tOOf.L7tpoa.ß.sy opf.L'Yj~ st7tstv 'lrxro • 5i&sv to =>ltxro OYOf.Ltx 1s1sv'i]o'3-«t
fcia-x.ovts~ 1• Dieser Name über alle Namen, der höher ist als Iltx~p
und Ilpo1tcitrop, der hebräisch Baruch heißt, in Wirklichkeit aber nur
.ß.s6~ genannt werden kann, hat in der Tat nur 2 1/ 2 Buchstaben, denn
das Iota kann auch im Griechischen, wie wir gesehen haben, für
Irenäus nur als halber Buchstabe gerechnet werden. Die phan-
tastische Deutung der Gnostiker lehnt Irenäus zwar ab, aber auf-
fallend bleibt es auch für ihn, daß sich der geheimnisvolle Name Iao,
den man griechisch mit '3-s6~ bezeichnet, und der hebräisch auch
Baruch heißt, ebenso wie der hebräische Name für Jesus mit
2 1/ 2 Buchstaben schreibt. Das weist auf einen tieferen Zusammenhang
hin, als die Gnostiker bei ihren Berechnungen ahnten. Er darf am
Schlusse glauben, sie mit ihren eigenen Waffen geschlagen zu haben:
Ex hoc ergo, quod firmiora nomina secundum hebraicam et graecitatis
linguam nec secundum numerum litterarum nec secundum suppu-
tationem conveniunt figmento eorum, manifesta est de reliquis impu-
denter extorta supputatio. Mit dieser Deutung erklärt sich auch am
besten die Gleichsetzung von 'Irxro mit !)Ixi&6~ auf der von Dölger 2
bekannt gemachten Gemme.
Andererseits wird durch die von Justin selbst stammende Deutung,
daß unter dem Engel Baruch der J es 1 2 genannte -x.6pt0~ (Jhvh) gemeint
sei 8, dessen Ableitung von Zarathustra als dem dritten Gesandten über-
flüssig 4. Mit Baruch, dem Schrei her (des Jeremias), hat der Engel
Baruch bei Justin nichts zu tun. Das ist nicht die unwichtigste Er-
kenntnis, die wir der Amwas-Inschrift verdanken.
[Abgeschlossen am 28. Mai 1930.J

Acedia.
Das jüngst erschienene Aszetische Handbuch Rouet de Journels :>
wird vermutlich recht viel Abnehmer finden und bald eine zweite
Auflage erleben. Für diesen Fall möchte ich hier darauf hinweisen,
daß den beiden fleißigen Bearbeitern des patristischen Materials eine
der schönsten &-x.11oftx-Stellen entgangen ist, die wir aus dem Früh-
christentum kennen. Für acedia finden wir nur die wirklich recht
farblosen und wenig charakteristischen Belege S Ioannes Climacus,
Scala Paradisi; Thalassus, Centuriae 3, 5 1 ; schließlich S. Ioannes
Damascenus De octo spirit. nequitiae 8. Nun steht aber eine viel
1
Irenäus, Elenchos I 4, 9 f.
2
F. J. Dölger, Das Fischsymbol in der frühchritlichen Zeit, München 1928, S. 267 f.
Fig. 35 a. a Elenchus V, 26, 36.
4
Reitzenstein, Das iranische Erlösungsmysterium, Bonn 1921, S. 99 und 101.
5
Rouet de Journel et Dutilleul : Enchiridion Asceticum, Freiburg i. B., Herder I 930.

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