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BBZW Berufsbildungszentrum Multimediaelektroniker/in EFZ HKB 1

Wirtschaft, Informatik und Technik


HK 1.3.2 Leitungsgebundene Übertragungsmedien verstehen

Modulationen (analog)
Elektrische NF-Signale können nicht direkt als elektromagnetische Wellen in den freien
Raum abgestrahlt werden. Aus diesem Grund werden die NF-Signale mit Hilfe eines HF-Trä-
gers verbreitet. Das NF-Signal beeinflusst je nach Modulationsart auf unterschiedliche Weise
das Trägersignal.

Unter Modulation versteht man eine Beeinflussung eines


hochfrequenten Trägersignals durch ein niederfrequentes
Modulationssignal.

Grundsätzlich wird einem hochfrequenten Trägersignal die zu übertragende Nachricht aufge-


prägt und über einen Sender abgestrahlt. In einem Empfänger wird das Nutzsignal wieder
vom Trägersignal getrennt und weiter verarbeitet. Diesen Vorgang bezeichnet man als De-
modulation.

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Amplitudenmodulation AM

Bei der Amplitudenmodulation AM wird die Amplitude des Träger-


signals im Takte des Modulationssignals verändert.

Dies kann mit Hilfe eines Bauteils mit einer nichtlinearen Kennlinie (Diode, Transistor) oder
mit einer Multiplikation beider Signale in einem Multiplizierer erfolgen.

Das Träger- und das Modulationssignal werden zu einem Summensignal addiert und an-
schliessend an der nichtlinearen Kennlinie verzerrt. Am Ausgang des Modulators wird das
verzerrte Signal durch einen nachgeschalteten Bandpass in eine, zur Nulllinie symmetri-
sches, moduliertes Signal umgewandelt.

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Je grösser die Amplitude des Modulationssignals ist, umso grösser werden die Amplitude-
nänderungen des Trägersignals. Zu beachten ist, dass das Modulationssignal niemals grös-
ser als die Trägeramplitude werden darf, weil sonst Verzerrungen bei der Demodulation auf-
treten. Zu kleine Modulationsspannungen führen aber zu Störungen die dem Modulationssig-
nal überlagert werden. Eine Grösse für das Verhältnis zwischen Modulationsspannung und
Trägersignal ist der Modulationsgrad m.

Modulationsgrad m in %
u
m = Mmax  100 Maximale Modulationsspannung uMmax in V
u Tmax
Maximale Trägerspannung uTmax in V

u SSmax  u SSmin
m=  100
u SSmax  u SSmin

Bei Messsendern ist der Modulationsgrad 30%.


Bei Rundfunksendern beträgt der Modulationsgrad m bei grösster Lautstärke m = 80 % und
im Mittel m = 30 %.

Bei der Frequenzanalyse des Frequenzspektrums stellt man fest, dass nebst der Trägerfre-
quenz noch Seitenfrequenzen vorhanden sind.

Differenzfrequenzen Summenfrequenzen

fU = fT - fNF fO = fT + fNF

untere Seitenschwingungen fO in Hz obere Seitenschwingungen fU in Hz


Trägerfrequenz fT in Hz Signalfrequenz fNF in Hz

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Da nicht einzelne Frequenzen, sondern Frequenzbänder übertragen werden, spricht man


von Seitenbändern. Bei der Analyse des Spektrums erkennt man noch folgende Gesetzmäs-
sigkeiten.

Die abgestrahlte Leistung ist zum grössten Teil im Träger enthalten, d.h.
die für das Nutzsignal vorhandene Leistung ist verhältnismässig klein.

Abgestrahlte Leistung PAM in W


2
m
PAM = PT (1 + ) Trägerleistung PT in W
2
Modulationsgrad als Dezimalwert

Abgestrahlte Leistung PAM in W


PAM = PT + 2 PSB Trägerleistung PT in W
Leistung des Seitenbandes PSB in W

Die benötigte Bandbreite eines amplitudenmodulierten Signals wird von der höchsten
zu übertragenen Frequenz des Modulationssignals bestimmt.

B = 2  fMmax Bandbreite B in Hz
Maximale Modulationsfrequenz fMmax in Hz

Zur Übertragung einer Amplitudenmodulation ist die doppelte


Bandbreite der höchsten Frequenz des NF-Signals erforderlich.

Im LMK-Bereich hat man sich auf eine Senderbandbreite von 9 kHz festgelegt, d.h die
höchste übertragene NF-Frequenz kann 4.5 kHz betragen.

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Einseitenband-Modulation

Wie aus dem Spektrum sichtbar, werden bei einer Amplitudenmodulation zwei Seitenbänder
erzeugt, die in sich die gesamte Information des Modulationssignals enthalten. Mit Hilfe eines
steilflankigen Filters wird ein Seitenband unterdrückt. Wird gleichzeitig auch der Träger unter-
drückt, muss bei der Demodulation wieder ein Träger mit gleicher Frequenz und Phasenlage
zugefügt werden.
Beim analogen Fernsehen wird beispielsweise ein Seitenband, der Träger und ein Restsei-
tenband übertragen.

Mit Hilfe der Einseitenbandmodulation kann Bandbreite eingespart


und die Reichweite vergrössert werden.

Anwendungen: kommerzielle Nachrichtenübertragung, analog TV, Funkamateure

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AM mit unterdrücktem Träger


Da wie bekannt das Trägersignal den grössten Teil der Leistung beinhaltet und keine Infor-
mation des Modulationssignals enthält kann er auch unterdrückt werden. Dabei muss beach-
tet werden, dass bei der Demodulation wieder ein frequenz- und phasengenauer Träger hin-
zugefügt werden muss. Zur Restauration des Trägers genügt ein übertragener Rest von 1%
des ursprünglichen Trägers.
Die Modulation erfolgt über einen Multiplizierer oder einen Ringmodulator, der in sich den
Träger unterdrückt.

Das Ausgangsprodukt enthält nur die beiden Seitenbänder.

Anwendung : Stereosignal bei UKW

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Quadraturmodulation
In der analogen Farbfernsehtechnik wird die Farbträgerschwingung mit den beiden reduzier-
ten Farbdifferenzsignalen moduliert.

Die beiden Modulationssignale werden mit einem Träger der gleichen Frequenz und
Amplitude aber mit einer gegenseitigen Phasenverschiebung von 90° amplitudenmoduliert.
Anschliessend werden die beiden Modulationsprodukte miteinander addiert. Das Ausgangs-
signal ist eine phasen- und amplitudenmodulierte Schwingung.

Bei der Quadraturmodulation können zwei unterschiedliche


Modulationssignale über einen Träger abgestrahlt werden.

Aufgaben :

1. Ein amplitudenmodulierter 100 kW-Sender hat einen Modulationsgrad von 70%. Berech-
nen Sie die abgestrahlte Leistung des Trägers und die abgestrahlte Leistung eines Sei-
tenbandes.

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2. Eine amplitudenmodulierte Schwingung hat einen Modulationsgrad m = 40% und eine


unmodulierte Spitzen-Spitzenspannung des Trägers uSS = 1.2 V.
Berechnen Sie den maximalen Spitzenwert der modulierten Hochfrequenz.

0.24 Vs

3. Bei einer amplitudenmodulierten Schwingung betragen uSSmax = 64 V und


uSSmin = 20 V.
Berechnen Sie die Amplitude der NF und den Modulationsgrad.

0.524 = 52.4%

22 Vs

Frequenzmodulation (FM)

Bei der Frequenzmodulation wird die Trägerfrequenz im Takt des


Modulationssignals verändert.

Die Amplitude des Trägersignals bleibt dabei gleich gross.

Grundsätzlich lässt sich die Frequenz eines LC-Oszillators durch die Änderung der Kapazität
beeinflussen. In der Praxis wird dieses Prinzip mit der Hilfe von Kapazitätsdioden realisiert.

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Mit der Modulationsfrequenz wird die Kapazität der in Sperrrichtung geschalteten Kapazitäts-
diode VD1 proportional verändert. Dadurch ändert sich die Resonanzfrequenz des Schwing-
kreises und somit die Frequenz des Trägeroszillators.
Bei unserem Beispiel wird mit P1 der Arbeitspunkt, die Mitten- resp. Grundfrequenz des Trä-
gersignals eingestellt. Das über C3 zugeführte Modulationssignal verändert entsprechend die
Frequenz des Trägers.

Je grösser die Amplitude des Modulationssignals ist, umso grösser wird der Frequenzversatz
des Trägersignals. Dabei ist zu beachten, dass die Amplitude des Modulationssignals inner-
halb des linearen Bereiches der Kapazitätsdiode bleibt.
Je grösser die Frequenz des Modulationssignals ist, umso mehr Frequenzänderungen treten
pro Zeiteinheit bei Träger auf.

Die Abweichung der Trägerfrequenz von der Grundfrequenz bezeichnet man als Frequenz-
hub f.

Der Frequenzhub f ist ein direktes Abbild der Amplitude des


Modulationssignals.

Bei UKW-Sendern beträgt der Frequenzhub maximal f =  75 kHz und beim Fernsehton
f =  50kHz.

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Das Verhältnis zwischen Frequenzhub f und Modulationsfrequenz fM bezeichnet man als


Modulationsindex .

Modulationsindex 
Δf
δ Frequenzhub f in Hz
fM
Maximale Modulationsfrequenz fM in Hz

Der eingesetzte Modulationsindex für den UKW-Rundfunk und den Fernsehton ist  = 5.

UKW: f = 75 kHz ; fMmax = 15 kHz


Fernsehen: f = 50 kHz ; fMmax = 10 kHz

Die Analyse des Frequenzspektrums einer Frequenzmodulation zeigt, dass nebst der Träger-
frequenz noch unzählige Seitenfrequenzen vorhanden sind. Diese Seitenfrequenzen haben
von der Trägerfrequenz einen Abstand von einem ganzzahligen Vielfachen der Modulations-
frequenz.
Damit die erforderliche Bandbreite bei FM-Übertragungen nicht zu gross wird begrenzt man
das abgestrahlte Frequenzband. In der Regel werden Seitenfrequenzen mit der Amplitude
 3% unterdrückt, da diese keinen grossen Einfluss auf die Qualität der Information haben.

Wie man weiter im Spektrum feststellt, ist die Energie gegenüber der AM über das gesamte
Spektrum verteilt.

Für die Frequenzmodulation mit ihren besseren Übertragungseigenschaften wird eine grös-
sere Bandbreite zur Übertragung benötigt.

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Bandbreite b in Hz

b  2Δf  fM  Frequenzhub f in Hz

Maximale Modulationsfrequenz in Hz

Gegenüber der Amplitudenmodulation besitzt die Frequenzmodulation erhebliche Vorteile


im Bereich der Störunterdrückung und der Dynamik.
Störungen von Motoren oder Zündfunken treten überwiegend als Amplitudenschwankungen
auf, die bei der Demodulation durch eine Begrenzerschaltung aufgefangen werden können.

Ein Nachteil der Frequenzmodulation, der immer kleiner werdende Signalrauschabstand bei
höherer Modulationsfrequenz, kann durch die so genannte Preemphasis behoben werden.

Bei der Preemphasis werden die höheren Modulationsfrequenzen


linear durch einen Hochpass angehoben.

Normalerweise sinkt der Modulationsindex mit zunehmender Modulationsfrequenz. Durch die


Preemphasis entsteht bei höheren Modulationsfrequenzen ein grösserer Hub und der Modu-
lationsindex bleibt in etwa gleich.

Phasenmodulation

Bei der Phasenmodulation wird die Phasenlage des Trägersignals


innerhalb der Periodendauer im Takt der Modulationsspannung
verändert.

Dabei bleiben die Trägerfrequenz und die Amplitude konstant.

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Vorteile der Phasenmodulation gegenüber der Frequenzmodulation sind:

Für die Trägerfrequenz können stabilisierte Oszillatoren eingesetzt werden,


da indirekt moduliert wird.

Der Modulationsindex ist unabhängig von der Modulationsfrequenz und damit


bleibt der Störabstand über das gesamte übertragene Frequenzband konstant.

Als Phasenhub bezeichnet man den Phasenversatz der


Trägerschwingung zur Grundschwingung.

Aufgaben :

1. Ein Sender mit FM arbeitet mit einem Frequenzhub von höchstens 75 kHz.
Berechnen Sie den Modulationsindex und die erforderliche Bandbreite für die grösste
Signalfrequenz fS 15 kHz.

2. Bei einer frequenzmodulierten Nachrichtenüberragung steht eine Bandbreite


b = 10.4 kHz zur Verfügung.
Berechnen Sie den grössten Frequenzhub und den Modulationsindex für eine grösste
Signalfrequenz fS = 3.4 kHz

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